Requisiten im Slam: Erlaubt, verboten, überflüssig?

Garderobenmarken · Poetry Slam Requisiten

Requisiten im Slam: Erlaubt, verboten, überflüssig?

Poetry Slam Requisiten: Ein Waschbär klettert aus einem Koffer voller Requisiten auf dem Bahnsteig
Ein Waschbär klettert aus einem Koffer voller Requisiten · bahn-slam.de

Freitag, 19:40 Uhr, die Saalgarderobe im alten Bahnhofssaal.

Lukas, 24, tritt heute zum ersten Mal bei einem Slam auf, und er hat einen Koffer dabei.

Darin liegen seine Poetry Slam Requisiten: ein Hut, eine Plastikrose, eine Sonnenbrille, eine Taschenlampe und ein Kuscheltier.

Erika, die hier seit Jahren die Garderobe macht, schaut in den Koffer.

Lukas fängt an zu erklären.

Der Hut für den Großvater.

Die Rose für die Liebesszene.

Die Taschenlampe für den nächtlichen Teil.

Erika lässt ihn ausreden.

Das ist fast das Schlimmste.

Dann schiebt sie ihm eine Garderobenmarke über den Tresen, Nummer 17.

„Requisiten sind hier nicht erlaubt, steht in den Regeln“, sagt sie.

„Und ehrlich?“

„Du brauchst die auch nicht.“

Lukas und Erika gibt es so nicht. Aber den Koffer mit der großen Idee darin haben schon viele zu ihrem ersten Slam geschleppt.

Kennst du das?

Du hast eine Idee, und zwar eine gute.

Bei der Stelle mit dem Großvater setzt du seinen Hut auf.

Das Publikum wird das lieben, denkst du.

Wird es aber nicht.

Und gleich verstehst du, warum.

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Poetry Slam Requisiten: die kurze und die lange Antwort

GARDEROBE
Bitte Requisiten hier abgeben.

Mit auf die Bühne darf praktisch überall genau eins: dein Text, auf Papier oder auf dem Handy.

Haftungshinweis: Für Pointen, die ein Hut übernehmen sollte, haftet die Garderobe nicht.

Zuerst die kurze Antwort, denn deswegen bist du hier.

Nein.

Requisiten sind bei den allermeisten Slams nicht erlaubt.

Das gilt für Hüte, Instrumente, Kostüme, Kuscheltiere und die Plastikrose.

Jetzt die lange Antwort, und die ist die eigentlich interessante.

Selbst wenn Requisiten erlaubt wären, solltest du keine benutzen.

Denn jede Requisite nimmt deinem Text eine Aufgabe ab.

Und ein Text, dem man Aufgaben abnimmt, wird schwächer.

Nicht stärker.

Woher das Verbot kommt

Hausordnung · warum die Regel gilt

§ 1 Fairness. Alle bekommen dieselben Mittel: Zeitlimit, Mikro, kein Budget. Wer eine Gitarre mitbringt, spielt ein anderes Spiel als die, die nur einen Zettel hat.

§ 2 Praxis. Ein Slam-Abend hat viele Auftretende und keine Umbaupausen. Müssen drei Leute etwas aufbauen, kippt der Abend.

§ 3 Kunstform. Beim Slam wird Sprache bewertet. Mit einem Gegenstand bewertet der Saal auch die Idee mit dem Gegenstand.

Die Regeln sind lokal verschieden. Im Zweifel vorher die Moderation fragen.

Das Verbot ist keine Schikane.

Es ist der Kern der ganzen Veranstaltungsform.

Der Poetry Slam entstand in den Achtzigerjahren in Chicago, aus einer sehr einfachen Idee heraus.

Alle bekommen exakt dieselben Mittel.

Damit war es plötzlich egal, ob du Geld hast oder eine Schauspielausbildung.

Genau das macht die Sache fair.

Und genau das ruinierst du mit einem Koffer.

Marc Kelly Smith · „SlamCulture 2011 – Marc Smith Interview – Slam in Europe“ · blyworx

Hier spricht der Mann, der als Erfinder des Poetry Slam gilt.

Achte darauf, was er über den Kern des Formats sagt, und frag dich, ob darin irgendein Gegenstand eine Rolle spielt.

Zehn Garderobenmarken, zehn Urteile

Zehn Garderobenmarken · zehn Urteile

01
Das Textblatt
DARF MIT
Überall erlaubt und keine Schande. Auf Brusthöhe halten, Seiten nummerieren, Mappe statt loser Blätter.
02
Der Hut
BLEIBT HIER
Ab dem Aufsetzen schaut der Saal auf den Hut. Ein halber Schritt zur Seite erledigt dasselbe in einer halben Sekunde.
03
Das Instrument
BLEIBT HIER
Verschiebt die Bewertung vom Text zur Musik. Für Gesang gibt es offene Bühnen und Musikformate.
04
Das Kostüm
BLEIBT HIER
Wer im Anzug kommt, weil er Anzüge trägt, ist fein raus. Wer ihn für eine Figur anzieht, trägt ein Kostüm.
05
Die Sonnenbrille
GRENZFALL
Formal keine Requisite, praktisch ein Handicap. Sie nimmt dir die Augen.
06
Das Handy als Textquelle
DARF MIT
Helligkeit hoch, Flugmodus an.
07
Das Wasserglas
DARF MIT
Nur wenn nötig. Ein Glas auf einem wackligen Hocker wartet auf seine Panne.
08
Das Erinnerungsstück
GRENZFALL
Die Uhr deines Vaters in der Hand. Frag vorher, und frag dich ehrlich, ob du sie für den Text brauchst oder für dich.
09
Das Kuscheltier
BLEIBT HIER
Gedacht als rührender Moment, gelesen als angekündigte Rührung.
10
Die Requisite, die es nicht gibt
DARF MIT
Der nur behauptete Gegenstand. Kostet nichts und geht durch jede Regel.

Erika hat für jede Marke ein Urteil parat.

Drei Dinge dürfen mit, zwei sind Grenzfälle, der Rest bleibt hier.

Die zehnte Marke ist die wichtigste.

Du hältst nichts in der Hand und beschreibst trotzdem, wie schwer es ist.

Der Saal sieht es.

Das funktioniert besser als jedes echte Ding.

Am Garderobentresen

Welcher Gegenstand darf bei einem klassischen Slam mit auf die Bühne?

Auflösung anzeigen

C. Der Text auf Papier oder Handy ist praktisch überall erlaubt. Hut, Instrument und Rose bleiben an der Garderobe, und ehrlich gesagt kann Sprache ihre Arbeit besser.

JUB Ulm · „Spiel doch zuhause – Theaterpädagogische Übungen, Teil 1“ · YouTube

Achte beim Zuschauen darauf, bei welchen Übungen ein Gegenstand nur behauptet wird.

Probier eine davon mit der Stelle aus deinem Text, für die du eigentlich eine Requisite wolltest.

Tschechows Gewehr, oder: warum dein Hut eine Lüge ist

Das Garderobenhaken-Prinzip

Was sichtbar hängt, ist ein Versprechen.

Der Saal fragt sich die ganze Zeit: Wozu ist das da, was passiert damit?

Diese Frage kostet Aufmerksamkeit, noch bevor du das Ding benutzt.

Aus dem Theater kommt eine alte Regel, die dein Requisitenproblem besser erklärt als alles andere.

Anton Tschechow hat sie sinngemäß so formuliert: Hängt im ersten Akt ein Gewehr an der Wand, muss es später auch abgefeuert werden.

Sonst gehört es nicht dorthin.

Für dich heißt das: Jeder sichtbare Gegenstand ist ein Versprechen.

Aber hier kommt der Haken:

Wenn du den Hut aufsetzt und wieder abnimmst, hast du das Versprechen eingelöst, nur winzig.

Der Saal hat drei Sekunden auf ein Ereignis gewartet und ein Accessoire bekommen.

Deshalb funktioniert das nie so gut, wie du es dir vorstellst.

Schadensmeldung · was Requisiten deinem Text antun

S1Sie nehmen dem Text die Arbeit ab. Zeigt der Hut den Großvater, muss deine Sprache es nicht mehr. Genau diese Beschreibung wäre der bessere Teil gewesen.
S2Sie machen dich zum Handwerker. Aufsetzen, absetzen, ablegen. Logistik sieht nach Arbeit aus, nie nach Kunst.
S3Sie wecken Erwartungen. Wer einen Koffer sieht, rechnet mit einer Nummer.
S4Sie kosten Zeit. Zwanzig Sekunden Hantieren sind bei fünf Minuten fast sieben Prozent deiner Bühnenzeit.
S5Sie verraten Unsicherheit. Ein Gegenstand in der Hand ist meistens ein Rettungsring.

Merkst du das Muster?

Jeder Punkt läuft auf dasselbe hinaus: Die Requisite ersetzt etwas, das dein Text besser könnte.

Zehn Wege ohne Requisite

Leihgaben der Garderobe · zehn unsichtbare Ersatzteile

LEIHGABE 01
Die Handhaltung
Du formst die Hand um einen Gegenstand, der nicht da ist. Der Saal ergänzt ihn.
LEIHGABE 02
Das eine Detail
Statt den Hut zu zeigen: der Schweißrand im Futter.
LEIHGABE 03
Der Positionswechsel
Ein halber Schritt zur Seite für jede Figur.
LEIHGABE 04
Die Stimmfarbe
Eine andere Tonlage oder ein anderes Tempo, nur leicht verschoben.
LEIHGABE 05
Der Blick auf das Nichts
Du schaust auf eine leere Stelle, und der Saal sieht mit.
LEIHGABE 06
Das Geräusch im Text
Statt die Taschenlampe anzuknipsen, beschreibst du das Klicken.
LEIHGABE 07
Die Zeitangabe
„Kurz nach drei“ baut die Nacht besser als jede Lampe.
LEIHGABE 08
Das Gewicht in der Stimme
Bei etwas Schwerem langsamer und tiefer werden.
LEIHGABE 09
Die Aussparung
Nicht die Uhr, sondern der weiße Streifen am Handgelenk.
LEIHGABE 10
Der Rhythmuswechsel
Wo die Requisite gekommen wäre, wechselst du das Tempo.

Du brauchst trotzdem eine Lösung, klar.

Hier sind zehn, und keine davon passt in einen Koffer.

Die billigste ist der Blick auf das Nichts.

Du schaust auf eine Stelle, an der nichts ist, als läge dort etwas.

Der Saal folgt deinem Blick und sieht mit.

Das ist der günstigste Spezialeffekt der Welt.

Die stärkste ist die Aussparung.

Wer den weißen Streifen am Handgelenk beschreibt, muss die Uhr gar nicht mehr erwähnen.

Poetry Slam Requisiten: Ein Waschbär zwischen Mänteln an der Garderobe einer Bahnhofshalle
Ein Waschbär zwischen Mänteln an der Garderobe einer Bahnhofshalle · bahn-slam.de

Zehn Szenen: Gegenstand gegen Sprache

Abholschein · zehn Szenen, zwei Fassungen

SZENE 01 · Der Großvater
MIT GEGENSTAND
Hut aufsetzen, drei Sekunden Hantieren.
MIT SPRACHE
Halber Schritt zur Seite, Stimme eine Spur tiefer.
SZENE 02 · Die Liebesszene
MIT GEGENSTAND
Plastikrose aus der Tasche. Von der ersten Reihe sieht man das Plastik.
MIT SPRACHE
Beschreib, wie die Dornen abgeschnitten waren.
SZENE 03 · Die Nacht
MIT GEGENSTAND
Taschenlampe an. Im Bühnenlicht sieht man sie kaum.
MIT SPRACHE
„Kurz nach drei, und die Laterne vor dem Haus war seit Wochen kaputt.“
SZENE 04 · Der Brief
MIT GEGENSTAND
Echtes Papier neben dem Textblatt. Was ist was?
MIT SPRACHE
Langsamer und förmlicher sprechen.
SZENE 05 · Das Telefonat
MIT GEGENSTAND
Handy ans Ohr. Der Saal denkt an dein Handy.
MIT SPRACHE
Pausen, in denen die andere Person spricht.
SZENE 06 · Der Auszug
MIT GEGENSTAND
Ein echter Koffer, der die ganze Zeit Fragen stellt.
MIT SPRACHE
Beschreib, was hineinpasst und was nicht.
SZENE 07 · Das Kind
MIT GEGENSTAND
Eine Puppe im Arm, und alle sehen den Stoff.
MIT SPRACHE
Die Armhaltung und wie schwer der Kopf ist.
SZENE 08 · Die Zigarette
MIT GEGENSTAND
Fast überall verboten, sonst Ablenkung.
MIT SPRACHE
Das Klicken des Feuerzeugs im Text.
SZENE 09 · Die Bedrohung
MIT GEGENSTAND
Selbst eine Attrappe erzeugt das falsche Unbehagen.
MIT SPRACHE
Die Reaktion der anderen: wie still es wurde.
SZENE 10 · Der Abschied
MIT GEGENSTAND
Urne oder Blume machen es sofort kitschig.
MIT SPRACHE
Das Gewicht in den Händen und die Frage, wohin damit.

Zehnmal dieselbe Idee, einmal mit Ding und einmal mit Worten.

Siehst du, wie oft die Sprache nicht nur gleichzieht, sondern gewinnt?

Das Telefonat ist dabei eine der stärksten Techniken überhaupt.

Du reagierst auf etwas, das niemand hört.

Und der Saal hört es trotzdem.

Die neunte Szene verdient einen eigenen Satz.

Bei einer Bedrohung ist selbst eine Attrappe ein Fehler, denn sie erzeugt im Saal echtes Unbehagen, und zwar das falsche.

Drei Zeugen und die Ausnahmen

Garderobenbuch · drei Zeugen

Marc Kelly Smith · Chicago, Mitte der 1980er
Der Bauarbeiter und Dichter gilt als Erfinder des Poetry Slam. Grundidee: Gleichheit. Alle haben dieselben Mittel, und das Publikum bewertet.
Sarah Kay · TED, 2011
Ein Mensch, ein Mikro, Sprache. Zähl die Dinge, die du siehst, obwohl sie nicht auf der Bühne stehen.
Die Requisitenkomiker · Carrot Top, früher Gallagher
Ganze Karrieren auf Gegenstände gebaut. Das funktioniert, weil der Gegenstand dort die Pointe ist und nicht ihre Illustration.
Sarah Kay · „If I should have a daughter …“ · TED

Zähl beim Zuschauen die Dinge, die du vor dir siehst, obwohl sie nicht auf der Bühne stehen.

Das ist der ganze Beweis.

Die Requisitenkomiker sind das faire Gegenbeispiel.

Ist dein Gegenstand die Pointe, baust du Requisitenkomik.

Zeigt er nur, was der Text schon sagt, baust du eine Doppelung.

Und Doppelungen sind im Slam immer die schwächere Lösung.

Sondergenehmigungen · wo es doch geht

Der Themenslam. Manche Abende lockern die Regeln bewusst. Dann steht das in der Ausschreibung.

Die offene Bühne. Kein Wettbewerb, keine Punkte, oft keine Regeln. Genau dafür ist sie da.

Der Musikslam. Formate, in denen Instrumente ausdrücklich dazugehören.

Das eigene Programm. Im abendfüllenden Soloauftritt gelten deine Regeln.

Die eigene Kleidung. Keine Requisite, solange sie deine ist und kein Kostüm.

Die Regeln sind lokal verschieden.

Frag die Moderation, bevor du etwas mitbringst.

Das kostet dich eine Nachricht und erspart dir eine Diskussion zwanzig Minuten vor deinem Auftritt.

Koffer-Inventur: Räum ihn aus

Koffer-Inventur · vier Schritte

1
Markier jede geplante Requisite. Jeden Gegenstand, jede Verkleidung, auch die, die du nur im Kopf hattest.
2
Stell zu jedem eine Frage. Was genau soll dieser Gegenstand zeigen? Die Antwort in einem Satz.
3
Ersetz die Antwort durch Sprache. Zwei, drei Zeilen, die dasselbe leisten. Meist sind sie besser als das Ding.
4
Zähl, was übrig bleibt. Oft ist es nichts.

Drei Übungen für heute Abend: Die leere Hand (beschreib einen Gegenstand so genau, dass jemand ihn zeichnen könnte). Der Figurentest (zwei Figuren nur über Position und Tempo). Die Streichprobe (eine alte Requisitenstelle neu schreiben und beide Fassungen laut vergleichen).

Lukas macht die Inventur an diesem Abend auf einem Hocker neben dem Garderobentresen.

Fünf Gegenstände, fünf Fragen.

Beim Hut lautet die Antwort: Er soll zeigen, dass jetzt der Großvater spricht.

Dafür reichen ein halber Schritt zur Seite und eine etwas tiefere Stimme.

Ein Satz. Dann schreib auf Papier zwei, drei Zeilen, die dasselbe mit Sprache leisten. Nichts wird gespeichert.

Koffer-Check vor dem Auftritt

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Zehn Fehler und was aus dem Koffer wurde

Liegen gelassen · zehn Fehler im Umgang mit Dingen

F1Nicht vorher fragen. Und zwanzig Minuten vorher erfahren, dass es verboten ist.
F2Den Gegenstand die Arbeit machen lassen. Du streichst genau den Teil, der den Text gut gemacht hätte.
F3Hantieren beim Sprechen. Wenn schon, dann in einer Pause.
F4Den Gegenstand liegen lassen. Was einmal sichtbar war, stellt weiter Fragen.
F5Requisite statt Vorbereitung. Mit Hut wirst du nicht sicherer, nur beschäftigter.
F6Das Textblatt als Versteck. Wer es vors Gesicht hält, nimmt sich aus dem Spiel.
F7Die Requisite als Entschuldigung. „Eigentlich hätte ich hier eine Gitarre gebraucht.“ Sag das nie.
F8Zu viele Dinge. Fünf Gegenstände in vier Minuten sind ein Flohmarkt.
F9Etwas ins Publikum geben. Kostet Zeit und macht Unruhe.
F10Nicht merken, dass es ohne besser ging. Probier den Text einmal ohne. Dann weißt du es.

Der stillste Fehler ist der letzte.

Du spielst mit Requisite, es läuft okay, also behältst du sie.

Probier den Text einmal ohne, dann weißt du es.

Um 20:30 Uhr steht Lukas auf der Bühne, ohne Koffer.

Die ersten dreißig Sekunden sind die unangenehmsten seines Lebens.

Er weiß nicht, wohin mit den Händen.

Dann kommt die Stelle mit dem Großvater.

Kein Hut.

Lukas macht einen halben Schritt zur Seite und nimmt die Stimme etwas tiefer.

Zwei Leute in der zweiten Reihe lachen, genau an der Stelle, an der er es wollte.

Mit Hut hat dort bei den Proben nie jemand gelacht.

Nach dem Slam legt Lukas die Marke mit der 17 auf den Tresen.

Erika reicht ihm den Koffer.

„Und?“, fragt sie.

Lukas macht den Koffer nicht auf.

„Ich hatte alles dabei, was ich brauchte“, sagt er.

„Es lag nur nicht im Koffer.“

Also merke: Du brauchst keine Requisiten.

Du bist die Requisite.

Deine Garderobenmarken: Requisiten zum Mitnehmen

Nimm das Bild einer Garderobe mit vielen Marken mit an deinen Schreibtisch.

Denn beim Poetry Slam gibt es eine klare und eine lange Antwort zu Requisiten.

Die kurze Antwort lautet: meist sind sie nicht erlaubt.

Die lange Antwort zeigt, warum das sogar gut für dich ist.

Die folgenden Hacks klären, wie du ganz ohne Requisiten glänzt.

Jeder davon macht aus einem fehlenden Gegenstand eine Stärke.

Hack 1: Kenn die kurze Antwort

Dein erster Hack ist, die kurze Antwort zu kennen.

Beim klassischen Poetry Slam sind Requisiten meist verboten.

Keine Kostüme, keine Masken, keine Gegenstände auf der Bühne.

Es zählen nur dein Text, deine Stimme und dein Körper.

Prüf vorher die Regeln des jeweiligen Slams, um sicherzugehen.

Meist aber gilt: lass die Requisite in der Garderobe.

Hack 2: Versteh, woher das Verbot kommt

Ein kluger Hack ist, zu verstehen, woher das Verbot kommt.

Der Slam will alle Auftretenden fair und gleich behandeln.

Mit Requisiten könnte man sich einen äußeren Vorteil erkaufen.

So soll allein das Wort zählen, nicht die größte Ausstattung.

Dieses Verbot hält den Slam schlicht und ehrlich.

Wer das weiß, nimmt das Verbot als Chance statt als Fessel.

Hack 3: Durchschau Tschechows Gewehr

Ein kluger Hack ist, Tschechows Gewehr zu durchschauen.

Ein alter Grundsatz sagt: Ein gezeigtes Gewehr muss auch abgefeuert werden.

Jeder Gegenstand auf einer Bühne weckt eine Erwartung.

Ein Hut in der Hand verspricht etwas, das er oft gar nicht einlöst.

Im Slam löst du dieses Versprechen besser mit Worten ein.

So vermeidest du, dass ein Ding eine leere Lüge bleibt.

Beispiel Schritt für Schritt

Lass die Requisite bewusst in der Garderobe. Versteh das Verbot als faire Regel. Beschreib den Gegenstand in Worten, statt ihn zu halten. Nutz deinen Körper als einziges Requisit. So glänzt du ganz ohne Hilfsmittel.

Hack 4: Mach die Requisite zur Sprache

Ein starker Hack ist, die Requisite zur Sprache zu machen.

Du darfst den Gegenstand nicht zeigen, aber du darfst ihn beschreiben.

Mal den Hut, das Messer, den Brief in den Kopf des Publikums.

Ein gut beschriebenes Ding wirkt stärker als ein echtes in der Hand.

Denn im Kopf jedes Zuschauers entsteht ein eigenes, lebendiges Bild.

So hast du jede Requisite dabei, ganz ohne sie mitzubringen.

Hack 5: Nutz den Körper als einziges Requisit

Ein kluger Hack ist, den Körper als einziges Requisit zu nutzen.

Deine Hände, dein Gesicht und deine Haltung sind immer dabei.

Mit einer Geste deutest du einen Gegenstand an, ohne ihn zu halten.

Dein Körper kann Türen öffnen, Lasten tragen, Waffen andeuten.

Dieses eine erlaubte Requisit trägst du immer bei dir.

Lern, deinen Körper als ganze Requisitenkammer zu nutzen.

Hack 6: Kenn die Ausnahmen

Ein ehrlicher Hack ist, die Ausnahmen zu kennen.

Nicht jeder Bühnenabend ist ein strenger, klassischer Slam.

Manche offenen Bühnen oder Sonderformate erlauben mehr.

Dort sind Requisiten oder Musik vielleicht ausdrücklich willkommen.

Frag darum vorher nach, welche Regeln gerade gelten.

So weißt du genau, was erlaubt ist und was nicht.

Häufige Fehler beim Thema Requisiten

Ein paar Stolperfallen kehren hier immer wieder.

  • Beim klassischen Slam trotzdem Requisiten mitbringen.
  • Das Verbot als bloße Schikane statt als faire Regel sehen.
  • Einen Gegenstand zeigen, der sein Versprechen nicht einlöst.
  • Den Gegenstand nicht in Worten lebendig beschreiben.
  • Den eigenen Körper als Requisit ungenutzt lassen.
  • Die Regeln des jeweiligen Abends nicht vorher klären.

Wer diese Fehler meidet, glänzt mit Wort und Körper statt mit Requisiten.

Merksatz

Beim Slam sind Requisiten meist verboten, und das hält ihn fair. Versteh das Verbot als Chance, mach die Requisite zur Sprache, nutz deinen Körper als einziges Requisit und kenn die Ausnahmen des jeweiligen Abends.

Deine Requisiten-Hacks auf einen Blick

Hier findest du alle Hacks noch einmal in Kurzform zum Mitnehmen.

  • Kurze Antwort: Requisiten sind meist nicht erlaubt.
  • Woher das Verbot: Es zählt allein das Wort.
  • Tschechows Gewehr: Kein Ding ohne eingelöstes Versprechen.
  • Requisite als Sprache: Den Gegenstand beschreiben.
  • Körper als Requisit: Mit Geste und Haltung andeuten.
  • Ausnahmen kennen: Die Regeln des Abends vorher klären.

Mini-Übung

Wähl einen Gegenstand, den du gern auf die Bühne brächtest. Beschreib ihn in drei Sätzen so genau, dass man ihn vor sich sieht. Deute ihn dann nur mit einer Geste deines Körpers an.

Ein ermutigender Schluss

Das Requisiten-Verbot ist keine Fessel, sondern eine faire Regel.

Du brauchst keine Gegenstände, nur Wort, Stimme und Körper.

Trau dich, jeden Gegenstand allein mit Worten zu malen.

Nutz deinen Körper als deine ganze Requisitenkammer.

Dann entsteht im Kopf des Publikums jedes Ding ganz von selbst.

Und du glänzt mit dem, was immer dabei ist: dir selbst.

Bahn Slam · Edition

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Wenn du diese Techniken nicht nur lesen,
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Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch, das du lesen solltest
— Stephan Pinkwart —

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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