Requisiten im Slam: Erlaubt, verboten, überflüssig?

Asservatenkammer · Bahn-Slam · Akte 07
Beschlagnahmt

Requisiten im Slam: Erlaubt, verboten, überflüssig?

Hut, Zettel, Gitarre – was ist im Poetry Slam eigentlich erlaubt? Hier kommen alle Poetry Slam Requisiten auf den Tisch, einzeln, mit Urteil. Und mit der unbequemen Antwort, warum dein bestes Werkzeug du selbst bist.

FUNDORT  ·  Backstage, Münster
INHALT  ·  1 Hut, 1 Gitarre, 1 Rose, 1 Sonnenbrille, 1 Zettel
STATUS  ·  Neun von zehn Stück überflüssig
Beschlagnahmte Poetry Slam Requisiten liegen als Beweisstücke auf einem dunklen Tisch
ABB. 01 · Alles, was mir mal wichtig war. Und alles überflüssig.

Münster. Backstage. Zwanzig Minuten vor der Vorrunde.

Zunächst mache ich meinen Koffer auf.

Ja, einen Koffer. Ich hatte damals einen Koffer dabei.

Drin lag: ein Hut. Eine Plastikrose. Eine Sonnenbrille. Eine Taschenlampe. Und ein Kuscheltier, das eine tragende Rolle hatte.

Die Moderatorin kam rein, sah in den Koffer und stellte genau eine Frage.

„Was davon spielt denn deinen Text?“

Also habe ich angefangen zu erklären.

Der Hut sei für die Figur des Großvaters. Die Rose für die Liebesszene. Die Taschenlampe für die dunkle Stelle in der Mitte.

Sie hat mich sogar ausreden lassen. Und ehrlich, das war fast das Schlimmste.

Dann sagte sie: „Requisiten sind hier nicht erlaubt. Steht in den Regeln. Und ehrlich? Du brauchst sie auch nicht.“

Zugegeben, den zweiten Satz fand ich damals ziemlich frech.

Heute weiß ich: Der erste Satz war die Regel. Der zweite war die Wahrheit.

Also stand ich zwanzig Minuten später mit leeren Händen da.

Und habe zum ersten Mal in meinem Leben eine Vorrunde gewonnen.

§ 00 · Der Befund

Poetry Slam Requisiten: die kurze und die lange Antwort

Die kurze Antwort lautet: nein, sind nicht erlaubt.

Doch die lange Antwort ist deutlich interessanter. Denn sie erklärt auch, warum das gut für dich ist.

Die Kurzfassung für Eilige

Poetry Slam Requisiten sind bei fast allen Veranstaltungen verboten. Erlaubt sind nur du, das Mikrofon und dein Textblatt. Das ist keine Schikane, sondern der Kern der Kunstform: Sprache muss allein tragen. In dieser Akte findest du acht Gegenstände einzeln beurteilt, die Herkunft der Regel, sieben Techniken, mit denen du jedes Objekt durch Sprache ersetzt, sechs durchgespielte Szenen und die Ausnahmen, bei denen doch alles erlaubt ist.

§ 01 · Die Vorgeschichte

Woher das Verbot für Poetry Slam Requisiten kommt

Das Verbot ist keine Erfindung deutscher Veranstalter, die dir den Spaß nehmen wollen.

Vielmehr steht es seit dem ersten Tag in der DNA der ganzen Sache.

Erfunden hat den Poetry Slam ein Bauarbeiter aus Chicago. Marc Kelly Smith, Jahrgang 1949, Südostseite der Stadt.

Denn er hatte die Nase voll von Lesungen, bei denen drei Leute im Publikum saßen und zwei davon nur aus Höflichkeit.

1984 fing er in einer Bar namens Get Me High Lounge an. Zwei Jahre später zog er in einen Jazzladen namens Green Mill um, und dort läuft die Sache bis heute.

Seine Regeln waren kurz. Nämlich: eigener Text, Zeitlimit, keine Requisiten, keine Kostüme, keine Musikinstrumente.

Und dahinter steckte eine ziemlich radikale Idee.

Wenn alle nur sich selbst dabeihaben, gewinnt der bessere Text. Nicht das größere Budget.

Die Regel ist eine Gerechtigkeitsregel

Denk das mal zu Ende.

Wenn Requisiten erlaubt wären, würde die Sache sofort kippen.

Dann käme jemand mit einer Nebelmaschine. Der Nächste mit einem Cello. Der Übernächste mit einem befreundeten Schauspieler und einer Leinwand.

Und die Studentin, die zum ersten Mal auf einer Bühne steht und einen Zettel in der zitternden Hand hält, hätte von vornherein verloren.

Genau das wollte Smith verhindern.

Denn ein Slam sollte der Ort sein, an dem jeder mit derselben Ausrüstung antritt. Also mit einer Stimme und einem Text.

Deshalb ist das Requisiten-Verbot keine Einschränkung deiner Kunstfreiheit. Es ist die Eintrittskarte für alle anderen.

Was in den Regelwerken tatsächlich steht

Die Formulierungen ähneln sich europaweit erstaunlich stark.

Meist heißt es sinngemäß: Die Texte müssen selbst geschrieben sein, es gilt ein Zeitlimit, und es dürfen keine Requisiten, Kostüme oder Musikinstrumente verwendet werden.

Als einzige Ausnahme wird fast überall das Textblatt genannt. Also Zettel, Kladde, Notizbuch.

Manche Regelwerke sind noch strenger und zählen ausdrücklich auf, was sonst noch verboten ist: Perücken, Tiere, Bühnenbilder und Musik als Geräuschkulisse.

Bei Verstößen droht je nach Veranstaltung Punktabzug oder Ausschluss vom Wettbewerb.

Ein Detail noch, das viele überrascht: Gesungen werden darf oft nur ein Teil des Textes. Manche Slams nennen als Faustregel weniger als die Hälfte. Beatboxing und Rap gelten dagegen als gesprochenes Wort.

Und weil Slams von lokalen Crews organisiert werden, gilt am Ende immer: Frag vorher nach. Denn die Hausregeln deiner Bühne schlagen jeden Blogartikel. Auch diesen.

Kurz erklärt

Was gilt als Requisite? Alles, was du zusätzlich zu dir selbst auf die Bühne bringst und im Vortrag benutzt. Also Gegenstände, Kleidung mit Verkleidungscharakter, Instrumente, Tiere, Technik, eingespielte Geräusche. Nicht als Requisite gilt dein Textblatt – und alles, was du ohnehin am Körper trägst, ohne dass es eine Rolle spielt.

§ 02 · Die Beweisstücke

Acht Asservate, acht Urteile

Jetzt kommt jedes Stück einzeln auf den Tisch.

Mit Urteil. Und mit der Begründung, die dir keiner sagt.

ASSERVAT 01 VERBOTEN

Der Hut

Der Klassiker unter den Anfängerfehlern. Du willst zwischen zwei Figuren wechseln, also setzt du für den Großvater einen Hut auf. Klingt clever, ist aber das Gegenteil. Denn ein Hut braucht zwei Hände, zwei Sekunden und eine Pause im Text. In diesen zwei Sekunden passiert genau nichts – außer dass dein Publikum aus der Geschichte fällt und einem Menschen beim Anziehen zuschaut. Dieselbe Figur baust du mit einer Körperhaltung, einer tieferen Stimme und drei gut gewählten Wörtern. Kostet null Sekunden und funktioniert sogar im Radio.

Der Hut als klassische Poetry Slam Requisite wird skeptisch geprüft
ABB. 02 · Vier Euro, Second Hand, und trotzdem zu teuer.
ASSERVAT 02 ERLAUBT

Das Textblatt

Die einzige echte Ausnahme, und zwar bei so gut wie jedem Slam. Du darfst deinen Text mitnehmen. Zettel, Kladde, Notizbuch, meinetwegen auch dein eigenes Buch. Niemand zwingt dich, auswendig zu lernen. Aber sei ehrlich zu dir: Ein Blatt in der Hand ist erlaubt, ein Blatt vor dem Gesicht ist eine Wand. Halt es tief, guck so oft du kannst hoch, und lern wenigstens den ersten und den letzten Satz auswendig. Denn Anfang und Ende brauchen deine Augen, nicht dein Papier.

Das Textblatt als einzige erlaubte Requisite beim Poetry Slam
ABB. 03 · Das einzige Stück, das durchkommt.
ASSERVAT 03 VERBOTEN

Die Gitarre

Musikinstrumente sind praktisch überall raus, und zwar aus einem sehr nüchternen Grund: Sie verschieben den Wettbewerb. Ein mittelmäßiger Text mit drei schönen Akkorden schlägt in der Publikumsgunst oft einen guten Text ohne alles. Damit wäre der Abend keine Textkonkurrenz mehr, sondern eine Talentshow. Wenn du Musik machen willst, mach Musik – es gibt Songwriter-Abende, offene Bühnen und Jazz-Slams, wo genau das gefeiert wird. Aber beim klassischen Slam bist du Autor, nicht Support-Act deines eigenen Instruments.

ASSERVAT 04 VERBOTEN

Das Kostüm

Ein Slam ist kein Theaterstück, deshalb sind Verkleidungen tabu. Die Faustregel ist angenehm einfach: Du darfst anziehen, was du auch sonst anziehen würdest. Schick machen ist erlaubt, ein Anzug ist erlaubt, dein Lieblings-Hoodie sowieso. Sobald die Kleidung aber eine Rolle spielt statt dich, ist die Grenze überschritten. Clownskostüm, Arztkittel, Uniform, Perücke – alles raus. Der einzige Charakter, den du auf der Bühne darstellen sollst, bist nämlich du.

ASSERVAT 05 GRAUZONE

Die Sonnenbrille

Hier wird es interessant. Trägst du die Brille, weil du sie immer trägst, kräht kein Hahn danach. Setzt du sie an einer bestimmten Stelle auf, um cool zu wirken oder eine Figur zu markieren, ist sie eine Requisite und damit raus. Und selbst wenn niemand einschreitet, arbeitet sie gegen dich. Denn dein wichtigstes Werkzeug sind deine Augen: Blickkontakt ist der kürzeste Weg vom Text ins Publikum. Wer sich hinter dunklem Glas versteckt, kappt genau diese Leitung – und wirkt außerdem, als hätte er Angst vor dem eigenen Saal.

ASSERVAT 06 GRAUZONE

Das Handy als Textblatt

Formal ist das Handy für viele Veranstalter ein Textblatt und damit in Ordnung. Praktisch ist es trotzdem eine mittlere Katastrophe. Das Display dimmt sich weg, mitten in der Zeile kommt eine Benachrichtigung, das Licht der Bühne spiegelt, und der Akku hat ausgerechnet heute Laune. Dazu kommt die Optik: Ein Mensch, der von einem leuchtenden Rechteck abliest, sieht aus, als würde er eine Nachricht vorlesen, nicht als würde er etwas erzählen. Nimm Papier. Papier hat noch nie einen Anruf bekommen.

ASSERVAT 07 VERBOTEN

Die Musik vom Band

Eingespielte Musik unter dem Text ist bei den meisten Slams ausdrücklich mitverboten, oft explizit als „Musik als Geräuschkulisse“. Und das ist gut so. Denn Musik ist ein Emotions-Turbo, den du dir nicht verdient hast: Ein Streicherteppich lässt jeden mittelmäßigen Satz nach Bedeutung klingen. Genau deshalb ist es beim Slam eine Abkürzung, die die Kunstform aushöhlt. Deine Musik heißt Rhythmus, Betonung, Tempo und Pause – und die bringst du selbst mit. Mehr dazu hier: Rhythmuswechsel.

ASSERVAT 08 ERLAUBT · UNBEGRENZT

Deine Hände

Das beste Werkzeug im ganzen Koffer war nie im Koffer. Deine Hände können jeden Gegenstand der Welt darstellen, und zwar in null Sekunden und ohne Aufbauzeit. Sie können eine Tasse halten, eine Tür öffnen, ein Kind hochheben, eine Zigarette drehen. Und das Beste daran: Das Publikum sieht den Gegenstand trotzdem, weil sein Gehirn ihn selbst ergänzt. Ein Publikum, das mitbaut, ist ein Publikum, das dabei ist. Ein Publikum, dem du alles hinstellst, schaut nur zu.

Hände ersetzen Poetry Slam Requisiten: der Gegenstand entsteht in der Luft
ABB. 04 · Da ist nichts. Und alle sehen es.

🔥 Dein interner Link-Kompass

Wenn du mehr von diesen kranken, echten, brutalen Ideen willst – dann lies das hier:

§ 03 · Das Prinzip

Tschechows Gewehr, oder: Warum dein Hut eine Lüge ist

Es gibt eine Regel aus dem Theater, die älter ist als der ganze Slam.

Sie stammt von Anton Tschechow, dem russischen Dramatiker, und geht ungefähr so: Wenn im ersten Akt ein Gewehr an der Wand hängt, dann muss im letzten Akt damit geschossen werden. Sonst hätte es da nichts zu suchen.

Zunächst klingt das nach einem Handwerkstipp für Bühnenautoren.

Ist aber die schärfste Waffe gegen deinen Requisiten-Koffer.

Jeder Gegenstand auf der Bühne ist ein Versprechen. Und die meisten Slammer brechen es.

Warum das Publikum jedes Ding sofort registriert

Sobald du mit einem Objekt auf die Bühne kommst, passiert im Kopf des Publikums etwas Automatisches.

Denn es fragt sich sofort: Wozu ist das da?

Diese Frage läuft im Hintergrund weiter, während du deinen Text sprichst. Also hört ein Teil des Saals dir zu, und ein anderer Teil wartet auf die Auflösung.

Das ist verschenkte Aufmerksamkeit. Und du hast auf einer Slam-Bühne ungefähr fünf Minuten, in denen du dir gar nichts verschenken kannst.

Bei mir in Münster hätte die Taschenlampe drei Minuten lang in der Hand gelegen, bevor sie einmal angegangen wäre.

Also drei Minuten Ablenkung für zwei Sekunden Effekt.

Das ist kein guter Tausch. Das ist ein Verlustgeschäft mit Beleuchtung.

Der Umkehrschluss, den du mitnehmen sollst

Dreh Tschechows Regel einmal um, dann hast du deinen Prüfstein.

Wenn ein Gegenstand nicht abgefeuert wird, darf er nicht da sein.

Und im Slam gilt sogar die härtere Version: Selbst wenn er abgefeuert wird, ist die Sprache meistens der bessere Schuss.

Denn ein echter Gegenstand kann immer nur eine Sache sein. Ein Hut ist ein Hut.

Ein beschriebener Hut kann alles sein. Zum Beispiel der Hut, der nach dem Rasierwasser deines Großvaters riecht und den seine Frau nach der Beerdigung nicht wegwerfen konnte.

Versuch das mal mit einem Hut aus dem Second-Hand-Laden für vier Euro.

§ 04 · Der Schaden

Fünf Dinge, die Requisiten deinem Text antun

Vergiss für einen Moment, dass Poetry Slam Requisiten verboten sind.

Nehmen wir an, du dürftest.

Du solltest es trotzdem lassen, und zwar aus fünf ziemlich unromantischen Gründen.

SCHADEN 01 · Sie klauen dir die Hände

Deine Hände sind dein wichtigstes Ausdrucksmittel nach der Stimme. Sie zeigen Größe, Entfernung, Zärtlichkeit und Wut, ohne dass du ein Wort dafür brauchst. Sobald du etwas festhältst, ist eine Hand tot. Hältst du zwei Dinge, bist du gestikulierend arbeitsunfähig. Und weil du merkst, dass es komisch aussieht, fängst du an, das Ding hin und her zu drehen. Damit hast du dir zusätzlich noch eine Nervositätsgeste eingebaut, die du vorher gar nicht hattest.

SCHADEN 02 · Sie zerhacken deinen Rhythmus

Jeder Griff kostet Zeit, und diese Zeit hat keinen Text. Du greifst, du hebst, du setzt auf, du legst weg – und der Satzfluss steht so lange still. Das Fiese daran: Diese Lücken fallen dir beim Üben zu Hause nicht auf, weil du in Gedanken weitersprichst. Auf der Bühne aber hört der Saal nur die Stille und sieht einen Menschen hantieren. Und Hantieren ist die unspannendste Tätigkeit, die es auf einer Bühne gibt.

SCHADEN 03 · Sie verkleinern deine Bilder

Das ist der teuerste Schaden von allen. Sprache erzeugt im Kopf jedes Zuhörers ein eigenes Bild, und dieses Bild ist immer präziser als deine Requisite. Wenn du von der Küche deiner Oma erzählst, sieht jeder im Saal seine eigene Oma-Küche. Wenn du stattdessen eine Blümchentasse hochhältst, sehen alle nur noch eine Tasse aus dem Ein-Euro-Laden. Du hast hundert individuelle Erinnerungen gegen ein billiges Requisit eingetauscht.

SCHADEN 04 · Sie erzeugen Erwartungen, die du nicht einlöst

Sobald ein Objekt auftaucht, baut das Publikum eine Erwartung. Es rechnet damit, dass daraus etwas wird, im besten Fall etwas Überraschendes. Löst du diese Erwartung nicht ein, entsteht ein kleines, unbewusstes Gefühl von Enttäuschung, das sich auf den ganzen Text legt. Und selbst wenn du sie einlöst, muss der Effekt größer sein als alles, was du in derselben Zeit mit Sprache hättest bauen können. Diese Rechnung geht fast nie auf.

SCHADEN 05 · Sie sind eine Versicherung gegen dich selbst

Und jetzt der Satz, den ich mir damals in Münster hätte sagen lassen müssen. Wir nehmen Gegenstände mit, weil wir dem Text nicht trauen. Die Requisite ist ein Rettungsring: Wenn die Zeile nicht zündet, hat man wenigstens noch was zum Vorzeigen. Genau deshalb ist sie so gefährlich. Denn solange du einen Rettungsring hast, lernst du nie schwimmen. Und ein Text, der ohne Hilfsmittel funktionieren muss, wird beim Schreiben automatisch besser.

Slammer überladen mit Poetry Slam Requisiten kommt kaum ans Mikrofon
ABB. 05 · Der Moment, in dem die Ausrüstung wichtiger wird als der Text.

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§ 05 · Das Werkzeug

Sieben Techniken, die jede Requisite ersetzen

Aber genug geschimpft. Denn jetzt kommt der praktische Teil.

Für jeden Gegenstand, den du weglegen musst, gibt es ein sprachliches Werkzeug, das mehr kann.

T1 · Das eine präzise Detail

Statt einen Gegenstand zu zeigen, nennst du ein einziges, sehr konkretes Detail an ihm. Nicht „ein alter Mantel“, sondern „ein Mantel mit einem Knopf, der nicht zu den anderen passte“. Dieses eine schiefe Detail baut im Kopf sofort den ganzen Mantel, und zwar samt Geschichte. Der Trick funktioniert, weil unser Gehirn aus einem stimmigen Detail automatisch das Ganze ergänzt. Nimm deshalb immer das Detail, das ein bisschen falsch ist – das Ausgefranste, das Fehlende, das Reparierte. Perfekte Gegenstände erzählen nichts.

„Sie hat ihm den Kaffee immer in der Tasse mit dem abgeplatzten Henkel gebracht. Die anderen waren für Gäste.“

T2 · Die Hand als Gegenstand

Deine Hände können jedes Objekt andeuten, ohne dass es da ist. Wichtig ist dabei nur eines: Größe und Gewicht müssen stimmen und konstant bleiben. Wenn du eine Tasse in der Luft hältst, bleibt sie die ganze Zeit gleich groß und steht später wieder genau dort, wo du sie abgestellt hast. Das Publikum merkt sich diese Position nämlich unbewusst mit. Genau diese Konsequenz ist der Unterschied zwischen Pantomime und Herumfuchteln.

T3 · Der Stimmwechsel statt Kostümwechsel

Für eine zweite Figur brauchst du keinen Hut, sondern drei Regler: Tonhöhe, Tempo und Lautstärke. Der Großvater spricht tiefer, langsamer und leiser. Die Schwester schneller und höher. Ein Wechsel dauert null Sekunden und lässt sich mitten im Satz vollziehen. Und weil du dabei nichts in der Hand hast, kannst du gleichzeitig die Körperhaltung wechseln. Wie du damit arbeitest, steht hier ausführlich: Lautstärke als Werkzeug.

T4 · Der Raum als Kulisse

Du brauchst kein Bühnenbild, du hast einen Bühnenboden. Leg Orte im Raum fest: links das Krankenhaus, rechts die Wohnung, Mitte das Jetzt. Wenn du dann für einen Satz nach links gehst, ist das Publikum ohne ein Wort Erklärung im Krankenhaus. Das kostet dich zwei Schritte und keine einzige Requisite. Wie du das sauber baust, steht hier: Bewegung auf der Bühne.

T5 · Der Geruch und das Geräusch

Requisiten kann man nur sehen. Sprache kann alle Sinne bedienen, und die stärksten davon sind ausgerechnet die, die keine Bühne zeigen kann. Gerüche gehen im Gehirn eine Abkürzung direkt ins Erinnerungszentrum – deshalb schlägt „es roch nach nassem Hund und Bohnerwachs“ jedes Bühnenbild. Nimm Geräusche dazu, dann wird es körperlich. Ein Satz wie „man hörte den Kühlschrank brummen, sonst nichts“ baut eine ganze Wohnung, eine Uhrzeit und eine Einsamkeit.

T6 · Das Ding, das fehlt

Die eleganteste Technik von allen. Statt einen Gegenstand zu zeigen, erzählst du von seiner Abwesenheit. Der leere Haken in der Diele. Die zweite Zahnbürste, die nicht mehr da ist. Der Stuhl, auf dem niemand mehr sitzt. Nichts erzeugt so viel Gefühl wie eine Lücke, weil das Publikum sie selbst füllen muss. Und was Menschen selbst hineinlegen, trifft sie härter als alles, was du ihnen hinstellst.

„Ihr Mantel hing noch drei Monate im Flur. Nicht weil ich ihn brauchte. Sondern weil der Haken sonst so leer aussah.“

T7 · Die direkte Übergabe

Manchmal ist der einfachste Weg, das Publikum offen zum Mitbauen aufzufordern. Du beschreibst nicht, du gibst eine Regieanweisung an den Saal. Solche Sätze machen aus Zuschauern Beteiligte, und Beteiligte hören anders zu. Übertreib es nicht, einmal pro Text reicht. Aber an der richtigen Stelle ist es stärker als jeder Gegenstand, den du hochhalten könntest.

„Denk kurz an die Küche, in der du groß geworden bist. Genau die meine ich.“

§ 06 · Der Gegenbeweis

Sechs Szenen: Gegenstand gegen Sprache

Also jetzt der direkte Vergleich.

Sechsmal dieselbe Situation. Einmal mit Requisite, einmal ohne. Entscheide selbst.

Szene 1: Der Brief

Die Lieblingsrequisite aller Anfänger. Ein echter Brief, den man auf der Bühne auffaltet.

MIT REQUISITE

[holt Papier aus der Tasche, faltet es umständlich auf, sucht die Stelle] „Liebe Mama …“

MIT SPRACHE

„Der Brief lag acht Tage ungeöffnet auf der Mikrowelle. Ich kannte ihre Handschrift auch von hinten.“

Die Requisite zeigt dir Papier. Der Satz zeigt dir acht Tage Angst. Denn das Zögern ist die eigentliche Geschichte, nicht das Blatt.

Szene 2: Der Ring

Ein Ring ist auf der Bühne winzig. Ab Reihe drei sieht ihn keiner mehr.

MIT REQUISITE

[hält einen Ring hoch, den niemand erkennt] „Und dann hat er ihn mir gegeben.“

MIT SPRACHE

„Er war eine halbe Nummer zu groß. Ich hab ihn trotzdem nie enger machen lassen.“

Zwei Sätze, und du weißt alles über diese Beziehung. Denn die halbe Nummer zu groß ist keine Größenangabe, sondern eine Diagnose.

Szene 3: Die Zigarette

Rauchen ist auf Bühnen sowieso meistens verboten. Zum Glück, denn die Sprachversion ist besser.

MIT REQUISITE

[hantiert mit einer unangezündeten Zigarette] „Mein Vater hat viel geraucht.“

MIT SPRACHE

„In seinem Auto roch es nach kaltem Rauch und Pfefferminz. Er dachte, das eine deckt das andere zu.“

Der Geruch macht die Figur lebendig. Und die Selbsttäuschung mit dem Pfefferminz erzählt einen ganzen Charakter in sechs Wörtern.

Szene 4: Das Handy

Fast jeder moderne Text hat eine Handy-Szene. Fast keine funktioniert mit echtem Handy.

MIT REQUISITE

[tippt auf einem echten Handy herum] „Sie hat nicht geantwortet.“

MIT SPRACHE

„Zugestellt um 23:14. Gelesen um 23:14. Geantwortet nie.“

Drei Zeitangaben, und der ganze Saal hat Bauchschmerzen. Denn jeder kennt diese Uhrzeit.

Szene 5: Der Koffer

Mein persönliches Beweisstück. Ein Koffer auf der Bühne ist groß, laut und im Weg.

MIT REQUISITE

[schleppt einen Koffer nach vorn, stellt ihn ab] „Ich bin ausgezogen.“

MIT SPRACHE

„Zwei Kartons und eine Zimmerpflanze. Nach elf Jahren hätte ich mit mehr gerechnet.“

Die Zahl macht es. Denn zwei Kartons gegen elf Jahre ist eine Bilanz, kein Umzug.

Szene 6: Das Foto

Ein hochgehaltenes Foto sieht ab Reihe zwei aus wie ein weißer Fleck.

MIT REQUISITE

[hält ein Foto hoch] „Das ist meine Oma.“

MIT SPRACHE

„Auf dem einzigen Foto, auf dem sie lacht, ist sie neunzehn und kennt meinen Opa noch nicht.“

Jetzt siehst du das Foto. Und du siehst auch alles, was danach passiert ist.

🔥 Dein interner Link-Kompass

Wenn du mehr von diesen kranken, echten, brutalen Ideen willst – dann lies das hier:

§ 07 · Die Zeugen

Drei Zeugen, drei Lehren

Zeuge 1: Der Bauarbeiter, der die Regel schrieb

Marc Kelly Smith hat den Slam nicht am Schreibtisch erfunden, sondern in einer Bar.

Er war Bauarbeiter, kein Literaturprofessor. Und genau deshalb hat er sich getraut, den etablierten Lesungsbetrieb für langweilig zu erklären.

Seine Idee war nicht, Regeln aufzustellen, um Leute zu ärgern.

Sondern eine Bühne zu bauen, auf der es egal ist, wer du bist, wo du herkommst und was du dir leisten kannst.

Bis heute moderiert er in Chicago seinen eigenen Laden. Also seit rund vierzig Jahren dieselbe Bühne.

Wenn dir das nächste Mal jemand erzählt, die Requisiten-Regel sei deutsche Bürokratie: Sie kommt aus einer Jazzbar in Uptown Chicago und ist älter als die meisten von uns auf der Bühne.

VIDEO 01 · Marc Kelly Smith im Green Mill, Chicago. (Englisch)

Zeuge 2: Sarah Kay und die leeren Hände

Sarah Kay ist Spoken-Word-Poetin aus New York.

Ihr Auftritt bei TED im Jahr 2011 gilt bis heute als einer der bekanntesten Spoken-Word-Momente überhaupt. Sie bekam dafür zwei Standing Ovations.

Doch jetzt schau dir mal an, womit sie das gemacht hat.

Nämlich: ein Mikrofon, ein roter Teppich, zwei Hände.

Keine Requisite, kein Kostüm, keine Einspielung.

In ihrem Gedicht malt sie Sonnensysteme auf Handrücken und schickt eine Tochter ins Leben, die es noch gar nicht gibt.

Alles davon entsteht ausschließlich im Kopf des Publikums. Und genau deshalb hält es sich dort so lange.

VIDEO 02 · Sarah Kay bei TED. Zähl mit, wie viele Gegenstände sie benutzt. (Englisch)

Zeuge 3: Die Prop-Comedians, und warum du keiner bist

Fairerweise muss man sagen: Es gibt eine ganze Kunstform, die auf Gegenständen basiert.

Sie heißt Prop-Comedy, und ihre Vertreter schleppen Koffer voller Dinge auf die Bühne.

Der bekannteste ist Carrot Top, der in Las Vegas seit Jahren eine ganze Show damit füllt, ein Objekt nach dem anderen aus einer Kiste zu ziehen.

Zuvor machte das Gallagher, ein Comedian, der am Ende jeder Show mit einem Holzhammer eine Wassermelone zertrümmerte und die ersten Reihen unter Plastikplanen setzte.

Und das funktioniert sogar richtig gut. Allerdings nur deshalb, weil das Objekt dort die Pointe ist und nicht die Illustration.

Bei diesen Künstlern ist der Gegenstand der Witz. Bei dir wäre er bloß eine Krücke für einen Satz, der auch allein laufen könnte.

Und noch etwas: Diese Nummern leben von Tempo und Masse, also von zwanzig Objekten in zehn Minuten. Du hast fünf Minuten und einen Text.

Prop-Comedy ist eine Kunstform. Ein Hut im Slam-Text ist eine Ausrede.

§ 08 · Die Ausnahmen

Wo Poetry Slam Requisiten doch erlaubt sind

Aber jetzt die gute Nachricht für alle, die ihren Koffer noch nicht weggeworfen haben.

Es gibt Formate, in denen genau das Gegenteil gilt.

Der Prop-Slam

Ja, den gibt es wirklich. Bei den deutschsprachigen Meisterschaften gab es neben Mundart-, Erotik- und Haiku-Slams auch Prop-Slams, bei denen Requisiten ausdrücklich benutzt werden durften. Der Reiz liegt genau darin, dass eine sonst eherne Regel für einen Abend außer Kraft gesetzt wird. Wenn du also unbedingt mit deinem Kuscheltier auftreten willst: Es gibt eine Bühne dafür, sie ist nur selten.

Der Slam hinter der Schattenwand

Es gibt Formate, bei denen man die Auftretenden gar nicht sieht, etwa Slams im Dunkelrestaurant oder hinter einer Schattenwand. Beim Berliner Schall-und-Rauch-Slam sind Requisiten hinter der Wand sogar ausdrücklich erlaubt. Das ergibt Sinn, denn wenn niemand dich sieht, kann dich auch kein Gegenstand überstrahlen. Dort werden Requisiten plötzlich zu Geräuschquellen und damit zu einem Werkzeug für die Ohren.

Der Jazz-Slam und verwandte Formate

Beim Jazz-Slam improvisiert eine Band zu den Texten. Musik ist hier nicht nur erlaubt, sie ist das Konzept. Ähnliches gilt für Cover-Slams, bei denen fremde Texte gelesen werden dürfen, oder für Dead-or-Alive-Slams, bei denen Schauspieler tote Dichter verkörpern. Die Regeln des klassischen Slams sind also kein Naturgesetz, sondern der Standardmodus. Sonderformate dürfen ihn brechen, weil sie ihn vorher benennen.

Deine Hausbühne

Der wichtigste Punkt zum Schluss: Slams werden von lokalen Crews organisiert, und die Details unterscheiden sich. Manche nehmen es sehr genau, andere drücken bei einer Kleinigkeit ein Auge zu. Schreib der Moderation vorher eine kurze Nachricht und frag nach. Das kostet dich zwei Minuten, wirkt professionell und erspart dir das, was mir in Münster passiert ist.

§ 09 · Die Übung

Räum deinen Koffer aus

Also nimm jetzt deinen aktuellen Text und einen Stift.

Schritt 1 · Inventar machen

Unterstreiche jeden Gegenstand, der in deinem Text vorkommt. Nicht nur die, die du wirklich mitschleppen wolltest, sondern alle genannten Dinge. Du wirst überrascht sein, wie viele es sind. Die meisten Texte sind voller Möbel, die niemand braucht.

Schritt 2 · Die Tschechow-Frage stellen

Geh jeden unterstrichenen Gegenstand durch und frag: Wird der später abgefeuert? Also passiert damit noch etwas, verändert er sich, oder kommt er am Ende wieder vor? Wenn nicht, streich ihn ersatzlos. Ein Text ohne Deko atmet sofort besser.

Schritt 3 · Ein Detail pro Überlebendem

Bei den Gegenständen, die bleiben dürfen, ergänzt du genau ein präzises Detail. Nicht drei, sondern eines. Und zwar das schiefste, das dir einfällt: der fehlende Knopf, der Kaffeefleck, die Delle. Danach liest du die Stelle laut. Wenn das Bild jetzt schärfer ist als vorher, hast du es richtig gemacht.

Schritt 4 · Der Telefontest

Ruf jemanden an und trag deinen Text am Telefon vor. Am Telefon gibt es keine Requisiten, keine Gesten und keine Blicke. Es gibt nur Sprache. Alles, was am Telefon funktioniert, funktioniert auf jeder Bühne der Welt. Und alles, was dabei zusammenfällt, war nie ein Text, sondern eine Aufführung mit Zubehör.

Drei Übungen für daheim

Die Objektübung: Beschreib einen Alltagsgegenstand so, dass jeder ihn sieht – in einem Satz, ohne ihn zu benennen.
Die Leerstelle: Schreib fünf Zeilen über etwas, das nicht mehr da ist.
Die stille Hand: Trag deinen Text einmal vor und mime dabei jeden Gegenstand, statt ihn zu erwähnen.
Auftritt ganz ohne Poetry Slam Requisiten: leere offene Hände am Mikrofon
ABB. 06 · Volle Ausrüstung. Sieht nur keiner.

§ 10 · Die Mängelliste

Sieben Fehler im Umgang mit Dingen

F1 · Du fragst nicht vorher

Der Fehler, der dich am teuersten zu stehen kommt. Wer ungefragt mit Requisiten anreist, riskiert Punktabzug oder den Ausschluss aus dem Wettbewerb. Eine kurze Nachricht vorher klärt alles.

F2 · Das Blatt vor dem Gesicht

Das Textblatt ist erlaubt, aber es gehört auf Brusthöhe, nicht vor die Augen. Sonst redest du mit Papier und der Saal schaut dir beim Lesen zu. Und deine Stimme geht nach unten weg statt nach vorn.

F3 · Die Requisite im Text statt auf der Bühne

Auch geschriebene Gegenstände können Ballast sein. Wenn dein Text voller Dinge ist, die nur herumstehen, hast du dasselbe Problem in Textform. Streich alles, was nicht arbeitet.

F4 · Der Trostgegenstand in der Hosentasche

Viele haben etwas dabei, das sie beruhigt, und spielen dann unbewusst damit herum. Ein Feuerzeug, ein Ring, ein Schlüsselbund. Für den Saal sieht das nach Nervosität aus. Leg es vorher weg, dann kannst du es auch nicht drehen.

F5 · Die Verkleidung, die keine sein soll

Ein bestimmtes Shirt für einen bestimmten Text ist harmlos. Sobald du dich aber umziehst, um eine Figur zu markieren, bist du im Kostümbereich. Die Grenze ist einfach: Trägst du es auch, wenn du danach an der Bar stehst?

F6 · Das Mikro als Requisite missbrauchen

Das Mikrofon ist ein Werkzeug, kein Spielzeug. Wer es als Telefonhörer, Zigarette oder Zauberstab benutzt, verliert an genau dieser Stelle die Verstärkung. Und ein Text, den man plötzlich nicht mehr hört, ist kein Text mehr.

F7 · Du hältst am Ding fest, weil du am Text zweifelst

Der ehrlichste Fehler von allen, und mein eigener. Wenn du merkst, dass du eine Requisite verteidigst, ist das fast immer ein Signal: Die Stelle im Text trägt noch nicht. Nimm das Ding weg und schreib die Stelle neu. Das ist unbequemer, aber es ist die Abkürzung zum besseren Text.

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Du kannst diesen Artikel jetzt zumachen und weiter überlegen, ob der Hut vielleicht doch durchgeht.

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✦ ✦ ✦ die zweiunddreißig bücher

Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch
— Stephan Pinkwart —

§ 11 · Nachfragen

Häufige Fragen zu Poetry Slam Requisiten

Sind Requisiten beim Poetry Slam erlaubt?

In aller Regel nein. Die klassischen Slam-Regeln verbieten Requisiten, Kostüme und Musikinstrumente. Erlaubt sind nur du, das Mikrofon und dein Textblatt. Einzelne Sonderformate wie Prop-Slams machen bewusst eine Ausnahme.

Darf ich meinen Text vom Blatt ablesen?

Ja. Das Textblatt ist die einzige Ausnahme vom Requisiten-Verbot, und zwar bei fast allen Slams. Zettel, Kladde oder Notizbuch sind in Ordnung. Halt es aber tief und lern wenigstens Anfang und Ende auswendig.

Was passiert, wenn ich trotzdem eine Requisite benutze?

Das hängt von der Veranstaltung ab. Möglich sind ein Hinweis vor dem Auftritt, Punktabzug oder der Ausschluss aus dem Wettbewerb. Frag deshalb vorher bei der Moderation nach, dann gibt es keine Überraschung.

Zählt meine Kleidung als Kostüm?

Nur, wenn sie eine Rolle markiert. Du darfst tragen, was du auch sonst trägst, und dich gern schick machen. Perücke, Uniform oder Clownskostüm sind dagegen tabu.

Darf ich beim Slam singen oder Musik einspielen?

Eingespielte Musik ist bei den meisten Slams verboten. Gesang ist oft nur anteilig erlaubt, manche Veranstaltungen nennen als Faustregel weniger als die Hälfte des Textes. Rap und Beatboxing gelten dagegen als gesprochenes Wort.

Wie ersetze ich eine Requisite in meinem Text?

Nimm ein einziges präzises Detail statt des ganzen Gegenstands, deute ihn mit den Händen an oder erzähl von seiner Abwesenheit. Diese drei Werkzeuge ersetzen fast jedes Objekt und wirken meistens stärker.

Akte geschlossen

Was aus dem Koffer wurde

Übrigens steht der Koffer heute noch bei mir.

Oben auf dem Schrank, direkt neben den Ordnern, die niemand mehr aufmacht.

Der Hut ist längst weg. Die Rose auch. Die Taschenlampe hat irgendwann jemand mitgenommen und nie zurückgebracht.

Stattdessen liegt drin nur noch ein einziges Blatt Papier.

Der Text von damals aus Münster. Der, den ich mit leeren Händen vorgetragen habe.

Ich hab ihn nie wieder gebraucht, weil ich ihn längst auswendig kann.

Trotzdem hebe ich ihn auf. Also als Beweisstück.

Denn an dem Abend hat mir jemand alles weggenommen, was ich für meine Ausrüstung hielt. Und dann stand ich da, und hatte immer noch alles dabei.

Leerer Koffer mit einem Blatt Papier statt Poetry Slam Requisiten
ABB. 07 · Der Rest der Akte. Ein Blatt.
Voller Saal hört gebannt zu, ganz ohne Poetry Slam Requisiten auf der Bühne
ABB. 08 · Nichts in den Händen. Alles im Raum.

Du brauchst keine Requisiten. Du bist die Requisite.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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