Fünf Menschen, die sich nicht beworben haben, bewerten deinen Text.
Sie haben keine Ausbildung dafür, sie kennen sich untereinander nicht.
Und die meisten machen es zum ersten Mal.
Genau darin liegt der Reiz des Formats.
Und genau deshalb lohnt es sich zu verstehen, was dabei tatsächlich passiert.
Dieser Beitrag zeigt dir, wie eine Poetry Slam Jury wirklich denkt.
Vor allem aber zeigt er dir, welche Schlüsse du aus deiner Wertung ziehen darfst.
Denn die meisten Schlüsse, die Auftretende ziehen, sind schlicht nicht haltbar.
Denn eine Poetry Slam Jury misst etwas anderes, als die meisten annehmen.
Zum Mitmachen gibt es sechs Kriterien, sechs Jurybögen und vier deutsche Videos.
Folge dem Bahn-Slam
auf WhatsApp
- Neue Slam-Texte zuerst
- Gedanken vom Gleis
- Keine E-Mail, kein Spam
Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
Jetzt Kanal folgenWas eine Poetry Slam Jury überhaupt ist
Erst einmal das Handwerkliche.
Denn hier gibt es mehr Varianten, als viele denken.
Der Sportler, für den es keinen Vergleichswert gab
Am 20. Oktober 1968 sprang Dick Fosbury bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt über 2,24 Meter.
Er überquerte die Latte rückwärts, mit dem Kopf voraus. Alle anderen sprangen damals bäuchlings.
Vorher hatte man ihn belächelt. Ein Reporter nannte ihn später den faulsten Springer der Welt.
Er gewann trotzdem Gold und stellte einen olympischen Rekord auf.
Beim Hochsprung entscheidet die Latte, nicht der Geschmack. Deshalb konnte sich seine Technik durchsetzen.
Bei einer Jury ist das anders. Dort entscheiden fünf Menschen, die deinen Text mit dem vergleichen, was sie schon kennen.
Ungewohntes bekommt deshalb selten die Höchstwertung. Das ist kein Urteil über den Text, sondern über die Gewohnheit im Saal.
Die verbreitete Form
Vor dem Wettbewerb werden Wertungstafeln an zufällig ausgewählte Leute im Publikum verteilt.
Meistens sind es fünf bis zehn Tafeln, und gewertet wird auf einer Skala von eins bis zehn.
Dabei steht die Eins für einen wirklich missratenen Auftritt und die Zehn für einen herausragenden.
In der Praxis bewegen sich die meisten Wertungen allerdings zwischen sechs und zehn.
Die Streichwertung
Bei vielen Slams werden die höchste und die niedrigste Wertung gestrichen.
Damit soll verhindert werden, dass eine einzelne Person das Ergebnis verzerrt.
Das ist ein sinnvolles Verfahren.
Und es hat eine Nebenwirkung, über die kaum jemand spricht.
Es macht deine Wertung nämlich noch stärker davon abhängig, wie die Mitte urteilt.
Die anderen Verfahren
Nicht überall gibt es Tafeln.
Manche Slams stimmen per Applaus ab, andere per Handzeichen, wieder andere mit Zetteln oder symbolischen Gegenständen.
Die Applausabstimmung eignet sich vor allem für kleine Runden und Finalläufe.
Kurz gesagt: Frag vorher nach dem Verfahren.
Es verändert, worauf du spielst.
Denn nicht jede Poetry Slam Jury arbeitet mit Tafeln und Streichwertung.
Diese Rolle heißt in der Szene Opferlamm, im Englischen sacrifice. Ihr Zweck ist ausdrücklich, die Jury zu kalibrieren.
Das ist ein bemerkenswertes Eingeständnis des Formats: Man weiß, dass eine frische Jury noch keinen Maßstab hat. Also gibt man ihr einen.
Auflösung anzeigen
Der Griff für die Poetry Slam Jury: schreib für die Mitte
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt genau eine Regel.
Und sie folgt direkt aus der Streichwertung.
Die höchste und die niedrigste Wertung fallen bei vielen Slams weg. Dein Ergebnis entsteht also aus den mittleren Stimmen.
Ein Text, der zwei Leute begeistert und drei ratlos lässt, verliert gegen einen, den alle fünf gut finden. Das ist keine Aufforderung zur Beliebigkeit, sondern zur Verständlichkeit.
Das war es.
Die Mitte entscheidet.
Warum das kein Aufruf zur Anpassung ist
Weil es nicht um den Inhalt geht, sondern um die Zugänglichkeit.
Ein radikaler Text kann alle fünf erreichen, wenn er verständlich gebaut ist.
Ein harmloser Text kann drei Leute abhängen, wenn er verschachtelt ist.
Es geht also nicht darum, weniger zu wagen.
Sondern klarer zu bauen.
Damit erreichst du eine Poetry Slam Jury, ohne dich inhaltlich zu verbiegen.
Was die Mitte tatsächlich braucht
Einen erkennbaren Einstieg, einen roten Faden und ein hörbares Ende.
Das klingt banal und ist es auch.
Trotzdem scheitern die meisten Texte, die eine Jury ratlos lassen, an genau einem dieser drei Punkte.
Kurz gesagt: Du musst niemanden überzeugen, den du nicht überzeugen willst.
Du musst nur gehört werden.
Poetry Slam Jury: fünf Köpfe, fünf Maßstäbe
Eine Jury ist kein Gremium, sondern eine zufällige Gruppe.
Und jede Person darin bringt einen eigenen Maßstab mit, ohne ihn zu kennen.
Klick dich einmal durch die fünf Typen, die dir fast überall begegnen.
Die fünf Typen am Jurypult
Warum der Vergleicher der wichtigste ist
Der fünfte Typ ist der interessanteste, und Kapitel fünf handelt komplett von ihm.
Denn sein Verhalten ist kein Charakterzug, sondern ein gut dokumentierter Effekt.
Sechs Kriterien, nach denen eine Poetry Slam Jury wertet
Offiziell gibt es keine Kriterien.
Und das ist auch gut so.
Trotzdem wertet eine Poetry Slam Jury nicht zufällig.
Sondern nach wiederkehrenden Mustern.
Die folgenden sechs erkennt man, wenn man oft genug danebensitzt.
Drei Kriterien, die im Text stecken
Das Kriterium, das am häufigsten fehlt
Drei Kriterien, die nichts mit dem Text zu tun haben
Nicht weil sie egal wäre, sondern weil eine Jury sie beim einmaligen Hören kaum isoliert bewerten kann. Sie nimmt sie als Gesamteindruck wahr.
Das ist die eigentliche Eigenart des Formats: Bewertet wird nicht der Text, sondern was von ihm in fünf Minuten ankommt.
Warum die Poetry Slam Jury spätere Auftritte besser bewertet
Jetzt zu dem Effekt, den fast jede Poetry Slam Jury zeigt, ohne es zu wollen.
Er ist in mehreren Wettbewerben untersucht worden.
Und die Befunde sind eindeutig.
Wändi Bruine de Bruin veröffentlichte 2005 in Acta Psychologica die Arbeit Save the last dance for me.
Der Untertitel benennt das Thema direkt: unerwünschte Reihenfolgeeffekte bei Jurybewertungen.
Was sie untersucht hat
Zwei sehr unterschiedliche Wettbewerbe mit zwei unterschiedlichen Verfahren.
Beim Eurovision Song Contest wird teils erst am Ende gewertet, beim Eiskunstlauf dagegen unmittelbar nach jedem Auftritt.
Genau dieser Unterschied war der Kern ihrer Frage.
Denn eine Wertung am Ende belastet das Gedächtnis, eine sofortige nicht.
Der Befund
Die Bewertungen stiegen mit der Startposition.
Und zwar bei beiden Verfahren.
Wer später auftrat, bekam im Schnitt bessere Noten.
Beim Eiskunstlauf zeigte sich derselbe lineare Effekt wie beim Songcontest, obwohl dort schrittweise gewertet wird.
Wer später auftritt, wird besser bewertet. Und zwar unabhängig davon, ob die Jury sofort oder erst am Ende urteilt.Kernbefund von Bruine de Bruin 2005 · sinngemäß zusammengefasst
Die Erklärung, die am meisten hergibt
Jurys vergleichen in eine Richtung.
Sie bewerten den ersten Auftritt für sich allein und jeden weiteren im Vergleich zu den vorherigen.
Aber nie zu den späteren.
Dabei fallen die besonderen Stärken jedes neuen Auftritts stärker ins Gewicht als seine Schwächen.
Und weil starke Teilnehmende mehr Besonderheiten haben als Fehler, steigen die Wertungen mit jeder Position.
Wie gut das abgesichert ist
Ungewöhnlich gut.
Denn der Effekt wurde vielfach wiedergefunden.
Belegt ist er unter anderem beim Synchronschwimmen, beim Kunstturnen, beim Queen-Elisabeth-Musikwettbewerb und bei Castingshows der Idol-Reihe.
Damit ist er keine Eigenheit eines einzelnen Formats.
Sondern ein allgemeines Muster sequentieller Bewertung.
Der ehrliche Haken, und er wurde selbst geprüft
An den ursprünglichen Auswertungen von 2005 gab es methodische Bedenken.
Bruine de Bruin ist ihnen 2006 in Save the last dance II selbst nachgegangen, mit einem größeren Datensatz und ausdrücklich mit Blick auf diese Einwände.
Der Effekt hielt der Prüfung stand und wurde bestätigt.
Das ist die vorbildliche Variante: Die Autorin hat ihre eigene Arbeit nachgeprüft, statt die Kritik auszusitzen.
Und der zweite Haken, der näher liegt
Untersucht wurden geschulte Fachjurys in großen Wettbewerben.
Fünf zufällige Leute in einer Kneipe sind etwas anderes.
Und niemand hat sie je gemessen.
Außerdem verschiebt der Effekt Durchschnitte und entscheidet keine Einzelfälle.
Kurz gesagt: Eine späte Startnummer ist ein leichter Rückenwind und keine Garantie.
Trotzdem lohnt es sich, jede Wertung einer Poetry Slam Jury mit der Position zu notieren.
Statt nach dem ersten Auftritt zu werten, wartet man das Ende des zweiten ab und holt dann beide Wertungen nacheinander ein.
Als Begründung wird ausdrücklich das über den Abend hinweg beobachtete Ansteigen der Wertungen genannt. Die Praxis hat den Effekt also erkannt, bevor sie die Studien dazu kannte.
Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Warum die Poetry Slam Jury aus Laien besteht
Diese Frage stellt sich jeder, der einmal eine seltsame Wertung bekommen hat.
Und es gibt dazu einen berühmten Befund von 1907.
Der Ochse von Plymouth
Francis Galton besuchte eine Vieh- und Geflügelausstellung im englischen Plymouth.
Dort lief ein Wettbewerb, bei dem die Besucher das Schlachtgewicht eines Ochsen schätzen sollten.
Galton sammelte die Karten ein und behielt nach dem Aussortieren siebenhundertsiebenundachtzig auswertbare Schätzungen.
Sein Ergebnis veröffentlichte er unter dem Titel Vox Populi in der Zeitschrift Nature.
Das Ergebnis
Der mittlere Wert aller Schätzungen lag bei eintausendzweihundertsieben Pfund.
Das tatsächliche Gewicht betrug eintausendeinhundertachtundneunzig Pfund.
Die Menge lag damit um neun Pfund daneben, also um weniger als ein Prozent.
Galton wählte dabei bewusst den Mittelwert der Rangfolge, also den Median, und begründete das mit dem Grundsatz eine Stimme, ein Wert.
Die mittelste Schätzung drückt die Stimme des Volkes aus, weil jede andere von einer Mehrheit als zu hoch oder zu niedrig verworfen wird.Francis Galton, Vox Populi, Nature 1907 · sinngemäß übersetzt
Was das mit deiner Wertung zu tun hat
Das Slam-Format beruht auf derselben Idee.
Nicht eine Fachperson urteilt, sondern mehrere Laien, deren Fehler sich gegenseitig ausgleichen sollen.
Die Streichwertung ist dabei nichts anderes als eine grobe Annäherung an Galtons Median.
Man wirft die Ausreißer weg und behält die Mitte.
Der erste ehrliche Haken, und er betrifft die Person
Francis Galton war der Begründer der Eugenik und hat den Begriff selbst geprägt.
Er veröffentlichte 1904 einen Aufsatz mit dem Titel Eugenics: Its definition, scope, and aims.
Diese Ideen haben im zwanzigsten Jahrhundert unermessliches Leid verursacht, auch und gerade in Deutschland.
Wer seinen statistischen Befund zitiert, sollte das nicht weglassen.
Der Ochsenbefund ist brauchbar, der Mensch dahinter kein Vorbild.
Der zweite Haken, und er betrifft die Zahlen
Der Ökonom Kenneth Wallis hat die Sache 2014 nachgerechnet.
Dabei zeigte sich, dass in Galtons veröffentlichte Zahlen Übertragungsfehler geraten sind.
Das tatsächliche Gewicht lag bei eintausendeinhundertsiebenundneunzig Pfund und der wahre Median bei eintausendzweihundertacht.
Der echte Fehler betrug also elf Pfund und nicht neun, wie es im Aufsatz steht.
In Galtons eigenem Entwurf stand die richtige Zahl.
Der dritte Haken, und er ist der wichtigste
Schon 1907 schrieb ein Leser an Nature und wies auf etwas Naheliegendes hin.
Bei solchen Wettbewerben in Cornwall seien sehr viele Teilnehmer Metzger, Bauern oder anderweitig mit Vieh befasst.
Die weise Menge war also vielleicht gar keine Menge von Laien.
Sondern zu großen Teilen fachkundig.
Und genau dieser Einwand trifft auch dein Publikum: Bei einem Slam sitzen oft Leute, die seit Jahren kommen.
Galton hatte 787 Schätzungen. Deine Jury hat fünf, von denen zwei gestrichen werden.
Drei verbleibende Stimmen sind statistisch nichts. Deshalb ist eine einzelne Wertung kein Messwert, sondern ein Stimmungsbild.
Auflösung anzeigen
Was du aus der Wertung der Jury ablesen darfst
Und vor allem, was nicht.
Denn die meisten Fehlschlüsse nach einem Slam entstehen genau hier.
| Was passiert ist | Was es heißt | Was es nicht heißt |
|---|---|---|
| Du bekommst eine 7 als Erster | Ein normaler Wert für eine unkalibrierte Jury. | Dass dein Text mittelmäßig ist. |
| Eine Person gibt dir eine 5 | Eine einzelne Person hat einen eigenen Maßstab. | Dass es ein objektives Urteil gibt. |
| Du liegst 0,3 Punkte hinter jemandem | Statistisch nichts. Ein Rundungsergebnis. | Dass der andere Text besser war. |
| Du bekommst zweimal eine 10 | Zwei Menschen wurden von dir erreicht. | Dass der Text bei anderen Jurys auch gewinnt. |
| Dein Text kommt nie ins Finale | Ein Hinweis, den du nach fünf Abenden prüfen darfst. | Ein Urteil nach dem ersten Abend. |
Die dritte Zeile ist die wichtigste und wird am häufigsten missachtet.
Ein Abstand von wenigen Zehntelpunkten entsteht bei drei gewerteten Stimmen schon durch eine einzige abweichende Zahl.
Trotzdem behandeln viele Auftretende diesen Abstand wie ein Qualitätsurteil.
Und ändern danach Texte, die überhaupt kein Problem hatten.
Die einzige Auswertung, die sich lohnt
Sammle Wertungen über mehrere Abende und schau auf das Muster.
Notier dabei immer die Startposition mit, sonst vergleichst du Äpfel mit Birnen.
Wenn ein Text über fünf Abende hinweg unabhängig von der Position hinten liegt, hast du einen echten Hinweis.
Kurz gesagt: Ein Abend ist Rauschen.
Fünf Abende sind ein Signal.
Denn eine einzelne Poetry Slam Jury liefert dir keine belastbare Zahl.
Zehn Fehler im Umgang mit der Poetry Slam Jury
Zunächst fünf auf der Bühne, anschließend fünf danach.
Fünf Fehler auf der Bühne
Fehler 1: Die Jury direkt ansprechen
Fehler 2: Während des Textes zur Jury schauen
Fehler 3: Das Zeitlimit ausreizen
Fehler 4: Auf die Wertung reagieren
Fehler 5: Den Text an die vermutete Jury anpassen
Denn die Poetry Slam Jury bemerkt Anbiederung zuverlässiger als alles andere.
Fünf Fehler danach
Fehler 6: Aus einem Abend Schlüsse ziehen
Fehler 7: Die Startposition ignorieren
Fehler 8: Mit der Jury diskutieren
Fehler 9: Texte nach Punkten sortieren
Fehler 10: Punkte mit Wert verwechseln
Dort bekommt jeder Auftritt von der Jury die volle Punktzahl, und die Redezeit ist großzügiger.
Das ist als Kritik am Wettbewerbscharakter gemeint. Und es zeigt, dass das Unbehagen an der Wertung so alt ist wie das Format selbst.
Die beste Übung: einmal selbst in der Jury sitzen
Es gibt eine Erfahrung, die mehr bringt als jeder Beitrag zu diesem Thema.
Nämlich einmal selbst in einer Poetry Slam Jury zu sitzen.
Drei Dinge, die dir dabei auffallen
Erstens: Wie schnell man sich entscheidet
Zweitens: Wie sehr man vergleicht
Drittens: Wie unangenehm niedrige Zahlen sind
Denn eine Poetry Slam Jury besteht aus Menschen, die niemandem wehtun wollen.
Drei Übungen, wenn du keine Tafel bekommst
Übung 1 – Die stille Jury
Übung 2 – Die Minute
Übung 3 – Die Reihenfolge
Übung drei ist die wirksamste, weil sie dir den Effekt aus Kapitel fünf an deinem eigenen Slam zeigt.
Deine Jurorenprüfung
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Damit ist die Poetry Slam Jury kein Rätsel mehr.
Sondern ein bekanntes Verfahren.
Der Text, den ich weggelegt habe
Ich hatte einen Text, den ich für meinen besten hielt.
Beim ersten Mal war ich Startnummer eins und bekam 7,4 Punkte.
Beim zweiten Mal war ich wieder als Erster dran und bekam 7,6.
Was ich daraus gemacht habe
Ich habe den Text für gescheitert erklärt.
Nicht laut, sondern still, indem ich ihn einfach nicht mehr mitgenommen habe.
Und ich habe stattdessen die Texte gespielt, die schon einmal gut gelaufen waren.
Das fühlte sich vernünftig an und war der Anfang einer schleichenden Verengung.
Was ich damals nicht wusste
Dass ich zweimal in der Position aufgetreten war, die nach allem, was man über Reihenfolgeeffekte weiß, am schlechtesten abschneidet.
Und dass 7,4 und 7,6 als frühe Wertungen vollkommen unauffällig sind.
Ich hatte also zwei Datenpunkte, die beide vom selben Störfaktor betroffen waren.
Daraus habe ich ein Urteil über einen Text gemacht.
Ich habe den Text nicht wegen seiner Qualität weggelegt, sondern wegen meiner Startnummer. Und ich habe zwei Jahre gebraucht, um das zu merken.Meine Notiz danach — und der Grund für Kapitel fünf
Wie es ausgegangen ist
Zwei Jahre später brauchte ich kurzfristig einen Text und nahm ihn wieder mit.
Diesmal war ich als Vorletzter dran.
Er bekam 9,1 und ich kam damit ins Finale.
Der Text war unverändert.
Verändert war nur meine Position im Ablauf.
Wie ich es heute mache
Ich notiere nach jedem Auftritt drei Dinge: Text, Startposition, Wertung.
Und ich lege keinen Text weg, bevor ich ihn nicht dreimal an unterschiedlichen Positionen gespielt habe.
Das ist der ganze Unterschied.
Und er kostet zwei Zeilen im Notizbuch.
Was Jurywissen nicht kann
Zu wissen, wie eine Jury tickt, schützt dich vor falschen Schlüssen.
Es schreibt dir aber keine einzige Zeile.
Denn die Poetry Slam Jury bewertet nur, was du ihr vorlegst.
Warum jetzt erst das Handwerk anfängt
Die Kriterien aus Kapitel vier sind alle handwerklich.
Ein erkennbarer Einstieg, ein roter Faden, ein hörbares Ende: das sind Bauformen und keine Haltungsfragen.
Und Bauformen lassen sich lernen, im Gegensatz zum Geschmack von fünf Fremden.
Kurz gesagt: Die Jury kannst du nicht steuern.
Deinen Text schon.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also die Bauformen, an denen eine Jury beim ersten Hören überhaupt entlanggehen kann.
Die Punkte gehören der Jury. Der Text gehört dir.
Schreib für die Mitte. Und notier deine Startnummer.
Übrigens frage ich inzwischen vor jedem Slam nach meiner Startnummer.
Nicht um mich zu ärgern, sondern um die Zahl am Ende richtig einordnen zu können.
Eine 7 als Erster ist etwas völlig anderes als eine 7 als Letzter.
Folge dem Bahn-Slam
auf WhatsApp
- Neue Slam-Texte zuerst
- Gedanken vom Gleis
- Keine E-Mail, kein Spam
Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
Jetzt Kanal folgenDu willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
