Die meisten Slammer scheitern nicht an ihrem Text. Sie scheitern daran, nur einen zu haben.
Denn ein einzelner Text passt zu einem einzigen Abend.
Und du weißt vorher nie, welcher Abend dich erwartet.
Deshalb ist Repertoire aufbauen keine Fleißarbeit, sondern eine Absicherung.
Dieser Beitrag zeigt dir, wie du ein Repertoire aufbauen kannst, das auf jede Bühne reagiert.
Und warum fünf Texte reichen, wenn sie die richtigen fünf sind.
Zum Mitmachen gibt es sieben Setbögen, sechs Setproben und vier deutsche Videos.
Außerdem entscheidet nicht die Menge, sondern eine einzige Sortierung.
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Jetzt Kanal folgenWarum ein Text zu wenig ist
Es gibt drei Gründe, und keiner davon hat mit Textqualität zu tun.
Erstens: Du kennst den Raum vorher nicht
Eine Kellerkneipe mit vierzig Leuten und ein Theatersaal mit dreihundert verlangen völlig verschiedene Texte.
Bei der einen musst du dagegenhalten, im anderen darfst du leise sein.
Und beides erfährst du frühestens beim Betreten des Raums.
Zweitens: Du kennst deine Position nicht
Als Erster brauchst du etwas, das den Abend eröffnet.
Als Letzter vor der Pause brauchst du etwas, das hängenbleibt.
In der zweiten Runde brauchst du etwas, das anders ist als dein erster Text.
Drittens: Du kennst die Stimmung nicht
Wenn vor dir drei traurige Texte liefen, ist ein vierter tödlich.
Wenn vor dir alles komisch war, gewinnt der erste ernste Text von allein.
Das ist der wichtigste Punkt und der am wenigsten beachtete: Dein Text wirkt nie allein, sondern immer gegen die drei davor.
Genau deshalb lohnt Repertoire aufbauen mehr als jeder weitere Schreibtrick.
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Der Griff beim Repertoire aufbauen: Rollen statt Themen
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt genau eine Regel, und sie verändert, wonach du deine Texte sortierst.
Nicht: ein Text über die Bahn, einer über meine Mutter, einer über Arbeit.
Sondern: einer zum Eröffnen, einer zum Draufhalten, einer für Stille, einer für den zweiten Durchgang, einer für den Notfall.
Denn auf der Bühne fragst du dich nie, welches Thema jetzt passt. Du fragst dich, was dieser Raum in dieser Minute braucht.
Das war es.
Eine andere Sortierung, mehr nicht.
Damit wird Repertoire aufbauen von einer Sammelaufgabe zu einer Planung.
Warum Themen als Ordnung nicht funktionieren
Weil dir das Thema im entscheidenden Moment nichts sagt.
Wenn der Saal nach zwei ernsten Texten kippt, hilft dir die Information nicht, dass du etwas über die Bahn dabeihast.
Du brauchst die Information, dass dein Bahntext laut ist und schnell anfängt.
Der Nebeneffekt, den kaum jemand erwartet
Sobald du nach Rollen sortierst, siehst du deine Lücken.
Die meisten haben drei Texte in derselben Rolle und keinen einzigen für die Stille.
Und das erklärt dann auch, warum bestimmte Abende immer schiefgehen.
Denn beim Repertoire aufbauen sieht man die Lücke erst, wenn man richtig sortiert.
Wer nach Rollen ordnet, merkt sofort, welchen Text er als Nächstes schreiben muss. Und schreibt dann gezielt statt nach Lust und Laune.
Fünf Rollen, die dein Repertoire abdecken muss
Diese fünf reichen für praktisch jeden Abend.
Denn beim Repertoire aufbauen geht es nicht um Menge, sondern um Abdeckung.
Drei Rollen für den ersten Durchgang
Zwei Rollen für alles Weitere
Mit vier fehlt dir immer eine Rolle, meistens die leise oder die zweite Runde. Ab sechs wird das Auswendiglernen zur eigenen Arbeit.
Fünf sind gut zu halten und decken jeden normalen Abend ab.
Die Commedia dell'arte lebte vom Repertoire
Der älteste Fall stammt aus dem sechzehnten Jahrhundert und wird bis heute falsch verstanden.
Die Commedia dell'arte war das Theater wandernder Berufstruppen in Italien, vom sechzehnten bis ins achtzehnte Jahrhundert.
Sie gilt als Improvisationstheater.
Und genau das stimmt nur halb.
Denn tatsächlich hat sie vorgeführt, was Repertoire aufbauen bedeutet.
Wie es tatsächlich funktionierte
Festgelegt war vorher nur eine knapp beschriebene Szenenfolge, das canovaccio oder canevas.
Der Rest kam aus dem Kopf der Spieler.
Aber nicht aus dem Nichts.
Jeder Schauspieler hatte für jede Situation ein Repertoire an einstudierten Kunststücken, Gesten, Körperhaltungen und sprachlichen Mitteln parat.
Die drei Bausteine, die sie mitbrachten
Erstens die lazzi, also fest einstudierte Späße und Nummern.
Von der Truppe der Gelosi sind über hundertfünfzig davon dokumentiert.
Zweitens die battute, also schlagfertige Bemerkungen, die die Spieler aufzeichneten und durch Lektüre klassischer Werke ergänzten.
Und drittens die feste Figur.
Jeder Schauspieler war klassischerweise sein Leben lang auf eine einzige Rolle festgelegt.
Der Begriff, der alles verrät
Der häufig verwendete deutsche Ausdruck Stegreifkomödie ist im Grunde falsch.
Denn die Schauspieler improvisierten nicht aus dem Stegreif, sondern anhand eines Repertoires.
Was wie Spontaneität aussah, war jahrelang vorbereitetes Material, im richtigen Moment gezogen.
Genau das ist der Unterschied zwischen einem Slammer mit einem Text und einem mit fünf.
Der ehrliche Haken, und er ist quellenkritisch
Wir wissen erstaunlich wenig darüber, wie es tatsächlich klang.
Die Texte waren nicht schriftlich fixiert, und schriftlich festgehalten wurden vor allem Harmlosigkeiten — unter anderem zum Schutz der Schauspieler vor Zensur und Inquisition.
Deshalb heißt es in der Forschung nüchtern, man könne den Witz, das Tempo und den Reiz der schnellen Dialoge heute nicht mehr wirklich begreifen.
Was bleibt, ist das Verfahren.
Und das funktioniert unverändert.
Trotzdem bleibt sie das älteste Beispiel für ein durchdachtes Repertoire.
Reutter hatte über tausend Nummern im Repertoire
Der deutsche Fall ist ein Extremwert und trotzdem lehrreich.
Otto Reutter, geboren 1870 in Gardelegen als Otto Pfützenreuter, war der bekannteste deutsche Vortragskünstler seiner Zeit.
Er starb 1931 und gilt bis heute als Meister des Couplets.
Die Zahl
Sein Repertoire umfasste über tausend Couplets.
Und zwar selbst geschriebene: Text und Melodie stammten von ihm.
Dem Berliner Wintergarten, dem größten Varieté seiner Art in Europa, blieb er über dreißig Jahre verbunden.
Was ihn wirklich ausgezeichnet hat
Nicht die Menge, sondern die Aktualität.
Schon 1895 in Dresden verarbeitete er das Tagesgeschehen sofort in seinen Couplets, und das galt damals als Sensation.
Er hatte also nicht nur ein großes Repertoire, sondern eines, das er täglich an den Abend anpasste.
Damit ist er das historische Vorbild für alles, was in diesem Beitrag steht.
Denn ein Repertoire aufbauen heißt nicht sammeln, sondern jederzeit passend zugreifen.
Warum er trotzdem kein Vorbild für die Menge ist
Reutter trat jahrzehntelang fast täglich auf, oft im selben Haus.
Wer dreißig Jahre lang dasselbe Publikum bespielt, braucht zwangsläufig Nachschub.
Du spielst vor wechselndem Publikum an wechselnden Orten.
Fünf gute Texte reichen dafür jahrelang.
Kurz gesagt: Übernimm sein Verfahren und nicht seine Zahl.
Damit ist die Menge beim Repertoire aufbauen die am meisten überschätzte Größe.
Der ehrliche Haken, und er ist doppelt
Erstens ist die Zahl selbst unsicher.
In den Quellen heißt es, er solle über tausend Couplets verfasst haben.
Ein Beleg für die genaue Zahl fehlt.
Zweitens ist der größte Teil davon schlicht verloren.
Auf der umfangreichsten Sammlung zu seinem Werk sind heute rund zweihundertfünfundzwanzig Couplets als Aufnahme verfügbar, und Dutzende Titel sind dort ausdrücklich als vollständig fehlend vermerkt.
Ein Repertoire aufbauen heißt eben auch: es aufheben.
Sonst bleibt am Ende eine Zahl übrig und kein Werk.
Wie groß dein Repertoire wirklich sein sollte
Zwischen einem Text und tausend liegt eine sinnvolle Zahl.
Denn beim Repertoire aufbauen bringt jede Stufe etwas anderes — und irgendwann bringt sie nichts mehr.
| Größe | Was du damit kannst | Was noch fehlt |
|---|---|---|
| Ein Text | Auftreten. Mehr nicht. | Jede Reaktion auf den Abend. |
| Drei Texte | Auf laute und leise Räume reagieren. | Die zweite Runde und der Notfall. |
| Fünf Texte | Jeden normalen Abend abdecken. | Nichts Wesentliches. Das ist das Ziel. |
| Acht bis zehn | Ganze Abende bestreiten, etwa als Vorprogramm. | Sicherheit. Du kannst sie nicht mehr alle. |
| Zwanzig und mehr | Ein abendfüllendes Programm. | Zeit. Das ist ein anderer Beruf. |
Die dritte Zeile ist die Antwort für fast alle.
Fünf Texte decken jeden normalen Slam-Abend ab und lassen sich zuverlässig halten.
Außerdem passen sie in ein einziges Auffrischungsritual von zwanzig Minuten im Monat.
Wann mehr sinnvoll wird
Sobald du eigene Abende spielst oder als Vorprogramm gebucht wirst.
Dann brauchst du acht bis zehn Texte, weil ein Abend nicht aus vier Minuten besteht.
Und dann brauchst du auch eine Reihenfolge, also eine echte Setliste.
Kurz gesagt: Fünf sind ein Repertoire.
Zehn sind ein Programm.
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Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Wie du am Abend die richtige Karte ziehst
Ein Repertoire nützt nichts, wenn du die Wahl nicht triffst.
Denn beim Repertoire aufbauen ist die Auswahl im Moment die eigentliche Kunst.
| Was du beobachtest | Was es bedeutet | Welche Karte |
|---|---|---|
| Der Raum ist laut, Gläser klirren | Der Text muss dagegenhalten. | Der Brecher. |
| Es wurde vor dir dreimal gelacht | Das Publikum ist warm und offen. | Der Leise. Er gewinnt jetzt. |
| Zwei ernste Texte hintereinander | Der Saal ist schwer geworden. | Der Eröffner oder der Brecher. |
| Du bist als Erster dran | Niemand ist eingespielt, auch das Publikum nicht. | Der Eröffner. |
| Du bist im Finale | Sie kennen deinen ersten Text noch. | Der Zweitrunden-Text. |
| Jemand fällt aus, du springst ein | Keine Vorbereitungszeit. | Der Notfalltext. |
Die zweite Zeile ist die wichtigste und die kontraintuitivste.
Viele denken, nach viel Gelächter müssten sie noch komischer werden.
Das Gegenteil stimmt: Ein warmes Publikum hört zu, und genau dann wirkt der leise Text am stärksten.
Wann du entscheidest
Nach dem dritten Auftritt vor dir, nicht früher.
Vorher kennst du den Abend nicht, danach wirst du nervös.
Außerdem hast du dann noch genug Zeit, den Text einmal im Kopf durchzugehen.
Denn ein Repertoire nützt nur, wenn die Entscheidung spät genug fällt.
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In welcher Reihenfolge du dein Repertoire aufbauen solltest
Fünf Texte auf einmal zu schreiben ist keine gute Idee.
Denn ein Repertoire aufbauen dauert Monate, und die Reihenfolge entscheidet, wie schnell es dir nützt.
| Schritt | Was du baust | Warum in dieser Reihenfolge |
|---|---|---|
| 1 | Den Eröffner. | Ohne ihn kommst du nirgends rein. Er ist dein Eintrittstext. |
| 2 | Den Brecher. | Damit deckst du die schwierigsten Räume ab. |
| 3 | Den Zweitrunden-Text. | Erst damit kannst du überhaupt ein Finale spielen. |
| 4 | Den Leisen. | Er braucht am meisten Handwerk. Deshalb kommt er später. |
| 5 | Den Notfalltext. | Meist ist es dein ältester Text, gekürzt und gefestigt. |
Der vierte Schritt ist der, an dem die meisten hängenbleiben.
Ein leiser Text verzeiht keinen Fehler, weil nichts von ihm ablenkt.
Deshalb schreibt man ihn besser nach zwei Jahren als im ersten halben.
Wie lange das dauert
Rechne mit ungefähr einem guten Text pro Quartal.
Das klingt wenig und ergibt in fünf Quartalen ein vollständiges Repertoire.
Außerdem entsteht der fünfte Text oft gar nicht neu, sondern aus einem alten.
Kurz gesagt: Fünf Rollen in gut einem Jahr sind ein realistisches Ziel.
Damit ist Repertoire aufbauen kein Kraftakt, sondern eine Reihenfolge.
Wie du ein Repertoire pflegst, ohne es zu vergessen
Ein Repertoire verfällt schneller, als man denkt.
Denn ein Text, den du drei Monate nicht gesprochen hast, sitzt nicht mehr.
Die Auffrischungsregel
Sprich jeden Text deines Repertoires einmal im Monat laut durch.
Fünf Texte mal vier Minuten sind zwanzig Minuten im Monat.
Das ist der gesamte Aufwand, und er ist lächerlich klein gemessen daran, was er verhindert.
Wann ein Text ausscheidet
Wenn du ihn dreimal hintereinander nicht mehr gespielt hast, obwohl er gepasst hätte.
Denn dann glaubst du selbst nicht mehr an ihn, und das hört man.
Außerdem scheiden Texte aus, deren Bezug veraltet ist.
Ein Text über ein Ereignis von vor fünf Jahren erklärt sich nicht mehr von selbst.
Was mit ausgeschiedenen Texten passiert
Sie wandern ins Lager, nicht in den Papierkorb.
Denn ein Text, der jetzt nicht passt, kann in zwei Jahren wieder passen.
Und die besten Zeilen daraus tauchen ohnehin in neuen Texten wieder auf.
Die Setliste: wenn du mehrere Texte am Stück spielst
Irgendwann bekommst du eine Einladung über zwanzig Minuten statt über vier.
Denn ein gutes Repertoire führt fast automatisch zu längeren Auftritten.
Was sich dabei ändert
Bei vier Minuten wählst du einen Text.
Bei zwanzig baust du einen Bogen.
Und ein Bogen hat eigene Regeln, die mit den einzelnen Texten wenig zu tun haben.
| Position | Was dort hingehört | Warum |
|---|---|---|
| Erster Text | Der Eröffner, gekürzt. | Das Publikum muss dich erst kennenlernen. |
| Zweiter Text | Der Brecher. | Jetzt hast du ihre Aufmerksamkeit und darfst zulegen. |
| Dritter Text | Der Leise. | Die Mitte verträgt Stille. Der Anfang nicht. |
| Vierter Text | Etwas Kurzes und Komisches. | Nach dem leisen Text braucht der Raum Luft. |
| Letzter Text | Dein stärkster. | Was am Ende steht, nehmen die Leute mit nach Hause. |
Die dritte Zeile ist die, die am häufigsten falsch besetzt wird.
Viele setzen den leisen Text ans Ende, weil er der wichtigste ist.
Dann geht das Publikum aber nachdenklich statt begeistert nach Hause, und niemand kommt hinterher zu dir.
Die eine Regel für jede Setliste
Zwischen zwei Texten sagst du höchstens zwei Sätze.
Denn Moderation zwischen den Texten wirkt immer länger, als sie ist.
Und was du zwischendurch erklärst, hättest du in den Text schreiben sollen.
Zehn Fehler beim Repertoire aufbauen
Fünf Fehler beim Bauen
Fehler 1: Nach Themen sortieren statt nach Rollen
Fehler 2: Fünf Texte in derselben Rolle haben
Fehler 3: Mit dem leisen Text anfangen
Fehler 4: Den besten Text als Eröffner nehmen
Fehler 5: Zu viele Texte gleichzeitig
Fünf Fehler beim Einsatz
Fehler 6: Vorher festlegen, was du spielst
Fehler 7: Immer denselben Text spielen
Fehler 8: Nach Gelächter noch komischer werden wollen
Fehler 9: Das Repertoire nicht auffrischen
Fehler 10: Ausgeschiedene Texte löschen
Sechs Übungen für dein Repertoire
Diese sechs kosten dich zusammen kaum zwei Stunden.
Denn Repertoire aufbauen beginnt fast immer mit dem, was schon da ist.
Außerdem brauchst du für die ersten drei keinen einzigen neuen Text.
Drei Übungen zum Sortieren
Übung 1 – Die Rollenprüfung
Übung 2 – Die Lautstärkeskala
Übung 3 – Die Zeitmessung
Drei Übungen zum Einsetzen
Übung 4 – Der Blindzug
Übung 5 – Die Raumnotiz
Übung 6 – Der Notfalltest
Deine Setprüfung
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Damit hast du dein Repertoire einmal komplett durchgeplant.
Der Abend, an dem ich nur einen Text dabeihatte
Ich hatte einen leisen Text über meinen Großvater und war ziemlich stolz darauf.
Und ich hatte sonst nichts.
Was an diesem Abend los war
Der Slam fand in einer Kneipe statt, an einem Freitag, mit Fußball auf dem Nebenraumbildschirm.
Vor mir liefen drei sehr laute, sehr komische Texte.
Und ich stand da mit vier Minuten Stille über einen alten Mann.
Wie es ausgegangen ist
Nicht gut, aber auch nicht katastrophal.
Der Saal war höflich, ein paar Leute haben zugehört, und ich bin nicht weitergekommen.
Das Schlimmste war nicht das Ergebnis, sondern dass ich nichts hätte anders machen können.
Schöner Text. Falscher Abend dafür.Der Moderator hinterher — und er hatte in beidem recht
Der Teil, den ich lieber weggelassen hätte
Ich habe danach ein halbes Jahr gebraucht, bis ich den zweiten Text hatte.
In dieser Zeit bin ich fünfmal aufgetreten und habe fünfmal denselben Text gespielt.
Dreimal davon passte er nicht.
Und ich habe jedes Mal gehofft, dass der Raum sich ändert, statt mein Repertoire.
Was ein Repertoire nicht kann
Ein vollständiges Repertoire ist die größte Sicherheit, die du auf einer Bühne haben kannst.
Es ist trotzdem nur eine Auswahl.
Denn Repertoire aufbauen ordnet Texte und schreibt keine.
Warum jetzt erst das Handwerk anfängt
Fünf Rollen zu kennen heißt nicht, fünf gute Texte zu haben.
Jede einzelne Karte muss für sich funktionieren.
Und der leise Text bleibt der schwerste, egal wie gut du sortierst.
Kurz gesagt: Das Repertoire ordnet deine Texte.
Schreiben musst du sie selbst.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also die Werkzeuge für die vier Texte, die dir zu deinem Repertoire noch fehlen.
Die Rollen kennst du jetzt. Die Texte liefert das Handwerk.
Sortier nach Rollen, nicht nach Themen. Und entscheide erst am Abend.
Übrigens spiele ich den Text über meinen Großvater bis heute.
Nur eben nicht mehr freitags in Kneipen mit Fußball nebenan.
Er ist ein sehr guter Text.
Er ist nur ein sehr spezieller.
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Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
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