Dein Repertoire: Welche Texte du immer dabeihaben solltest

Repertoire aufbauen heißt Auswahl haben: der Waschbär hält fünf Karten aufgefächert in der Hand
Der Kartensatz

Dein Repertoire: Welche Texte du immer dabeihaben solltest

Ein Text ist Glückssache, fünf sind ein Handwerk. Und der Unterschied zeigt sich immer erst an dem Abend, an dem alles anders läuft.
Derselbe Text, drei Titel: eine laute Kneipe, Publikum halb betrunken, du bist als Vierter dran
Ein TextDu spielst ihn. Er ist ruhig und leise, wie immer.Er geht unter. Nicht weil er schlecht ist, sondern weil er nicht passt.
Drei TexteDu hast eine Alternative und nimmst sie.Schon deutlich besser. Reicht aber nur für zwei von drei Abenden.
Fünf Texte in fünf RollenDu hörst die ersten drei Auftritte und ziehst dann die passende Karte.Du reagierst auf den Raum, statt auf ihn zu hoffen. Darum geht es hier.
Griff 1Setbögen 7Setproben 6Videos 4 deutsche

Die meisten Slammer scheitern nicht an ihrem Text. Sie scheitern daran, nur einen zu haben.

Denn ein einzelner Text passt zu einem einzigen Abend.

Und du weißt vorher nie, welcher Abend dich erwartet.

Deshalb ist Repertoire aufbauen keine Fleißarbeit, sondern eine Absicherung.

Ohne Repertoire aufbauen bleibt nur eine Option: der Waschbär steht mit einem einzigen Blatt am Mikrofon
Ein Blatt, keine Wahl. Der Abend entscheidet dann für dich.

Dieser Beitrag zeigt dir, wie du ein Repertoire aufbauen kannst, das auf jede Bühne reagiert.

Und warum fünf Texte reichen, wenn sie die richtigen fünf sind.

Zum Mitmachen gibt es sieben Setbögen, sechs Setproben und vier deutsche Videos.

Außerdem entscheidet nicht die Menge, sondern eine einzige Sortierung.

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01

Warum ein Text zu wenig ist

Es gibt drei Gründe, und keiner davon hat mit Textqualität zu tun.

Erstens: Du kennst den Raum vorher nicht

Eine Kellerkneipe mit vierzig Leuten und ein Theatersaal mit dreihundert verlangen völlig verschiedene Texte.

Bei der einen musst du dagegenhalten, im anderen darfst du leise sein.

Und beides erfährst du frühestens beim Betreten des Raums.

Zweitens: Du kennst deine Position nicht

Als Erster brauchst du etwas, das den Abend eröffnet.

Als Letzter vor der Pause brauchst du etwas, das hängenbleibt.

In der zweiten Runde brauchst du etwas, das anders ist als dein erster Text.

Drittens: Du kennst die Stimmung nicht

Wenn vor dir drei traurige Texte liefen, ist ein vierter tödlich.

Wenn vor dir alles komisch war, gewinnt der erste ernste Text von allein.

Das ist der wichtigste Punkt und der am wenigsten beachtete: Dein Text wirkt nie allein, sondern immer gegen die drei davor.

Genau deshalb lohnt Repertoire aufbauen mehr als jeder weitere Schreibtrick.

Setprobe
Was ist der wichtigste Grund für mehr als einen Text?
Auflösung anzeigen
Damit du reagieren kannst. Ein Text wirkt nie für sich allein, sondern immer im Verhältnis zu dem, was vor dir lief, und zu dem Raum, in dem du stehst. Häufiger auftreten und mehr Themen sind angenehme Nebenwirkungen — der eigentliche Gewinn ist die Wahlmöglichkeit im Moment.
Griffbereit
Ein Text ist eine Hoffnung. Fünf Texte sind eine Entscheidung.
Video 1
Poetry Slam Tutorial #1: Ich will einen Text schreiben, aber worüber?
Die erste Folge des Grundkurs Slam. Wer ein Repertoire aufbauen will, braucht mehrere Themen — und genau darum geht es hier.
02

Der Griff beim Repertoire aufbauen: Rollen statt Themen

Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.

Es gibt genau eine Regel, und sie verändert, wonach du deine Texte sortierst.

Der Griff
Sortier dein Repertoire nach Rollen, nicht nach Themen.

Nicht: ein Text über die Bahn, einer über meine Mutter, einer über Arbeit.

Sondern: einer zum Eröffnen, einer zum Draufhalten, einer für Stille, einer für den zweiten Durchgang, einer für den Notfall.

Denn auf der Bühne fragst du dich nie, welches Thema jetzt passt. Du fragst dich, was dieser Raum in dieser Minute braucht.

Das war es.

Eine andere Sortierung, mehr nicht.

Damit wird Repertoire aufbauen von einer Sammelaufgabe zu einer Planung.

Repertoire aufbauen heißt auswählen können: fünf Karten aufgefächert, eine vorgeschoben
Fünf Karten, eine vorgeschoben. So sieht eine Entscheidung aus.

Warum Themen als Ordnung nicht funktionieren

Weil dir das Thema im entscheidenden Moment nichts sagt.

Wenn der Saal nach zwei ernsten Texten kippt, hilft dir die Information nicht, dass du etwas über die Bahn dabeihast.

Du brauchst die Information, dass dein Bahntext laut ist und schnell anfängt.

Der Nebeneffekt, den kaum jemand erwartet

Sobald du nach Rollen sortierst, siehst du deine Lücken.

Die meisten haben drei Texte in derselben Rolle und keinen einzigen für die Stille.

Und das erklärt dann auch, warum bestimmte Abende immer schiefgehen.

Denn beim Repertoire aufbauen sieht man die Lücke erst, wenn man richtig sortiert.

Setbogen 01
Deine Rollenverteilung
Nimm deine vorhandenen Texte und ordne jedem eine Rolle zu. Nicht das Thema, sondern die Funktion auf der Bühne.
Warum nur ein Griff und nicht zwölf
Weil die Sortierung alles andere von selbst regelt.

Wer nach Rollen ordnet, merkt sofort, welchen Text er als Nächstes schreiben muss. Und schreibt dann gezielt statt nach Lust und Laune.
03

Fünf Rollen, die dein Repertoire abdecken muss

Diese fünf reichen für praktisch jeden Abend.

Denn beim Repertoire aufbauen geht es nicht um Menge, sondern um Abdeckung.

Drei Rollen für den ersten Durchgang

1Rolle einsDer Eröffner
Woran du ihn erkennst
  • Fängt in den ersten zehn Sekunden an, statt Anlauf zu nehmen.
  • Braucht kein Vorwissen und keine ruhige Stimmung.
  • Funktioniert auch, wenn hinten noch Gläser klirren.
  • Hat mindestens eine Stelle, an der man lachen darf.
Wann du ihn spielst
Wenn du als Erster oder Zweiter drankommst.
Vorsicht
Er darf nicht dein bester Text sein. Den brauchst du später.
2Rolle zweiDer Brecher
Woran du ihn erkennst
  • Laut, schnell, mit hoher Wortdichte.
  • Hält gegen Nebengeräusche und unruhige Räume.
  • Braucht wenig Stille und viel Tempo.
  • Verzeiht es, wenn eine Zeile untergeht.
Wann du ihn spielst
In lauten Kneipen und bei später Uhrzeit.
Vorsicht
Zweimal hintereinander wirkt er anstrengend statt stark.
3Rolle dreiDer Leise
Woran du ihn erkennst
  • Lebt von Pausen und von einem einzigen Bild.
  • Braucht einen Raum, der bereit ist zuzuhören.
  • Wirkt am stärksten nach zwei lauten Texten.
  • Verträgt keine Zwischenrufe.
Wann du ihn spielst
Wenn der Saal ruhig ist oder du nach lauten Texten kommst.
Vorsicht
Im falschen Raum verliert er komplett. Kein Notfalltext.

Zwei Rollen für alles Weitere

4Rolle vierDer Zweitrunden-Text
Woran du ihn erkennst
  • Unterscheidet sich deutlich von deinem ersten Text.
  • Anderes Tempo, andere Haltung, anderes Thema.
  • Darf kürzer sein, weil das Publikum dich schon kennt.
  • Kann direkt an den ersten anknüpfen, ohne ihn zu erklären.
Wann du ihn spielst
Im Finale oder in der zweiten Runde.
Vorsicht
Wenn er zu ähnlich ist, wirkt dein ganzes Set eintönig.
5Rolle fünfDer Notfalltext
Woran du ihn erkennst
  • Sitzt so fest, dass du ihn ohne Vorbereitung sprechen kannst.
  • Ist kurz, höchstens drei Minuten.
  • Funktioniert in jedem Raum halbwegs gut.
  • Braucht keinen Aufbau und keine bestimmte Stimmung.
Wann du ihn spielst
Wenn jemand ausfällt und du spontan einspringst.
Vorsicht
Er wird selten dein stärkster sein. Das ist in Ordnung.
Warum ausgerechnet fünf
Weil vier eine Lücke lassen und sechs niemand mehr sicher auswendig kann.

Mit vier fehlt dir immer eine Rolle, meistens die leise oder die zweite Runde. Ab sechs wird das Auswendiglernen zur eigenen Arbeit.

Fünf sind gut zu halten und decken jeden normalen Abend ab.
Setbogen 02
Deine fünf Karten
Trag zu jeder Rolle den passenden eigenen Text ein. Wo dir nichts einfällt, steht deine nächste Schreibaufgabe.
04

Die Commedia dell'arte lebte vom Repertoire

Der älteste Fall stammt aus dem sechzehnten Jahrhundert und wird bis heute falsch verstanden.

Die Commedia dell'arte war das Theater wandernder Berufstruppen in Italien, vom sechzehnten bis ins achtzehnte Jahrhundert.

Sie gilt als Improvisationstheater.

Und genau das stimmt nur halb.

Denn tatsächlich hat sie vorgeführt, was Repertoire aufbauen bedeutet.

Wie es tatsächlich funktionierte

Festgelegt war vorher nur eine knapp beschriebene Szenenfolge, das canovaccio oder canevas.

Der Rest kam aus dem Kopf der Spieler.

Aber nicht aus dem Nichts.

Jeder Schauspieler hatte für jede Situation ein Repertoire an einstudierten Kunststücken, Gesten, Körperhaltungen und sprachlichen Mitteln parat.

Die drei Bausteine, die sie mitbrachten

Erstens die lazzi, also fest einstudierte Späße und Nummern.

Von der Truppe der Gelosi sind über hundertfünfzig davon dokumentiert.

Zweitens die battute, also schlagfertige Bemerkungen, die die Spieler aufzeichneten und durch Lektüre klassischer Werke ergänzten.

Und drittens die feste Figur.

Jeder Schauspieler war klassischerweise sein Leben lang auf eine einzige Rolle festgelegt.

Repertoire aufbauen wie eine Werkstatt: fünf verschiedene Handwerkzeuge nebeneinander
Fünf Werkzeuge, fünf Aufgaben. Kein einziges davon ist Improvisation.

Der Begriff, der alles verrät

Der häufig verwendete deutsche Ausdruck Stegreifkomödie ist im Grunde falsch.

Denn die Schauspieler improvisierten nicht aus dem Stegreif, sondern anhand eines Repertoires.

Was wie Spontaneität aussah, war jahrelang vorbereitetes Material, im richtigen Moment gezogen.

Genau das ist der Unterschied zwischen einem Slammer mit einem Text und einem mit fünf.

Der ehrliche Haken, und er ist quellenkritisch

Wir wissen erstaunlich wenig darüber, wie es tatsächlich klang.

Die Texte waren nicht schriftlich fixiert, und schriftlich festgehalten wurden vor allem Harmlosigkeiten — unter anderem zum Schutz der Schauspieler vor Zensur und Inquisition.

Deshalb heißt es in der Forschung nüchtern, man könne den Witz, das Tempo und den Reiz der schnellen Dialoge heute nicht mehr wirklich begreifen.

Was bleibt, ist das Verfahren.

Und das funktioniert unverändert.

Trotzdem bleibt sie das älteste Beispiel für ein durchdachtes Repertoire.

Video 2
Was ist Poetry Slam? Stilmittel und Themen
Ein Überblick über Formen und Themen. Nützlich, um zu sehen, wie breit das Feld ist, aus dem du dein Repertoire aufbauen kannst.
05

Reutter hatte über tausend Nummern im Repertoire

Der deutsche Fall ist ein Extremwert und trotzdem lehrreich.

Otto Reutter, geboren 1870 in Gardelegen als Otto Pfützenreuter, war der bekannteste deutsche Vortragskünstler seiner Zeit.

Er starb 1931 und gilt bis heute als Meister des Couplets.

Die Zahl

Sein Repertoire umfasste über tausend Couplets.

Und zwar selbst geschriebene: Text und Melodie stammten von ihm.

Dem Berliner Wintergarten, dem größten Varieté seiner Art in Europa, blieb er über dreißig Jahre verbunden.

Was ihn wirklich ausgezeichnet hat

Nicht die Menge, sondern die Aktualität.

Schon 1895 in Dresden verarbeitete er das Tagesgeschehen sofort in seinen Couplets, und das galt damals als Sensation.

Er hatte also nicht nur ein großes Repertoire, sondern eines, das er täglich an den Abend anpasste.

Damit ist er das historische Vorbild für alles, was in diesem Beitrag steht.

Denn ein Repertoire aufbauen heißt nicht sammeln, sondern jederzeit passend zugreifen.

Repertoire aufbauen heißt den Raum lesen: der Waschbär prüft vom Bühnenrand die Stimmung
Erst den Raum lesen, dann die Karte ziehen. In dieser Reihenfolge.

Warum er trotzdem kein Vorbild für die Menge ist

Reutter trat jahrzehntelang fast täglich auf, oft im selben Haus.

Wer dreißig Jahre lang dasselbe Publikum bespielt, braucht zwangsläufig Nachschub.

Du spielst vor wechselndem Publikum an wechselnden Orten.

Fünf gute Texte reichen dafür jahrelang.

Kurz gesagt: Übernimm sein Verfahren und nicht seine Zahl.

Damit ist die Menge beim Repertoire aufbauen die am meisten überschätzte Größe.

Der ehrliche Haken, und er ist doppelt

Erstens ist die Zahl selbst unsicher.

In den Quellen heißt es, er solle über tausend Couplets verfasst haben.

Ein Beleg für die genaue Zahl fehlt.

Zweitens ist der größte Teil davon schlicht verloren.

Auf der umfangreichsten Sammlung zu seinem Werk sind heute rund zweihundertfünfundzwanzig Couplets als Aufnahme verfügbar, und Dutzende Titel sind dort ausdrücklich als vollständig fehlend vermerkt.

Ein Repertoire aufbauen heißt eben auch: es aufheben.

Sonst bleibt am Ende eine Zahl übrig und kein Werk.

05b

Wie groß dein Repertoire wirklich sein sollte

Zwischen einem Text und tausend liegt eine sinnvolle Zahl.

Denn beim Repertoire aufbauen bringt jede Stufe etwas anderes — und irgendwann bringt sie nichts mehr.

GrößeWas du damit kannstWas noch fehlt
Ein TextAuftreten. Mehr nicht.Jede Reaktion auf den Abend.
Drei TexteAuf laute und leise Räume reagieren.Die zweite Runde und der Notfall.
Fünf TexteJeden normalen Abend abdecken.Nichts Wesentliches. Das ist das Ziel.
Acht bis zehnGanze Abende bestreiten, etwa als Vorprogramm.Sicherheit. Du kannst sie nicht mehr alle.
Zwanzig und mehrEin abendfüllendes Programm.Zeit. Das ist ein anderer Beruf.

Die dritte Zeile ist die Antwort für fast alle.

Fünf Texte decken jeden normalen Slam-Abend ab und lassen sich zuverlässig halten.

Außerdem passen sie in ein einziges Auffrischungsritual von zwanzig Minuten im Monat.

Wann mehr sinnvoll wird

Sobald du eigene Abende spielst oder als Vorprogramm gebucht wirst.

Dann brauchst du acht bis zehn Texte, weil ein Abend nicht aus vier Minuten besteht.

Und dann brauchst du auch eine Reihenfolge, also eine echte Setliste.

Kurz gesagt: Fünf sind ein Repertoire.

Zehn sind ein Programm.

Setprobe
Wie viele Texte braucht ein Repertoire für normale Slam-Abende?
Auflösung anzeigen
Fünf. Sie decken alle fünf Rollen ab, lassen sich sicher auswendig halten und passen in eine monatliche Auffrischung von zwanzig Minuten. Drei lassen die zweite Runde und den Notfall offen, und ab acht Texten sinkt die Sicherheit schneller, als die Auswahl wächst.
Setbogen 02b
Deine Zielgröße
Leg fest, wo du hinwillst und warum. Ehrlich, nicht ehrgeizig.
Dein Link-Kompass

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Schreiben & Textaufbau
31 Beiträge

Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.

Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.

06

Wie du am Abend die richtige Karte ziehst

Ein Repertoire nützt nichts, wenn du die Wahl nicht triffst.

Denn beim Repertoire aufbauen ist die Auswahl im Moment die eigentliche Kunst.

Was du beobachtestWas es bedeutetWelche Karte
Der Raum ist laut, Gläser klirrenDer Text muss dagegenhalten.Der Brecher.
Es wurde vor dir dreimal gelachtDas Publikum ist warm und offen.Der Leise. Er gewinnt jetzt.
Zwei ernste Texte hintereinanderDer Saal ist schwer geworden.Der Eröffner oder der Brecher.
Du bist als Erster dranNiemand ist eingespielt, auch das Publikum nicht.Der Eröffner.
Du bist im FinaleSie kennen deinen ersten Text noch.Der Zweitrunden-Text.
Jemand fällt aus, du springst einKeine Vorbereitungszeit.Der Notfalltext.

Die zweite Zeile ist die wichtigste und die kontraintuitivste.

Viele denken, nach viel Gelächter müssten sie noch komischer werden.

Das Gegenteil stimmt: Ein warmes Publikum hört zu, und genau dann wirkt der leise Text am stärksten.

Wann du entscheidest

Nach dem dritten Auftritt vor dir, nicht früher.

Vorher kennst du den Abend nicht, danach wirst du nervös.

Außerdem hast du dann noch genug Zeit, den Text einmal im Kopf durchzugehen.

Denn ein Repertoire nützt nur, wenn die Entscheidung spät genug fällt.

Repertoire aufbauen heißt vorbereitet sein: eine offene Ledertasche mit gefalteten Blättern
Alles dabei, nichts entschieden. Genau so soll es aussehen.
Setprobe
Was spielst du, wenn vor dir dreimal gelacht wurde?
Auflösung anzeigen
Den leisen Text. Ein Publikum, das gelacht hat, ist warm und bereit zuzuhören — und ein ernster Text wirkt gegen drei komische deutlich stärker als ein vierter komischer. Noch komischer werden heißt, gegen drei Leute zu konkurrieren, die schon gewonnen haben.
Setbogen 03
Deine Entscheidungsregel
Schreib dir für die nächsten drei Auftritte auf, was du beobachtest und welche Karte du daraufhin ziehst.
07

In welcher Reihenfolge du dein Repertoire aufbauen solltest

Fünf Texte auf einmal zu schreiben ist keine gute Idee.

Denn ein Repertoire aufbauen dauert Monate, und die Reihenfolge entscheidet, wie schnell es dir nützt.

SchrittWas du baustWarum in dieser Reihenfolge
1Den Eröffner.Ohne ihn kommst du nirgends rein. Er ist dein Eintrittstext.
2Den Brecher.Damit deckst du die schwierigsten Räume ab.
3Den Zweitrunden-Text.Erst damit kannst du überhaupt ein Finale spielen.
4Den Leisen.Er braucht am meisten Handwerk. Deshalb kommt er später.
5Den Notfalltext.Meist ist es dein ältester Text, gekürzt und gefestigt.

Der vierte Schritt ist der, an dem die meisten hängenbleiben.

Ein leiser Text verzeiht keinen Fehler, weil nichts von ihm ablenkt.

Deshalb schreibt man ihn besser nach zwei Jahren als im ersten halben.

Wie lange das dauert

Rechne mit ungefähr einem guten Text pro Quartal.

Das klingt wenig und ergibt in fünf Quartalen ein vollständiges Repertoire.

Außerdem entsteht der fünfte Text oft gar nicht neu, sondern aus einem alten.

Kurz gesagt: Fünf Rollen in gut einem Jahr sind ein realistisches Ziel.

Damit ist Repertoire aufbauen kein Kraftakt, sondern eine Reihenfolge.

Setbogen 04
Dein Bauplan
Trag ein, welche Rolle du schon hast und welche du als Nächstes baust. Und setz ein Datum dahinter.
Video 3
Poetry Slam Tutorial #2: Mein erster Satz
Der Einstieg entscheidet, besonders beim Eröffner aus Rolle eins. Genau der ist der erste Text, den du bauen solltest.
08

Wie du ein Repertoire pflegst, ohne es zu vergessen

Ein Repertoire verfällt schneller, als man denkt.

Denn ein Text, den du drei Monate nicht gesprochen hast, sitzt nicht mehr.

Die Auffrischungsregel

Sprich jeden Text deines Repertoires einmal im Monat laut durch.

Fünf Texte mal vier Minuten sind zwanzig Minuten im Monat.

Das ist der gesamte Aufwand, und er ist lächerlich klein gemessen daran, was er verhindert.

Wann ein Text ausscheidet

Wenn du ihn dreimal hintereinander nicht mehr gespielt hast, obwohl er gepasst hätte.

Denn dann glaubst du selbst nicht mehr an ihn, und das hört man.

Außerdem scheiden Texte aus, deren Bezug veraltet ist.

Ein Text über ein Ereignis von vor fünf Jahren erklärt sich nicht mehr von selbst.

Was mit ausgeschiedenen Texten passiert

Sie wandern ins Lager, nicht in den Papierkorb.

Denn ein Text, der jetzt nicht passt, kann in zwei Jahren wieder passen.

Und die besten Zeilen daraus tauchen ohnehin in neuen Texten wieder auf.

Setbogen 05
Dein Auffrischungsplan
Leg fest, wann du dein Repertoire durchsprichst. Ein fester Termin im Monat reicht.
08b

Die Setliste: wenn du mehrere Texte am Stück spielst

Irgendwann bekommst du eine Einladung über zwanzig Minuten statt über vier.

Denn ein gutes Repertoire führt fast automatisch zu längeren Auftritten.

Was sich dabei ändert

Bei vier Minuten wählst du einen Text.

Bei zwanzig baust du einen Bogen.

Und ein Bogen hat eigene Regeln, die mit den einzelnen Texten wenig zu tun haben.

PositionWas dort hingehörtWarum
Erster TextDer Eröffner, gekürzt.Das Publikum muss dich erst kennenlernen.
Zweiter TextDer Brecher.Jetzt hast du ihre Aufmerksamkeit und darfst zulegen.
Dritter TextDer Leise.Die Mitte verträgt Stille. Der Anfang nicht.
Vierter TextEtwas Kurzes und Komisches.Nach dem leisen Text braucht der Raum Luft.
Letzter TextDein stärkster.Was am Ende steht, nehmen die Leute mit nach Hause.

Die dritte Zeile ist die, die am häufigsten falsch besetzt wird.

Viele setzen den leisen Text ans Ende, weil er der wichtigste ist.

Dann geht das Publikum aber nachdenklich statt begeistert nach Hause, und niemand kommt hinterher zu dir.

Die eine Regel für jede Setliste

Zwischen zwei Texten sagst du höchstens zwei Sätze.

Denn Moderation zwischen den Texten wirkt immer länger, als sie ist.

Und was du zwischendurch erklärst, hättest du in den Text schreiben sollen.

Setbogen 05b
Deine erste Setliste
Bau aus deinem Repertoire eine Reihenfolge für zwanzig Minuten. Und schreib dazu, was du zwischen den Texten sagst.
09

Zehn Fehler beim Repertoire aufbauen

Fünf Fehler beim Bauen

Fehler 1: Nach Themen sortieren statt nach Rollen
Der Grundfehler. Im entscheidenden Moment brauchst du die Funktion, nicht das Thema.
Fehler 2: Fünf Texte in derselben Rolle haben
Kommt sehr häufig vor. Meistens sind es fünf mittellaute Texte über Alltagsthemen.
Fehler 3: Mit dem leisen Text anfangen
Er ist der schwerste. Wer damit beginnt, gibt oft ganz auf.
Fehler 4: Den besten Text als Eröffner nehmen
Verschwendung. Der Eröffner soll Türen öffnen, nicht gewinnen.
Fehler 5: Zu viele Texte gleichzeitig
Ab sechs kannst du keinen mehr sicher. Lieber fünf, die sitzen.

Fünf Fehler beim Einsatz

Fehler 6: Vorher festlegen, was du spielst
Dann brauchst du kein Repertoire. Entscheide nach dem dritten Auftritt vor dir.
Fehler 7: Immer denselben Text spielen
Nach dem vierten Mal in derselben Stadt kennt ihn das Publikum.
Fehler 8: Nach Gelächter noch komischer werden wollen
Der häufigste Denkfehler. Ein warmes Publikum ist bereit für den leisen Text.
Fehler 9: Das Repertoire nicht auffrischen
Zwanzig Minuten im Monat. Wer das nicht macht, hat nach einem halben Jahr wieder einen Text.
Fehler 10: Ausgeschiedene Texte löschen
Ein Text, der jetzt nicht passt, passt vielleicht in zwei Jahren.
10

Sechs Übungen für dein Repertoire

Diese sechs kosten dich zusammen kaum zwei Stunden.

Denn Repertoire aufbauen beginnt fast immer mit dem, was schon da ist.

Außerdem brauchst du für die ersten drei keinen einzigen neuen Text.

Drei Übungen zum Sortieren

Übung 1 – Die Rollenprüfung
Ordne jeden vorhandenen Text einer der fünf Rollen zu. Wo sich drei Texte stapeln, hast du eine Lücke woanders.
Übung 2 – Die Lautstärkeskala
Sortier deine Texte von leise nach laut. Wenn alle in der Mitte liegen, fehlen dir beide Ränder.
Übung 3 – Die Zeitmessung
Miss alle Texte in echtem Vortragstempo. Ein Repertoire, in dem alles vier Minuten dauert, ist unflexibel.

Drei Übungen zum Einsetzen

Übung 4 – Der Blindzug
Lass dir vor dem Auftritt von jemandem eine Rolle nennen und spiel den Text dazu. So merkst du, welcher wirklich sitzt.
Übung 5 – Die Raumnotiz
Notier nach jedem Auftritt in einem Satz, wie der Raum war und was du gespielt hast. Nach zehn Abenden erkennst du dein eigenes Muster.
Übung 6 – Der Notfalltest
Sprich deinen Notfalltext ohne Vorbereitung, direkt aus dem Stand. Wenn das nicht geht, ist es kein Notfalltext.
Setbogen 06
Deine Rollenprüfung
Übung 1 direkt hier. Alle Texte, jeweils mit ihrer Rolle. Danach siehst du deine Lücke.
Video 4
Poetry Slam Tutorial #7: Besser werden
Die letzte Folge des Grundkurs Slam. Ein vollständiges Repertoire ist dabei der Schritt, der am meisten Sicherheit bringt.
Abnahme

Deine Setprüfung

Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.

Damit hast du dein Repertoire einmal komplett durchgeplant.

Erledigt
Nachtrag

Der Abend, an dem ich nur einen Text dabeihatte

Ich hatte einen leisen Text über meinen Großvater und war ziemlich stolz darauf.

Und ich hatte sonst nichts.

Ohne Repertoire aufbauen bleibt keine Wahl: der Waschbär steht mit einem einzigen Blatt am Mikrofon
Ein Text, kein Plan B. Das ging genau einmal gut.

Was an diesem Abend los war

Der Slam fand in einer Kneipe statt, an einem Freitag, mit Fußball auf dem Nebenraumbildschirm.

Vor mir liefen drei sehr laute, sehr komische Texte.

Und ich stand da mit vier Minuten Stille über einen alten Mann.

Wie es ausgegangen ist

Nicht gut, aber auch nicht katastrophal.

Der Saal war höflich, ein paar Leute haben zugehört, und ich bin nicht weitergekommen.

Das Schlimmste war nicht das Ergebnis, sondern dass ich nichts hätte anders machen können.

Schöner Text. Falscher Abend dafür.
Der Moderator hinterher — und er hatte in beidem recht

Der Teil, den ich lieber weggelassen hätte

Ich habe danach ein halbes Jahr gebraucht, bis ich den zweiten Text hatte.

In dieser Zeit bin ich fünfmal aufgetreten und habe fünfmal denselben Text gespielt.

Dreimal davon passte er nicht.

Und ich habe jedes Mal gehofft, dass der Raum sich ändert, statt mein Repertoire.

Weitergehen

Was ein Repertoire nicht kann

Ein vollständiges Repertoire ist die größte Sicherheit, die du auf einer Bühne haben kannst.

Es ist trotzdem nur eine Auswahl.

Denn Repertoire aufbauen ordnet Texte und schreibt keine.

Repertoire aufbauen zahlt sich aus: der Waschbär hat den vollen Saal im Griff
Fünf Karten in der Tasche. Man sieht es nur daran, dass nichts schiefgeht.

Warum jetzt erst das Handwerk anfängt

Fünf Rollen zu kennen heißt nicht, fünf gute Texte zu haben.

Jede einzelne Karte muss für sich funktionieren.

Und der leise Text bleibt der schwerste, egal wie gut du sortierst.

Kurz gesagt: Das Repertoire ordnet deine Texte.

Schreiben musst du sie selbst.

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Genau dafür habe ich Poetry Master gebaut.

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Die Rollen kennst du jetzt. Die Texte liefert das Handwerk.

Sortier nach Rollen, nicht nach Themen. Und entscheide erst am Abend.
Griffbereit
Wer einen Text hat, hofft auf den richtigen Abend. Wer fünf hat, macht jeden Abend zum richtigen.

Übrigens spiele ich den Text über meinen Großvater bis heute.

Nur eben nicht mehr freitags in Kneipen mit Fußball nebenan.

Er ist ein sehr guter Text.

Er ist nur ein sehr spezieller.

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Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch
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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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