Auf Tour gehen: Wie du über deine Stadt hinauswächst

Kiel · sieben Stunden · fünfzig Euro

Auf Tour gehen: Wie du über deine Stadt hinauswächst

Sieben Stunden Hinfahrt. Dreißig Leute im Saal. Fünfzig Euro Gage.

Mein erster Auftritt außerhalb der eigenen Stadt war betriebswirtschaftlich eine Katastrophe.

Kiel, ein Kulturzentrum am Wasser, ein Abend im November.

Ich bin morgens los, viermal umgestiegen und abends auf einer Bühne gestanden, auf der ich niemanden kannte.

Danach habe ich auf dem Sofa der Veranstalterin geschlafen.

Und in dieser Nacht ist etwas passiert, das sich als die profitabelste Stunde meines ganzen Slam-Jahres herausgestellt hat.

Der Anfang jeder Poetry-Slam-Tour: der Waschbär steht mit Reisetasche nachts allein am Bahnsteig vor einem Fernzug
Sieben Stunden für vier Minuten Bühne. So sieht der Anfang aus.

Dieser Beitrag zeigt dir, wie du aus einzelnen Auswärtsauftritten eine echte Poetry-Slam-Tour machst.

Am Ende bekommst du wieder genau einen Griff. Er besteht aus einer einzigen Frage.

Denn eine Poetry-Slam-Tour entsteht nicht durch Bewerbungen. Sie entsteht durch Empfehlungen.

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Kapitel 01 Halt 1 · 0 km

Warum eine Poetry-Slam-Tour irgendwann fällig wird

Irgendwann kennst du das Publikum.

Nicht namentlich, aber im Gefühl. Du weißt, an welcher Stelle gelacht wird, welche Themen ziehen und wer in der ersten Reihe sitzt.

Das ist zunächst angenehm und danach ein Problem.

Denn Sicherheit und Entwicklung schließen sich auf Dauer aus.

Die drei Dinge, die eine fremde Stadt mit dir macht

Erstens verlierst du deinen Bonus. Zu Hause wird dir vieles nachgesehen, weil man dich kennt.

Zweitens hörst du deinen Text zum ersten Mal wieder ehrlich, weil das Publikum keine Vorgeschichte mit dir hat.

Und drittens merkst du sehr schnell, welche Texte nur lokal funktionieren.

Ein Witz über die Straßenbahnlinie deiner Heimatstadt ist auswärts einfach nur ein Satz.

Deshalb ist eine Poetry-Slam-Tour vor allem eines: ein ehrlicher Blick auf das eigene Material.

Der Satz, um den es hier geht
Eine Poetry-Slam-Tour ist kein Karriereschritt. Sie ist ein Qualitätstest.

Denn ein Text, der in drei fremden Städten trägt, trägt wirklich.
Kapitel 02 Halt 2 · 120 km

Franz Liszt erfand das Tournee-Leben

Wer heute auf Tour geht, wandelt auf Postkutschenspuren.

Zwischen 1839 und 1847 gab Franz Liszt über tausend Konzerte in ganz Europa.

Diese Jahre heißen bis heute seine Glanzzeit.

Er reiste meist mit der Postkutsche von Paris bis Petersburg, von Kopenhagen bis Konstantinopel, von London bis Lissabon. Und zwar nicht nur in die Metropolen, sondern ausdrücklich auch in die Provinz.

Danach war die Landkarte Europas für Musiker eine andere.

Was er dabei nebenbei erfunden hat

Liszt war der Erste, der ganze Programme auswendig spielte.

Er war der Erste, der Europa von den Pyrenäen bis zum Ural bereiste.

Und er hat das Wort geprägt, mit dem wir bis heute den Soloabend bezeichnen. Am 9. Juni 1840 kündigte er in London erstmals ein Recital an.

Damit meinte er: Ich brauche keine anderen Künstler auf der Bühne.

In Berlin brach 1841 ein Fankult aus, den Heinrich Heine 1844 in einem Feuilleton Lisztomanie nannte.

Der ehrliche Haken

Er hat damit 1847 aufgehört.

Mit Mitte dreißig zog Liszt sich vom Tourneeleben zurück und ließ sich 1848 in Weimar nieder.

Über tausend Konzerte in acht Jahren sind ungefähr ein Auftritt alle drei Tage, inklusive Anreise mit der Kutsche.

Das hält niemand ewig durch, und er hat es auch nicht versucht.

Insofern hat Liszt auch das Ende einer Poetry-Slam-Tour erfunden, nicht nur ihren Anfang.

Was du daraus mitnimmst
Eine Poetry-Slam-Tour ist ein Werkzeug mit Verfallsdatum.

Es gibt eine Phase, in der Reisen dich enorm weiterbringt. Und es gibt einen Punkt, an dem du besser wieder sesshaft wirst. Beides ist richtig, nur eben nicht gleichzeitig.
Kapitel 03 Halt 3 · 260 km

Der eine Griff: der eine Name

Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.

Es gibt genau eine Sache, die zuverlässig funktioniert. Und sie ist wieder enttäuschend simpel.

Der Griff
Frag am Ende jedes Abends die veranstaltende Person nach genau einem Namen in einer anderen Stadt.

Einen. Nicht fünf.

Und frag ausdrücklich, ob du dich auf die Empfehlung berufen darfst.

Das war es. Ein Satz nach dem Auftritt.

Damit wird aus einzelnen Auswärtsauftritten mit der Zeit eine echte Poetry-Slam-Tour.

Warum das funktioniert und Bewerbungen nicht

Die Slam-Szene läuft über Empfehlungen.

Wer einen Slam veranstaltet, bekommt regelmäßig Anfragen von Menschen, die er nicht kennt. Die meisten davon landen im Stapel.

Eine Anfrage mit einem Namen darin ist etwas völlig anderes.

Denn dann steht nicht nur, dass du auftreten möchtest. Es steht auch, dass jemand aus derselben Szene dich für gut genug hält, um seinen eigenen Ruf daranzuhängen.

Die Mathematik dahinter

Ein Name pro Abend klingt nach wenig.

Bei zwölf Auftritten im Jahr sind das zwölf Namen.

Realistisch antworten davon vielleicht sechs, und drei laden dich tatsächlich ein.

Zuerst klingt diese Quote ernüchternd. Tatsächlich ist sie ausgesprochen gut.

Drei neue Städte pro Jahr. Nach drei Jahren ist das ein Netz.

So wächst eine Poetry-Slam-Tour, nämlich langsam und über Menschen.

Warum nur ein Griff und nicht zwölf
Weil du nach einem Auftritt müde bist und keine Strategie umsetzt.

Eine einzige Frage bekommst du auch dann noch hin. Alles Weitere in diesem Beitrag ist Zubehör. Das hier ist das Werkzeug.
Kapitel 04 Halt 4 · 340 km

Die Anfrage, mit der jede Poetry-Slam-Tour beginnt

Irgendwann musst du trotzdem selbst schreiben.

Und dann entscheidet die Form darüber, ob du eine Antwort bekommst.

Was in die Mail gehört

Der Name der Person, die dich empfohlen hat, gehört in den ersten Satz.

Danach kommen drei Zeilen zu dir: Wo du herkommst, wie lange du das machst und ein bis zwei Orte, an denen du schon aufgetreten bist.

Dann ein Link zu einem einzigen Video. Nicht zu einem Kanal, sondern zu einem Video.

Und zum Schluss die zwei Sätze, die am häufigsten fehlen: Wann du kannst und wie weit du anreisen würdest.

Außerdem entscheidet genau dieser letzte Punkt darüber, ob deine Poetry-Slam-Tour planbar wird.

Was auf keinen Fall hineingehört

Eine Liste aller deiner Auftritte
Niemand liest sie. Zwei Orte reichen, und zwar die aussagekräftigsten. Eine lange Liste wirkt außerdem so, als müsstest du dich beweisen.
Mehrere Videolinks
Wer drei Links schickt, bekommt null geklickt. Nimm das Video, bei dem der Ton am besten ist. Nicht das mit dem größten Applaus.
Eine Gagenforderung im ersten Kontakt
Frag stattdessen, welche Konditionen üblich sind. Die meisten Reihen haben feste Sätze, und du erfährst sie, wenn du fragst statt forderst.
Der Satz, dass du flexibel bist
Das schreiben alle, und es hilft niemandem beim Planen. Nenne stattdessen drei konkrete Monate.
Ein Anhang
PDFs im Erstkontakt werden selten geöffnet. Alles Wichtige gehört in die Mail selbst.
Die Faustregel für die Länge
Acht Zeilen. Wenn deine Anfrage länger ist, streich sie auf acht.

Menschen, die Slams veranstalten, machen das fast immer nebenbei und lesen solche Mails zwischen Tür und Angel.
Kapitel 05 Halt 5 · 420 km

Der Radius: wie weit du wachsen solltest

Der häufigste Fehler beim Start ist der zu große Sprung.

Man schreibt Hamburg und Wien an und übersieht die Stadt, die vierzig Minuten entfernt liegt.

Dabei beginnt jede Poetry-Slam-Tour sinnvollerweise im innersten Ring.

Grafik 1 · Der Radius
Von innen nach außen. Überspring keinen Ring, sonst wird es teuer.
Der Nachbarortbis 60 km
Hin und zurück an einem Abend. Keine Übernachtung, kaum Kosten. Hier fängt jede Tour an.
Die Region60 bis 150 km
Meist noch als Tagesreise machbar. Ab hier lohnt sich die Frage nach einem Reisekostenzuschuss.
Das halbe Land150 bis 350 km
Übernachtung nötig. Ohne eine Empfehlung wird es hier zum ersten Mal schwierig.
Die andere Ecke350 bis 700 km
Ein voller Reisetag pro Richtung. Nur sinnvoll, wenn du zwei Termine koppelst.
Weiter wegüber 700 km
Rechnet sich fast nie einzeln. Dafür brauchst du eine echte Tour mit mehreren Stationen.
Faustregel: Erst wenn ein Ring drei Kontakte hat, geht es in den nächsten.
Poetry-Slam-Tour planen: der Waschbär steckt Nadeln in eine große Karte an seiner Wand
Von innen nach außen. Und jeder Ring braucht erst drei Kontakte.
Dein Link-Kompass

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Schreiben & Textaufbau
31 Beiträge

Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.

Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.

Kapitel 06 Halt 6 · 510 km

Die Rechnung: was von einer Gage übrig bleibt

Reden wir über Geld, weil sonst niemand darüber redet.

Hier eine typische Rechnung für einen Auswärtsauftritt in mittlerer Entfernung.

Grafik 2 · Die Abendrechnung
Erfundenes, aber realistisches Beispiel. Die Zahlen schwanken erheblich.
Gage für den Abend+80 €
Reisekostenzuschuss+25 €
Fahrt hin und zurück-45 €
Verpflegung unterwegs-15 €
Übernachtung, falls Hotel-60 €
Mit Couch+45 €
Mit Hotel−15 €

Das ist der ehrliche Kern jeder Poetry-Slam-Tour.

Mit einer Couch bleibt ein kleiner Betrag übrig. Mit einem Hotel legst du drauf.

Erstens ist das ernüchternd. Zweitens ändert es nichts daran, dass sich der Abend lohnt.

Deshalb ist die Übernachtungsfrage nicht gemütlich, sondern betriebswirtschaftlich.

Also entscheidet bei einer Poetry-Slam-Tour die Couch über die Bilanz und nicht die Gage.

Was du daraus nicht schließen solltest
Dass sich das nicht lohnt.

Der Ertrag eines Auswärtsabends liegt selten im Geld. Er liegt in den Kontakten, im ehrlichen Test deiner Texte und in den drei Städten, die daraus folgen. Das steht auf keiner Abrechnung und ist trotzdem der eigentliche Gewinn.
Kapitel 07 Halt 7 · 580 km

Charles Dickens verdiente ein Vermögen und zahlte dafür

Es gibt einen Menschen, der aus Lesungen ein Tourneegeschäft gemacht hat.

Charles Dickens begann 1853 mit öffentlichen Lesungen aus seinen eigenen Werken und machte daraus ab 1858 eine zweite Karriere.

Am 2. Dezember 1867 startete er in Boston seine große Amerikatournee.

Bis April 1868 las er sich durch den Nordosten der USA, von Washington bis Portland.

Die Zahlen, und warum sie sich widersprechen

Je nach Quelle werden 76 oder 80 Lesungen genannt.

Bei den Einnahmen ist es noch unübersichtlicher. Genannt werden knapp 20.000 Pfund, 140.000 Dollar oder auch 230.000 bis 250.000 Dollar.

Unstrittig ist nur die Größenordnung: Es war für damalige Verhältnisse ein Vermögen.

Damit war Dickens der Erste, der aus Lesungen etwas machte, das einer Poetry-Slam-Tour ziemlich ähnlich sieht.

Und der Preis dafür

Dickens war während der gesamten Tournee krank.

Überliefert sind Schlaflosigkeit, eine hartnäckige Erkältung, die er selbst den amerikanischen Katarrh nannte, und ein entzündeter Fuß, wegen dem er am Stock ging.

Trotzdem begann er im Oktober 1868 direkt eine Abschiedstournee durch Großbritannien.

Er starb am 9. Juni 1870. Zahlreiche Biografen halten die Tourneen für einen Grund, warum es so früh war.

Ein öffentlicher Unterhalter, der sein Leben verkürzte, um ohne Geldsorgen leben zu können.
George Gissing über Dickens · sinngemäß übersetzt

Eine hübsche Randnotiz: Mark Twain saß bei einer dieser Lesungen im Publikum und war ausdrücklich enttäuscht.

Die Lehre für deine Poetry-Slam-Tour
Touren funktioniert. Es funktioniert sogar erstaunlich gut.

Es hat nur einen Preis, und der wird nicht in Euro bezahlt. Deshalb steht in diesem Beitrag ein Kapitel über Grenzen, und deshalb hörte Liszt mit Mitte dreißig auf.
Kapitel 08 Halt 8 · 640 km

Mit der Bahn zur Poetry-Slam-Tour: was sich rechnet

Jetzt der Teil, bei dem dieser Blog naturgemäß etwas ausführlicher wird.

Denn die Reise ist bei einer Poetry-Slam-Tour der größte Kostenblock.

Zuerst also die Grundausstattung, danach die Ausnahmen.

Unterwegs auf Poetry-Slam-Tour: der Waschbär sitzt im Zug am Fenster und geht seinen Text durch
Die produktivsten zwei Stunden der Woche sind oft die zwischen zwei Bahnhöfen.

Das Deutschlandticket als Grundlage

Seit dem 1. Januar 2026 kostet das Deutschlandticket 63 Euro im Monat.

Vorher waren es 58 Euro und bis Ende 2024 sogar nur 49 Euro.

Es gilt bundesweit im Nah- und Regionalverkehr, ist personalisiert und monatlich kündbar.

Außerdem lässt es sich genau in den Monaten buchen, in denen du tatsächlich unterwegs bist.

Für eine Tour heißt das: Alles, was mit Regionalzügen erreichbar ist, kostet dich nach dem Abo nichts mehr extra.

Damit ist das Deutschlandticket für eine Poetry-Slam-Tour im Nahbereich praktisch konkurrenzlos.

Bund und Länder haben die Finanzierung bis 2030 zugesagt, und im März 2026 wurde zusätzlich ein Preisindex beschlossen. Rechne also damit, dass sich der Preis weiter bewegt.

Wann sich der Fernverkehr trotzdem lohnt

Die ehrliche Antwort lautet: bei langen Strecken und bei Terminen am selben Tag.

Sieben Stunden Regionalverkehr für vier Minuten Bühne sind nur einmal romantisch.

Beim zweiten Mal sind sie ein Grund, abzusagen.

Deshalb scheitern die meisten Versuche einer Poetry-Slam-Tour nicht am Geld, sondern an der Zeit.

Die drei Rechenregeln
Erstens: Unter etwa 150 Kilometern fährst du mit dem Deutschlandticket und brauchst gar nicht weiter zu rechnen.

Zweitens: Über 350 Kilometern kostet dich der Regionalverkehr einen ganzen Tag. Rechne diesen Tag mit, bevor du zusagst.

Drittens: Wenn du zwei Auftritte koppelst, wird plötzlich alles günstiger. Zwei Städte an einem Wochenende halbieren die Anreise pro Auftritt.
Kapitel 09 Halt 9 · 700 km

Übernachten: die Couch-Ökonomie

In der Slam-Szene ist es weit verbreitet, Auftretende privat unterzubringen.

Das ist keine Notlösung, sondern gelebte Praxis, und für viele Reihen die einzige Möglichkeit, überhaupt jemanden von weiter weg einzuladen.

Ohne diese Praxis gäbe es die meisten Poetry-Slam-Touren schlicht nicht.

Nach dem Auftritt auf Poetry-Slam-Tour: der Waschbär sitzt morgens mit Decke und Tasse auf einer fremden Couch
Die Couch ist nicht die zweite Wahl. Sie ist der Grund, warum die Rechnung aufgeht.

Wie du danach fragst, ohne dass es unangenehm wird

Frag früh und beiläufig, am besten schon in der Terminabsprache.

Eine Formulierung, die fast immer funktioniert: Ob eine private Übernachtung möglich wäre oder ob du besser selbst etwas buchst.

Damit machst du beides zu einer normalen Option und niemanden verlegen.

Danach ist die Frage vom Tisch, und zwar für beide Seiten.

Und die ungeschriebenen Regeln danach

Bring etwas mit. Ein Buch, etwas Essbares, irgendetwas aus deiner Stadt.

Steh nicht als Letzter auf und frag, wann du gehen sollst.

Und melde dich danach einmal kurz. Das ist keine Höflichkeitsfloskel, sondern der Anfang genau der Kontakte, um die es in diesem ganzen Beitrag geht.

Kapitel 10 Halt 10 · 760 km

Sechs Regeln fürs Reisen zur Bühne

Diese sechs habe ich mir teuer beigebracht.

Sie gelten für jede Poetry-Slam-Tour, egal wie weit sie geht.

Regel01
Plane den Rückweg zuerst
Der Hinweg klappt fast immer. Der Rückweg entscheidet, ob du den Abend genießen kannst oder ab zweiundzwanzig Uhr nur noch auf die Uhr schaust. Wenn der letzte Zug vor dem Ende der Veranstaltung fährt, brauchst du eine Übernachtung. Kläre das vorher.
Regel02
Nimm eine Stunde Puffer
Nicht zwanzig Minuten. Eine Stunde. Bei einer Poetry-Slam-Tour bist du auf Regionalverkehr angewiesen, und dort summieren sich Verspätungen. Die Stunde nutzt du zum Textdurchgehen, und du brauchst sie ungefähr jedes vierte Mal wirklich.
Regel03
Der Text gehört auf Papier
Handyakku, Displaysprung, kein Netz im Backstage: Alles davon passiert. Ein ausgedrucktes Blatt in der Innentasche wiegt nichts und rettet dir den Abend.
Regel04
Iss vorher
In vielen Häusern gibt es für Auftretende nichts oder erst nach der Veranstaltung. Wer hungrig auf die Bühne geht, wird schneller und leiser. Zwei belegte Brote in der Tasche sind das beste Bühnentraining, das es umsonst gibt.
Regel05
Koppel zwei Termine
Ein Wochenende mit zwei Städten halbiert die Anreise pro Auftritt und verdoppelt die Kontakte. Frag bei einer Zusage immer, ob in der Nähe am Vorabend oder am Folgetag etwas läuft.
Regel06
Schreib nach jedem Abend zwei Nachrichten
Eine an die Veranstaltung als Dank. Und eine an den Namen, den du bekommen hast. Beides dauert zusammen fünf Minuten und ist der eigentliche Motor jeder Tour.
Kapitel 11 Halt 11 · 810 km

Zwölf Fragen vor der ersten Poetry-Slam-Tour

Klapp auf und beantworte ehrlich.

Sechs Fragen zur Vorbereitung

Weiß ich, wann der letzte Zug zurückfährt?
Die wichtigste Frage überhaupt. Wenn die Antwort unangenehm ist, brauchst du eine Übernachtung und solltest sie vor der Zusage klären, nicht danach.
Habe ich zwei Texte dabei?
Auswärts weißt du nie, ob es ein Finale gibt. Und improvisieren in einer fremden Stadt ist deutlich unangenehmer als zu Hause.
Funktionieren meine Texte ohne Lokalwissen?
Prüf jeden Text auf Anspielungen, die nur bei dir zu Hause verstanden werden. Straßennamen, Lokalpolitik, der Witz über den einen Club.
Habe ich den Text ausgedruckt?
Siehe Regel drei. Das Handy ist kein Backup, sondern das Risiko.
Weiß ich, wie lange ich auftreten darf?
Zeitlimits unterscheiden sich zwischen Städten deutlich. Frag konkret nach, statt sechs Minuten anzunehmen.
Habe ich Puffer eingeplant?
Eine Stunde. Immer. Auch wenn die Verbindung auf dem Papier gut aussieht.

Sechs Fragen zum Abend selbst

Weiß ich, wen ich vor Ort ansprechen soll?
Frag vorher nach einem Namen und einer Handynummer. In fremden Häusern findet man die zuständige Person sonst erstaunlich schlecht.
Kenne ich die Konditionen?
Gage, Reisekostenzuschuss, Übernachtung. Alles drei sollte vor der Anreise geklärt sein, und zwar schriftlich, auch wenn es nur eine Nachricht ist.
Habe ich etwas zum Verkaufen dabei?
Falls du ein Buch hast, nimm es mit. Der Klapptisch neben der Bühne ist der beste Verkaufsort, den es gibt. Mehr dazu steht in Deine erste Anthologie.
Weiß ich, wie ich zur Unterkunft komme?
Nach Mitternacht fährt in vielen Städten nichts mehr. Kläre den Weg, bevor der Abend anfängt.
Habe ich die eine Frage im Kopf?
Der Griff aus Kapitel drei. Ein Name, eine Stadt, die Erlaubnis, sich darauf zu berufen.
Weiß ich, wann ich am nächsten Tag zurückmuss?
Plane den Folgetag realistisch. Ein Auswärtsauftritt kostet fast immer anderthalb Tage und nicht einen.
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Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch
— Stephan Pinkwart —
Kapitel 12 Halt 12 · 860 km

Sechs Übungen für deine erste Poetry-Slam-Tour

Diese sechs kosten dich zusammen kaum eine Stunde.

Fang mit einer an, nicht mit allen.

Denn eine Poetry-Slam-Tour plant man wie jedes Handwerk, nämlich in kleinen Schritten.

Drei Übungen am Schreibtisch

Übung 1 – Die Karte
Zeichne einen Kreis von sechzig Kilometern um deine Stadt und such alle Slams darin. Fast alle finden dabei zwei bis vier Reihen, von denen sie noch nie gehört haben. Das ist dein erster Ring.
Übung 2 – Der Lokaltest
Geh deine drei besten Texte durch und markiere jede Stelle, die nur bei dir zu Hause verstanden wird. Ersetze sie testweise. Wenn der Text danach schwächer ist, war die Stelle wichtiger als der Ort.
Übung 3 – Die Acht-Zeilen-Mail
Schreib deine Anfrage einmal fertig, ohne sie abzuschicken. Genau acht Zeilen. Diese Vorlage brauchst du danach jedes Mal wieder und musst nur noch Namen tauschen.

Drei Übungen unterwegs

Übung 4 – Die eine Frage
Stell beim nächsten Auftritt in deiner Heimatstadt die Frage aus Kapitel drei. Auch zu Hause. Damit übst du sie einmal in einer Situation, in der nichts davon abhängt.
Übung 5 – Der Testlauf
Fahr zu einem Slam in der Nachbarstadt, ohne aufzutreten. Nur hinfahren, zuschauen, zurückfahren. Danach weißt du, wie sich die Reise anfühlt, und die zweite Fahrt ist keine Premiere mehr.
Übung 6 – Die zwei Nachrichten
Nach jedem Auftritt zwei Nachrichten, wie in Regel sechs. Trag dir dafür einen Wecker für den nächsten Vormittag. Abends nach dem Auftritt schreibt sich das niemand.
Kapitel 13 Halt 13 · 900 km

Was du unterwegs dabeihast

Die Liste ist kurz, weil unterwegs jedes Gramm zählt.

Trotzdem entscheidet sie erstaunlich oft darüber, wie eine Poetry-Slam-Tour sich anfühlt.

WasWarumWo
Zwei Texte, ausgedrucktFinale und Akkuausfall.Innentasche
Ein TextmarkerFür Änderungen im Zug.Innentasche
PowerbankFahrkarte, Karte, Kontakt. Alles am Akku.Tasche außen
Zwei belegte BroteIn vielen Häusern gibt es vorher nichts.Tasche
Eine WasserflascheTrockener Mund ruiniert jede Pointe.Tasche
Ein Buch zum VerkaufenFalls vorhanden. Der Klapptisch verkauft am besten.Tasche
Ein kleines GastgeschenkFür die Couch. Muss nichts kosten.Tasche
ErsatzsockenKlingt lächerlich. Frag Dickens nach seinem Fuß.Tasche

Der letzte Punkt steht nicht als Witz da.

Wer sieben Stunden unterwegs war und nasse Füße hat, steht anders auf der Bühne.

Kapitel 14 Halt 14 · 940 km

Wenn die Poetry-Slam-Tour dich auffrisst

Dieses Kapitel gehört hierher, und diesmal steht schon in Kapitel sieben, warum.

Dickens ist mit vierundfünfzig Jahren auf Abschiedstournee gegangen, obwohl er krank war.

Liszt hat mit Mitte dreißig aufgehört, und das gilt bis heute als kluge Entscheidung.

Beide Beispiele zeigen dasselbe: Eine Poetry-Slam-Tour hat ein natürliches Ende.

Der Unterschied in einem Satz
Müdigkeit nach einer Reise ist normal und geht nach einem Schlaf vorbei.

Wenn du dagegen dauerhaft erschöpft bist, wenn du Termine nur noch abarbeitest oder wenn du Zusagen gibst, obwohl du sie nicht mehr willst, dann ist die Tour kein Werkzeug mehr, sondern eine Verpflichtung.

Anzeichen, bei denen du Termine absagen solltest

Du freust dich vor keinem Auftritt mehr, sondern zählst nur noch die Kilometer.

Du schreibst seit Monaten nichts Neues, weil du ständig unterwegs bist.

Du wirst regelmäßig krank und fährst trotzdem.

Oder dein Leben zu Hause besteht nur noch aus Wäsche waschen und Weiterfahren.

Was dann hilft

Absagen ist erlaubt. Und zwar auch dann, wenn schon zugesagt war.

Zuerst fühlt sich das falsch an. Trotzdem ist es die richtige Entscheidung.

Sag früh ab, sag ehrlich warum, und biete einen Ersatztermin an. In der Szene nimmt das kaum jemand übel, weil alle dasselbe Problem kennen.

Wenn die Erschöpfung über Wochen bleibt oder du merkst, dass du dich nur noch über Auftritte definierst, ist die Hausarztpraxis ein völlig normaler erster Schritt.

Termine für die psychotherapeutische Sprechstunde vermittelt in Deutschland die Terminservicestelle unter der 116117.

Und wenn es dir gerade richtig schlecht geht, ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar, kostenfrei und anonym: 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.

Kapitel 15 Halt 15 · 960 km

Selbstcheck: Bist du bereit für die erste Tour?

Sechs Fragen. Hak ehrlich ab, es sieht ja niemand.

Auswertung in einem Satz: Wenn du bei den Punkten eins und zwei zustimmen konntest, kannst du diese Woche die erste Anfrage schreiben.

Und wenn du beim letzten Punkt gezögert hast, lies Kapitel achtzehn.

Übrigens ist genau dieser letzte Punkt der beste Einzelindikator dafür, ob eine Poetry-Slam-Tour dir liegt.

Kapitel 16 Halt 16 · 980 km

Zehn Fehler auf der ersten Poetry-Slam-Tour

Fünf Fehler bei der Planung

Fehler 1: Zu weit anfangen
Hamburg und Wien anschreiben und die Stadt vierzig Minuten entfernt übersehen. Der erste Ring aus Kapitel fünf ist der wichtigste.
Fehler 2: Ohne Empfehlung anfragen
Möglich, aber deutlich mühsamer. Ein Name im ersten Satz verändert die Antwortquote erheblich.
Fehler 3: Den Rückweg nicht prüfen
Der teuerste Planungsfehler. Wer den letzten Zug verpasst, zahlt ein Hotel und die ganze Rechnung kippt.
Fehler 4: Konditionen nicht klären
Gage, Fahrtkosten, Übernachtung. Drei kurze Fragen vor der Zusage ersparen dir eine unangenehme Nacht und ein noch unangenehmeres Gespräch.
Fehler 5: Keinen Puffer einplanen
Zwanzig Minuten reichen im Regionalverkehr nicht. Nimm eine Stunde und nutze sie zum Üben.

Fünf Fehler unterwegs

Fehler 6: Denselben Text überall spielen
Verständlich und trotzdem schade. Eine Tour ist die beste Gelegenheit, einen neuen Text dreimal hintereinander zu testen.
Fehler 7: Nach dem Auftritt sofort verschwinden
Genau danach passiert der wichtige Teil. Der Griff aus Kapitel drei funktioniert nur, wenn du noch da bist.
Fehler 8: Nach dem Publikum urteilen
Zwanzig Leute in einer fremden Stadt sind kein schlechtes Zeichen, sondern ein Dienstag. Mehr dazu steht in Umgang mit Applaus-Sucht.
Fehler 9: Sich nicht bedanken
Zwei Nachrichten am Folgetag. Das ist der billigste und wirksamste Teil der ganzen Tour.
Fehler 10: Zu viele Termine annehmen
Der Fehler von Dickens, nur kleiner. Drei gute Abende im Quartal schlagen zehn erschöpfte.
Kapitel 17 Halt 17 · 990 km

Die Werkstatt: dein Plan für sieben Tage

Kein Programm, sondern eine Woche.

TagWas du machstDauer
MontagKreis von sechzig Kilometern ziehen und Slams darin sammeln.30 Minuten
DienstagDrei Texte auf Lokalanspielungen prüfen.30 Minuten
MittwochDie Acht-Zeilen-Mail als Vorlage schreiben.20 Minuten
DonnerstagEin Video auswählen. Genau eines, mit gutem Ton.20 Minuten
FreitagVerbindungen prüfen: Hinfahrt, Rückfahrt, letzter Zug.20 Minuten
SamstagErste Anfrage abschicken. Eine, nicht fünf.10 Minuten
SonntagBeim nächsten Heimspiel die eine Frage stellen.1 Minute

Der Samstag ist der wichtigste Tag in dieser Tabelle.

Denn eine abgeschickte Anfrage schlägt fünf perfekt vorbereitete im Entwurfsordner.

Damit steht deine erste Poetry-Slam-Tour nach einer einzigen Woche auf einer Grundlage.

Kapitel 18 Halt 18 · Kiel

Der Rest der Geschichte

Zurück nach Kiel.

Der Abend war klein. Dreißig Leute, ein Kulturzentrum, ein Mikrofon mit Wackelkontakt.

Ich wurde Dritter von sechs und bekam fünfzig Euro in bar.

Kleiner Abend auf Poetry-Slam-Tour: der Waschbär tritt vor sehr wenigen Zuschauern in einem fremden Saal auf
Dreißig Leute. Und trotzdem der wichtigste Abend des Jahres.

Was auf der Couch passiert ist

Die Veranstalterin hat mir gegen zwei Uhr nachts einen Tee gemacht und gefragt, wo ich sonst noch auftrete.

Ich habe wahrheitsgemäß geantwortet: nirgends.

Daraufhin hat sie ihr Handy genommen und mir drei Namen aufgeschrieben. Rostock, Flensburg und Lüneburg.

Und den Satz dazugesagt, der alles verändert hat.

Schreib denen, dass du bei mir warst. Das reicht.
Die Veranstalterin · Kiel, halb drei Uhr nachts

Was daraus geworden ist

Aus den drei Namen wurden zwei Zusagen im selben Halbjahr.

Aus diesen zwei Abenden wurden vier weitere Namen.

Danach lief es praktisch von allein.

Und im Jahr darauf hatte ich elf Auftritte außerhalb meiner Stadt, ohne eine einzige kalte Bewerbung geschrieben zu haben.

Die fünfzig Euro aus Kiel waren also nicht die Gage.

Die fünfzig Euro waren der Eintrittspreis.

Genau so fängt eine Poetry-Slam-Tour an, nämlich mit einem Abend, der sich nicht rechnet.

Der Teil, den ich lieber weggelassen hätte

Ich habe dieser Frau danach zwei Jahre lang nicht geschrieben.

Nicht aus Undankbarkeit, sondern weil ich es immer wieder verschoben habe.

Deshalb steht in diesem Beitrag eine Regel über zwei Nachrichten am Folgetag. Sie ist die einzige, die ich aus schlechtem Gewissen aufgeschrieben habe.

Kapitel 19 Ziel

Und was du überallhin mitnimmst

Eine Poetry-Slam-Tour verändert deine Texte schneller als jedes Training.

Weil ein fremdes Publikum keine Rücksicht nimmt und keine Vorgeschichte hat.

Es hört nur, was tatsächlich da ist.

Deshalb ist eine Poetry-Slam-Tour das ehrlichste Lektorat, das du bekommen kannst.

Angekommen auf Poetry-Slam-Tour: der Waschbär steht souverän auf einer großen fremden Bühne vor vollem Saal
Irgendwann ist die fremde Stadt keine fremde Bühne mehr.

Was dabei wirklich hilft

Nicht das Reisen an sich. Sondern das, was du im Gepäck hast.

Ein Einstieg, der auch bei zwanzig Leuten trägt. Ein Bild, das ohne Ortskenntnis funktioniert. Und ein Schluss, der in einem fremden Saal genauso sitzt wie zu Hause.

Kurz gesagt: Das Handwerk reist mit, die Bühne wechselt.

Poetry Master
Genau dafür habe ich Poetry Master gebaut.

Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also alles, was funktioniert, egal in welcher Stadt du gerade aussteigst.

Denn eine Tour testet dein Handwerk. Sie ersetzt es nicht.

Die Strecke fährt die Bahn. Den Rest bringst du selbst mit.

Übrigens habe ich der Frau aus Kiel irgendwann doch geschrieben.

Sie hat geantwortet, sie habe schon geglaubt, ich sei unterwegs verloren gegangen.

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Schreiben & Textaufbau
31 Beiträge

Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.

Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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