Poetry Slam über das Erwachsenwerden: der Fahrplanwechsel

Poetry Slam über das Erwachsenwerden: der Fahrplanwechsel

Poetry Slam über das Erwachsenwerden: ein junger Mensch mit einem Koffer allein auf einem weiten Bahnsteig im Morgenlicht
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Erwachsenwerden ist ein Riesenthema.

Und ein beliebtes.

Denn fast jeder steckt mittendrin.

Oder erinnert sich noch genau.

An diese seltsame Zeit zwischen Kind und Erwachsenem.

Wo man weder das eine noch das andere ist.

Wo alles neu und unsicher ist.

Genau das macht das Thema so stark.

Es ist voller Übergänge.

Voller erster Male.

Voller Abschiede von der Kindheit.

In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du darüber schreibst.

Über den Fahrplanwechsel deines Lebens.

Ehrlich, konkret und mit dem richtigen Blick.

Weder verklärt noch nur klagend.

Fangen wir an.

Über das Erwachsenwerden schreiben: die Zeit dazwischen

Erwachsenwerden ist kein einzelner Tag.

Es ist eine lange Zeit dazwischen.

Man ist kein Kind mehr.

Aber auch noch nicht erwachsen.

Man steht am Bahnsteig und wartet.

Auf einen Zug, dessen Ziel man nicht kennt.

Diese Zwischenzeit ist voller Widersprüche.

Man will frei sein.

Und sehnt sich nach Geborgenheit.

Man will weg von zu Hause.

Und hat Angst davor.

Man fühlt sich unbesiegbar.

Und todunsicher zugleich.

Genau diese Widersprüche sind großartiger Stoff.

Denn sie sind wahr.

Und jeder kennt sie.

Schreib nicht über das Erwachsensein.

Schreib über das Werden.

Über den Übergang.

Über den Moment, in dem sich alles ändert.

Da liegt die Spannung.

Und die Spannung trägt den Text.

Ein fertiger Zustand ist langweilig.

Ein Übergang ist voller Leben.

Der Fahrplanwechsel: der alte Plan gilt nicht mehr

Zweimal im Jahr gibt es einen Fahrplanwechsel.

Über Nacht gelten neue Zeiten.

Züge fahren anders.

Manche gar nicht mehr.

Der alte Plan, den man auswendig kannte, ist plötzlich falsch.

Genau so fühlt sich Erwachsenwerden an.

Als Kind hattest du einen Fahrplan.

Die Eltern sagten, wann was passiert.

Die Schule gab den Takt vor.

Alles war geregelt.

Und dann kommt der Wechsel.

Auf einmal musst du selbst planen.

Selbst entscheiden, wann welcher Zug fährt.

Das macht Angst.

Und es macht frei.

Denn jetzt schreibst du deinen eigenen Fahrplan.

Niemand tut es mehr für dich.

Am Anfang ist er voller Fehler.

Du verpasst Anschlüsse.

Du steigst falsch um.

Das gehört dazu.

Der neue Fahrplan schreibt sich unterwegs.

Durch Ausprobieren.

Durch Irren.

Und langsam wird er deiner.

Mark Twain: als der alte Plan zerbrach

Denk an Samuel Clemens.

Ein junger Mann am Mississippi.

Sein Traum ist es, Lotse zu werden.

Ein Steuermann auf den großen Flussdampfern.

Und er schafft es.

Er lernt den Fluss auswendig.

Jede Kurve, jede Untiefe.

Er hat seinen Fahrplan gefunden.

Dann kommt der Bürgerkrieg.

Und die Schifffahrt auf dem Fluss bricht zusammen.

Sein Traumberuf ist weg.

Von einem Tag auf den anderen.

Der alte Plan gilt nicht mehr.

Was macht er?

Er erfindet sich neu.

Er zieht in den Westen.

Sucht Gold, findet keins.

Versucht dies, versucht das.

Und beginnt schließlich zu schreiben.

Er nimmt einen neuen Namen an.

Mark Twain.

Ein Ruf von den Flussdampfern.

Er bedeutet: zwei Faden tief, sicheres Wasser.

Aus dem gescheiterten Lotsen wird ein weltberühmter Schriftsteller.

Was lernst du daraus?

Dass ein zerbrochener Plan kein Ende ist.

Sondern oft ein Anfang.

Der Fahrplanwechsel, der wehtat, wurde sein Glück.

Genau das kann Erwachsenwerden sein.

Die ersten Male

Erwachsenwerden besteht aus ersten Malen.

Und die sind wunderbarer Stoff.

Die erste eigene Wohnung.

Der erste Lohn.

Der erste Behördenbrief, den man selbst beantworten muss.

Die erste Nacht, in der niemand fragt, wann man heimkommt.

Diese ersten Male sind voller Gefühl.

Stolz und Angst zugleich.

Freiheit und Überforderung.

Schreib über ein einziges erstes Mal.

Ganz konkret.

Die erste eigene Wohnung, die noch leer war.

Der Hall in den kahlen Zimmern.

Die Matratze auf dem Boden.

Das erste selbstgekochte Essen, das misslang.

In so einem Moment steckt das ganze Erwachsenwerden.

Die Aufregung und die Einsamkeit.

Das Neue und das Fehlen des Alten.

Solche Bilder rühren jeden.

Denn jeder hatte sein erstes Mal.

Und erinnert sich daran.

Nimm eines heraus.

Und erzähl es ganz genau.

„Erwachsenwerden“ · Paavo Günther

Der Abschied von der Kindheit

Erwachsenwerden heißt auch: Abschied nehmen.

Von der Kindheit.

Von der Sorglosigkeit.

Von dem Gefühl, dass jemand anderes sich kümmert.

Dieser Abschied ist leise.

Man merkt ihn oft erst später.

Es gibt keinen letzten Tag der Kindheit.

Sie schleicht sich einfach davon.

Und eines Tages merkst du: Sie ist weg.

Darüber zu schreiben, ist wehmütig und schön.

Zeig die kleinen Zeichen des Abschieds.

Das Spielzeug, das im Karton verschwindet.

Der Weihnachtszauber, der nachlässt.

Der Moment, in dem du merkst, dass die Eltern auch nur Menschen sind.

Der Tag, an dem du zum ersten Mal für jemanden verantwortlich bist.

Solche Bilder tragen die ganze Wehmut.

Ohne dass du „Abschied“ sagen musst.

Aber Vorsicht vor zu viel Nostalgie.

Der Abschied von der Kindheit ist nicht nur Verlust.

Er ist auch ein Gewinn.

Freiheit.

Selbstbestimmung.

Zeig beides.

Die Trauer und die Vorfreude.

So wird der Text ehrlich.

Die Angst vor der Verantwortung

Mit dem Erwachsenwerden kommt die Verantwortung.

Und die kann Angst machen.

Plötzlich musst du alles selbst regeln.

Versicherungen, Miete, Steuern.

Dinge, von denen dir niemand erzählt hat.

Man fühlt sich oft wie ein Hochstapler.

Als würde man nur so tun, als wäre man erwachsen.

Und jeden Moment fliegt es auf.

Dieses Gefühl hat sogar einen Namen.

Fast jeder kennt es.

Und keiner spricht darüber.

Genau darum ist es ein starkes Thema.

Schreib über das Gefühl, nur so zu tun.

Über den Behördenbrief, der dich in Panik versetzt.

Über den Moment, in dem du am liebsten deine Mutter angerufen hättest.

Und es dann doch allein geschafft hast.

Das Publikum wird nicken.

Weil es genau das kennt.

Dieses Wackeln zwischen Überforderung und Stolz.

Und die Erkenntnis:

Wahrscheinlich tun alle nur so.

Und wachsen dabei langsam wirklich hinein.

Poetry Slam über das Erwachsenwerden: eine Bahnweiche, an der sich die Gleise teilen, im Abendlicht
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Der Auszug: die erste eigene Wohnung

Ein großer Moment im Erwachsenwerden ist der Auszug.

Das erste Mal allein wohnen.

Das ist ein Fahrplanwechsel zum Anfassen.

Der Zug fährt aus dem Heimatbahnhof.

Und der Bahnsteig mit den Eltern wird kleiner.

Zeig diesen Moment.

Das vollgepackte Auto.

Die letzte Umarmung.

Den Schlüssel zur ersten eigenen Tür.

Und dann die Stille in der leeren Wohnung.

Diese Stille ist wichtig.

Sie ist Freiheit und Einsamkeit zugleich.

Endlich niemand, der fragt.

Und plötzlich niemand, der da ist.

Die erste Nacht allein ist ein starkes Bild.

Man liegt wach.

Hört die fremden Geräusche.

Und spürt: Jetzt beginnt es wirklich.

Das eigene Leben.

Schreib über deinen Auszug.

Über die Mischung aus Aufbruch und Heimweh.

Über den ersten Einkauf, das erste Chaos, die erste Rechnung.

Das kennt jeder, der ausgezogen ist.

Und es rührt an die eigene Erinnerung.

Alte Freunde, neue Wege

Beim Erwachsenwerden trennen sich oft die Wege.

Die alten Freunde aus der Schule.

Man war unzertrennlich.

Und dann geht jeder in eine andere Stadt.

Zu einem anderen Leben.

Man verspricht, in Kontakt zu bleiben.

Und langsam wird es weniger.

Das ist ein wehmütiges Thema.

Denn es gehört zum Erwachsenwerden dazu.

Die Gleise, die lange parallel liefen, gehen auseinander.

Nicht im Streit.

Einfach, weil das Leben ruft.

Zeig diesen leisen Abschied.

Die Clique, die sich auflöst.

Den Stammplatz, an dem niemand mehr sitzt.

Die Chatgruppe, in der es still wird.

Aber zeig auch das Neue.

Die neuen Menschen, die man kennenlernt.

Die Freundschaften, die im neuen Leben wachsen.

Erwachsenwerden heißt auch: neue Gleise finden.

Andere Wege, andere Begleiter.

Der Abschied und der Aufbruch gehören zusammen.

Die ersten Enttäuschungen

Zum Erwachsenwerden gehören Enttäuschungen.

Die erste große vielleicht.

Der Traumberuf, der doch nicht klappt.

Die große Liebe, die zerbricht.

Das Vorbild, das vom Sockel fällt.

Die Welt, die nicht so gerecht ist, wie man dachte.

Diese Enttäuschungen tun weh.

Aber sie gehören zum Wachsen.

Denn als Kind sieht man die Welt einfacher.

Gut und böse, richtig und falsch.

Beim Erwachsenwerden wird alles komplizierter.

Man merkt: Auch Helden haben Fehler.

Auch Träume scheitern.

Auch man selbst ist nicht perfekt.

Darüber zu schreiben, ist ehrlich.

Denk an Mark Twain.

Sein Traum vom Fluss zerbrach.

Und daraus wurde etwas Größeres.

Zeig eine Enttäuschung.

Und zeig, was daraus wuchs.

Denn oft ist die Enttäuschung ein Fahrplanwechsel.

Der Weg, der sich schließt, öffnet einen neuen.

Wann ist man eigentlich erwachsen?

Eine spannende Frage steckt im Thema.

Wann ist man erwachsen?

Mit achtzehn?

Wenn man arbeitet?

Wenn man Kinder hat?

Wenn die Eltern sterben?

Es gibt keine klare Antwort.

Und genau das ist interessant.

Viele fühlen sich mit dreißig noch nicht erwachsen.

Andere mussten mit zwölf erwachsen sein.

Vielleicht wird man nie ganz erwachsen.

Vielleicht spielt man es nur immer besser.

Über diese Frage kann man wunderbar schreiben.

Denn jeder hat eine eigene Antwort.

Für den einen war es der erste Todesfall.

Für den anderen der erste eigene Gehaltszettel.

Für die dritte der Moment, in dem sie selbst tröstete.

Statt getröstet zu werden.

Frag dich: Wann wurde ich erwachsen?

Und such den einen Moment.

Er ist oft klein und unspektakulär.

Aber er hat alles verändert.

Dieser Moment ist dein Text.

Das innere Kind behalten

Erwachsenwerden heißt nicht, das Kind zu töten.

Im Gegenteil.

Die schönsten Erwachsenen haben sich ein Stück Kind bewahrt.

Die Neugier.

Das Staunen.

Die Freude am Spiel.

Das Lachen ohne Grund.

Wer das verliert, wird nicht erwachsen.

Sondern nur alt.

Das ist ein tröstlicher Gedanke.

Und ein guter für einen Text.

Erwachsenwerden ist nicht das Ende des Spielens.

Es ist die Kunst, beides zu verbinden.

Verantwortung und Leichtigkeit.

Ernst und Spiel.

Zeig, wie dein inneres Kind manchmal durchbricht.

Wenn du im Regen tanzt.

Wenn du über einen Zaun kletterst, obwohl du längst erwachsen bist.

Wenn du am Bahnsteig noch immer die Züge zählst.

Solche Bilder sind schön.

Weil sie zeigen: Der Fahrplan hat sich geändert.

Aber der Passagier ist noch derselbe.

Nur größer geworden.

„Erwachsen sein mal anders“ · Poetry Slam

Humor über das Erwachsenwerden

Erwachsenwerden ist oft zum Lachen.

Über die eigene Unbeholfenheit.

Über die kleinen Katastrophen des Anfangs.

Die erste Steuererklärung, an der man verzweifelt.

Die Waschmaschine, die alles rosa färbt.

Das erste selbstgekochte Essen, das ungenießbar ist.

Der Anruf bei den Eltern, um zu fragen, wie man Reis kocht.

Das ist herrlich komisch.

Und jeder kennt es.

Nutze diesen Humor in deinem Text.

Er macht das Thema leicht.

Und sympathisch.

Denn Erwachsenwerden ist ja auch ein einziges Stolpern.

Ein Lernen durch Fehler.

Zeig deine schönsten Pannen.

Das Publikum wird lachen.

Und sich erinnern.

An die eigenen Pannen von damals.

Und nach dem Lachen darfst du kurz ernst werden.

Zeigen, dass hinter dem Stolpern ein echter Mut lag.

Der Mut, es überhaupt zu versuchen.

Ganz allein, zum ersten Mal.

Dieser Wechsel aus Lachen und Ernst macht den Text stark.

Übung: der Moment des Umsteigens

Hier eine Übung für deinen Text.

Denk an einen Moment, in dem sich alles änderte.

Einen Fahrplanwechsel in deinem Leben.

Der Tag des Auszugs.

Der erste Arbeitstag.

Der Moment, in dem du eine schwere Entscheidung allein trafst.

Wähle einen einzigen solchen Moment.

Und beschreib ihn ganz genau.

Wo warst du?

Was hast du gefühlt?

Was war davor, was danach?

Zeig den Moment des Umsteigens.

Als du aus dem einen Zug ausstiegst.

Und in einen anderen einstiegst.

Mit klopfendem Herzen.

In diesem Moment steckt dein ganzes Erwachsenwerden.

Du musst nicht das ganze Leben erzählen.

Nur diesen einen Übergang.

Und aus ihm wächst der Text.

Probier es aus.

Wann bist du umgestiegen?

Häufige Fehler beim Erwachsenwerden-Text

Sammeln wir die Stolperfallen.

Fehler eins: nur klagen, wie schwer alles ist.

Zeig auch die Freiheit und den Reiz.

Fehler zwei: nur die Kindheit verklären.

Nostalgie allein wird schnell müde.

Fehler drei: das Erwachsensein behaupten.

Zeig den Übergang, nicht den Zustand.

Fehler vier: zu allgemein bleiben.

Nimm einen konkreten Moment, nicht das ganze Leben.

Fehler fünf: kein roter Faden.

Nimm den Fahrplanwechsel und halt ihn durch.

Fehler sechs: das Ende vergessen.

Ein Text braucht eine Bewegung, einen Schluss.

Fehler sieben: keinen Humor zulassen.

Gerade dieses Thema lebt vom Lächeln.

Wer diese Fehler kennt, schreibt einen Text, der trägt.

Einen, der das Wackeln zwischen Kind und Erwachsenem zeigt.

Ehrlich, komisch und mit Herz.

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Der Ton: ehrlich, nicht altklug

Beim Erwachsenwerden-Text lauert eine Gefahr im Ton.

Die Altklugheit.

Man will die große Weisheit verkünden.

So ist das Leben eben.

Solche Sätze wirken schnell hohl.

Vor allem, wenn man selbst noch mitten drin steckt.

Der bessere Ton ist ehrlich und suchend.

Er sagt nicht: So geht das Leben.

Er sagt: So habe ich es erlebt.

Und ich weiß auch nicht alles.

Diese Ehrlichkeit ist viel sympathischer.

Denn niemand mag Belehrungen.

Aber jeder mag jemanden, der ehrlich sucht.

Der zugibt, dass er noch stolpert.

Bleib also bei deiner eigenen Erfahrung.

Bei deinen Fragen, nicht bei fertigen Antworten.

Ein guter Erwachsenwerden-Text weiß nicht alles.

Er tastet sich vor.

Genau wie das Erwachsenwerden selbst.

Und diese Offenheit macht ihn wahr.

Und nah.

Der erste und der letzte Satz

Anfang und Ende tragen viel.

Fang nicht mit einer Erklärung an.

Fang mitten in einer Szene an.

„In der ersten Nacht in der eigenen Wohnung war die Stille so laut.“

Schon ist das Publikum dabei.

Der letzte Satz bleibt im Ohr.

Spar dir dafür dein stärkstes Bild auf.

Vielleicht der Zug, der endlich abfährt.

Vielleicht der Blick zurück auf den kleiner werdenden Bahnsteig.

Vielleicht der neue Fahrplan in deiner Hand.

Und dann sei still.

Lass das Bild wirken.

Zwischen Anfang und Ende läuft dein Text.

Wie ein Zug durch den Fahrplanwechsel.

Vom alten Plan in den neuen.

Wenn beide Sätze sitzen, hält die ganze Fahrt.

Übe sie besonders.

Erwachsenwerden ist nie ganz fertig

Ein tröstlicher Gedanke zum Schluss dieses Kapitels.

Erwachsenwerden hört nie ganz auf.

Man denkt, mit dreißig sei man fertig.

Oder mit vierzig.

Aber es gibt immer neue Fahrplanwechsel.

Der erste Job.

Das erste Kind.

Der erste große Verlust.

Jeder wirft einen neuen Plan über den Haufen.

Und jedes Mal wird man ein Stück erwachsener.

Das ist keine schlechte Nachricht.

Im Gegenteil.

Es heißt: Man ist nie fertig.

Man wächst ein Leben lang.

Und darf sich immer wieder neu erfinden.

Wie Mark Twain.

Der mit über dreißig noch einmal von vorn begann.

Zeig in deinem Text, dass Erwachsenwerden ein Weg ist.

Kein Ziel.

Ein Weg mit vielen Fahrplanwechseln.

Das nimmt den Druck.

Du musst nicht ankommen.

Du darfst weiterfahren.

Die Erwartungen der anderen

Beim Erwachsenwerden drücken die Erwartungen.

Von allen Seiten.

Die Eltern haben einen Plan für dich.

Die Gesellschaft hat einen Zeitplan.

Mit soundso viel Jahren sollte man dies.

Und mit soundso viel jenes.

Ausbildung, Job, Partner, Wohnung, Kinder.

Wie Stationen, die man abfahren muss.

In der richtigen Reihenfolge.

Zur richtigen Zeit.

Dieser Druck ist ein starkes Thema.

Denn er ist überall.

Und viele leiden still darunter.

Sie vergleichen ihren Fahrplan mit dem der anderen.

Und fühlen sich abgehängt.

Schreib über diesen Druck.

Über die Frage, wann man denn endlich.

Über das Gefühl, hinterher zu sein.

Und über den Mut, den eigenen Takt zu finden.

Denn nicht jeder Zug muss zur selben Zeit fahren.

Manche Strecken sind einfach länger.

Das zu zeigen, tröstet viele.

Die glauben, sie seien zu spät dran.

Der eigene Weg gegen die Pläne

Manchmal will man etwas ganz anderes.

Als alle es für einen geplant haben.

Die Eltern wollten einen sicheren Beruf.

Und du willst Kunst machen.

Oder reisen.

Oder etwas wagen, das niemand versteht.

Das ist ein Kern des Erwachsenwerdens.

Den eigenen Weg gegen die Pläne der anderen zu wählen.

Es ist die erste große eigene Weiche.

Und sie kostet Mut.

Denn man enttäuscht vielleicht Menschen, die man liebt.

Zeig diesen Konflikt.

Zwischen dem, was erwartet wird.

Und dem, was du wirklich willst.

Das ist spannend und ehrlich.

Denk an Mark Twain.

Er hätte einen sicheren Weg wählen können.

Stattdessen wurde er Schriftsteller.

Gegen alle Wahrscheinlichkeit.

Zeig den Moment, in dem du dich für deinen Weg entschieden hast.

Auch gegen Widerstand.

Das ist einer der stärksten Momente im Erwachsenwerden.

Geld und Erwachsensein

Ein unromantisches, aber wichtiges Thema.

Geld.

Kaum etwas trennt Kindheit und Erwachsensein so deutlich.

Als Kind war Geld egal.

Es war einfach da.

Oder es fehlte, und andere kümmerten sich.

Als Erwachsener muss man selbst rechnen.

Der erste eigene Kontostand.

Das erste Mal, dass das Geld nicht bis zum Monatsende reicht.

Die Sorge, die man von den Eltern kannte, und nun selbst spürt.

Das ist ehrlicher Stoff.

Zeig den kleinen Moment.

Den Blick auf den Kontostand am Automaten.

Das Ausrechnen, ob es noch für den Zug reicht.

Den Stolz über den ersten selbst verdienten Lohn.

Solche Bilder sind konkret.

Und viele kennen sie.

Geld ist unromantisch.

Aber es gehört zur Wahrheit des Erwachsenwerdens.

Und ein ehrlicher Text lässt es nicht weg.

Wenn man zu früh erwachsen werden muss

Nicht jeder darf langsam erwachsen werden.

Manche müssen es zu früh.

Ein Kind, das sich um kranke Eltern kümmert.

Ein Kind, das früh Verantwortung trägt für Geschwister.

Ein Kind, dem die Kindheit gestohlen wurde.

Über ein zu frühes Erwachsenwerden zu schreiben, ist eindringlich.

Denn hier fehlt etwas.

Die Sorglosigkeit, die anderen selbstverständlich war.

Der Fahrplan sprang zu schnell um.

Zeig diese Last.

Das Kind, das erwachsen reden musste.

Das nie einfach nur Kind sein durfte.

Das ist ein ernstes Thema.

Und es berührt viele, die dasselbe erlebt haben.

Sie fühlen sich gesehen.

Zeig die Last ehrlich.

Aber zeig auch die Stärke, die daraus wuchs.

Wer früh Verantwortung trug, wurde oft besonders reif.

Und besonders mitfühlend.

Beides gehört zusammen.

Der Verlust und die Kraft.

Ein solcher Text kann trösten.

Und Wunden benennen, über die sonst geschwiegen wird.

Die Rückkehr ins Kinderzimmer

Ein besonderes Bild im Erwachsenwerden ist die Rückkehr.

Man ist ausgezogen.

Und kommt zu Besuch zurück.

Ins alte Kinderzimmer.

Das oft noch fast unverändert ist.

Die Poster an der Wand.

Das schmale Bett.

Die Spuren des Kindes, das man war.

In diesem Zimmer prallen zwei Zeiten aufeinander.

Der Erwachsene und das Kind.

Man passt kaum noch hinein.

Und fühlt sich doch sofort wieder klein.

Das ist ein starkes Bild.

Für den ganzen Fahrplanwechsel.

Schreib über diese Rückkehr.

Über das Gefühl, Gast im eigenen alten Reich zu sein.

Über die Dinge, die noch da sind.

Und die Person, die längst weitergefahren ist.

Dieses Nebeneinander von Damals und Heute rührt.

Weil jeder es kennt.

Dieses seltsame Heimkommen.

In ein Zuhause, das man schon verlassen hat.

Was ein Erwachsenwerden-Text auslöst

Ein Text über das Erwachsenwerden trifft zwei Gruppen.

Die Jungen, die mittendrin stecken.

Und die Älteren, die sich erinnern.

Die Jungen fühlen sich verstanden.

Endlich sagt jemand, wie sich das anfühlt.

Dieses Wackeln, diese Unsicherheit.

Die Älteren werden weich.

Sie erinnern sich an ihren eigenen Fahrplanwechsel.

An die erste Wohnung, den ersten Job, den ersten Abschied.

So verbindet dein Text die Generationen.

Er zeigt: Jeder ist einmal umgestiegen.

Jeder hat vor demselben unbekannten Zug gestanden.

Das ist die schöne Wirkung dieses Themas.

Es macht den Übergang, den alle kennen, sichtbar.

Und tröstet die, die gerade mittendrin sind.

Es sagt ihnen: Das Wackeln ist normal.

Alle sind so gefahren.

Und alle sind irgendwo angekommen.

Auf ihre eigene Weise.

Die Freiheit, Fehler zu machen

Erwachsenwerden bringt eine seltsame Freiheit.

Die Freiheit, eigene Fehler zu machen.

Als Kind bewahren dich andere davor.

Sie halten dich zurück.

Sie warnen, sie schützen.

Als Erwachsener darfst du selbst scheitern.

Das klingt erst mal nicht schön.

Aber es ist ein Geschenk.

Denn aus eigenen Fehlern lernt man am meisten.

Der falsche Job, den man selbst gewählt hat.

Die falsche Liebe, für die man selbst kämpfte.

Der Umweg, den einem niemand ausreden konnte.

All das gehört dir.

Und macht dich zu dem, der du wirst.

Zeig in deinem Text die Freiheit, eigene Wege zu gehen.

Auch die falschen.

Denn ein falscher Weg ist immer noch dein Weg.

Und oft führt gerade der Umweg zum Ziel.

Wie bei Mark Twain.

Sein Scheitern als Goldgräber war der Umweg zum Schreiben.

Feiere die Freiheit, Fehler zu machen.

Sie ist ein Kern des Erwachsenseins.

Erwachsenwerden heute

Erwachsenwerden ist heute anders als früher.

Das ist ein spannender Gedanke für einen Text.

Früher gab es klare Stationen.

Ausbildung, Heirat, Haus, Rente.

Ein fester Fahrplan für alle.

Heute ist alles offener.

Man kann vieles werden.

Man muss sich immer wieder neu entscheiden.

Das ist eine Freiheit.

Und eine Last.

Denn zu viele Möglichkeiten können lähmen.

Man hat Angst, sich falsch zu entscheiden.

Etwas zu verpassen.

Diese moderne Unsicherheit ist ein starkes Thema.

Der ständige Fahrplanwechsel.

Kein fester Zug mehr, den man nehmen muss.

Sondern tausend Gleise, und man muss selbst wählen.

Schreib über diese Freiheit und diese Angst.

Über das Glück und die Überforderung der vielen Wege.

Das trifft besonders die jungen Zuhörer.

Denn sie stehen genau vor diesem offenen Netz.

Ohne den festen Fahrplan von früher.

Der Titel deines Textes

Auch der Titel will bedacht sein.

Nenne ihn nicht einfach „Erwachsenwerden“.

Das ist zu allgemein.

Nimm ein konkretes Bild aus deinem Text.

„Die erste Nacht in der leeren Wohnung.“

„Der Fahrplan, der nicht mehr galt.“

„Als die Stille so laut war.“

Solche Titel machen neugierig.

Sie zeigen ein Bild.

Statt einen Begriff.

Und sie verraten nicht schon alles.

Ein guter Titel ist wie ein Bahnsteigschild.

Er zeigt die Richtung.

Aber nicht das ganze Ziel.

Die Reise machst du dann mit dem Publikum.

Sprich mehrere Titel laut aus.

Welcher klingt am besten?

Welcher zieht am stärksten hinein?

Den nimmst du.

Er ist das erste Wort deines Auftritts.

Und stimmt den Saal auf deine Fahrt ein.

Die erste große eigene Entscheidung

Es gibt in jedem Leben eine erste große Entscheidung.

Eine, die man ganz allein trifft.

Ohne die Eltern zu fragen.

Vielleicht die Wahl des Berufs.

Vielleicht der Umzug in eine fremde Stadt.

Vielleicht ein Ja oder ein Nein, das alles veränderte.

Dieser Moment ist ein Meilenstein.

Denn hier stellst du zum ersten Mal die Weiche selbst.

Niemand nimmt dir die Entscheidung ab.

Und niemand trägt die Folgen für dich.

Das ist beängstigend.

Und es ist der Kern des Erwachsenseins.

Zeig diesen Moment in deinem Text.

Das Zögern vor der Entscheidung.

Das Herzklopfen.

Und den Augenblick, in dem du dich festgelegt hast.

Ob es richtig war, weißt du erst später.

Aber es war deine Entscheidung.

Und das allein ist ein Sieg.

Der erste selbst gestellte Weichenhebel.

Von da an fährst du wirklich deinen eigenen Zug.

Was vom Kind bleibt

Am Ende bleibt eine tröstliche Wahrheit.

Vom Kind, das du warst, bleibt immer etwas.

Eine Lieblingsfarbe.

Ein Lied, das dich sofort zurückholt.

Ein Geruch, der die Kindheit wachruft.

Ein Reflex, wenn du dich freust.

Erwachsenwerden löscht das Kind nicht aus.

Es legt nur neue Schichten darüber.

Wie ein Baum neue Ringe bildet.

Der innerste Ring, das Kind, bleibt.

Und trägt alles Weitere.

Das ist ein schöner Schlussgedanke für einen Text.

Dass wir nicht ein anderer Mensch werden.

Sondern derselbe, nur gewachsen.

Mit mehr Ringen, mehr Fahrten, mehr Fahrplanwechseln.

Aber im Kern noch immer das Kind vom ersten Bahnsteig.

Zeig, was von deinem Kind geblieben ist.

Es ist der schönste Beweis, dass Erwachsenwerden kein Verlust ist.

Sondern ein Wachsen.

Um das Kind herum.

Regensburg, der Fahrplanwechsel und dein Text

Stell dir zum Schluss den Bahnhof von Regensburg vor.

Eine alte Stadt an der Donau.

Im Bahnhof hängt der Fahrplan.

Und zweimal im Jahr wird er ausgetauscht.

Über Nacht gelten neue Zeiten.

Der alte Plan ist Papier von gestern.

Genau das ist das Erwachsenwerden.

Der Fahrplan deiner Kindheit gilt nicht mehr.

Niemand sagt dir mehr, wann welcher Zug fährt.

Du schreibst deinen Plan jetzt selbst.

Am Anfang voller Fehler.

Du verpasst Anschlüsse, steigst falsch um.

Das gehört dazu.

Denk an Mark Twain.

Sein alter Plan zerbrach im Krieg.

Und aus dem Bruch wurde ein neues, größeres Leben.

Genau darüber kannst du schreiben.

Über deinen eigenen Fahrplanwechsel.

Über die erste Wohnung, den ersten Job, den ersten Abschied.

Nimm einen einzigen Moment des Umsteigens.

Und erzähl ihn ganz genau.

Ehrlich, konkret, mit einem Lächeln und einem Zittern.

Zeig das Wackeln zwischen Kind und Erwachsenem.

Denn genau da bist du am lebendigsten.

Der alte Plan gilt nicht mehr.

Der neue schreibt sich unterwegs.

Gute Fahrt.

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Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch, das du lesen solltest
— Stephan Pinkwart —

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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