5 Warnsignale, dass du NICHT auf die Bühne solltest

Fünf Warnflaggen und ein Blauer Peter

5 Warnsignale, dass du NICHT auf die Bühne solltest

Waschbär vor einem roten Haltesignal – Warnsignale, wann du nicht auf die Bühne solltest
Das Signal steht auf Halt · bahn-slam.de

Manchmal ist es klüger, nicht auf die Bühne zu gehen.

Das sagt dir kaum jemand.

Donnerstag, 19:30 Uhr, der alte Kaischuppen am Hafenbahnhof.

Fiete, 29, steht vor der Anmeldeliste, den Stift schon in der Hand.

Hinter ihm liegt eine Woche mit sechzig Arbeitsstunden und drei kurzen Nächten.

In seiner Tasche steckt ein Text, geschrieben am Dienstag um zwei Uhr nachts.

Über die Trennung vom Sonntag.

Seine Ex hat geschrieben, sie komme vielleicht vorbei.

Sie wird nicht kommen.

Er weiß es.

Neben der Bühne steht ein alter Flaggenmast, übrig aus der Zeit, als hier noch Schiffe entladen wurden.

Marlies, 67, war früher Lotsin in diesem Hafen.

Heute moderiert sie den Slam und hisst zu jedem Abend eine Flagge, einfach so, zur Begrüßung.

Sie schaut Fiete lange an.

Dann holt sie die Flaggenkiste unter der Bühne hervor.

„Du hast mindestens drei Flaggen gehisst“, sagt sie.

„Und keine davon heißt Leinen los.“

Fiete und Marlies gibt es so nicht. Aber den Abend, an dem man eigentlich nicht auftreten sollte und es trotzdem tut, kennen viele.

Kennst du das?

Alle reden dir zu.

Deine Freunde, dein Feed, diese Seite hier: Trau dich, geh raus, die Bühne wartet.

Heute kommt das Gegenteil.

Es gibt Abende, an denen du nicht ans Mikrofon gehörst.

Nicht, weil du zu schlecht bist.

Sondern weil der Zeitpunkt falsch ist.

Und keine Sorge …

Dieser Beitrag will dich nicht von der Bühne fernhalten.

Er will, dass du lange bleibst.

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Nicht auf die Bühne? Eine Flagge ist kein Urteil

Marlies’ Flaggenkiste · Bedeutung auf See

D · manövrierbehindert
W · ärztliche Hilfe nötig
K · will Verbindung aufnehmen
U · Sie begeben sich in Gefahr
X · Absicht nicht ausführen
P · Schiff will auslaufen

Auf See verständigen sich Schiffe seit Langem mit Signalflaggen, auch ganz ohne Funk.

Jeder Buchstabe hat eine eigene Flagge.

Und die meisten davon haben, einzeln gehisst, eine feste Bedeutung.

Keine davon ist eine Beleidigung.

Eine Flagge sagt nicht: Dein Schiff ist schlecht.

Sie sagt nur, wie die Lage gerade ist.

Kein Kapitän fühlt sich von einer Flagge gekränkt.

Er liest sie, richtet sich danach und fährt weiter, wenn sie eingeholt wird.

Genau diese Gelassenheit fehlt uns auf der Bühne.

Wir kennen oft nur zwei Zustände: Vollgas oder Versagen.

Dabei weht an deinem Mast manchmal eine Flagge, die du nur lesen musst.

Marlies kennt fünf davon, die auch für die Bühne gelten.

Bei jeder klären wir: Woran erkennst du sie?

Was bedeutet sie?

Und was tust du, bis sie wieder eingeholt wird?

Kurz vorweg

Dieser Beitrag will dich nicht von der Bühne fernhalten. Er will, dass du lange bleibst.

Oft verlässt jemand den Slam nicht nach einem schlechten Abend. Sondern nach einem Abend, an dem er eine Warnflagge übersehen hat – und den Schaden für ein Urteil über sich selbst hielt.

Fünf Flaggen, fünf ehrliche Fragen. Und fünfmal die Antwort, was du tust, bis die Flagge eingeholt wird.

Flagge D: Dein Körper hat schon abgestimmt

Flagge D · Körper

Auf See, sinngemäß: „Halten Sie sich von mir frei, ich bin manövrierbehindert.“

Auf der Bühne
Dein Körper ist gerade nicht voll manövrierfähig.
Erkennungszeichen
Wochenlang schlechter Schlaf, Gereiztheit, der Auftritt fühlt sich an wie ein Stein im Rucksack.
Einholen, wenn …
du wieder hingehen würdest, auch ohne aufzutreten.

Fangen wir mit dem unbequemsten Signal an.

Du schläfst seit Wochen schlecht.

Du bist gereizt, sobald jemand nach deinem Text fragt.

Der Gedanke an den Auftritt fühlt sich nicht wie Kribbeln an, sondern wie ein Stein im Rucksack.

Das ist kein Lampenfieber.

Lampenfieber ist ein Sprinter: Es kommt kurz vor dem Start und verschwindet nach dem ersten Satz.

Was du da trägst, ist ein Dauerläufer.

Erschöpfung.

Und Erschöpfung ist auf der Bühne sichtbar.

Der Saal sieht sie in den ersten Sekunden.

In der Haltung, im Blick, in der Stimme, die eine halbe Etage tiefer sitzt als sonst.

Dann spiegelt das Publikum dich.

Müde Bühne, müder Saal.

Du bekommst höflichen Applaus und hältst ihn für ein Urteil über deinen Text.

Dabei war der Text nie das Problem.

Der Akku war es.

Fiete kennt das.

Im Frühjahr stand er nach einer Sechzig-Stunden-Woche mit seinem besten Text auf genau dieser Bühne.

Er verschluckte die zweite Pointe, überrollte die wichtigste Pause und stand beim Schlusssatz schon halb neben dem Mikro.

Platz sieben von neun.

Drei Wochen später, ausgeschlafen, derselbe Text: Finale.

Zwischen Platz sieben und dem Finale lag keine einzige geänderte Zeile.

Nur Schlaf.

Die ehrliche Kontrollfrage lautet: Würde ich heute auch hingehen, wenn ich nicht auftreten dürfte?

Wenn die Antwort „bloß nicht“ heißt, bleib heute im Publikum oder zu Hause.

Ein Abend im Saal ohne Startnummer füllt genau den Tank, den ein Abend auf der Bühne leert.

Flagge W: Die Wunde ist noch offen

Flagge W · Wunde

Auf See, sinngemäß: „Ich benötige ärztliche Hilfe.“

Auf der Bühne
Der Text kommt aus einer offenen Wunde, nicht über sie.
Erkennungszeichen
Der Text ist wenige Tage alt und handelt von etwas, das noch passiert.
Einholen, wenn …
du ihn ruhig lesen kannst, auch wenn jemand an der falschen Stelle lacht.

Du hast etwas erlebt.

Eine Trennung, einen Verlust, eine schlechte Nachricht, einen Streit, der nicht heilt.

Und du hast darüber geschrieben, noch in derselben Woche.

Der Text ist roh, ehrlich, er zittert beim Vorlesen.

Alle sagen: Genau damit musst du auf die Bühne.

Marlies sagt: noch nicht.

Denn es gibt einen Unterschied zwischen einem Text über eine Wunde und einem Text aus einer Wunde.

Der erste ist Kunst.

Der zweite ist Blutung mit Mikrofon.

Woran du den Unterschied erkennst?

An einer einzigen Frage: Kannst du den Text auch dann zu Ende lesen, wenn der Saal an der falschen Stelle lacht?

Denn irgendwo lacht immer jemand falsch.

Nicht aus Bosheit, sondern aus Nervosität, aus Missverständnis, aus Bier.

Ein verheilter Text steckt das weg.

Eine offene Wunde reißt daran auf, vor Publikum, mit Zeitlimit und Wertungstafeln.

So holst du diese Flagge ein:

Schreib den Text fertig und leg ihn in die Schublade.

Mit Datum.

Sechs Wochen, kein Tag weniger.

Kannst du danach beim Lesen ruhig atmen, ist er bühnenreif.

Wenn nicht, bekommt er weitere sechs Wochen.

Texte verderben nicht.

Sechs Wochen sind keine Zauberzahl.

Aber mit Abstand erzählst du nicht mehr, was dir gerade passiert, sondern was dir passiert ist.

In dieser Zeit darfst du übrigens auftreten, so oft du willst.

Nur eben mit anderen Texten.

Die Schublade sperrt einen Text, nicht dich.

Zwischenruf

„Aber die besten Slamtexte sind doch die persönlichen! Soll ich nur noch Kalauer schreiben?“

Stimmt, die besten Texte sind persönlich. Aber sie sind persönlich und souverän. Wer sie vorträgt, hat die Geschichte durchquert und kommt als Erzählerin zurück, nicht als Verunglückte.

Bei der verheilten Geschichte lehnt sich der Saal zu dir hin. Bei der offenen hält er den Atem an, aus Sorge, nicht aus Ergriffenheit.

Flagge K: Du willst es jemandem beweisen, der nicht im Saal sitzt

Flagge K · Beweis

Auf See, sinngemäß: „Ich möchte mit Ihnen Verbindung aufnehmen.“

Auf der Bühne
Du sprichst mit jemandem, der nicht im Saal sitzt.
Erkennungszeichen
Beim Schreiben denkst du an eine bestimmte Person, die es endlich sehen soll.
Einholen, wenn …
der Brief an diese Person geschrieben ist, abgeschickt oder nicht.

Es gibt eine Sorte Auftritt, die schon verloren ist, bevor dein Name aufgerufen wird.

Der Beweis-Auftritt.

Dem Ex zeigen, was er verloren hat.

Den Eltern zeigen, dass Schreiben doch ein richtiges Leben ist.

Dem Kollegen zeigen, dass man mehr kann als Protokolle.

Das Tragische: Diese Menschen sitzen fast nie im Saal.

Du spielst ein Heimspiel in einem Stadion, in dem die einzige Person, für die du spielst, keine Karte gekauft hat.

Fietes Ex wird an diesem Abend nicht kommen.

Und sein Text redet trotzdem die ganze Zeit mit ihr.

1903 bekam ein junger Militärschüler namens Franz Xaver Kappus Post von Rainer Maria Rilke.

Er hatte dem Dichter seine Gedichte geschickt und gefragt, ob sie etwas taugen.

Rilke antwortete nicht mit einer Note.

Er schrieb:

„Fragen Sie sich in der stillsten Stunde Ihrer Nacht: muss ich schreiben?“

Die Briefe erschienen später als Buch, „Briefe an einen jungen Dichter“.

Beachte, was Rilke nicht fragt.

Er fragt nicht, ob die Gedichte gut genug sind.

Er fragt nicht, was die anderen sagen.

Er dreht die Blickrichtung um: weg vom Urteil der Welt, hinein in die stillste Stunde der Nacht.

Übersetzt auf deine Bühne: Willst du auftreten, oder willst du gesehen worden sein?

Das klingt ähnlich.

Es ist das Gegenteil.

Wer auftreten will, probt den Text.

Wer gesehen werden will, probt die Reaktionen.

So holst du diese Flagge ein:

Schreib den Beweis-Text trotzdem, aber als Brief.

„Lieber Papa.“

„Liebe Ex.“

Und dann schick ihn nicht ab und trag ihn nicht vor.

Du wirst merken: Das Bedürfnis war echt, aber es war Post, keine Kunst.

Sobald der Brief geschrieben ist, wird der Kopf frei für Texte, die in den Saal gehören.

Waschbär an der Hafenbahn unter Signalflaggen – erst Flaggen lesen, dann auf die Bühne oder nicht auf die Bühne
Flaggen lesen an der Hafenbahn · bahn-slam.de

Flagge U: Die Angst hat das Steuer übernommen

Flagge U · Angst

Auf See, sinngemäß: „Sie begeben sich in Gefahr.“

Auf der Bühne
Die Angst sitzt am Steuer, nicht mehr auf dem Beifahrersitz.
Erkennungszeichen
Wochen vorher Übelkeit, und Erleichterung, wenn der Slam ausfällt.
Einholen, wenn …
die Angst wieder Beifahrerin ist, Stufe für Stufe.

Vorweg, damit wir uns nicht missverstehen: Angst gehört dazu.

Wer vor einem Auftritt gar nichts spürt, dem ist das Publikum egal, und das merkt das Publikum.

Gesundes Lampenfieber ist ein Beifahrer, der nervös auf der Karte herumtippt.

Lästig, aber du fährst.

Diese Flagge weht erst, wenn die Angst selbst lenkt.

Wenn du Wochen vorher nicht schläfst.

Wenn dir beim bloßen Gedanken übel wird.

Wenn du absagst, erleichtert bist und dich über deine Erleichterung ärgerst.

Das passiert nicht nur Anfängern.

Im Juni 1967 sang Barbra Streisand im Central Park in New York vor rund 135.000 Menschen.

Mitten im Konzert vergaß sie Liedtexte.

Das Publikum verzieh ihr sofort.

Sie selbst tat sich damit sehr viel schwerer.

Danach trat sie rund 27 Jahre lang kaum noch live vor zahlendem Publikum auf.

Erst an Silvester 1993 stand sie in Las Vegas wieder auf einer großen Konzertbühne.

Die Tournee danach wurde ein Triumph, mit Teleprompter als Sicherheitsnetz.

Barbra Streisand · „Somewhere“ (Anaheim, 1994) · Some Days You’re Barbra

Das ist ein Mitschnitt von dieser Tournee, 1994 in Anaheim.

Hör genau hin, wie diese Stimme klingt, nach so vielen Jahren Pause.

Was heißt das für dich, ein paar Nummern kleiner, in der Kneipe deiner Stadt?

Erstens: Wenn die Angst am Steuer sitzt, ist Aussteigen keine Schande.

Es ist Unfallverhütung.

Zweitens: Warte nicht 27 Jahre.

Hol die Angst an den Verhandlungstisch.

Frag sie, was sie eigentlich will, statt sie zu bekämpfen oder ihr zu gehorchen.

Meistens will sie etwas erstaunlich Vernünftiges.

Einen Zettel als Textstütze.

Einen Probelauf mehr.

Ein kleineres Publikum für den Anfang.

Wie so eine Verhandlung aussehen kann, zeigt der Musiker Joe Kowan.

Er hat seinem Lampenfieber ein eigenes Lied geschrieben.

Joe Kowan · „How I beat stage fright“ · TED

Achte darauf, wie er mit der Angst umgeht.

Versteckt er sie?

Oder nimmt er sie mit auf die Bühne?

So holst du diese Flagge ein:

Verkleinere die Bühne, bis die Angst wieder Beifahrerin ist.

Erst ein Mensch, dann drei, dann ein Wohnzimmer, dann eine offene Lesung ohne Wertung.

Und wenn die Angst auch abseits der Bühne dein Leben eng macht, ist der richtige nächste Ansprechpartner kein Publikum, sondern eine Fachperson.

Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, kostenlos unter 0800 111 0 111.

Flagge X: Der Text ist nicht fertig

Flagge X · Text

Auf See, sinngemäß: „Führen Sie Ihre Absicht nicht aus und achten Sie auf meine Signale.“

Auf der Bühne
Der Text ist nicht fertig, und du weißt es.
Erkennungszeichen
Eine Stelle, an der du beim Lesen innerlich wegschaust.
Einholen, wenn …
du ihn einmal laut, allein und im Stehen lesen kannst, ohne zu stocken.

Die fünfte Flagge ist die leiseste.

Sie flattert nicht, sie knallt nicht.

Es ist dieses kleine Ziehen im Bauch, wenn du den Text liest und an einer Stelle innerlich wegschaust.

Du weißt genau, welche Stelle gemeint ist.

Die Pointe, die nur fast sitzt.

Der Übergang, der nur fast trägt.

Im Januar 2022 sollte Adele in Las Vegas eine Konzertreihe eröffnen, seit Monaten ausverkauft.

Einen Tag vorher sagte sie ab, in einem Video, sichtlich aufgelöst.

Sinngemäß: Es tut mir so leid, aber meine Show ist nicht fertig.

Ein Teil ihres Teams war an Corona erkrankt, dazu kamen Lieferprobleme.

Sie bekam viel Kritik dafür.

Und sie machte die Show trotzdem erst fertig.

Im November 2022 startete die Reihe dann doch.

Also merke:

Selbst unter enormem Druck ist „nicht fertig“ ein legitimer Grund, nicht aufzutreten.

Dein Druck ist kleiner.

Deine Freiheit ist größer.

Aber hier kommt der Haken:

„Nicht fertig“ heißt nicht „nicht perfekt“.

Perfekt wird kein Text.

Fertig heißt: Du kennst keine Stelle mehr, an der du innerlich wegschaust.

Der Test ist banal und gnadenlos.

Lies den Text einmal laut, allein, im Stehen.

Wenn du an keiner Stelle stockst, zusammenzuckst oder entschuldigend grinst, ist er fertig.

Warum im Stehen?

Weil du am Schreibtisch liest, was du gemeint hast.

Im Stehen hörst du, was wirklich dasteht.

Blauer Peter: Warum eine Warnflagge eine gute Nachricht ist

Flagge P · Blauer Peter

Auf See, sinngemäß: „Alle an Bord, das Schiff will auslaufen.“

Auf der Bühne
Fahrt frei. Trag dich in die Liste ein.
Erkennungszeichen
Alle fünf Warnflaggen sind eingeholt.
Wehen lassen
so lange, bis du oben stehst.

Jetzt die Wendung.

Eine Flagge kann nur an einem Mast wehen.

Wer keinen Mast hat, hat auch keine Signale.

Wenn bei dir eine dieser fünf Flaggen weht, heißt das: Du bist unterwegs.

Du hast einen Text, einen Körper, der mitdenkt, eine Angst, die dich ernst nimmt, und einen Anspruch, der „fast fertig“ von „fertig“ unterscheidet.

Und keine Flagge weht für immer.

Sie wird eingeholt, wenn sich die Lage ändert.

Das geht erstaunlich unspektakulär.

Der leere Akku braucht zwei gute Wochen mit Schlaf.

Die offene Wunde braucht ihre sechs Wochen Schublade.

Der Beweis-Drang braucht einen Brief, der nie abgeschickt wird.

Die Angst am Steuer braucht eine Stufenleiter in deinem Tempo.

Und der unfertige Text manchmal nur einen einzigen Abend am Schreibtisch.

Keine dieser Flaggen verlangt Talent, Mut oder ein neues Ich.

Sie verlangen Zeit, ein Datum und ein bisschen Ehrlichkeit.

Und wenn alle eingeholt sind, geht eine neue Flagge hoch.

Blau, mit einem weißen Viereck in der Mitte.

Der Blaue Peter.

Wer anfängt, hält eine Warnflagge für ein Urteil über sein Schiff – wer Erfahrung hat, liest sie als Auskunft über die Lage.

Zwischenruf

„Und wenn ich einfach immer eine Flagge finde? Dann trete ich ja nie auf.“

Guter Einwand. Eine Flagge gilt nur, wenn du sie benennen kannst wie eine Lotsin. „Ich schlafe seit drei Wochen schlecht“ ist eine Flagge. „Ich hab so ein Gefühl“ ist Nebel.

Bei Nebel fährt man trotzdem, nur langsamer. Wer fünfmal hintereinander irgendeine Flagge findet, hat kein Flaggenproblem, sondern ein Vermeidungsproblem. Dann gilt: auftreten, beim kleinsten Slam, den du findest.

Dein Flaggenmast · fünf Fragen vor jeder Anmeldung

Lampenfieber oder Flagge U?

Welcher Satz beschreibt Flagge U?

Auflösung anzeigen

Die zweite. Lampenfieber kommt kurz vorher und treibt dich zur Bühne hin. Flagge U kommt Wochen vorher und zieht dich weg – bis zur Erleichterung, wenn etwas ausfällt. Die dritte ist ganz normales Lampenfieber mit Familie im Publikum.

Nichts wird gespeichert. Das hier ist nur für dich.

Zwei Fragen an Marlies

„Ich habe schon zugesagt, und jetzt weht eine Flagge. Absagen?“

Ja, früh und ehrlich. Ein Veranstalter ersetzt lieber drei Tage vorher einen Startplatz, als am Abend einen Auftritt zu erleben, der allen wehtut. Ein Satz genügt: Ich bin diese Woche nicht auftrittsfähig, ich melde mich für den nächsten Termin.

„Gilt das auch für den allerersten Auftritt?“

Besonders. Der erste Auftritt prägt, wie sich Bühne für dich anfühlt. Lieber vier Wochen später mit eingeholten Flaggen starten als pünktlich mit gehissten.

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Und Fiete?

Sechs Wochen später · Donnerstag, 19:30 Uhr

Blauer Peter gehisst

Alle an Bord. Das Schiff will auslaufen.

Fiete hat sich an diesem Donnerstag nicht in die Liste eingetragen.

Er hat sich in die dritte Reihe gesetzt und zum ersten Mal seit Wochen einfach zugehört.

In der Pause hat er einen Brief an seine Ex geschrieben.

Auf eine Serviette.

Abgeschickt hat er ihn nie.

Dann hat er zwei Wochen lang geschlafen, so gut es ging.

Den Trennungstext hat er in eine Schublade gelegt, mit Datum.

Sechs Wochen später holt er ihn wieder heraus.

Er liest ihn laut, allein, im Stehen, in seiner Küche.

An zwei Stellen schaut er innerlich weg.

Also noch ein Abend am Schreibtisch.

Dann nicht mehr.

Am nächsten Slam-Donnerstag steht Marlies schon am Mast, als er reinkommt.

Sie zieht an der Leine.

Eine blaue Flagge mit einem weißen Viereck geht hoch.

Fiete trägt sich in die Liste ein.

An die Punkte erinnert er sich hinterher nicht.

Nur daran, dass er diesmal den Abend haben wollte, statt ihn zu überstehen.

Und an eine Frau in Reihe zwei, die an der falschen Stelle gelacht hat.

Er hat einfach weitergelesen.

Die Bühne deiner Stadt steht nächsten Monat auch noch da.

Dasselbe Mikro, dasselbe Licht.

Das Einzige, was sich bis dahin geändert haben kann, bist du: ausgeruhter, ehrlicher, fertiger.

Genau so gewinnt man Abende.

Nicht mit mehr Mut, sondern mit besserem Timing.


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Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch, das du lesen solltest
— Stephan Pinkwart —

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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