Der Weichenplan · Unterrichtsmaterial
Poetry Slam als Unterrichtsmaterial: die Fahrschule

Dienstagabend, 23:10 Uhr.
Sophie sitzt vor ihrem Laptop.
Referendarin, zweites Halbjahr.
In zwei Wochen ist Unterrichtsbesuch.
Thema: Poetry Slam, Klasse 8.
Sie hat „Poetry Slam Unterrichtsmaterial“ in die Suchmaschine getippt.
Das war vor zwei Stunden.
Jetzt hat sie 43 Tabs offen.
Arbeitsblätter, Stundenentwürfe, Videolisten, Methodensammlungen.
Alles irgendwie gut.
Nichts passt richtig.
Am nächsten Morgen setzt sie sich in der Pause zu ihrem Mentor, Herrn Lindner.
Er hört sich ihr Chaos an.
Dann nimmt er eine Serviette und zeichnet drei Striche.
„Du brauchst nicht mehr Material“, sagt er.
„Du brauchst Weichen.“
Sophie und Herr Lindner sind erfunden. Die 43 Tabs aber kennt fast jede Lehrkraft – und die Weichen helfen wirklich.
Kennst du das?
Du willst Poetry Slam unterrichten.
Du findest tausend Ideen.
Und am Ende weißt du weniger als vorher.
Das liegt nicht am Material.
Es liegt daran, dass du mit dem Material anfängst.
Und nicht mit deiner Klasse.
Also drehen wir es heute um.
Zuerst zwei Fragen.
Dann das Material.
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- Neue Slam-Texte zuerst
- Gedanken vom Gleis
- Keine E-Mail, kein Spam
Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
Jetzt Kanal folgenDie zwei Weichen
Die erste Weiche ist die Zeit.
Eine Stunde?
Eine Doppelstunde?
Ein ganzer Tag?
Die zweite Weiche ist das Ziel.
Soll deine Klasse schreiben, verstehen oder auftreten?
Mehr musst du vorher nicht wissen.
Zwei Fragen, neun Gleise.
Klick dich durch.
Dein Weichenplan · klick dich durch
Weiche 1 · Wie viel Zeit hast du?
🕐 Eine Schulstunde
Weiche 2 · Was soll die Klasse danach können?
✍️ Schreiben
Gleis 1
Zehn Zeilen, ein Ding
- Jedes Kind wählt einen Gegenstand aus dem Mäppchen.
- Zehn Zeilen über dieses Ding, jede Zeile ein Satz.
- Fünf Freiwillige lesen vor.
🔍 Verstehen
Gleis 2
Ein Video, drei Fragen
- Ein Auftritt, höchstens sechs Minuten.
- Drei Gruppen, drei Fragen: Stimme, Pausen, Wirkung.
- Aus den Antworten entsteht an der Tafel die Liste der Merkmale.
🎤 Auftreten
Gleis 3
Ein Satz, fünf Stimmen
- Alle sprechen denselben Satz: wütend, traurig, verliebt, gelangweilt, panisch.
- Danach die Frage: Was macht die Stimme mit dem Satz?
- Perfekt als Einstieg vor einer Schreibeinheit.
🕑 Eine Doppelstunde
Weiche 2 · Was soll die Klasse danach können?
✍️ Schreiben
Gleis 4
Vom Gegenstand zum Text
- Sammeln mit allen fünf Sinnen.
- Acht Zeilen schreiben, eine Wiederholung einbauen.
- Tandem-Feedback: zwei Sterne, ein Wunsch.
🔍 Verstehen
Gleis 5
Klassiker gegen Slam
- Ein Gedicht aus dem Lehrbuch und ein Slamtext zum selben Thema.
- Vergleich nach Kriterien: Sprecher, Form, Sprache, Wirkung.
- Zum Schluss die Frage: Was kann das eine, was das andere nicht kann?
🎤 Auftreten
Gleis 6
Der Mini-Slam
- Jede Gruppe schreibt einen Kurztext, eine Person trägt vor.
- Fünf Leute bilden die Jury, die Lehrkraft tritt als Opferlamm auf.
- Punkte bleiben ein Spiel, keine Note.
📅 Ein ganzer Tag oder mehr
Weiche 2 · Was soll die Klasse danach können?
✍️ Schreiben
Gleis 7
Die Schreibwerkstatt
- Themen finden, schreiben, überarbeiten – in drei Runden.
- Jede Runde endet mit einem Satz, der laut vorgelesen wird.
- Am Ende hat jede und jeder einen fertigen Text.
🔍 Verstehen
Gleis 8
Analyse mit Klausurblick
- Ein unbekannter Slamtext, Analyse mit Werkzeugkasten.
- Dazu ein Video vom Auftritt.
- Abschluss: eine Probeklausur unter echten Bedingungen.
🎤 Auftreten
Gleis 9
Der Projekttag
- Vom Warm-up bis zum großen Slam in der Aula.
- Mit Gästen, Jury und Urkunden für alle.
- Der ganze Fahrplan liegt schon bereit.
Hast du dein Gleis gefunden?
Dann hast du jetzt eine Stunde, die zu deiner Klasse passt.
Nicht zu irgendeiner Klasse im Internet.
Warum die Weichen funktionieren
Das Prinzip kennst du vom Bahnhof.
Ein Zug kann nicht gleichzeitig nach Hamburg und nach München fahren.
Eine Stunde kann auch nicht gleichzeitig Schreibwerkstatt, Analyse und Bühnentraining sein.
Wer alles will, kommt nirgendwo an.
Wer eine Richtung wählt, kommt sicher ans Ziel.
Also merke: Gutes Material beginnt mit einer Entscheidung.
Nicht mit einer Suche.
Die Materialkiste
Egal welches Gleis du nimmst, ein paar Dinge brauchst du fast immer.
Und dann gibt es noch drei Fallen, in die fast jeder mal tappt.
Achtung: drei Material-Fallen
- Zu viel. Ein gutes Video schlägt fünf mittelmäßige.
- Zu fertig. Arbeitsblätter mit Lückentext ersticken jede eigene Idee.
- Zu fremd. Kopierte Texte aus dem Netz sind nicht automatisch frei nutzbar. Verlinke oder zeig Videos lieber von offiziellen Kanälen.
Die zweite Falle ist die gemeinste.
Denn ein Arbeitsblatt mit Lückentext sieht nach Arbeit aus.
Aber es verhindert genau das, worum es beim Slam geht.
Die eigene Stimme.
Eigenes Material in drei Schritten
Das beste Material ist oft das, was du selbst baust.
Klingt aufwendig?
Ist es nicht.
Eigenes Material in drei Schritten
Ein eigener Beispieltext
Zehn Zeilen, geschrieben an einem Abend. Er zeigt der Klasse, was möglich ist.
Eine offene Aufgabe
Keine Lücken, kein Ankreuzen. Eine klare Aufgabe, zum Beispiel: Schreib acht Zeilen über ein Ding, das du jeden Tag benutzt.
Ein Moment zum Vortragen
Plane fünf Minuten ein, in denen Freiwillige lesen. Ohne diesen Moment bleibt Slam ein Arbeitsblatt.
Der eigene Beispieltext ist der wichtigste Schritt.
Er muss nicht gut sein.
Er muss nur von dir sein.
Denn eine Klasse, die sieht, dass ihre Lehrkraft sich traut, traut sich auch.
Und ganz nebenbei hast du kein Problem mit dem Urheberrecht.
Zwei Videos für den Start
Wenn du nur ein einziges Video in deiner Kiste haben willst, nimm eins, das zu deinem Beruf passt.
Dieses hier handelt schon vom Titel her von Bildung.
Zeig es deiner Klasse.
Oder schau es dir erst einmal allein an.
An einem Dienstagabend, nach 43 Tabs.
Und für die Schreibphase eignet sich dieses Tutorial.
Es richtet sich direkt an alle, die gerade ihren ersten Text schreiben.

Teste dich
Und jetzt dein eigener Plan.
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Jetzt Kanal folgenUnd Sophie?
Zwei Wochen später, Unterrichtsbesuch.
Die Fachleiterin sitzt hinten im Raum.
Sophie hat Weiche 1 gestellt: Doppelstunde.
Und Weiche 2: Schreiben.
Gleis 4.
Keine 43 Tabs.
Ein einziger Gegenstand pro Kind, ein Video, eine klare Aufgabe.
Nach 70 Minuten lesen sechs Schülerinnen und Schüler ihre Texte vor.
Einer schreibt über seinen Haustürschlüssel.
Eine über die Brille ihrer verstorbenen Oma.
Es ist sehr still in der 8b.
Nach der Stunde sagt die Fachleiterin nur einen Satz.
„Sie wussten genau, wohin Sie wollten.“
Am Abend schließt Sophie alle Tabs.
Die Serviette von Herrn Lindner hängt jetzt an ihrer Pinnwand.
Drei Striche.
Zwei Weichen.
Mehr braucht gutes Unterrichtsmaterial nicht.
