Politische Texte: Worte, die zünden

Ein stenografischer Bericht · Politische Texte

Politische Texte: Worte, die zünden

Politische Texte: Waschbär an einer Holzkiste in der Bahnhofshalle wie an einem Rednerpult
Eine Holzkiste als Rednerpult in der Bahnhofshalle · bahn-slam.de

Politische Texte wollte Noah eigentlich nie schreiben.

Dann kam der Brief der Stadt: Das Hallenbad soll im nächsten Jahr schließen.

Seit dem Umzug der Verwaltung sitzt der Stadtrat im alten Empfangsgebäude des Bahnhofs.

Einmal im Monat wird der Ratssaal zur Slambühne.

Noah hat einen Text geschrieben, laut und wütend.

Bei der Probelesung am Mittwoch sitzen genau acht Leute im Saal.

Eine davon ist Elsbeth.

Sie war dreißig Jahre lang Stenografin im Landtag und schreibt aus Gewohnheit bis heute alles mit.

Als Noah fertig ist, reicht sie ihm ihr Protokoll.

Stenografischer Bericht

Ratssaal im alten Bahnhof · Probelesung, Mittwoch, 19:10 Uhr

Noah: „Das System ist kaputt!“

(Vereinzelter Beifall.)

Noah: „Die Politik versagt!“

(Zuruf: „Stimmt!“)

Noah: „Wir müssen endlich aufwachen!“

(Höflicher Beifall. Jemand bestellt ein Getränk.)

Randvermerk: Rede laut, Adressat unklar. – E.

Noah liest den letzten Vermerk zweimal.

„Höflicher Beifall“, sagt Elsbeth.

„Den habe ich tausendmal notiert.“

„Den gibt es immer dann, wenn eine Rede laut ist und niemanden meint.“

Noah und Elsbeth gibt es so nicht. Aber den höflichen Beifall nach einem wütenden Text, der niemanden trifft, kennen viele, die politisch schreiben.

Kennst du das?

Du hast etwas, das dich wütend macht.

Etwas, das nicht stimmt in der Welt.

Du schreibst es auf, scharf und mit Zähnen.

Und dann klatscht das Publikum höflich und hat es nach drei Minuten vergessen.

Heute klären wir, wie politische Texte zünden.

Ohne zu hetzen.

Ohne Parolen.

Und ohne dass du dich einer Partei verschreiben musst.

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Politische Texte: Warum fast jeder Text politisch ist

Vermerk · Jeder Text ist politisch

LiebeWer bestimmt, wer nachgibt, wer schweigt.
FamilieRegeln, die irgendwann jemand gemacht hat.
EinsamkeitDie Frage, wie wir zusammenleben.
ArbeitWer wie viel wert ist, und wer das festlegt.

Die Sängerin Nina Simone hat in einem Interview sinngemäß gesagt, die Aufgabe von Künstlern sei es, ihre Zeit widerzuspiegeln.

Hier kommt die unbequeme Wahrheit: Fast jeder Text ist politisch.

Wenn du über Liebe schreibst, schreibst du auch über Macht.

Wenn du über Familie schreibst, schreibst du über Regeln, die jemand gemacht hat.

Wenn du über Einsamkeit schreibst, schreibst du darüber, wie wir zusammenleben.

Es gibt deshalb kaum den unpolitischen Text.

Es gibt den bewusst politischen und den unbewusst politischen.

Der unbewusste bestätigt meistens, was ohnehin ist.

Der bewusste stellt es infrage.

Welchen du schreibst, entscheidest du.

Aber hier kommt der Haken: Viele politische Texte auf Slam-Bühnen klingen mutig und sagen trotzdem nichts.

Mutige Wörter, mutige Gesten, und am Ende trifft es niemanden.

Maik Martschinkowsky · „Politische Rolltreppe“ · Kampf der Künste TV

Ein politischer Slamtext auf der Bühne.

Achte auf die Wortwahl: Wo belehrt ein Text, und wo trifft er?

Das Megafon-Problem

Zwei Fassungen, ein Thema

Fassung A · Meinung

„Rassismus ist ein strukturelles Problem, das durch Ungleichheit fortbesteht.“

(Nicken.)

Fassung B · Körper

„Die Kassiererin hat mir auf die Hände geschaut, bevor sie mir das Wechselgeld gab. Nicht in die Augen. Auf die Hände. Ich hab bezahlt, bin rausgegangen und hab eine Stunde im Auto gesessen. Nicht, weil ich weinen musste. Sondern weil ich nicht wusste, wohin mit diesem Gefühl ohne Namen.“

(Stille.)

Beispieltexte, für diesen Beitrag geschrieben.

„Das System ist kaputt!“

Ja, und?

„Die Politik versagt!“

Okay, weiter?

„Wir müssen aufwachen!“

Danke, das habe ich noch nie gehört.

Das ist das Megafon-Problem.

Lautstärke ersetzt Tiefe.

Empörung ersetzt Argument.

Allgemeinheit ersetzt Schmerz.

Der Schriftsteller James Baldwin hat nicht in Parolen geschrieben, sondern in Menschen.

Sein Roman „Giovannis Zimmer“ erzählt von einem Mann, der sich selbst nicht annehmen kann, und wird gerade dadurch politisch.

Menschen ändern ihre Sicht selten wegen eines Arguments.

Oft ändern sie sie, wenn sie sich in einem anderen Menschen wiedererkennen.

Schau dir die zwei Fassungen im Kasten an.

Bei der ersten nickst du.

Bei der zweiten hörst du auf zu atmen.

James Baldwin · „Social Change & The Writer’s Responsibility“ · Matthew Siegfried

Achte darauf, was Baldwin über die Verantwortung von Schreibenden sagt.

Schreib keine Meinung, schreib einen Körper

Drucksache 1 · Beschlussvorlage

Fünf Schritte zum politischen Körper

§ 1

Den Moment wählen, nicht das Thema

„Ich schreibe über Obdachlosigkeit.“ → Der Moment, in dem mein Schritt schneller wurde.

§ 2

In den Körper gehen

„Die Klimakrise bedroht uns alle!“ → Opas Dorfteich, der seit Jahren nicht mehr zufriert.

§ 3

Der Wut eine Adresse geben

„die da oben“ → ein Abend, eine Straße, ein Gefühl in der Brust.

§ 4

Den Text offen lassen

die Lösung als Schlussparole → die Wunde zeigen und schweigen.

§ 5

Etwas riskieren

ein Text, der niemandem wehtut → ein Text, der dich etwas kosten darf.

Das ist der wichtigste Tipp dieses Beitrags.

Eine politische Meinung kann man abnicken.

Einen politischen Körper spürt man.

Schritt eins: Wähl nicht das Thema, wähl den Moment.

Nicht „Ich schreibe über Obdachlosigkeit“.

Sondern über den Moment, in dem dein Schritt an einem Menschen auf dem Pflaster schneller wurde.

Nicht aus Angst.

Aus Scham.

Und Scham ist schneller als Mitleid.

Schritt zwei: Geh in den Körper.

Nicht: „Die Klimakrise bedroht uns alle!“

Sondern: Der Dorfteich, auf dem dein Opa jeden Winter Schlittschuh lief, friert seit Jahren nicht mehr zu, und er steht am Ufer wie vor einem fremden Gewässer.

Keine einzige Forderung.

Und trotzdem vergisst du diese Zeile nicht.

Schritt drei: Gib deiner Wut eine Adresse.

Nicht „die da oben“, sondern ein Abend, eine Straße, ein Gefühl in der Brust.

Schritt vier: Lass den Text offen.

Ein Text, der am Ende eine Lösung verkündet, klingt schnell wie eine Hausaufgabe.

Zeig die Wunde und schweig.

Dann trägt das Publikum sie mit nach Hause.

Schritt fünf: Riskier etwas.

Ein politischer Text, der dich nichts kostet, kostet auch das Publikum nichts.

Vielleicht kostet er dich einen Kommentar, eine Freundschaft, einen Auftritt.

Das klingt klein.

Wenn du es zum ersten Mal tust, fühlt es sich nicht klein an.

Meinung oder Körper?

Welche Zeile ist ein politischer Körper?

Auflösung anzeigen

B. A und C sind Megafon: laut, allgemein, sofort vergessen. B ist ein Moment mit einem Gegenstand, den man sehen kann. Das Politische steckt im Detail, und jede Seite im Saal kann es fühlen.

Was passiert, wenn dein Text landet

Protokollvermerke

Drei Ausgänge, wenn ein politischer Text landet

(Stille.)

Der Saal muss erst wieder atmen lernen. Diese Stille muss man sich verdienen.

(Geteilter Beifall. Einige verschränken die Arme.)

Anecken ist kein Qualitätsbeweis. Aber manchmal der Preis für etwas Wichtiges.

(Unruhe. Eine Person verlässt den Saal.)

Respektvoll bleiben, nicht jeden Kommentar beantworten, bei Hass Hilfe holen.

Wenn ein politischer Text wirklich trifft, kann dreierlei passieren.

Das Beste und das Schwerste zugleich ist die Stille.

Nicht die höfliche, nicht die verwirrte.

Die Stille, in der ein Saal erst wieder atmen lernen muss.

Dann gibt es die Spaltung: Die eine Hälfte klatscht, die andere verschränkt die Arme.

Das ist nicht automatisch ein Qualitätsbeweis.

Aber wer etwas Wichtiges sagt, eckt manchmal an.

Und dann gibt es Gegenwind.

Jemand wird laut, jemand geht, jemand schreibt später böse Kommentare.

Bleib respektvoll, auch wenn es andere nicht sind.

Du musst nicht jeden Kommentar beantworten.

Und wenn aus Kritik Hass wird, hol dir Unterstützung.

Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, kostenlos unter 0800 111 0 111.

Der Filmemacher Luis Buñuel zeigte 1929 in Paris seinen Kurzfilm „Ein andalusischer Hund“.

In seinen Erinnerungen erzählt er, er habe Steine in der Tasche gehabt, um sie im Fall eines Desasters ins Publikum zu werfen.

Das Publikum applaudierte.

Die Steine brauchte er nicht.

Du brauchst keine Steine.

Aber du solltest wissen, was du riskierst, bevor du auf die Bühne gehst.

Rattapallax · „The Death of Pablo Neruda“ · YouTube

Der Dichter Pablo Neruda starb 1973, zwölf Tage nach dem Militärputsch in Chile.

Offiziell an Krebs; ob er vergiftet wurde, ist bis heute umstritten.

Achte darauf, wie der Film mit dieser offenen Frage umgeht.

Politische Worte sind nicht harmlos.

Auch nicht auf einer kleinen Bühne mit dreißig Leuten und einem Mikro, das manchmal brummt.

Politische Texte: Waschbär lauscht an einem Bahnsteig-Lautsprecher
Ein Lautsprecher am Bahnsteig wartet auf seine Durchsage · bahn-slam.de

Fünf Redetechniken, die treffen

Redetechniken 1 bis 3

Technik 1

Der Täter im Spiegel

Bauplan: eine Ungerechtigkeit zeigen, dann den eigenen Anteil, am Ende weder Entschuldigung noch Lösung.

„Wir saßen zu viert im Meeting, drei Männer, eine Frau. Sie hat einen guten Punkt gemacht, und ich habe genickt. Drei Minuten später habe ich denselben Punkt gemacht, und alle haben genickt. Erst zu Hause habe ich gemerkt: Es war ihr Punkt.“

Technik 2

Das Trojanische Pferd

Bauplan: harmlos beginnen, irritierende Details einstreuen, dann ein Satz, der alles kippt.

„Samstag, Besichtigung, zweieinhalb Zimmer. Ich war pünktlich. Auf der Treppe standen schon vierzig Leute. Eine Frau hatte ihre Gehaltsnachweise in einer Klarsichthülle. Und plötzlich wusste ich nicht mehr, ob ich eine Wohnung suche oder um ein Zuhause bitte.“

Technik 3

Der unmögliche Vergleich

Bauplan: zwei Dinge übereinanderlegen, die man nicht vergleichen darf, und die Gegenstimme gleich mit einbauen.

„Oma hat erzählt, wie man in der DDR telefoniert hat: Man wusste, dass jemand mithört, also hat man manche Sätze nicht gesagt. Ich dachte: Kenn ich. Nicht vom Telefon. Von meinem Feed. Oma sagte: ‚Das ist doch was ganz anderes.‘ Sie hat wohl recht. Aber ich poste trotzdem nicht alles.“

Vorsicht: Ein Vergleich kann Leid verharmlosen. Prüf, ob deiner das tut.

Beispieltexte, für diesen Beitrag geschrieben.

Jetzt wird es handwerklich.

Politische Texte haben Techniken wie jede andere Textsorte.

Die erste ist die unbequemste: der Täter im Spiegel.

Du schreibst nicht über die Bösen da draußen, sondern über deinen eigenen Anteil.

Das Publikum denkt dann nicht: Die sind schlimm.

Es denkt: Ich bin auch nicht besser.

Die zweite ist das Trojanische Pferd.

Der Philosoph Jean-Paul Sartre brachte 1943 im besetzten Paris sein Stück „Die Fliegen“ auf die Bühne.

Es spielt im antiken Griechenland, die Zensur ließ es durch, und viele verstanden es als Stück über Freiheit und Widerstand.

Die dritte ist der unmögliche Vergleich.

Sie ist die riskanteste, denn ein Vergleich kann auch verharmlosen.

Sylvia Plath hat in ihrem Gedicht „Daddy“ das Verhältnis zu ihrem Vater mit Bildern aus der NS-Zeit beschrieben.

Das Gedicht ist berühmt und bis heute umstritten, gerade wegen dieses Vergleichs.

Sylvia Plath · „Daddy“ · mishima1970

Hier liest die Dichterin selbst.

Achte auf Rhythmus und Wiederholung – und frag dich, wo für dich die Grenze eines Vergleichs liegt.

Liebesbrief und Stille: Technik vier und fünf

Redetechniken 4 und 5

Technik 4

Der Liebesbrief

Bauplan: an einen konkreten Menschen schreiben, zärtlich und schonungslos zugleich.

„An meine Mutter. Du hattest drei Jobs, als ich klein war. Du hast nie geklagt, du hast gesagt: So ist das Leben. Heute glaube ich das nicht mehr. Ich bin wütend, aber nicht auf dich. Und ich liebe dich mit jeder Wutader.“

Technik 5

Die Stille

Bauplan: den wichtigsten Satz sagen, dann eine Pause, länger als bequem, und nichts erklären.

Nach der Zeile „Ich hab eine Stunde im Auto gesessen“: nichts. Stehen, atmen, warten.

Die vierte Technik ist der Liebesbrief.

Statt anzuklagen, schreibst du an einen Menschen, den du liebst.

James Baldwin eröffnete sein Buch „The Fire Next Time“ von 1963 mit einem Brief an seinen Neffen.

Zärtlich und schonungslos zugleich.

Gerade die Liebe macht die Anklage glaubwürdig.

Die fünfte Technik ist die Stille.

Der Dramatiker Harold Pinter sprach 1962 von zwei Arten des Schweigens.

Von dem, in dem kein Wort fällt.

Und von dem, in dem ein Schwall von Worten etwas verdeckt.

Auf der Slam-Bühne heißt das: Lass nach deinem wichtigsten Satz eine Pause, länger, als es sich gut anfühlt.

Die meisten halten das nicht aus und reden weiter.

Lass die Stille stehen.

Das Publikum füllt sie mit eigenen Gedanken.

George Orwell · „1984: Why it still matters“ · BBC News

In „1984“ hat Orwell gezeigt, wie eine verarmte Sprache das Denken verengen kann.

Achte darauf, welche Beispiele aus dem Roman heute noch genannt werden.

Dein Fairness-Check

Wann politische Texte zur Waffe gegen Menschen werden

Geschäftsordnung § 1 · Prüfschema

Klärt auf

· macht das Publikum klüger

· gibt Werkzeuge zum Denken

· stellt Fragen, die offen bleiben dürfen

· macht den Autor verwundbar

· richtet die Kritik auch gegen sich

Manipuliert

· macht das Publikum dümmer

· nimmt Werkzeuge zum Denken

· liefert Antworten ohne Gegenfrage

· macht den Autor unangreifbar

· richtet die Kritik nur gegen andere

Jetzt wird es unangenehm.

Denn jede Technik aus diesem Beitrag lässt sich auch missbrauchen.

Joseph Goebbels, Propagandaminister des NS-Regimes, setzte Sprache gezielt ein, um Hass zu schüren und Verbrechen vorzubereiten.

Feindbilder, Wiederholung, Gefühl statt Argument.

Genau deshalb brauchst du ein Prüfschema.

Die Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie hat in ihrem bekannten Vortrag über die Gefahr der einen Geschichte sinngemäß gesagt: Gefährlich wird es, wenn eine Geschichte als die einzige erzählt wird.

Wenn dein Text sagt „Die sind böse, wir sind gut“, bist du auf dem falschen Weg.

Nicht weil es nie Täter gibt.

Sondern weil es zu einfach ist.

Und das Einfache ist in der Politik fast immer verdächtig.

Also merke: Greif Handlungen an, nicht Menschen wegen ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder ihrer Partei.

The People Profiles · „Joseph Goebbels – The Master of Propaganda Documentary“ · YouTube

Eine Dokumentation als Warnung.

Achte darauf, mit welchen Mitteln Propaganda arbeitet, damit du sie erkennst, auch in harmloser Verpackung.

Drei Dokumente, die Geschichte geschrieben haben

Anlagen zum Bericht

Drei Dokumente, die Geschichte geschrieben haben

Anlage 1

Martin Luther King · Brief aus dem Gefängnis in Birmingham, 1963

Antwort auf acht Geistliche, die Proteste „unklug“ und „verfrüht“ nannten. Begonnen auf den Rändern einer Zeitung.

Lektion: Schreib an konkrete Menschen, nicht an „die Gesellschaft“.

Anlage 2

Václav Havel · Briefe an Olga, 1979 bis 1983

Als Dissident in Haft, ein Brief pro Woche an seine Frau, unter Zensur. Später als Buch erschienen.

Lektion: Schreib unter den Bedingungen, die du hast.

Anlage 3

Bertolt Brecht · An die Nachgeborenen, erschienen 1939

Im Exil geschrieben, gerichtet an spätere Generationen.

Lektion: Schreib im Bewusstsein, dass jemand es später liest.

Drei Texte, drei Lektionen.

Martin Luther King schrieb 1963 in der Haft in Birmingham einen langen Brief an Geistliche, die seine Proteste öffentlich kritisiert hatten.

Darin erzählt er von seiner sechsjährigen Tochter, der er erklären musste, warum sie nicht in einen Vergnügungspark durfte, der schwarzen Kindern verschlossen war.

Kein Satz über „die Gesellschaft“ trifft so wie dieser eine über ein Kind.

Václav Havel durfte seiner Frau aus der Haft nur einmal pro Woche schreiben, und jeder Brief ging durch die Zensur.

Er schrieb trotzdem, und aus diesen Briefen wurde ein Buch.

Bertolt Brecht richtete sich im Exil mit einem Gedicht an alle, die nach ihm kommen würden.

Bham Now · „MLK Jr.’s Letter From Birmingham Jail: A Historic Reading“ · YouTube

Eine Lesung des Briefes.

Achte darauf, an welchen Stellen er ganz persönlich wird.

Václav Havel · „A Life Story in 8 Minutes“ · knihovnavaclavahavla

Achte darauf, welche Rolle das Schreiben in Havels Leben spielt.

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Und Noah?

Drei Wochen später, Freitagabend, Ratssaal im alten Bahnhof.

Der Saal ist voll, auch zwei Ratsmitglieder sitzen in der dritten Reihe.

Noah hat seinen alten Text weggeworfen und einen neuen geschrieben.

Kein Megafon mehr.

Ein Moment.

Elsbeth sitzt am Rand und schreibt mit.

Stenografischer Bericht

Ratssaal im alten Bahnhof · Slam, Freitag, 20:40 Uhr

Noah: „Hier hat mir mein Opa das Schwimmen beigebracht.“

Noah: „Er hat mich unter dem Bauch gehalten und gesagt: Ich lass nicht los.“

Noah: „Dann hat er losgelassen. Und ich bin nicht untergegangen.“

(Stille.)

Noah: „Im Herbst stimmt der Rat ab, ob das Becken bleibt. Ich weiß nicht, wie ihr stimmt.“

Noah: „Ich weiß nur, dass hier jemand losgelassen hat, damit ich schwimmen kann.“

(Stille. Dann langer Beifall aus allen Reihen.)

Randvermerk: Adressat klar. – E.

Nach dem Slam fragt eine der beiden Ratsfrauen, ob sie den Text haben darf.

Welcher Partei sie angehört, fragt Noah nicht.

Es spielt keine Rolle.

Ob das Bad bleibt, entscheidet der Rat im Herbst.

Noahs Text entscheidet nichts.

Aber an diesem Abend haben alle im Saal an dasselbe Wasser gedacht.

Also merke: Politische Texte zünden nicht durch Lautstärke.

Sie zünden, wenn sich ein Mensch im Saal selbst wiedererkennt.

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Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch, das du lesen solltest
— Stephan Pinkwart —

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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