Offene Liste Poetry Slam: So kommst du ohne Kontakte auf die Bühne

Offene Liste beim Poetry Slam: der Waschbär trägt seinen Namen auf dem Klemmbrett ein
Die Liste

Offene Liste Poetry Slam: So kommst du ohne Kontakte auf die Bühne

Tropf. Tropf. Tropf.
Sein Name war Tarek, dreiundzwanzig, schwarzes Notizbuch, drei Texte darin. Alle handgeschrieben. Alle gut genug, um jemandem den Atem zu stehlen.
Er saß zwei Jahre an seinem Schreibtisch. Zwei verdammte Jahre. Und er hatte noch nie ein Mikro in der Hand gehalten.
Nicht weil er keine Texte hatte. Sondern weil er dachte, er müsste jemanden kennen.
Tarek lag falsch. Vollkommen, grandios, pathetisch falsch. Und zwischen ihm und einer Bühne stand nur eine Information.
keins
Casting
keine
Kontakte
6
Listenbögen
4 deutsche
Videos

Er dachte, Poetry Slam sei eine VIP-Lounge mit Türsteher.

Also eine Szene mit innerem Kreis, eine Art Geheimgesellschaft, die sich über Notizbücher beugt und entscheidet, wer dazugehört.

Es gibt diesen Kreis nicht.

Denn stattdessen gibt es ein Verfahren, das jeder benutzen darf.

Es gibt eine offene Liste.

Ich habe mich einmal auf eine offene Liste geschrieben und danach zwanzig Minuten lang überlegt, ob ich wieder gehe.

Ich bin geblieben. Nicht aus Mut — sondern wegen einer Kleinigkeit, die auf dem Zettel stand und die ich vorher nicht bemerkt hatte.

Was da stand, löse ich am Ende auf. Es steht auf fast jeder offenen Liste in Deutschland.

Ohne offene Liste bleibt der Text im Schreibtisch: der Waschbär zögert am Notizbuch
Zwei Jahre Schreibtisch. Und die Information fehlte, nicht der Mut.

Ein Hund bellt, eine Katze wartet auf das erste Grauen, und du kommst in die Gasse hinter einer Kneipe.

Kein Casting.

Kein Lebenslauf, kein Portfolio, keine Follower-Zahl, die beeindruckt, kein Name, der bekannt sein muss.

Zuerst gehst du hin.

Dann trägst du deinen Namen ein.

Danach wartest du.

Und dann gehst du auf die Bühne.

Eingetragen
Kein Casting · Kein Lebenslauf · Keine Follower · Nur du und ein Mikro

Das war der gesamte Prozess.

Ich habe dir gerade in fünf Sätzen erklärt, was manche Menschen jahrelang nicht wissen — und deshalb nie auf einer Bühne stehen.

Vielleicht waren es auch ein, zwei Sätze mehr.

Zum Mitmachen gibt es fünf ungeschriebene Regeln, sechs Listenbögen und vier deutsche Videos.

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01

Was eine offene Liste beim Poetry Slam genau ist — und ein Detail beruhigt sofort

Jetzt technisch, damit du nicht wie ein Tourist aussiehst.

Die Definition

Eine offene Liste heißt auch Open Mic, offene Runde oder Open Stage.

Es ist ein Format, bei dem sich jeder anmelden kann, der einen Text vortragen möchte.

Dabei gilt: kein Wettbewerb, keine Jury, keine Punkte.

Nur: Menschen, Mikro, Text, Publikum.

Der Ablauf

Zunächst liegt vor der Veranstaltung eine Liste aus, oft dreißig bis sechzig Minuten vorher.

Manchmal ein Klemmbrett, manchmal ein Zettel, manchmal digital.

Anschließend schreibst du deinen Namen rein, manchmal auch, wie lange du brauchst.

Dann wartest du, bis dein Name aufgerufen wird.

Und dann gehst du rauf.

Die offene Liste beim Poetry Slam in Papierform: Klemmbrett und Stift auf dem Tresen
Ein Klemmbrett und ein Stift. Das ist die ganze Zugangsprüfung.

Die Zeit

Üblicherweise liegt die Spanne bei fünf bis sieben Minuten.

Manche Reihen erlauben bis zu zehn, manche sind strenger.

Deshalb fragst du beim Eintragen einfach nach, das ist völlig normal.

Kapitel fünf erklärt, warum diese Zeit die wichtigste ungeschriebene Regel ist.

Denn bei einer offenen Liste teilen sich alle dieselbe Gesamtzeit.

Der Inhalt

Inhaltlich ist alles komplett dir überlassen.

Gedicht, Kurzprosa, Spoken Word, politischer Rant, Liebesgedicht, Selbstgespräch, Monolog.

Alles erlaubt.

Alles außer: fremde Texte als eigene ausgeben.

Das ist die einzige ungeschriebene Regel, die wirklich heilig ist.

Deshalb ist eine offene Liste inhaltlich offener als fast jedes andere Format.

Listenprobe
Was brauchst du, um bei einer offenen Liste aufzutreten?
Auflösung anzeigen
Nur deinen Namen. Es gibt kein Casting, keine Bewerbung und keinen inneren Kreis, der entscheidet. Du gehst hin, trägst dich ein und wartest, bis du aufgerufen wirst.
02

Der Griff: dein Name auf der offenen Liste ist der Text

Jetzt der eine Tipp.

Nur einer.

Aber er ist so umfassend, dass ich ihn auseinandernehme wie ein Uhrmacher ein Uhrwerk.

Der Griff
Der Moment, in dem du deinen Namen auf die Liste schreibst, ist wichtiger als der Text, den du liest.

Denn mit dem Eintrag entsteht ein Punkt, hinter den du nicht mehr zurückkommst. Du musst.

Und dieses Müssen ist das Wertvollste, was du dir selbst geben kannst. Weil es dich aus dem Kopf in den Körper zwingt. Und weil es dich aufhören lässt, einen perfekten Text zu schreiben, und anfangen lässt, einen echten zu zeigen.

Das klingt nach motivierendem Spruch aus dem Wellness-Urlaub.

Es ist das Gegenteil, und Kapitel drei und vier zeigen dir, warum.

Vor der offenen Liste beim Poetry Slam: ein Mikrofon auf einer kleinen Kneipenbühne
Drei Meter bis zum Mikro. Der Weg dorthin beginnt am Klemmbrett.

Warum ausgerechnet der Eintrag

Weil sich nämlich alles davor beliebig lange aufschieben lässt.

Solange du nur vorhast, aufzutreten, kostet dich das nichts.

Sobald dein Name steht, kostet dich das Nichterscheinen etwas.

Genau diesen Unterschied hat die Forschung gemessen, und darum geht es in Kapitel vier.

Was du dafür nicht brauchst

Also keinen fertigen Text, kein Auswendiglernen, keine Bühnenerfahrung.

Du darfst mit einem Rohling kommen, mit drei Gedanken, die irgendwie zusammenhängen.

Du darfst mitten in der Entwicklung stehen und unsicher sein.

Kurz gesagt: Der Eintrag ist die Leistung.

Der Text ist die Zugabe.

Damit ist die offene Liste vor allem eine Entscheidung und keine Prüfung.

Listenbogen 01
Dein Eintrag
Such eine konkrete Veranstaltung und ein konkretes Datum. Nicht irgendwann.
Warum nur ein Griff und nicht zwölf
Weil du beim ersten Mal ohnehin nichts anwenden wirst.

Du stehst da, dein Puls ist bei hundertvierzig, und alles, was du dir vorgenommen hast, ist weg. Das ist normal und geht allen so.

Was bleibt, ist die Tatsache, dass du oben warst. Und genau die ist der eigentliche Zweck des ersten Auftritts.
03

Wo du offene Listen für Poetry Slam findest

Nichts ist schlimmer als jemand, der sagt: Geh doch einfach hin.

Und dann nicht sagt, wohin.

Vier Wege, in dieser Reihenfolge

Weg 1 – Die Suchmaschine
Such nach Open Mic mit deinem Stadtnamen, nach Poetry Slam offene Liste mit deinem Stadtnamen, oder nach Spoken Word Abend mit deinem Stadtnamen. Drei Suchen, zwei Minuten.
Weg 2 – Soziale Medien
Such auf Instagram nach Begriffen wie poetryslam, openmic und spokenword, jeweils zusammen mit deinem Stadtnamen. Viele Veranstalter pflegen ihre Kanäle deutlich intensiver als ihre Website.
Weg 3 – Der Veranstaltungskalender
Fast jede Stadt hat einen Kulturkalender, oft von der Stadt selbst oder der Lokalzeitung. Offene Listen tauchen dort regelmäßig auf, weil Veranstalter sie kostenlos eintragen können.
Weg 4 – Einmal hingehen, ohne aufzutreten
Das klingt simpel und ist der wichtigste Weg. Du siehst, wie es läuft, wer dort ist und wie das Publikum reagiert. Und du kannst am Ende einfach fragen, wann die nächste offene Liste ist.

Denn Weg vier beantwortet alle Fragen, die die ersten drei offen lassen.

Was du bei Weg vier merkst

Es ist keine VIP-Lounge.

Stattdessen ist es eine Gemeinschaft von Menschen, die alle dasselbe machen.

Sie stehen mit ihren Ängsten auf einer Bühne und nennen es Kunst.

Und die meisten von ihnen erinnern sich noch genau an ihr erstes Mal.

Außerdem fragt dort niemand, wie lange du schon schreibst.

Warum hier keine Liste mit Veranstaltungsorten steht
Ich hatte eine. Ich habe sie wieder gestrichen.

Denn Spielorte und Termine ändern sich ständig: Reihen ziehen um, pausieren, hören auf, neue kommen dazu. Eine Liste in einem Blogbeitrag ist nach einem Jahr zur Hälfte falsch — und schickt Leute vor verschlossene Türen.

Die vier Wege oben sind langsamer und bleiben richtig. Frag außerdem beim Kulturbüro deiner Stadt: Wo eines ist, gibt es meistens auch eine offene Liste.
Listenbogen 02
Deine drei Suchen
Mach die drei Suchen aus Weg eins jetzt, nicht später. Und schreib rein, was du gefunden hast.
04

Warum ein Auftritt mehr bringt als jeder Zuspruch

Der Griff aus Kapitel zwei klingt nach Küchenpsychologie.

Er ist aber ziemlich genau das, was die Forschung zur Selbstwirksamkeit sagt.

Albert Bandura, Psychologe an der Universität Stanford, veröffentlichte 1977 in der Psychological Review den Aufsatz Self-Efficacy: Toward a Unifying Theory of Behavioral Change.

Darin beschreibt er die Überzeugung, eine Sache bewältigen zu können — und woher diese Überzeugung stammt.

Die vier Quellen

Bandura nennt vier Quellen der Selbstwirksamkeit, und die Reihenfolge entspricht ihrer Wirkstärke.

Denn die Reihenfolge dieser Quellen ist selbst schon das Ergebnis.

Zunächst stehen eigene Erfolgserlebnisse, also die Erfahrung, etwas tatsächlich geschafft zu haben.

Danach folgt das Beobachten ähnlicher Personen, anschließend der Zuspruch von Menschen, denen man vertraut.

Und zuletzt der eigene Körperzustand und wie man ihn deutet.

Eigene Erfolgserlebnisse sind die stärkste Quelle. Zuspruch von anderen ist die schwächste.
Kern von Banduras Aufstellung 1977 · sinngemäß zusammengefasst
Erster Auftritt über die offene Liste beim Poetry Slam: der Waschbär am Mikrofon
Ein einziges Mal oben. Das schlägt jedes Zureden.

Was das für Tarek bedeutet

Zwei Jahre Schreibtisch haben ihm nämlich keine Selbstwirksamkeit verschafft.

Denn Schreiben ist ein Erfolgserlebnis im Schreiben, nicht im Auftreten.

Und alle Freunde, die ihm gesagt haben, er sei gut genug, benutzten die schwächste der vier Quellen.

Fünf Minuten auf einer offenen Liste benutzen die stärkste.

Deshalb wirkt ein einziger Abend stärker als zwei Jahre Zuspruch.

Warum das die Reihenfolge umdreht

Tatsächlich warten die meisten, bis sie sich sicher fühlen, und gehen erst dann auf die Bühne.

Nach Bandura läuft es umgekehrt: Du gehst auf die Bühne und fühlst dich danach sicherer.

Deshalb ist der erste Auftritt kein Test, den du bestehen musst.

Kurz gesagt: Sicherheit ist das Ergebnis von Auftritten, nicht ihre Voraussetzung.

Der ehrliche Haken, und er ist grundsätzlich

An Banduras Theorie gibt es fachliche Kritik, und zwar an ihrem Kern.

Clive Eastman und John Marzillier legten 1984 in Cognitive Therapy and Research dar, dass die Theorie begrifflich problematisch sei.

Konkret sei die Erwartung an die eigene Wirksamkeit nicht eindeutig von der Erwartung an das Ergebnis zu trennen, und es sei unklar, was in den Studien eigentlich gemessen werde.

Dazu kommt, dass die frühe Forschung überwiegend im Labor stattfand.

Die Richtung ist gut gestützt, die theoretische Sauberkeit nicht.

05

Warum das Aufschreiben etwas verändert

Jetzt zum zweiten Teil des Griffs, dem Punkt ohne Umkehr.

Auch dazu gibt es eine Untersuchung, und sie ist siebzig Jahre alt.

Morton Deutsch und Harold Gerard veröffentlichten 1955 im Journal of Abnormal and Social Psychology die Arbeit A study of normative and informational social influences upon individual judgment.

Sie baute auf dem berühmten Linienvergleich von Asch auf und veränderte ihn an einer entscheidenden Stelle.

Was sie verändert haben

Die Beteiligten sollten Linien vergleichen, während eingeweihte Mitspieler falsche Antworten gaben.

Zusätzlich variierten die Forscher, ob die Person ihr eigenes Urteil vorher festgehalten hatte.

Konkret gab es eine Bedingung ohne Festlegung, eine mit privater Festlegung und eine mit öffentlicher Festlegung.

Genau dieser Unterschied war der Gegenstand des Versuchs.

Das Ergebnis

Wer sein Urteil vorher aufgeschrieben hatte, blieb nämlich deutlich häufiger dabei.

Ohne Festlegung dagegen war der Einfluss der Gruppe am stärksten.

Das Aufschreiben allein veränderte also das Verhalten, ohne dass sich an der Aufgabe etwas geändert hatte.

Der Unterschied zwischen Standhalten und Nachgeben war am größten genau dort, wo vorher nichts festgelegt worden war.
Sinngemäß nach Deutsch und Gerard 1955
Die offene Liste beim Poetry Slam als Festlegung: Klemmbrett und Stift auf dem Tresen
Ein Name auf Papier wirkt anders als ein Vorsatz im Kopf.

Was das mit deinem Namen zu tun hat

Ein Vorsatz im Kopf lässt sich dagegen lautlos zurücknehmen.

Ein Name auf einem Klemmbrett nicht, denn andere Leute lesen ihn.

Deshalb ist der Eintrag nicht nur eine Anmeldung, sondern eine Festlegung.

Und Festlegungen halten besser als Absichten.

Deshalb ist das Klemmbrett wirksamer, als es aussieht.

Der ehrliche Haken, und er ist deutlich

In diesem Versuch ging es um Urteile über Linienlängen, nicht um Auftritte.

Die Festlegung betraf also eine Einschätzung und keine Handlung.

Die Übertragung auf das Eintragen in eine Liste ist damit eine Analogie und kein Beweis.

Außerdem stammt die Arbeit aus den fünfziger Jahren und arbeitete mit studentischen Versuchspersonen.

Als Erklärung ist sie brauchbar, als Beweis nicht.

Video 1
Fünf Tipps gegen Lampenfieber
Für die Zeit zwischen Eintrag und Aufruf. Genau dort ist die Anspannung am höchsten.
06

Fünf ungeschriebene Regeln der offenen Liste — die dritte kennt kein Anfänger

Jetzt die Dinge, die niemand aufschreibt und die alle wissen.

Außer dir, wenn du das erste Mal hingehst.

Denn eine offene Liste hat Regeln, die nirgendwo ausgehängt sind.

Drei Regeln für den Abend selbst

1Respektiere die Zeit
Wenn die Liste fünf Minuten sagt, bist du nach fünf Minuten fertig.
Warum das gilt
Fünf Minuten Bühnenzeit sind erfahrungsgemäß etwa sechshundert bis siebenhundert Wörter, also ungefähr eine Seite. Wer überzieht, nimmt Zeit von allen anderen und wirkt selbstverliebt.
Die Falle
Ungefähr üben. Nimm einen Timer, nicht dein Gefühl. Auf der Bühne wird man langsamer, nicht schneller.
2Bleib den ganzen Abend
Du gehst nicht nach deinem Auftritt. Du bleibst und hörst zu.
Warum das gilt
Das ist keine moralische Verpflichtung, sondern eine Lektion. Du lernst in drei Stunden als Zuschauer mehr über dieses Format als in zehn Stunden mit Videos.
Die Falle
Nach dem eigenen Text gehen. Es fällt auf, es kränkt die anderen, und du verpasst genau den Teil, der dich weiterbringt.

Zwei Regeln für die Zeit danach

Außerdem gibt es zwei Regeln, die erst nach deinem Auftritt greifen.

Denn dort wird am häufigsten unbeabsichtigt danebengetreten.

3Kein Eigenlob danach
Jemand sagt: War gut. Du sagst: Danke. Und dann nichts mehr.
Warum das gilt
Niemand will hören, dass du den zweiten Absatz besonders stark findest und die Metapher im dritten Teil eigentlich noch mehr könnte. Annehmen, schweigen, weitermachen.
Die Falle
Das eigene Werk kommentieren. Das wirkt unsicher und nimmt dem Kompliment die Luft, die es dir gerade geben wollte.
4Das Publikum ist Partner, nicht Gegner
Das Publikum einer offenen Liste ist wohlwollend. Es hofft, dass du gut bist.
Warum das gilt
Es sitzt dort, weil es Texte liebt, nicht um jemanden zu vernichten. Und es jubelt innerlich, bevor du einen Satz gesagt hast, weil jeder dort weiß, was du gerade tust.
Die Falle
Sich gegen den Saal stellen. Wer defensiv anfängt, erzeugt genau die Distanz, die er befürchtet hat.

Und eine Regel, die dich entlastet

Bleibt die wichtigste für den Anfang.

Denn sie nimmt die Bedingung weg, an der die meisten scheitern.

5Dein Text muss nicht fertig sein
Die offene Liste ist kein Wettbewerb. Du wirst nicht bewertet.
Warum das gilt
Du darfst mit einem Rohling kommen, mit drei Gedanken, die zusammenhängen, mit einer Fassung, an der du noch arbeitest. Unsicherheit ist manchmal dein stärkster Verbündeter, weil sie echt ist.
Die Falle
Warten, bis es perfekt ist. Nach Kapitel vier drehst du damit die Reihenfolge falsch herum.
Die einzige Regel, die wirklich heilig ist
Fremde Texte als eigene ausgeben.

Das ist der eine Punkt, bei dem eine Szene nicht wohlwollend reagiert. Und zwar zu Recht, denn es trifft genau das, wovon alle dort leben.

Fremde Texte vortragen ist dagegen möglich, solange du sagst, von wem sie sind. Manche Reihen haben dafür sogar eigene Formate.
Listenbogen 03
Deine Zeitprobe
Nimm deinen Text, stell einen Timer und sprich ihn laut. Nicht im Kopf, laut.
06b

Was eine offene Liste nicht ist — und dieser Irrtum hält viele jahrelang zurück

Damit keine falschen Erwartungen entstehen, hier die andere Seite.

Denn eine offene Liste beim Poetry Slam kann einiges nicht leisten.

Sie ist kein Wettbewerb

Dort gibt es weder Jury noch Punkte noch Platzierung.

Das ist entlastend und heißt auch: Du bekommst keine Rückmeldung in Zahlen.

Wer wissen will, wie gut ein Text im Vergleich ankommt, braucht einen echten Slam.

Kapitel zehn erklärt, warum das Publikum trotzdem eine Rückmeldung gibt.

Sie ist keine Bewerbung

Ein Auftritt auf einer offenen Liste ist kein Vorsingen für größere Bühnen.

Zwar spricht dich manchmal hinterher jemand an, meistens aber nicht.

Denn die meisten Leute dort sind selbst Auftretende und keine Veranstalter.

Kurz gesagt: Erwarte einen Abend, keine Karriere.

Sie ist keine Therapie

Das ist der Punkt, der am seltensten gesagt wird.

Persönliche Texte funktionieren auf offenen Listen besonders gut, und das ist auch der Grund, warum man vorsichtig sein sollte.

Ein Saal kann berührt sein und trotzdem nicht der Ort für alles.

Wenn ein Thema noch offen und schwer ist, spricht nichts dagegen, es zuerst mit jemandem zu besprechen, der dafür da ist, und erst später auf eine Bühne zu bringen.

ErwartungTrifft zu?Warum
Ich darf ohne Vorauswahl auftretenJaGenau das ist der Kern des Formats.
Ich bekomme eine BewertungNeinKeine Jury, keine Punkte, kein Vergleich.
Ich werde entdecktSeltenIm Saal sitzen meist andere Auftretende.
Ich lerne etwas über meinen TextJaAber über die Wirkung, nicht über die Qualität.
Ich muss fünf Minuten füllenNeinDie Zeit ist eine Obergrenze, keine Pflicht.

Die dritte Zeile enttäuscht am häufigsten und ist die wichtigste.

Denn wer zum Entdecktwerden hingeht, geht mit der falschen Erwartung hin.

Wer hingeht, um oben zu stehen, bekommt genau das, jedes Mal.

Und nach Kapitel vier ist das ohnehin der wertvollere Teil.

Listenprobe
Was ist die realistische Erwartung an deinen ersten Auftritt?
Auflösung anzeigen
Dass du oben warst. Es gibt keine Bewertung und selten Entdeckung — dafür ein Erfolgserlebnis, das nach Bandura die stärkste Quelle für Selbstvertrauen ist. Genau das nimmst du mit.
Dein Link-Kompass
Wonach brennt’s heute?

Hier liegen 343 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen.

🎤Bühne & Performance37

Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.

Achtung: Gift für deinen Auftritt!Bewegung auf der Bühne: Stehen, gehen oder erstarren?Bühnenpräsenz Übungen: Dein Weg zur unwiderstehlichen Ausstrahlung
Charisma ist keine Gabe. Es ist Kontrolle über deine Wirkung.Dein erster Slam: Die 8 Dinge, die NIEMAND dir sagtDein Flow beim Poetry Slam- So kannst unendlich sprechenEine felsenfeste Präsenz während deines Poetry-SlamsHände hoch – und keiner hört zu: Die Gestik-Falle auf der BühneImprovisieren, wenn’s schiefgeht: Souverän aus dem ChaosJim Carrey und die Sprache der Gesichter – ein Slam ohne WorteKörperspannung: Der unsichtbare Muskel, der deinen Poetry Slam rettetMimik einsetzen: Dein Gesicht erzählt mitOlaf Schubert ist eine Kunstfigur & warum du auch einen Olaf Schubert brauchstOnline-Slams: Poetry Slam im PixelkäfigPerformance Poetry – Hör mit dem Herz, nicht mit den AugenPoetry Slam für Anfänger: Der Moment, in dem dich die Bühne verschlingtPoetry Slam in Zeitlupe – Wie Gelassenheit deine Bühne rettetPoetry Slam Persona entwickeln: Warum du nicht länger warten darfst, bis weißer Rauch steigt – erschaffe deine Bühnenfigur, die stärker ist als deine Zweifel.Publikum aktivieren, ohne Fremdscham auszulösenPublikumsansprache im Poetry Slam: Der Moment, in dem dein Text plötzlich lebtRequisiten im Slam: Erlaubt, verboten, überflüssig?Selbstsicher auftreten: Wie du die Bühne betrittst und der Raum dir gehörtSlam Poetry lernen: Von der stillen Maus zum Bühnen-MonsterVom Gedanken zur Bühne: Meisterhafter Fokus beim Poetry SlamWie du stehst, bevor du sprichst: Haltung als erste Botschaft20 Fallen, die dir dein Bühnen-Genick brechen11 Bewegungen, die dich nervös aussehen lassen13 Dinge, die Profis auf der Bühne anders machen12 Sätze, die du auf der Bühne nie sagen solltest15 Gründe, warum dein Publikum nichts für dich tut30 Fehler, die dich auf der Bühne als Anfänger entlarven17 Wege, ein langweiliger Slammer zu sein, den keiner bucht5 Minuten Text, 50 Entscheidungen: Ein Auftritt in Zeitlupe21 kleine Gesten, die dein Publikum sofort auf deine Seite ziehenDie 27 Gesetze der BühnenwirkungDie 10 Gebote für Slam-Anfänger, die keiner aufschreibtDie einzige Strategie, die auf der Bühne immer funktioniert
✍️Schreiben & Textaufbau48

Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.

Alte Texte retten: Von der Schublade zurück auf die BühneAuthentisch schreiben – So wirst du zum Poetry SlamerDas Gepäck, das du nicht brauchst: 7 Sorten Ballast, die jeder Text mitschleppt
Dein Repertoire: Welche Texte du immer dabeihaben solltestDein Text ist zu klug – und genau deshalb langweiligDer Perspektivtext: Schreib aus der Sicht von jemand anderemDer rote Faden mit Twist: Wenn dein Ende alles umdrehtDialog im Slam-Text: Zwei Stimmen, ein AuftrittDie 7 Todsünden des Slam-TextsDie ersten 10 Sekunden: Pack sie, bevor sie blinzelnDie geilste Struktur im Poetry Slam, die jeden Zuschauer weiche Knie machen wird.Die Koala-Methode: Warum dein Poetry Slam authentisch stinken mussDie letzte Zeile: Der Satz, der über alles entscheidetDu vs. Ich: Welche Perspektive trifft härter? – Die Macht der Erzählstimme im Poetry SlamEin Bahnsteig, drei Texte [wie ein Stoff drei Formate trägt]Freestyle Poesie: Techniken und Bühnentipps 2025Freestyle Poetry Slam: Wenn dein Kopf schneller brennt als dein Blatt PapierGeschichten schreiben: Wie du aus einem Gedanken einen Text machst, der niemanden kaltlässtHandschrift oder Laptop: Womit du wirklich besser schreibstKill your Darlings: Streich dich zum KillertextLaut lesen: Der einzige Test, der die Wahrheit sagtLyrik schreiben ist kein Gefühl. Es ist ein Schlag ins Gesicht.Poetry Slam Texte Beispiele: 7 Bühnenstücke, die dein Publikum sofort packenRecherche für Slam-Texte: Wenn Fakten deine Zeilen schärfenRoter Faden oder Chaos? Warum dein bester Poetry Slam beides brauchtSchreiben lernen mit Poetry SlamSchreibretreat: Ein Wochenende nur du und der TextSchreibroutinen: Disziplin schlägt Inspiration – auch auf der BühneStrophenaufbau im Poetry Slam: So bekommt dein Text Rhythmus statt ChaosTestpublikum: Wem du deinen Text zuerst vorlesen solltestTextarchiv anlegen: Ordnung im kreativen ChaosTitel finden, die neugierig machen statt zu erklärenÜberarbeiten: Warum die zweite Fassung über alles entscheidetWarum dein Text nicht zündet – und keiner es dir sagtWie aus einer Verspätung mein bester Text wurde [Werkstattbericht in 4 Fassungen]Wie du wunderschöne Poetry Texte schreibst, um andere zu begeistern43 Schreibtricks für Slam-Texte – ernsthaft18 Übergänge, die deinen Text zusammenhalten10 Gebote für erste Sätze, die keiner überhört7 Textformate, die auf jeder Bühne funktionieren12 Wege, einen Text in 20 Minuten fertig zu kriegen11 Hacks von Helmut Schmidt zum Stehgreif Poetry Meister60 Wörter, die deinen Slam-Text vergiften – mit Gegengift14 Fragen, die deinen Text besser machen als jedes Feedback111 Zeilenanfänge für Tage, an denen dir nichts einfällt [+ Vorlage]Die 15 Gebote des Erzählens auf der BühneDie einzigen 5 Regeln, die ein Slam-Text wirklich brauchtDie 1435 Millimeter: Die Spurweite, auf der jeder gute Text fährt
🧠Mindset & mentale Stärke40

Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.

Alleine denken lernen – oder du denkst gar nichtComeback: Zurück auf die Bühne nach langer PauseDas ist es, was ich will.
Dein inneres Publikum: Die Stimme im Kopf, die dich klein machtDer Tag danach: Warum das Hoch nach dem Auftritt so tief fälltDie magische Kraft des mentalen Trainings im Poetry Slam!Ein Manifest fürs LebenEs ist alles in dir – Warum du aufhören musst zu suchenFehler machen ist Pflicht – warum dein Poetry Slam sonst nur ein Staubkorn bleibtGeduld mit dir selbst: Warum dein zehnter Text besser istKomfortzone verlassen – Warum dein Poetry Slam erst brennt, wenn du dich verbrennstKommentare, Kritik und Hate: Was du liest und was nichtLeben genießen? Dann schreib, als gäb’s kein PublikumMeine 5 dümmsten Slam-FehlerMut statt Talent: Warum sich trauen mehr zählt als BegabungNach der Bühne bist du du: Rollen ablegen statt verschmelzenPause vom Slam: Wenn du eine Weile nicht mehr willstPerfektionismus loslassen: Gut genug schlägt nie fertigPersönlichkeitsentwicklung auf 180Resilienz trainieren: Werde unkaputtbarSchlechte Wertung einstecken: 4,5 sind kein Urteil über dichSelbstbewusstsein für Mutige: Dieser Beitrag ist nichts für WeicheierSelbstbild zerlegt: Wie du auf der Slam-Bühne endlich echt wirstSelbstwert im Poetry Slam: Warum deine Haltung lauter ist als jeder ApplausSelbstzweifel? Das ist kein Hindernis – das ist der Rohstoff deines Texts.Späteinsteiger: Mit vierzig zum ersten Mal ans MikroUmgang mit Applaus-Sucht: Wenn Bestätigung zur Droge wirdVergangenheit loslassen – dein Poetry Slam verdient GegenwartVergleich mit anderen Slammern: Das schnellste GiftVerletzlichkeit zeigen: Warum echte Schwäche deine Stärke istWarum die meisten Slammer nie über den dritten Platz hinauskommenWarum ich mich als Poetry Slamer nicht schämeWarum Poetry Slam dein bequemes Leben sprengt – und genau das brauchstWarum Poetry Slam deine Persönlichkeit zerstörtWas du von „Man lernt nie aus“ lernen kannst fürs Poetry SlamZiele setzen fürs Slam-Jahr: Zwölf Monate, ein PlanDas Gesetz der 100 AuftritteDie 3 Phasen vom Zittern zur SouveränitätDas Manifest des BühnenmenschenBist du bereit, den Preis zu zahlen? Ein Text für Bühnenträumer
🏆Wettbewerb, Regeln & Szene33

Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.

Der eine Fehler, der dich jede Wertung kostetDer Weg zum Landesfinale: Wettbewerbe strategisch nutzenDie bittere Wahrheit über Poetry Slam, die dir keiner verrät
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🚀Sichtbarkeit, Business & Karriere26

Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.

Auf Tour gehen: Wie du über deine Stadt hinauswächstDein Text ist tot – bis Social Media ihn wiederbelebt.Deine Bühnen-Community: Wie du dein Publikum treu machst

Nichts dabei? Dann schreib den Text, der hier fehlt.

07

Was du mit deinen Händen machst

Niemand erklärt dir, was du mit deinen Händen tust, während du oben stehst.

Also erkläre ich es.

Drei Möglichkeiten, die funktionieren

Möglichkeit 1 – Das Papier halten
Wenn du abliest, halte das Blatt. Kein Entschuldigen dafür, kein nervöses Zerknüllen. Halte es ruhig, als wäre es ein Buch, das du magst.
Möglichkeit 2 – Frei lassen
Wenn du auswendig sprichst, lass die Hände frei. Sie werden sich irgendwohin bewegen, und das ist richtig. Dein Körper weiß, was er tut, sobald du aufhörst, ihn zu kontrollieren.
Möglichkeit 3 – Eine Hand am Mikro
Das Mikro gibt dir etwas zu halten, es ist ein Anker. Manche nehmen es vom Ständer, manche lassen es stehen. Beides funktioniert.

Denn alle drei haben eines gemeinsam: Sie geben den Händen eine Aufgabe.

Was nie funktioniert

Nämlich Hände in den Hosentaschen.

Das sagt dem Publikum: Ich will eigentlich nicht hier sein.

Selbst wenn das gerade stimmt, zeig es nicht.

Kurz gesagt: Gib deinen Händen etwas zu tun, dann fragst du nicht mehr nach ihnen.

Denn auf einer offenen Liste schaut ohnehin niemand auf deine Hände.

Bei der offenen Liste beim Poetry Slam das Blatt halten: der Waschbär am Mikrofon
Blatt ruhig halten. Das ist die einfachste der drei Möglichkeiten.
08

Was du machst, wenn du den Faden verlierst — es gibt genau einen guten Satz dafür

Es wird passieren.

Und zwar irgendwann, auf deiner dritten oder deiner dreißigsten offenen Liste.

Du weißt nicht mehr, was als Nächstes kommt.

Dann hast du drei Möglichkeiten.

Drei Auswege

Ausweg 1 – Pause
Einfach schweigen, zwei bis drei Sekunden. Für dich fühlt es sich wie eine Ewigkeit an, für den Saal sind es zwei Sekunden. Pausen signalisieren: Ich nehme mir Zeit, weil das Nächste wichtig ist. Niemand merkt, dass du gerade dein inneres Archiv durchsuchst.
Ausweg 2 – Wiederholen
Sprich den letzten Satz noch einmal, langsamer und mit mehr Betonung. Als wäre die Wiederholung Absicht. Oft ist der Faden wieder da, bevor du fertig wiederholt hast.
Ausweg 3 – Ehrlichkeit
Ich hab den nächsten Satz vergessen. Der Saal lacht wohlwollend, weil es dich menschlich macht und die Spannung löst. Und dann machst du weiter.

Außerdem ist Ausweg drei der einzige, den niemand nachträglich bemerkt.

Warum das kein Scheitern ist

Denn ein vergessener Satz ist eine Panne und kein Urteil.

Und in einem Format ohne Jury hat eine Panne keine Konsequenz außer der, die du ihr selbst gibst.

Nach Bandura aus Kapitel vier zählt am Ende, dass du oben warst.

Kurz gesagt: Das Vergessen ist nicht das Ende.

Manchmal ist es der Anfang.

Damit verliert der schlimmste vorstellbare Moment seinen Schrecken.

Listenbogen 04
Dein Notfallplan
Leg dir einen der drei Auswege vorher fest. Im Moment selbst wählst du nicht mehr aus.
09

Der Drei-Satz-Text für deine erste offene Liste

Du hast noch keinen Text, du gehst morgen hin, du hast zwei Stunden.

Hier ist das Gerüst.

Satz eins: eine konkrete Situation

Also kein Gefühl und kein Konzept, sondern ein Bild.

Letzten Dienstag habe ich meiner Mutter eine Sprachnachricht geschickt, die zwei Minuten lang war. Und ich habe drei Stunden gewartet, bevor ich auf ihr Herz getippt habe.
Beispiel für Satz eins · ein Text über Mutter

Satz zwei: die Wendung

Was das wirklich bedeutet.

Nicht weil ich ihre Antwort nicht wollte. Sondern weil ich Angst hatte, dass sie die falsche gibt.
Beispiel für Satz zwei

Satz drei: die offene Wunde

Keine Auflösung.

Und ich weiß bis heute nicht, ob ich Angst hatte, enttäuscht zu werden. Oder ob ich wusste, dass ich enttäuschend bin.
Beispiel für Satz drei

Insgesamt sind das drei Sätze, etwa neunzig Sekunden auf der Bühne.

Und das Publikum wird sich daran erinnern.

Weil es echt ist, weil es spezifisch ist und weil es nicht erklärt, sondern zeigt.

Das ist der Unterschied zwischen einem Text, den man hört, und einem Text, den man fühlt.

BauteilWas drin stehtWas nicht
Satz einsEine konkrete Szene mit Datum, Ort oder Gegenstand.Gefühle, Konzepte, Allgemeines.
Satz zweiDie Drehung: was es wirklich war.Erklärungen und Rechtfertigungen.
Satz dreiDie Frage, die offen bleibt.Auflösung, Moral, Trost.
GesamtlängeNeunzig Sekunden reichen völlig.Fünf Minuten müssen nicht gefüllt werden.

Die letzte Zeile spart dir am meisten Nerven.

Denn die Liste nennt eine Obergrenze und keine Pflicht.

Neunzig gute Sekunden sind besser als fünf gestreckte Minuten.

Und beim ersten Mal ist kurz ohnehin leichter.

Deshalb rate ich für die erste offene Liste ausdrücklich zu neunzig Sekunden.

Listenbogen 05
Deine drei Sätze
Schreib sie jetzt. Nicht schön, nur konkret.
10

Warum das Publikum immer recht hat und trotzdem falsch liegt

Hier eine Nuance, die wichtig ist.

Worin es immer recht hat

Nämlich in dem, was es fühlt.

Wenn es langweilig wird, wird es langweilig.

Das ist keine Diskussion.

Denn Wirkung ist keine Meinung, sondern ein Vorgang.

Deshalb lohnt es sich nie, gegen die Reaktion zu argumentieren.

Worin es sich täuschen kann

Dagegen darin, was es glaubt zu brauchen.

Es klatscht manchmal für einfache Reime und Selbsthilfeparolen, weil die leicht zu konsumieren sind.

Das heißt nicht, dass du einfache Reime schreiben sollst.

Es heißt, dass Applaus und Qualität zwei verschiedene Größen sind.

Publikum bei der offenen Liste beim Poetry Slam: wenige Stühle, aufmerksame Silhouetten
Wohlwollend und nicht unbedingt anspruchsvoll. Beides gleichzeitig.

Was du dabei lernst

Auf der offenen Liste lernst du, beides zu lesen.

Erstens, was ankommt und warum.

Zweitens, was nicht ankommt und ob das an dir liegt oder an diesem Abend.

Kurz gesagt: Diese Unterscheidung ist Erfahrung.

Und Erfahrung gibt es nur durch Auftritte.

11

Die Wahrheit über offene Listen, die niemand sagt

Manche Abende sind schlecht.

Nicht dein Auftritt.

Der Abend.

Wie das aussieht

Du kommst hin, das Publikum ist dünn, die Stimmung ist flau.

Drei Leute lesen furchtbar, und du stehst oben und fragst dich, ob das wirklich der Ort ist, für den du zwei Wochen umgeschrieben hast.

Es gibt Abende, da kommt die Energie nicht rüber.

Da klingst du hölzern, und die Zeit läuft anders als geplant.

Warum das dazugehört

Dabei ist das normal, und es ist der Job.

Denn niemand hat Einfluss darauf, wer an einem Dienstag im November kommt.

Was du beeinflussen kannst, ist ausschließlich das Erscheinen.

Kurz gesagt: Nicht das gute Ergebnis ist das Ziel, sondern das Wiederkommen.

Der Satz, der dabei am meisten hilft
Ein Abend ist eine Stichprobe von eins.

Aus einem schlechten Abend kannst du über deinen Text genauso wenig schließen wie aus einem guten. Beide sagen vor allem etwas über diesen einen Raum an diesem einen Tag.

Erst nach fünf oder sechs Auftritten siehst du ein Muster. Und bis dahin gilt: hingehen, eintragen, oben stehen.
Video 2
Slambar: Tipps für Anfänger
Zum Abschluss etwas von jemandem, der es beruflich macht. Vieles davon deckt sich mit den Regeln aus Kapitel sechs.
Listenbogen 06
Dein erster Abend
Zum Schluss die zwei Fragen, die den Unterschied machen.
Abnahme

Deine Listenprobe

Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.

Damit ist die erste offene Liste vorbereitet statt gefürchtet.

Erledigt
Nachtrag

Was nach dem ersten Auftritt passiert

Du kommst von der Bühne.

Deine Hände zittern noch leicht, dein Herz kommt runter, jemand sagt: War gut.

Und du denkst: War es das?

Nach dem ersten Auftritt über die offene Liste: der Waschbär verlässt erleichtert die Bühne
Ja. Das war es. Und das ist mehr, als es klingt.

Warum das genug ist

Nicht weil du die beste Performance des Abends hattest.

Nicht weil alle begeistert waren, und nicht weil du irgendwas gewonnen hättest.

Sondern weil du es getan hast.

Du hast deinen Text vor echten Menschen gelesen, und dieser Moment ist nicht mehr umkehrbar.

Was danach kommt

Das Merkwürdige ist: Nach dem ersten Mal willst du zurück.

Zwar nicht sofort, manchmal dauert es ein paar Tage.

Aber dann sitzt du zu Hause und denkst: Ich habe noch diesen anderen Text.

Den über den Sommer 2021. Den über den Streit mit meinem Bruder.

Den über die Stille am Morgen danach.

Und du willst, dass jemand ihn hört.

Nicht irgendjemand. Das Publikum da drin. Die Menschen auf den Holzstühlen, die wissen, was du tust.
Der eigentliche Grund, warum man wiederkommt

Und Tarek?

Übrigens gibt es Tarek so nicht, aber es gibt hunderte von ihm.

Menschen mit drei fertigen Texten und einer falschen Annahme über eine Tür.

Die Tür ist ein Klemmbrett auf einem Tresen.

Und sie war die ganze Zeit offen.

Weitergehen

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Die offene Liste bringt dich auf die Bühne.

Was du dort sagst, bringt dich wieder hin.

Denn eine offene Liste öffnet die Tür und hält sie nicht auf.

Nach der offenen Liste beim Poetry Slam: ein Mikrofon auf der kleinen Bühne
Das Mikro steht schon da. Den Text bringst du mit.

Warum jetzt erst das Handwerk anfängt

Der Drei-Satz-Text aus Kapitel neun ist ein Gerüst für das erste Mal.

Er ist bewusst so einfach, dass du ihn in zwei Stunden bauen kannst.

Alles danach ist Handwerk: Bildsprache, Aufbau, Timing, Schlussformen.

Kurz gesagt: Die Liste öffnet die Tür.

Durchgehen musst du mit einem Text.

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Keine süßen Sprüche. Nur ehrliche Texte, die im Saal ankommen.

Hingehen. Eintragen. Oben stehen. Der Rest kommt danach.
Eingetragen
Zwischen dir und einer Bühne steht kein Türsteher. Da steht ein Klemmbrett.

Übrigens erinnere ich mich an meinen ersten Eintrag genauer als an meinen ersten Text.

An den Text erinnere ich mich kaum.

An den Moment mit dem Stift in der Hand ziemlich genau.

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Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch, das du lesen solltest
— Stephan Pinkwart —

Bleibt die Kleinigkeit auf dem Zettel.

Ich hatte meinen Namen an Position sieben eingetragen. Und über der Liste stand ein einziger handgeschriebener Satz des Veranstalters:

„Reihenfolge wird ausgelost.“

Das hat mir den Rest des Abends gerettet. Denn solange ich glaubte, ich sei der Siebte, habe ich die sechs Auftritte vor mir gezählt und mich mit jedem einzelnen verglichen.

Als klar war, dass die Reihenfolge gelost wird, konnte ich das nicht mehr. Ich wusste ja nicht, wann ich drankomme.

Also habe ich zugehört statt gerechnet.

Fast jede offene Liste macht das so, aus genau diesem Grund. Sie nimmt dir die Entscheidung ab, wann du dran bist — und damit auch das Vergleichen.

Deshalb steht der Griff ganz vorne in diesem Beitrag: Dein Name auf der offenen Liste ist der Text. Alles andere — Reihenfolge, Publikum, Wertung — entscheidest ohnehin nicht du.

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Kneipen-Slam
Wo die meisten offenen Listen tatsächlich stattfinden.
Zwölf Zuschauer
Warum kleine Abende die härteren und die lehrreichsten sind.
Applaus deuten
Was die Reaktion nach deinem ersten Auftritt wirklich sagt.
Über BahnSlam
Stephan Pinkwart verbindet die Welt der Poetry Slams mit der Welt der Bahn. In seinen Auftritten trifft die Kraft der Worte auf seine Liebe zu Zügen: tiefgründig, emotional und mit einem Gespür dafür, dass Gleise immer auch für Freiheit und Verbindung stehen. Seine Texte erreichen Slam-Publikum und Eisenbahnleute gleichermaßen.

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Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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