Bist du bereit, den Preis zu zahlen? [Ein Text für Bühnenträumer]

Eine Steuererklärung · Preis des Erfolgs

Bist du bereit, den Preis zu zahlen? [Ein Text für Bühnenträumer]

Waschbär sortiert auf einer Bahnhofsbank alte Fahrkarten und Münzen – der Preis des Erfolgs auf der Bühne
Alte Fahrkarten auf der Bank · bahn-slam.de

Ein Sonntag im Januar, Küchentisch, draußen Nieselregen.

Ida sortiert Belege, und zwischen den Quittungen liegt plötzlich der Preis des Erfolgs auf der Bühne: ein Stapel Bahntickets, so dick wie ein Taschenbuch.

Fünf Jahre Poetry Slam, ungefähr ein Dutzend Abende im Jahr.

Sie nimmt einen Block und zieht zwei Spalten.

Euro.

Stunden.

Jonte, ihr Mitbewohner, schaut ihr über die Schulter.

„Rechnest du aus, was dich das kostet?“

„Genau.“

„Und wo ist die dritte Spalte?“

„Welche dritte Spalte?“

Er zuckt nur mit den Schultern und setzt Teewasser auf.

Ida und Jonte gibt es so nicht. Aber die dritte Spalte hat fast jeder, der regelmäßig auf Bühnen steht. Und keine Sorge: Das hier ist kein echtes Steuerformular und keine Steuerberatung.

Kennst du das?

Du träumst von der Bühne.

Und niemand sagt dir, was das eigentlich kostet.

Nicht, weil es ein Geheimnis wäre.

Sondern weil es unhöflich klingt.

Wer neu ist, will hören, dass alles möglich ist.

Wer lange dabei ist, will nicht als Miesmacher dastehen.

Also sagt man sich gegenseitig freundliche Dinge.

Das ist nett.

Und es hilft niemandem.

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Bei der Bahn gibt es eine Gebühr, die kaum ein Fahrgast kennt.

Das Trassenentgelt.

Jedes Eisenbahnunternehmen zahlt es dafür, dass sein Zug ein Gleis benutzen darf, Kilometer für Kilometer.

Der Fahrgast sieht davon nichts, er sieht nur den Preis auf seinem Ticket.

Auf Bühnen ist es genauso.

Es gibt einen Preis, den alle sehen.

Und einen, den nur du bezahlst.

Heute machen wir beide Rechnungen auf, als Erklärung mit Anlagen.

Nicht, um dich abzuschrecken.

Und nicht, um dich anzufeuern.

Sondern damit du die Rechnung siehst, bevor sie kommt.

Mantelbogen: Wer hier eigentlich zahlt

Mantelbogen · kein amtliches Formular

Erklärung zum Bühnenpreis · Anlage Gefühle

1
Erklärende Person
duKz. 0101
2
Tätigkeit
Bühnenträumerin, BühnenträumerKz. 0102
3
Zeitraum
ein ganzes Jahr, nicht ein DienstagKz. 0103
Beigefügte Anlagen: ✕E · Euro✕Z · Zeit✕N · Namen✕G · Gegenbuchung

Diese Erklärung ist für zwei Menschen gedacht.

Für dich, wenn du gerade anfängst und wissen willst, worauf du dich einlässt.

Und für dich, wenn du seit Jahren dabei bist und dich manchmal fragst, ob das alles noch stimmt.

Vorher aber noch ein Denkfehler, der die ganze Rechnung verzerrt.

Du siehst immer nur die Sichtbaren.

Auf Bühnen und im Netz erscheinen die Leute, bei denen es gerade läuft.

Wer aufgehört hat, tritt nicht mehr auf, also siehst du ihn nicht.

Das Ergebnis: Erfolg wirkt wie der Normalfall.

Und deine eigene Mühe wirkt wie ein Zeichen, dass dir das Talent fehlt.

Quatsch!

Mühe ist der Normalzustand.

Als Ida anfing, hat sie eine erfahrene Slammerin gefragt, wie lange sie für einen Text braucht.

Die Antwort: sechs bis acht Wochen.

Ida hatte mit drei Tagen gerechnet.

Dieser eine Satz hat ihr mehr geholfen als jeder Workshop, weil er ihren Maßstab korrigiert hat.

Also merke: Ein falscher Maßstab kostet dich mehr als jede Fahrkarte.

Wer glaubt, alle anderen hätten es leichter, hört irgendwann auf.

Nicht, weil der Preis zu hoch wäre.

Sondern weil er ihn für persönliches Versagen hält.

Anlage E: der Preis in Euro

EAnlage E · Euro
Was auf dem Beleg steht
4
Anfahrt zu den Abenden
dreistellig pro JahrKz. E-10
5
Übernachtung oder fremde Couch
Zimmer oder Freundschafts­kapitalKz. E-11
6
Essen, Getränke, Kleinkram
läppert sichKz. E-12
7
Ausstattung: Fotos, Website, Workshop
freiwilligKz. E-13
8
Einnahmen: Eintritt, Getränk, ab und zu ein Preis
meist wenigKz. E-20
9
Ergebnis in den ersten Jahren
MinusKz. E-99

Geld lässt sich zählen.

Die Anfahrt ist fast immer der größte Posten.

Ein Dutzend Abende im Jahr, und schon kommt ein dreistelliger Betrag zusammen.

Ein Slam endet um halb elf, der letzte Zug fährt um zehn.

Diese eine Stunde kostet dich entweder ein Zimmer oder eine Couch.

Die Couch ist billiger und kostet dafür Freundschaftskapital.

Dazu das Drumherum: Essen unterwegs, Getränke, vielleicht ein Workshop, vielleicht ein paar Fotos.

Klingt nach nichts.

Läppert sich aber.

Und was kommt zurück?

Bei offenen Bühnen oft nur freier Eintritt und ein Getränk.

Preise gibt es manchmal, reich wird davon niemand.

Unterm Strich zahlst du in den ersten Jahren drauf.

Das ist der Normalfall.

Kosten

ca. 1.100 €

zurück

ca. 300 €

Saldo

ca. −800 €

Idas Rechnung aus ihrem vollsten Jahr. Erfundene Figur, grobe Größenordnung.

Idas Minus entsprach ungefähr einem günstigen Urlaub.

Und das hat geholfen, denn aus einer diffusen Sorge wurde eine Zahl.

Eine Zahl kann man ansehen.

Eine Sorge nicht.

„Klingt, als sollte man es lieber lassen.“

Nein.

Es klingt wie jedes andere Handwerk am Anfang.

Wer ein Instrument lernt, zahlt auch jahrelang Unterricht.

Der Unterschied: Beim Slam sitzt von Anfang an ein Publikum da.

Das täuscht eine Karriere vor, wo in Wahrheit noch eine Ausbildung läuft.

Anlage Z: der Preis in Zeit

ZAnlage Z · Zeit
Was keine Quittung hat
12
Auftrittsabende
je ca. 17 bis 24 UhrKz. Z-10
13
Tage danach
halb verbrauchtKz. Z-11
14
Schreibzeit
der größte PostenKz. Z-12
15
Zeit im Kopf
nicht messbarKz. Z-13

Jetzt wird es unbequem.

Zeit ist die einzige Währung ohne Nachschub.

Ein Auftritt kostet dich nicht fünf Minuten.

Er kostet dich einen ganzen Abend, meist von fünf Uhr nachmittags bis nach Mitternacht.

Zwölf Abende im Jahr klingen nach wenig.

Bis ein Geburtstag darunter ist.

Dann der Tag danach.

Den kennt niemand von außen.

Nach einem Auftritt bist du am nächsten Tag oft nur halb zu gebrauchen, nach guten Abenden genauso wie nach schlechten.

Der größte Posten aber ist der unsichtbarste: das Schreiben.

Es passiert, wenn alle anderen fernsehen.

Bei Ida kamen in einem Jahr gut zweihundert Stunden zusammen.

Das sind fünf volle Arbeitswochen.

Und dann gibt es noch die Zeit im Kopf.

Ein unfertiger Text fährt überall mit, beim Einkaufen, beim Zähneputzen, mitten im Gespräch.

Jonte sagt, er merkt sofort, wenn Ida an einem Text sitzt.

Dann schaut sie durch Leute hindurch.

Mary Spender · „The True Cost of Touring“ · Mary Spender

Hier rechnet eine Musikerin ihre Tourkosten vor.

Achte beim Zuschauen darauf, welche ihrer Posten es in klein auch bei dir gibt.

Anlage N: der Preis in Menschen

NAnlage N · Namen
Der Posten, über den niemand spricht
20
Absagen im Freundeskreis
wachsen leiseKz. N-10
21
Sätze, die zuerst auf der Bühne fallen
der schwerste PostenKz. N-11
22
Zweiter Freundeskreis
Gegenbuchung, kein ErsatzKz. N-20

Hier wird es persönlich.

Du wirst ein Mensch, der oft absagt.

Nicht dramatisch, nicht böse.

Aber wenn deine Leute dreimal fragen und du dreimal einen Auftritt hast, fragen sie beim vierten Mal nicht mehr.

Und es fällt niemandem auf, am wenigsten dir selbst.

Du sagst Dinge zuerst auf der Bühne.

Ida hat einmal einen Text über ihre Mutter vorgetragen.

Darin stand ein Satz, den sie ihrer Mutter nie gesagt hatte.

Eine Nachbarin saß im Publikum.

So hat die Mutter es erfahren.

Kein schlimmer Satz, aber der falsche Weg.

Die beiden haben es geklärt, und Ida würde es heute anders machen.

Also merke: Was die wichtigsten Menschen in deinem Leben betrifft, sollten sie zuerst von dir erfahren, nicht aus der dritten Reihe.

Du bekommst einen zweiten Freundeskreis.

Das ist die Gegenbuchung, und sie ist groß.

Nach ein paar Jahren kennst du in vielen Städten Leute, die ohne Erklärung verstehen, warum du dienstags irgendwohin fährst.

Aber hier kommt der Haken:

Der zweite Kreis ersetzt den ersten nicht.

Slam-Freundschaften sind warm und oft an Abende gebunden.

Wer pausiert, verliert sie erstaunlich schnell.

Deshalb pfleg den ersten Kreis, auch wenn dort niemand versteht, warum du dienstags wegfährst.

Die vier Tarifzonen: Was es dich wann kostet

Tarifzonen · was wann teuer ist

Zone 1

Die ersten Auftritte

Geld   ●○○
Zeit   ●○○
Nerven ●●●

Billig in Euro, teuer in Nächten.

Zone 2

Die Jahre des Fahrens

Geld   ●●●
Zeit   ●●●
Nerven ●●○

Hier kippt das Gleichgewicht.

Zone 3

Erste Gagen

Geld   ●○○
Zeit   ●●●
Nerven ●●○

Neuer Posten: Erwartung.

Zone 4

Das Danach

Geld   ●○○
Zeit   ●●○
Nerven ●●●

Seltener gefragt. Wofür fährst du?

Der Preis ist nicht jedes Jahr gleich.

In Zone 1 ist das Geld billig und die Nerven teuer.

Du bleibst in deiner Stadt, aber die Nächte vor dem Auftritt schläfst du kaum.

In Zone 2 wird alles teuer.

Du fährst weiter weg, weil du zu Hause alles kennst, und der Zeitaufwand steigt steil.

Hier verlieren die meisten ihr Gleichgewicht.

In Zone 3 dreht sich die Geldseite, weil erste Auftritte bezahlt werden.

Dafür kommt ein neuer Posten dazu, mit dem niemand rechnet: die Erwartung.

Wer bezahlt wird, darf nicht mehr einfach ausprobieren.

Und Ausprobieren war der eigentliche Grund.

In Zone 4 wirst du seltener gefragt.

Das passiert allen und hat nichts mit deiner Qualität zu tun, Szenen erneuern sich eben.

Wer nur wegen der Nachfrage gefahren ist, hört hier auf.

Wer wegen der Sache gefahren ist, macht weiter.

„Kann man Zone 2 überspringen?“

Nein, aber abmildern.

Mit einer Obergrenze, die du dir vorher setzt.

Ida hatte keine und hat in einem Jahr vierzig Abende gemacht und zwei Texte geschrieben.

Mit zwölf Abenden wären es vermutlich mehr und bessere Texte geworden.

Bei der Bahn gibt es für diesen Blick ein eigenes Wort: Lebenszykluskosten.

Gemeint ist, was ein Fahrzeug über seine ganze Dienstzeit kostet.

Der Kaufpreis ist dabei oft der kleinere Teil, Wartung, Energie und Personal über Jahrzehnte kommen dazu.

Beim ersten Auftritt siehst du nur den Kaufpreis: eine Fahrkarte und einen freien Abend.

Kein Grund, es zu lassen.

Aber ein Grund, die Rechnung von Anfang an größer aufzumachen.

Der Preis des Erfolgs auf der Bühne: die Gegenbuchung

GAnlage G · Gegenbuchung
Was du dafür bekommst
30
Vor Menschen sprechen
wirkt in jedem BerufKz. G-10
31
Genauer hinsehen
kostet nichts extraKz. G-11
32
Sprache für eigene Sachen
Formulieren ist DenkenKz. G-12
33
Menschen, die dich kennen
nicht NetzwerkKz. G-13
34
Abende, die bleiben
unbezahlbarKz. G-14
35
Ein Grund, irgendwohin zu fahren
neue StädteKz. G-15
36
Ab und zu ein Satz zurück
wiegt alles aufKz. G-16

Eine Rechnung hat zwei Seiten.

Hier ist die andere.

Du lernst, vor Menschen zu sprechen.

Das ist die banalste und wertvollste Gegenbuchung, sie wirkt in jedem Beruf und jedem Gespräch.

Du bekommst die Erlaubnis, genauer hinzusehen.

Ein Wartesaal wird zum Materiallager.

Du bekommst Sprache für deine eigenen Sachen.

Nicht, weil Schreiben Therapie wäre, sondern weil Formulieren eine Form von Denken ist.

Du bekommst Menschen, die dich kennen.

Nicht dein Netzwerk.

Menschen.

Der Unterschied zeigt sich, wenn es dir schlecht geht.

Und ab und zu bekommst du einen Satz zurück.

Zwei-, dreimal im Jahr sagt dir jemand etwas, das alles aufwiegt.

Und sie kommen fast nie nach den großen Abenden.

Sie kommen nach den kleinen.

Bei zweihundert Leuten spricht dich hinterher kaum jemand an.

Bei zwanzig schon.

Das ist eine der wenigen Stellen, an denen die Rechnung sofort aufgeht: Der billigste Abend liefert oft den höchsten Ertrag.

Eine, die diese Gegenbuchung radikal ernst genommen hat, ist die Musikerin Amanda Palmer.

Jahrelang stand sie als lebende Statue auf einer Kiste am Harvard Square, als Braut zurechtgemacht.

Wer ihr Geld gab, bekam eine Blume und einen langen Blick.

2012 wollte sie ihr Album „Theatre Is Evil“ über Kickstarter finanzieren, mit einem Ziel von hunderttausend Dollar.

Zusammen kamen fast 1,2 Millionen, von rund fünfundzwanzigtausend Menschen.

In ihrem TED-Vortrag von 2013 sagt sie sinngemäß: Die Frage ist nicht, wie man Leute zum Zahlen bringt, sondern wie man sie zahlen lässt.

Amanda Palmer · „The art of asking“ · Zoë Eisenhoet

Achte beim Zuschauen auf die Stelle mit der Kiste.

Denn nicht die Million ist das Interessante an dieser Geschichte.

Es ist die Kiste.

Jahrelang stand da eine Frau still auf einem Holzkasten, ungefähr das Gegenteil von Karriere.

Und genau dort hat sie gelernt, Menschen anzusehen und etwas zu geben, bevor sie zahlen.

„Bei ihr hat es funktioniert, bei den meisten nicht.“

Richtig, und das gehört dazugesagt.

Übertragbar ist nicht der Erfolg.

Übertragbar ist die Haltung auf der Kiste.

Drei Erklärungen, drei versteckte Posten

Drei Erklärungen · alle Namen erfunden

Ole

Pfleger, slammt seit zwei Jahren

Erst: ein paar hundert Euro, sechs Wochenenden

Nach der Pause: schläft leichter, immer ein Text im Kopf

Hannah

Studentin

Erst: „kostet nichts, ich hab kein Geld“

Nach der Pause: zwei verschobene Prüfungen

Frauke

Veranstalterin seit elf Jahren

Erst: ein Abend im Monat, etwas Geld

Nach der Pause: die Verantwortung für ihre Stadt

Ida hat drei Leute gefragt, was sie das kostet.

Alle drei haben mit einer Zahl angefangen und mit etwas anderem aufgehört.

Der eigentliche Posten kam nach einer Pause.

Und er hatte in keinem Fall mit Geld zu tun.

Bei Ole war es der Schlaf.

Bei Hannah waren es zwei Prüfungen, die sie verschoben hat, ohne es als Preis zu bemerken.

Ein Preis, den man nicht bemerkt, wird nie verhandelt.

Bei Frauke war es die Verantwortung.

Sie kann nicht einfach aufhören, weil dann in ihrer Stadt etwas verschwindet.

„Alle drei klingen zufrieden, wo sind die Unglücklichen?“

Berechtigter Einwand.

Wer aufgehört hat, taucht in solchen Gesprächen nie auf.

Deshalb kommen gleich die Warnschilder.

Also frag dich nicht zuerst nach dem Geld.

Frag dich, was nach der Pause kommt.

Kontrollfrage

Welcher Posten fehlt in fast jeder Rechnung?

Auflösung anzeigen

C. Fahrtkosten stehen auf jedem Beleg, Schreibzeit lässt sich wenigstens schätzen. Die Abende, an denen du bei anderen gefehlt hast, tauchen in keiner Tabelle auf, bis du ihnen eine eigene Spalte gibst.

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Ausfüllhinweise: weniger zahlen, ohne aufzuhören

Ermäßigungen · sechs Wege, weniger zu zahlen

Nr. 1

Weniger weit, dafür öfter

Vier Abende in der Region bringen mehr als zwei quer durchs Land.

Nr. 2

Feste Wochentage

Dein Umfeld plant drumherum, Absagen werden seltener.

Nr. 3

Nach Fahrtkosten fragen

Viele zahlen sie, wenn man fragt. Fast niemand fragt.

Nr. 4

Texte länger behalten

Ein guter Text darf zwanzigmal laufen.

Nr. 5

Den Tag danach frei halten

Sonst kostet ein Abend zwei Tage.

Nr. 6

Jemanden mitnehmen

Aus einem verlorenen Abend wird ein gemeinsamer.

Diese sechs Ermäßigungen senken den Preis deutlich.

Die wirksamste ist die zweite.

Wenn dein Umfeld weiß, dass du dienstags weg bist, plant es drumherum.

Die dritte traut sich kaum jemand.

Die Frage nach Fahrtkosten ist nicht unverschämt, in jedem anderen Bereich ist sie völlig normal.

Die vierte ist keine Faulheit, sondern Handwerk.

Musikerinnen und Musiker spielen ihre Lieder jahrzehntelang.

Und die sechste ist der billigste Rabatt von allen.

Er kostet nur ein bisschen Stolz.

Ida wollte lange nicht, dass jemand aus ihrem Leben ihr Scheitern sieht.

Das klang vernünftig und war der eigentliche Fehler.

Denn so wurde die Bühne zu einem getrennten Leben.

Und getrennte Leben werden teuer.

Waschbär an der Bahnsteigkante schaut nachts dem letzten Zug nach – was der Preis des Erfolgs auf der Bühne kostet
Der letzte Zug fährt ab · bahn-slam.de

Wann ist der Preis zu hoch?

Ein ehrlicher Text nennt auch die Abbruchkriterien.

Prüfhinweise · wann der Preis zu hoch ist

!

Vier Abende hintereinander ohne Vorfreude

Dann brauchst du eine Pause, keine Motivation.

!

Du schreibst nur noch für die Wertung

Der Text arbeitet für die Jury statt für dich, und er wird schlechter.

!

Jemand sagt dir, dass er dich vermisst

Das ist eine Rechnung, und die musst du bezahlen.

!

Du machst weiter, weil du sonst niemand wärst

Das ernsteste Zeichen. Wer die Bühne braucht, um jemand zu sein, zahlt jeden Preis.

Ein Abend ohne Vorfreude ist normal.

Vier hintereinander sind ein Signal.

Und wenn zwei dieser Schilder gleichzeitig leuchten?

Dann sag den nächsten Abend ab und nimm dir drei Monate.

Nicht als Entscheidung gegen die Bühne, sondern als Prüfung.

Spürst du danach Sehnsucht, hast du deine Antwort.

Spürst du Erleichterung, auch.

Und wenn hinter der fehlenden Vorfreude mehr steckt, eine Leere, die einfach nicht weggeht: Sprich mit jemandem darüber.

Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, kostenlos unter 0800 111 0 111.

Häufige Fehler beim Ausfüllen und Idas dritte Spalte

?Häufige Fehler beim Ausfüllen
Wer so rechnet, betrügt sich selbst
F1
Nur die Auftritte zählen
das Drumherum kostet ein Vielfaches
F2
Mit Leuten vergleichen, die davon leben
Regionalzug gegen Fernzug
F3
Jeden Abend einzeln bewerten
rechne in Jahren
F4
Nur zählen, was messbar ist
der Nutzen steht nie scharf in der Tabelle
F5
Gegen ein Leben ohne Bühne rechnen
die Zeit bliebe nicht leer
F6
„Ich habe schon so viel investiert“
gestern kommt nicht zurück

Der subtilste ist der fünfte.

Du vergleichst dein Leben mit einem Leben ohne Bühne, in dem all diese Zeit frei wäre.

Aber diese Zeit bliebe nicht leer.

Die ehrliche Frage lautet also nicht, was dich das kostet.

Sie lautet, wofür du diese Abende sonst ausgeben würdest.

Und dann gibt es den Fehler der Fortgeschrittenen: „Ich habe schon so viel investiert.“

Das Geld von gestern kommt nicht zurück, egal wie lange du weitermachst.

Die einzige gültige Frage ist die nach morgen.

Willst du nächsten Dienstag auf eine Bühne?

Wenn ja, ist alles gut.

Wenn nein, war trotzdem nichts davon umsonst.

Zurück an Idas Küchentisch.

Jonte stellt den Tee hin und tippt auf den Block.

Ida zieht eine dritte Spalte.

Diesmal schreibt sie keine Zahlen hinein, sondern Namen.

Euro
Stunden
Namen
ca. −800
gut 200
Geburtstag der Schwester
Taufe im Mai
Grillabend bei den Nachbarn
Klassentreffen
Umzugshilfe bei Freunden
Spieleabend
Jontes Dreißigster

Sieben Einträge in einem Jahr.

Ganz unten: Jontes Dreißigster.

Sie hatte ihn nicht vergessen.

Sie hatte nur einen Auftritt.

Sieben klingt nach wenig.

Dann rechnet sie die fünf Jahre hoch.

Der eigentliche Preis steht nicht in Euro.

Er steht in Namen.

Ida hört nicht auf.

Sie ändert zwei Dinge.

Erstens: ein fester Wochentag, damit ihre Leute planen können.

Zweitens: eine Obergrenze von zwölf Abenden im Jahr.

Und Jonte kommt seitdem zu jedem dritten Auftritt mit.

Im nächsten Januar steht in der dritten Spalte ein einziger Eintrag.

Damit kann sie leben.

Die Bühne ist noch da.

Sie ist nur kleiner geworden und passt jetzt in ihr Leben.

Das ist die eigentliche Antwort auf die Frage in der Überschrift.

Du musst nicht bereit sein, jeden Preis zu zahlen.

Du musst nur wissen, welchen.

Und du musst ihn selbst festlegen, bevor es der Betrieb tut.

Denn der Betrieb kennt keine Obergrenze.

Es kommt immer noch eine Anfrage, immer noch ein Abend, der sich lohnen könnte.

Genau deshalb steht in jedem Fahrplan eine Zahl.

Ein Zug fährt nicht so oft wie möglich, sondern so oft wie festgelegt.

Vor dem Absenden prüfen

Und jetzt du.

Mach deine eigene dritte Spalte auf.

Schreib die Dinge auf, bei denen du im letzten Jahr nicht warst.

Keine Bewertung, nur eine Liste.

Sie ist wahrscheinlich kürzer, als du befürchtest.

Und wenn sie lang ist, hast du gerade die wichtigste Information des Jahres bekommen.

Rechtzeitig.

Nichts wird gespeichert. Diese Liste gehört nur dir.

Ein Preis klingt nach Verlust.

In Wahrheit ist er ein Beweis.

Denn niemand zahlt für etwas, das ihm egal ist.

Wenn dich diese Rechnung erschreckt hat, heißt das vor allem eins.

Du hast etwas gefunden, das dir wichtig genug ist, um dafür zu zahlen.

Viele Menschen suchen ihr Leben lang danach.


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Wenn du diese Techniken nicht nur lesen,
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Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch, das du lesen solltest
— Stephan Pinkwart —

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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