Es gibt eine Sekunde, in der ein Abend kippt. Meistens ist es die nach der Aufforderung.
Du fragst etwas in den Raum, und dann passiert dieses Nichts.
Niemand antwortet, niemand hebt die Hand, und alle schauen leicht nach unten.
Danach ist der Saal vorsichtiger als vorher, und das war dein Ziel nicht.
Dieser Beitrag zeigt dir, wie du dein Publikum aktivieren kannst, ohne dass jemand Fremdscham empfindet.
Denn beides ist erforscht: warum Fremdscham überhaupt entsteht und warum große Gruppen weniger mitmachen als kleine.
Und beide Befunde erklären ziemlich genau, warum die üblichen Sätze scheitern.
Zum Mitmachen gibt es sieben Formen, sechs Mitmachbögen und vier deutsche Videos.
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Jetzt Kanal folgenWarum die üblichen Wege, ein Publikum zu aktivieren, scheitern
Es sind drei Baufehler, und alle drei stecken schon im Satz.
Erstens: Der Einsatz ist zu hoch
Wer die Hand hebt, macht sich sichtbar, und zwar vor allen anderen gleichzeitig.
Damit ist die erste Person, die mitmacht, automatisch die auffälligste.
Deshalb wartet jeder kurz ab, ob jemand anderes anfängt.
Und weil das alle tun, fängt niemand an.
Zweitens: Die Verantwortung verteilt sich
Bei einer Frage an alle fühlt sich niemand einzeln angesprochen.
Je größer die Gruppe, desto kleiner der Anteil, den jeder für sich sieht.
Kapitel fünf zeigt dir das Experiment dazu, und es hat tatsächlich mit Klatschen zu tun.
Außerdem erklärt es, warum dieselbe Bitte vor zwanzig Leuten funktioniert und vor achthundert nicht.
Drittens: Die Situation ist normwidrig
Ein Saal hat eine unausgesprochene Ordnung: vorn wird gespielt, hinten wird zugesehen.
Wer diese Ordnung aufhebt, erzeugt Unsicherheit, und Unsicherheit erzeugt Fremdscham.
Dabei genügt es, dass die Situation unpassend wirkt.
Ob die beteiligte Person sich unwohl fühlt, spielt fast keine Rolle.
Kapitel vier zeigt, dass das sogar dann gilt, wenn die Person selbst überhaupt nichts merkt.
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Der Griff: Publikum aktivieren ohne Aufforderung
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt genau eine Regel, und sie streicht die Aufforderung ersatzlos.
Also nicht: Hebt mal die Hand. Sondern: eine Zeile, die man automatisch mitspricht, eine Pause, die man automatisch füllt, ein Blick, den man automatisch erwidert.
Denn eine Bitte macht die Beteiligung sichtbar und damit riskant. Eine gebaute Situation macht sie unsichtbar und damit sicher.
Das war es.
Bauen statt bitten.
Warum das Unsichtbare der Kern ist
Jede Beteiligung, die man sehen kann, ist ein Risiko für die beteiligte Person.
Deshalb funktionieren alle Formen gut, bei denen niemand einzeln auffällt.
Ein Lacher ist unsichtbar, weil viele gleichzeitig lachen.
Eine gehobene Hand dagegen ist maximal sichtbar, und genau das ist ihr Problem.
Was das praktisch heißt
Bau deine Beteiligung so, dass sie im Kollektiv verschwindet.
Also lieber alle gleichzeitig als einzeln, lieber leise als laut, lieber im Sitzen als im Stehen.
Und lieber etwas, das ohnehin passiert wäre, als etwas Zusätzliches.
Kurz gesagt: Die beste Beteiligung merkt niemand als Beteiligung.
Damit lässt sich ein Publikum aktivieren, ohne dass es jemand als Aufforderung erlebt.
Wer mitten im Auftritt zwischen zwölf Aktivierungstechniken wählen will, wählt gar nichts und greift zur gewohnten Aufforderung.
Bauen statt bitten dagegen merkst du dir. Und es entscheidet schon beim Schreiben und nicht erst auf der Bühne.
Fünf Stufen der Beteiligung, von kostenlos bis riskant
Beteiligung ist keine Frage von Ja oder Nein, sondern eine Leiter.
Denn jede Stufe kostet die Leute mehr als die davor.
Klick dich einmal durch und schau, wo dein Saal gerade steht.
Die fünf Sprossen
Die dritte Stufe ist die, auf die du zielen solltest.
Denn dort ist die Beteiligung hörbar und trotzdem anonym.
Ab der vierten Stufe wird sie einzeln zurechenbar, und damit kippt die Rechnung.
Deshalb ist Stufe drei nicht der Kompromiss, sondern das eigentliche Ziel.
Denn Beteiligung ist dort hörbar und trotzdem für niemanden gefährlich.
Wann höhere Stufen trotzdem gehen
Wenn die Person es sichtbar selbst will, also von sich aus schon mitgeht.
Außerdem, wenn der Rahmen es ohnehin vorsieht, etwa bei einer Moderation mit angekündigtem Mitmachteil.
Und schließlich, wenn du die Person kennst und sie dich.
Kurz gesagt: Stufe vier und fünf sind Einladungen, keine Aufforderungen.
Damit bleibt die Aktivierung freiwillig, und genau darauf kommt es an.
Warum Fremdscham selbst dann entsteht, wenn niemand leidet
Für die Peinlichkeit gibt es eine deutsche Untersuchung, und sie ist erstaunlich präzise.
Sören Krach und Kollegen von der Philipps-Universität Marburg veröffentlichten 2011 in PLoS ONE die Arbeit Your Flaws Are My Pain.
Auf Deutsch etwa: Deine Fehler sind mein Schmerz.
Die Marburger Pressemitteilung dazu trug den passenden Titel: Du bist ja so peinlich.
Was untersucht wurde
Zwei aufeinander aufbauende Studien zum Erleben von Fremdscham.
Zunächst ließen die Forschenden Menschen viele Situationen bewerten, in denen jemand gegen soziale Normen verstößt.
Dabei wurde systematisch unterschieden, ob das Verhalten absichtlich oder versehentlich geschah und ob die beobachtete Person es selbst bemerkte.
Anschließend maßen sie bei zweiunddreißig Personen die Hirnaktivität im Kernspin.
Der erste Befund, und er ist der wichtigere
Fremdscham entstand unabhängig davon, ob die beobachtete Person absichtlich oder versehentlich handelte.
Und sie entstand auch dann, wenn diese Person überhaupt nicht merkte, dass ihre Lage peinlich war.
„Die Fremdscham stellte sich auch dann ein, wenn der beobachteten Person ihre eigene Lage gar nicht bewusst war.Kernbefund von Krach und Kollegen 2011 · sinngemäß zusammengefasst
Der zweite Befund
Im Kernspin zeigten sich robuste Aktivierungen in der vorderen Inselrinde und im vorderen cingulären Cortex.
Das sind Bereiche, die auch beteiligt sind, wenn man mit jemandem körperlichen Schmerz mitempfindet.
Außerdem hing die Stärke der Aktivierung mit der Empathiefähigkeit der Beteiligten zusammen.
Fremdscham ist damit kein ästhetisches Missfallen, sondern eine Form von Mitgefühl.
Was daraus für deine Bühne folgt
Erstens: Ein Freiwilliger, der sich pudelwohl fühlt, verhindert die Fremdscham im Saal nicht.
Denn entscheidend ist die Situation und nicht das Erleben der beteiligten Person.
Zweitens: Empathische Leute leiden dabei am meisten, und genau die sitzen in Poetry-Slam-Publikum überdurchschnittlich oft.
Drittens: Fremdscham fühlt sich unangenehm an wie Schmerz, deshalb will der Saal danach vor allem eines, nämlich dass es aufhört.
Der ehrliche Haken, und er ist methodisch
An der Kernspin-Studie nahmen zweiunddreißig Personen teil, was für bildgebende Verfahren eine übliche, aber kleine Zahl ist.
Außerdem wurden die Situationen als Beschreibungen und Zeichnungen vorgelegt und nicht live erlebt.
Und der Schluss von einer aktiven Hirnregion auf ein bestimmtes Gefühl ist grundsätzlich begrenzt belastbar.
Für unsere Zwecke reicht der erste Befund aber vollkommen aus, und der beruht auf Selbstauskünften und nicht auf Bildgebung.
Warum sich große Gruppen schlechter aktivieren lassen
Für die zweite Hälfte des Problems gibt es ein Experiment, das perfekt hierher passt.
Denn darin sollten Menschen klatschen und rufen, also genau das, worum du dein Publikum bittest.
Bibb Latané, Kipling Williams und Stephen Harkins veröffentlichten 1979 im Journal of Personality and Social Psychology die Arbeit Many hands make light the work.
Auf Deutsch etwa: Viele Hände machen der Arbeit ein Ende.
Sie prägten dabei den Begriff des sozialen Faulenzens.
Der Aufbau
Studierende saßen allein oder in Gruppen von zwei, vier oder sechs Personen in schallisolierten Räumen.
Ihre Aufgabe war denkbar einfach: so laut wie möglich klatschen und rufen.
Gemessen wurde, wie viel Schall dabei tatsächlich entstand.
Zusätzlich sorgten die Forschenden dafür, dass die Beteiligten teilweise nur glaubten, in einer Gruppe zu sein.
Das Ergebnis
Allein erzeugte eine Person im Schnitt rund zweiundachtzig Einheiten Schall.
In Sechsergruppen kamen insgesamt nur etwa sechsundsechzig Einheiten zusammen, also ungefähr elf pro Person.
Je größer die Gruppe, desto weniger gab jeder Einzelne.
Und weil die Beteiligten teilweise nur glaubten, in einer Gruppe zu sein, lag es nachweislich an der Motivation und nicht an schlechter Abstimmung.
„Wer sich in einer Gruppe glaubt, strengt sich weniger an. Und zwar auch dann, wenn er körperlich genauso viel könnte wie allein.Kern des Befunds von Latané, Williams und Harkins 1979 · sinngemäß
Was das für deine Aufforderung bedeutet
Wenn du achthundert Leute bittest, gemeinsam laut zu sein, bekommst du nicht achthundertmal die Einzelleistung.
Du bekommst deutlich weniger, und zwar systematisch.
Deshalb wirkt derselbe Mitmachteil vor dreißig Leuten mitreißend und vor achthundert lauwarm.
Kurz gesagt: Nicht der Saal ist müde.
Die Rechnung ist es.
Deshalb muss man ein großes Publikum aktivieren, indem man es teilt.
Was tatsächlich dagegen hilft
Die Forschung nennt drei Hebel, und alle drei kannst du benutzen.
Erstens Erkennbarkeit: Wer glaubt, dass sein Beitrag zählt, gibt mehr.
Zweitens Bedeutung: Wenn die Aufgabe sinnvoll erscheint, steigt der Einsatz.
Und drittens Gruppengröße: Teil den Saal in kleinere Einheiten, dann sinkt der Verwässerungseffekt.
Also: die linke Hälfte gegen die rechte, oder die vorderen Reihen gegen die hinteren. Damit sind aus einer großen Gruppe zwei kleinere geworden.
Genau darauf beruht der uralte Wettbewerbstrick von Moderationen. Er wirkt nicht wegen des Wettbewerbs, sondern weil er die Gruppe verkleinert.
Der ehrliche Haken, und er ist gut vermessen
Steven Karau und Kipling Williams werteten 1993 achtundsiebzig Studien aus.
Der Effekt erwies sich dabei als robust, aber mittelgroß und stark von Bedingungen abhängig.
Bei sinnvollen Aufgaben, bei erkennbarem Beitrag und in eng verbundenen Gruppen verschwindet er teilweise oder kehrt sich sogar um.
Außerdem schwankt er nach Kultur und Geschlecht.
Eine feste Zahl gibt es also nicht, wohl aber eine verlässliche Richtung.
Wann du dein Publikum aktivieren solltest und wann nicht
Aus beiden Kapiteln folgt eine Frage, die vor jeder Aktivierung steht.
Denn Publikum aktivieren ist ein Werkzeug und kein Selbstzweck.
Drei Lagen, in denen es sich lohnt
Zunächst, wenn dein Text die Beteiligung wirklich braucht, etwa bei einem Refrain.
Außerdem, wenn ein sehr großer Saal sonst gar keine Rückmeldung erzeugt.
Und schließlich, wenn der Rahmen es ohnehin vorsieht, also bei angekündigten Mitmachteilen.
In allen drei Fällen dient die Beteiligung dem Abend und nicht deinem Bedürfnis.
Drei Lagen, in denen du es lassen solltest
Erstens bei ernsten Texten, weil jede Aktivierung die Stimmung unterbricht.
Zweitens in den ersten zwei Minuten, weil dir der Saal noch nicht vertraut.
Und drittens, wenn du selbst unsicher bist, weil man das der Aufforderung anhört.
Denn eine unsichere Aufforderung erzeugt genau die Fremdscham aus Kapitel vier.
| Lage | Aktivieren? | Warum |
|---|---|---|
| Refrain im Text | Ja | Die Beteiligung ist Teil der Bauform und ergibt sich von selbst. |
| Sehr großer Saal | Ja, in Hälften | Kleinere Gruppen wirken dem Verwässerungseffekt entgegen. |
| Ernster Text | Nein | Jede Aktivierung bricht die Stimmung, die du aufgebaut hast. |
| Erste zwei Minuten | Nein | Vertrauen kommt vor Beteiligung, nie umgekehrt. |
| Du bist unsicher | Nein | Man hört es der Aufforderung an, und der Saal wird vorsichtiger. |
Die letzte Zeile ist die ehrlichste und die unbequemste.
Denn viele aktivieren genau dann, wenn es gerade nicht läuft.
Damit soll die Beteiligung die fehlende Wirkung ersetzen, und das gelingt nie.
Kurz gesagt: Aktivier aus Stärke und nie aus Not.
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Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
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Sieben Formen, ein Publikum zu aktivieren
Jetzt wird es konkret.
Alle sieben folgen dem Griff aus Kapitel zwei: bauen statt bitten.
Die Punkte zeigen, wie hoch das Fremdscham-Risiko ist.
Drei Formen ohne jedes Risiko
Zwei Formen mit kleinem Risiko
Zwei Formen, die du gut abwägen solltest
Und keine davon macht eine einzelne Person sichtbar, die es nicht vorher schon war.
Genau daran erkennst du eine gute Aktivierung: Sie hat kein Scheitern eingebaut. Wenn niemand mitmacht, merkt es niemand.
Publikum aktivieren: dieselbe Absicht, anders gebaut
Die meisten Aufforderungen lassen sich retten, ohne dass du auf sie verzichtest.
Denn beim Publikum aktivieren geht es nicht um die Absicht, sondern um die Form.
| Statt dieser Aufforderung | Diese Form | Warum sie besser ist |
|---|---|---|
| Alle mal die Hände hoch! | Eine Zeile, die man automatisch mitspricht. | Verlangt nichts und wird trotzdem mitgemacht. |
| Wer kennt das auch? | Die Situation so genau beschreiben, dass alle nicken. | Wiedererkennen statt Meldung. Niemand muss sichtbar werden. |
| Ich brauche eine Freiwillige! | Jemanden ansprechen, der schon sichtbar mitgeht. | Aus einer Zumutung wird eine Anerkennung. |
| Seid ihr gut drauf? | Gar nichts fragen und einfach anfangen. | Die Frage verrät Unsicherheit, der Anfang nicht. |
| Macht doch mal alle mit! | Den Saal in zwei Hälften teilen. | Kleinere Gruppen, weniger Verwässerung. |
Die vierte Zeile ist die, die am meisten spart.
Denn eine Stimmungsfrage am Anfang bringt nie eine ehrliche Antwort.
Sie signalisiert dem Saal nur, dass du unsicher bist, wie es gerade steht.
Und ein Saal, der das merkt, wird selbst vorsichtiger.
Die Regel für alle Umbauten
Frag dich bei jeder Aufforderung, was passiert, wenn niemand mitmacht.
Wenn die Antwort peinlich ist, hast du eine schlechte Form gewählt.
Denn eine gute Aktivierung funktioniert auch dann, wenn sie niemand annimmt.
Kurz gesagt: Bau nur Dinge, die ohne Publikum genauso weiterlaufen.
Damit ist jede Aktivierung risikofrei, egal wie der Abend läuft.
Zehn Fehler beim Publikum aktivieren
Zunächst fünf in der Anlage, anschließend fünf in der Ausführung.
Fünf Fehler in der Anlage
Fehler 1: Um eine sichtbare Handlung bitten
Fehler 2: Alle gleichzeitig ansprechen
Fehler 3: Jemanden auf die Bühne holen
Fehler 4: Eine Stimmungsfrage stellen
Fehler 5: Etwas planen, das scheitern kann
Denn Publikum aktivieren scheitert fast immer schon am Bauplan.
Fünf Fehler in der Ausführung
Fehler 6: Nachlegen, wenn nichts kommt
Fehler 7: Die Nichtbeteiligung kommentieren
Fehler 8: Zu früh aktivieren
Fehler 9: Die Antwort nicht aufnehmen
Fehler 10: Beteiligung mit Erfolg verwechseln
Ein Saal, der ruhig sitzt und genau zuhört, gibt dir mehr als einer, der auf Kommando klatscht. Beteiligung ist nur dann sinnvoll, wenn sie dem Text dient.
Deshalb lautet die ehrlichste Frage vor jeder Aktivierung: Brauche ich das gerade, oder will ich nur Bestätigung?
Sechs Übungen zum Publikum aktivieren
Das lässt sich vorbereiten, und zwar hauptsächlich am Schreibtisch.
Denn die guten Formen entstehen im Text und nicht im Moment.
Drei Übungen am Text
Übung 1 – Die zwingende Lücke
Übung 2 – Der Dreiwort-Refrain
Übung 3 – Die genaue Situation
Außerdem funktionieren alle drei auch dann, wenn der Saal gar nichts tut.
Drei Übungen für die Bühne
Übung 4 – Der Zwei-Sekunden-Blick
Übung 5 – Die ausgehaltene Frage
Übung 6 – Die Beobachtung
Denn wer die Fremdscham bei anderen bemerkt, baut sie bei sich selbst nicht ein.
Deine Mitmachprüfung
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Damit lässt sich ein Publikum aktivieren, ohne dass es jemand bereut.
Der Mann in der dritten Reihe
Ich hatte einen Text, in dem jemand aus dem Publikum eine Zeile sagen sollte.
Die Idee war gut, der Text war gut, und ich habe es trotzdem einmal gemacht und nie wieder.
Was passiert ist
Ich habe in die dritte Reihe gezeigt und gesagt: Sie machen das.
Der Mann hat höflich gelächelt und die Zeile gesagt, ein bisschen zu leise.
Ich habe ihn gebeten, sie noch einmal zu sagen, lauter.
Und in diesem Moment ist der ganze Saal steif geworden.
Warum ich es nicht gemerkt habe
Weil der Mann selbst völlig entspannt wirkte.
Er hat mitgemacht, er hat gelacht, er hat sich hinterher sogar bedankt.
Genau deshalb dachte ich lange, es sei gut gelaufen.
Erst später habe ich verstanden, dass sein Erleben gar nicht der Maßstab war.
„Er hat sich nicht unwohl gefühlt. Achtzig andere schon.Meine Notiz nach dem Gespräch danach — und der Grund für Kapitel vier
Was mir jemand hinterher gesagt hat
Eine Bekannte saß in Reihe sieben und sagte, sie habe die ganze Zeit auf ihre Schuhe geschaut.
Nicht weil es schlimm war, sondern weil sie Angst hatte, ich könnte als Nächstes auf sie zeigen.
Diesen Satz habe ich mir gemerkt, und er beschreibt das eigentliche Problem.
Denn ab dem Moment hört der halbe Saal nicht mehr zu, sondern sichert sich ab.
Wie ich es heute mache
Ich zeige auf niemanden.
Wenn ich eine Zeile aus dem Publikum brauche, baue ich sie so, dass sie sich von selbst ergibt.
Und wenn sie sich nicht ergibt, spreche ich sie eben selbst.
Was Beteiligung nicht ersetzt
Ein Saal, der mitgeht, ist ein schönes Gefühl.
Er ist trotzdem kein Beweis für einen guten Text.
Denn Beteiligung misst Bereitschaft und nicht Qualität.
Warum jetzt erst das Handwerk anfängt
Die drei besten Formen aus Kapitel sechs entstehen alle beim Schreiben.
Denn eine zwingende Lücke, ein tragfähiger Refrain und eine genaue Szene sind Bauformen und keine Moderationstricks.
Deshalb kannst du Beteiligung nicht auf der Bühne herstellen, sondern nur vorher einbauen.
Kurz gesagt: Die Form öffnet die Tür.
Hindurch geht der Saal nur wegen des Textes.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also auch die Bauformen, bei denen ein Saal von selbst mitgeht.
Die Aufforderung kannst du dir sparen. Den Text nicht.
Bauen statt bitten. Und nie auf jemanden zeigen.
Übrigens gibt es Abende, an denen ich gar nichts aktiviere.
Das sind nicht die schlechteren.
Es sind die, an denen der Text stark genug war, dass ich es nicht gebraucht habe.
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Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
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