Prokrastination beim Schreiben
Deine Wohnung war noch nie so sauber wie kurz vor einer Deadline.
Das ist allerdings kein Zufall und kein Charakterfehler.
Es ist eine sehr wirksame Methode, ein unangenehmes Gefühl loszuwerden.
Nur leider bleibt der Text dabei leer.
Der Vertrag lag inzwischen seit einem Jahr in der Schublade.
Ein Roman über das mittelalterliche Paris, fertig bis Ende 1829.
Der Autor hatte stattdessen andere Projekte gemacht. Immer wieder etwas dazwischen, immer wieder ein guter Grund.
Im Sommer 1830 sprach der Verleger ein Machtwort. Februar 1831, vollständig, sonst gibt es Ärger.
Victor Hugo zog daraus eine Konsequenz, die bis heute erzählt wird.
Er verbarrikadierte sich in seiner Schreibstube.
Er legte sich einen großen Vorrat Tinte und Papier zu, verbat sich Besuche und verließ fast nie das Haus.
Draußen fand die Julirevolution statt.
Drinnen entstand Der Glöckner von Notre-Dame.
Hugo hat die Aufgabe nicht angenehmer gemacht. Er hat die Alternativen abgeschafft.
Genau darum geht es übrigens in diesem Beitrag.
Denn die übliche Erklärung fürs Aufschieben ist schlicht falsch.
Denn dieser Unterschied entscheidet, welche Mittel überhaupt funktionieren.
Was in diesem Beitrag steht
Warum Prokrastination beim Schreiben kein Zeitproblem ist und was stattdessen hilft.
Du bekommst die fünf Ausreden, ein Startblatt und sieben Hacks, von denen mindestens zwei absurd klingen.
Dazu zwei Arbeiten.
Eine erklärt den Mechanismus, die andere liefert den kuriosesten Befund des ganzen Themas.
Zum Mitmachen gibt es sieben Übungen und zwei deutsche Videos.
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Jetzt Kanal folgenFünf Ausreden und was dahintersteckt
Zunächst die Diagnose.
Denn jede Ausrede hat einen eigenen Kern.
Die zwei Ausreden, die am besten getarnt sind
Auflösung
Der Griff: schreib absichtlich schlecht
Jetzt der Handgriff.
Er ist unelegant und wirkt sofort.
Nicht mit der besten, die dir einfällt. Mit der dümmsten.
Zum Beispiel so: Dieser Text handelt von irgendwas mit Zügen und ich weiß noch nicht, was.
Damit ist die Seite immerhin nicht mehr leer. Und genau davor hast du dich gedrückt.
Das klingt zwar nach einem Kalenderspruch.
Trotzdem ist es eine Mechanik.
Warum die schlechte Zeile die Blockade beim Schreiben löst
Denn sie senkt den Anspruch, bevor er dich lähmt.
Denn eine leere Seite verlangt einen guten Anfang.
Eine Seite mit einem dummen Satz verlangt nur noch eine Verbesserung.
Und Verbessern ist bekanntlich etwas völlig anderes als Anfangen.
Außerdem darfst du diese Zeile später löschen.
Fast immer tust du das auch.
Der Zusatz gegen Prokrastination, der noch mehr bringt
Schreib die schlechte Zeile außerdem mit der Hand.
Denn am Bildschirm sieht ein schlechter Satz sofort aus wie ein Dokument.
Auf Papier sieht er aus wie eine Notiz.
Und Notizen darf man schlecht machen.
Warum Aufschieben kein Zeitproblem ist
Jetzt der Befund, der die ganze Sache erklärt.
Fuschia Sirois und Timothy Pychyl veröffentlichten 2013 in Social and Personality Psychology Compass einen Aufsatz dazu.
Ihre These ist einfach und unbequem.
Was sie über Prokrastination beim Schreiben sagen
Aufschieben ist demnach vor allem eine Stimmungsregulierung.
Denn wer eine Aufgabe als unangenehm empfindet, hat ein schlechtes Gefühl.
Und das kürzeste Mittel gegen ein schlechtes Gefühl ist, etwas anderes zu tun.
Der Wohnungsputz wirkt also durchaus.
Er wirkt nur eben auf das Gefühl und nicht auf den Text.
Der Teil der Prokrastination, der wirklich wehtut
Sirois und Pychyl weisen auf etwas hin, das kaum jemand gern hört.
Die Folgen des Aufschiebens trägt nicht dein heutiges Ich, sondern dein zukünftiges.
Und zu dem hast du eine erstaunlich lockere Beziehung.
Er fühlt sich an wie ein entfernter Bekannter.
Deshalb funktioniert die Rechnung heute Abend so gut.
Bezahlen muss ja jemand anders.
Was daraus praktisch folgt
Mehr Disziplin hilft deshalb kaum, weil sie am falschen Punkt ansetzt.
Was hilft, ist entweder das Gefühl kleiner zu machen oder die Fluchtwege zu schließen.
Das Erste macht die schlechte Zeile aus Minute 11.
Das Zweite hat Hugo gemacht.
Und zwar sehr wörtlich.
Der ehrliche Haken an diesem Aufsatz
Zunächst ist es ein Übersichtsaufsatz und kein einzelnes Experiment.
Die Autoren tragen Forschung zusammen und ordnen sie ein.
Außerdem erklärt das Modell nicht jeden Fall.
Wer eine Aufgabe aufschiebt, die er eigentlich mag, hat ein anderes Problem.
Für den Normalfall am Schreibtisch passt es trotzdem gut.
Der kurioseste Befund zum Thema
Jetzt kommt eine Untersuchung, deren Ergebnis fast niemand glaubt.
Michael Wohl, Timothy Pychyl und Shannon Bennett befragten hundertneunzehn Studierende an der Carleton University.
Und zwar rund um zwei Zwischenprüfungen.
Wie der Versuch zum Aufschieben ablief
Vor der ersten Prüfung wurde erhoben, wie stark die Leute das Lernen aufgeschoben hatten.
Danach wurde gefragt, wie sie mit sich selbst umgingen.
Also: Wie sehr haderten sie damit?
Und wie sehr verziehen sie es sich?
Schließlich wurde vor der zweiten Prüfung das Aufschieben erneut gemessen.
Was bei der Untersuchung zum Aufschieben herauskam
Wer sich das Aufschieben verziehen hatte, schob vor der zweiten Prüfung weniger auf.
Die Erklärung der Forschenden: Selbstvergebung nimmt die negativen Gefühle weg, die an der Aufgabe kleben.
Und ohne diese Gefühle ist die Aufgabe weniger unangenehm.
Das passt genau zu Minute 15.
Wenn Aufschieben Stimmungsregulierung ist, dann hilft alles, was die Stimmung an der Aufgabe verbessert.
| Reaktion nach dem Aufschieben | Wirkung auf das Gefühl | Wirkung beim nächsten Mal |
|---|---|---|
| Sich beschimpfen | Schuld wird größer | Aufgabe wird noch unangenehmer |
| Es verdrängen | kurz besser | nichts gelernt |
| Es kleinreden | besser | nichts gelernt |
| Es sich verzeihen | Schuld sinkt | weniger Aufschub |
Die dritte Zeile ist der Haken an der Sache.
Denn Kleinreden ist nicht dasselbe wie Verzeihen.
Wer sagt, dass es ja halb so wild war, fühlt sich zwar besser.
Er ändert aber nichts, weil er gar nicht anerkennt, dass etwas schiefging.
Verzeihen setzt voraus, dass du zuerst zugibst, dass du aufgeschoben hast.
Ich habe das drei Wochen liegen lassen. Das war so. Jetzt fange ich an.
Das klingt albern, dauert vier Sekunden und macht genau das, was die Untersuchung beschreibt.
Erst zugeben, dann verzeihen, dann anfangen. Nicht anders herum.
Der ehrliche Haken bei dieser Arbeit
Zunächst ist es eine Befragung und kein Experiment mit Zufallszuteilung.
Das heißt: Vielleicht verzeihen sich einfach Leute leichter, die ohnehin weniger aufschieben.
Außerdem ging es um Prüfungen und nicht um Texte.
Außerdem war die Stichprobe klein.
Trotzdem ist der Gedanke brauchbar, weil er nichts kostet.
Der Trick mit dem zukünftigen Ich
Noch ein Kniff, der aus Minute 15 folgt und fast nie benutzt wird.
Warum dein Morgen-Ich so weit weg ist
Sirois und Pychyl beschreiben, dass dein zukünftiges Ich sich anfühlt wie eine andere Person.
Deshalb belastest du es übrigens so großzügig.
Wer morgen früh um sechs aufstehen und schreiben will, plant das für jemanden, den er nicht kennt.
Und dieser Jemand hat kein Mitspracherecht.
Wie du die Distanz verkleinerst
Schreib deinem Morgen-Ich eine Notiz.
Zwei Sätze reichen dafür aus.
Zum Beispiel: Der Text liegt offen.
Die dritte Strophe fehlt noch, du wolltest sie mit dem Bahnhof anfangen.
Das klingt seltsam und erledigt zwei Dinge auf einmal.
Erstens weiß dein Morgen-Ich sofort, wo es weitermachen soll.
Zweitens ist es plötzlich jemand, mit dem du in Kontakt stehst.
Der Zusatz für Aufschieber mit Erfahrung
Notier auch, wie lange du gebraucht hast.
Denn Prokrastination beim Schreiben lebt von einer falschen Schätzung.
Man hält die Aufgabe für größer, als sie ist.
Wer schwarz auf weiß sieht, dass eine Strophe vierzig Minuten dauert, schiebt sie beim nächsten Mal schlechter auf.
Sechs Fragen vor dem Anfangen
Für die Momente, in denen du am Tisch sitzt und nichts passiert.
Warum Frage vier die unterschätzteste ist
Denn sie hat als Einzige nichts mit deinem Kopf zu tun.
Hugo hat sein Problem nicht gelöst, indem er sich besser fühlte.
Er hat es gelöst, indem Weggehen aufwendig wurde.
Und genau das kannst du kopieren, ohne dich irgendwie zu ändern.
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Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
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Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
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Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
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Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Sieben Hacks, zwei davon absurd
Jetzt das Praktische.
Sortiert nach Aufwand, nicht nach Vernunft.
Hack 1: Mitten im Satz aufhören
Das ist der wirksamste von allen und zugleich der am wenigsten benutzte.
Hör also auf zu schreiben, wenn es gerade läuft.
Und zwar mitten im Satz.
Denn beim nächsten Mal setzt du nicht an einer leeren Stelle an, sondern an einer halben.
Einen angefangenen Satz zu Ende zu schreiben ist keine Hürde.
Und danach bist du schon drin.
Hack 2: Der Zwei-Minuten-Vertrag
Setz dich außerdem hin und schreib genau zwei Minuten.
Danach darfst du aufhören.
Ohne schlechtes Gewissen, ehrlich.
Nach Minute 15 ist der Widerstand vor dem Anfangen am größten, nicht während des Schreibens.
Deshalb hörst du fast nie nach zwei Minuten auf.
Hack 3: Das falsche Dokument gegen die Blockade
Schreib nicht in die Datei, die deinen Text enthält.
Sondern in eine, die Notizen heißt oder Müll.
Denn ein Dokument mit einem Titel verlangt Qualität.
Eine Datei namens Müll verlangt gar nichts.
Verschieben kannst du den Inhalt später in zehn Sekunden.
Hack 4: Der laute Ort
Geh zum Schreiben beispielsweise in ein Café oder einen Wartesaal.
Das klingt falsch und funktioniert, weil du dort nichts putzen kannst.
Deine Ersatzhandlungen sind nämlich ortsgebunden.
Fremde Regale sortiert man nicht.
Hack 5: Absurd, aber belegt – sag es laut
Sag deshalb den Satz aus Minute 19 laut in den leeren Raum.
Ich habe das lange liegen lassen, das war so, jetzt fange ich an.
Wer das leise denkt, denkt weiter.
Wer es ausspricht, hört sich dabei zu.
Vier Sekunden, keine Kosten, und es setzt genau da an, wo Wohl und Kollegen den Hebel gefunden haben.
Hack 6: Noch absurder – die Ersatzhandlung aufschreiben
Wenn dir einfällt, dass du unbedingt das Bad putzen musst, putz es nicht.
Schreib es stattdessen auf einen Zettel.
Wörtlich, mit Uhrzeit.
Nach zwei Wochen hast du eine Liste, die ziemlich lustig ist und dich beim nächsten Mal warnt.
Außerdem verliert der Einfall seine Dringlichkeit, sobald er irgendwo steht.
Das kostet dich zehn Sekunden statt vierzig Minuten.
Hack 7: Die Deadline vor der Deadline
Erfinde schließlich einen Termin, an dem jemand anders etwas von dir erwartet.
Sag jemandem, dass du ihm den Text am Sonntag schickst.
Das ist derselbe Mechanismus wie Hugos Verleger und wirkt aus demselben Grund.
Wichtig ist nur, dass die Person es tatsächlich erwartet.
Ein Termin mit dir selbst wird verschoben, einer mit anderen nicht.
Wann Aufschieben etwas anderes ist
Jetzt ein Punkt, der in fast keinem Ratgeber steht.
Wenn nicht Prokrastination das Problem ist, sondern der Text
Manchmal schiebst du nämlich nicht auf, weil du dich drückst.
Sondern weil der Text nicht funktioniert und du das ahnst.
Das fühlt sich genauso an.
Der Unterschied zeigt sich beim Anfangen.
Nach zwei Minuten weißt du es.
Läuft es, war es Aufschieben.
Läuft es nicht, war es ein Urteil.
Wenn es an etwas anderem liegt
Denn wer über Monate zu nichts kommt, hat selten ein Schreibproblem.
Dahinter steckt oft Erschöpfung, zu viel Arbeit oder etwas, das gerade wichtiger ist.
Dann hilft keine schlechte erste Zeile.
Wenn du über längere Zeit zu gar nichts kommst, dich schlecht fühlst und nichts davon besser wird, ist das kein Fall für Schreibtricks.
Dann lohnt ein Gespräch mit jemandem, der zuhört. Eine Hausärztin, eine Beratungsstelle oder ein Mensch, dem du vertraust. Ein Zwei-Minuten-Vertrag ersetzt das nicht.
Zehn Fehler beim Aufschieben
Und zwar fünf davor und fünf danach.
Fünf Fehler, bevor du anfängst
Fehler 1: Auf Stimmung warten
Fehler 2: Mit dem besten Satz anfangen wollen
Fehler 3: Erst aufräumen
Fehler 4: Recherche ohne Endpunkt
Fehler 5: Den Fluchtweg offen lassen
Denn Prokrastination beim Schreiben ist kein Zeichen von Talentlosigkeit.
Fünf Fehler, nachdem es passiert ist
Fehler 6: Sich beschimpfen
Fehler 7: Es kleinreden
Fehler 8: Die Deadline verschieben
Fehler 9: Alles auf einmal nachholen wollen
Fehler 10: Den Text aufgeben
Sechs Schritte für den nächsten Anlauf
Zwanzig Minuten Vorbereitung, dann läuft es.
Drei Schritte vor dem Schreiben
Schritt 1 – Den Satz laut sagen
Schritt 2 – Einen Fluchtweg schließen
Schritt 3 – Die schlechte Zeile schreiben
Drei Schritte danach
Schritt 4 – Mitten im Satz aufhören
Schritt 5 – Die Ersatzhandlungen sammeln
Schritt 6 – Jemandem einen Termin nennen
Die Abnahme
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Wie es mit Hugo ausging
Zurück in die verbarrikadierte Schreibstube.
Hugo hielt den Termin tatsächlich.
Das Buch erschien 1831.
Es wurde eines der berühmtesten Bücher der Weltliteratur, und Lamartine nannte ihn danach den Shakespeare des Romans.
Was Hugos Fall über Aufschieben zeigt
Sicher nicht, dass Druck gut ist.
Der Verleger hat Hugo nicht besser gemacht.
Sondern dass sich die Bedingungen ändern lassen, wenn man sich selbst nicht ändern kann.
Hugo wurde nämlich nicht diszipliniert.
Er machte das Weggehen aufwendig und das Bleiben bequem.
Tinte und Papier lagen bereit.
Besuche waren abgesagt.
Es gab schlicht nichts anderes zu tun.
„Die Julirevolution fand vor seinem Fenster statt. Er hat sie nur eingebaut.“Was Hugo aus der besten Ablenkung seines Lebens machte
Was du daraus mitnimmst
Du brauchst allerdings keine Barrikade und keinen Verleger.
Du brauchst einen geschlossenen Fluchtweg, eine dumme erste Zeile und einen Satz, mit dem du dir verzeihst.
Das ist übrigens alles handwerklich und hat nichts mit Charakter zu tun.
Und es dauert weniger lang als das Sortieren eines Regals.
Was Anfangen nicht ersetzt
Alles hier bringt dich in den Text hinein.
Was dann dort steht, entscheidet es nicht.
Warum Handwerk gegen Aufschieben hilft
Denn der eigentliche Grund für den Widerstand ist meistens Unsicherheit.
Du weißt nicht, wie der Text gehen soll.
Und deshalb fängst du nicht an.
Wer dagegen fünf Bauformen kennt, hat beim Hinsetzen bereits eine Richtung.
Kurz gesagt: Können ist das beste Mittel gegen Aufschieben.
Es nimmt der Aufgabe genau das Gefühl, vor dem du fliehst.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also die Mittel, mit denen du dich hinsetzt und weißt, was du in den nächsten neunzig Minuten machst.
Die dumme erste Zeile schreibst du in zehn Sekunden. Zu wissen, was danach kommt, ist die eigentliche Arbeit.
Fluchtweg zu. Dumme Zeile hin. Und mitten im Satz aufhören.
Übrigens ist dieser Beitrag zweimal verschoben worden.
Beim dritten Anlauf habe ich mit dem Satz angefangen, dass es um irgendwas mit Regalen geht.
Der Satz steht nicht mehr drin.
Ohne ihn gäbe es den Text aber nicht.
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Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
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Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
