Prokrastination beim Schreiben: Alles außer Text

Prokrastination beim Schreiben: Alles außer Text

Prokrastination beim Schreiben

Deine Wohnung war noch nie so sauber wie kurz vor einer Deadline.

Das ist allerdings kein Zufall und kein Charakterfehler.

Es ist eine sehr wirksame Methode, ein unangenehmes Gefühl loszuwerden.

Nur leider bleibt der Text dabei leer.

Alles außer Text. So kommst du rein, statt Regale nach Farben zu sortieren.
MINUTE 01Was es wirklich istStimmungsregulierung
MINUTE 02Was nicht hilftmehr Disziplin
MINUTE 03Bester Einstiegabsichtlich schlecht
MINUTE 04Kuriosester Befundsich selbst verzeihen
MINUTE 05Wirksamster Hackmitten im Satz aufhören
PARIS, SOMMER 1830

Der Vertrag lag inzwischen seit einem Jahr in der Schublade.

Ein Roman über das mittelalterliche Paris, fertig bis Ende 1829.

Der Autor hatte stattdessen andere Projekte gemacht. Immer wieder etwas dazwischen, immer wieder ein guter Grund.

Im Sommer 1830 sprach der Verleger ein Machtwort. Februar 1831, vollständig, sonst gibt es Ärger.

Victor Hugo zog daraus eine Konsequenz, die bis heute erzählt wird.

Er verbarrikadierte sich in seiner Schreibstube.

Er legte sich einen großen Vorrat Tinte und Papier zu, verbat sich Besuche und verließ fast nie das Haus.

Draußen fand die Julirevolution statt.

Drinnen entstand Der Glöckner von Notre-Dame.

Der berühmteste Aufschieber der Literaturgeschichte hat sein Problem nicht mit Willenskraft gelöst. Sondern mit einer verschlossenen Tür.

Hugo hat die Aufgabe nicht angenehmer gemacht. Er hat die Alternativen abgeschafft.

Genau darum geht es übrigens in diesem Beitrag.

Denn die übliche Erklärung fürs Aufschieben ist schlicht falsch.

Du schiebst nicht auf, weil du faul bist. Du schiebst auf, weil du dich gerade besser fühlen willst.

Denn dieser Unterschied entscheidet, welche Mittel überhaupt funktionieren.

Prokrastination beim Schreiben: das Regal wird sortiert
Das Regal war noch nie so ordentlich. Der Text ist noch leer.

Was in diesem Beitrag steht

Warum Prokrastination beim Schreiben kein Zeitproblem ist und was stattdessen hilft.

Du bekommst die fünf Ausreden, ein Startblatt und sieben Hacks, von denen mindestens zwei absurd klingen.

Dazu zwei Arbeiten.

Eine erklärt den Mechanismus, die andere liefert den kuriosesten Befund des ganzen Themas.

Zum Mitmachen gibt es sieben Übungen und zwei deutsche Videos.

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MINUTE 07

Fünf Ausreden und was dahintersteckt

Zunächst die Diagnose.

Denn jede Ausrede hat einen eigenen Kern.

AUSREDE 1Ich habe noch keine Idee
Klingt nach einem Inhaltsproblem
Ist meistens Angst vor der leeren Seite. Denn Ideen kommen beim Schreiben und nicht davor.
Gegenmittel: absichtlich eine schlechte erste Zeile schreiben.
AUSREDE 2Ich brauche erst Ruhe
Klingt nach einem Umgebungsproblem
Ist meistens Aufschub mit Alibi. Denn die Ruhe kommt nie ganz, und wenn sie kommt, ist man müde.
Gegenmittel: an einem lauten Ort anfangen, absichtlich.
AUSREDE 3Ich muss noch recherchieren
Klingt nach Sorgfalt
Ist die eleganteste Ausrede überhaupt, weil sie nach Arbeit aussieht. Und Recherche hat kein natürliches Ende.
Gegenmittel: Platzhalter in den Text schreiben und weiterschreiben.

Die zwei Ausreden, die am besten getarnt sind

AUSREDE 4Ich bin gerade nicht in Stimmung
Klingt nach Ehrlichkeit
Ist der Kern der Sache und kommt in Minute 15 ausführlich vor. Stimmung ist nämlich genau das Problem.
Gegenmittel: zwei Minuten schreiben und dann neu entscheiden.
AUSREDE 5Ich mache erst kurz das hier
Klingt nach Ordnung
Ist die gefährlichste, weil sie sich produktiv anfühlt. Wohnungsputz vor einer Deadline ist keine Faulheit, sondern Flucht.
Gegenmittel: die Ersatzhandlung aufschreiben statt sie zu tun.
Wer die Ausrede benennen kann, hat sie halb entkräftet. Das ist keine Psychologie, das ist Buchhaltung.
Welche Ausrede ist die gefährlichste?
Auflösung
Die Ersatzhandlung. Sie fühlt sich produktiv an — warum das so ist, steht in Minute 15.
Ein sauberes Regal ist ein Denkmal für einen ungeschriebenen Text.
CLIP 1Warum schieben wir so viel auf?
Ralph Caspers über Prokrastination — und darüber, warum du es dir verzeihen darfst.
MINUTE 11

Der Griff: schreib absichtlich schlecht

Jetzt der Handgriff.

Er ist unelegant und wirkt sofort.

Der Griff
Fang absichtlich mit einer schlechten Zeile an.

Nicht mit der besten, die dir einfällt. Mit der dümmsten.

Zum Beispiel so: Dieser Text handelt von irgendwas mit Zügen und ich weiß noch nicht, was.

Damit ist die Seite immerhin nicht mehr leer. Und genau davor hast du dich gedrückt.

Das klingt zwar nach einem Kalenderspruch.

Trotzdem ist es eine Mechanik.

Prokrastination beim Schreiben: die zerknüllte erste Seite
Die erste Zeile darf weg. Sie muss nur da gewesen sein.

Warum die schlechte Zeile die Blockade beim Schreiben löst

Denn sie senkt den Anspruch, bevor er dich lähmt.

Denn eine leere Seite verlangt einen guten Anfang.

Eine Seite mit einem dummen Satz verlangt nur noch eine Verbesserung.

Und Verbessern ist bekanntlich etwas völlig anderes als Anfangen.

Außerdem darfst du diese Zeile später löschen.

Fast immer tust du das auch.

Der Zusatz gegen Prokrastination, der noch mehr bringt

Schreib die schlechte Zeile außerdem mit der Hand.

Denn am Bildschirm sieht ein schlechter Satz sofort aus wie ein Dokument.

Auf Papier sieht er aus wie eine Notiz.

Und Notizen darf man schlecht machen.

MINUTE 01Deine schlechte Zeile
Schreib jetzt eine bewusst dumme erste Zeile zu deinem Thema.
MINUTE 15

Warum Aufschieben kein Zeitproblem ist

Jetzt der Befund, der die ganze Sache erklärt.

Fuschia Sirois und Timothy Pychyl veröffentlichten 2013 in Social and Personality Psychology Compass einen Aufsatz dazu.

Ihre These ist einfach und unbequem.

Was sie über Prokrastination beim Schreiben sagen

Aufschieben ist demnach vor allem eine Stimmungsregulierung.

Denn wer eine Aufgabe als unangenehm empfindet, hat ein schlechtes Gefühl.

Und das kürzeste Mittel gegen ein schlechtes Gefühl ist, etwas anderes zu tun.

Der Wohnungsputz wirkt also durchaus.

Er wirkt nur eben auf das Gefühl und nicht auf den Text.

Der Teil der Prokrastination, der wirklich wehtut

Sirois und Pychyl weisen auf etwas hin, das kaum jemand gern hört.

Die Folgen des Aufschiebens trägt nicht dein heutiges Ich, sondern dein zukünftiges.

Und zu dem hast du eine erstaunlich lockere Beziehung.

Er fühlt sich an wie ein entfernter Bekannter.

Deshalb funktioniert die Rechnung heute Abend so gut.

Bezahlen muss ja jemand anders.

Du bist nicht schlecht im Planen. Du bist gut darin, dir sofort besser zu gehen.
nach Sirois und Pychyl 2013
Prokrastination beim Schreiben: der verschlossene Schrank
Hugos Lösung war keine Motivation. Sie war eine Tür.

Was daraus praktisch folgt

Mehr Disziplin hilft deshalb kaum, weil sie am falschen Punkt ansetzt.

Was hilft, ist entweder das Gefühl kleiner zu machen oder die Fluchtwege zu schließen.

Das Erste macht die schlechte Zeile aus Minute 11.

Das Zweite hat Hugo gemacht.

Und zwar sehr wörtlich.

Der ehrliche Haken an diesem Aufsatz

Zunächst ist es ein Übersichtsaufsatz und kein einzelnes Experiment.

Die Autoren tragen Forschung zusammen und ordnen sie ein.

Außerdem erklärt das Modell nicht jeden Fall.

Wer eine Aufgabe aufschiebt, die er eigentlich mag, hat ein anderes Problem.

Für den Normalfall am Schreibtisch passt es trotzdem gut.

MINUTE 19

Der kurioseste Befund zum Thema

Jetzt kommt eine Untersuchung, deren Ergebnis fast niemand glaubt.

Michael Wohl, Timothy Pychyl und Shannon Bennett befragten hundertneunzehn Studierende an der Carleton University.

Und zwar rund um zwei Zwischenprüfungen.

Wie der Versuch zum Aufschieben ablief

Vor der ersten Prüfung wurde erhoben, wie stark die Leute das Lernen aufgeschoben hatten.

Danach wurde gefragt, wie sie mit sich selbst umgingen.

Also: Wie sehr haderten sie damit?

Und wie sehr verziehen sie es sich?

Schließlich wurde vor der zweiten Prüfung das Aufschieben erneut gemessen.

Was bei der Untersuchung zum Aufschieben herauskam

Wer sich das Aufschieben verziehen hatte, schob vor der zweiten Prüfung weniger auf.

Die Erklärung der Forschenden: Selbstvergebung nimmt die negativen Gefühle weg, die an der Aufgabe kleben.

Und ohne diese Gefühle ist die Aufgabe weniger unangenehm.

Das passt genau zu Minute 15.

Wenn Aufschieben Stimmungsregulierung ist, dann hilft alles, was die Stimmung an der Aufgabe verbessert.

Reaktion nach dem AufschiebenWirkung auf das GefühlWirkung beim nächsten Mal
Sich beschimpfenSchuld wird größerAufgabe wird noch unangenehmer
Es verdrängenkurz bessernichts gelernt
Es kleinredenbessernichts gelernt
Es sich verzeihenSchuld sinktweniger Aufschub

Die dritte Zeile ist der Haken an der Sache.

Denn Kleinreden ist nicht dasselbe wie Verzeihen.

Wer sagt, dass es ja halb so wild war, fühlt sich zwar besser.

Er ändert aber nichts, weil er gar nicht anerkennt, dass etwas schiefging.

Verzeihen setzt voraus, dass du zuerst zugibst, dass du aufgeschoben hast.

Der Hack, der daraus folgt
Bevor du dich das nächste Mal hinsetzt, sag einen einzigen Satz laut in den Raum:

Ich habe das drei Wochen liegen lassen. Das war so. Jetzt fange ich an.

Das klingt albern, dauert vier Sekunden und macht genau das, was die Untersuchung beschreibt.

Erst zugeben, dann verzeihen, dann anfangen. Nicht anders herum.

Der ehrliche Haken bei dieser Arbeit

Zunächst ist es eine Befragung und kein Experiment mit Zufallszuteilung.

Das heißt: Vielleicht verzeihen sich einfach Leute leichter, die ohnehin weniger aufschieben.

Außerdem ging es um Prüfungen und nicht um Texte.

Außerdem war die Stichprobe klein.

Trotzdem ist der Gedanke brauchbar, weil er nichts kostet.

MINUTE 21

Der Trick mit dem zukünftigen Ich

Noch ein Kniff, der aus Minute 15 folgt und fast nie benutzt wird.

Warum dein Morgen-Ich so weit weg ist

Sirois und Pychyl beschreiben, dass dein zukünftiges Ich sich anfühlt wie eine andere Person.

Deshalb belastest du es übrigens so großzügig.

Wer morgen früh um sechs aufstehen und schreiben will, plant das für jemanden, den er nicht kennt.

Und dieser Jemand hat kein Mitspracherecht.

Prokrastination beim Schreiben: die Notiz für morgen
Zwei Sätze für dein Morgen-Ich. Es liest sie tatsächlich.

Wie du die Distanz verkleinerst

Schreib deinem Morgen-Ich eine Notiz.

Zwei Sätze reichen dafür aus.

Zum Beispiel: Der Text liegt offen.

Die dritte Strophe fehlt noch, du wolltest sie mit dem Bahnhof anfangen.

Das klingt seltsam und erledigt zwei Dinge auf einmal.

Erstens weiß dein Morgen-Ich sofort, wo es weitermachen soll.

Zweitens ist es plötzlich jemand, mit dem du in Kontakt stehst.

Wer seinem Morgen-Ich schreibt, behandelt es wie einen Kollegen. Und Kollegen lädt man nicht heimlich Arbeit auf.

Der Zusatz für Aufschieber mit Erfahrung

Notier auch, wie lange du gebraucht hast.

Denn Prokrastination beim Schreiben lebt von einer falschen Schätzung.

Man hält die Aufgabe für größer, als sie ist.

Wer schwarz auf weiß sieht, dass eine Strophe vierzig Minuten dauert, schiebt sie beim nächsten Mal schlechter auf.

MINUTE 07Deine Notiz
Schreib deinem Morgen-Ich zwei Sätze über den Stand deines Textes.
MINUTE 23

Sechs Fragen vor dem Anfangen

Für die Momente, in denen du am Tisch sitzt und nichts passiert.

Startblatt · sechs Fragen
Frage 1
Welche Ausrede benutze ich gerade?
Nach Minute 07. Die Benennung allein nimmt ihr die Hälfte ihrer Kraft.
Frage 2
Wovor genau ist mir unwohl?
Nach Minute 15 steckt hinter dem Aufschieben ein Gefühl. Meistens die Angst, dass es schlecht wird.
Frage 3
Habe ich mir das letzte Mal verziehen?
Nach Minute 19 der wirksamste und billigste Schritt.
Frage 4
Welcher Fluchtweg ist offen?
Handy, Wohnung, Kühlschrank. Einer davon reicht, um die nächste Stunde zu verlieren.
Frage 5
Wie lautet meine schlechte erste Zeile?
Der Griff aus Minute 11. Sie muss dumm sein, nicht gut.
Frage 6
Was ist die kleinste sinnvolle Einheit?
Nicht der Text. Eine Strophe, ein Absatz, ein Bild.
Eine Regel dazu: Beantworte die Fragen schriftlich und schnell. Wer sie im Kopf durchgeht, prokrastiniert mit dem Startblatt.

Warum Frage vier die unterschätzteste ist

Denn sie hat als Einzige nichts mit deinem Kopf zu tun.

Hugo hat sein Problem nicht gelöst, indem er sich besser fühlte.

Er hat es gelöst, indem Weggehen aufwendig wurde.

Und genau das kannst du kopieren, ohne dich irgendwie zu ändern.

MINUTE 02Dein Fluchtweg
Nenn den einen Fluchtweg, den du am häufigsten nimmst.
Dein Link-Kompass

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Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.

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Schreiben & Textaufbau
31 Beiträge

Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.

Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.

MINUTE 27

Sieben Hacks, zwei davon absurd

Jetzt das Praktische.

Sortiert nach Aufwand, nicht nach Vernunft.

Hack 1: Mitten im Satz aufhören

Das ist der wirksamste von allen und zugleich der am wenigsten benutzte.

Hör also auf zu schreiben, wenn es gerade läuft.

Und zwar mitten im Satz.

Denn beim nächsten Mal setzt du nicht an einer leeren Stelle an, sondern an einer halben.

Einen angefangenen Satz zu Ende zu schreiben ist keine Hürde.

Und danach bist du schon drin.

Hack 2: Der Zwei-Minuten-Vertrag

Setz dich außerdem hin und schreib genau zwei Minuten.

Danach darfst du aufhören.

Ohne schlechtes Gewissen, ehrlich.

Nach Minute 15 ist der Widerstand vor dem Anfangen am größten, nicht während des Schreibens.

Deshalb hörst du fast nie nach zwei Minuten auf.

Prokrastination beim Schreiben: der Wecker neben dem Heft
Zwei Minuten. Danach darfst du wirklich aufhören.

Hack 3: Das falsche Dokument gegen die Blockade

Schreib nicht in die Datei, die deinen Text enthält.

Sondern in eine, die Notizen heißt oder Müll.

Denn ein Dokument mit einem Titel verlangt Qualität.

Eine Datei namens Müll verlangt gar nichts.

Verschieben kannst du den Inhalt später in zehn Sekunden.

Hack 4: Der laute Ort

Geh zum Schreiben beispielsweise in ein Café oder einen Wartesaal.

Das klingt falsch und funktioniert, weil du dort nichts putzen kannst.

Deine Ersatzhandlungen sind nämlich ortsgebunden.

Fremde Regale sortiert man nicht.

Prokrastination beim Schreiben: die Ersatzhandlung
Die Ersatzhandlung gehört auf einen Zettel, nicht in den Nachmittag.

Hack 5: Absurd, aber belegt – sag es laut

Sag deshalb den Satz aus Minute 19 laut in den leeren Raum.

Ich habe das lange liegen lassen, das war so, jetzt fange ich an.

Wer das leise denkt, denkt weiter.

Wer es ausspricht, hört sich dabei zu.

Vier Sekunden, keine Kosten, und es setzt genau da an, wo Wohl und Kollegen den Hebel gefunden haben.

Hack 6: Noch absurder – die Ersatzhandlung aufschreiben

Wenn dir einfällt, dass du unbedingt das Bad putzen musst, putz es nicht.

Schreib es stattdessen auf einen Zettel.

Wörtlich, mit Uhrzeit.

Nach zwei Wochen hast du eine Liste, die ziemlich lustig ist und dich beim nächsten Mal warnt.

Außerdem verliert der Einfall seine Dringlichkeit, sobald er irgendwo steht.

Das kostet dich zehn Sekunden statt vierzig Minuten.

Hack 7: Die Deadline vor der Deadline

Erfinde schließlich einen Termin, an dem jemand anders etwas von dir erwartet.

Sag jemandem, dass du ihm den Text am Sonntag schickst.

Das ist derselbe Mechanismus wie Hugos Verleger und wirkt aus demselben Grund.

Wichtig ist nur, dass die Person es tatsächlich erwartet.

Ein Termin mit dir selbst wird verschoben, einer mit anderen nicht.

Zwei der sieben Hacks klingen albern. Es sind erfahrungsgemäß die, die am schnellsten wirken.
MINUTE 03Deine drei Hacks
Such dir drei aus und probier sie diese Woche.
CLIP 2Aufschieberitis besiegen
Wo normales Aufschieben aufhört und wann es ein Fall für Unterstützung wird.
MINUTE 31

Wann Aufschieben etwas anderes ist

Jetzt ein Punkt, der in fast keinem Ratgeber steht.

Wenn nicht Prokrastination das Problem ist, sondern der Text

Manchmal schiebst du nämlich nicht auf, weil du dich drückst.

Sondern weil der Text nicht funktioniert und du das ahnst.

Das fühlt sich genauso an.

Der Unterschied zeigt sich beim Anfangen.

Nach zwei Minuten weißt du es.

Läuft es, war es Aufschieben.

Läuft es nicht, war es ein Urteil.

Wenn es an etwas anderem liegt

Denn wer über Monate zu nichts kommt, hat selten ein Schreibproblem.

Dahinter steckt oft Erschöpfung, zu viel Arbeit oder etwas, das gerade wichtiger ist.

Dann hilft keine schlechte erste Zeile.

Wo dieser Beitrag aufhört
Hier geht es um das gewöhnliche Aufschieben. Also den Nachmittag, an dem das Regal sortiert wird.

Wenn du über längere Zeit zu gar nichts kommst, dich schlecht fühlst und nichts davon besser wird, ist das kein Fall für Schreibtricks.

Dann lohnt ein Gespräch mit jemandem, der zuhört. Eine Hausärztin, eine Beratungsstelle oder ein Mensch, dem du vertraust. Ein Zwei-Minuten-Vertrag ersetzt das nicht.
MINUTE 34

Zehn Fehler beim Aufschieben

Und zwar fünf davor und fünf danach.

Fünf Fehler, bevor du anfängst

Fehler 1: Auf Stimmung warten
Nach Minute 15 ist die Stimmung das Problem und nicht die Lösung.
Fehler 2: Mit dem besten Satz anfangen wollen
Der Griff aus Minute 11 sagt das Gegenteil. Nimm den dümmsten.
Fehler 3: Erst aufräumen
Die gefährlichste Ausrede, weil sie sich nach Arbeit anfühlt.
Fehler 4: Recherche ohne Endpunkt
Recherche hört nie von selbst auf. Setz einen Platzhalter.
Fehler 5: Den Fluchtweg offen lassen
Hugo hat sich eingeschlossen. Du kannst wenigstens das Handy in einen anderen Raum legen.

Denn Prokrastination beim Schreiben ist kein Zeichen von Talentlosigkeit.

Prokrastination beim Schreiben: der geschlossene Fluchtweg
Ein geschlossener Fluchtweg schlägt jeden guten Vorsatz.

Fünf Fehler, nachdem es passiert ist

Fehler 6: Sich beschimpfen
Nach Minute 19 macht das die Aufgabe unangenehmer und damit das nächste Aufschieben wahrscheinlicher.
Fehler 7: Es kleinreden
Fühlt sich gut an und ändert nichts, weil du nichts anerkennst.
Fehler 8: Die Deadline verschieben
Ein neuer Termin ohne neue Bedingungen bringt genau dasselbe Ergebnis.
Fehler 9: Alles auf einmal nachholen wollen
Sechs Stunden am Sonntag ersetzen keine sechs Wochen und machen den nächsten Anlauf schwerer.
Fehler 10: Den Text aufgeben
Ein aufgeschobener Text ist kein schlechter Text. Er ist nur ein unangefangener.
MINUTE 38

Sechs Schritte für den nächsten Anlauf

Zwanzig Minuten Vorbereitung, dann läuft es.

Drei Schritte vor dem Schreiben

Schritt 1 – Den Satz laut sagen
Aus Minute 19. Zugeben, verzeihen, anfangen. In dieser Reihenfolge.
Schritt 2 – Einen Fluchtweg schließen
Nur einen. Meistens reicht das Handy im Flur.
Schritt 3 – Die schlechte Zeile schreiben
Aus Minute 11, mit der Hand, absichtlich dumm.

Drei Schritte danach

Schritt 4 – Mitten im Satz aufhören
Aus Minute 27. Der wirksamste Hack von allen und der einzige, der nichts kostet.
Schritt 5 – Die Ersatzhandlungen sammeln
Aus Minute 27. Ein Zettel, zwei Wochen. Danach kennst du dein Muster.
Schritt 6 – Jemandem einen Termin nennen
Aus Minute 27. Eine Person, ein Datum, und zwar eine, die nachfragt.
Satz laut sagen, Handy in den Flur, dumme Zeile schreiben. Neunzig Sekunden.
MINUTE 04Dein Anlauf
Mach die drei Schritte vor dem Schreiben jetzt.
MINUTE 05Deine Ersatzhandlungen
Führ zwei Wochen lang den Zettel.
MINUTE 06Dein nächster Schritt
Zum Schluss die zwei Fragen, die den Unterschied machen.
MINUTE 42

Die Abnahme

Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.

PARIS

Wie es mit Hugo ausging

Zurück in die verbarrikadierte Schreibstube.

Hugo hielt den Termin tatsächlich.

Das Buch erschien 1831.

Es wurde eines der berühmtesten Bücher der Weltliteratur, und Lamartine nannte ihn danach den Shakespeare des Romans.

Ein Autor, der ein Jahr lang nicht anfing, brauchte am Ende wenige Monate. Es lag nie an der Zeit.

Was Hugos Fall über Aufschieben zeigt

Sicher nicht, dass Druck gut ist.

Der Verleger hat Hugo nicht besser gemacht.

Sondern dass sich die Bedingungen ändern lassen, wenn man sich selbst nicht ändern kann.

Hugo wurde nämlich nicht diszipliniert.

Er machte das Weggehen aufwendig und das Bleiben bequem.

Tinte und Papier lagen bereit.

Besuche waren abgesagt.

Es gab schlicht nichts anderes zu tun.

Prokrastination beim Schreiben: der fertige Text auf der Bühne
Irgendwann steht der Text. Und dann ist es egal, wann er entstand.
„Die Julirevolution fand vor seinem Fenster statt. Er hat sie nur eingebaut.“
Was Hugo aus der besten Ablenkung seines Lebens machte

Was du daraus mitnimmst

Du brauchst allerdings keine Barrikade und keinen Verleger.

Du brauchst einen geschlossenen Fluchtweg, eine dumme erste Zeile und einen Satz, mit dem du dir verzeihst.

Das ist übrigens alles handwerklich und hat nichts mit Charakter zu tun.

Und es dauert weniger lang als das Sortieren eines Regals.

WEITERGEHEN

Was Anfangen nicht ersetzt

Alles hier bringt dich in den Text hinein.

Was dann dort steht, entscheidet es nicht.

Wer pünktlich anfängt und nichts kann, hat nur früher einen schlechten Text.

Warum Handwerk gegen Aufschieben hilft

Denn der eigentliche Grund für den Widerstand ist meistens Unsicherheit.

Du weißt nicht, wie der Text gehen soll.

Und deshalb fängst du nicht an.

Wer dagegen fünf Bauformen kennt, hat beim Hinsetzen bereits eine Richtung.

Kurz gesagt: Können ist das beste Mittel gegen Aufschieben.

Es nimmt der Aufgabe genau das Gefühl, vor dem du fliehst.

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Die dumme erste Zeile schreibst du in zehn Sekunden. Zu wissen, was danach kommt, ist die eigentliche Arbeit.

Fluchtweg zu. Dumme Zeile hin. Und mitten im Satz aufhören.
Hugo hat sich nicht motiviert. Er hat die Tür zugemacht.

Übrigens ist dieser Beitrag zweimal verschoben worden.

Beim dritten Anlauf habe ich mit dem Satz angefangen, dass es um irgendwas mit Regalen geht.

Der Satz steht nicht mehr drin.

Ohne ihn gäbe es den Text aber nicht.

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Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch
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Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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