Aufgeben wollen: Wenn du keinen Text mehr in dir spürst

Die Leere Bahn-Slam

Aufgeben wollen: Wenn du keinen Text mehr in dir spürst

Leer, ausgebrannt, kein Wort mehr da? Warum die kreative Leere kein Ende ist, sondern eine Phase – und wie du wieder Zugang zu dir findest.

 
 
 
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Die kreative Leere vor dem leeren Blatt
PHASE 01  ·  Nicht verzweifelt. Nur leer.

Du setzt dich hin.

Du hast Zeit, du hast Ruhe, du hast sogar Lust.

Und da ist nichts.

Nicht die übliche Anlaufschwierigkeit. Sondern eine Stille, die sich anfühlt, als wäre der Raum leergeräumt worden.

Beim ersten Mal denkst du: schlechter Tag.

Nach drei Wochen denkst du etwas anderes.

Vielleicht war es das. Vielleicht hatte ich einfach eine bestimmte Menge Texte in mir, und die sind jetzt alle draußen.

Ich kenne diesen Satz. Ich habe ihn selbst gedacht, ziemlich genau in diesen Worten.

Und ich will hier nicht mit zehn Tricks anfangen.

Denn das ist das Problem an den meisten Texten über Schreibblockaden: Sie behandeln die Leere wie ein Produktivitätsproblem.

Und wenn die Tricks dann nicht wirken, hast du zusätzlich zur Leere noch das Gefühl, sogar dabei versagt zu haben.

Also fangen wir woanders an.

Phase 00

Die kreative Leere ist kein Urteil über dein Talent

Das ist der wichtigste Satz in diesem ganzen Artikel.

Denn die Leere kommt mit einer eingebauten Erklärung.

Sie sagt dir: Du hattest es nie wirklich. Die anderen haben mehr. Du warst nur eine Weile fleißig.

Diese Erklärung ist überzeugend, weil sie zum Gefühl passt.

Sie ist trotzdem falsch.

Ein Beispiel, das größer ist als deins und meins

Im Jahr 1897 wurde in Sankt Petersburg die erste Sinfonie eines vierundzwanzigjährigen Komponisten uraufgeführt.

Sie fiel durch. Vollständig, öffentlich und mit vernichtenden Kritiken.

Danach komponierte Sergej Rachmaninow etwa drei Jahre lang praktisch nichts.

Nicht wenig. Nichts.

Er war zu diesem Zeitpunkt bereits ein bekannter Pianist und Komponist. Das Talent war nicht weg.

Was ihn schließlich aus der Sache herausgeholt hat, war eine Behandlung beim Neurologen Nikolai Dahl.

Über diese Zeit hat Rachmaninow später geschrieben:

„Auch wenn es unglaublich erscheint, diese Therapie half mir wirklich.“

SERGEJ RACHMANINOW ÜBER SEINE BEHANDLUNG BEI NIKOLAI DAHL

Was daran für dich zählt

Danach entstand sein zweites Klavierkonzert. Es wurde 1901 uraufgeführt und ist bis heute eines der meistgespielten Werke des Repertoires.

Er hat es Dahl gewidmet.

Ich erzähle das nicht, damit du dich mit Rachmaninow vergleichst.

Sondern wegen zwei Dingen, die daran ablesbar sind.

Zwei Lehren aus drei stillen Jahren

Erstens: Drei Jahre Leere bedeuten nicht, dass nichts mehr kommt.

Zweitens: Er ist nicht allein wieder herausgekommen. Er hat sich Hilfe geholt, und das steht in jeder Werkbiografie, ohne dass es ihn kleiner macht.

Grafik 01  ·  Wie es sich anfühlt und wie es verläuft

SO FÜHLT ES SICH AN immer weiter nach unten SO VERLÄUFT ES MEISTENS die flache Strecke und dann wieder aufwärts Auf der flachen Strecke sehen beide Linien gleich aus.
Genau das ist das Problem: Mittendrin kannst du die beiden nicht unterscheiden.

Deshalb hilft es wenig, wenn dir jemand sagt, dass es vorbeigeht.

Denn mittendrin fühlt sich die flache Strecke exakt an wie ein Absturz.

Was hilft, ist etwas anderes: zu wissen, woran diese Leere hängt. Denn sie hat fast immer eine Ursache, und die meisten davon sind unspektakulär.

Was hier steht

Warum die Leere kein Talentproblem ist. Zwölf Auslöser mit verdecktem Gegenmittel. Zehn Gedanken und was dagegen spricht. Wann es mehr ist als eine Phase – das steht bewusst in der Mitte, nicht am Ende. Drei Videos. Zehn Techniken. Sechs Übungen, die klein genug sind. Ein Selbstcheck. Zehn Fehler. Und ein Plan für die nächsten vierzehn Tage.

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Schreiben & Textaufbau
31 Beiträge

Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.

Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.

Phase 01

Zwölf Auslöser für die kreative Leere

Die Leere kommt selten aus dem Nichts. Meistens steht etwas dahinter, das sich benennen lässt.

Zwölf Ursachen. Überleg bei jeder erst, ob sie auf dich zutrifft, dann klapp das Gegenmittel auf.

AUSLÖSER 01

Du bist einfach erschöpft

Der häufigste Grund und der, der am seltensten geglaubt wird. Schreiben verbraucht Aufmerksamkeit, und Aufmerksamkeit ist begrenzt. Wer nebenbei arbeitet, sorgt oder pflegt, hat abends keine mehr übrig.

WAS DAGEGEN HILFT  ▸

Kein Trick, sondern Schlaf und weniger Termine. Und die Erkenntnis, dass das keine Ausrede ist. Wer erschöpft ist, hat kein Kreativitätsproblem, sondern ein Erschöpfungsproblem.

AUSLÖSER 02

Du hast gerade etwas abgeschlossen

Nach einem Buch, einem Programm, einer großen Bühne kommt fast immer eine Leerlaufphase. Der Kopf hat wochenlang auf einen Punkt zugearbeitet und findet keinen neuen.

WAS DAGEGEN HILFT  ▸

Das ist keine Blockade, sondern der normale Nachlauf. Plan sie beim nächsten Mal ein, statt sie zu bekämpfen. Zwei bis sechs Wochen sind völlig üblich.

AUSLÖSER 03

Dein Anspruch ist mit dir gewachsen

Du kannst inzwischen erkennen, was ein guter Text ist. Deine Fähigkeit, ihn zu schreiben, ist aber noch nicht so weit. Also verwirfst du alles sofort.

WAS DAGEGEN HILFT  ▸

Erlaub dir bewusst schlechte erste Fassungen. Nicht als Trost, sondern als Arbeitsschritt. Mehr dazu im Kapitel über den Anspruch.

AUSLÖSER 04

Es ist etwas passiert

Trennung, Umzug, Krankheit, Todesfall, Jobwechsel. Der Kopf ist mit Verarbeitung beschäftigt, und dafür braucht er dieselbe Kapazität wie fürs Schreiben.

WAS DAGEGEN HILFT  ▸

Nichts erzwingen. Diese Art von Leere hat einen Grund, der wichtiger ist als dein nächster Text. Sie geht mit, wenn das andere sich sortiert.

AUSLÖSER 05

Du hast kein neues Material

Schreiben verbraucht Erlebtes und Gelesenes. Wer monatelang nur zwischen Arbeit und Wohnung pendelt, hat irgendwann nichts mehr, woraus etwas entstehen könnte.

WAS DAGEGEN HILFT  ▸

Input statt Output. Andere Wege, andere Bücher, andere Menschen, andere Orte. Und zwar bevor du dich wieder an den Schreibtisch setzt.

AUSLÖSER 06

Du schreibst nur noch für andere

Für die Bühne, für die Jury, für den Applaus. Irgendwann fragt dein Kopf bei jedem Einfall zuerst, ob er ankommt. Und dann kommt gar kein Einfall mehr.

WAS DAGEGEN HILFT  ▸

Schreib eine Weile etwas, das niemand sehen wird. Ausdrücklich niemand. Das klingt esoterisch und ist der schnellste Weg zurück.

Sechs Auslöser, die man leicht übersieht

AUSLÖSER 07

Du hast Erfolg gehabt

Nach einem guten Abend oder einem Sieg steigt die Fallhöhe. Der nächste Text soll mindestens so gut sein, und genau das macht ihn unmöglich.

WAS DAGEGEN HILFT  ▸

Schreib bewusst etwas Kleines und Unwichtiges. Ein Gelegenheitstext, ein Geburtstagsgedicht, etwas Albernes. Das senkt den Einsatz wieder.

AUSLÖSER 08

Du hast zu viele angefangene Sachen

Sieben halbe Texte in der Schublade erzeugen keine Vorfreude, sondern Druck. Jeder davon erinnert dich daran, dass du etwas nicht zu Ende gebracht hast.

WAS DAGEGEN HILFT  ▸

Räum auf. Wirf fünf davon weg, wirklich weg. Die zwei, um die es dir leidtut, sind die, an denen du weiterarbeitest.

AUSLÖSER 09

Du vergleichst dich zu viel

Wer täglich sieht, was andere veröffentlichen, misst sich ständig. Und im Vergleich mit dem Besten aus tausend Leben verliert man immer.

WAS DAGEGEN HILFT  ▸

Reduzier für vier Wochen, was du von anderen siehst. Nicht aus Prinzip, sondern als Experiment. Der Effekt ist bei den meisten deutlich.

AUSLÖSER 10

Dein Thema ist verbraucht

Manche schreiben jahrelang über dasselbe und merken irgendwann, dass sie nichts Neues mehr dazu haben. Das fühlt sich an wie Talentverlust und ist ein Themenwechsel.

WAS DAGEGEN HILFT  ▸

Nimm bewusst ein Thema, das dir fremd ist. Nicht als Umweg, sondern als Umzug. Manchmal ist die Leere nur eine Aufforderung zum Wechsel.

AUSLÖSER 11

Du hast dir die Freude wegorganisiert

Schreibpläne, Wortziele, Routinen. All das hilft, bis es kippt. Dann wird aus dem, was du gern gemacht hast, eine Aufgabenliste mit schlechtem Gewissen.

WAS DAGEGEN HILFT  ▸

Streich die Ziele für einen Monat komplett. Kein Pensum, kein Plan. Nur die Erlaubnis zu schreiben, wenn du magst, und sonst eben nicht.

AUSLÖSER 12

Es ist mehr als eine Phase

Manchmal ist die Leere kein Schreibproblem. Wenn sie anhält, alles betrifft und nicht mehr an einem Ereignis hängt, redest du über etwas anderes.

WAS DAGEGEN HILFT  ▸

Das ist der Fall, für den es ein eigenes Kapitel gibt. Es steht bewusst in der Mitte dieses Artikels und nicht am Ende.

Das geschlossene Notizbuch in der kreativen Leere
PHASE 02  ·  Zugeklappt. Und der Staub zählt die Wochen mit.

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Phase 02

Zehn Gedanken in der kreativen Leere

Diese Sätze kommen fast immer. Und sie klingen alle vernünftig.

GEDANKE 01

„Ich hatte einfach eine bestimmte Menge Texte in mir, und die sind jetzt raus.“

WAS DAGEGEN SPRICHT  ▸

Das setzt voraus, dass Schreiben ein Vorrat ist, der sich leert. Es ist aber eher eine Fähigkeit, die Material braucht. Wenn seit Monaten kein neues Material dazukommt, kommt auch nichts heraus. Das ist ein Nachschubproblem, kein Talentproblem.

GEDANKE 02

„Die anderen schreiben ständig, nur bei mir geht nichts.“

WAS DAGEGEN SPRICHT  ▸

Du siehst von anderen ausschließlich das Veröffentlichte. Niemand postet die vier Monate, in denen nichts ging. Frag drei Leute aus der Szene direkt danach, die Antwort überrascht die meisten.

GEDANKE 03

„Wenn ich jetzt aufhöre, war alles davor umsonst.“

WAS DAGEGEN SPRICHT  ▸

Nichts, was du geschrieben hast, wird rückwirkend ungültig, weil gerade nichts kommt. Die Texte existieren, die Abende haben stattgefunden. Eine Pause löscht keine Vergangenheit.

GEDANKE 04

„Ich müsste mich nur mehr zwingen.“

WAS DAGEGEN SPRICHT  ▸

Zwang funktioniert bei Erschöpfung nicht, sondern verlängert sie. Wenn du dich seit Wochen zwingst und nichts passiert, ist Zwang offensichtlich nicht das fehlende Element.

GEDANKE 05

„Alles, was ich schreibe, ist schlecht.“

WAS DAGEGEN SPRICHT  ▸

Möglich. Das ist bei ersten Fassungen völlig normal und war es immer, auch in deinen guten Phasen. Der Unterschied ist nicht die Qualität der Rohfassung, sondern dass du dir jetzt nicht mehr erlaubst weiterzumachen.

GEDANKE 06

„Ich bin nicht mehr der Mensch, der das gemacht hat.“

WAS DAGEGEN SPRICHT  ▸

Vielleicht stimmt das sogar. Menschen ändern sich, und Themen auch. Das bedeutet aber nicht, dass du aufhörst zu schreiben, sondern dass sich ändert, worüber du schreibst.

Vier Gedanken, die besonders hartnäckig sind

GEDANKE 07

„Ich habe kein Recht, mich darüber zu beschweren.“

WAS DAGEGEN SPRICHT  ▸

Dieser Satz kommt oft von Menschen, die nebenbei Vollzeit arbeiten. Es geht nicht um Beschwerde, sondern um eine Beobachtung: Du hast weniger Kapazität als früher. Das ist eine Tatsache und keine Klage.

GEDANKE 08

„Ich warte, bis die Inspiration wiederkommt.“

WAS DAGEGEN SPRICHT  ▸

Warten funktioniert selten. Was funktioniert, ist Material sammeln und sehr klein anfangen. Inspiration ist meistens das Ergebnis von Arbeit, nicht ihre Voraussetzung.

GEDANKE 09

„Es hat sowieso niemand gemerkt, dass ich nichts mehr schreibe.“

WAS DAGEGEN SPRICHT  ▸

Das stimmt vermutlich und sagt nichts über den Wert der Sache aus. Menschen merken sehr wenig vom Leben anderer. Deine Gründe zu schreiben waren ohnehin nie die Aufmerksamkeit der anderen.

GEDANKE 10

„Diesmal ist es anders als die letzten Male.“

WAS DAGEGEN SPRICHT  ▸

Diesen Satz denkt man jedes Mal. Er gehört zum Zustand dazu, weil ein Zustand sich immer endgültig anfühlt. Wenn du frühere Phasen überstanden hast, ist das die belastbarste Information, die du hast.

Die Leere liefert dir eine Erklärung gratis mit. Und die ist fast immer die unfreundlichste, die verfügbar ist.

Phase 03

Die Pause als Teil der Arbeit gegen die kreative Leere

Nun ein Gedanke, der schwerfällt: Dass Nichtschreiben zum Schreiben gehört.

Das klingt nach Ausrede. Deshalb ein Beispiel aus einem Beruf, in dem Produktivität direkt Geld bedeutet.

Sagmeister und das siebte Jahr

Der Designer Stefan Sagmeister schließt sein Studio in New York etwa alle sieben Jahre für ein ganzes Jahr.

Keine Aufträge, keine Kunden, kein Umsatz. Ein Jahr lang.

Seine Begründung ist nicht romantisch, sondern nüchtern: Die Ideen der folgenden Jahre stammen aus diesen freien Zeiten.

Er behandelt die Pause also nicht als Ausfall, sondern als Produktionsmittel.

Für dich heißt das nicht, dass du ein Jahr aussetzen sollst. Sondern dass die Rechnung, nach der jede schreibfreie Woche ein Verlust ist, schlicht falsch sein könnte.

Cohen und die verworfenen Strophen

Leonard Cohen hat an seinem bekanntesten Lied jahrelang gearbeitet und dabei dutzende Strophen geschrieben, die nie jemand gehört hat.

Wie viele es genau waren, ist nicht eindeutig geklärt. Die Angaben schwanken je nach Quelle zwischen etwa achtzig und über hundertfünfzig, und auch die Dauer wird unterschiedlich angegeben.

Überliefert ist eine Begegnung mit Bob Dylan, dem er gesagt haben soll, er habe etwa zwei Jahre gebraucht.

„Ich schämte mich, ihm zu sagen, wie lange ich wirklich gebraucht habe.“

LEONARD COHEN, ÜBERLIEFERT IM DOKUMENTARFILM ÜBER DAS LIED

Was daran für dich zählt, ist nicht die Zahl.

Sondern dass ein Mensch, dessen Handwerk außer Frage steht, jahrelang an einer Sache saß und dabei fast alles wegwarf.

Zeiten, in denen scheinbar nichts entsteht, sehen von außen aus wie Leere. Von innen sind sie oft Arbeit ohne vorzeigbares Ergebnis.

Pause machen ist Teil der Arbeit gegen die kreative Leere
PHASE 03  ·  Nichts tun. Und zwar ohne schlechtes Gewissen.

Phase 04

Der Anspruch als Ursache der kreativen Leere

Nun der Auslöser, den ich am häufigsten sehe. Und der am schwersten zu glauben ist.

Du bist besser geworden. Genau deshalb geht nichts mehr.

Grafik 02  ·  Die Schere zwischen Anspruch und Können

DEIN ANSPRUCH DEIN KÖNNEN hier sitzt die Leere Beide Linien steigen. Nur nicht gleich schnell.
Wer besser wird, erkennt zuerst, was fehlt. Die Lücke ist ein Zeichen von Fortschritt.

Warum das so funktioniert

Wer viel liest und viel hört, entwickelt ein Urteil. Und dieses Urteil wächst schneller als die eigene Fähigkeit.

Also erkennst du bei deinem eigenen Satz sofort, was daran nicht stimmt.

Früher hast du das nicht erkannt und einfach weitergeschrieben.

Der Unterschied ist nicht, dass du schlechter geworden bist. Der Unterschied ist, dass du es jetzt merkst.

Die Lücke zwischen Anspruch und Können ist kein Beweis für Talentmangel. Sie ist der Beweis, dass du hinsehen kannst.

Das Gegenmittel heißt: bewusst schlecht anfangen

Die Autorin Anne Lamott hat dafür in ihrem Buch über das Schreiben von 1994 einen Begriff geprägt, der seitdem in unzähligen Schreibkursen auftaucht.

Sie nennt die erste Fassung schlicht die „shitty first draft“, also die absichtlich miserable Rohfassung.

Ihr Punkt ist nicht Trost, sondern Verfahren.

Die erste Fassung hat genau eine Aufgabe: zu existieren. Sie darf nichts können. Gut wird ein Text erst in der zweiten und dritten Runde.

Wer diese Trennung nicht macht, versucht beim Schreiben gleichzeitig zu schreiben und zu bewerten. Und dabei blockiert der Bewerter den Schreiber.

So sieht das praktisch aus

Schreib die erste Fassung in einem Zug, ohne zurückzulesen.
Erlaub dir ausdrücklich, dass sie schlecht ist. Nicht als Floskel, sondern als Regel.
Leg sie mindestens einen Tag weg.
Erst dann darf der Bewerter ran. Vorher hat er Hausverbot.

Phase 05

Drei Videos zur kreativen Leere

Sagmeister: warum Pausen produktiv sind

Der Vortrag, auf den ich mich oben bezogen habe. Sagmeister rechnet darin vor, was ihm seine Sabbatjahre gebracht haben.

VIDEO 01  ·  Über das Jahr Auszeit alle sieben Jahre. Englisch, Untertitel verfügbar.

Achte auf den Teil, in dem er beschreibt, woher die Arbeiten der Folgejahre stammen.

Das ist der Punkt, der die übliche Rechnung umdreht: Die Pause ist keine Lücke in der Arbeit, sondern ihr Vorrat.

Gilbert: der Druck, wieder liefern zu müssen

Elizabeth Gilbert beschreibt in diesem Vortrag, wie es ist, nach einem sehr großen Erfolg wieder anzufangen.

VIDEO 02  ·  Über den Zustand nach dem Erfolg und den Weg zurück an die Arbeit.

Ihr Gedanke passt genau zum siebten Auslöser oben: Erfolg erhöht die Fallhöhe und macht den nächsten Text schwerer, nicht leichter.

Ihre Antwort darauf ist bemerkenswert unspektakulär. Zurück zu der Arbeit, die man ohnehin gern macht, unabhängig davon, was daraus wird.

Urban: wenn Aufschieben dazukommt

Bei vielen mischt sich in die Leere etwas anderes: Aufschieben. Und die beiden verstärken sich gegenseitig.

VIDEO 03  ·  Sehr komisch und im letzten Drittel unerwartet ernst.

Der Vortrag ist über weite Strecken eine Comedy-Nummer. Die letzten Minuten sind es nicht.

Darin geht es um Aufgaben ohne Abgabetermin. Und genau das ist dein eigener Text: Niemand wartet darauf, niemand mahnt ihn an.

Deshalb rutscht er nach hinten, ohne dass es je einen Moment gibt, in dem du dich bewusst dagegen entscheidest.

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Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.

Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.

Phase 06

Wann die Leere mehr ist als eine Phase

Dieses Kapitel steht bewusst in der Mitte und nicht am Ende.

Denn wer es braucht, soll es nicht erst nach viertausend Wörtern finden.

Alles, was bisher beschrieben wurde, ist ein Zustand, der mit dem Schreiben zu tun hat und wieder vorbeigeht.

Es gibt aber Fälle, in denen die Leere nichts mit dem Schreibtisch zu tun hat. Und die kann ein Blogartikel nicht lösen.

Woran du den Unterschied merkst

Die kreative Leere hat drei Eigenschaften: Sie betrifft das Schreiben, sie lässt in Wellen nach, und andere Dinge machen dir weiterhin Freude.

Wenn eine dieser drei Eigenschaften fehlt, redest du wahrscheinlich über etwas anderes.

Anlass, mit jemandem zu sprechen

Die Leere hält über Wochen an und hängt nicht mehr an einem bestimmten Anlass.
Sie betrifft nicht nur das Schreiben, sondern auch Dinge, die dir sonst Freude gemacht haben.
Schlaf, Appetit oder Antrieb verändern sich deutlich und bleiben so.
Du ziehst dich von Menschen zurück, auch von denen, die dir wichtig sind.
Du kommst ohne etwas nicht mehr durch den Tag, das dich runterbringt oder hochbringt.
Du denkst daran, dir etwas anzutun.

Wenn du dich hier wiedererkennst

Das ist kein Test und keine Diagnose, sondern nur ein Hinweis darauf, dass ein Gespräch sinnvoll wäre – mit jemandem, der dafür ausgebildet ist. Eine gute erste Adresse ist deine Hausärztin oder dein Hausarzt. Auch psychotherapeutische Sprechstunden kann man direkt anfragen, ohne Überweisung und ohne dass vorher feststehen muss, worum es geht.

Und wenn es dir gerade akut schlecht geht oder du an Selbstverletzung oder Suizid denkst: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, kostenfrei und anonym, telefonisch und im Chat. Dort musst du nichts erklären und nichts rechtfertigen.

Und weil es oben schon stand, hier noch einmal:

Rachmaninow ist aus seinen drei Jahren nicht durch Willenskraft herausgekommen, sondern mit Hilfe. Er hat das Ergebnis dieser Hilfe anschließend seinem Arzt gewidmet.

Das ist keine Randnotiz seiner Biografie, sondern steht in jeder Werkbeschreibung.

Eine Phase geht vorbei. Alles, was nicht vorbeigeht, gehört nicht in einen Blogartikel, sondern in ein Gespräch.

Der leere Schreibtisch als Bild für die kreative Leere
PHASE 04  ·  Der Stuhl steht noch da. Und der Mantel auch.

Phase 07

Zehn Techniken gegen die kreative Leere

Also keine Wunder. Zehn Griffe, die klein genug sind, um sie im Zustand der Leere überhaupt zu schaffen.

T1 · Senk die Einheit auf drei Sätze

Nicht ein Text, nicht eine Seite. Drei Sätze. Denn eine Aufgabe, die zu groß ist, wird im Zustand der Leere gar nicht erst begonnen.

T2 · Schreib etwas, das niemand sehen wird

Ausdrücklich niemand. Kein Slam, kein Blog, keine Lesung. Damit fällt der Bewerter weg, und der war meistens das Problem.

T3 · Erlaub dir die schlechte erste Fassung

Die erste Fassung muss nur existieren. Gut wird sie in Runde zwei. Wer beides gleichzeitig will, blockiert sich selbst.

T4 · Sammel Material statt zu schreiben

Wenn seit Monaten nichts hineingeht, kann nichts herauskommen. Notizbuch mitnehmen, mitschreiben, was auffällt. Erst mal ohne Ziel.

T5 · Wechsel das Format

Wer immer Vierminüter schreibt, versucht es mit einer Liste. Oder mit einem Dialog. Ein anderes Format hat keine Vorgeschichte und deshalb keinen Druck.

T6 · Wechsel den Ort

Küchentisch statt Schreibtisch, Zug statt Zimmer, Bibliothek statt Wohnung. Klingt nach nichts und wirkt erstaunlich zuverlässig.

T7 · Setz einen Wecker auf zehn Minuten

Zehn Minuten sind auch an einem schlechten Tag machbar. Und meistens hört man nicht auf, wenn er klingelt.

T8 · Schreib über die Leere selbst

Das ist kein Ausweichen, sondern das nächstliegende Thema. Und es funktioniert auf der Bühne besser als fast alles andere, weil jeder es kennt.

T9 · Räum die angefangenen Sachen weg

Sieben halbe Texte erzeugen Druck. Wirf fünf davon weg. Die zwei, um die es dir leidtut, sind deine nächsten.

T10 · Lass Pausen zu, ohne sie zu bewerten

Eine Woche ohne Schreiben ist keine Niederlage. Wenn du sie zur Niederlage machst, verlängerst du sie zuverlässig.

Phase 08

Sechs sehr kleine Übungen

Bewusst klein gehalten. Denn Übungen, die im Zustand der Leere zu groß sind, macht niemand.

UEBUNG 01

Schreib drei Sätze über etwas, das du heute gesehen hast.

HINWEIS  ▸

Nicht über dich, nicht über ein Thema. Nur etwas, das dir aufgefallen ist.

EIN MOEGLICHER WEG  ▸

An der Haltestelle klebt ein Zettel für eine Katze. Er hängt da seit dem Frühjahr. Das Foto ist inzwischen ausgeblichen.  Drei Sätze reichen als Tagespensum vollständig aus.

UEBUNG 02

Nimm einen alten Text und streich ihn auf die Hälfte.

HINWEIS  ▸

Streichen ist deutlich leichter als Schreiben und zählt trotzdem als Arbeit.

EIN MOEGLICHER WEG  ▸

Nach einer halben Stunde hast du etwas geschafft, ohne einen einzigen neuen Satz erfinden zu müssen. Bei vielen bricht genau dabei die Blockade auf.

UEBUNG 03

Schreib den Anfang von etwas, das du nie zu Ende schreiben wirst.

HINWEIS  ▸

Ausdrücklich als Wegwerfprodukt. Sag dir das vorher laut.

EIN MOEGLICHER WEG  ▸

Weil es keine Zukunft hat, muss es nichts können. Erfahrungsgemäß entstehen dabei überdurchschnittlich gute Sätze, gerade weil nichts davon abhängt.

Drei Übungen, die dich aus dem Zimmer bringen

UEBUNG 04

Beschreib die Leere selbst als Szene.

HINWEIS  ▸

Mit Uhrzeit, Raum und Gegenständen. Nicht als Gefühl, sondern als Bild.

EIN MOEGLICHER WEG  ▸

Halb vier, Küchentisch, das Notizbuch liegt seit Wochen an derselben Stelle. Ich habe es zweimal weggeräumt und wieder hingelegt.  Solche Texte funktionieren auf der Bühne, weil fast jeder sie kennt.

UEBUNG 05

Frag drei Leute aus der Szene, ob sie das kennen.

HINWEIS  ▸

Direkt und ohne Umschweife. Die Antwort überrascht die meisten.

EIN MOEGLICHER WEG  ▸

Fast immer kommt ein sofortiges Ja, oft mit einer eigenen Geschichte dazu. Der Punkt der Übung ist nicht der Rat, sondern die Entlastung.

UEBUNG 06

Geh eine Woche lang jeden Tag woanders lang.

HINWEIS  ▸

Kein Schreiben, nur andere Wege. Notizbuch mitnehmen, aber nichts erzwingen.

EIN MOEGLICHER WEG  ▸

Das ist Nachschub, kein Trick. Nach etwa einer Woche haben die meisten wieder drei bis fünf Notizen, mit denen sich arbeiten lässt.

Setz die Einheit so klein, dass du sie auch an einem schlechten Tag schaffst. Drei Sätze sind ein Tagespensum.

Phase 09

Leerer Tank statt kreativer Leere im Kopf

Nun eine Unterscheidung, die vielen den Druck nimmt.

Es gibt zwei Arten von Leere, die sich gleich anfühlen und verschiedene Ursachen haben.

Die erste: Der Kopf ist blockiert

Du hättest Material, kommst aber nicht dran. Anspruch, Erschöpfung oder Druck stehen im Weg.

Dagegen helfen die zehn Techniken oben.

Die zweite: Der Tank ist leer

Du kommst dran und es ist nichts da. Weil seit Monaten nichts hineingegangen ist.

Dagegen hilft keine Technik, sondern nur Nachschub.

Und Nachschub heißt nicht: mehr über das Schreiben lesen.

Woran du merkst, welche von beiden es ist

Blockade: Du hast Ideen, verwirfst sie aber alle sofort.
Leerer Tank: Du hast schlicht keine Ideen, auch keine schlechten.
Bei Blockade: kleiner werden, schlechter schreiben dürfen, Bewerter aussperren.
Bei leerem Tank: raus, lesen, reden, andere Wege gehen. Und vorerst gar nicht schreiben.

Die meisten behandeln einen leeren Tank wie eine Blockade.

Sie setzen sich hin, zwingen sich, scheitern und schließen daraus auf ihr Talent.

Dabei war das Einzige, was fehlte, etwas zum Schreiben.

Warten statt arbeiten während der kreativen Leere
PHASE 05  ·  Das Notizbuch liegt bereit. Heute wird es nicht aufgeschlagen.

Phase 10

Selbstcheck: acht Fragen zur kreativen Leere

Also acht Fragen dazu, was du tust. Nicht dazu, wie es dir geht.

Weißt du, welcher der zwölf Auslöser bei dir zutrifft?

Das ist der wichtigste Punkt. Denn gegen Erschöpfung hilft etwas völlig anderes als gegen einen zu hohen Anspruch. Wer die Ursache nicht kennt, probiert das falsche Mittel und schließt aus dem Misserfolg auf sich selbst.

Ist deine kleinste Einheit klein genug?

Drei Sätze, nicht ein Text. Wenn deine Aufgabe zu groß ist, fängst du im Zustand der Leere gar nicht erst an. Und das bestätigt dann wieder, dass nichts geht.

Erlaubst du dir eine schlechte erste Fassung?

Wer beim Schreiben gleichzeitig bewertet, blockiert sich selbst. Die erste Fassung hat genau eine Aufgabe: zu existieren. Gut wird ein Text in Runde zwei und drei.

Geht seit Monaten etwas rein?

Bücher, Wege, Gespräche, Orte. Wenn nichts hineingeht, kann nichts herauskommen. Das ist kein Talentproblem, sondern Nachschub, und dagegen hilft keine Schreibtechnik.

Vier Fragen zu deinen Rahmenbedingungen

Schreibst du gerade nur für ein Publikum?

Wenn dein Kopf bei jedem Einfall zuerst prüft, ob er ankommt, kommt irgendwann kein Einfall mehr. Schreib eine Weile etwas, das ausdrücklich niemand sehen wird.

Wie viele angefangene Sachen liegen bei dir herum?

Mehr als drei erzeugen Druck statt Vorfreude. Wirf die Mehrzahl weg, wirklich weg. Die zwei, um die es dir leidtut, sind deine nächsten.

Bewertest du jede schreibfreie Woche als Niederlage?

Dann verlängerst du die Phase zuverlässig. Denn zur Leere kommt dann noch das schlechte Gewissen, und das kostet genau die Kapazität, die du zum Schreiben bräuchtest.

Weißt du, wo du dich melden kannst, wenn es nicht vorbeigeht?

Hausärztin, psychotherapeutische Sprechstunde, bei akuter Belastung die Telefonseelsorge. Das vorher zu wissen ist deutlich leichter, als es mittendrin herauszufinden.

Sieben oder acht mit Ja? Dann machst du das Richtige und brauchst vor allem Zeit.

Vier oder weniger? Dann fang mit den ersten beiden an. Ursache benennen und die Einheit verkleinern.

Phase 11

Zehn Fehler in der kreativen Leere

F1 · Die Leere als Urteil über dein Talent lesen

Der Grundfehler. Sie liefert diese Erklärung gratis mit, und sie ist fast immer die unfreundlichste verfügbare.

F2 · Sich zwingen

Bei Erschöpfung verlängert Zwang die Phase. Wenn du dich seit Wochen zwingst und nichts passiert, ist Zwang offensichtlich nicht das fehlende Element.

F3 · Zu große Einheiten

Wer sich einen ganzen Text vornimmt, fängt gar nicht erst an. Drei Sätze sind ein vollwertiges Tagespensum.

F4 · Gleichzeitig schreiben und bewerten

Damit blockiert der Bewerter den Schreiber. Erste Fassung ohne Urteil, Urteil frühestens am nächsten Tag.

F5 · Nur noch über das Schreiben lesen

Ratgeber fühlen sich nach Arbeit an und sind keine. Sie ersetzen weder Material noch die drei Sätze.

F6 · Sich vergleichen

Du siehst von anderen nur das Veröffentlichte. Niemand postet die Monate, in denen nichts ging.

F7 · Den leeren Tank wie eine Blockade behandeln

Wenn nichts hineingeht, hilft keine Technik. Dann brauchst du Nachschub und vorerst gar keinen Schreibtisch.

F8 · Jede Pause zur Niederlage erklären

Damit kommt zur Leere das schlechte Gewissen. Und das frisst genau die Kapazität, die du bräuchtest.

F9 · Grundsatzentscheidungen mittendrin treffen

Aufhören, alles löschen, sich verabschieden. Im Zustand der Leere fühlt sich das vernünftig an. Verschieb es um zwei Monate.

F10 · Warnzeichen als Künstlerschicksal abtun

Wenn die Leere anhält, alles betrifft und nicht mehr am Schreibtisch hängt, ist das kein romantischer Teil des Berufs, sondern ein Anlass für ein Gespräch.

Phase 12

Vierzehn Tage gegen die kreative Leere

Kein Programm, das du durchhalten musst. Ein Rahmen, der klein genug ist.

Woche eins: gar nicht schreiben

Sieben Tage lang Material sammeln. Andere Wege gehen, lesen, mit Menschen reden, Notizbuch mitnehmen.

Ausdrücklich kein Schreibversuch. Das ist die Regel und nicht die Ausnahme.

Woche zwei: drei Sätze am Tag

Nicht mehr. Auch wenn es läuft, hörst du nach drei Sätzen auf.

Das klingt widersinnig und ist der Trick: Wer aufhört, während es geht, setzt sich am nächsten Tag leichter wieder hin.

Zum Abhaken

Sechs Punkte für vierzehn Tage. Mehr ist nicht vorgesehen.

Alle sechs? Dann hast du getan, was möglich war. Und wenn danach immer noch nichts geht? Dann nochmal vierzehn Tage. Oder das Kapitel in der Mitte lesen.

Bahn Slam · Edition

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Wenn du diese Techniken nicht nur lesen,
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Was drinsteckt
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✦ ✦ ✦ die zweiunddreißig bücher

Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch
— Stephan Pinkwart —

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Phase 13

Häufige Fragen zur kreativen Leere

Wie lange dauert eine kreative Leere?

Das hängt vom Auslöser ab. Nach einem abgeschlossenen Projekt sind zwei bis sechs Wochen völlig üblich. Bei Erschöpfung dauert es so lange, bis die Erschöpfung nachlässt. Feste Zahlen gibt es nicht, und wer welche nennt, rät.

Ist die kreative Leere ein Zeichen von fehlendem Talent?

Nein. Rachmaninow hat nach dem Misserfolg seiner ersten Sinfonie etwa drei Jahre lang praktisch nichts komponiert, danach entstand sein zweites Klavierkonzert. Das Talent war nie weg, der Zugang war blockiert.

Soll ich mich zwingen zu schreiben?

Zwang funktioniert bei Erschöpfung nicht und verlängert die Phase. Was funktioniert, ist die Einheit klein zu machen: drei Sätze am Tag statt eines Textes.

Was ist der Unterschied zwischen Blockade und leerem Tank?

Bei einer Blockade hast du Ideen und verwirfst sie sofort. Bei einem leeren Tank hast du gar keine, auch keine schlechten. Gegen das Erste helfen Techniken, gegen das Zweite nur Nachschub.

Warum geht nichts mehr, obwohl ich besser geworden bin?

Genau deshalb. Dein Urteil wächst schneller als deine Fähigkeit, also erkennst du sofort, was an deinem Satz nicht stimmt. Früher hast du das nicht bemerkt und einfach weitergeschrieben.

Hilft es, eine Pause zu machen?

Ja, wenn du sie nicht zur Niederlage erklärst. Der Designer Stefan Sagmeister schließt sein Studio etwa alle sieben Jahre für ein ganzes Jahr und begründet das damit, dass die Arbeiten der Folgejahre aus dieser Zeit stammen.

Was schreibe ich, wenn mir nichts einfällt?

Drei Sätze über etwas, das du heute gesehen hast. Ohne Thema, ohne Ziel, ohne Publikum. Und wenn gar nichts kommt: schreib über die Leere selbst, das ist das naheliegendste Thema.

Soll ich meine angefangenen Texte aufheben?

Meistens nicht. Mehr als drei angefangene Sachen erzeugen Druck statt Vorfreude. Wirf die Mehrzahl weg. Die zwei, um die es dir leidtut, sind die, an denen du weiterarbeitest.

Wann sollte ich aufhören zu schreiben?

Nicht mitten in der Leere. Dieser Gedanke gehört zum Zustand dazu und fühlt sich darin vernünftig an. Verschieb die Entscheidung um zwei Monate. Wenn sie dann noch da ist, ist sie ernst zu nehmen.

Wann sollte ich mit jemandem sprechen?

Wenn die Leere über Wochen bleibt, nicht mehr an einem Anlass hängt und auch Dinge betrifft, die dir sonst Freude machen. Ebenso bei anhaltenden Veränderungen von Schlaf und Antrieb, bei Rückzug oder wenn du daran denkst, dir etwas anzutun. Erste Adresse ist die Hausärztin, bei akuter Belastung die Telefonseelsorge.

Letzte Phase

Der erste Satz nach der kreativen Leere

Meine längste Phase hat etwa fünf Monate gedauert.

Ich habe in dieser Zeit alles ausprobiert, was in solchen Artikeln steht. Nichts davon hat gewirkt.

Was am Ende gewirkt hat, war unspektakulär und ein bisschen enttäuschend.

Ich habe aufgehört, es zu versuchen.

Sechs Wochen lang bin ich einfach andere Wege gegangen und habe mitgeschrieben, was mir auffiel. Ohne Absicht.

Und irgendwann stand ein Satz im Notizbuch, den ich nicht als Notiz gemeint hatte.

Er war nicht besonders gut. Er hat nur die Eigenschaft gehabt, dass ich wissen wollte, wie es weitergeht.

Daraus ist der Text geworden, mit dem ich danach zwei Jahre lang aufgetreten bin.

Die Leere war nicht das Ende von etwas. Sie war die Zeit, in der ich nichts hatte, worüber ich schreiben wollte.

Eine erste Zeile nach der kreativen Leere
PHASE 06  ·  Eine Zeile. Und die Frage, wie es weitergeht.

Du hast nicht aufgehört zu schreiben. Du hast gerade nichts, worüber du schreiben willst.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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