Deine Anti-Bucketlist: 10 Slam-Klischees, die du nie bedienst

Potsdam · sieben von zehn

Deine Anti-Bucketlist: 10 Slam-Klischees, die du nie bedienst

Ich habe sie alle bedient. Und zwar bevor ich sie überhaupt bemerkt habe.

Ein zerknülltes Blatt. Eine brechende Stimme. Und ein Schluss, der die ganze Welt umarmt.

Potsdam, ein Slam in einem Kulturhaus, jemand steht zum zweiten Mal auf einer Bühne.

Und macht alles, was man macht, wenn man noch nicht weiß, dass man es macht.

Ich saß in Reihe vier und habe innerlich die Augen verdreht.

Zwei Stunden später saß ich im Zug und habe in meiner Tasche einen alten Text gefunden.

Poetry Slam Klischees in Reinform: der Waschbär steht theatralisch auf der Bühne und zerknüllt ein Blatt Papier
Das zerknüllte Blatt. Klischee Nummer eins und meine eigene Vergangenheit.

Sieben von zehn.

Sieben der zehn Poetry Slam Klischees, über die ich mich gerade lustig gemacht hatte, standen in meinem eigenen Text.

Bevor es losgeht, zwei Sätze zur Haltung, weil sie den ganzen Beitrag tragen.

Worum es hier nicht geht
Dieser Text macht sich nicht über Menschen lustig, die anfangen.

Poetry Slam Klischees entstehen nicht aus Faulheit, sondern aus Beobachtung. Man übernimmt, was funktioniert hat, und das ist ein völlig vernünftiger Lernvorgang. Nur bleibt man leider gern darin stecken.

Und ich schreibe hier über nichts, was ich nicht selbst gemacht hätte.

Am Ende bekommst du wieder genau einen Griff. Er dauert zehn Minuten und braucht einen roten Stift.

Denn Poetry Slam Klischees erkennt man bei anderen mühelos und bei sich selbst so gut wie nie.

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Warum Poetry Slam Klischees überhaupt entstehen

Niemand setzt sich hin und beschließt, so zu schreiben wie alle anderen.

Klischees entstehen auf einem viel harmloseren Weg.

Der Mechanismus in drei Schritten

Erstens siehst du etwas, das funktioniert. Ein Publikum reagiert stark auf eine bestimmte Geste.

Zweitens übernimmst du es, meistens ohne es zu merken. Dein Gehirn speichert die Verbindung zwischen Mittel und Wirkung.

Und drittens machen es alle anderen genauso, weil sie dasselbe gesehen haben.

Nach zwei Jahren gibt es dann eine Handvoll Bewegungen, Tonfälle und Schlusswendungen, die überall vorkommen.

Genau so entstehen Poetry Slam Klischees, nämlich aus lauter richtigen Einzelentscheidungen.

Poetry Slam Klischees entstehen durch Nachahmung: eine Wand voller identischer leerer Blätter in gleichmäßigem Raster
Alle gleich groß, alle gleich weit auseinander. So sieht Nachahmung aus.

Warum das trotzdem nicht dumm ist

Nachahmung ist der normale Weg, ein Handwerk zu lernen.

Musiker spielen fremde Stücke nach. Malerinnen kopieren in Museen. Schreibende schreiben erst einmal wie die Leute, die sie bewundern.

Das Problem ist nicht der Anfang. Das Problem ist, dass viele nie den zweiten Schritt machen.

Der zweite Schritt lautet: bemerken, was man übernommen hat, und entscheiden, ob man es behalten will. Das ist alles.

Deshalb sind Poetry Slam Klischees auch kein Anfängerproblem. Sie sind ein Problem des zweiten und dritten Jahres.

Ein Klischee war einmal eine gute Idee. Sie ist nur inzwischen von zu vielen Menschen benutzt worden.
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George Orwell und die Regel gegen abgenutzte Bilder

1946 veröffentlichte George Orwell einen Aufsatz über Sprache und Politik.

Er heißt Politics and the English Language und endet mit sechs Regeln.

Die erste davon ist für diesen Beitrag die entscheidende.

Benutze nie eine Metapher, einen Vergleich oder eine andere Redefigur, die du gewohnt bist, gedruckt zu sehen.
George Orwell, erste Regel · sinngemäß übersetzt

Damit ist praktisch alles gesagt, worum es bei Poetry Slam Klischees geht.

Nicht das Bild ist das Problem, sondern seine Bekanntheit.

Auf Poetry Slam Klischees übertragen heißt das: Es geht nie um Verbote, sondern um Abnutzung.

Die vier Fragen davor

Vor den Regeln stellt Orwell vier Fragen, die ein sorgfältig arbeitender Mensch sich bei jedem Satz stellen soll.

Was will ich sagen. Welche Wörter drücken es aus. Welches Bild macht es klarer.

Und dann die vierte, die hier die wichtigste ist: Ist dieses Bild frisch genug, um überhaupt zu wirken?

Der ehrliche Haken

Orwell hat seine eigenen Regeln in demselben Aufsatz gebrochen.

Das ist mehrfach nachgewiesen worden, und er selbst hat vorgebaut. Seine sechste Regel lautet sinngemäß, man solle jede dieser Regeln brechen, bevor man etwas offenkundig Barbarisches sagt.

Und er schreibt selbst, man könne alle sechs Regeln einhalten und trotzdem schlecht schreiben.

Wer Poetry Slam Klischees vermeidet, schreibt also noch keinen guten Text. Er räumt nur auf.

Was du daraus mitnimmst
Regeln gegen Klischees sind Werkzeuge und keine Gesetze.

Die Liste in diesem Beitrag ist deshalb keine Verbotsliste. Sie ist eine Liste von Stellen, an denen du kurz nachdenken solltest, bevor du weiterschreibst.
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Der eine Griff: der Fremdheitstest

Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.

Es gibt genau eine Sache, die zuverlässig funktioniert. Und sie ist wieder enttäuschend simpel.

Der Griff
Nimm einen roten Stift und streich jede Zeile an, die auch von jemand anderem stammen könnte.

Nicht jede schlechte Zeile. Nur die austauschbaren.

Was übrig bleibt, ist dein Text. Der Rest ist die Szene, die durch dich hindurchspricht.

Das war es. Ein Stift, zehn Minuten.

Damit findest du deine eigenen Poetry Slam Klischees zuverlässiger als mit jeder fremden Liste.

Der Fremdheitstest gegen Poetry Slam Klischees: der Waschbär streicht mit rotem Stift Zeilen auf einem Blatt durch
Roter Stift, austauschbare Zeilen. Was stehen bleibt, gehört dir.

Warum das besser funktioniert als jede Liste

Weil du dabei nicht nach Fehlern suchst, sondern nach Eigentum.

Die Frage lautet nicht, ob eine Zeile gut ist. Sie lautet, ob sie von dir sein muss.

Und das ist eine Frage, die du selbst beantworten kannst, ohne dass jemand danebensteht.

Was du danach machst

Nicht alles streichen. Das wäre der zweite Fehler und meistens der teurere.

Nimm stattdessen die drei angestrichenen Zeilen, die dir am wichtigsten sind, und schreib sie neu. Konkreter, kleiner, näher an deinem tatsächlichen Leben.

Der Rest darf oft stehen bleiben, weil ein Text auch Verbindungsstücke braucht.

Denn nicht alle Poetry Slam Klischees müssen weg. Es reicht, wenn die wichtigen Stellen dir gehören.

Warum nur ein Griff und nicht zwölf
Weil du dir keine Liste mit zehn Verboten merkst, während du schreibst.

Einen roten Stift und eine Frage merkst du dir. Alles Weitere in diesem Beitrag ist die Erklärung dazu, was du beim Streichen wahrscheinlich finden wirst.
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Slam-Klischee 1: Das zerknüllte Blatt

Der Klassiker. Der Text endet, die Faust schließt sich, das Papier knirscht ins Mikrofon.

Manchmal fliegt es auch.

Und wenn zwei Auftretende an einem Abend dasselbe tun, lacht der Saal beim zweiten Mal. Das ist der Moment, in dem eine gute Idee endgültig zur Manier geworden ist.

Statt
Das Blatt am Ende zerknüllen oder wegwerfen.
Besser
Das Blatt einfach sinken lassen.
Die Geste sagt: Dieser Text hat mich so mitgenommen, dass ich ihn nicht mehr brauche. Das Publikum hat das inzwischen hunderte Male gesehen und liest darin nur noch eines: dass hier eine Wirkung behauptet wird, statt sie entstehen zu lassen. Ein Blatt, das einfach an der Seite herunterhängt, wirkt in einem stillen Saal ungleich stärker.

Und falls du das Blatt tatsächlich nicht mehr brauchst, weil du auswendig sprichst: Dann leg es vorher weg, nicht danach.

Dieses erste der zehn Poetry Slam Klischees ist übrigens das am leichtesten abzulegende. Es kostet dich genau nichts.

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Slam-Klischee 2: Die brechende Stimme

Immer an derselben Stelle, immer exakt eine Zeile vor dem Schluss.

Statt
Die Stimme kippen lassen, damit die Rührung ankommt.
Besser
Leiser werden und das Tempo halten.
Echte Ergriffenheit ist auf einer Bühne selten planbar, und ein Publikum merkt erstaunlich zuverlässig, ob sie gerade passiert oder aufgeführt wird. Wer stattdessen ruhig und leise weiterspricht, zwingt den Saal zum Zuhören und überlässt ihm die Rührung. Das ist der schwerere Weg und der wirksamere.

Der Test dafür ist unbequem: Sprich die Stelle einmal völlig neutral.

Wenn sie dann nicht mehr trägt, lag es nie am Text.

Damit ist auch das zweite dieser Poetry Slam Klischees eine Frage des Handwerks und nicht des Gefühls.

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Slam-Klischee 3: Der Weltschmerz-Schluss

Die letzten vier Zeilen verlassen plötzlich das Thema und umarmen die gesamte Menschheit.

Aus einer Geschichte über die Großmutter wird ein Appell an die Gesellschaft.

Statt
Am Ende groß werden und alle mitmeinen.
Besser
Am Ende klein bleiben und beim Konkreten enden.
Der große Schluss fühlt sich beim Schreiben wie eine Steigerung an und ist in Wahrheit ein Rückzug ins Allgemeine. Ein Text über eine einzelne Person wirkt am stärksten, wenn er bei dieser Person bleibt. Das Allgemeine denkt das Publikum von selbst dazu, und es denkt es besser, als du es formulieren kannst.

Faustregel: Wenn im letzten Drittel zum ersten Mal das Wort wir auftaucht, lohnt sich ein zweiter Blick.

Denn dieses Wir kommt fast nie aus dem Text. Es kommt aus dem Wunsch, dass der Text größer sein möge, als er ist.

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Slam-Klischee 4: Die Aufzählung, die immer schneller wird

Sie beginnt ruhig, wird länger, wird schneller, wird lauter und endet mit einem Knall.

Es ist ein wirksames Mittel. Genau deshalb ist es überall.

Statt
Die Steigerungsaufzählung als Höhepunkt einsetzen.
Besser
Die Aufzählung mittendrin abbrechen.
Eine Aufzählung, die abbricht, hinterlässt eine Lücke, und Lücken arbeiten im Kopf weiter. Außerdem hört das Publikum bei der dritten Steigerungsaufzählung eines Abends ohnehin nur noch das Muster und nicht mehr den Inhalt. Wer stattdessen nach vier Gliedern aufhört, bekommt die Aufmerksamkeit zurück, die alle anderen gerade verbraucht haben.

Wenn du die Steigerung behalten willst, dann bau sie einmal in den Text und nicht dreimal.

Einmal ist ein Höhepunkt. Dreimal ist eine Masche, und der Saal hört bei der dritten schon nicht mehr auf den Inhalt.

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Slam-Klischee 5: Der Reim, der plötzlich anfängt

Zwei Minuten Prosa, und dann reimen sich auf einmal die letzten sechs Zeilen.

Statt
Zum Schluss in den Reim wechseln, damit es rund wird.
Besser
Von Anfang an entscheiden, ob der Text reimt.
Der späte Reim signalisiert dem Publikum, dass gleich Schluss ist, und das ist praktisch. Er signalisiert aber auch, dass die Form der Wirkung hinterhergeschoben wird. Ein Text, der von Anfang an reimt, ist eine Entscheidung. Ein Text, der ab Minute drei reimt, ist meistens eine Verlegenheit.

Die Ausnahme bestätigt hier tatsächlich die Regel: Wenn der Wechsel inhaltlich begründet ist, etwa weil eine Figur zu sprechen beginnt, funktioniert er hervorragend.

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Slam-Klischee 6: Der Text über das Schreiben

Ein Text über das leere Blatt, über die Angst vor dem leeren Blatt oder über die Frage, was Poesie eigentlich ist.

Statt
Über das Schreiben schreiben.
Besser
Über das schreiben, worüber du nicht schreiben willst.
Texte über das Schreiben funktionieren im Saal überdurchschnittlich gut, weil die halbe Szene selbst schreibt und sich wiedererkennt. Genau das ist das Problem: Du sprichst zu Kolleginnen und Kollegen statt zum Publikum. Wer stattdessen das Thema nimmt, vor dem er sich drückt, hat garantiert etwas, das noch niemand hatte.

Es gibt hervorragende Texte über das Schreiben. Sie sind nur fast alle schon geschrieben.

Zusammen mit dem Weltschmerz-Schluss gehört dieses Thema zu den hartnäckigsten Poetry Slam Klischees überhaupt.

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Slam-Klischee 7: Das große Wir

Wir alle kennen das. Wir leben in einer Zeit, in der. Wir haben verlernt, wie man.

Statt
Mit wir sprechen, um alle einzuschließen.
Besser
Ich sagen und beim eigenen Fall bleiben.
Das große Wir behauptet eine Gemeinsamkeit, die es so nicht gibt, und schließt genau die Menschen aus, für die es nicht stimmt. Außerdem nimmt es dem Text die Verantwortung: Wer ich sagt, steht für etwas ein. Wer wir sagt, versteckt sich in einer Menge, die nicht gefragt wurde.

Prüf einmal alle Stellen im Text, an denen wir vorkommt, und ersetze sie testweise durch ich.

Das ist unangenehm, weil ich angreifbarer macht als wir. Genau darin liegt der Gewinn.

In den meisten Fällen wird der Text dadurch mutiger.

Erstens ist das unbequem. Zweitens erledigt es mehrere Poetry Slam Klischees auf einmal.

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Slam-Klischee 8: Die erklärte Pointe

Die Wendung sitzt, der Saal reagiert, und dann kommen noch zwei Zeilen, die erklären, was gerade passiert ist.

Statt
Nach der Pointe noch einmal zusammenfassen.
Besser
Nach der Pointe aufhören.
Die erklärenden Zeilen entstehen aus Unsicherheit: Man traut dem Publikum nicht zu, dass es verstanden hat. Meistens hat es aber verstanden, und der Nachsatz nimmt ihm den Moment des eigenen Begreifens weg. Das ist der teuerste Handgriff auf dieser ganzen Liste, weil er eine funktionierende Stelle nachträglich beschädigt.

Praktischer Test: Streich die letzten zwei Zeilen deines Textes und lies ihn laut.

Erstaunlich oft ist er danach besser. Bei ungefähr jedem zweiten Text, den ich je geschrieben habe, war es so.

Deshalb steht dieses unter allen Poetry Slam Klischees ganz oben auf meiner persönlichen Liste.

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Slam-Klischee 9: Die Bühnenmanierismen

Die Hand ans Mikrofonkabel. Der Schritt nach vorn bei der wichtigen Zeile. Der Blick zu Boden vor der Pause.

Ohne Poetry Slam Klischees auf der Bühne: der Waschbär steht völlig ruhig am Mikrofon, die Arme entspannt
Keine Geste. Und plötzlich hört der Saal genauer hin.
Statt
Bewegungen einsetzen, damit es lebendig wirkt.
Besser
Einmal komplett stillstehen.
Die üblichen Bewegungen sind alle sinnvoll entstanden und deshalb überall. In einem Abend mit zehn Auftretenden sehen sie alle gleich aus, und ab dem dritten Mal registriert das Publikum sie als Handwerkskasten statt als Ausdruck. Stillstehen ist auf einer Slam-Bühne inzwischen die auffälligste Entscheidung, die man treffen kann.

Das heißt nicht, dass du dich nicht bewegen darfst.

Es heißt, dass jede Bewegung eine Entscheidung sein sollte und keine Angewohnheit.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen Handwerk und Poetry Slam Klischees.

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Slam-Klischee 10: Das Thema, das gerade alle machen

In jeder Saison gibt es eines. Vor einigen Jahren war es das Smartphone, davor die Kindheit auf dem Dorf, dann kam eine Reihe von Texten über Achtsamkeit.

Sie sind selten schlecht. Sie sind nur zu viele.

Und das ist der Unterschied zu allen anderen Punkten auf dieser Liste: Hier liegt es nicht am Text, sondern am Abend.

Statt
Das Thema nehmen, das gerade funktioniert.
Besser
Das Thema nehmen, das gerade niemand nimmt.
Wenn an einem Abend drei Texte zum selben Gegenstand laufen, verliert der dritte unabhängig von seiner Qualität. Das ist ungerecht und trotzdem verlässlich. Ein ungewöhnliches Thema hat dagegen einen eingebauten Vorteil: Das Publikum weiß noch nicht, wohin es geht, und hört deshalb länger zu.

Woran du das erkennst: Wenn du an einem Abend zweimal denkst, dass du das schon gehört hast, ist es ein Saisonthema.

Saisonthemen sind die einzigen Poetry Slam Klischees, die sich von allein wieder auflösen. Man muss sie nur aussitzen.

Nicht das Thema ist verbraucht. Verbraucht ist die eine Art, wie gerade alle darüber sprechen.
Dein Link-Kompass

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Schreiben & Textaufbau
31 Beiträge

Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.

Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.

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Flaubert sammelte dreißig Jahre lang Gemeinplätze

Der Gedanke, Klischees zu sammeln, ist nicht neu.

Gustave Flaubert hat es ungefähr dreißig Jahre lang getan.

Ab etwa 1850 trug er systematisch zusammen, was die Leute seiner Zeit für selbstverständlich hielten und deshalb ohne Nachdenken sagten.

Herausgekommen sind rund tausend Einträge, das Dictionnaire des idées reçues, auf Deutsch das Wörterbuch der Gemeinplätze.

Es ist damit die älteste systematische Sammlung dessen, was wir heute Poetry Slam Klischees nennen würden, nur eben für eine ganze Gesellschaft.

Wie das aussieht

Es ist als Lexikon aufgebaut. Links steht ein Stichwort, rechts die Phrase, die man dazu automatisch sagt.

Zwei Beispiele, die bis heute funktionieren.

Beide stammen aus dem neunzehnten Jahrhundert und ließen sich heute unverändert auf jede Kommentarspalte anwenden.

Optimist: gleichbedeutend mit Dummkopf. — Dummköpfe: alle, die anders denken als man selbst.
Gustave Flaubert · Wörterbuch der Gemeinplätze · sinngemäß übersetzt

Das Buch war als Anhang zu seinem unvollendeten Roman Bouvard und Pécuchet gedacht.

Flaubert starb 1880, ohne beides fertigzustellen. Die Sammlung erschien posthum, wobei die Quellen zwischen 1910 und 1913 schwanken, je nachdem, welche Ausgabe man zählt.

Der ehrliche Haken

Das Wörterbuch ist ein Buch des neunzehnten Jahrhunderts.

Es enthält Einträge, die heute schlicht rassistisch sind, und die stehen dort nicht ironisch, sondern als Teil derselben Sammlung.

Man kann von der Methode lernen und muss das Ergebnis trotzdem einordnen. Wer Gemeinplätze sammelt, sammelt eben auch die eigenen, ohne sie zu bemerken.

Das gilt übrigens auch für jede Liste von Poetry Slam Klischees, meine eingeschlossen.

Die Methode, die du übernehmen kannst
Führ deine eigene kleine Sammlung.

Eine Notiz im Handy, in die jede Formulierung wandert, die du an einem Abend zum zweiten Mal hörst. Nach einem halben Jahr hast du deine persönliche Liste der Poetry Slam Klischees, und sie ist genauer als jede allgemeine, weil sie deine Szene abbildet.
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Wann Poetry Slam Klischees trotzdem funktionieren

Jetzt die Gegenrede, weil dieser Beitrag sonst kippt.

Es gibt vier Fälle, in denen ein bekanntes Mittel genau richtig ist.

Denn Poetry Slam Klischees sind kein Naturgesetz, sondern eine Frage des Zusammenhangs.

Vier legitime Ausnahmen

Wenn du es sichtbar brichst
Ein Klischee aufbauen und dann etwas anderes machen, ist eine der ältesten und wirksamsten Techniken überhaupt. Das Publikum kennt die Form und erlebt die Abweichung doppelt so stark. Das funktioniert allerdings nur, wenn du das Muster wirklich beherrschst.
Wenn du am Anfang stehst
Die ersten zwanzig Auftritte darf man ruhig nachmachen, was funktioniert. So lernt man das Handwerk. Wichtig ist nur, dass irgendwann jemand die Frage stellt, und am besten stellst du sie dir selbst.
Wenn es dein Publikum trägt
Bei Veranstaltungen mit Menschen, die selten auf Slams gehen, wirken viele dieser Mittel völlig frisch. Das Klischee ist ein Problem der Szene und nicht des Publikums.
Wenn es ehrlich ist
Wenn dir tatsächlich die Stimme bricht, ist das kein Klischee, sondern ein Moment. Der Unterschied liegt nicht in der Handlung, sondern darin, ob sie geplant war.
Die entscheidende Unterscheidung
Ein Mittel ist kein Klischee, weil es bekannt ist.

Es wird zum Klischee, wenn es die Arbeit ersetzt. Wer die Geste macht, weil sie wirkt, hat gearbeitet. Wer sie macht, damit er sich um die Wirkung nicht kümmern muss, nicht.
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Zugabe

Drei Slam-Klischees, die selten jemand erwähnt

Die zehn oben sind die bekannten.

Diese drei fallen seltener auf, weil sie nicht in Gesten stecken, sondern im Aufbau.

Der Perspektivwechsel als Schlusspointe

Der Text erzählt von jemandem, und in der letzten Zeile stellt sich heraus, dass es die Erzählerin selbst war. Oder das Kind. Oder der Hund.

Das ist ein starker Effekt, den man genau einmal erlebt. Danach rechnet ein Slam-Publikum ab der dritten Zeile damit und wartet nur noch auf die Bestätigung.

Wer den Dreh trotzdem will, sollte ihn nicht ans Ende legen, sondern in die Mitte. Dann hat der Text danach noch etwas zu tun.

Die Zahl, die alles beweisen soll

Mitten im Text taucht eine Statistik auf. Prozentwerte, Todeszahlen, eine Menge in Fußballfeldern.

Zahlen wirken auf einer Bühne selten so, wie man hofft. Sie unterbrechen den Rhythmus, sie sind akustisch schwer zu behalten, und sie verschieben den Text vom Erleben in die Argumentation.

Eine einzelne konkrete Person schlägt in fast jedem Fall eine Statistik über tausend.

Die Selbstankündigung

Der Text beginnt mit einem Satz darüber, was gleich passieren wird. Etwa, dass es jetzt ernst wird, oder dass die folgende Geschichte wahr ist.

Das nimmt der Wirkung vorweg, was sie selbst herstellen sollte. Und es verrät Unsicherheit, weil es dem Text nicht zutraut, allein zu tragen.

Warum gerade diese drei so hartnäckig sind
Weil sie nicht wie Poetry Slam Klischees aussehen.

Ein zerknülltes Blatt erkennt jeder. Ein Perspektivwechsel am Schluss wirkt dagegen wie Handwerk, und genau deshalb bleibt er länger unentdeckt. Die unauffälligen Muster sind immer die zäheren.
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Nachlese

Zwölf Fragen zu Poetry Slam Klischees in deinem Text

Klapp auf und beantworte ehrlich. Beim ersten Mal dauert das zehn Minuten, danach zwei.

Zusammen sind sie ein Durchlauf durch alle zehn Poetry Slam Klischees dieses Beitrags.

Sechs Fragen zum Text

Könnte diese Zeile von jemand anderem sein?
Der Fremdheitstest aus Kapitel drei, als Einzelfrage. Wenn ja, ist das kein Urteil über die Qualität, sondern ein Hinweis auf fehlende Handschrift.
Wann kommt zum ersten Mal wir vor?
Wenn es im letzten Drittel auftaucht, prüfe die Stelle. Wenn es im ganzen Text vorkommt, ist es vielleicht eine Entscheidung und in Ordnung.
Erkläre ich am Schluss noch etwas?
Streich die letzten beiden Zeilen probeweise. Bei etwa der Hälfte aller Texte wird es dadurch besser.
Wie viele Steigerungsaufzählungen habe ich?
Eine ist ein Mittel. Drei sind ein Tic. Zähl sie einmal durch, das dauert eine Minute.
Ab wann reimt der Text?
Wenn die Antwort ab Minute drei lautet, prüf, ob der Wechsel begründet ist oder nur den Schluss ankündigen soll.
Bleibt der Text bis zum Ende bei seinem Gegenstand?
Oder wird er im letzten Drittel plötzlich groß? Das ist die häufigste Stelle, an der ein guter Text ins Allgemeine ausweicht.

Sechs Fragen zum Vortrag

Welche Bewegungen habe ich eingeplant?
Zähl sie. Wenn du mehr als drei bewusste Gesten hast, ist mindestens eine davon Gewohnheit.
Was mache ich mit dem Blatt am Ende?
Wenn die Antwort eine Handlung enthält, überleg dir, ob sie nötig ist.
Bricht meine Stimme immer an derselben Stelle?
Dann ist es keine Ergriffenheit mehr, sondern eine Choreografie. Das darf man wissen.
Habe ich diesen Text schon einmal so gehört?
Nicht diesen Text, sondern diese Art von Text. Sei ehrlich, es kostet nichts.
Was passiert, wenn ich völlig stillstehe?
Probier es einmal komplett durch. Viele merken dabei, wie viel Bewegung reine Nervosität war.
Läuft an diesem Abend noch jemand mit meinem Thema?
Das kannst du oft vorher erfragen. Und dann hast du deinen Reservetext dabei.
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Nachlese

Sechs Übungen gegen Poetry Slam Klischees

Diese sechs kosten dich zusammen kaum eine Stunde.

Fang mit einer an, nicht mit allen.

Denn Poetry Slam Klischees legt man wie jede Gewohnheit ab, nämlich einzeln.

Drei Übungen am Text

Übung 1 – Der rote Stift
Der Griff aus Kapitel drei, an deinem aktuellen Text. Markieren, nicht bewerten. Danach die drei wichtigsten markierten Zeilen neu schreiben.
Übung 2 – Die Schlussstreichung
Nimm deine letzten fünf Texte und streich bei jedem die letzten zwei Zeilen. Lies sie laut. Du wirst überrascht sein, bei wie vielen es funktioniert.
Übung 3 – Das Wir-zu-Ich
Ersetze in einem Text jedes wir durch ich und lies ihn dir vor. Wenn es dir dabei unangenehm wird, ist das ein sehr gutes Zeichen.

Drei Übungen für die Bühne

Übung 4 – Der Stillstand
Sprich einen Text einmal komplett ohne jede Bewegung. Arme unten, Füße parallel. Das fühlt sich falsch an und zeigt dir sofort, welche Stellen ohne Geste nicht tragen.
Übung 5 – Die Klischeeliste
Nimm bei den nächsten drei Abenden ein Notizbuch mit und schreib jede Formulierung auf, die du zum zweiten Mal hörst. Nach drei Abenden hast du deine eigene Flaubert-Sammlung.
Übung 6 – Das verbotene Mittel
Schreib einen Text, in dem du dein liebstes Mittel bewusst nicht benutzt. Wenn dein Text ohne Steigerungsaufzählung nicht funktioniert, weißt du jetzt etwas Wichtiges.
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Nachlese

Wenn die Jagd auf Poetry Slam Klischees dich lähmt

Dieses Kapitel gehört unbedingt hierher, weil dieser Beitrag auch schaden kann.

Wer eine Liste mit zehn Verboten im Kopf hat, schreibt irgendwann gar nichts mehr.

Erstens ist das häufig. Zweitens ist es schädlicher als sämtliche Poetry Slam Klischees zusammen.

Der Unterschied in einem Satz
Diese Liste ist ein Werkzeug für die Überarbeitung, nicht für das Schreiben.

Wenn du beim Schreiben anfängst, jede Zeile auf Originalität zu prüfen, wirst du langsamer, vorsichtiger und schlechter. Erste Fassungen dürfen voller Klischees sein. Dafür sind erste Fassungen da.

Anzeichen, dass du zu weit gegangen bist

Du schreibst seit Wochen nichts fertig, weil dir alles bekannt vorkommt.

Du streichst Zeilen, die dir eigentlich gefallen, nur weil sie nicht ungewöhnlich genug sind.

Du kannst fremden Texten nicht mehr zuhören, ohne innerlich Klischees zu zählen.

Oder du hältst deine gesamte bisherige Arbeit rückwirkend für peinlich.

Was dann hilft

Trenn die beiden Vorgänge räumlich und zeitlich.

Geschrieben wird ohne Liste, überarbeitet wird mit. Am besten an verschiedenen Tagen.

Und behalt im Kopf, dass Originalität kein Selbstzweck ist. Ein Text, der berührt und dabei ein bekanntes Mittel benutzt, ist besser als ein origineller, der niemanden erreicht.

Falls dich die Selbstkritik über längere Zeit blockiert, lohnt sich ein Blick in Perfektionismus loslassen und in Dein inneres Publikum.

Und wenn die Blockade in eine anhaltende Erschöpfung oder Niedergeschlagenheit übergeht, ist die Hausarztpraxis ein völlig normaler erster Schritt. Termine für die psychotherapeutische Sprechstunde vermittelt in Deutschland die Terminservicestelle unter der 116117.

Und wenn es dir gerade richtig schlecht geht, ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar, kostenfrei und anonym: 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.

19
Nachlese

Selbstcheck: Wie viele Slam-Klischees bedienst du?

Sechs Fragen. Hak ehrlich ab, es sieht ja niemand.

Auswertung in einem Satz: Wenn du beim letzten Punkt zustimmen konntest, hast du den eigentlichen Sinn dieses Beitrags verstanden.

Und wenn du beim ersten gezögert hast, fang mit Übung fünf an.

Übrigens erkennt man Poetry Slam Klischees bei sich selbst erst, wenn man aufhört, sie bei anderen zu zählen.

20
Nachlese

Die Werkstatt: dein Plan für sieben Tage

Kein Programm, sondern eine Woche.

TagWas du machstDauer
MontagAktuellen Text ausdrucken und mit rotem Stift markieren.15 Minuten
DienstagDrei markierte Zeilen konkreter neu schreiben.30 Minuten
MittwochBei fünf alten Texten die letzten zwei Zeilen streichen und laut lesen.20 Minuten
DonnerstagAlle wir durch ich ersetzen und den Text laut lesen.15 Minuten
FreitagEinen Text komplett ohne Bewegung sprechen.15 Minuten
SamstagBeim nächsten Abend Klischees mitschreiben. Ohne zu urteilen.
SonntagEin Thema notieren, das gerade niemand macht.10 Minuten

Der Sonntag ist der wichtigste Tag in dieser Tabelle.

Denn alle zehn Klischees zu vermeiden, macht deinen Text noch nicht eigen. Das macht erst der Gegenstand, über den außer dir gerade niemand schreibt.

Damit hast du nach einer Woche einen Umgang mit Poetry Slam Klischees, der ohne Verbotsliste auskommt.

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Potsdam

Der Rest der Geschichte

Zurück nach Potsdam.

Der Text in meiner Tasche war drei Jahre alt und hatte damals gut funktioniert.

Im Zug habe ich ihn durchgezählt.

Poetry Slam Klischees im eigenen Text entdecken: der Waschbär liest im Nachtzug ein altes zerknittertes Blatt und zuckt zusammen
Sieben von zehn. Und ich hatte in Reihe vier die Augen verdreht.

Die Bilanz

Zerknülltes Blatt: ja. Brechende Stimme an der immer gleichen Stelle: ja. Weltschmerz-Schluss: ausgeprägt.

Steigerungsaufzählung: zweimal. Später Reim: ja. Das große Wir: dreimal. Erklärte Pointe: leider auch.

Nicht bedient hatte ich nur drei, und zwei davon aus Zufall.

Sieben von zehn Poetry Slam Klischees also, in einem Text, den ich für gelungen gehalten hatte.

Und der Punkt, der wehtut

Ich hatte das alles nicht erfunden.

Ich hatte es abgeschaut, genau wie die Person auf der Bühne, über die ich mich zwei Stunden vorher innerlich lustig gemacht hatte.

Wir haben beide dasselbe getan. Sie war nur ehrlicher, weil sie es noch nicht wusste.
Notiz aus dem Zug, irgendwo hinter Werder

Der Teil, den ich lieber weggelassen hätte

Ich habe diesen Text nie mehr gespielt.

Und das war vermutlich ein Fehler.

Denn ein Text, der bei Menschen ankommt, ist kein schlechter Text, auch wenn er sieben bekannte Mittel benutzt.

Denn er hat funktioniert, Menschen haben mich darauf angesprochen, und sieben Klischees haben ihn offensichtlich nicht daran gehindert, anzukommen.

Was ich hätte tun sollen, steht in Kapitel drei: einmal mit rotem Stift durchgehen und drei Zeilen neu schreiben.

Stattdessen habe ich ihn weggelegt, weil er mir peinlich war. Das ist genau der Fehler aus Kapitel achtzehn, und ich habe ihn gemacht, während ich diesen Beitrag schon im Kopf hatte.

22
Deine Liste

Was übrig bleibt, wenn alles Bekannte weg ist

Die ehrliche Antwort auf die Frage, was nach dem Streichen übrig bleibt, ist unbequem.

Bei den ersten Versuchen: erschreckend wenig.

Das ist normal und kein Grund aufzuhören. Es bedeutet nur, dass die Lücke jetzt sichtbar ist.

Ohne Poetry Slam Klischees auf der Bühne: der Waschbär steht ganz bei sich vor einem vollen Saal
Was übrig bleibt, wenn das Bekannte weg ist. Es ist weniger und es trägt weiter.

Warum jetzt erst das Handwerk anfängt

Ein Klischee zu erkennen ist leicht. Es zu ersetzen ist die eigentliche Arbeit.

Denn du brauchst dann ein eigenes Bild statt eines bekannten, einen eigenen Aufbau statt der Steigerungsaufzählung und einen Schluss, der ohne Erklärung trägt.

Und das dauert. Bei mir hat es ungefähr drei Jahre gedauert, bis ich eine Zeile streichen konnte, ohne sie sofort durch eine ähnlich bekannte zu ersetzen.

Das kann man nicht aus einer Verbotsliste ableiten. Das muss man können.

Kurz gesagt: Poetry Slam Klischees zu erkennen ist Beobachtung. Sie zu ersetzen ist Handwerk.

Poetry Master
Genau dafür habe ich Poetry Master gebaut.

Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also die Werkzeuge für den Moment, in dem du eine Zeile gestrichen hast und etwas Eigenes an ihre Stelle setzen musst.

Denn Klischees vermeiden macht deinen Text noch nicht gut. Es macht nur Platz.

Streich das Bekannte. Und dann bau etwas hin, das nur du bauen kannst.
Ein eigener Text entsteht nicht dadurch, dass du alles Fremde weglässt. Sondern dadurch, dass du etwas an seine Stelle setzt.

Übrigens habe ich den alten Text neulich wieder herausgeholt.

Sieben Klischees, drei neue Zeilen. Er ist jetzt deutlich besser und immer noch derselbe Text.

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— aber mit Wucht.

Wenn du diese Techniken nicht nur lesen,
sondern anwenden willst — wie ein Sniper mit Reimwaffe:

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Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch
— Stephan Pinkwart —
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Schreiben & Textaufbau
31 Beiträge

Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.

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Was du mit deiner Klischeeliste auf keinen Fall machen solltest.
Perfektionismus loslassen
Damit die Streichliste dich nicht zum Schweigen bringt.
Geduld mit dir selbst
Warum die ersten zwanzig Texte ruhig nach allen anderen klingen dürfen.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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