Feedback geben, ohne zu verletzen: Der gute Umgang untereinander

Nürnberg · vier Jahre Stille

Feedback geben, ohne zu verletzen: Der gute Umgang untereinander

Ich habe drei Sätze gesagt. Sie hat sie vier Jahre später noch gewusst.

Sie hatte gerade ihren ersten Auftritt hinter sich. Und ich hatte gut gemeinte Hinweise.

Nürnberg, ein kleiner Slam in einem Hinterzimmer, sie war vielleicht neunzehn.

Ihr Text war zu lang, sie hat gehetzt, und der Schluss ist verpufft.

Das alles stimmte.

Ich habe es ihr gesagt, freundlich, sachlich und ungefragt, während sie noch das Blatt in der Hand hielt.

Feedback geben im falschen Moment: der Waschbär redet nach dem Auftritt eifrig auf eine abgewandte Person ein
Gut gemeint, gut begründet, völlig falscher Moment.

Sie hat genickt, sich bedankt und ist zehn Minuten später gegangen.

Ich habe sie danach vier Jahre lang nicht mehr auf einer Bühne gesehen.

Dieser Beitrag handelt davon, wie man Feedback geben kann, ohne dass so etwas passiert.

Und er handelt davon, warum ausgerechnet die gut gemeinte Variante so oft die schädlichste ist.

Am Ende bekommst du wieder genau einen Griff. Er besteht aus zwei Fragen.

Denn Feedback geben ist eine Fähigkeit wie das Schreiben selbst. Man kann sie lernen, und die meisten haben es nie getan.

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01
Weit auseinander

Warum Feedback geben in dieser Szene besonders heikel ist

In den meisten Bereichen ist klar, wer wem Rückmeldung gibt.

Es gibt Lehrende und Lernende, Vorgesetzte und Angestellte, Trainer und Mannschaft.

Im Slam ist das anders, und daraus entsteht das ganze Problem.

Die drei Besonderheiten

Erstens sind alle gleichzeitig Kollegin und Konkurrenz. Dieselbe Person, die dir einen Hinweis gibt, tritt eine Stunde später gegen dich an.

Zweitens gibt es keine Ausbildung und keine Autorität. Niemand hat ein Zertifikat, das ihn berechtigt, über deine Texte zu urteilen.

Und drittens sind die Texte oft persönlich. Wer über den eigenen Vater schreibt, bekommt Rückmeldung zu einem Text und hört Rückmeldung zu seinem Leben.

Der Satz, um den es hier geht
Feedback geben ist in dieser Szene kein Dienst, sondern ein Eingriff.

Das heißt nicht, dass man es lassen soll. Es heißt, dass man es sich verdienen und erfragen muss, statt es zu verteilen.

Dazu kommt ein struktureller Punkt, den viele übersehen.

Nach einem Auftritt ist die Person, die gerade gespielt hat, in einem sehr besonderen Zustand.

Der Körper ist noch im Adrenalin, der Kopf sortiert die letzten Minuten, und die Bewertung des Abends steht meistens noch aus.

In genau diesem Fenster kommen die meisten Hinweise an. Und genau in diesem Fenster kann man am wenigsten damit anfangen.

Deshalb ist Feedback geben zuerst eine Frage des Zeitpunkts und erst danach eine des Inhalts.

Nicht die Wahrheit verletzt. Sondern die Wahrheit im falschen Moment, an eine Person, die nicht gefragt hat.
02
Weit auseinander

Wertung, Meinung, Feedback: drei verschiedene Dinge

Ein großer Teil der Verletzungen entsteht aus einer Verwechslung.

Denn drei völlig verschiedene Dinge werden im Alltag alle Feedback genannt.

Was es istWozu es taugtWer es geben darf
WertungEine Zahl für einen Abend.Für den Wettbewerb. Sonst wenig.Das Publikum.
MeinungOb es jemandem gefallen hat.Als Information über eine Person.Alle.
FeedbackBeobachtung plus Wirkung plus Vorschlag.Zum Weiterarbeiten am Text.Wer gefragt wurde.

Die letzte Zeile ist die entscheidende.

Eine Meinung darf jeder haben und äußern. Feedback ist etwas anderes: eine Arbeitsleistung, die auf ein Ziel hinarbeitet.

Und die funktioniert nur, wenn die andere Person dieses Ziel teilt.

Wer Feedback geben will, arbeitet also mit. Wer nur seine Meinung äußert, arbeitet dagegen.

Der schnellste Test

Frag dich vor jedem Satz, den du sagen willst: Hilft das dieser Person bei ihrer Arbeit?

Oder erleichtert es vor allem mich, weil ich etwas loswerden möchte?

Diese zweite Variante ist häufiger, als man zugibt. Sie fühlt sich beim Sprechen genauso an wie die erste.

Erstens ist das unangenehm. Zweitens ist es der wichtigste Filter beim Feedback geben.

03
Nähert sich

Maxwell Perkins und der wichtigste Satz über Feedback

Es gibt einen Menschen, dessen ganzes Berufsleben aus Rückmeldung bestand.

Maxwell Perkins arbeitete von 1914 bis zu seinem Tod 1947 als Lektor bei Charles Scribner’s Sons in New York.

Durch seine Hände gingen Fitzgeralds erste Bücher, Hemingways Romane und die Manuskripte von Thomas Wolfe.

Fitzgeralds Erstling war zuvor von mehreren Verlagen abgelehnt worden. Wolfe von praktisch jedem Verlag in New York.

Sein Grundsatz

Perkins hat einen Satz immer wieder wiederholt, und er ist bis heute die beste Zusammenfassung des Themas.

Das Buch gehört dem Autor.
Maxwell Perkins · sinngemäß übersetzt

Er verstand seine Arbeit als Dienst an einem fremden Werk, nicht als Mitgestaltung.

Damit hat Perkins die Grundregel für alles Feedback geben formuliert, und zwar vor hundert Jahren.

Deshalb hielt er es auch für richtig, dass Lektoren im Hintergrund bleiben. Die Namen auf den Umschlägen sollten die der Schreibenden sein.

Der ehrliche Haken

Sein Biograf A. Scott Berg hat später eingeräumt, dass ausgerechnet bei Thomas Wolfe das beste Argument dafür besteht, dass Perkins zu weit gegangen ist.

Denn aus Wolfes kistenweise geschriebenen Seiten wurden erst durch Perkins Bücher.

Das ist kein kleiner Einwand. Es zeigt, dass selbst der vorbildlichste Fall unscharf wird, sobald jemand sehr viel Arbeit in einen fremden Text steckt.

Trotzdem bleibt der Grundsatz brauchbar. Beim Feedback geben ist er sogar der einzige, den man wirklich braucht.

Was du daraus mitnimmst
Merk dir den Satz und wende ihn auf jedes Gespräch nach einem Auftritt an.

Der Text gehört der Person, die ihn geschrieben hat. Du darfst beschreiben, was bei dir angekommen ist. Du darfst vorschlagen. Du entscheidest aber nichts.
04
Der Griff

Die zwei Fragen vorher

Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.

Es gibt genau eine Sache, die zuverlässig funktioniert. Und sie ist wieder enttäuschend simpel.

Der Griff
Stell zwei Fragen, bevor du irgendetwas sagst.

Erste Frage: „Willst du Rückmeldung?“
Zweite Frage: „Worauf?“

Und wenn die Antwort auf die erste Frage nein lautet, war es das. Ohne Nachsatz, ohne kleinen Hinweis zum Schluss.

Das war es. Zwei Fragen, acht Sekunden.

Damit wird Feedback geben von einem Übergriff zu einem Angebot.

Warum die erste Frage so viel verändert

Sie gibt die Kontrolle zurück.

Ungefragtes Feedback ist deshalb so verletzend, weil es der anderen Person die Entscheidung abnimmt, ob sie das gerade hören will.

Wer gefragt wird, kann nein sagen. Und schon dadurch, dass diese Möglichkeit besteht, hört sich ein Ja völlig anders an.

Außerdem kostet die Frage dich nichts. Wenn die Person will, bekommt sie dieselben Sätze wie vorher, nur eben freiwillig.

Genau darin liegt der ganze Unterschied beim Feedback geben.

Warum die zweite Frage die wichtigere ist

Weil sie verhindert, dass du am Ziel vorbeiredest.

Vielleicht arbeitet die Person seit Wochen an ihrer Lautstärke. Dann ist dein Hinweis zur Textstruktur zwar richtig, hilft aber nicht.

Vielleicht will sie auch nur wissen, ob der Schluss verständlich war.

Mit der zweiten Frage wird aus einer Rückmeldung eine Antwort. Und Antworten kommen grundsätzlich besser an als Feststellungen.

Deshalb lohnt sich die zweite Frage auch dann, wenn die erste längst mit Ja beantwortet wurde.

Und wenn die Antwort nein ist

Dann sagst du etwas anderes. Zum Beispiel, was dir gefallen hat, ohne Bedingung und ohne aber.

Oder du sagst gar nichts und stellst stattdessen eine Frage über den Abend.

Was du nicht machst: den Hinweis trotzdem unterbringen, als kleine Bemerkung im Weggehen. Genau das ist die verletzendste Form, die es gibt.

Warum nur ein Griff und nicht zwölf
Weil diese beiden Fragen praktisch alle Schäden verhindern, die in diesem Beitrag beschrieben werden.

Alles Weitere hier ist Zubehör. Das hier ist das Werkzeug, und es kostet dich acht Sekunden vor jedem Gespräch.
Feedback geben braucht den richtigen Rahmen: zwei einander zugewandte Stühle an einem kleinen Tisch im warmen Licht
Zwei Stühle, einander zugewandt. Mehr Rahmen braucht es nicht.
05
Nähert sich

Feedback geben: sechs Satzbausteine zum sofort Benutzen

Wenn die Erlaubnis da ist, kommt es auf die Formulierung an.

Diese sechs Bausteine kannst du wörtlich übernehmen.

Denn Feedback geben scheitert selten am Willen und fast immer an der Formulierung.

Drei Bausteine für den Einstieg

01Beobachtung statt Urteil
„Bei   habe ich gemerkt, dass ich ausgestiegen bin.“
Der wichtigste Baustein überhaupt. Du beschreibst, was bei dir passiert ist, statt festzustellen, was der Text ist. Die andere Person kann das nicht bestreiten, weil es deine Erfahrung ist, und muss sich deshalb nicht verteidigen.
02Wirkung benennen
„Als du   gesagt hast, ist bei mir   angekommen.“
Damit trennst du sauber zwischen dem, was gesagt wurde, und dem, was ankam. Genau diese Lücke ist die eigentliche Information. Wenn beides auseinanderfällt, weiß die Person sofort, wo sie ansetzen kann.
03Frage statt Vorschlag
„Was passiert, wenn du   weglässt?“
Eine Frage lässt die Entscheidung dort, wo sie hingehört. Außerdem kommen die besseren Lösungen fast immer von der Person selbst, wenn man ihr die richtige Frage stellt, statt ihr eine Antwort zu geben.

Drei Bausteine für den zweiten Teil des Gesprächs

04Das Konkrete zuerst
„Die Stelle mit   hat bei mir am stärksten gewirkt.“
Lob ist nur brauchbar, wenn es konkret ist. Ein allgemeines Gut gemacht hilft niemandem weiter. Wer weiß, welche Stelle getragen hat, kann davon mehr bauen.
05Grenze markieren
„Ich sage jetzt etwas zum Aufbau, nicht zum Thema.“
Besonders wichtig bei persönlichen Texten. Damit machst du klar, dass du über Handwerk sprichst und nicht über das Erlebte. Diese eine Vorbemerkung verhindert erstaunlich viele Missverständnisse.
06Zurückgeben
„Willst du dazu noch etwas hören oder reicht dir das?“
Nach zwei bis drei Punkten gehört diese Frage dazu. Sie verhindert, dass aus einer Rückmeldung ein Vortrag wird, und sie zeigt, dass du das Tempo der anderen Person respektierst.
Was diese sechs gemeinsam haben
Keiner von ihnen enthält das Wort schlecht.

Und keiner behauptet, wie der Text ist. Sie beschreiben ausschließlich, was bei einer einzelnen Person angekommen ist. Genau darin liegt der ganze Unterschied.
06
Nähert sich

Gordon Lish, Raymond Carver und die Grenze der Einmischung

Wenn Perkins der eine Pol ist, dann ist dieser Fall der andere.

Der amerikanische Lektor Gordon Lish entdeckte in den Sechzigern einen unbekannten Schreiber namens Raymond Carver und veröffentlichte 1971 dessen erste Geschichte in einer großen Zeitschrift.

Das war der Anfang einer Zusammenarbeit, die bis heute diskutiert wird.

Was 1980 passierte

Lish bearbeitete Carvers Erzählungsband und kürzte ihn radikal.

Die Angaben schwanken je nach Quelle, aber die Größenordnung ist unstrittig: Der Gesamtumfang wurde etwa halbiert, einzelne Geschichten um siebzig Prozent gekürzt, eine sogar um achtundsiebzig.

Dazu kamen neue Schlüsse, geänderte Titel, andere Figurennamen und Sätze, die Lish selbst geschrieben hat.

Als Carver das Ergebnis las, schrieb er ihm im Juli 1980 einen verzweifelten Brief und bat darum, das Buch nicht zu veröffentlichen.

Sinngemäß schrieb er, er habe Angst, nie wieder eine Geschichte schreiben zu können, wenn es in dieser Form erscheine.

Was daraus wurde

Das Buch erschien 1981 trotzdem und wurde als Meisterwerk gefeiert.

Es begründete Carvers Ruf und veränderte die amerikanische Kurzgeschichte.

Erst 2009 wurde seine ursprüngliche Fassung unter dem Titel Beginners veröffentlicht, maßgeblich betrieben von seiner Witwe Tess Gallagher.

Der ehrliche Haken, und er ist unbequem

Man kann diesen Fall nicht sauber auflösen.

Viele Leserinnen und Leser finden die gekürzten Fassungen tatsächlich stärker. Andere finden die Originale tiefer und menschlicher.

Lish selbst hat Jahrzehnte später sinngemäß gefragt, ob Carver ohne seine Eingriffe überhaupt so viel Aufmerksamkeit bekommen hätte.

Möglicherweise hat er recht. Und trotzdem hat ein Mensch einen Brief geschrieben, in dem er darum bat, sein eigenes Buch nicht zu drucken.

Zwischen diesen beiden Sätzen liegt die ganze Schwierigkeit beim Feedback geben.

Die Lehre für den Alltag
Feedback geben und übernehmen sind zwei verschiedene Dinge, und die Grenze verläuft nicht dort, wo man denkt.

Sie verläuft nicht bei der Menge der Hinweise, sondern bei der Frage, wer am Ende entscheidet. Solange das die schreibende Person ist, darfst du sehr viel sagen. Sobald du entscheidest, ist es nicht mehr ihr Text.
Der beste Hinweis der Welt hilft niemandem, wenn er die Person nicht stärker macht, sondern kleiner.
07
Nähert sich

Gutes Feedback geben: die fünf Bestandteile

Wenn man die guten Rückmeldungen sammelt, die man je bekommen hat, haben sie erstaunlich viel gemeinsam.

Zuerst also die Bestandteile, danach das, was beim Feedback geben nichts zu suchen hat.

Feedback geben beginnt mit Zuhören: der Waschbär sitzt aufmerksam da, Notizbuch und Stift liegen unbenutzt vor ihm
Der wichtigste Teil ist der, in dem man nichts sagt.

Die fünf Bestandteile

Eine Beobachtung, keine Bewertung
Nicht: Der Anfang war zu lang. Sondern: Ich bin nach ungefähr einer Minute zum ersten Mal abgeschweift. Der Unterschied wirkt kleinlich und entscheidet trotzdem darüber, ob jemand zuhören kann oder sich verteidigt.
Eine Stelle, kein Gesamturteil
Gutes Feedback zeigt auf eine konkrete Zeile. Wer über den ganzen Text spricht, gibt der Person nichts, womit sie arbeiten kann, und trifft sie gleichzeitig überall.
Die Wirkung auf dich
Sag, was der Text bei dir ausgelöst hat, und zwar als deine Erfahrung. Damit gibst du Information statt Urteil, und die Person kann entscheiden, ob deine Reaktion die gewünschte war.
Etwas, das trägt
Nenne mindestens eine Stelle, die funktioniert hat, und zwar konkret. Nicht aus Höflichkeit, sondern weil Menschen sonst nicht wissen, was sie behalten sollen.
Eine offene Frage statt einer Lösung
Vorschläge klingen hilfreich und sind oft Übergriffe im Kleinformat. Eine Frage lässt die Lösung dort, wo sie hingehört.

Und was gutes Feedback nicht enthält

Es enthält kein Aber. Der Satz mit dem Aber löscht immer die erste Hälfte.

Es enthält keine Vergleiche mit anderen Auftretenden. Das ist der schnellste Weg, aus einem Hinweis eine Kränkung zu machen.

Es enthält keine Aussagen über die Person. Ein Text kann unklar sein, ein Mensch nicht.

Und es enthält keinen Hinweis darauf, wie du es gemacht hättest.

Kurz gesagt: Beim Feedback geben beschreibst du dich selbst und nicht die andere Person.

08
Nähert sich

Zwölf Sätze, die verletzen, obwohl sie stimmen

Klapp auf, was du kennst. Und sei ehrlich, ob du das schon einmal gesagt hast.

Diese zwölf Sätze sind alle beim Feedback geben gefallen, und zwar gut gemeint.

Sechs Sätze zum Text

„Der Anfang war zu lang.“
Kann stimmen und ist trotzdem ein Urteil ohne Anschluss. Besser: Wo genau du als Zuhörer ausgestiegen bist. Damit weiß die Person, welche Minute sie sich ansehen muss.
„Das Thema ist ein bisschen ausgelutscht.“
Trifft nicht den Text, sondern die Entscheidung, überhaupt darüber zu schreiben. Und die geht dich in der Regel nichts an.
„Das hat XY letztes Jahr besser gemacht.“
Vergleiche mit anderen sind fast immer verletzend und praktisch nie nützlich, weil sie keinen einzigen Hinweis darauf enthalten, was man ändern könnte.
„Ich hätte das anders geschrieben.“
Vermutlich. Nur schreibst du diesen Text nicht. Das ist der Satz, bei dem Perkins seinen Grundsatz hervorgeholt hätte.
„Da merkt man, dass du noch nicht so lange dabei bist.“
Ein Urteil über die Person, verpackt als Beobachtung. Es sagt nichts über den Text und alles über die Rangordnung, die gerade hergestellt wird.
„War ganz nett.“
Der leise Bruder der harten Kritik. Unkonkretes Lob ist keine Freundlichkeit, sondern eine höfliche Form von Desinteresse.

Sechs Sätze zur Person

„Du musst lockerer werden.“
Ein Auftrag an den Charakter, nicht an den Text. Niemand wird durch diesen Satz lockerer. Die meisten werden dadurch angespannter.
„Nimm dir das jetzt nicht so zu Herzen.“
Wird fast immer nach einem harten Satz gesagt und macht ihn nicht besser. Es verlagert die Verantwortung für die Wirkung auf die Person, die sie abbekommt.
„Kann ich dir mal einen Tipp geben?“
Klingt wie die Frage aus Kapitel vier und ist keine. Denn hier ist die Antwort sozial vorgegeben. Frag stattdessen, ob überhaupt Rückmeldung gewünscht ist.
„Als ich angefangen habe, war das bei mir genauso.“
Gut gemeint und trotzdem eine Herabstufung. Der Satz stellt fest, dass die andere Person am Anfang steht und du weiter bist.
„Du hast so viel Potenzial.“
Klingt nach Lob und heißt: noch nicht gut. Wer Potenzial hört, hört ein Urteil über den aktuellen Stand.
„Ehrlich gesagt …“
Diese zwei Wörter kündigen fast immer einen Satz an, der ungefragt kommt. Wer ehrlich sein will, fragt vorher, ob Ehrlichkeit gerade erwünscht ist.
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Schreiben & Textaufbau
31 Beiträge

Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.

Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.

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Nähert sich

Das Machtgefälle, über das selten geredet wird

Feedback ist nie neutral, weil die Beteiligten selten gleich stehen.

Und je größer der Unterschied, desto schwerer wiegt jeder Satz.

Deshalb ist Feedback geben nie nur eine Frage des Inhalts, sondern immer auch eine der Position.

Vier Gefälle, die du kennen solltest

Erstens die Erfahrung. Wer fünfzig Auftritte hat, sagt einem Menschen mit zweien etwas anderes, als es umgekehrt wäre. Derselbe Satz wiegt dann dreimal so viel.

Zweitens die Bekanntheit. Wenn dich im Raum alle kennen, hört die andere Person nicht nur dich, sondern die ganze Szene.

Drittens die Rolle. Wer moderiert, organisiert oder bucht, hat Einfluss auf die nächsten Auftritte der anderen Person. Rückmeldung von dieser Seite ist nie nur Rückmeldung.

Und viertens alles, was auch außerhalb der Bühne wirkt: Alter, Geschlecht, Herkunft, Auftreten. Wer in einem Raum ohnehin selbstverständlicher spricht, sollte beim Feedback geben besonders vorsichtig sein.

Die praktische Konsequenz
Je größer dein Vorsprung, desto zurückhaltender solltest du sein.

Das klingt paradox, weil man mit mehr Erfahrung angeblich mehr beitragen kann. Tatsächlich ist es genau umgekehrt: Mit dem Vorsprung wächst die Fallhöhe für die andere Person und sinkt ihre Möglichkeit, dir zu widersprechen.

Ein einfacher Ausgleich funktioniert erstaunlich gut.

Frag zuerst die andere Person, was sie selbst über ihren Auftritt denkt.

In neun von zehn Fällen nennt sie die Stelle, die du auch nennen wolltest. Dann musst du sie nur noch bestätigen, statt sie zu benennen.

Und das ist ein völlig anderes Gespräch.

Damit wird aus Feedback geben ein gemeinsames Nachdenken statt einer Beurteilung.

10
Andere Richtung

Feedback annehmen: die schwierigere Hälfte

Bisher ging es darum, wie man gibt. Jetzt geht es um die andere Seite.

Denn auch Annehmen kann man üben, und es ist die anstrengendere Übung.

Erstens gehört beides zusammen. Zweitens wird die zweite Hälfte fast immer vergessen.

Fünf Dinge, die dabei helfen

Frag gezielt, statt allgemein
Wer fragt, wie es war, bekommt Höflichkeit. Wer fragt, ob der Schluss verständlich war, bekommt eine Antwort. Je enger die Frage, desto brauchbarer die Rückmeldung.
Such dir zwei bis drei feste Leute
Rückmeldung von Menschen, die deine Entwicklung kennen, ist um ein Vielfaches wertvoller als zufällige Meinungen. Zwei verlässliche Personen schlagen zwanzig Zufallsurteile.
Nimm nichts sofort an
Direkt nach dem Auftritt bist du in keinem guten Zustand für Entscheidungen. Hör zu, bedank dich und entscheide erst zwei Tage später, was du davon übernimmst.
Frag nach, statt zu verteidigen
Wenn dich etwas trifft, ist die Rückfrage die bessere Reaktion als die Erklärung. Oft steckt hinter einem unglücklich formulierten Satz eine brauchbare Beobachtung.
Du musst nichts übernehmen
Das Wichtigste zum Schluss. Rückmeldung ist ein Angebot. Wer alles übernimmt, schreibt nach zwei Jahren die Texte der anderen.

Und ein Satz, der dir gehört

Du darfst jederzeit sagen: Danke, das reicht mir gerade.

Dieser Satz ist völlig ausreichend, er braucht keine Begründung, und er beendet jedes Gespräch, das dir zu viel wird.

Wer ihn übel nimmt, hat ohnehin nicht dir zugehört, sondern sich selbst.

Übrigens ist dieser eine Satz die beste Versicherung gegen schlechtes Feedback geben, die es gibt.

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Andere Richtung

Wenn du nicht gefragt wurdest

Der häufigste Fall im Alltag, und der, in dem ich in Nürnberg versagt habe.

Du hast etwas gesehen, du hältst es für hilfreich, und niemand hat dich gefragt.

Drei Möglichkeiten, die alle besser sind als losreden

Erstens: Sag, was funktioniert hat. Konkret, ohne Bedingung, ohne aber. Das ist immer erlaubt und wirkt stärker, als man glaubt.

Zweitens: Biete an, statt zu liefern. Ein Satz wie ich habe eine Beobachtung, wenn du sie irgendwann hören willst, lässt der Person die Entscheidung und den Zeitpunkt.

Drittens: Warte. Sehr viele Hinweise erledigen sich von allein, weil die Person beim dritten Auftritt selbst darauf kommt.

Zusammengenommen ersetzen diese drei Möglichkeiten das ungefragte Feedback geben vollständig.

Die Faustregel für ungefragte Hinweise
Es gibt genau eine Ausnahme, bei der du ungefragt etwas sagen solltest.

Wenn jemand im Begriff ist, sich oder anderen zu schaden. Etwa wenn ein Text eine reale Person erkennbar bloßstellt, oder wenn jemand auf der Bühne offensichtlich nicht in Ordnung ist. Alles andere kann warten, bis du gefragt wirst.
12
Andere Richtung

Feedback geben in Gruppen und Schreibwerkstätten

In Gruppen gelten zusätzliche Regeln, weil dort mehrere Menschen gleichzeitig reden dürfen.

Denn Feedback geben in der Gruppe verstärkt alles, im Guten wie im Schlechten.

Feedback geben auf Augenhöhe: der Waschbär und eine zweite Person schauen gemeinsam auf ein Blatt zwischen ihnen
Beide schauen auf den Text, nicht aufeinander. Das ist schon die halbe Miete.

Fünf Regeln, die jede Werkstatt braucht

Die schreibende Person sagt zuerst, was sie wissen will
Der Griff aus Kapitel vier, auf die Gruppe übertragen. Ohne diese Vorgabe redet jeder über das, was ihm gerade auffällt, und das ist selten dasselbe.
Die schreibende Person schweigt während der Rückmeldung
Klingt hart und ist eine Entlastung. Wer sich nicht erklären muss, kann zuhören. Erklärt wird danach, wenn überhaupt.
Reihum, nicht durcheinander
Sonst reden die Lautesten und die Erfahrensten. Eine feste Reihenfolge sorgt dafür, dass auch die dritte Meinung noch gehört wird.
Erst Wirkung, dann Vorschläge
Eine Runde, in der nur beschrieben wird, was angekommen ist. Erst danach, und nur wenn gewünscht, Vorschläge. Diese Trennung verändert das Klima einer Gruppe komplett.
Eine Person achtet auf die Zeit und die Verteilung
In jeder Gruppe gibt es jemanden, der zu viel Raum nimmt, und jemanden, der zu wenig bekommt. Das muss nicht böse gemeint sein, und es braucht trotzdem jemanden, der es ausgleicht.

Diese fünf Regeln klingen bürokratisch und sind der Grund, warum manche Werkstätten seit Jahren funktionieren und andere nach drei Terminen auseinanderfallen.

Trotzdem lohnt sich der Aufwand. Gemeinsames Feedback geben braucht mehr Struktur als das Gespräch zu zweit.

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Andere Richtung

Zwölf Fragen, bevor du etwas sagst

Klapp auf und beantworte ehrlich. Das dauert beim ersten Mal eine Minute und später nur noch Sekunden.

Zusammen sind sie die Vorprüfung für jedes Feedback geben.

Sechs Fragen an dich

Wurde ich gefragt?
Die einzige Frage, die wirklich zählt. Wenn nein, gilt Kapitel elf.
Hilft das der Person oder mir?
Sehr viele Hinweise dienen dem eigenen Bedürfnis, etwas beizutragen. Das ist menschlich und trotzdem kein Grund, zu reden.
Ist jetzt der richtige Moment?
Direkt nach dem Auftritt kann niemand etwas damit anfangen. Am nächsten Tag wirkt derselbe Satz völlig anders.
Bin ich gerade neidisch?
Eine unangenehme Frage und eine sehr nützliche. Kritik nach einem Abend, an dem jemand anderes gewonnen hat, sollte man zwei Tage liegen lassen.
Wie groß ist mein Vorsprung?
Je größer, desto zurückhaltender. Siehe Kapitel neun.
Könnte ich das auch als Frage sagen?
In den allermeisten Fällen ja. Und dann ist es fast immer besser.

Sechs Fragen zum Inhalt

Rede ich über den Text oder über die Person?
Ein Text kann unklar, lang oder unentschieden sein. Ein Mensch nicht.
Habe ich eine konkrete Stelle?
Ohne Stelle ist es keine Rückmeldung, sondern ein Gesamteindruck. Und mit Gesamteindrücken kann niemand arbeiten.
Sage ich, was gewirkt hat?
Mindestens eine Stelle, und zwar konkret. Sonst weiß die Person nicht, was sie behalten soll.
Vergleiche ich mit jemandem?
Dann streich den Satz. Vergleiche helfen nie und verletzen fast immer.
Kommt ein Aber vor?
Dann teile den Satz in zwei. Das Lob steht für sich, die Beobachtung steht für sich.
Rede ich über das Thema oder über das Handwerk?
Bei persönlichen Texten unbedingt vorher benennen, worüber du sprichst. Siehe Satzbaustein fünf.
14
Andere Richtung

Sechs Übungen fürs Feedback geben und Annehmen

Diese sechs kosten dich zusammen kaum eine Stunde.

Fang mit einer an, nicht mit allen.

Denn Feedback geben lernt man wie jedes Handwerk, nämlich in kleinen Schritten.

Drei Übungen fürs Geben

Übung 1 – Die zwei Fragen
Der Griff aus Kapitel vier, ab dem nächsten Abend. Willst du Rückmeldung? Und worauf? Übe die beiden Sätze einmal laut, sonst kommen sie im Moment nicht heraus.
Übung 2 – Nur Wirkung
Gib an einem ganzen Abend ausschließlich Rückmeldungen, die mit bei mir beginnen. Keine Vorschläge, keine Urteile. Du merkst danach, wie viel davon übrig bleibt.
Übung 3 – Die Frage statt der Lösung
Nimm deinen letzten Verbesserungsvorschlag und formuliere ihn als Frage um. Das gelingt fast immer und verändert die Wirkung vollständig.

Drei Übungen fürs Annehmen

Übung 4 – Die enge Frage
Frag beim nächsten Auftritt nicht, wie es war, sondern nach genau einer Sache. Zum Beispiel, ob die Pause in der Mitte zu lang war.
Übung 5 – Die Zwei-Tage-Regel
Schreib dir Rückmeldungen auf und entscheide erst zwei Tage später, was du übernimmst. Erstaunlich viel davon erledigt sich in diesen zwei Tagen von selbst.
Übung 6 – Der Satz für den Notfall
Sag einmal bewusst: Danke, das reicht mir gerade. Auch wenn es nicht nötig wäre. Wer diesen Satz einmal benutzt hat, kann ihn im Ernstfall abrufen.
Frag zuerst. Beschreibe dann, was angekommen ist. Und entscheide nichts, was dir nicht gehört.
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Die Grenze

Wenn aus Feedback Übergriff wird

Dieses Kapitel gehört hierher, weil Rückmeldung auch missbraucht werden kann.

Und weil das in jeder Szene vorkommt, auch in freundlichen.

Erstens passiert es selten. Zweitens sollte man es trotzdem erkennen können.

Der Unterschied in einem Satz
Feedback macht die andere Person größer. Es gibt ihr etwas in die Hand.

Wenn eine Rückmeldung dich regelmäßig kleiner macht, wenn sie vor Publikum stattfindet, wenn sie sich auf deine Person statt auf deine Texte bezieht oder wenn sie mit Auftritten oder Buchungen verknüpft wird, dann ist es kein Feedback mehr.

Anzeichen, bei denen du dich schützen darfst

Die Hinweise kommen ungefragt und regelmäßig von derselben Person.

Sie werden vor anderen geäußert, nicht unter vier Augen.

Sie betreffen dein Aussehen, dein Auftreten oder deine Person statt deiner Texte.

Oder sie sind mit einem Vorteil verknüpft: Wer dir Auftritte verschaffen kann, gibt kein neutrales Feedback.

Was du tun kannst

Der Satz aus Kapitel zehn reicht für den Anfang: Danke, das reicht mir gerade.

Wenn es weitergeht, sag es deutlich und einmalig. Du musst nicht diskutieren und dich nicht rechtfertigen.

Und wenn es dabei nicht bleibt, sprich mit der Person, die den Abend veranstaltet. Viele Reihen haben inzwischen Ansprechpersonen für genau solche Fälle.

Wenn Grenzüberschreitungen darüber hinausgehen, etwa ins Persönliche, berät der Weiße Ring Betroffene bundesweit unter der 116 006, kostenfrei und vertraulich.

Und wenn dich die Situation über längere Zeit belastet, ist die Hausarztpraxis ein völlig normaler erster Schritt. Termine für die psychotherapeutische Sprechstunde vermittelt in Deutschland die Terminservicestelle unter der 116117.

Und wenn es dir gerade richtig schlecht geht, ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar, kostenfrei und anonym: 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.

16
Angekommen

Selbstcheck: Wie gibst du Rückmeldung?

Sechs Fragen. Hak ehrlich ab, es sieht ja niemand.

Auswertung in einem Satz: Wenn du beim letzten Punkt zustimmen konntest, hast du den schwierigsten Teil schon verstanden.

Und wenn du beim ersten gezögert hast, fang genau dort an.

Übrigens scheitert gutes Feedback geben fast nie am Wissen. Es scheitert an acht Sekunden Ungeduld.

17
Angekommen

Zehn Fehler beim Feedback geben

Fünf Fehler im Moment

Fehler 1: Ungefragt anfangen
Mein Fehler aus Nürnberg. Er kostet manchmal einen Abend und manchmal deutlich mehr.
Fehler 2: Direkt nach dem Auftritt reden
Der Kopf der anderen Person ist noch im Text. Aufnahmefähig wird sie frühestens am nächsten Tag.
Fehler 3: Vor anderen Rückmeldung geben
Was unter vier Augen ein Hinweis ist, wird in der Gruppe zur Vorführung.
Fehler 4: Den kleinen Nachsatz doch noch loswerden
Wenn jemand nein gesagt hat, gilt das auch für den Halbsatz beim Weggehen.
Fehler 5: Mit einem Aber verbinden
Das Aber löscht die erste Hälfte des Satzes vollständig. Zwei getrennte Sätze wirken doppelt.

Fünf Fehler im Inhalt

Fehler 6: Über die Person statt über den Text reden
Der häufigste Grund, warum eine sachlich richtige Rückmeldung als Angriff ankommt.
Fehler 7: Vergleichen
Mit anderen Auftretenden, mit früheren Texten, mit dir selbst. Hilft nie.
Fehler 8: Nur das Schwache benennen
Ohne die Information, was getragen hat, weiß niemand, was er behalten soll.
Fehler 9: Lösungen liefern statt Fragen stellen
Vorschläge sind gut gemeint und nehmen der Person das Nachdenken ab. Und meistens die bessere Lösung gleich mit.
Fehler 10: Beim persönlichen Text übers Thema reden
Wer über den Vater der anderen Person spricht statt über den Aufbau des Textes, verlässt das Handwerk und weiß es oft nicht einmal.
18
Angekommen

Die Werkstatt: dein Plan für sieben Tage

Kein Programm, sondern eine Woche.

TagWas du machstDauer
MontagDie zwei Fragen aus Kapitel vier einmal laut üben.3 Minuten
DienstagDrei Satzbausteine aus Kapitel fünf auswendig lernen.10 Minuten
MittwochDeinen letzten Verbesserungsvorschlag als Frage umformulieren.10 Minuten
DonnerstagZwei Menschen fragen, ob sie deine festen Rückmeldeleute werden.10 Minuten
FreitagEine enge Frage für deinen nächsten Auftritt formulieren.5 Minuten
SamstagBeim nächsten Abend: fragen, bevor du etwas sagst.
SonntagAufschreiben, was du bekommen hast. Noch nichts entscheiden.10 Minuten

Der Samstag ist der wichtigste Tag in dieser Tabelle.

Denn alles andere ist Vorbereitung auf diese eine Frage.

Damit hast du das Feedback geben nach einer Woche einmal vollständig durchlaufen.

19
Nürnberg

Der Rest der Geschichte

Zurück nach Nürnberg.

Ich habe sie vier Jahre später wiedergesehen, auf einem Slam in einer anderen Stadt.

Sie stand auf der Liste, sie war gut, und sie hat den Abend gewonnen.

Ich habe mich hinterher vorgestellt, und sie hat sofort gewusst, wer ich bin.

Die Folge von falschem Feedback geben: eine offene Tür am Ende eines leeren Saals, ein Mantel bleibt zurück
Manche gehen einfach. Und man erfährt es erst Jahre später.

Was sie mir gesagt hat

Sie konnte meine drei Sätze fast wörtlich wiederholen.

Nach vier Jahren.

Und sie hat mir erzählt, dass sie danach fast zwei Jahre lang nichts mehr geschrieben hat.

Nicht weil die Sätze falsch waren. Sondern weil sie in diesem Moment gehört hat, dass sie hier nicht hingehört.

Es war ja alles richtig. Ich wollte es nur an diesem Abend nicht wissen.
Die Frau aus Nürnberg · vier Jahre später

Der Teil, den ich lieber weggelassen hätte

Ich habe mich entschuldigt, und sie hat abgewunken.

Sie sagte, das machten alle so, und sie mache es inzwischen selbst manchmal.

Genau dieser Satz hat mich mehr getroffen als alles andere an diesem Abend.

Denn er bedeutet, dass sich das weitergibt. Und dass jeder Mensch, der das durchmacht und trotzdem bleibt, es später an jemanden weiterreicht, der gerade anfängt.

Seitdem frage ich vorher. Jedes Mal, ohne Ausnahme.

Es dauert acht Sekunden.

Und in diesen acht Sekunden entscheidet sich, ob Feedback geben hilft oder schadet.

20
Angekommen

Was eine Szene zusammenhält

Eine Slam-Szene hat keine Satzung, keine Aufsicht und keine Ausbildung.

Sie hält zusammen, weil Menschen sich freiwillig anständig verhalten.

Und das entscheidet sich fast nie auf der Bühne, sondern in den zwanzig Minuten danach.

Guter Umgang beim Feedback geben: der Waschbär steht nach dem Auftritt in einem entspannten Gesprächskreis
Zwanzig Minuten nach dem Applaus. Hier entsteht die Szene, nicht auf der Bühne.

Warum das am Ende auch Handwerk ist

Gute Rückmeldung setzt voraus, dass man benennen kann, was man beobachtet hat.

Wer keine Wörter für Aufbau, Bild, Rhythmus und Pause hat, sagt am Ende nur, ob es ihm gefallen hat.

Und genau daraus entstehen die Sätze, die verletzen, ohne zu helfen.

Kurz gesagt: Gutes Feedback geben setzt voraus, dass man Wörter für das hat, was man hört.

Poetry Master
Genau dafür habe ich Poetry Master gebaut.

Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also die Begriffe und Werkzeuge, mit denen du benennen kannst, was du gehört hast.

Wer sein Handwerk kennt, kann präzise sein statt hart. Und Präzision ist die freundlichste Form von Ehrlichkeit, die es gibt.

Frag zuerst. Und sag dann etwas, mit dem man arbeiten kann.
Man erinnert sich selten daran, was jemand über den Text gesagt hat. Man erinnert sich daran, wie man sich danach gefühlt hat.

Übrigens tritt die Frau aus Nürnberg bis heute auf.

Und sie fragt inzwischen auch vorher. Das hat sie mir geschrieben.

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Wenn du diese Techniken nicht nur lesen,
sondern anwenden willst — wie ein Sniper mit Reimwaffe:

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Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch
— Stephan Pinkwart —
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Schreiben & Textaufbau
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Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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