Poetry Slam Ablauf: wie ein Abend Halt für Halt läuft

Poetry Slam Ablauf: wie ein Abend Halt für Halt läuft

Poetry Slam Ablauf: eine große Anzeigetafel im Bahnhof zeigt den Fahrplan des Abends
bahn-slam.de

Du gehst zum ersten Mal auf einen Poetry Slam.

Und im Kopf hast du eine leise Frage.

Was passiert hier eigentlich wann?

Wann geht es los?

Wie lange dauert das?

Wann darf ich klatschen, wann bin ich still?

Diese Fragen sind normal.

Und sie haben eine beruhigende Antwort.

Ein Poetry Slam ist kein Chaos.

Ein Poetry Slam hat einen festen Ablauf.

Fast wie ein Fahrplan.

Poetry Slam Ablauf: warum ein Abend einen Fahrplan hat

Denk an eine große Anzeigetafel im Bahnhof.

Oben steht der erste Zug.

Darunter der nächste.

Und der übernächste.

Jeder hat seine Zeit.

Jeder hat sein Gleis.

Nichts davon ist Zufall.

Ein Fahrplan sorgt dafür, dass alles ruhig läuft.

Der Poetry Slam hat auch so einen Fahrplan.

Er steht nicht auf einer Tafel.

Aber er ist trotzdem da.

Und wenn du ihn einmal kennst, nimmt er dir die ganze Nervosität.

Denn Angst kommt oft vom Nichtwissen.

Du weißt nicht, was als Nächstes passiert.

Also ist alles unheimlich.

Sobald du den Ablauf kennst, ist das vorbei.

Dann weißt du bei jedem Schritt, wo du bist.

Das gilt für dich als Gast im Saal.

Und es gilt erst recht, wenn du selbst auftrittst.

Wer den Fahrplan kennt, verpasst seinen Einsatz nicht.

Darum gehen wir den Abend jetzt einmal komplett durch.

Von der ersten bis zur letzten Station.

Ein grober Überblick vorab.

Zuerst kommst du rein und suchst dir einen Platz.

Dann kommt die Moderation und erklärt alles.

Dann gibt es einen Text zum Aufwärmen, der nicht zählt.

Dann startet die Vorrunde.

Alle treten nacheinander auf.

Nach jedem Text wird gewertet.

Meistens gibt es in der Mitte eine Pause.

Und am Ende ein Finale.

Das ist der ganze Fahrplan in einem Absatz.

Jetzt schauen wir jede Station in Ruhe an.

Ein Poetry Slam dauert übrigens länger, als viele denken.

Oft zwei Stunden.

Manchmal auch mehr.

Plan also einen ganzen Abend ein.

Nicht nur eine schnelle Stunde zwischendurch.

Es lohnt sich, bis zum Schluss zu bleiben.

Denn das Finale ist oft das Beste.

Die Abfahrt: Einlass, Moderation und der Text, der nicht zählt

Der Abend beginnt lange vor dem ersten Text.

Er beginnt am Einlass.

Komm lieber etwas früher.

Gute Slams sind oft voll.

Manche sind sogar ausverkauft.

Wer zu spät kommt, steht hinten.

Oder sitzt getrennt von seinen Freunden.

Ein früher Platz ist wie ein guter Sitz am Fenster.

Von hier siehst du alles.

Dann wird das Licht gedämpft.

Und die Moderation kommt auf die Bühne.

Sie ist der Fahrdienstleiter des Abends.

Sie sagt, wie viele Leute auftreten.

Sie erklärt die Regeln.

Sie erklärt, wie gewertet wird.

Und sie bringt den Saal in Stimmung.

Eine gute Moderation ist Gold wert.

Sie hält den ganzen Abend zusammen.

Wie ein guter Fahrdienstleiter, den man kaum bemerkt, weil alles läuft.

Was eine gute Moderation ausmacht, steht hier: die Rolle der Moderation.

Und dann kommt ein schöner Brauch.

Der erste Text zählt oft gar nicht.

Man nennt ihn den Opfer-Text.

Oder den Test-Text.

Jemand trägt vor, nur zum Aufwärmen.

Der Saal übt das Werten an diesem Text.

So wie eine Probefahrt vor dem echten Betrieb.

Die Lok fährt einmal die Strecke ab, bevor Fahrgäste einsteigen.

Danach wissen alle, wie es geht.

Und der Abend kann richtig starten.

Die Vorrunde: alle Züge fahren nacheinander

Jetzt beginnt der Kern des Abends.

Die Vorrunde.

Hier treten alle an, die auf der Liste stehen.

Einer nach dem anderen.

Nie zwei gleichzeitig.

Das ist wie auf einem Gleis.

Immer nur ein Zug.

Sonst gibt es einen Unfall.

Die Reihenfolge wird meist ausgelost.

Mal zieht die Moderation Namen aus einem Hut.

Mal ist es vorher festgelegt.

Wichtig ist nur: Sie ist fair.

Keiner sucht sich den besten Platz selbst aus.

Ob du früh oder spät dran bist, hat Folgen.

Wer zuerst fährt, hat es schwer.

Der Saal ist noch kalt.

Die Punkte fallen am Anfang oft vorsichtig aus.

Wer spät fährt, hat einen warmen Saal.

Aber auch mehr Druck, weil alle schon gute Texte gehört haben.

Beide Plätze haben ihre Tücken.

Mehr über diese Reihenfolge steht hier: warum die Reihenfolge zählt.

Jeder bekommt gleich viel Zeit.

Meist fünf bis sechs Minuten.

Die Uhr läuft für alle gleich.

Sie ist der strengste Schaffner im Raum.

Wer überzieht, bekommt Abzug.

Manche Slams stoppen dich hart bei der Grenze.

Andere lassen dich die Zeile noch beenden.

Aber ewig fahren darf keiner.

Warum diese Grenze deinem Text sogar hilft, steht hier: dein Text gegen die Uhr.

Und dann fährt ein Zug nach dem anderen ein.

Der erste bringt den Saal zum Lachen.

Der zweite macht ihn still.

Der dritte redet über Politik.

Der vierte über seine erste große Liebe.

So geht es Schlag auf Schlag.

Für dich als Gast ist das der beste Teil.

Du weißt nie, was als Nächstes kommt.

Jeder Text ist ein neuer Zug aus einer anderen Stadt.

Lass mich dir so eine Vorrunde einmal erzählen.

Damit du ein Gefühl dafür bekommst.

Der erste Name wird gezogen.

Eine junge Frau geht nach vorne.

Man sieht, dass ihre Hände zittern.

Sie hält ein Blatt fest, als wäre es ein Geländer.

Dann fängt sie an.

Und nach zwei Sätzen ist das Zittern weg.

Der Text trägt sie.

Der Saal klatscht warm.

Der erste Zug ist durch.

Der zweite ist ein alter Hase.

Er stellt sich ans Mikro, als wäre es sein Wohnzimmer.

Sein Text ist schnell und voller Pointen.

Der Saal lacht im Sekundentakt.

Er weiß genau, wann er eine Pause setzt.

Er lässt den Lacher wachsen und fährt dann weiter.

Das ist Handwerk.

Man merkt die vielen Auftritte hinter ihm.

Der dritte ist ein Junge, vielleicht sechzehn.

Seine Stimme ist noch dünn.

Aber sein Text ist ehrlich bis auf die Knochen.

Er redet über seinen Vater.

Über einen Streit, der nie geklärt wurde.

Eben hat der Saal noch gebrüllt vor Lachen.

Jetzt ist es totenstill.

So still, dass man das Summen der Lampen hört.

Als er fertig ist, dauert es eine Sekunde.

Dann bricht der Applaus los.

Lauter als bei allen vorher.

So geht das weiter.

Eine Frau schimpft über die Mieten in ihrer Stadt.

Ein Student erzählt von seiner ersten großen Liebe.

Einer reimt jede Zeile wie ein Uhrwerk.

Einer reimt kein einziges Mal und trifft trotzdem.

Jeder Zug kommt aus einer anderen Stadt.

Jeder bringt ein anderes Leben mit.

Und du sitzt im Saal und reist mit.

Fünf Minuten hier, fünf Minuten da.

An einem einzigen Abend siehst du ein Dutzend Welten.

Genau das ist der Zauber der Vorrunde.

Sie ist nie gleich.

Sie ist jedes Mal ein neuer Fahrplan aus lauter Überraschungen.

Und du weißt nie, welcher Text dich diesmal erwischt.

Aber einer erwischt dich immer.

Das ist so sicher wie die Abfahrtszeit.

Die Wertung: der Saal stellt die Weichen

Nach jedem Text kommt der wichtige Moment.

Die Wertung.

Jetzt stellt der Saal die Weichen.

Er entscheidet, wer weiterfährt.

Und wer an dieser Station aussteigt.

Wie das genau läuft, ist von Ort zu Ort verschieden.

Oft gibt es Punktetafeln.

Fünf zufällig gewählte Gäste halten eine Zahl hoch.

Von null oder eins bis zehn.

Manchmal wird die höchste und die niedrigste Zahl gestrichen.

Damit ein einzelner Fan oder Miesmacher nicht alles kippt.

Der Rest wird zusammengezählt.

Und ergibt die Wertung.

Bei anderen Slams wird nur geklatscht.

Dann zählt die Lautstärke.

Ein Gerät misst sie, oder das Ohr der Moderation.

Die Form ist verschieden.

Der Kern ist immer gleich.

Der Saal wertet, nicht ein Experte.

Wie diese Publikums-Jury tickt, steht hier: wie die Jury entscheidet.

Und ja, die Wertung ist nie ganz gerecht.

Ein starker Text kann an einem müden Abend untergehen.

Ein einfacher Text kann den Saal zum Beben bringen.

Das gehört dazu.

Darum gilt beim Slam ein wichtiger Satz.

Respect the poets.

Achtet die Dichter.

Die Punkte sind ein Spiel.

Der Mut, da oben zu stehen, ist echt.

Ein guter Saal buht niemanden aus.

Er trägt die Leute, auch wenn ein Text mal danebengeht.

Der Moment, in dem die Tafeln hochgehen, ist ein eigenes kleines Drama.

Der Text ist vorbei.

Der Auftretende steht noch auf der Bühne.

Und jetzt schaut der ganze Saal auf die fünf Leute mit den Tafeln.

Eine Neun geht hoch, der Saal jubelt.

Eine Sechs, und ein Raunen geht durch die Reihen.

Der Mensch auf der Bühne lächelt tapfer.

Auch wenn die Zahl wehtut.

Das gehört dazu.

Es ist wie das Warten auf die Anzeige am Gleis.

Kommt der Zug pünktlich oder nicht?

Manchmal ist es ganz knapp.

Zwei liegen fast gleichauf.

Ein Zehntel entscheidet, wer ins Finale fährt.

Diese Spannung kann man kaum aushalten.

Und genau dafür lieben viele den Slam.

Es ist Literatur mit dem Herzschlag eines Wettkampfs.

Beides zusammen, im selben Moment.

Aber vergiss bei all den Zahlen das Wichtigste nicht.

Die Punkte verblassen schon auf dem Heimweg.

Der Text bleibt.

Frag jemanden ein Jahr nach einem Slam, wer gewonnen hat.

Fast keiner weiß es noch.

Aber die eine Zeile, die ihn getroffen hat, die weiß er auswendig.

Das ist die eigentliche Wertung.

Nicht die Tafel im Saal.

Sondern das, was hängenbleibt.

Poetry Slam Ablauf: eine alte Bahnhofsuhr über einem leeren Bahnsteig zeigt die Zeit
bahn-slam.de

Poetry Slam Regeln · Kiezpoeten

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Die Pause: einmal durchatmen auf halber Strecke

Nach der Hälfte der Vorrunde kommt fast immer eine Pause.

Meist zehn bis zwanzig Minuten.

Das ist kein Zufall.

Zwei Stunden Zuhören sind anstrengend.

Das Ohr braucht eine Rast.

So wie eine lange Fahrt einen Zwischenhalt braucht.

Ein Bahnhof, an dem man einmal aussteigt.

Die Beine vertreten.

Etwas trinken.

Und wieder frisch werden.

Nutz diese Pause.

Hol dir etwas zu trinken.

Sprich mit deinen Leuten über die Texte.

Wer war dein Favorit?

Welche Zeile ist dir hängengeblieben?

Genau diese Gespräche machen den Abend rund.

Ein Slam ist nie nur die Bühne.

Ein Slam ist auch der Saal in der Pause.

Aber komm rechtzeitig zurück.

Denn nach der Pause wird es oft am besten.

Die Nervösen haben ihren ersten Auftritt hinter sich.

Der Saal ist warm.

Und die stärksten Texte kommen oft im zweiten Teil.

Wer die Pause zu lang macht, verpasst den besten Zug.

Das Finale: die letzten Züge des Abends

Am Ende der Vorrunde steht fest, wer vorn liegt.

Die Besten kommen ins Finale.

Oft sind es drei.

Manchmal zwei.

Ein bekanntes System heißt „acht bis drei“.

Acht treten in der Vorrunde an.

Drei kommen ins Finale.

Das sind die letzten Züge des Abends.

Und jetzt kommt das Wichtige.

Im Finale liest keiner denselben Text noch einmal.

Jeder bringt einen neuen.

Darum haben Profis immer mehr als einen Text dabei.

Einen für die Vorrunde.

Und einen für das Finale.

Wer nur einen Text hat, ist im Finale aufgeschmissen.

Wie man sich so ein Repertoire aufbaut, steht hier: dein Repertoire aufbauen.

Das Finale ist der Höhepunkt.

Der Saal ist jetzt ganz da.

Die Texte sind die stärksten des Abends.

Und die Spannung ist mit Händen zu greifen.

Dann wird ein letztes Mal gewertet.

Und der Abend hat eine Siegerin oder einen Sieger.

Wie diese Finalrunde tickt, steht hier: die Finalrunde.

Und was gewinnt man?

Oft nicht viel.

Eine Flasche, ein kleiner Preis, manchmal etwas Geld.

Der eigentliche Gewinn ist ein anderer.

Es ist der Applaus eines ganzen Saals.

Und das Gefühl, an diesem Abend etwas ausgelöst zu haben.

Kein Pokal der Welt wiegt das auf.

Wenn du selbst mitfahren willst: die offene Liste

Bis jetzt hast du den Abend als Gast erlebt.

Aber vielleicht juckt es dich in den Fingern.

Vielleicht willst du selbst einsteigen.

Dann ist die offene Liste dein Fahrschein.

Fast jeder Slam hat so eine Liste.

Sie ist offen für alle.

Du musst nicht berühmt sein.

Du musst nicht eingeladen sein.

Du trägst einfach deinen Namen ein.

Und schon stehst du auf dem Fahrplan.

Aber sei früh da.

Die Liste füllt sich schnell.

Oft gibt es nur acht oder zehn Plätze.

Wer zu spät kommt, fährt heute nicht mehr mit.

Also frag beim Reinkommen, wo die Liste liegt.

Trag dich ein.

Und dann warte auf deinen Einsatz.

Mehr über diese Liste steht hier: so funktioniert die offene Liste.

Die Zeit bis zu deinem Auftritt ist die schwerste.

Dein Herz klopft.

Du hörst die anderen kaum noch.

Du denkst nur an deinen Text.

Das ist völlig normal.

Jeder da oben kennt dieses Warten.

Auch die Profis, seit vielen Jahren.

Ein kleiner Trost hilft.

Sobald du am Mikro stehst, wird es besser.

Das Warten ist schlimmer als der Auftritt.

Ein paar Tipps für dein erstes Mal auf der Liste.

Nimm einen kurzen Text.

Lieber zwei starke Minuten als sechs zähe.

Du darfst dein Blatt mit auf die Bühne nehmen.

Du musst nichts auswendig können.

Sprich langsamer, als du denkst.

Vor Aufregung wird jeder zu schnell.

Und erwarte keinen Sieg.

Erwarte nur, dass du es machst.

Alle weiteren Schritte gehe ich mit dir hier durch: die 10 Gebote für Anfänger.

Nach dem Slam: der Bahnhof leert sich langsam

Das Finale ist vorbei.

Die Siegerin steht fest.

Der Saal klatscht ein letztes Mal.

Und dann?

Dann leert sich der Bahnhof nur langsam.

Bei einem guten Slam rennt keiner sofort raus.

Die Leute bleiben.

Sie reden.

Sie lachen.

Sie gratulieren einander.

Das ist deine Chance.

Geh zu jemandem, dessen Text dich berührt hat.

Sag ihm einen ehrlichen Satz.

Nenn die eine Zeile, die hängengeblieben ist.

Das freut jeden, der da oben stand.

Und frag ruhig, wie er angefangen hat.

Die meisten erzählen gern.

Die Slam-Szene ist freundlich.

Fast alle waren mal selbst nervöse Anfänger.

Irgendwann gehst du dann nach Hause.

Und meistens nimmst du etwas mit.

Eine Zeile, die im Kopf bleibt.

Ein Bild, das nicht mehr weggeht.

Ein Gefühl, das dich noch auf dem Heimweg begleitet.

Diese eine Zeile ist dein Fahrschein.

Der kleine Abschnitt, den man aufhebt.

Dafür geht man auf einen Poetry Slam.

Nicht jeder Slam läuft gleich: die Formate

Der Ablauf, den ich beschrieben habe, ist der klassische.

Ein offener Slam mit Liste, Vorrunde und Finale.

Das ist die Regionalbahn unter den Slams.

Sie hält überall und nimmt alle mit.

Aber es gibt noch andere Züge auf demselben Netz.

Es lohnt sich, sie zu kennen.

Dann weißt du vorher, worauf du dich einlässt.

Da ist der Best-of-Slam.

Hier treten nur geladene Profis auf.

Es gibt keine offene Liste.

Das ist der Fernzug: schnell, stark, aber ohne Zustieg für alle.

Für deinen ersten eigenen Auftritt ist er nicht gedacht.

Zum Zuschauen aber ist er großartig.

Da ist der Themen-Slam.

Alle Texte drehen sich um ein Thema.

Um die Liebe.

Um die Stadt.

Um die Angst.

Das gibt dem Abend eine gemeinsame Richtung.

Da ist der Team-Slam.

Hier treten Gruppen gegeneinander an.

Zwei oder mehr Leute auf der Bühne.

Das ist die Doppeltraktion: mehrere Loks ziehen zusammen.

Und da ist der U20-Slam.

Er ist nur für junge Leute unter zwanzig.

Ein geschützter Bahnsteig für den Nachwuchs.

Ohne die alten Hasen als Konkurrenz.

Mehr dazu steht hier: der U20-Slam.

So verschieden diese Formate sind:

Der Kern bleibt immer gleich.

Selbst geschrieben.

Zeitlimit.

Das Publikum wertet.

Vier Regeln, ein Netz, viele Züge.

Einen Überblick über die Formate findest du hier: die Slam-Formate im Überblick.

Als Zuschauer richtig mitfahren

Eine Sache habe ich dir noch nicht verraten.

Als Gast bist du nicht nur Fahrgast.

Du bist Teil des Betriebs.

Denn der Saal macht den Abend.

Ein warmer Saal lockt bessere Texte heraus.

Ein kalter Saal drückt sie nieder.

Du hast also mehr Macht, als du denkst.

Nutz sie gut.

Klatsche laut für das, was dich packt.

Schnipsen mit den Fingern ist beim Slam üblich.

Es ist ein Zeichen für eine starke Zeile.

Trau dich, es zu tun.

Aber das Wichtigste ist das Gegenteil.

Sei ganz still in den stillen Momenten.

Wenn ein Text leise und ernst wird, halte den Atem an.

Diese Stille ist ein Geschenk an den Menschen auf der Bühne.

Sie ist manchmal mehr wert als jeder Applaus.

Und ein Wort zu den Zwischenrufen.

Ein freundlicher Ruf ist in Ordnung.

Ein gemeiner Ruf ist es nicht.

Denk an den Satz: Respect the poets.

Auch der schwächste Text hatte Mut nötig.

Niemand wird auf einem guten Slam ausgebuht.

Der Saal trägt die Leute, er stößt sie nicht.

Wenn du das beherzigst, bist du ein guter Fahrdienstleiter.

Und der Abend wird für alle schöner.

Und noch etwas spürst du an einem guten Abend.

Der ganze Saal atmet irgendwann im selben Takt.

Alle lachen an derselben Stelle.

Alle werden an derselben Stelle still.

Fremde Menschen, die eben noch nichts verband.

Für zwei Stunden sind sie ein einziges Publikum.

Das ist selten geworden in unserer Zeit.

Jeder starrt sonst auf seinen eigenen kleinen Bildschirm.

Hier schauen alle auf dieselbe Bühne.

Und fühlen für einen Moment dasselbe.

Ein voller Slam-Saal ist wie ein Bahnsteig kurz vor Silvester.

Lauter fremde Leute, und trotzdem ein gemeinsames Warten.

Ein gemeinsames Hoffen.

Wenn du das erste Mal da bist, lass dich einfach darauf ein.

Du musst nichts können.

Du musst nichts vorbereiten.

Du musst nur da sein und offen bleiben.

Der Abend nimmt dich dann von selbst mit.

Von Station zu Station.

Von Lachen zu Stille und wieder zurück.

Und am Ende steigst du aus, ein bisschen anders als vorher.

Genau dafür gibt es diesen Fahrplan.

Nicht damit alles ordentlich ist.

Sondern damit dieser eine Abend gelingen kann.

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Häufige Fragen zum Ablauf eines Poetry Slams

Zum Schluss die Fragen, die fast jeder vor dem ersten Mal hat.

Ganz kurz beantwortet.

Wie lange dauert ein Poetry Slam?

Meist zwei Stunden, oft etwas mehr.

Plan den ganzen Abend ein.

Muss ich bis zum Ende bleiben?

Musst du nicht.

Aber du solltest.

Denn das Finale ist oft das Beste am ganzen Abend.

Wer früh geht, verpasst den Höhepunkt.

Kann ich zwischendurch mal raus?

Am besten in der Pause.

Während eines Textes geht man nicht.

Das stört den Menschen auf der Bühne.

Warte den Applaus ab, dann ist der Weg frei.

Wann darf ich klatschen?

Nach jedem Text.

Und bei einer starken Zeile darfst du schnipsen.

Nur mitten im leisen Moment bleibst du still.

Darf ich fotografieren oder filmen?

Frag lieber kurz nach oder schau auf die Ansage.

Die Texte gehören den Leuten, die sie schreiben.

Ein Mitschnitt ohne Erlaubnis ist nicht fair.

Kostet ein Poetry Slam Eintritt?

Oft ein paar Euro.

Manche kleinen Slams sind sogar frei.

Bei bekannten Bühnen lohnt sich eine Karte vorab.

Sonst stehst du vor einem vollen Saal.

Kann ich als Gruppe kommen?

Klar, das ist sogar schön.

Zu mehreren macht ein Slam noch mehr Spaß.

Und was, wenn mir ein Text nicht gefällt?

Dann klatsch eben leiser.

Aber buhe nicht.

Der Nächste fährt gleich ein.

Und bringt vielleicht genau deinen Abend.

Die typischen Fehler beim ersten Slam-Besuch

Damit dein erster Abend rund läuft, hier die häufigsten Fehler.

Keine Sorge, alle sind leicht zu vermeiden.

Der erste Fehler: zu spät kommen.

Gute Slams sind voll.

Kommst du kurz vor Beginn, ist die Liste weg und der Platz schlecht.

Komm lieber eine halbe Stunde früher.

Dann hast du Ruhe, einen guten Sitz und ein Getränk.

Und wenn du auftreten willst, auch einen Platz auf der Liste.

Der zweite Fehler: zu weit hinten sitzen.

Hinten ist der Slam wie ein Zug, den du nur von der Brücke siehst.

Du hörst ihn, aber du spürst ihn nicht.

Vorne ist das anders.

Vorne siehst du jedes Zittern, jedes Lächeln.

Du bist mitten im Betrieb.

Setz dich also nach vorne, wenn du kannst.

Der dritte Fehler: während eines Textes reden.

Das ist der schlimmste von allen.

Auf der Bühne steht ein Mensch, der sich öffnet.

Jedes Tuscheln trifft ihn.

Also sei still, solange jemand vorträgt.

Dein Reden hat in der Pause Platz.

Der vierte Fehler: das Handy rausholen.

Der Bildschirm leuchtet in den dunklen Saal.

Er stört die Bühne und die Leute um dich herum.

Steck das Telefon weg.

Für zwei Stunden gehört deine Aufmerksamkeit dem Saal.

Du wirst merken, wie gut das tut.

Der fünfte Fehler: vor dem Finale gehen.

Viele werden müde und schleichen sich raus.

Und verpassen genau das Beste.

Das Finale ist der Höhepunkt des Abends.

Hier kommen die stärksten Texte.

Bleib bis zum letzten Zug.

Der sechste Fehler: nur auf Lacher warten.

Viele denken, ein Slam sei eine Comedy-Show.

Dann kommt ein leiser, trauriger Text und sie sind enttäuscht.

Dabei ist genau dieser Text oft der stärkste.

Lass dich überraschen.

Die stillen Momente bleiben am längsten.

Der siebte Fehler: sich nicht trauen zu reagieren.

Du sitzt still da und traust dich nicht zu klatschen.

Dabei braucht die Bühne genau dich.

Klatsch laut, wenn dich etwas packt.

Schnipse bei einer starken Zeile.

Deine Reaktion ist der Strom, von dem der Abend lebt.

Der achte Fehler betrifft alle, die selbst auftreten.

Zu lang, zu leise, zu schnell.

Das sind die drei häufigsten Stolpersteine.

Nimm einen kurzen Text.

Sprich lauter und langsamer, als sich richtig anfühlt.

Alles Weitere steht in den Geboten für Anfänger, die ich oben verlinkt habe.

Und der neunte Fehler: über die Punkte enttäuscht sein.

Die Wertung ist Laune, nicht Wahrheit.

Ein schwacher Abend für die Punkte kann ein starker Abend für dich sein.

Miss dich nicht an einer Zahl.

Miss dich daran, dass du gefahren bist.

Das ist der einzige Maßstab, der zählt.

Mailand, Toscanini und dein Fahrplan

Erinnerst du dich an den jungen Mann vom Anfang?

An den Cellisten aus Rio?

Arturo Toscanini war neunzehn.

Der Dirigent war ausgefallen.

Und er stellte sich einfach ans Pult.

Eine ganze Oper, zwei Stunden lang.

Ohne Noten, alles aus dem Kopf.

Warum konnte er das?

Weil er den Fahrplan kannte.

Jeden Einsatz, jede Station, jede Weiche.

Der ganze Abend hielt, weil einer den Plan im Kopf hatte.

Genau darum geht es auch bei dir.

Du musst keine Oper auswendig können.

Aber wenn du den Ablauf eines Slams kennst, verlierst du die Angst.

Du weißt, wann die Moderation kommt.

Du weißt, was der Opfer-Text ist.

Du weißt, wann die Vorrunde läuft und wann das Finale.

Du weißt, wann du klatschst und wann du still bist.

Und wenn du selbst auftrittst, verpasst du deinen Einsatz nicht.

Das ist der eine Tipp, den du mitnehmen sollst.

Kenne den Fahrplan, und der Abend gehört dir.

Denn Angst ist am Ende nur ein anderes Wort für Unwissen.

Wer nicht weiß, was kommt, macht sich klein.

Wer den Weg kennt, geht aufrecht.

Ein Lokführer, der die Strecke kennt, bremst ruhig vor der Kurve.

Ein Lokführer, der sie nicht kennt, erschrickt bei jedem Signal.

Genau so ist es mit deinem ersten Slam.

Beim zweiten Mal ist alles schon halb vertraut.

Beim dritten Mal fühlst du dich fast zu Hause.

Und irgendwann bist du der Ruhige im Saal.

Der, der dem Nachbarn flüstert, was gleich passiert.

Der, der die Strecke auswendig kennt.

So wie damals der junge Toscanini.

Nur ohne Orchester.

Und ohne die Angst, die dich heute noch bremst.

Fassen wir die Fahrt noch einmal zusammen.

Du kommst rein und suchst dir früh einen Platz.

Die Moderation begrüßt dich und erklärt alles.

Ein Text zum Aufwärmen stellt den Saal ein.

Dann fährt die Vorrunde, Zug um Zug.

Nach jedem Text stellt der Saal die Weichen.

In der Mitte hältst du kurz und atmest.

Am Ende kommt das Finale mit neuen Texten.

Und dann leert sich der Bahnhof langsam.

Mit einer Zeile in deinem Kopf.

Das ist der ganze Fahrplan eines Poetry Slams.

Er ist einfacher, als er von außen aussieht.

Und sobald du ihn kennst, kannst du dich fallen lassen.

Dann genießt du einfach die Fahrt.

Alle Bühnen und Wege findest du hier: alle Poetry-Beiträge.

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Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch, das du lesen solltest
— Stephan Pinkwart —

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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