Slam-Formate erklärt: Von Team-Slam bis Dead-or-Alive
Neben meinem Mikrofon stand ein zweites. Und ich hatte keine Ahnung, warum.
Dresden, ein Kellerclub in der Neustadt, ich hatte mich zwei Wochen vorher online angemeldet.
Auf der Bühne standen zwei Mikrofonständer.
Ich hielt das für einen Aufbaufehler, bis die Moderation den Abend eröffnete und das Wort Team-Slam benutzte.
Meine Partnerin für diesen Abend hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nie gesehen.
Wir hatten zwanzig Minuten, um aus zwei fertigen Einzeltexten etwas Gemeinsames zu bauen.
Das Ergebnis war schlecht. Und es war trotzdem der lehrreichste Abend des ganzen Jahres.
Dieser Beitrag ist der Überblick, den ich damals gebraucht hätte.
Denn die Poetry-Slam-Formate unterscheiden sich stärker, als es von außen aussieht.
Am Ende bekommst du wieder genau einen Griff. Er kostet dich vier Abende im Jahr.
Denn Poetry-Slam-Formate sind keine Deko. Sie bestimmen, was du an dem Abend überhaupt üben kannst.
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Jetzt Kanal folgenWas alle Poetry-Slam-Formate gemeinsam haben
So verschieden die Poetry-Slam-Formate auch sind, ein Kern bleibt überall gleich.
Diese vier Regeln findest du von der Dorfkneipe bis zur Meisterschaft.
Regel eins: eigener Text
Du trägst vor, was du selbst geschrieben hast.
Das ist die wichtigste Regel überhaupt und der Unterschied zu einer Lesung oder einem Rezitationswettbewerb.
Ausnahmen gibt es nur in eigens angekündigten Sonderformaten. Eines davon steht in Kapitel sieben.
Trotzdem gilt diese Regel in nahezu allen Poetry-Slam-Formaten ohne Diskussion.
Regel zwei: Zeitlimit
Im deutschsprachigen Raum sind sechs Minuten der verbreitetste Wert.
Manche Veranstaltungen setzen fünf an, manche sieben. Bei Meisterschaften wird die Zeit streng genommen, bei offenen Bühnen oft großzügiger.
Frag im Zweifel vorher nach, denn Überziehen kostet je nach Haus Punkte oder das Mikrofon.
Außerdem unterscheiden sich die Poetry-Slam-Formate genau an dieser Stelle am deutlichsten.
Regel drei: keine Requisiten, keine Kostüme, keine Musik
Auf der Bühne stehen du, ein Mikrofon und höchstens ein Blatt Papier.
Diese Regel ist nicht dazu da, dich zu ärgern. Sie sorgt dafür, dass alle mit denselben Mitteln antreten und dass der Text im Mittelpunkt bleibt.
Deshalb wirken Poetry-Slam-Formate nach außen so schlicht. Das ist Absicht.
Regel vier: das Publikum entscheidet
Entweder über eine Jury aus dem Publikum, die Punkte vergibt, oder direkt über Applaus.
Beides hat Vor- und Nachteile, und beides ist keine literarische Bewertung. Mehr dazu steht in Umgang mit Applaus-Sucht.
Jede Veranstaltung darf sie anpassen, und viele tun das. Deshalb steht auf jeder guten Ankündigung, welche Regeln gelten. Genau da hätte ich in Dresden nachlesen sollen.
Marc Smith erfand das Ganze in einer Kneipe
Der Poetry Slam kommt nicht aus der Universität, sondern aus Chicago.
Der amerikanische Dichter Marc Kelly Smith, im Hauptberuf lange Bauarbeiter, fand die Lesebühnen seiner Zeit zu steif und zu akademisch.
Also besuchte er offene Mikrofone und baute sie um, indem er einen Wettbewerb daraus machte.
Die Zuschauer bekamen Wertungskarten. Das war die ganze Erfindung.
Alles, was heute unter Poetry-Slam-Formate läuft, geht auf diesen einen Einfall zurück.
Der ehrliche Haken bei der Jahreszahl
Die Quellen nennen unterschiedliche Daten.
Häufig steht 1984 für die ersten Versuche in der Get Me High Lounge, während die berühmte Reihe im Green Mill Jazz Club ab 1986 lief.
Manche deutschen Berichte sprechen schlicht von den späten achtziger Jahren.
Richtig ist in jedem Fall: Mitte der achtziger Jahre, Chicago, eine Kneipe.
Es gibt keine oberste Regelbehörde und kein Regelwerk, das irgendwo hinterlegt wäre. Deshalb darf jede Stadt und jede Veranstaltung eigene Varianten erfinden – und tut das auch.
Der Standard-Slam: das Grundformat aller Poetry-Slam-Formate
Das ist der Abend, den die meisten meinen, wenn sie Poetry Slam sagen.
Der häufigste Anfängerfehler bei diesem Format ist genau dieser: nur einen Text mitbringen.
Dann steht man im Finale und improvisiert.
Übrigens gilt das bei fast allen Poetry-Slam-Formaten mit Finalrunde, nicht nur beim Standard-Slam.
Die offene Bühne: der beste erste Schritt
Ein Hinweis, der oft fehlt: Auch bei offenen Bühnen gilt meistens die Regel mit dem eigenen Text.
Frag trotzdem nach, weil manche Reihen ausdrücklich alles zulassen, von Musik bis Kleinkunst.
Denn gerade bei offenen Bühnen weichen die Poetry-Slam-Formate am stärksten voneinander ab.
Der U20-Slam: eigene Liga, gleiche Poetry-Slam-Formate
Wer über zwanzig ist, kann bei den U20-Wettbewerben nicht mitmachen, aber hingehen.
Zuerst irritiert diese Altersgrenze viele. Sie ist allerdings genau der Grund, warum das Format funktioniert.
Und das lohnt sich, weil das Niveau in dieser Liga seit Jahren erstaunlich hoch ist.
Außerdem siehst du dort Poetry-Slam-Formate in ihrer konzentriertesten Form. Die Nachwuchsszene probiert schlicht mehr aus.
Der Team-Slam: zwei Stimmen, ein Text
Das Format, in das ich in Dresden gestolpert bin.
Warum Team-Slam so viel beibringt
Weil du zum ersten Mal hörst, wie dein Text klingt, wenn ihn jemand anderes spricht.
Das ist eine Erfahrung, die dir kein Alleinauftritt jemals liefert.
Außerdem lernst du zwangsläufig etwas über Timing, denn ihr müsst euch abstimmen.
Und drittens verlierst du die Kontrolle, was für die meisten die eigentliche Übung ist.
Damit ist der Team-Slam unter allen Poetry-Slam-Formaten das mit dem größten Lerneffekt pro Abend.
Beides ist üblich. Und beides ändert die Vorbereitung vollständig.
Dead or Alive: lebende Poeten gegen tote Klassiker
Das ungewöhnlichste Format auf dieser Liste, und das am häufigsten missverstandene.
Der Punkt, den fast alle falsch verstehen
Bei Dead or Alive trägst du nicht selbst den Text eines toten Dichters vor.
Genau das hatte ich lange geglaubt.
Und ich war damit nicht allein, weil der Name genau diesen Eindruck erzeugt.
Die Seite der Toten wird von Schauspielensembles übernommen, und die lebende Seite besteht aus eingeladenen Poetinnen und Poeten.
Es ist also keine offene Anmeldung, sondern eine kuratierte Theaterproduktion.
Deshalb steht Dead or Alive in dieser Liste der Poetry-Slam-Formate etwas abseits.
Woher es kommt
Nach Angaben der veranstaltenden Sprechstation fand der erste Dead or Alive Slam 2007 am Theater Konstanz statt.
Seitdem läuft das Format regelmäßig an größeren Häusern, unter anderem in Stuttgart, Bochum und Siegen.
Danach verstehst du besser, was auf einer Slam-Bühne eigentlich funktioniert – und was nur unsere Gegenwart gut findet.
Sechs weitere Poetry-Slam-Formate kurz erklärt
Diese Varianten begegnen dir regelmäßig, ohne dass sie überall gleich heißen.
Drei Formate mit veränderten Regeln
Themen-Slam
Speed-Slam oder Kurz-Slam
Duell-Slam oder K.-o.-Slam
Drei Formate mit verändertem Rahmen
Best-of-Slam oder Champions-Slam
Nacht-Slam oder Late-Night-Slam
Science Slam
Daneben gibt es unzählige lokale Erfindungen, vom Weihnachtsslam bis zum Slam im Schwimmbad.
Genau diese Vielfalt ist der Grund, warum sich die Poetry-Slam-Formate nicht abschließend auflisten lassen.
Trotzdem lassen sich fast alle auf die vier Regeln aus Kapitel eins zurückführen.
Die Zeitlimits im Vergleich
Das Zeitlimit ist der Wert, der sich zwischen den Formaten am stärksten unterscheidet.
Deshalb lohnt sich ein Blick auf die Spannen, bevor du dich für einen Abend entscheidest.
Wie die Poetry-Slam-Formate nach Deutschland kamen
1994 erzählten ein paar Amerikaner einem Berliner von einem Trend aus Chicago.
Der Berliner hieß Wolf Hogekamp, und er machte daraus in der Bar Ex’n’Pop in Schöneberg eine offene Bühne.
Aus dieser Reihe wurde die älteste durchgehende Slam-Reihe Deutschlands.
Anfangs war Hogekamp der Einzige, der auf Deutsch vortrug. Die übrigen Auftretenden kamen aus den USA.
Damals gab es also genau ein Format. Alle weiteren Poetry-Slam-Formate kamen erst danach dazu.
Und dann kamen die Meisterschaften
1997 organisierte Hogekamp die ersten deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften.
Sie fanden am 3. und 4. Oktober 1997 statt, sämtliche Runden liefen im Ex’n’Pop, und rund zweihundert Menschen sahen zu.
Erster deutschsprachiger Meister wurde Bas Böttcher, Jahrgang 1974, der als erster deutscher Slam-Poet gilt.
Seit 2001 sind die Meisterschaften auf den gesamten deutschen Sprachraum ausgeweitet. Österreich und die Schweiz sind seit 2000 dabei, Liechtenstein seit 2009, Luxemburg seit 2014.
Zweihundert Zuschauer im Jahr 1997. Über vierzehntausend im Jahr 2011.Die deutschsprachigen Meisterschaften in einer Zahl
Für 2011 gibt der Veranstalter über vierzehntausend Besucher an fünf Tagen an, davon viertausend allein im Finale.
Zwischen diesen beiden Zahlen liegen die meisten Poetry-Slam-Formate, die es heute gibt.
Der ehrliche Haken
Bei den frühen Jahreszahlen widersprechen sich die Quellen leicht.
Mal steht 1993 als Jahr des ersten deutschsprachigen Slams im Ex’n’Pop, mal 1994 als Jahr, in dem das Format dort etabliert wurde.
Unstrittig ist die Reihenfolge: erst Chicago, dann Berlin, dann alle anderen.
Für die Poetry-Slam-Formate selbst spielt das ohnehin keine Rolle. Wichtig ist nur, dass sie irgendwo angefangen haben.
Das heißt für dich zweierlei. Erstens ist nichts davon in Stein gemeißelt. Und zweitens darfst du selbst eines erfinden, wenn dir keines passt.
Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Der Formatwechsel: vier Abende im Jahr
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt genau eine Sache, die zuverlässig funktioniert. Und sie ist wieder enttäuschend simpel.
Vier Abende im Jahr. Nicht mehr.
Und wähle es ausdrücklich danach, was du üben willst, und nicht danach, was du schon kannst.
Das war es. Vier Termine im Kalender.
Damit werden Poetry-Slam-Formate zu einem Trainingsplan statt zu einer Zufallsauswahl.
Warum das mehr bringt als jedes Training
Weil jedes Format dich zu genau einer Sache zwingt.
Beim Speed-Slam musst du kürzen. Beim Themen-Slam musst du neu schreiben. Beim Team-Slam musst du abgeben.
Diese Dinge kannst du zu Hause monatelang vornehmen und wirst sie nicht tun.
Ein angemeldeter Abend erledigt das in zwei Wochen.
Deshalb sind Poetry-Slam-Formate das billigste Trainingsgerät, das die Szene zu bieten hat.
Welches Format welche Fähigkeit trainiert
| Was du üben willst | Welches Format du nimmst | Warum es funktioniert |
|---|---|---|
| Kürzen | Speed-Slam | Zwei Minuten verzeihen keine Umwege. |
| Neues schreiben | Themen-Slam | Der bewährte Text passt garantiert nicht. |
| Abgeben und zuhören | Team-Slam | Du kontrollierst nur noch die Hälfte. |
| Ruhe und Präsenz | Offene Bühne | Ohne Punkte fällt der Wettkampfmodus weg. |
| Nerven | Duell-Slam | Jede Runde entscheidet sofort. |
| Alles beobachten | Best-of-Slam | Im Publikum, mit Notizbuch. |
Alles Weitere in diesem Beitrag ist Nachschlagewerk. Das hier ist das Werkzeug.
Welche Poetry-Slam-Formate passen gerade zu dir?
Der häufigste Fehler beim Einstieg ist das falsche erste Format.
Ein einziger Hinweis dazu, weil er sonst untergeht.
Wenn du noch nie aufgetreten bist, nimm bitte wirklich die offene Bühne.
Ein Wettbewerb als erster Auftritt ist möglich und funktioniert bei manchen hervorragend. Bei den meisten sorgt er dafür, dass es kein zweites Mal gibt.
Also wähle unter allen Poetry-Slam-Formaten für den Anfang bewusst eines ohne Wertung.
Häufige Fragen zu Poetry-Slam-Formaten
Fragen zur Teilnahme
Woher weiß ich, welches Format an einem Abend läuft?
Darf ich denselben Text bei mehreren Slams vortragen?
Brauche ich für jedes Format einen anderen Text?
Kann ich bei einem Team-Slam ohne Team antreten?
Fragen zu Regeln und Wertung
Was passiert, wenn ich überziehe?
Darf ich ablesen?
Sind wirklich alle Sprachen erlaubt?
Warum gibt es keine einheitlichen Regeln?
Sechs Übungen für neue Poetry-Slam-Formate
Diese sechs bereiten dich auf jeweils ein Format vor.
Danach fällt dir die Anmeldung für ein neues Format deutlich leichter.
Fang mit einer an, nicht mit allen.
Denn neue Poetry-Slam-Formate lernt man wie jedes Handwerk, nämlich in kleinen Schritten.
Drei Übungen am Text
Übung 1 – Die Halbierung
Übung 2 – Das fremde Thema
Übung 3 – Die fremde Stimme
Drei Übungen für den Abend
Übung 4 – Die Ankündigung lesen
Übung 5 – Der zweite Text
Übung 6 – Der Notizbuchabend
Drei Standardwerke statt drei Videos
An dieser Stelle stehen sonst Videos.
Diesmal nicht, und der Grund gehört dazu: Ich habe keine deutschsprachigen Videos gefunden, deren Herkunft ich sauber prüfen konnte.
Statt drei englischsprachigen Zufallsfunden bekommst du deshalb drei Bücher, die es tatsächlich gibt.
Außerdem stehen in diesen Büchern deutlich mehr Poetry-Slam-Formate, als in ein Video passen.
Die drei Titel
Poetry Slam – Das Handbuch
Die Poetry-Slam-Fibel – 20 Jahre Werkstatt der Sprache
Lautstärke ist weiblich
Ein einziger Abend im Publikum erklärt dir mehr über ein Format als jede Beschreibung, auch mehr als diese hier.
Wenn ein Format nichts für dich ist
Dieses Kapitel gehört hierher, auch wenn es kurz ist.
Nicht jedes Format passt zu jedem Menschen, und das ist keine Schwäche.
Wenn ein Format dir dagegen dauerhaft schlecht bekommt, wenn du danach tagelang nicht schreiben kannst oder wenn der Wettbewerbscharakter dir grundsätzlich zusetzt, dann ist das eine Information und kein Versagen.
Es gibt Menschen, die auf offenen Bühnen aufblühen und bei jedem Wettbewerb leiden.
Erstens ist das häufig, und zweitens sagt es nichts über die Qualität ihrer Texte.
Für die ist die Lösung nicht mehr Training, sondern das Weglassen der Wertung.
Zum Glück gibt es unter den Poetry-Slam-Formaten genügend, die ganz ohne Punkte auskommen.
Und wenn die Anspannung vor Auftritten über das übliche Lampenfieber hinausgeht, sich körperlich zeigt oder dein Leben außerhalb der Bühne einschränkt, ist die Hausarztpraxis ein völlig normaler erster Schritt.
Termine für die psychotherapeutische Sprechstunde vermittelt in Deutschland die Terminservicestelle unter der 116117.
Und wenn es dir gerade richtig schlecht geht, ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar, kostenfrei und anonym: 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.
Bist du für dein nächstes Format vorbereitet?
Sechs Fragen. Hak ehrlich ab, es sieht ja niemand.
Auswertung in einem Satz: Wenn du bei den ersten beiden Fragen nicht zustimmen konntest, lies die Ankündigung noch einmal.
Und die zehn häufigsten Fehler bei Poetry-Slam-Formaten
Fünf Fehler vor dem Abend
Fehler 1: Die Ankündigung nur überfliegen
Fehler 2: Nur einen Text mitnehmen
Fehler 3: Als Erstes bei einem Wettbewerb einsteigen
Fehler 4: Das Zeitlimit schätzen statt messen
Fehler 5: Requisiten einpacken
Fünf Fehler danach
Fehler 6: Immer dasselbe Format wählen
Fehler 7: Ein Format nach einem schlechten Abend abschreiben
Fehler 8: Wertungen zwischen Formaten vergleichen
Fehler 9: Best-of-Abende meiden, weil man nicht mitmachen darf
Fehler 10: Denken, es gäbe eine offizielle Formatliste
Der Rest der Geschichte
Zurück nach Dresden.
Meine zugeloste Partnerin hieß, sagen wir, Ines. Sie hatte schon dreimal Team-Slam gemacht.
Wir haben in zwanzig Minuten beschlossen, ihren Text zu nehmen und meinen als Zwischenrufe hineinzuschneiden.
Das hat ungefähr zur Hälfte funktioniert.
Wir wurden Vorletzte von sechs Teams.
Trotzdem habe ich an diesem Abend mehr über Timing gelernt als in den zwei Jahren davor.
Was sie mir danach erzählt hat
Ines meldet sich grundsätzlich nur für Formate an, die sie noch nicht kann.
Nicht aus Abenteuerlust, sondern weil sie irgendwann gemerkt hatte, dass sie beim Standard-Slam seit zwei Jahren denselben Abend erlebte.
Ein Format ist kein Wettbewerb. Ein Format ist ein Trainingsgerät.Ines · Dresden, nach dem Team-Slam
Sie hatte in dem Jahr schon einen Speed-Slam gemacht, einen Themen-Slam und jetzt den Team-Slam mit einem völlig Fremden.
Drei Formate, drei Fähigkeiten.
Danach habe ich angefangen, Poetry-Slam-Formate wie Werkzeuge zu behandeln. Und nicht mehr wie Gelegenheiten.
Der Teil, den ich lieber weggelassen hätte
Ich hatte zu diesem Zeitpunkt ungefähr vierzig Auftritte hinter mir.
Und zwar vierzig Mal dasselbe Format.
Ich hatte nie eines gewechselt, weil ich das für Beliebigkeit hielt. Tatsächlich war es Bequemlichkeit.
Deshalb steht dieser Beitrag hier. Und deshalb ist der Griff aus Kapitel elf so unspektakulär.
Was in jedem Format gleich bleibt
So verschieden die Poetry-Slam-Formate sind, eines ändert sich nie.
Am Ende stehst du vor Menschen und musst sie in den ersten zwanzig Sekunden mitnehmen.
Ob das ein Speed-Slam mit zwei Minuten ist oder ein Team-Slam mit zehn, macht für diese zwanzig Sekunden keinen Unterschied.
Das Format bestimmt die Aufgabe. Das Handwerk bestimmt, ob du sie löst.
Genau deshalb lohnt es sich, beides zu kennen.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also die Griffe, die in jedem Format funktionieren – beim Zwei-Minuten-Text genauso wie im Team.
Du bekommst Aufbauten für Einstiege, Werkzeuge zum Kürzen und die Handgriffe für den Moment, in dem der Saal still wird.
Das Format suchst du dir aus. Das Handwerk nimmst du überall mit.
Übrigens habe ich seit Dresden vier neue Formate ausprobiert.
Gewonnen habe ich bei keinem davon. Gelernt habe ich bei allen.
Zuletzt noch ein Satz: Die Poetry-Slam-Formate ändern sich weiter, während du das hier liest.
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