Dein Titel ist das erste, was das Publikum von dir hört. Und oft das einzige, was es behält.
Trotzdem behandeln die meisten ihn wie eine Beschriftung.
Also wie ein Etikett, das erklärt, was gleich kommt.
Deshalb ist Titel finden kein Beschriftungsvorgang, sondern Dramaturgie.
Genau dadurch verlierst du die Spannung, bevor der Text überhaupt angefangen hat.
Dieser Beitrag zeigt dir, wie du Titel finden kannst, die neugierig machen statt zu erklären.
Und er zeigt dir, wo die Grenze zum billigen Köder verläuft.
Zum Mitmachen gibt es sechs Titelbögen, drei Titelproben und vier deutsche Videos.
Außerdem folgt alles einer Regel, die einen eigenen Fachbegriff hat.
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Jetzt Kanal folgenWarum Titel finden so oft schiefgeht
Es gibt drei typische Fehlrichtungen, und alle drei fühlen sich beim Schreiben richtig an.
Erstens: der Titel als Inhaltsangabe
Gedanken über meinen Auszug.
Über das Älterwerden.
Warum wir uns getrennt haben.
Diese Titel erklären, worum es geht, und nehmen dem Text damit die erste Entdeckung.
Denn das Publikum hört danach nur noch zu, um sich bestätigen zu lassen.
Genau daran scheitert Titel finden bei den meisten schon im ersten Anlauf.
Zweitens: der Titel als Stimmungswort
Loslassen.
Fernweh.
Zwischen den Zeilen.
Solche Titel klingen poetisch und sagen gar nichts.
Außerdem gibt es sie hundertfach, und deshalb bleibt keiner hängen.
Drittens: der Titel als Versprechen, das der Text nicht hält
Das ist die gefährlichste Sorte, weil sie kurzfristig funktioniert.
Man kündigt etwas Großes an und liefert etwas Kleines.
Beim ersten Mal fällt das Publikum darauf herein.
Beim zweiten Mal nicht mehr.
Trotzdem ist diese Sorte die verbreitetste, weil sie sich beim Schreiben mutig anfühlt.
Auflösung anzeigen
Der Griff beim Titel finden: die Neugierlücke
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt genau eine Regel, und sie hat einen Fachbegriff.
Dieser Abstand heißt Neugierlücke, im Englischen curiosity gap.
Ein Titel muss genügend Information mitteilen, um neugierig zu machen — aber nicht genug, um diese Neugier zu befriedigen. Ungefähr wie ein Cliffhanger, nur in drei Wörtern.
Das war es.
Ein Abstand, mehr nicht.
Damit wird Titel finden von einer Geschmacksfrage zu einer Messung.
Warum das funktioniert
Weil das Gehirn eine unvollständige Information nicht liegen lassen kann.
Man will die Lücke schließen.
Und die einzige Möglichkeit dazu ist zuzuhören.
Deshalb wirkt ein konkretes, aber unerklärtes Detail stärker als jede große Ankündigung.
Die zwei Fehler an den Rändern
Zu viel Information: Man weiß Bescheid und hört nicht mehr zu.
Zu wenig Information: Man kann sich nichts vorstellen und hört ebenfalls nicht zu.
Der Titel muss also verständlich und unerklärt zugleich sein.
Genau darin liegt die ganze Schwierigkeit.
Der einfachste Weg dorthin
Nimm ein konkretes Ding aus deinem Text und stell es allein hin.
Der Kühlschrank bleibt.
Die Ente muss draußen bleiben.
Sechs Wochen.
Konkrete Dinge sind sofort vorstellbar und erklären trotzdem nichts.
Deshalb beginnt gutes Titel finden fast immer im eigenen Text und nicht im Kopf.
Frage, Widerspruch, Detail, Zahl: Sie alle erzeugen eine Lücke. Wer die Lücke direkt ansteuert, braucht die Rezepte nicht mehr.
Titel finden im Vergleich: sechs Paare
So sieht der Griff angewendet aus.
Zunächst drei Themen aus dem Alltag, anschließend drei über Menschen.
Denn beim Titel finden lernt man am Nebeneinander mehr als an jeder Regel.
Drei Themen aus dem Alltag
Drei Themen über Menschen
Jeder dieser Titel ist ein vollständiger, verständlicher Satz. Und keiner davon verrät das Thema.
Außerdem stammen alle sechs wörtlich aus dem Text. Du musst sie nicht erfinden, sondern nur finden.
Ogilvy rechnete vor, was ein Titel wert ist
Die berühmteste Zahl zum Thema stammt aus der Werbung.
David Ogilvy veröffentlichte 1963 sein Buch Confessions of an Advertising Man, ein schmales Werk aus neun Aufsätzen.
Darin steht ein Satz, den seither jeder Texter kennt.
Im Schnitt lesen fünfmal so viele Menschen die Überschrift wie den Fließtext. Wenn du deine Überschrift geschrieben hast, hast du achtzig Cent von deinem Dollar ausgegeben.David Ogilvy · Confessions of an Advertising Man, 1963, sinngemäß
Was er damit meint
Die Überschrift ist das Telegramm, das darüber entscheidet, ob jemand weiterliest.
Wer in der Überschrift nichts verkauft hat, hat achtzig Prozent des Geldes verschwendet.
Und die schlimmste aller Sünden sei es, eine Anzeige ganz ohne Überschrift zu schalten.
Damit hat Ogilvy dem Titel finden eine Zahl gegeben, die bis heute zitiert wird.
Der Punkt, an dem Ogilvy uns widerspricht
Und jetzt wird es interessant, denn er ist ausdrücklich anderer Meinung als dieser Beitrag.
Manche Texter, schreibt er, verfassten trickreiche Überschriften mit Doppeldeutigkeiten, Wortspielen und anderen Unklarheiten.
Das sei kontraproduktiv.
Am besten funktionierten Überschriften, die dem Leser einen Nutzen versprechen.
Und der Markenname müsse hinein, weil viele nur die Überschrift lesen.
Warum er trotzdem recht hat und wir auch
Ogilvy schreibt über Anzeigen, die zwischen dreihundertfünfzig anderen Überschriften stehen.
Dort muss man in einer halben Sekunde sagen, worum es geht, sonst blättert man weiter.
Auf einer Slam-Bühne ist die Lage umgekehrt.
Das Publikum sitzt schon da und kann nicht weiterblättern.
Du brauchst also keinen Nutzen zu versprechen.
Du brauchst nur einen Grund, die nächsten vier Minuten wach zu bleiben.
Wenn achtzig Prozent der Wirkung im Titel stecken, dann darf er auch achtzig Prozent deiner Überarbeitungszeit kosten.
Und die meisten geben ihm ungefähr zwei Minuten, meistens ganz am Schluss und mit dem Gefühl, jetzt nur noch etwas draufschreiben zu müssen.
Die Grenze: Titel finden ohne Clickbait
Der Griff aus Kapitel zwei ist derselbe, den Clickbait benutzt.
Deshalb muss man wissen, wo genau der Unterschied liegt.
Wie Clickbait gebaut ist
Das Wort setzt sich aus click und bait zusammen, also aus Klicken und Köder.
Ein Clickbait besteht aus einer Überschrift und einem Teaser, die eine Neugierlücke entstehen lassen.
Sie teilen gerade genug mit, um neugierig zu machen, aber nicht genug, um die Neugier zu befriedigen.
Also exakt dasselbe Verfahren, das dieser Beitrag empfiehlt.
Denn Titel finden und Clickbait benutzen dieselbe Mechanik, nur mit anderer Absicht.
Wo der Unterschied liegt
Beim Clickbait wird die Lücke nicht geschlossen.
Der Inhalt hält nicht, was die Überschrift verspricht, und genau darin besteht die Masche.
Typische Mittel sind Triggerwörter wie schockierend oder unfassbar, Superlative und Formeln wie: Sie werden nicht glauben, was dann passierte.
Die eine Regel, die alles klärt
Dein Titel darf eine Lücke lassen.
Er darf sie nicht offenlassen.
Wenn der Text die Frage beantwortet, die der Titel aufmacht, ist es Handwerk.
Wenn er sie nicht beantwortet, ist es Betrug.
Und das Publikum merkt beides sofort, spätestens am Schluss.
Der historische Hinweis, der beruhigt
Das Verfahren ist viel älter als das Internet.
Schon die frühe Boulevardpresse um 1900, die sogenannte Yellow Press, benutzte möglichst drastische Überschriften, um die Auflage zu maximieren.
Kurz gesagt: Der Köder ist alt, nur die Kritik daran ist neu.
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Sick bewies, dass ein Titel ein Buch tragen kann
Der bekannteste deutsche Fall spricht gegen Ogilvy und für das Wortspiel.
Bastian Sick schrieb ab Mai 2003 wöchentlich die Kolumne Zwiebelfisch für Spiegel Online.
2004 erschien die erste Sammlung bei Kiepenheuer und Witsch.
Sie hieß Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod.
Warum dieser Titel so gut ist
Er ist selbst ein Grammatikfehler.
Also genau das, worüber das Buch handelt, vorgeführt in sieben Wörtern.
Außerdem erklärt er nichts.
Wer ihn liest, versteht sofort den Witz und weiß trotzdem nicht, was drinsteht.
Und er ist unverwechselbar.
Man kann ihn nicht mit einem anderen Sprachbuch verwechseln.
Damit erfüllt er beim Titel finden alle drei Bedingungen auf einmal.
Was daraus geworden ist
Der Zwiebelfisch war die erste deutsche Internetkolumne, die in Buchform zum Bestseller wurde.
Von 2004 bis 2015 erschienen sechs Bände.
Die ersten drei Bände hatten bis Februar 2007 eine Gesamtauflage von über drei Millionen Exemplaren.
Kurz gesagt: Ein Wortspiel als Titel, das Ogilvy ausdrücklich abgeraten hätte, wurde zu einem der größten Bestseller des Jahrzehnts.
Der ehrliche Haken, und er ist deutlich
Die Sprachwissenschaft hat Sick scharf kritisiert.
Der Vorwurf lautete unter anderem, seine Deutschtipps seien unverantwortlich.
In der FAZ hieß es in einer Kritik, der Zwiebelfisch stinke vom Kopf her.
Und im niedersächsischen Kerncurriculum für die Oberstufe wurden seine Glossen 2009 ausdrücklich in Verbindung mit einem Buch empfohlen, das sie sprachwissenschaftlich scharf kritisiert.
Für uns heißt das: Ein großartiger Titel rettet keinen schwachen Inhalt.
Er sorgt nur dafür, dass sehr viele Leute den Inhalt überhaupt sehen.
Trotzdem bleibt der Fall der beste deutsche Beleg dafür, was ein Titel bewegen kann.
Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Wo dein Titel überhaupt auftaucht
Ein Slam-Titel lebt an mehreren Orten gleichzeitig.
Denn beim Titel finden denkt man an die Bühne und vergisst die vier anderen Stellen.
| Ort | Wie er dort ankommt | Was das für dich heißt |
|---|---|---|
| Die Moderation | Vorgelesen von jemandem, der ihn nicht kennt. | Er muss beim ersten Lesen sprechbar sein. |
| Das Programmheft | Neben zehn anderen, ohne Kontext. | Er konkurriert. Erklärende Titel gehen dort unter. |
| Der Aushang | Sehr klein gedruckt, oft abgeschnitten. | Kurz halten. Über fünf Wörter wird gekürzt. |
| Die Erinnerung | Am nächsten Tag im Gespräch. | Er muss sich nach einmal Hören merken lassen. |
| Deine eigene Liste | Neben deinen anderen Texten. | Zwei ähnliche Titel verwechselst du selbst. |
Die vierte Zeile ist die wichtigste und wird nie mitgedacht.
Ein Text, über den am nächsten Tag geredet wird, braucht einen Namen, den man aussprechen kann.
Außerdem merkt man sich einen Gegenstand leichter als ein Gefühl.
Der Test für alle fünf Orte
Sag jemandem nur den Titel und frag ihn eine Stunde später danach.
Wenn er ihn noch weiß, funktioniert er überall.
Und wenn er ihn falsch wiedergibt, ist er entweder zu lang oder zu ähnlich zu etwas Bekanntem.
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Sechs Bauarten für Titel, die eine Lücke lassen
Eine Lücke lässt sich auf verschiedene Arten öffnen.
Denn beim Titel finden entscheidet die Bauart darüber, welche Art von Neugier entsteht.
Zunächst die Übersicht, anschließend die Bauart, vor der ich warne.
| Bauart | Beispiel | Was sie auslöst |
|---|---|---|
| Das nackte Ding | Der Kühlschrank bleibt | Man will wissen, warum. Die verlässlichste Bauart. |
| Die Zahl ohne Kontext | Vier Monate für einen Satz | Man rechnet mit und sucht die Erklärung. |
| Die Verneinung | Wir haben uns nicht gestritten | Man fragt sofort: Was war es dann? |
| Der halbe Satz | Und dann stand da nur noch | Riskant. Wirkt schnell nach Clickbait. |
| Der Widerspruch | Der Automat war auch traurig | Man stolpert über die Verbindung und bleibt hängen. |
| Die Frage | Wo ist der Schnee vom letzten Jahr? | Villons Verfahren. Wirkt nur, wenn sie unbeantwortbar klingt. |
Die erste Zeile ist die verlässlichste und wird am seltensten benutzt.
Ein Gegenstand aus dem Text, allein hingestellt, ohne jede Erklärung.
Außerdem hat er einen praktischen Vorteil: Du musst ihn nicht erfinden, er steht schon im Text.
Die Bauart, vor der ich warne
Der halbe Satz.
Und dann stand da nur noch.
Was danach geschah, hat alles verändert.
Diese Form ist die Kernformel des Clickbaits und wird sofort erkannt.
Kurz gesagt: Lass Wörter weg, aber schneide keine Sätze ab.
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Wann und wie du beim Titel finden vorgehst
Der häufigste Fehler ist nicht der falsche Titel, sondern der falsche Zeitpunkt.
Denn wer den Titel zuerst schreibt, schreibt danach den Text zum Titel.
| Zeitpunkt | Was passiert | Empfehlung |
|---|---|---|
| Vor dem Schreiben | Der Titel steuert den Text und engt ihn ein. | Nur als Arbeitstitel, den du sicher wieder wegwirfst. |
| Während des Schreibens | Man verliert Zeit und den Faden. | Notieren, nicht entscheiden. |
| Nach der ersten Fassung | Der Text weiß, worum es geht. Du noch nicht ganz. | Erste Kandidatenliste anlegen. |
| Nach dem Überarbeiten | Der Text ist fertig, die Bilder stehen. | Jetzt entscheiden. Das ist der richtige Moment. |
Die letzte Zeile ist der eigentliche Rat.
Ein Titel entsteht nicht am Anfang, sondern ganz zum Schluss.
Denn erst dann weißt du, welche Bilder überlebt haben und welches davon trägt.
Deshalb gehört Titel finden ans Ende der Überarbeitung und nicht an den Anfang.
Das Verfahren in vier Schritten
Erstens: Schreib zwanzig Titel auf, ohne zu bewerten.
Wirklich zwanzig.
Zweitens: Streich alle, die das Thema nennen.
Drittens: Streich alle, die man ohne den Text nicht versteht.
Viertens: Von den übrigen nimmst du den kürzesten.
Warum ausgerechnet der kürzeste
Weil er am schwersten zu vergessen ist.
Ein Titel wird angesagt, oft von einer fremden Person am Mikrofon.
Und je kürzer er ist, desto sicherer kommt er richtig an.
Titel finden für ganze Programme
Sobald du mehr als fünf Texte hast, hast du ein zweites Problem.
Denn deine Titel stehen dann nicht mehr allein, sondern nebeneinander.
Was dabei schiefgeht
Zwei Titel beginnen mit demselben Wort und werden verwechselt.
Oder alle stammen aus derselben Bauart und wirken dadurch schematisch.
Außerdem merkt man selbst nicht mehr, welcher Text zu welchem Titel gehört.
Die Regel für eine Titelliste
Keine zwei Titel mit demselben Anfangswort.
Höchstens zwei aus derselben Bauart.
Und mindestens einer, der auffällig kurz ist, weil er dadurch hervorsticht.
Kurz gesagt: Deine Titel müssen auch untereinander eine Lücke lassen.
Der praktische Nebeneffekt
Eine gute Titelliste macht dein Set planbar.
Denn du erkennst an den Titeln, welcher Text ernst ist und welcher komisch, ohne den Text noch einmal zu lesen.
Und Veranstalterinnen fragen dich nach Titeln, nicht nach Inhalten.
Zehn Fehler beim Titel finden
Fünf Fehler bei der Wahl
Fehler 1: Das Thema in den Titel schreiben
Fehler 2: Ein Stimmungswort nehmen
Fehler 3: Zu lang werden
Fehler 4: Ein Wortspiel um jeden Preis
Fehler 5: Mehr versprechen als der Text hält
Fünf Fehler beim Einsatz
Fehler 6: Den Titel zuerst schreiben
Fehler 7: Nur einen Kandidaten haben
Fehler 8: Den Titel im Text erklären
Fehler 9: Ihn nie laut sagen
Fehler 10: Ihn nie ändern
Sechs Übungen fürs Titel finden
Diese sechs kosten dich zusammen kaum eine Stunde.
Denn Titel finden übt man am schnellsten an fremden Programmheften.
Außerdem lassen sich die ersten drei an fremden Texten machen.
Drei Übungen zum Erkennen
Übung 1 – Die Programmheft-Probe
Übung 2 – Der Rückwärtstest
Übung 3 – Die Lückenmessung
Drei Übungen zum Bauen
Übung 4 – Zwanzig in zehn Minuten
Übung 5 – Nur Substantive
Übung 6 – Die Ansagenprobe
Deine Titelprüfung
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Damit hast du das Titel finden einmal komplett durchlaufen.
Derselbe Text, zwei Abende, zwei Titel
Ich hatte einen Text über einen Auszug und habe ihn zweimal gespielt.
Beim ersten Mal hieß er: Neun Jahre und dann ein Umzug.
Was beim ersten Mal passiert ist
Der Moderator hat den Titel angesagt, und im Saal ist nichts passiert.
Die Leute wussten sofort, worum es geht, und haben sich innerlich eingerichtet.
Der Text lief solide durch.
Mehr aber auch nicht.
Was ich geändert habe
Nur den Titel.
Kein einziges Wort im Text.
Beim zweiten Mal hieß er: Der Kühlschrank bleibt.
Und danach war es im Saal deutlich stiller, schon vor dem ersten Satz.
Ich habe die ganze Zeit auf den Kühlschrank gewartet. Und als er dann kam, war es zu spät zum Wegschauen.Nach dem Auftritt · und der Kühlschrank kommt erst nach zweieinhalb Minuten
Der Teil, den ich lieber weggelassen hätte
Der Kühlschrank stand von Anfang an im Text.
Er war nie eine Idee, sondern ein Detail aus dem dritten Absatz.
Beim Titel finden habe ich zwei Jahre lang nach Formulierungen gesucht, obwohl die Antwort immer schon im eigenen Text stand.
Was ein Titel nicht kann
Ein guter Titel ist die billigste Aufmerksamkeit, die es gibt.
Er ist trotzdem nur die Eintrittskarte.
Denn Titel finden erzeugt Aufmerksamkeit und hält sie nicht.
Warum jetzt erst das Handwerk anfängt
Du brauchst einen Text, der die aufgemachte Lücke auch schließt.
Du brauchst ein Detail, das interessant genug ist, um allein dazustehen.
Und du brauchst die Geduld, zwanzig Titel aufzuschreiben statt einen.
Kurz gesagt: Der Titel bringt die Leute zum Zuhören.
Halten musst du sie selbst.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also alles, was hinter dem Titel stehen muss, damit die Lücke am Ende wirklich zugeht.
Das Detail steht schon in deinem Text. Den Rahmen liefert das Handwerk.
Nenn nie das Thema. Und nimm den kürzesten von zwanzig.
Übrigens heißt bei mir inzwischen kein Text mehr nach seinem Thema.
Meine Titelliste besteht fast nur noch aus Gegenständen.
Und die Moderationen lesen sie deutlich lieber vor als vorher.
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Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
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