Überarbeiten: Warum die zweite Fassung über alles entscheidet
Fast niemand hat ein Problem mit dem Schreiben. Die meisten haben ein Problem mit dem Streichen.
Denn eine erste Fassung fühlt sich fertig an, sobald sie zu Ende ist.
Und ab diesem Moment fängt die eigentliche Arbeit erst an.
Deshalb entscheidet nicht das Schreiben über einen Text.
Sondern das Überarbeiten.
Dieser Beitrag zeigt dir, wie du systematisch vorgehst statt nach Gefühl.
Denn Texte überarbeiten ist kein Nachbessern, sondern ein eigener Arbeitsgang mit eigenen Regeln.
Zum Mitmachen gibt es sechs Streichbögen, drei Streichproben und zwei deutsche Videos.
Außerdem folgt alles einer festen Reihenfolge, die man sich einmal merken kann.
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Jetzt Kanal folgenWarum du Texte überarbeiten musst und nicht nachbessern
Das ist keine Beleidigung, sondern eine Funktionsbeschreibung.
Eine erste Fassung hat die Aufgabe, überhaupt zu existieren.
Sie soll nicht gut sein, sie soll da sein.
Denn Texte überarbeiten kann man nur an etwas, das schon existiert.
Was Gerhard Polt über das Erzählen sagt
Gerhard Polt steht seit den siebziger Jahren auf der Bühne.
In einem Interview wurde er gefragt, warum er über korrupte Politiker Texte schreibt, wo doch alles schon in der Zeitung steht.
Seine Antwort erklärt den Unterschied zwischen Information und Text.
Er sagte sinngemäß: Wer Wirklichkeit darstellt, muss komische Mittel einsetzen, damit sie sich überhaupt jemand ansieht.
Und er wolle es sinnlich erzählen.
Genau das ist die Arbeit der zweiten Fassung.
Die erste hat den Inhalt. Die zweite macht daraus etwas, das jemand hören will.
Warum das so ist
Beim Schreiben weißt du noch nicht, worum es geht.
Der Erstentwurf erlaubt dir, dich deiner eigenen Verwirrung zum Thema zu stellen.
Und erst die erste Überarbeitung hilft dir, dich von dieser Verwirrung zu erholen und das Thema klarer zu sehen.
Deshalb steht in der ersten Fassung fast immer zu viel Kontext und zu wenig Sache.
Was das konkret heißt
Du erklärst beim Schreiben dir selbst, worum es geht.
Diese Erklärungen bleiben dann im Text stehen, obwohl sie nur für dich gedacht waren.
Ein Leser braucht sie nicht.
Ein Publikum erst recht nicht.
Deshalb fällt beim ersten Streichdurchgang so oft der halbe Anfang weg.
Der Denkfehler dahinter
Viele halten die erste Fassung für einen Test ihres Talents.
Sie ist aber nur Material.
Ungefähr so wie ein Block Ton, der noch nichts darstellt.
Und niemand beurteilt einen Bildhauer nach dem Tonblock.
Trotzdem geben genau an dieser Stelle die meisten auf.
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Der Griff beim Texte Überarbeiten: erst weg, dann besser
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt genau eine Regel.
Und sie betrifft die Reihenfolge der Arbeitsgänge.
Zuerst gehst du durch den Text und entfernst, was fehlt darf. Ohne zu verbessern.
Erst danach schaust du dir an, was übrig ist, und arbeitest daran. Denn die Hälfte der Sätze, die du sonst mühsam verbessert hättest, steht am Ende gar nicht mehr im Text.
Das war es.
Zwei getrennte Durchgänge statt einem.
Damit wird Texte überarbeiten von einer Gefühlssache zu einem Ablauf.
Warum das so viel ausmacht
Weil Verbessern und Streichen zwei völlig verschiedene Haltungen brauchen.
Beim Verbessern bist du auf der Seite des Satzes.
Du willst ihn retten.
Beim Streichen bist du auf der Seite des Textes.
Du willst ihn schneller machen.
Wer beides gleichzeitig macht, rettet automatisch zu viel.
Der zweite Vorteil
Ein kürzerer Text lässt sich besser überblicken.
Nach dem Streichdurchgang siehst du auf einen Blick, ob der Aufbau stimmt.
Vorher verdeckt die Menge die Struktur.
Außerdem geht das Streichen schnell, während das Verbessern lange dauert.
Wer zuerst das Schnelle macht, spart sich einen großen Teil des Langsamen.
Die Faustzahl
Rechne damit, dass ein Viertel bis ein Drittel wegfällt.
Bei den ersten eigenen Texten sind es oft mehr.
Und wenn nach dem Streichdurchgang alles noch da ist, hast du nicht gestrichen.
Sondern gelesen.
Denn Lesen fühlt sich beim Texte Überarbeiten fast genauso an wie Arbeiten.
Wer erst streicht, hat danach einen kürzeren Text vor sich und sieht die verbliebenen Schwächen viel deutlicher. Wer beides mischt, arbeitet stundenlang an Sätzen, die er später ohnehin entfernt.
Texte überarbeiten in der Praxis: sechs Stellen
So sieht der Griff angewendet aus.
Zunächst drei Streichungen am Satzanfang, anschließend drei im Satzinneren.
Drei Streichungen am Anfang
Drei Streichungen im Satzinneren
Gestrichen wurden Ankündigungen, Abschwächungen und Erinnerungsformeln. Also alles, was nur sagt, dass gleich etwas kommt oder dass es ungefähr so war.
Merk dir diese drei Gruppen. Sie machen zusammen den größten Teil jeder Streichung aus.
Lamott: warum Texte überarbeiten überhaupt nötig ist
Der wichtigste Satz zum Thema stammt aus einem Buch von 1994.
Anne Lamott veröffentlichte damals Bird by Bird, ein Buch übers Schreiben und über das Leben als Schreibende.
Darin steht ein Kapitel mit einem Titel, der seitdem überall zitiert wird: shitty first drafts.
Was sie behauptet
Alle guten Autorinnen und Autoren schreiben schlechte Erstentwürfe.
Genau dadurch kommen sie zu guten zweiten und zu großartigen dritten Fassungen.
Damit ist das Texte Überarbeiten kein Notfall, sondern der eigentliche Vorgang.
Ihre eigene Formulierung dazu: Sie könne überhaupt nur dann etwas fertigschreiben, wenn sie sich erlaube, wirklich miserable erste Fassungen zu produzieren.
Der Erstentwurf ist die Fassung des Kindes: Man lässt alles heraus und alles herumtoben.Anne Lamott · Bird by Bird, 1994, sinngemäß
Wogegen sie schreibt
Gegen die Vorstellung, erfolgreiche Autoren setzten sich morgens hin und schrieben dann fließend los.
Sehr wenige wüssten überhaupt, was sie tun, bevor sie es getan haben.
Sie selbst beschreibt, wie sie für ihre Restaurantkritiken zuerst furchtbare Fassungen schrieb, bevor sie daraus etwas Veröffentlichbares machte.
Warum dieser Gedanke praktisch ist
Er nimmt dir die Angst vor dem leeren Blatt.
Denn wenn die erste Fassung sowieso schlecht sein darf, kannst du sofort anfangen.
Und du kannst schneller schreiben, weil du nicht an jedem Satz hängen bleibst.
Genau dieses Tempo brauchst du, damit überhaupt Material entsteht, an dem sich Texte überarbeiten lohnt.
Der Titel des Buches erklärt sich selbst
Er stammt aus einer Familiengeschichte.
Ihr Bruder saß verzweifelt vor einem Referat über Vögel, umgeben von Papier und ungeöffneten Büchern.
Und ihr Vater legte den Arm um ihn und sagte, er solle es Vogel für Vogel angehen.
Kurz gesagt: Ein Projekt jeder Größe wird in kleinen Stücken bearbeitet.
Und das gilt fürs Überarbeiten genauso.
Der ehrliche Haken, und er ist berechtigt
Der Begriff ist längst überall angekommen, der Geist dahinter oft nicht.
Kritiker weisen darauf hin, dass viele Schreibende ihn inzwischen wie Selbstverachtung benutzen statt wie eine Erlaubnis.
Lamotts Absicht war, den Druck wegzunehmen.
Nicht, den eigenen Text zu beschimpfen.
Wer also mit dem Gefühl anfängt, Mist zu produzieren, hat sie missverstanden.
Denn Texte überarbeiten setzt voraus, dass man den Rohstoff nicht verachtet.
Schneider: Texte überarbeiten als Handwerk
Auf Deutsch gibt es dazu ein Standardwerk.
Und es ist unbequem.
Wolf Schneider veröffentlichte 1982 Deutsch für Profis, damals Leiter der Hamburger Journalistenschule.
Die Schule hatte er 1979 gemeinsam mit Henri Nannen gegründet.
Was in dem Buch steht
Rigide Vorgaben, an vielen Beispielen aus Presse und Rundfunk vorgeführt.
Die bekannteste davon lautet sinngemäß: Weg mit den Adjektiven, her mit den Verben.
Außerdem greift er Nominalstil, Politikerdeutsch, Anglizismen und Worthülsen an.
Und zwar heftig: Für schlechtes Deutsch verwendet er Schimpfwörter wie Sprachdurchfall.
Warum das für Bühnentexte zählt
Ein Slam-Text wird gehört und nicht gelesen.
Deshalb gilt dort noch strenger, was Schneider für Zeitungen fordert: kurze Sätze, konkrete Wörter, keine Verstecke.
Wer sich hinter Worthülsen versteckt, fällt beim Lesen vielleicht nicht auf.
Beim Sprechen fällt es immer auf.
Deshalb ist Texte überarbeiten für die Bühne strenger als für die Zeitung.
Die zwei Regeln, die ich übernommen habe
Erstens: Verben statt Adjektive.
Ein Verb zeigt eine Handlung, ein Adjektiv nur eine Meinung darüber.
Zweitens: raus aus dem Nominalstil.
Also nicht die Durchführung der Überarbeitung, sondern überarbeiten.
Auf der Bühne wirkt jedes Substantiv auf -ung wie ein Formular.
Der Satz aus der Journalistenschule
An der Nannen-Schule galt eine Maxime, die vieles erklärt.
Sie lautete: Qualität kommt von Qual.
Von Freude am Formulieren war dort keine Rede.
Der ehrliche Haken, und er ist wichtig für uns
Schneiders Regeln gelten für journalistisches Schreiben.
Für kreative und literarische Texte gelten sie ausdrücklich nicht immer, und wer in anderen Feldern arbeitet, muss manche Tipps übersetzen.
Außerdem urteilt er scharf, nach Meinung mancher Leser zu scharf.
Für uns heißt das: Nimm die Streichregeln und lass die Härte weg.
Ein Bühnentext darf Umwege haben, wenn sie gewollt sind.
Außerdem ist Härte gegen sich selbst kein Qualitätsmerkmal.
Sondern nur unangenehm.
Was du beim Texte Überarbeiten zuerst suchst
Es gibt eine Reihenfolge, in der sich Streichungen am schnellsten finden lassen.
Denn manche Sorten stehen in fast jedem Text und lassen sich ohne Nachdenken entfernen.
| Sorte | Beispiele | Wie viel das bringt |
|---|---|---|
| Füllwörter | eigentlich, irgendwie, einfach, halt, ja, so, wirklich | Fünf bis zehn Prozent, ganz ohne Verlust. |
| Abschwächungen | ziemlich, ungefähr, vielleicht, eher, etwas | Wenig Wörter, viel Wirkung. Jede Zahl gewinnt. |
| Ankündigungen | Ich möchte sagen, es war so, dass, an dieser Stelle | Oft ganze Halbsätze auf einmal. |
| Doppelungen | Zweimal dasselbe mit anderen Worten. | Meist ein bis zwei Sätze pro Absatz. |
| Erklärungen | Was das bedeutet, ist ..., anders gesagt ... | Die schmerzhafteste Sorte und die lohnendste. |
Die erste Zeile ist der schnellste Gewinn.
Füllwörter kannst du mit der Suchfunktion finden, ohne den Text überhaupt zu lesen.
Außerdem merkt niemand ihr Fehlen, nicht einmal du selbst.
Die Sorte, die am meisten wehtut
Die Erklärungen.
Denn genau dort steckt oft der Satz, den du für den klügsten des Textes hältst.
Nur erklärt er meistens etwas, das der Absatz davor schon gezeigt hat.
Kurz gesagt: Wenn ein Satz mit Das heißt anfängt, ist er fast immer überflüssig.
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Videokapitel: von der Rohfassung zum fertigen Text
Zwei deutsche Videos zum Ablauf.
Denn beim Texte Überarbeiten hilft es zu sehen, wie andere ihre Durchgänge sortieren.
Zunächst der große Ablauf, anschließend die praktischen Handgriffe.
Dass ein Bühnentext laut geprüft werden muss und dass dabei ganz andere Stellen auffallen, kommt in keinem vor.
Genau darum geht es im nächsten Kapitel.
Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Fünf Durchgänge in fester Reihenfolge
Ein Text lässt sich nicht auf alles gleichzeitig prüfen.
Denn beim Texte Überarbeiten sucht jeder Durchgang etwas anderes, und Mischen macht alle Durchgänge schlechter.
| Durchgang | Worauf du achtest | Woran du ihn erkennst |
|---|---|---|
| 1. Streichen | Was fehlen darf, ohne dass etwas fehlt. | Du formulierst nichts um, du entfernst nur. |
| 2. Aufbau | Steht alles an der richtigen Stelle? | Du verschiebst ganze Absätze, keine Wörter. |
| 3. Bilder | Welche Vergleiche und Bilder tragen wirklich? | Du prüfst jedes Bild einzeln und wirfst zwei Drittel weg. |
| 4. Klang | Wo klappert es, wo stolpert man? | Du liest laut und markierst nur Stellen, ohne sie zu lösen. |
| 5. Schluss | Sitzt der letzte Satz? | Du arbeitest ausschließlich an den letzten fünf Zeilen. |
Die vierte Zeile ist die, die am häufigsten übersprungen wird.
Dabei ist sie bei Bühnentexten die wichtigste, weil dein Publikum den Text nur hört.
Außerdem findet sie Fehler, die auf Papier unsichtbar sind: Zungenbrecher, unfreiwillige Reime, Sätze ohne Atemstelle.
Warum die Reihenfolge stimmen muss
Wer den Klang prüft, bevor er gestrichen hat, poliert Sätze, die verschwinden.
Wer den Aufbau ändert, nachdem er die Bilder verfeinert hat, verschiebt Bilder in Umgebungen, in die sie nicht passen.
Kurz gesagt: Von grob nach fein.
Immer.
Denn Texte überarbeiten heißt, nie zwei Fragen gleichzeitig zu stellen.
Wie lange das dauert
Für einen Vierminüter brauchst du pro Durchgang etwa zwanzig Minuten.
Zusammen also knapp zwei Stunden, verteilt auf mehrere Tage.
Das klingt nach viel und ist weniger als das, was die meisten für einen einzigen unsortierten Durchgang aufwenden.
Außerdem wird jeder Durchgang schneller, je öfter du ihn machst.
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Wann du mit dem Texte Überarbeiten aufhören solltest
Fertig heißt nicht perfekt.
Fertig heißt spielbar.
Denn beim Texte Überarbeiten kann man beliebig lange weitermachen und den Text dabei wieder verschlechtern.
| Zeichen | Was es bedeutet | Was du tun solltest |
|---|---|---|
| Du streichst und setzt es wieder ein | Der Text hat seine Länge gefunden. | Aufhören. Das ist das deutlichste Signal. |
| Du änderst nur noch einzelne Wörter | Die Struktur steht. | Noch ein Klangdurchgang, dann Schluss. |
| Du liest ihn laut ohne zu stolpern | Er ist sprechbar. | Auswendig lernen statt weiter feilen. |
| Du findest ihn plötzlich langweilig | Du hast ihn zu oft gelesen. | Weglegen, nicht überarbeiten. |
Die letzte Zeile ist eine Falle, in die fast alle tappen.
Ein Text, den du dreißigmal gelesen hast, langweilt dich automatisch.
Das sagt nichts über den Text und alles über dich.
Außerdem ist das der häufigste Grund, warum gute Texte kaputtgearbeitet werden.
Die Wartezeit
Zwischen Schreiben und Überarbeiten sollten mindestens zwei Tage liegen.
Denn du musst vergessen, was du gemeint hast, um zu hören, was dasteht.
Wer sofort überarbeitet, liest die eigene Absicht mit und findet deshalb kaum etwas.
Was du in der Wartezeit machst
Am besten schreibst du etwas anderes.
Denn ein zweiter Text im Kopf verdrängt den ersten zuverlässiger als Nichtstun.
Wer stattdessen wartet und dabei ständig an den Text denkt, hat nach zwei Tagen dieselbe Nähe wie vorher.
Zehn Fehler beim Texte Überarbeiten
Fünf Fehler im Vorgehen
Fehler 1: Streichen und Verbessern mischen
Fehler 2: Sofort nach dem Schreiben überarbeiten
Fehler 3: Nur am Bildschirm arbeiten
Fehler 4: Nie laut lesen
Fehler 5: Alles auf einmal prüfen wollen
Fünf Fehler beim Streichen
Fehler 6: Die Lieblingszeile verteidigen
Fehler 7: Am Anfang zu wenig streichen
Fehler 8: Erklärungen stehen lassen
Fehler 9: Aus Angst vor Kürze aufhören
Fehler 10: Nichts aufbewahren
Sechs Übungen fürs Überarbeiten
Diese sechs kosten dich zusammen kaum eine Stunde.
Denn Texte überarbeiten lernt man ausschließlich an eigenem Material.
Außerdem brauchst du für alle nur einen fertigen eigenen Text.
Drei Übungen zum Kürzen
Übung 1 – Die Zehn-Prozent-Regel
Übung 2 – Der Anfangstest
Übung 3 – Die Füllwortjagd
Drei Übungen zum Prüfen
Übung 4 – Der Laut-Test
Übung 5 – Der Rückwärtstest
Übung 6 – Die Fremdfassung
Deine Streichprüfung
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Damit hast du das Texte Überarbeiten einmal komplett durchlaufen.
Die vier Minuten, die drei wurden
Ich hatte einen Text, der genau vier Minuten und zehn Sekunden dauerte.
Damit lag ich über dem Limit und musste kürzen.
Was ich vorhatte
Zwanzig Sekunden streichen.
Also ungefähr fünfzig Wörter.
Ich habe die üblichen Verdächtigen gesucht und dabei hundertzwanzig gefunden.
Der Text war danach drei Minuten lang.
Was auf der Bühne passiert ist
Er hat zum ersten Mal funktioniert.
Und zwar an den Stellen, an denen vorher nichts passiert war.
Bei der kurzen Fassung habe ich zweimal aufgeschaut. Bei der langen kein einziges Mal.Jemand, der beide gesehen hat
Der Teil, den ich lieber weggelassen hätte
Ich hätte nie gekürzt, wenn das Zeitlimit mich nicht gezwungen hätte.
Und das ist die unangenehme Wahrheit über das Texte Überarbeiten: Fast niemand macht es freiwillig weit genug.
Seitdem gebe ich mir selbst ein Limit, das dreißig Sekunden unter dem echten liegt.
Was Streichen allein nicht kann
Ein sauberer Streichdurchgang ist die billigste Verbesserung, die es gibt.
Er ist trotzdem nur ein Arbeitsgang.
Denn Texte überarbeiten schafft kein Material, es sortiert nur aus.
Warum jetzt erst das Handwerk anfängt
Du brauchst etwas, das übrig bleiben kann.
Du brauchst Bilder, die den Streichdurchgang überstehen.
Und du brauchst die Bereitschaft, deine Lieblingszeile zu opfern.
Kurz gesagt: Texte überarbeiten macht aus Material einen Text.
Das Material lieferst du.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also alles, was nach dem Streichen noch dastehen muss, damit ein Text trägt.
Streichen kannst du selbst. Den Rest liefert das Handwerk.
Erst weg, dann besser. Und leg dir ein Limit unter dem Limit.
Übrigens liegt meine Datei mit gestrichenen Stellen inzwischen bei über neunzig Seiten.
Ungefähr zehn davon sind später wieder in Texten gelandet.
Die anderen achtzig liegen genau da, wo sie hingehören.
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