Kooperationen: Duo, Kollektiv oder Solo?
Neun Jahre Freundschaft. Beendet von einer Frage, die niemand gestellt hatte.
Freiburg, ein Festivalabend, zwei Leute auf der Bühne, die ich seit Jahren bewunderte.
Sie traten als Duo auf, seit ich sie kannte. Und sie waren gut.
Vier Wochen später gab es das Duo nicht mehr.
Der Auslöser war ein Radiosender, der einen ihrer Texte senden wollte.
Und plötzlich stand die Frage im Raum, wem dieser Text eigentlich gehört.
Dieser Beitrag zeigt dir, wie du mit anderen zusammenarbeitest, ohne dass es so endet.
Denn gemeinsam auftreten ist handwerklich anspruchsvoll und menschlich noch anspruchsvoller.
Am Ende bekommst du wieder genau einen Griff. Er besteht aus drei Fragen und einem Blatt Papier.
Denn wer gemeinsam auftreten will, muss vorher deutlich mehr klären als danach.
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Jetzt Kanal folgenGemeinsam auftreten: Solo, Duo oder Kollektiv?
Bevor du dich entscheidest, lohnt ein Blick auf die Unterschiede.
Denn diese drei Formen verlangen völlig verschiedene Dinge von dir.
| Solo | Duo | Kollektiv | |
|---|---|---|---|
| Entscheidungen | Du allein | Immer zu zweit | Nach Regeln |
| Tempo | Sehr schnell | Halb so schnell | Langsam |
| Bühnenzeit | Volle Zeit für dich | Geteilt | Stark geteilt |
| Gage | Ganz | Halbiert | Geteilt durch alle |
| Risiko | Liegt bei dir | Geteilt | Verteilt |
| Was du gewinnst | Freiheit | Eine zweite Perspektive | Eine Struktur |
| Was es kostet | Einsamkeit | Absprachen | Sehr viele Absprachen |
Die vorletzte Zeile ist die wichtigste.
Menschen suchen selten aus künstlerischen Gründen eine Zusammenarbeit. Sie suchen meistens jemanden, der mitfährt.
Deshalb lohnt vor jeder Entscheidung die Frage, warum du überhaupt gemeinsam auftreten willst.
Wer eine Zusammenarbeit sucht, weil das Alleinsein anstrengend ist, bekommt keine Entlastung, sondern eine zweite Baustelle.
Lennon und McCartney regelten es vor dem Erfolg
Die berühmteste Absprache der Musikgeschichte wurde von zwei Teenagern getroffen.
John Lennon schlug vor, dass jedes Lied, das einer der beiden schreibt, unter beiden Namen erscheint.
Egal, wer wie viel beigetragen hat. Egal, ob gemeinsam oder allein geschrieben.
Diese Vereinbarung entstand, bevor die Beatles berühmt waren. Zwischen 1962 und 1970 erschienen so rund einhundertachtzig Lieder unter dem Doppelnamen.
Was das praktisch bedeutete
Yesterday wurde vollständig von Paul McCartney geschrieben.
Es steht bis heute unter Lennon und McCartney, und Lennon hat lebenslang daran mitverdient.
Umgekehrt galt dasselbe, und niemand musste bei einem neuen Lied verhandeln.
Genau das ist der Wert einer Absprache: Sie erspart dir das Gespräch im ungünstigsten Moment.
Wer gemeinsam auftreten will, spart sich damit hunderte kleiner Verhandlungen.
Der ehrliche Haken
Die Vereinbarung hat nicht alle Konflikte verhindert.
Anfangs wechselte sogar die Reihenfolge der Namen. Erst ab der Single She Loves You im August 1963 stand Lennon dauerhaft vorn.
Und in den späten Neunzigern wollte McCartney bei einigen Titeln seinen Namen zuerst sehen, was Yoko Ono ablehnte.
Der Streit kam also, aber er kam über dreißig Jahre später und drehte sich um die Reihenfolge der Namen, nicht um Geld.
Für alle, die gemeinsam auftreten, ist das eine ziemlich beruhigende Bilanz.
Und das ist ein gewaltiger Unterschied, wenn man neun Jahre befreundet ist.
Der eine Griff: drei Fragen vor der ersten Zeile
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt genau eine Sache, die zuverlässig funktioniert. Und sie ist wieder enttäuschend simpel.
Erstens: Wem gehört der fertige Text?
Zweitens: Darf ihn eine Person allein vortragen, wenn die andere nicht kann?
Drittens: Wie teilt ihr die Gage?
Drei Sätze auf einem Blatt. Beide unterschreiben.
Das war es. Zehn Minuten.
Damit wird gemeinsam auftreten von einem Vertrauensakt zu einer Verabredung.
Warum sich das falsch anfühlt
Weil es nach Misstrauen klingt.
Man arbeitet mit jemandem zusammen, den man mag, und schiebt ihm einen Zettel hin.
Genau deshalb machen es die wenigsten. Und genau deshalb enden so viele Duos im Streit.
Die Absprache schützt nämlich nicht das Geld. Sie schützt die Beziehung.
Der beste Zeitpunkt
Vor der ersten Zeile.
Danach wird jede dieser Fragen zu einer Aussage über den bisherigen Beitrag. Und dann kann man sie nicht mehr neutral beantworten.
Vorher ist sie eine Formalie. Nachher ist sie eine Bewertung.
Deshalb steht dieser Griff so weit vorn. Wer erst gemeinsam auftreten will und danach redet, redet zu spät.
Alles Weitere in diesem Beitrag ist Zubehör. Das hier ist das Werkzeug, und es kostet euch einen Kaffee.
Christo und Jeanne-Claude brauchten 33 Jahre
Manchmal ist die Frage nach dem Namen keine Formalie, sondern eine Lebensentscheidung.
Christo und Jeanne-Claude wurden am selben Tag geboren, am 13. Juni 1935, er in Bulgarien, sie in Marokko.
Sie arbeiteten ab 1961 gemeinsam an monumentalen Projekten, vom verhüllten Reichstag bis zum Running Fence in Kalifornien.
Über drei Jahrzehnte stand auf all diesen Arbeiten nur ein Name: Christo.
Warum sie es so gemacht haben
Die Begründung war strategisch.
Beide hielten es für einfacher, wenn nur ein Name als Marke steht. Und im Kunstbetrieb jener Jahre schien ein männlicher Name die bessere Wette.
Jeanne-Claude galt nach außen als Managerin. Christo selbst hat später offen gesagt, dass sie bei zentralen Projekten die treibende Kraft war.
Und dann kam ein Abend im April 1994
Bei einer Vorlesung fragte jemand aus dem Publikum nach Cyril, dem Sohn von Christo.
Jeanne-Claude, seine Mutter, kam in der Frage nicht vor.
Kurz darauf veröffentlichten die beiden eine Erklärung zur gemeinsamen Urheberschaft, rückwirkend bis 1961.
Aus den Werken von Christo wurden die Werke von Christo und Jeanne-Claude.Über die Erklärung von 1994
Übrigens flogen die beiden getrennt, damit im Fall eines Absturzes eine Person weiterarbeiten kann.
Was das für dich heißt
Ein Name lässt sich später ändern, aber es dauert.
Dreiunddreißig Jahre lang hat eine Person Anerkennung für Arbeit bekommen, die zu zweit entstanden ist.
Wer gemeinsam auftreten will, sollte diese Frage deshalb früh klären und nicht dann, wenn ein Radiosender anruft.
Außerdem zeigt der Fall, dass auch gute Gründe für eine Regelung irgendwann veralten.
Bevor ihr gemeinsam auftreten könnt: vier Schreibverfahren
Es gibt nicht das eine gemeinsame Schreiben. Es gibt vier Verfahren, und sie fühlen sich völlig verschieden an.
Verfahren 1 – Wechselnde Strophen
Verfahren 2 – Rollen verteilen
Verfahren 3 – Einer schreibt, einer schärft
Verfahren 4 – Wirklich gemeinsam
Fangt mit Verfahren eins an und probiert Verfahren vier erst, wenn ihr euch kennt.
Denn gemeinsam auftreten lernt man über gemeinsame Texte und nicht umgekehrt.
Wie ihr gemeinsam auftreten könnt, ohne euch im Weg zu stehen
Zwei Menschen auf einer Bühne sind nicht doppelt so gut wie einer.
Sie sind zunächst einmal doppelt so schwer zu koordinieren.
Deshalb ist gemeinsam auftreten handwerklich anspruchsvoller als jeder Soloauftritt.
Die vier Dinge, die geübt werden müssen
Erstens die Übergaben. Wer redet wann, und woran erkennt die andere Person, dass sie dran ist?
Zweitens die Blicke. Redet ihr miteinander oder mit dem Publikum? Beides ist möglich, aber ihr müsst euch entscheiden.
Drittens die Positionen. Zwei Mikrofone, ein Mikrofon, Bewegung oder Stand? Auf kleinen Bühnen entscheidet das über sehr viel.
Und viertens die Pausen. Bei zwei Personen fällt eine Pause doppelt auf, weil das Publikum nicht weiß, ob sie beabsichtigt war.
Der Anfang entscheidet, ob das Publikum euch als Einheit wahrnimmt. Das Ende entscheidet, ob applaudiert wird oder alle unsicher schauen. Die Mitte verzeiht deutlich mehr, als ihr denkt.
Fünf Absprachen, die ihr braucht
Die drei Fragen aus Kapitel drei sind das Minimum.
Wer länger zusammenarbeitet, braucht diese fünf.
Denn wer über Jahre gemeinsam auftreten will, stößt garantiert auf jede einzelne davon.
Es geht nicht um einen Vertrag, den ein Gericht liest. Es geht darum, dass ihr beide dasselbe im Kopf habt und es nachlesen könnt, wenn die Erinnerung auseinandergeht.
Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Woran Duos scheitern, die gemeinsam auftreten
Klapp auf, was du kennst oder befürchtest.
Sechs Gründe, die mit dem Text zu tun haben
Die Urheberfrage wurde nie gestellt
Eine Person schreibt deutlich mehr
Die Handschriften passen nicht zusammen
Der gemeinsame Text ist schlechter als beide Solotexte
Eine Person will weiterentwickeln, die andere nicht
Der Text gehört inhaltlich nur einer Person
Sechs Gründe, die mit dem Alltag zu tun haben
Unterschiedliche Verfügbarkeit
Unterschiedliche Ambitionen
Ungleiche Anreisewege
Die Gagenfrage bei Soloanfragen
Unterschiedliche Vorstellungen von Verbindlichkeit
Man ist eigentlich befreundet und nicht kollegial
Das Kollektiv: was daran anders ist
Ab drei Personen ändert sich die Statik.
Ein Duo verhandelt. Ein Kollektiv braucht Regeln, weil sonst immer zwei gegen einen stehen.
Damit wird gemeinsam auftreten im Kollektiv zu einer Organisationsfrage.
Die drei Dinge, die ein Kollektiv zwingend braucht
Erstens ein Entscheidungsverfahren. Einstimmig, Mehrheit oder Zuständigkeiten. Ohne das entscheidet die lauteste Person.
Zweitens einen festen Termin. Kollektive, die sich nur bei Bedarf treffen, schlafen innerhalb eines Jahres ein.
Und drittens eine Regelung zum Ein- und Austritt. Wer darf dazukommen, und was passiert mit gemeinsamen Texten, wenn jemand geht?
Was ein Kollektiv dafür kann
Es trägt Auftritte, die eine einzelne Person nicht stemmt: eigene Reihen, Festivals, längere Programme.
Es verteilt Arbeit, die niemand gern macht, also Technik, Werbung und Absprachen.
Und es gibt Menschen Rückhalt, die sonst allein anreisen würden. Mehr dazu steht in Auf Tour gehen.
Der Preis dafür ist Tempo. Jede Entscheidung dauert in einem Kollektiv ungefähr viermal so lang.
Trotzdem ist es für viele der angenehmste Weg, überhaupt gemeinsam auftreten zu können.
Solo bleiben ist auch eine Antwort
Dieses Kapitel fehlt in fast allen Texten über Zusammenarbeit.
Nicht jeder Mensch wird durch eine zweite Person besser.
Und niemand muss gemeinsam auftreten, nur weil es gerade alle machen.
Wann Solo die bessere Entscheidung ist
Wenn deine Texte von einer sehr eigenen Stimme leben, die sich schlecht teilen lässt.
Wenn du schnell arbeitest und Abstimmung dich ausbremst.
Wenn dein Material sehr persönlich ist und eine zweite Person darin fremd wirken würde.
Und wenn du merkst, dass du eine Zusammenarbeit vor allem suchst, um weniger allein zu reisen.
Dann brauchst du keine Kooperation, sondern Gesellschaft. Das ist ein Unterschied.
Tretet gemeinsam an einem Abend auf, aber mit getrennten Texten. Ihr reist zusammen, moderiert euch gegenseitig an und teilt euch die Fahrt, ohne dass irgendein Text zwei Urheber bekommt.
Das ist der einfachste Weg, gemeinsam auftreten zu erleben, ohne etwas zu riskieren.
Zwölf Fragen vor der ersten Zusammenarbeit
Klapp auf und beantworte ehrlich.
Diese zwölf Fragen sind die Vorstufe zu jeder Entscheidung, gemeinsam auftreten zu wollen.
Sechs Fragen an dich selbst
Suche ich eine Zusammenarbeit oder Gesellschaft?
Kann ich Kritik an meinen Zeilen aushalten?
Kann ich selbst streichen, ohne zu verletzen?
Bin ich bereit, langsamer zu werden?
Will ich meinen Namen teilen?
Habe ich genug eigenes Material?
Sechs Fragen an euch beide
Wollen wir dasselbe?
Wie oft können wir wirklich?
Wer macht die Absprachen nach außen?
Was passiert, wenn einer krank ist?
Wie sagen wir uns, dass etwas nicht funktioniert?
Wie hören wir auf?
Sechs Übungen, um gemeinsam auftreten zu üben
Diese sechs kosten euch zusammen einen Nachmittag.
Fangt mit einer an, nicht mit allen.
Denn gemeinsam auftreten übt man wie jedes Handwerk, nämlich in kleinen Schritten.
Drei Übungen zum Ausprobieren
Übung 1 – Der geteilte Abend
Übung 2 – Die Strophenstaffel
Übung 3 – Das fremde Streichen
Drei Übungen für die Bühne
Übung 4 – Die ersten drei Sätze
Übung 5 – Der Rollentausch
Übung 6 – Die Absprache schreiben
Wenn die Zusammenarbeit kippt
Dieses Kapitel gehört hierher, weil Zusammenarbeit Nähe erzeugt.
Und Nähe kann auch in die falsche Richtung wirken.
Erstens ist das selten, und zweitens sollte man es trotzdem erkennen können.
Wenn dich die Zusammenarbeit dagegen dauerhaft kleiner macht, wenn du Angst vor gemeinsamen Terminen hast oder wenn deine Beiträge systematisch abgewertet werden, ist das keine Reibung mehr.
Anzeichen, bei denen du aussteigen solltest
Du traust dich nicht mehr, eigene Vorschläge zu machen.
Deine Beiträge tauchen später ohne dich auf.
Du wirst vor anderen kleingemacht, auch scherzhaft.
Oder du entschuldigst dich regelmäßig für Dinge, die du gar nicht falsch gemacht hast.
Wie du aussteigst
Klar, schriftlich und ohne lange Begründung.
Du schuldest niemandem eine Rechtfertigung dafür, dass du allein weiterarbeiten willst.
Wenn ihr Absprache fünf getroffen habt, ist das jetzt eine Formalie. Und wenn nicht, ist es der Moment, in dem du merkst, warum sie sinnvoll gewesen wäre.
Falls dich die Situation über längere Zeit belastet, ist die Hausarztpraxis ein völlig normaler erster Schritt. Termine für die psychotherapeutische Sprechstunde vermittelt in Deutschland die Terminservicestelle unter der 116117.
Und wenn es dir gerade richtig schlecht geht, ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar, kostenfrei und anonym: 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.
Selbstcheck: Passt eine Zusammenarbeit zu dir?
Sechs Fragen. Hak ehrlich ab, es sieht ja niemand.
Auswertung in einem Satz: Wenn du beim letzten Punkt gezögert hast, ist das kein Hinderungsgrund, sondern genau der Punkt, an dem du üben solltest.
Und wenn du beim ersten nicht zustimmen konntest, schreib erst weiter allein.
Übrigens scheitert gemeinsam auftreten fast nie am Können. Es scheitert an ungeklärten Fragen.
Zehn Fehler beim gemeinsam auftreten
Fünf Fehler am Anfang
Fehler 1: Keine Absprache treffen
Fehler 2: Sofort gemeinsam schreiben
Fehler 3: Zusammenarbeiten, weil man sich mag
Fehler 4: Ungleiche Verfügbarkeit ignorieren
Fehler 5: Über Geld nicht sprechen
Fünf Fehler unterwegs
Fehler 6: Beiträge heimlich aufrechnen
Fehler 7: Kritik an der Person statt am Text festmachen
Fehler 8: Nur noch gemeinsam auftreten
Fehler 9: Zwei Jahre dasselbe Programm spielen
Fehler 10: Nicht aufhören, obwohl es vorbei ist
Die Werkstatt: euer Plan für sieben Tage
Kein Programm, sondern eine Woche.
| Tag | Was ihr macht | Dauer |
|---|---|---|
| Montag | Jede Person notiert allein, was sie sich von der Zusammenarbeit erhofft. | 10 Minuten |
| Dienstag | Beide Notizen austauschen und vergleichen. | 20 Minuten |
| Mittwoch | Die drei Fragen aus Kapitel drei beantworten und aufschreiben. | 10 Minuten |
| Donnerstag | Ein Thema festlegen und je vier Strophen schreiben. | 60 Minuten |
| Freitag | Die Strophen abwechselnd zusammenlegen und laut lesen. | 30 Minuten |
| Samstag | Nur die ersten drei Sätze proben. Zwanzigmal. | 30 Minuten |
| Sonntag | Entscheiden, ob ihr weitermacht. Ehrlich. | 15 Minuten |
Der Sonntag ist der wichtigste Tag in dieser Tabelle.
Denn eine Zusammenarbeit, die nach einer Woche nicht überzeugt, wird nach einem Jahr nicht besser, sondern nur schwerer zu beenden.
Damit habt ihr nach sieben Tagen eine belastbare Antwort auf die Frage, ob ihr gemeinsam auftreten solltet.
Freiburg – der Rest der Geschichte
Zurück nach Freiburg.
Ich habe später mit beiden gesprochen, getrennt, im Abstand von einigen Monaten.
Die Sachlage war unspektakulär.
Die eine Person hatte die Idee gehabt und die Struktur gebaut. Die andere hatte den größten Teil der Zeilen geschrieben.
Beide hielten sich für die Urheberin des Textes, und beide hatten recht.
Die Frage, die ich beiden gestellt habe
Warum sie das in neun Jahren nie besprochen hatten.
Beide gaben mir fast dieselbe Antwort.
Weil es sich angefühlt hätte, als würde ich ihr nicht vertrauen.Beide Beteiligten · unabhängig voneinander
Genau darin liegt die Tragik.
Sie haben die Absprache vermieden, um die Freundschaft zu schützen. Und genau deshalb ist die Freundschaft zerbrochen.
Deshalb steht in diesem Beitrag ein ganzes Kapitel über zehn Minuten Papierkram.
Der Teil, den ich lieber weggelassen hätte
Ich habe danach selbst zweimal gemeinsam geschrieben.
Beim ersten Mal habe ich den Zettel vergessen, weil es sich albern anfühlte.
Dieser Text liegt bis heute irgendwo und wird von niemandem gespielt, weil wir uns nicht einigen konnten, wem er gehört.
Beim zweiten Mal habe ich es gemacht. Es hat elf Minuten gedauert.
Was ein gemeinsamer Text braucht
Eine Absprache verhindert den Streit.
Sie sorgt aber nicht dafür, dass der Text gut wird.
Denn zwei Menschen auf einer Bühne verzeihen sich handwerklich weniger als eine. Jede unklare Übergabe fällt doppelt auf, jede schwache Zeile hat zwei Verantwortliche.
Warum das eine Handwerksfrage ist
Ein Dialog braucht Timing. Ein Wechsel braucht einen sauberen Übergang. Und ein gemeinsamer Schluss braucht zwei Menschen, die exakt gleichzeitig wissen, wann Schluss ist.
Das sind alles Griffe, und Griffe kann man lernen.
Kurz gesagt: Gemeinsam auftreten verlangt mehr Handwerk, nicht weniger.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also die Werkzeuge, die ihr braucht, wenn zwei Stimmen einen Text tragen sollen.
Denn eine Zusammenarbeit macht Texte nicht automatisch besser. Sie verdoppelt nur, was ohnehin da ist.
Die Absprache regelt das Miteinander. Das Handwerk regelt den Text.
Übrigens: Die beiden aus Freiburg reden inzwischen wieder miteinander.
Aber sie treten nicht mehr zusammen auf.
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Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
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