Das Buch war seit wenigen Tagen im Handel.
Es hieß Holzfällen, stammte von Thomas Bernhard und beschrieb eine Wiener Abendgesellschaft.
Ein Erzähler sitzt in einem Ohrensessel und rechnet mit allen ab, die im Raum sind.
In Wien fing man sofort an zu raten, wer wer war.
Bernhard hatte es niemandem schwer gemacht. Bei einer Schriftstellerin hatte er nicht einmal den Vornamen geändert.
Der Komponist Gerhard Lampersberg erkannte sich in der Figur des trunksüchtigen Auersberger.
Er war jahrelang Bernhards Freund und Förderer gewesen.
Am 29. August 1984 wurde das Buch in ganz Österreich beschlagnahmt.
Wenn dein Text jemanden verletzt hat
Das passiert nicht den anderen. Das passiert dir.
Und zwar nicht, weil du ein schlechter Mensch bist.
Sondern weil ein Saal aus hundert Leben besteht. Du kennst nur eins davon.
Die Frage ist nicht, ob es passiert. Sondern was du dann machst.
Es gibt zwei Reaktionen, die fast jeder zuerst hat.
Die erste: sofort alles zurücknehmen und sich entschuldigen, bis es peinlich wird.
Die zweite: erklären, wie der Text eigentlich gemeint war.
Beide sind zwar verständlich.
Trotzdem machen beide es schlimmer.
Es gibt einen dritten Weg.
Der ist unbequemer und funktioniert dafür.
— Was in diesem Beitrag steht
Was du machst, wenn dein Text jemanden verletzt hat – im Moment selbst und in den Tagen danach.
Du bekommst die drei Sorten von Beschwerde, sechs Bestandteile einer brauchbaren Entschuldigung und ein Kittblatt.
Dazu zwei Arbeiten darüber, warum Entschuldigungen so oft misslingen.
Zum Mitmachen gibt es sieben Übungen und zwei deutsche Videos.
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Jetzt Kanal folgenDrei Sorten von Beschwerde
Zunächst musst du unterscheiden können, was da gerade passiert.
Denn nicht jede Beschwerde ist dieselbe Sache.
— Die dritte Sorte, die keine Verletzung ist
— Warum die Unterscheidung beim verletzten Publikum zählt
Wer alles wie Sorte zwei behandelt, ändert ständig Texte und hat am Ende keine mehr.
Wer alles wie Sorte drei behandelt, wird zu jemandem, der nie dazulernt.
Und wer Sorte eins mit einer Entschuldigung beantwortet, macht aus einer Mitteilung einen Vorwurf.
Denn wer dir von seinem Vater erzählt, will keine Entschuldigung.
Er will, dass du es weißt.
Auflösung
Der Griff: streich das Wort aber
Jetzt der Handgriff.
Er ist klein und entscheidet fast alles.
Nicht: Das tut mir leid, aber so war es nicht gemeint.
Sondern: Das tut mir leid.
Sobald ein aber kommt, hört dein Gegenüber nur noch den zweiten Teil. Und der zweite Teil ist immer eine Verteidigung.
Das ist übrigens alles.
Ein einziges Wort weglassen.
— Warum das kleine Wort die Entschuldigung zerstört
Zunächst verschiebt es das Thema.
Vor dem aber geht es um die andere Person.
Danach geht es um dich.
Außerdem stellt es eine Bedingung.
Es sagt: Ich entschuldige mich, sofern du meine Erklärung akzeptierst.
Und drittens kommt es fast immer zu früh.
Erklären kannst du später.
Meistens will es dann niemand mehr hören, und das ist auch in Ordnung.
— Die anderen Wörter, die deine Entschuldigung entwerten
Erstens: Falls jemand sich angegriffen fühlt.
Das schiebt die Verantwortung auf das Gefühl der anderen Person.
Zweitens: Es war nicht so gemeint.
Das kann zwar stimmen.
Allerdings ändert es nichts an der Wirkung.
Drittens: Man wird ja wohl noch.
Das ist keine Antwort, sondern ein Ausstieg.
Und schließlich: Tut mir leid, wenn.
Das wenn wirkt wie das aber, nur höflicher verpackt.
Woraus eine Entschuldigung besteht
Es gibt Forschung dazu, welche Entschuldigungen funktionieren.
Roy Lewicki, Beth Polin und Robert Lount veröffentlichten 2016 eine Untersuchung in der Zeitschrift Negotiation and Conflict Management Research.
Dafür zerlegten sie Entschuldigungen in sechs Bestandteile und ließen sie bewerten.
— Die sechs Bestandteile einer Entschuldigung
Erstens das Bedauern.
Zweitens eine Erklärung, was passiert ist.
Drittens die Übernahme von Verantwortung.
Viertens die Erklärung, dass man es nicht wieder tun wird.
Fünftens ein Angebot zur Wiedergutmachung.
Und sechstens die Bitte um Verzeihung.
— Was bei der Untersuchung herauskam
Zunächst gilt: Je mehr Bestandteile vorkamen, desto wirksamer war sie.
Allerdings sind sie nicht gleich viel wert.
Am wichtigsten ist die Übernahme von Verantwortung.
Also der Satz: Das war mein Fehler.
An zweiter Stelle steht das Angebot, den Schaden zu beheben.
Lewicki begründet das damit, dass Reden billig ist.
Eine angekündigte Handlung ist es nicht.
| Bestandteil | Gewicht | Wie das auf der Bühne klingt |
|---|---|---|
| Verantwortung | am größten | Die Zeile war mein Fehler. |
| Wiedergutmachung | zweitgrößtes | Ich nehme sie raus. |
| Bedauern | mittel | Das tut mir leid. |
| Erklärung | mittel | Ich wollte auf X hinaus. |
| Besserung | mittel | So schreibe ich das nicht nochmal. |
| Bitte um Verzeihung | am kleinsten | Ich hoffe, das ist okay. |
Die letzte Zeile überrascht die meisten.
Um Verzeihung zu bitten wirkt am schwächsten von allen sechs.
Denn es verlangt wieder etwas von der anderen Person.
Nämlich eine Reaktion.
— Der ehrliche Haken an dieser Untersuchung
Zunächst wurden erfundene Fälle aus dem Arbeitsleben untersucht und keine Situationen nach einem Auftritt.
Die Teilnehmenden lasen Beschreibungen und bewerteten sie.
Das ist etwas anderes, als jemandem gegenüberzustehen.
Außerdem war ein Befund, dass Entschuldigungen nach einem Fehler besser wirken als nach einem Vertrauensbruch.
Für dich heißt das: Ein misslungener Text ist meistens ein Fehler und damit der leichtere Fall.
Warum wir uns lieber rechtfertigen
Bleibt die Frage, warum das trotzdem so schwerfällt.
Karina Schumann hat dazu 2014 im Journal of Experimental Social Psychology einen Versuch veröffentlicht.
— Warum wir uns nach einer Verletzung rechtfertigen
Eine vollständige Entschuldigung bedroht nämlich das eigene Selbstbild.
Denn wer sagt, dass er einen Fehler gemacht hat, muss aushalten, gerade kein guter Mensch gewesen zu sein.
Und genau davor weicht man aus.
Nicht aus Bosheit, sondern aus Selbstschutz.
— Was der Versuch zur Entschuldigung ergab
Eine Gruppe durfte sich vorher an etwas erinnern, das ihr wichtig ist und in dem sie gut ist.
Diese Gruppe entschuldigte sich danach vollständiger.
Ihre Texte enthielten häufiger die drei Kernbestandteile Bedauern, Verantwortung und Wiedergutmachung.
Außerdem wirkten sie auf Außenstehende aufrichtiger.
Und sie enthielten weniger Rechtfertigungen.
— Was der Befund für deine Entschuldigung heißt
Das ist der wichtigste Satz dieses Beitrags.
Du kannst dich besser entschuldigen, wenn du dich nicht bedroht fühlst.
Also nicht: Ich bin ein schlechter Autor, mein Text ist Mist.
Sondern: Ich kann schreiben, und diese eine Zeile war ein Fehler.
— Der ehrliche Haken bei dieser Arbeit
Zunächst ist es eine Laborstudie mit erfundenen Vergehen.
Die Teilnehmenden schrieben Entschuldigungen auf, statt sie auszusprechen.
Und der Effekt ist mittelgroß, nicht gewaltig.
Trotzdem passt der Befund zu dem, was man an Garderoben beobachtet.
Wer sich sicher fühlt, kann zugeben.
Wer sich angegriffen fühlt, erklärt.
Was die andere Seite eigentlich will
Ein Punkt fehlt noch, und er wird fast immer übersehen.
Nämlich die Frage, was die Person an der Garderobe überhaupt von dir möchte.
— Die drei häufigsten Anliegen
Erstens: gehört werden.
Das ist mit Abstand das häufigste.
Zweitens: eine Änderung.
Also eine Zeile, die verschwindet.
Drittens: eine Einordnung.
Die Person will wissen, ob du es so gemeint hast, wie es angekommen ist.
— Wie du herausfindest, worum es geht
Du fragst.
Zum Beispiel: Was würde dir helfen?
Das klingt sperrig und wirkt trotzdem.
Denn die meisten Menschen haben auf diese Frage keine große Forderung, sondern eine kleine.
Und sehr oft lautet die Antwort: nichts, ich wollte es nur sagen.
— Was passiert, wenn du nicht fragst
Dann rätst du.
Und du rätst fast immer zu hoch.
Du bietest an, den Text zu streichen, obwohl niemand das verlangt hat.
Damit machst du aus einer Zweiminutensache eine große Nummer.
Außerdem setzt du dein Gegenüber unter Druck.
Denn wer gerade nur etwas erzählen wollte, steht plötzlich da und soll über deinen Text entscheiden.
Sechs Fragen für den Tag danach
Im Moment selbst hast du keine Zeit zum Nachdenken.
Am nächsten Tag schon.
— Warum die Frage nach dem Text die schwerste ist
Ein Text zu streichen ist manchmal richtig.
Manchmal ist es allerdings Feigheit.
Richtig ist es, wenn der Text handwerklich danebenliegt.
Feigheit ist es, wenn du ihn nur streichst, damit dich niemand mehr anspricht.
Den Unterschied erkennst du an einer Frage: Würdest du ihn auch streichen, wenn niemand etwas gesagt hätte?
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Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Vier Sätze für den Moment selbst
An der Garderobe hast du übrigens nur zwei Sekunden zum Überlegen.
Deshalb hier vier Sätze, die fast immer passen.
— Erzähl mir das — der erste Satz nach der Verletzung
Das ist der beste erste Satz überhaupt.
Er sagt: Ich höre zu, und ich mache jetzt nicht mich zum Thema.
Außerdem gibt er dir Zeit.
Meistens erfährst du in den nächsten dreißig Sekunden, um welche Sorte es geht.
Und sehr oft löst sich die Sache dabei von selbst.
— Das wusste ich nicht
Für den Fall, dass jemand dir etwas erklärt, das du nicht wusstest.
Das ist keine Entschuldigung und auch keine Verteidigung.
Es ist eine schlichte Feststellung, und sie stimmt meistens.
— Die Zeile war mein Fehler
Wenn du im Gespräch merkst, dass es Sorte zwei ist.
Nach Riss 15 ist das der wirksamste Bestandteil überhaupt.
Und er kostet dich weniger, als du denkst.
Eine Zeile ist nicht dein Werk.
— Darf ich darüber nachdenken
Der unterschätzteste Satz von allen.
Denn du musst an einer Garderobe nichts entscheiden.
Wer sich Bedenkzeit nimmt, wirkt nicht ausweichend, sondern ernsthaft.
Und du kannst dich am nächsten Tag melden.
Das wirkt sogar stärker als eine schnelle Antwort im Halbdunkeln.
2017 hörte sie damit auf. In ihrem Programm Nanette erklärt sie, warum. Selbstironie sei bei jemandem, der ohnehin am Rand steht, keine Demut, sondern Demütigung.
Sie habe sich kleingemacht, um überhaupt sprechen zu dürfen.
Der Punkt für dich ist nicht, dass Selbstironie schlecht wäre. Der Punkt ist, dass sie zehn Jahre gebraucht hat, um zu bemerken, wen ihre Texte verletzten. Nämlich sie selbst.
Der Teil, der dich selbst betrifft
Jetzt zu dem, was danach außerdem mit dir passiert.
— Die Nacht danach, wenn dein Text jemanden verletzt hat
Du wirst zunächst nicht schlafen.
Das ist normal und geht vorbei.
Was dabei hilft: aufschreiben statt nachdenken.
Denn im Kopf wird aus einem Satz an der Garderobe innerhalb von zwei Stunden ein Urteil über deinen Charakter.
Auf Papier bleibt es ein Satz an einer Garderobe.
— Was du nach einer Beschwerde nicht schuldest
Zunächst schuldest du niemandem deinen ganzen Text.
Eine Zeile ändern ist etwas anderes, als ein Thema aufzugeben.
Außerdem schuldest du keine Reue auf Bestellung.
Wenn du nach zwei Tagen findest, dass der Text richtig war, dann ist er richtig.
Und du schuldest niemandem eine öffentliche Erklärung.
Das Gespräch fand zwischen zwei Menschen statt.
Wenn daraus eine größere Sache wird – viele Leute, Internet, Veranstalter, die sich melden – ist das ein anderes Thema, und dazu gibt es einen eigenen Beitrag über den Umgang mit Anfeindungen.
Und wenn dich die Sache über Wochen nicht loslässt, ist das kein Schreibproblem mehr. Dann hilft ein Gespräch mit jemandem, der dir zuhört, mehr als jede Textänderung.
Zehn Fehler in dieser Situation
Und zwar fünf im Moment selbst und fünf danach.
Fünf Fehler im Moment der Beschwerde
Fehler 1: Sofort erklären
Fehler 2: Das Wort aber benutzen
Fehler 3: Sich zusammenfalten
Fehler 4: Alles sofort zusagen
Fehler 5: Publikum dazuholen
Denn wenn dein Text jemanden verletzt hat, ist das erste Ziel nicht deine Rehabilitierung.
Fünf Fehler danach
Fehler 6: Gar nichts ändern
Fehler 7: Alles ändern
Fehler 8: Es öffentlich machen
Fehler 9: Die Person zum Thema machen
Fehler 10: Aufhören zu schreiben
Sechs Schritte für den Ernstfall
Damit du vorbereitet bist, bevor es passiert.
Drei Schritte vorher
Schritt 1 – Die vier Sätze üben
Schritt 2 – Die eigenen Texte durchgehen
Schritt 3 – Eine Person festlegen
Drei Schritte danach
Schritt 4 – Aufschreiben statt grübeln
Schritt 5 – Die Zeile prüfen
Schritt 6 – Entscheiden und dabei bleiben
Die Abnahme
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Wie die Sache ausging
Zurück nach Österreich.
Lampersberg klagte wegen Ehrbeleidigung.
Bernhard erschien zum ersten Verhandlungstag im November gar nicht.
Stattdessen las ein Journalist dem Gericht Passagen vor.
— Was daran schiefging
Der Prozess hat niemandem geholfen.
Lampersberg zog die Klage im Februar 1985 zurück.
Man einigte sich außergerichtlich.
Das Buch kam zurück in die Läden und verkaufte sich wegen des Skandals deutlich besser als vorher.
Bernhard wiederum untersagte seinem Verlag zeitweise, seine Bücher überhaupt nach Österreich zu liefern.
— Was Bernhard dazu geschrieben hat
In einem Brief an seinen Verleger steht ein Satz, der die ganze Frage berührt.
Sinngemäß: So wie er sich selbst in Büchern von Dostojewski oder Tolstoi erkenne, dürften sich andere in seinen Büchern erkennen.
Gegenstand einer Klage könne das aber nicht sein.
Damit hat er sachlich recht.
Und trotzdem beantwortet der Satz die eigentliche Frage nicht.
Denn dass jemand kein Recht auf ein Gerichtsverfahren hat, heißt nicht, dass er sich nicht getroffen fühlen darf.
— Was daraus für dich folgt
Bernhard und Lampersberg haben nie miteinander geredet.
Stattdessen redeten Anwälte, Gerichte und Zeitungen.
Zwischen dem Erscheinen und der Einigung lagen sechs Monate.
Ein Gespräch hätte zwei Minuten gedauert.
Bei dir geht es nicht um einen Roman, sondern um eine Zeile.
Und niemand klagt.
Es steht nur jemand an der Garderobe.
„Zwischen dem Erscheinen und der Einigung lagen sechs Monate und zwei Anwälte. Ein Satz an der richtigen Stelle hätte gereicht.“Der ganze Fall in einer Zeile
Was Zuhören nicht ersetzt
Alles in diesem Beitrag hilft dir, wenn etwas schiefgegangen ist.
Damit es seltener schiefgeht, brauchst du etwas anderes.
— Warum Handwerk verletzenden Zeilen vorbeugt
Eine Zeile, die eine ganze Gruppe trifft, ist fast immer die erste Fassung.
Denn beim ersten Schreiben nimmt man den nächstliegenden Typ.
Und der nächstliegende Typ ist meistens ein Klischee.
Wer stattdessen einen einzelnen Menschen mit einer einzelnen Eigenart beschreibt, trifft niemanden mit.
Kurz gesagt: Genauigkeit ist auch ein Schutz.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also die Mittel, mit denen aus einem Typ ein Mensch wird und aus einem Klischee eine Modelleisenbahn im Keller.
Das Wort aber streichst du in einer Sekunde. Eine Zeile so zu schreiben, dass sie nur den trifft, den sie treffen soll, ist die eigentliche Arbeit.
Erzähl mir das. Streich das aber. Und ändere die Zeile, nicht das Thema.
Übrigens habe ich in vier Jahren genau dreimal einen Text geändert, weil jemand etwas gesagt hat.
Alle drei Änderungen waren Verbesserungen.
Das ist kein Beweis für irgendetwas.
Aber es beruhigt beim Zuhören.
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Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
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Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
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Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
