Texte über Arbeit: Schicht, Chef, Feierabend
Acht Stunden am Tag gehören deinem Job. In deinen Texten kommt er nicht vor. Das ist statistisch absurd.
Ich habe zwei Fassungen über meine Arbeit geschrieben.
Die erste erklärte, was ich tue. Sie war korrekt, vollständig und tot.
Denn eine vollständige Beschreibung ist genau das Gegenteil eines Textes.
Die zweite bestand aus einer einzigen Handbewegung, die ich tausendmal gemacht habe, ohne je darüber nachzudenken.
Die zweite hat funktioniert. Und danach kam jemand aus einem völlig anderen Beruf zu mir und sagte, genau so sei das bei ihnen auch.
Das ist der ganze Trick, und dieser Beitrag zerlegt ihn.
Außerdem funktioniert er in jedem Beruf, und zwar ohne Ausnahme.
Denn über Arbeit schreiben scheitert fast nie am Stoff. Es scheitert daran, dass Leute ihren Beruf erklären statt ihn zu zeigen.
Zum Mitmachen gibt es sechs Schichtbögen, drei Kontrollgänge und zwei deutsche Videos.
Denn wer über Arbeit schreiben will, hat den besten Stoff bereits täglich vor sich.
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Jetzt Kanal folgenWarum über Arbeit schreiben so selten gut geht
Es gibt vier Gründe, und drei davon kannst du sofort abstellen.
Zunächst die drei, die bei dir liegen. Danach der vierte, der es nicht tut.
Erstens: Du erklärst deinen Beruf
Der häufigste Fehler überhaupt. Der Text fängt an mit einer Tätigkeitsbeschreibung, und das Publikum hört zu wie bei einer Betriebsführung.
Niemand im Saal will wissen, was du tust. Alle wollen wissen, wie es sich anfühlt.
Deshalb scheitert über Arbeit schreiben schon im ersten Absatz.
Zweitens: Du beschwerst dich
Der zweithäufigste. Chef doof, Kollegen doof, Bezahlung schlecht.
Erstens stimmt das oft. Zweitens ist es kein Text, sondern ein Feierabendbier.
Allerdings kann eine Beschwerde ein guter Schlusssatz sein, wenn davor etwas steht.
Beschwerde ist ein Zustand ohne Handlung. Und Zustände tragen keine vier Minuten.
Außerdem hat das Publikum den eigenen Chef im Kopf, sobald du deinen erwähnst.
Drittens: Du benutzt Fachsprache ohne Übersetzung
Jeder Beruf hat seine Wörter. Und jedes einzelne davon kostet dich alle im Saal, die es nicht kennen.
Dabei ist genau diese Sprache der Teil, den niemand sonst erfinden könnte.
Das heißt nicht, dass du sie weglassen musst. Es heißt, dass du sie so einbauen musst, dass man sie aus dem Zusammenhang versteht.
Trotzdem ist gerade die Fachsprache beim Über-Arbeit-Schreiben ein Geschenk, wenn man sie richtig setzt.
Viertens: Du hast echte Risiken
Das ist der einzige Grund, der nicht dein Fehler ist.
Über den eigenen Arbeitsplatz zu schreiben, kann Ärger geben. Dazu gibt es später ein ganzes Kapitel, und zwar ein ehrliches.
Immerhin lässt sich fast jedes dieser Risiken durch vier Änderungen entschärfen.
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Der Griff beim Über-Arbeit-Schreiben: zeig den Handgriff
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt genau eine Sache, die zuverlässig funktioniert. Und sie ist enttäuschend simpel.
Nicht den Beruf. Nicht den Ablauf. Eine Bewegung.
Je spezifischer sie ist, desto mehr Leute erkennen sich darin wieder. Das klingt falsch herum und ist trotzdem so.
Damit wird über Arbeit schreiben zu einer Suchaufgabe statt zu einer Erklärungsaufgabe.
Kurz gesagt: Du suchst nicht nach Worten, sondern nach einer Bewegung.
Warum das Spezifische universell wirkt
Weil jeder Mensch, der arbeitet, seine eigene Version davon hat.
Wer das Ziehen einer bestimmten Klappe genau beschrieben hört, denkt automatisch an den eigenen Handgriff. An die Kasse, an die Tastenkombination, an den Griff zur zweiten Schere.
Erstens spart dir das jede Erklärung. Zweitens holt es Leute ab, deren Beruf mit deinem nichts zu tun hat.
Genau deshalb funktioniert über Arbeit schreiben besser, je enger der Ausschnitt wird.
Woran du einen guten Handgriff erkennst
Er läuft automatisch ab. Du denkst nicht mehr darüber nach.
Zudem merkst du meistens erst beim Aufschreiben, dass du ihn überhaupt machst.
Er hat eine Geschichte. Irgendwann konntest du ihn nicht, und irgendwann dann doch.
Genau deshalb steckt in jedem Handgriff eine kleine Biografie.
Und er hinterlässt Spuren, entweder am Gegenstand oder an dir. Abgegriffene Stellen, Schwielen, ein Knacken im Handgelenk.
Übrigens sind gerade diese Spuren das dankbarste Material überhaupt.
Wer eine gute Bewegung gefunden hat, schreibt den Rest fast von allein. Wer keine hat, kann noch so gut formulieren und landet trotzdem bei einer Betriebsführung. Alles Weitere in diesem Beitrag ist Zubehör.
Studs Terkel: über Arbeit schreiben durch Zuhören
Das wichtigste Buch über Arbeit besteht fast nur aus fremden Sätzen.
Studs Terkel veröffentlichte 1974 Working, im Untertitel sinngemäß: Menschen reden darüber, was sie den ganzen Tag tun und wie sie sich dabei fühlen.
Über hundert Interviews, vom Totengräber bis zum Studioboss, vom Polizisten bis zum Klavierstimmer.
Damit ist es bis heute das größte Materiallager zum Thema, das je angelegt wurde.
Was Terkel gleich am Anfang klarstellt
Sein Vorwort ist eine der ehrlichsten Beschreibungen von Arbeit, die es gibt.
Zunächst klingt es hart. Danach merkt man, dass es einfach stimmt.
Er schreibt sinngemäß, ein Buch über Arbeit sei zwangsläufig ein Buch über Gewalt, gegen den Geist genauso wie gegen den Körper. Es gehe um Magengeschwüre ebenso wie um Unfälle, um Schreiereien ebenso wie um Schlägereien.
Und vor allem gehe es um tägliche Demütigungen.
für den täglichen Sinn genauso wie für das tägliche BrotStuds Terkel · Working, 1974, sinngemäß übersetzt
Warum das Buch bis heute funktioniert
Weil Terkel die Leute machen lässt.
Er fragt nicht nach Meinungen über Arbeit, sondern lässt beschreiben, was jemand tut. Und in diesen Beschreibungen liegt alles andere schon drin.
Die Kellnerin Dolores Dante etwa sagt, sie bewege sich zwischen den Tischen wie eine Tänzerin und fühle sich wie Carmen. Es helfe ihr gegen die Demütigung und gegen die Arthritis gleichermaßen.
Erstens ist das ein Bild. Zweitens ist es genau der Handgriff aus Kapitel zwei, nur von jemandem, der nie einen Schreibkurs besucht hat.
Außerdem zeigt es, dass die besten Arbeitsbilder von den Arbeitenden selbst kommen.
Der ehrliche Haken
Terkel hat die Interviews stark bearbeitet, gekürzt und montiert.
Das Buch klingt wie reines Zuhören und ist in Wahrheit komponiert. Für uns ist das eher eine Erlaubnis als ein Vorwurf: Auch dein Arbeitstext darf montiert sein.
Zudem entlastet es alle, die glauben, sie müssten die Wahrheit unbearbeitet abliefern.
Max von der Grün verlor seinen Job wegen eines Romans
Der zweite Kronzeuge ist der Grund, warum das Risikokapitel in diesem Beitrag steht.
Max von der Grün, geboren 1926 in Bayreuth, ging 1951 als Bergmann ins Ruhrgebiet. Er arbeitete auf der Zeche Königsborn in Unna, zuerst als Hauer, nach einem Unfall als Grubenlokomotivführer.
Fast dreizehn Jahre unter Tage.
Danach hat er über genau diese Arbeit geschrieben, und zwar sehr genau.
Was er geschrieben hat
Er war Mitbegründer der Dortmunder Gruppe 61, die eine neue Literatur der Arbeitswelt schaffen wollte.
Außerdem hielt er dort einen Vortrag über Mensch und Industrie in der Literatur und legte sich damit früh auf sein Thema fest.
1963 erschien sein Roman Irrlicht und Feuer. Darin schildert er drastisch einen tödlichen Unfall unter Tage und kritisiert scharf sowohl das Unternehmen als auch Gewerkschaftsfunktionäre.
Das Buch wurde sein Durchbruch und ein handfester Skandal.
Denn über Arbeit schreiben heißt manchmal, den eigenen Betrieb zu beschreiben.
Was ihn das gekostet hat
Ein Bergbauzulieferer erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen ihn. Er gewann das Verfahren in zwei Instanzen.
Allerdings war der eigentliche Schaden da längst entstanden.
Ein führender Gewerkschaftsfunktionär nannte den Roman ein Machwerk, das man verbrennen solle. Vier Jahre lang wurde er weder zu Tagungen noch zu Lesungen eingeladen.
Und am 5. Dezember 1963 wurde er auf seiner Zeche entlassen.
Das Unternehmen bot ihm an, den Roman zurückzuziehen und stattdessen unter guten Bedingungen in die Hauptverwaltung zu wechseln. Er lehnte ab und wurde freier Schriftsteller.
Schreiben ist nichts anderes, als dass ich mich hinsetze und eine Geschichte erzähle.Max von der Grün · sinngemäß
Was du daraus mitnimmst
Erstens: Arbeitstexte können Folgen haben. Das ist kein hypothetisches Risiko.
Zweitens: Es lohnt sich, sehr genau zu unterscheiden zwischen einem Text über deine Arbeit und einem Text über deinen Arbeitgeber.
Dabei ist der Unterschied kleiner, als er klingt, und wichtiger, als man denkt.
Und drittens: Von der Grün hat sich später mit der Gewerkschaft versöhnt und 1993 die Bergkamener Bergleute im Kampf um ihre Arbeitsplätze unterstützt. Die Fronten von damals waren also nicht endgültig.
Trotzdem sollte niemand diese Geschichte als Ermutigung zum Leichtsinn lesen.
Videokapitel: über Arbeit schreiben mit fremdem Material
Zwei deutsche Videos, die auf verschiedene Weise zum Thema passen.
Denn beim Über-Arbeit-Schreiben hilft es enorm, fremde Arbeitstage anzuschauen.
Zu finden über die ARD-Audiothek unter seinem Namen. Ich verweise hier bewusst nur auf das, was ich selbst geprüft habe.
Das Risikokapitel: Grenzen beim Über-Arbeit-Schreiben
Jetzt der unangenehme Teil, und er gehört zwingend dazu.
Denn über Arbeit schreiben heißt fast immer, über einen realen Betrieb und reale Menschen zu schreiben.
Deshalb gehört zu diesem Thema eine Vorsicht, die andere Stoffe nicht brauchen.
Es sind praktische Vorsichtsmaßnahmen aus der Sicht von jemandem, der selbst angestellt ist und schreibt. Wenn dein Fall heikel wird, frag den Betriebsrat oder eine Fachanwältin für Arbeitsrecht. Beides ist günstiger als ein Verfahren.
Was du auf keinen Fall verwendest
Namen von Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten, auch abgewandelt, wenn die Person trotzdem erkennbar bleibt.
Interne Vorgänge, Zahlen, Verfahren oder Kundendaten, die nicht öffentlich sind.
Zudem gilt das auch für Dinge, die dir harmlos vorkommen.
Alles, was unter deine Verschwiegenheitspflicht fällt. Und im Zweifel fällt mehr darunter, als man denkt.
Konkrete Vorwürfe gegen benannte Personen oder gegen deinen Arbeitgeber, die du im Ernstfall nicht belegen könntest.
Die vier Änderungen, die du immer vornimmst
Erstens: Branche wechseln, wenn es geht. Ein Handgriff funktioniert oft auch in einem anderen Betrieb.
Dabei verlierst du erstaunlich wenig, weil die Bewegung selbst ja bleibt.
Zweitens: Personen zusammenlegen. Aus drei Kollegen wird eine Figur, die es so nicht gibt.
Drittens: Zeit und Ort verschieben.
Und viertens: das Konkrete behalten, das Belastende weglassen. Die Bewegung ist der Stoff, nicht der Konflikt.
Damit bleibt beim Über-Arbeit-Schreiben genau das übrig, was ohnehin am besten wirkt.
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Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Drei Tageszeiten: wann sich über Arbeit schreiben lohnt
Der Arbeitstag hat drei Zonen, und sie liefern völlig verschiedenes Material.
Zunächst die Übersicht. Anschließend die Zone, die praktisch niemand benutzt.
Denn beim Über-Arbeit-Schreiben entscheidet der Zeitpunkt fast so viel wie der Handgriff.
| Zone | Was dort passiert | Was der Text davon hat |
|---|---|---|
| Vor der Schicht | Umziehen, Ankommen, das letzte private Denken. | Der Übergang, also die stärkste Zone von allen. |
| Während der Schicht | Routine, Handgriffe, Nebensätze zwischen zwei Aufgaben. | Die Handgriffe und die Fachsprache. |
| Nach der Schicht | Rauskommen, Runterkommen, der Weg nach Hause. | Erschöpfung — und leider auch das größte Kitschrisiko. |
Die erste Zeile ist die unterschätzteste. Beim Umziehen wird aus einem Menschen eine Funktion, und das ist ein kompletter Text.
Denn genau in diesem Moment lässt sich zeigen, was Arbeit mit einem macht, ohne dass man es behaupten muss.
Die dritte ist die gefährlichste. Über Feierabend schreiben fast alle, und fast alle landen bei Bier, Sofa und Erschöpfung.
Deshalb lohnt sich beim Über-Arbeit-Schreiben der Blick auf die erste Zone am meisten.
Die Zone, die niemand benutzt
Der Übergang. Also die zwölf Minuten zwischen Ankommen und Anfangen.
Zudem passiert dort etwas, das man später nie wieder so sehen kann.
Da wird geredet, ohne dass es um etwas geht. Da wird sich umgezogen. Und da entscheidet sich, in welcher Stimmung acht Stunden ablaufen.
Außerdem ist es die einzige Zone, in der man beides gleichzeitig ist: Privatperson und Beschäftigter.
Wer über Arbeit schreiben will und nicht weiß, wo er anfangen soll, fängt hier an.
Außerdem ist es die Zone, über die es praktisch keine fertigen Klischees gibt.
Fünf Arbeitslagen und ihr Stoff
Nicht jeder arbeitet gleich, und das verändert das Material erheblich.
Denn beim Über-Arbeit-Schreiben liefert jede Lage andere Bilder und hat eine andere typische Falle.
| Lage | Der beste Stoff | Die typische Falle |
|---|---|---|
| Schichtdienst | Der Wechsel: aufstehen, wenn andere heimkommen. | Nur über Müdigkeit schreiben. |
| Körperliche Arbeit | Spuren an Werkzeug und Händen, eingeübte Bewegungen. | Die Arbeit heroisieren. |
| Büro | Die eigene Sprache: spiegeln, aufsetzen, kurz abholen. | Bei den bekannten Floskeln bleiben. |
| Arbeit mit Menschen | Der Moment zwischen zwei Gesprächen. | Über die Menschen schreiben statt über die Arbeit. |
| Ohne festen Job | Warten, Bewerben, das Erklärenmüssen. | Sich rechtfertigen statt beobachten. |
Die vierte Zeile ist die heikelste. Wer mit Patienten, Fahrgästen, Schülern oder Kunden arbeitet, hat den stärksten Stoff und die engste Grenze zugleich.
Deshalb gilt dort besonders: die eigene Bewegung zeigen, nicht die fremde Geschichte verwerten. Mehr dazu steht in Schicht sechs.
Die fünfte Lage, die oft vergessen wird
Arbeitslosigkeit ist auch Arbeit, nämlich eine sehr anstrengende.
Außerdem hat sie eigene Handgriffe: die Art, wie man ein Formular ausfüllt, die Reihenfolge beim Nachschauen, der Weg zum Briefkasten und zurück.
Trotzdem taucht sie in Slam-Texten fast nur als Klage auf. Dabei ist sie handwerklich genauso zugänglich wie jede Schicht.
Zehn Fehler beim Über-Arbeit-Schreiben
Fünf Fehler beim Stoff
Fehler 1: Den Beruf erklären
Fehler 2: Den spektakulären Tag nehmen
Fehler 3: Den Chef zur Hauptfigur machen
Fehler 4: Nur die eigene Erschöpfung
Fehler 5: Den Beruf romantisieren
Fünf Fehler beim Schreiben
Fehler 6: Unübersetzte Fachsprache
Fehler 7: Die Moral am Ende
Fehler 8: Zahlen ohne Bezug
Fehler 9: Sich über Kollegen lustig machen
Fehler 10: Alles in die Vergangenheit legen
Auflösung anzeigen
Sechs Übungen fürs Über-Arbeit-Schreiben
Diese sechs kosten dich zusammen kaum eine Stunde.
Denn über Arbeit schreiben lernt man im Betrieb und nicht am Schreibtisch.
Außerdem lassen sich die meisten davon in der Pause erledigen.
Drei Übungen zum Sammeln
Übung 1 – Die Handgriffliste
Übung 2 – Zehn Wörter, die nur ihr benutzt
Übung 3 – Der stille Kollege
Drei Übungen zum Schreiben
Übung 4 – Ohne Berufsbezeichnung
Übung 5 – Der Übergang
Übung 6 – Die Fremdprobe
Dein Schichtbuch zum Abhaken
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Damit hast du das Über-Arbeit-Schreiben einmal komplett durchlaufen.
Salzgitter – der Rest der Geschichte
Zurück zu den zwei Fassungen.
Was in der ersten Fassung stand
Eine korrekte Beschreibung meiner Aufgaben. Vier Sätze, gut formuliert, vollständig.
Zunächst klang das vernünftig. Anschließend saß der Saal höflich da.
Danach eine Beschwerde über die Dienstplanung, eine Pointe über Formulare und ein versöhnlicher Schluss über Kollegialität.
Es hat höflichen Applaus gegeben.
Genau das ist beim Über-Arbeit-Schreiben das schlechteste Zeichen überhaupt.
Was in der zweiten steht
Eine Tür, die klemmt. Und dass alle sie beim Öffnen einen Zentimeter anheben, ohne es zu merken.
Dabei steht nirgends, wo ich arbeite oder was ich dort tue.
Dass Neue das nach zwei Wochen auch tun, ohne dass es ihnen jemand gesagt hat.
Und dass ich es zu Hause bei meiner eigenen Wohnungstür inzwischen auch mache, obwohl die überhaupt nicht klemmt.
Das mit der Tür — das ist bei uns die Kühlraumklinke.Eine Bäckerin, nach dem Auftritt
Der Teil, den ich lieber weggelassen hätte
Die erste Fassung hat mich zwei Wochen gekostet. Die zweite eine Zugfahrt.
Allerdings brauchte ich für die zweite die zwei Wochen davor.
Ich habe nicht härter gearbeitet, sondern nur woanders hingeschaut.
Denn beim Über-Arbeit-Schreiben entscheidet die Auswahl und nicht der Fleiß.
Und das ärgert mich bis heute, weil es bedeutet, dass ich jahrelang den besten Stoff, den ich habe, jeden Tag acht Stunden lang ignoriert habe.
Trotzdem ist das die beste Nachricht dieses Beitrags: Der Stoff ist schon da.
Was die Arbeit dir nicht abnimmt
Dein Job liefert dir acht Stunden Material pro Tag, kostenlos und unerschöpflich.
Er liefert dir keine vier Minuten.
Deshalb fängt genau hier die eigentliche Arbeit an.
Warum jetzt erst das Handwerk anfängt
Ein guter Handgriff ist ein Bauteil. Vier Minuten sind eine Schicht.
Du brauchst einen Einstieg, der ohne Erklärung auskommt. Ein Tempo, das die Routine spürbar macht, ohne selbst langweilig zu werden. Und einen Schluss, der bei der Bewegung bleibt statt bei der Moral.
Kurz gesagt: Über Arbeit schreiben liefert dir den Stoff. Den Text musst du bauen.
Außerdem braucht der Text einen Grund, warum ausgerechnet diese Bewegung erzählt wird.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also die Werkzeuge für den Moment, in dem du zehn gute Handgriffe hast und vier Minuten daraus machen musst.
Die Bewegung findest du selbst. Den Rahmen liefert das Handwerk.
Zeig den Handgriff. Und sag bis zum Schluss nicht, was du beruflich machst.
Übrigens klemmt die Tür immer noch.
Immerhin weiß ich inzwischen, dass sie mein bester Text war.
Es gab zwei Anträge auf Reparatur, und beide sind bearbeitet worden.
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Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
