Textkacheln für Instagram: Eine Zeile, ein Bild
Eine Textkachel ist kein Beitrag. Sie ist ein Plakat.
Ein Plakat wird im Vorbeigehen gelesen, aus drei Metern Entfernung, in unter einer Sekunde.
Es hat genau eine Aussage. Wer zwei draufschreibt, hat keine.
Und genau darin liegt der Vorteil: Eine gute Zeile aus deinem Text ist bereits ein fertiges Plakat.
Von allen Netzformaten liegt dieses am nächsten an dem, was du ohnehin machst.
Fangen wir mit dem an, was dieses Format so unfair günstig macht.
Du hast das Material für Kacheln bereits.
In jedem deiner Texte stehen zwei oder drei Zeilen, die allein funktionieren.
Genau die sind eine Kachel.
Und du musst dafür nichts Neues schreiben.
Trotzdem machen die wenigsten Slammer es.
Und das hat einen einfachen Grund.
Es fühlt sich zu leicht an, um zu zählen.
Der Rat, der Anton Tschechow zugeschrieben wird
Es gibt einen Satz, der auf Postkarten und in Schreibratgebern steht.
Sag mir nicht, dass der Mond scheint. Zeig mir das Funkeln auf einer Glasscherbe.
Zugeschrieben wird er dem russischen Schriftsteller Anton Tschechow.
Der ehrliche Haken: Belegt ist das nicht. In seinen Briefen und Notizbüchern taucht der Satz nicht auf, und die Zitatsammlungen führen keine Quelle.
Trotzdem ist der Gedanke für eine Kachel brauchbar.
Denn eine Kachel hat keinen Platz für Erklärungen. Sie hat Platz für genau ein Bild.
Wer die Erklärung weglässt, zwingt das Auge zum Hinsehen.
Was in diesem Beitrag steht
Wie du Textkacheln für Instagram baust, die man tatsächlich teilt.
Also welche Zeile sich eignet, wie viel draufpasst und wie das Ganze aussieht.
Dazu kommen zwei Untersuchungen: eine darüber, was geteilt wird, und eine darüber, wie schnell ein Blick urteilt.
Außerdem ein Rasterblatt mit neun Kacheln, die du direkt nachbauen kannst.
Zum Mitmachen gibt es fünf Kacheltypen, sieben Felder und vier deutsche Videos.
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Jetzt Kanal folgenWarum eine Zeile mehr trägt als ein Video
Das klingt zunächst nach einer Ausrede für Bequeme.
Tatsächlich liegt es an einem Unterschied im Verhalten.
Was mit einem Video passiert
Zunächst muss jemand darauf tippen und den Ton einschalten.
Außerdem muss er dranbleiben.
Und zwar mindestens zwanzig Sekunden.
Drittens kann er es nur schwer weiterschicken, ohne etwas dazuzuschreiben.
Und schließlich lässt es sich nicht überfliegen.
Man ist dabei oder nicht.
Was mit einer Textkachel passiert
Sie wird im Vorbeiscrollen gelesen, ohne dass jemand etwas tun muss.
Außerdem dauert das Lesen unter einer Sekunde.
Drittens lässt sie sich mit zwei Tippern an eine bestimmte Person schicken.
Und genau dieser letzte Punkt ist der eigentliche Hebel.
Die dritte Zeile entscheidet alles.
Denn eine Kachel wird selten öffentlich geteilt, sondern privat weitergeschickt.
Also von einer Person an genau eine andere, meistens mit einem Wort dazu.
Und diese Bewegung erreicht Leute, die dir nie folgen würden.
Auflösung
Der Griff: bau eine Vorlage und ändere nur den Text
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt eine Entscheidung am Anfang, die dir jede Woche zwanzig Minuten spart.
Nicht jedes Mal neu gestalten. Nicht bei jeder Kachel eine andere Schrift ausprobieren. Und schon gar nicht bunte Verläufe, weil sie gerade auffallen.
Denn eine wiedererkennbare Form ist der einzige Weg, wie jemand beim vierten Mal merkt, dass die Zeile von dir ist.
Das war es.
Eine Form, wechselnder Inhalt.
Was in deine Kachel-Vorlage gehört
Zunächst eine Schrift, die auch klein noch lesbar ist.
Außerdem ein ruhiger Hintergrund, also einfarbig oder sehr zurückhaltend.
Drittens ein fester Rand, damit der Text nie an die Kante stößt.
Und schließlich dein Name klein in einer Ecke, weil Kacheln wandern.
Was du auf der Kachel weglässt
Verläufe, Schatten, Rahmen und alles, was in Gestaltungsprogrammen als Effekt angeboten wird.
Außerdem Anführungszeichen, weil eine Kachel sowieso ein Zitat ist.
Drittens Hashtags im Bild.
Denn die gehören in den Text darunter.
Und schließlich Logos, wenn du keins hast, das jemand kennt.
In dieser Lage entscheidet sich alles daran, ob die Vorlage schon da ist oder ob du bei null anfängst.
Ist sie da, dauert eine Kachel vier Minuten. Ist sie nicht da, dauert sie vierzig, und dann machst du sie nicht.
Fünf Kacheltypen, die tragen
Jetzt wird es konkret.
Fünf Typen, sortiert nach Häufigkeit.
Bei jedem steht, wie die Zeile aussieht, warum sie funktioniert und wo der Fehler liegt.
Die zwei stärksten Kacheltypen
Die Kachel, die keine Zeile braucht
Was Menschen tatsächlich weiterschicken
Es gibt zu der Frage eine Untersuchung mit einer ungewöhnlich guten Datenbasis.
Jonah Berger und Katherine Milkman veröffentlichten sie 2012 im Journal of Marketing Research unter dem Titel What Makes Online Content Viral?
Auf Deutsch etwa: Was macht Inhalte im Netz ansteckend?
Wie die Untersuchung aufgebaut war
Die beiden nahmen sich alle Artikel der New York Times aus einem Zeitraum von drei Monaten vor.
Das waren rund siebentausend Texte.
Dann verglichen sie, welche davon es auf die Liste der meistversendeten Artikel schafften.
Zusätzlich führten sie eigene Versuche durch, um die Richtung des Zusammenhangs zu prüfen.
Was bei der Auswertung herauskam
Positive Inhalte wurden häufiger weitergeschickt als negative.
Der eigentliche Befund liegt allerdings tiefer und ist überraschender.
Entscheidend ist nämlich nicht, ob ein Gefühl angenehm ist.
Sondern wie stark es aktiviert.
Inhalte, die Ehrfurcht, Ärger oder Beunruhigung auslösen, wanderten weiter.
Inhalte, die Traurigkeit auslösten, blieben liegen.
Was das für deine Kacheln bedeutet
Zunächst: Eine schöne, traurige Zeile ist die schwächste Kachel überhaupt.
Denn sie berührt beim Lesen und löst danach nichts aus.
Außerdem funktionieren Zeilen, die einen kurzen Widerstand erzeugen, also Erstaunen oder Widerspruch.
Und schließlich erklärt der Befund, warum die Umdrehung aus Kachel 12 so zuverlässig läuft: Sie zwingt zu einem zweiten Blick, und dieser zweite Blick ist bereits Aktivierung.
Der ehrliche Haken, und er ist umfangreich
Zunächst ging es um Zeitungsartikel aus dem Jahr 2008, die per Mail verschickt wurden.
Das ist weit weg von einer Bildkachel.
Außerdem wurde das Gefühl größtenteils dadurch bestimmt, dass positive und negative Wörter gezählt wurden.
Das ist ein grobes Maß.
Drittens ist der Hauptteil eine Auswertung von Beobachtungsdaten.
Die Versuche dazu waren klein und im Labor.
Und schließlich wird der Befund häufig falsch verkürzt.
Wer daraus ableitet, man solle Leute wütend machen, hat übersehen, dass positive Inhalte insgesamt besser abschnitten.
Wie schnell ein Blick urteilt
Jetzt zu der Frage, warum die Gestaltung so viel ausmacht, obwohl niemand sie bewusst wahrnimmt.
Gitte Lindgaard und ihr Team an der Carleton University in Kanada veröffentlichten 2006 eine Arbeit mit einem Titel wie ein Ausruf.
Er lautet: Attention web designers: You have 50 milliseconds to make a good first impression!
Also: Achtung, Gestaltende, ihr habt fünfzig Millisekunden.
Wie sie das geprüft haben
Sie zeigten Versuchspersonen Startseiten von Webseiten für jeweils fünfhundert Millisekunden und ließen sie deren Gefallen bewerten.
In einer zweiten Untersuchung kamen sieben Gestaltungsmerkmale dazu.
In der dritten zeigten sie dieselben Seiten zusätzlich für nur fünfzig Millisekunden.
Also für ungefähr ein Zwanzigstel einer Sekunde.
Was dabei herauskam
Das Ergebnis nach fünfzig Millisekunden
Die Bewertungen nach fünfzig Millisekunden stimmten eng mit denen nach fünfhundert überein.
Und beide stimmten eng mit den Bewertungen aus dem ersten Durchgang überein.
Daraus folgerten die Forschenden, dass sich ein Urteil über das Gefallen innerhalb von fünfzig Millisekunden bildet.
Was das für deine Kachel-Vorlage bedeutet
Zunächst entscheidet die Form, bevor der Inhalt überhaupt eine Chance hat.
Deshalb ist eine ruhige, saubere Vorlage kein Geschmacksurteil.
Sondern eine Voraussetzung.
Außerdem erklärt es, warum unruhige Kacheln übergangen werden, auch wenn die Zeile darauf gut ist.
Und schließlich spricht es dafür, die Vorlage einmal ordentlich zu bauen und dann nicht mehr anzufassen.
| Gestaltung | Was der erste Blick meldet | Was du machst |
|---|---|---|
| Ruhiger Hintergrund, viel Rand | Sauber, lesbar. | So bauen und dabei bleiben. |
| Farbverlauf mit Schatten | Vorlage von der Stange. | Weglassen. |
| Text bis an die Kante | Gedrängt, unangenehm. | Rand vergrößern. |
| Drei Schriftarten | Unruhig, unentschieden. | Eine Schrift, zwei Größen. |
| Sehr kleine Schrift | Anstrengend. | So groß, dass es im Feed lesbar ist. |
Die dritte Zeile ist die häufigste und die am leichtesten zu beheben.
Denn ein zu knapper Rand entsteht immer dann, wenn die Zeile zu lang ist.
Und eine zu lange Zeile ist sowieso ein inhaltliches Problem, kein gestalterisches.
Der ehrliche Haken, und er ist deutlich
Gemessen wurde ausschließlich, ob etwas gefällt.
Nicht, ob es verstanden wird, ob es glaubwürdig ist oder ob jemand handelt.
Außerdem waren es Startseiten aus dem Jahr 2006 und keine Bildkacheln.
Drittens zeigt der Befund vor allem, dass die Urteile untereinander übereinstimmen.
Ob sie zutreffen, ist eine andere Frage.
Und schließlich haben spätere Arbeiten darauf hingewiesen, dass die nötige Zeit von der Komplexität des Gezeigten abhängt.
Die fünfzig Millisekunden sind also keine feste Größe.
Sondern ein Befund unter bestimmten Bedingungen.
Neun Kacheln zum Nachbauen
Damit du nicht vor einem leeren Feld sitzt, hier ein vollständiges Raster.
Neun Kacheln, wie sie im Profil nebeneinander stehen würden.
Das Raster im Überblick
Warum der Text unter der Kachel so wichtig ist
Die Kachel bringt jemanden zum Anhalten.
Der Text darunter entscheidet, ob er etwas über dich erfährt.
Deshalb gehört dort der vollständige Textausschnitt hin, aus dem die Zeile stammt.
Und darunter, in einer Zeile, wo man dich live sehen kann.
Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Wie du die Zeile findest und kürzt
Der eigentliche Handgriff dauert vier Minuten und besteht aus Weglassen.
Wie du im Text suchst
Zunächst liest du einen eigenen Text laut und markierst jede Stelle, bei der du selbst kurz innehältst.
Außerdem achtest du auf Zeilen, bei denen im Saal etwas passiert ist.
Drittens nimmst du bewusst auch Stellen mit, die keine Pointe sind.
Denn eine Kachel muss nicht witzig sein.
Sie muss stehen bleiben können.
Wie du die Zeile für die Kachel kürzt
Streich alles, was zur Vorgeschichte gehört.
Außerdem jedes Wort, das nur den Rhythmus auf der Bühne trägt.
Drittens alle Füllwörter, weil sie auf Papier anders wirken als im Mund.
Und schließlich das letzte Wort, wenn der Satz auch ohne es steht.
Wie viel auf eine Kachel draufpasst
Unter fünfzehn Wörter.
Und das ist großzügig gerechnet.
Zwei kurze Sätze gehen, drei nicht mehr.
Denn ab drei Sätzen liest niemand mehr im Vorbeigehen.
Sondern muss anhalten.
Und anhalten tut auf Instagram fast niemand.
Dort merkst du in einer Sekunde, ob die Schrift zu klein ist, ob der Rand zu knapp sitzt und ob die Zeile trägt.
Auf dem großen Bildschirm sieht fast jede Kachel gut aus. Im Feed sehr viel weniger.
Deine Zeilen, fremde Zeilen und der Rest
Eine Textkachel wandert schnell und meistens ohne deinen Namen. Umgekehrt gilt dasselbe: Wer fremde Zeilen auf Kacheln setzt, berührt das Urheberrecht anderer.
Klär das im Zweifel bei einer Fachanwaltschaft für Urheber- und Medienrecht. Was hier steht, ist eine grobe Orientierung.
Trotzdem lohnen sich zwei praktische Gewohnheiten.
Deine eigenen Zeilen auf Kacheln
Setz deinen Namen klein in eine Ecke jeder Kachel.
Denn Kacheln werden weitergeschickt, abfotografiert und neu hochgeladen.
Ohne Namen wandert die Zeile weiter und du bleibst zurück.
Und such gelegentlich nach deinen eigenen Zeilen.
Das dauert zwei Minuten und ist manchmal überraschend.
Fremde Zeilen
Zeilen anderer Slammer auf eigene Kacheln zu setzen, ist heikler, als es aussieht.
Frag vorher und nenn die Person deutlich, nicht nur klein am Rand.
Wenn jemand später darum bittet, nimm die Kachel herunter.
Auch hier gilt: Ein Beitrag ist keinen Konflikt wert.
Zehn Fehler bei Textkacheln
Fünf beim Schreiben, fünf beim Gestalten.
Fünf Fehler beim Schreiben
Fehler 1: Zwei Gedanken auf eine Kachel
Fehler 2: Eine Zeile nehmen, die Vorgeschichte braucht
Fehler 3: Nur traurige Zeilen wählen
Fehler 4: Zu clever formulieren
Fehler 5: Anführungszeichen setzen
Denn Textkacheln für Instagram scheitern selten an der Gestaltung und fast immer an der Zeile.
Fünf Fehler beim Gestalten
Fehler 6: Jedes Mal neu gestalten
Fehler 7: Text bis an die Kante
Fehler 8: Verläufe und Schatten
Fehler 9: Kein Name auf der Kachel
Fehler 10: Keinen Text darunter schreiben
Sechs Schritte für einen Abend
Das reicht für eine Vorlage und neun fertige Kacheln.
Danach kostet dich jede weitere vier Minuten.
Drei Schritte zur Vorlage
Schritt 1 – Schrift wählen
Schritt 2 – Farbe und Rand festlegen
Schritt 3 – Im Feed gegenprüfen
Drei Schritte zu den Kacheln
Schritt 4 – Zeilen sammeln
Schritt 5 – Kürzen
Schritt 6 – Neun Felder füllen
Denn Schritt sechs ist der, der aus einer Idee eine Gewohnheit macht.
Die Abnahme
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Die Zeile, die ohne mich weitergezogen ist
Irgendwann hatte ich eine Kachel gemacht, ohne viel darüber nachzudenken.
Eine Zeile aus einem Text über einen Bahnsteig, sieben Wörter, weißer Grund, schwarze Schrift.
Sie lief unauffällig und war nach drei Tagen erledigt.
Wie sie dorthin gekommen ist
Und zwar über mehrere Stationen, von denen ich keine mitbekommen habe.
Jemand hatte sie weitergeschickt, jemand anderes abfotografiert, und irgendwann hatte sie jemand ausgedruckt.
Mein Name stand klein in der Ecke.
Und genau deshalb konnte mir überhaupt jemand schreiben.
Ohne diese kleine Zeile in der Ecke wäre die Kachel weitergezogen und ich wäre zurückgeblieben.
Was ich daraus gelernt habe
Nicht, dass jede Kachel irgendwann ihren Weg macht.
Das wäre gelogen.
Sondern dass der Weg einer Kachel für dich unsichtbar ist.
Denn das Weiterschicken passiert in privaten Nachrichten, und davon siehst du keine einzige.
Die Zahlen unter dem Beitrag zeigen dir also nur einen Bruchteil.
„Ich hatte diese Kachel für gescheitert gehalten, weil sie vierzig Herzchen bekommen hat. Sie hing zu dem Zeitpunkt längst an einer Wand, von der ich nichts wusste.“Meine Notiz danach — und der Grund für Kachel 06
Wie ich Kacheln heute baue
Ich mache neun Kacheln an einem Abend und lade sie über einen Monat verteilt hoch.
Außerdem steht mein Name inzwischen wirklich auf jeder.
Und ich sehe mir die Zahlen kaum noch an, weil sie das Wesentliche sowieso nicht zeigen.
Stattdessen freue ich mich, wenn mir jemand ein Foto schickt.
Was eine gute Vorlage nicht ersetzt
Eine Vorlage sorgt dafür, dass deine Zeile ordentlich aussieht.
Ob sie trägt, entscheidet sie nicht.
Warum das Format so gnadenlos ist
Auf der Bühne trägt deine Stimme jede zweite Zeile über die Runden.
Auf einer Kachel steht sie nackt da, ohne Tempo und ohne Betonung.
Deshalb merkst du beim Kachelbauen sofort, welche Zeilen nur durch deinen Vortrag funktioniert haben.
Kurz gesagt: Wer neun gute Kacheln finden will, muss erst neun gute Zeilen geschrieben haben.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also das, was dafür sorgt, dass in einem Text überhaupt Zeilen entstehen, die allein stehen können.
Die Vorlage baust du an einem Abend. Die Zeilen darauf baust du dein Leben lang.
Ein Gedanke pro Kachel. Unter fünfzehn Wörter. Und der Name in die Ecke.
Übrigens ist der häufigste Satz, den ich wegen einer Kachel höre, ein sehr kurzer.
Er lautet: Die hat mir jemand geschickt.
Und dahinter steckt jedes Mal ein Weg, den ich nie gesehen habe.
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Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
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