Kommentare, Kritik und Hate: Was du liest und was nicht
Auf der Bühne kommt niemand ungefragt zu dir.
Im Netz stehen alle gleichzeitig in deinem Wohnzimmer, und die Tür hat kein Schloss.
Die Lösung ist nicht, das Haus zu verlassen. Die Lösung ist ein Türsteher, der entscheidet, wer hereinkommt.
Dieser Türsteher bist du. Und die meisten von uns machen den Job schlecht.
Ein hässlicher Kommentar wiegt schwerer als fünfzig nette. Das ist keine Charakterschwäche, das ist normal.
Fangen wir mit einer Erfahrung an, die fast alle kennen.
Fünfzig Leute schreiben etwas Nettes unter deinen Text.
Einer schreibt etwas Hässliches.
Und abends im Bett denkst du an den einen.
Deshalb geht es hier nicht darum, härter zu werden.
Es geht darum, weniger von dem zu lesen, was dir sowieso nichts sagt.
Er handelt nicht von Bedrohungen, Stalking, Volksverhetzung oder anderen Straftaten. Wenn dir so etwas passiert, ist das kein Kommunikationsproblem, sondern ein Fall für die Polizei und gegebenenfalls für eine Fachanwaltschaft.
Beratungsstellen für Betroffene digitaler Gewalt gibt es in Deutschland, und sie helfen auch dabei, Beweise richtig zu sichern. Bitte hol dir in dem Fall Unterstützung, statt es allein auszuhalten.
Wie Marcel Reich-Ranicki seinen Kritikern begegnete
Marcel Reich-Ranicki war jahrzehntelang der bekannteste Literaturkritiker des Landes und selbst ständig unter Beschuss.
Dem Literarischen Quartett warf man vor, oberflächlich zu sein und zu vereinfachen.
In seiner Autobiografie greift er diese Vorwürfe auf. Und stimmt ihnen zu.
Gibt es dort ordentliche Analysen? Niemals. Wird vereinfacht? Unentwegt. Ist das Ergebnis oberflächlich? Sogar sehr.
Damit war die Kritik nicht widerlegt. Sie war nur erledigt.
Denn wer einem Vorwurf zustimmt, nimmt ihm die Spannung.
Das funktioniert allerdings nur bei Kritik an der Sache. Bei persönlichen Angriffen hilft es nicht, und dann gilt die Regel oben.
Was in diesem Beitrag steht
Wie ein vernünftiger Umgang mit Hate aussieht, ohne dass du dich komplett abschottest.
Also welche Kommentare du liest, welche du löschst und welche du gar nicht erst zu Gesicht bekommst.
Dazu kommen zwei Untersuchungen: eine darüber, warum Leute im Netz anders schreiben als im Gespräch, und eine über die kleine Gruppe, der es um das Verletzen selbst geht.
Außerdem ein Türblatt mit einer klaren Einlasspolitik.
Zum Mitmachen gibt es fünf Sorten, sieben Zettel und vier deutsche Videos.
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Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
Jetzt Kanal folgenWarum das eine schwerer wiegt als die fünfzig
Bevor es um Werkzeuge geht, kurz um die Ausgangslage.
Was mit Kritik auf der Bühne passiert
Du siehst Zustimmung sofort und im Zusammenhang.
Außerdem kommt Ablehnung dort selten und fast nie persönlich.
Drittens steht am Ende Applaus, der alles einordnet.
Und wer dich nicht mochte, geht einfach nach Hause.
Was mit Kritik in einer Kommentarspalte passiert
Zustimmung besteht aus einem Herzchen und ist damit fast unsichtbar.
Ablehnung dagegen steht ausformuliert da, mit Uhrzeit und Namen.
Außerdem bleibt sie stehen, während der Applaus verklingt.
Und du liest sie nicht einmal, sondern siebenmal.
Die letzte Zeile ist die wichtigste und wird selten gesagt.
Denn die allermeisten Menschen, die deinen Text gut fanden, schreiben überhaupt nichts.
Sie sehen ihn, nicken innerlich und scrollen weiter.
Eine Kommentarspalte ist also keine Stichprobe deines Publikums.
Sondern eine Stichprobe der Schreibfreudigen.
Auflösung
Der Griff: entscheide vorher, nicht im Moment
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt eine Regel.
Und sie funktioniert nur, wenn du sie vorher aufstellst.
Also etwa: einmal am Tag, zehn Minuten, nicht abends und nicht direkt nach dem Hochladen.
Denn im Moment selbst kannst du nicht entscheiden. Da bist du getroffen, aufgewühlt oder euphorisch, und in keinem dieser Zustände trifft man gute Entscheidungen.
Das war es.
Vorher entscheiden, nicht mittendrin.
Warum feste Zeiten beim Umgang mit Hate mehr helfen
Ein Vorsatz lautet: Ich lasse mich davon nicht runterziehen.
Eine Regel lautet: Ich schaue morgens um zehn hinein und dann nicht mehr.
Der Vorsatz hält bis zum ersten unangenehmen Kommentar.
Die Regel hält, weil sie keine Kraft kostet.
Sondern nur einen Blick auf die Uhr.
Welche Kommentare du gar nicht erst siehst
Zunächst, dass du nach einundzwanzig Uhr keine Kommentare mehr liest.
Außerdem, dass du nie direkt nach dem Veröffentlichen nachsiehst.
Drittens, dass du auf bestimmte Sorten grundsätzlich nicht antwortest.
Und schließlich, dass jemand anders für dich mitliest, wenn es viel wird.
Da ist nur der Impuls, sofort etwas zu tun. Antworten, erklären, richtigstellen, wenigstens nachlesen, wer das war.
Gegen diesen Impuls hilft keine Einsicht. Es hilft eine Entscheidung, die du getroffen hast, als es dir gut ging.
Fünf Sorten und was du mit ihnen machst
Jetzt wird es konkret.
Fünf Sorten, sortiert danach, wie viel Aufmerksamkeit sie verdienen.
Bei jeder steht, woran du sie erkennst, was du tust und warum.
Die zwei Sorten, bei denen du nicht antwortest
Warum Leute im Netz anders schreiben
Die Frage stellt sich früher oder später jeder.
Nämlich: Würde dieser Mensch mir das auch ins Gesicht sagen?
John Suler, Psychologe an der Rider University, hat dazu 2004 in CyberPsychology & Behavior einen Aufsatz veröffentlicht.
Er heißt The Online Disinhibition Effect, also etwa: der Enthemmungseffekt im Netz.
Die sechs Faktoren, die Suler beschreibt
Die ersten drei Faktoren
Erstens die Anonymität, die das eigene Verhalten von der eigenen Person abtrennt.
Zweitens die Unsichtbarkeit.
Denn niemand sieht die Reaktion des anderen.
Drittens die Zeitverschiebung, weil man nicht dabei ist, wenn es ankommt.
Die zweiten drei Faktoren
Viertens das Hineinlesen, also die Vorstellung, mit einer Figur im eigenen Kopf zu sprechen statt mit einem Menschen.
Fünftens die Verwechslung mit einem Spiel, in dem andere Regeln gelten.
Und sechstens der Wegfall von Autorität, weil im Netz alle gleich groß wirken.
Der Satz über Hasskommentare, der falsch zitiert wird
Viele leiten aus dem Effekt ab, im Netz zeige sich das wahre Gesicht der Leute.
Suler widerspricht dem ausdrücklich.
Er hält es für falsch, die Enthemmung als Freilegung eines wahren Selbst zu deuten.
Stattdessen beschreibt er sie als Verschiebung zu einer anderen Anordnung innerhalb derselben Person.
Also nicht: So ist er wirklich.
Sondern: So ist er unter diesen Bedingungen.
Was das für deinen Umgang mit Hate bedeutet
Zunächst nimmt es einiges an Gewicht aus dem Kommentar.
Denn er sagt weniger über den Schreibenden aus, als es scheint, und noch viel weniger über dich.
Außerdem erklärt es, warum Antworten so selten hilft.
Du antwortest einer Person, die in dem Moment nicht ganz anwesend war.
Und schließlich erklärt es, warum dieselben Leute bei Auftritten höflich sind.
Es ist nicht Heuchelei, sondern ein anderer Zustand.
Der ehrliche Haken, und er ist deutlich
Es handelt sich um einen theoretischen Aufsatz eines Psychotherapeuten und nicht um ein Experiment.
Die sechs Faktoren sind eine plausible Ordnung, keine gemessenen Größen.
Außerdem stammt der Text aus dem Jahr 2004, also aus der Zeit vor den heutigen Netzwerken.
Und spätere Forschung legt nahe, dass Anonymität weniger stark wirkt als lange angenommen.
Entscheidend scheint eher zu sein, welcher Ton in einer bestimmten Kommentarspalte gerade üblich ist.
Die kleine Gruppe, der es ums Verletzen geht
Der Enthemmungseffekt erklärt den unfreundlichen Ton vieler Kommentare.
Er erklärt nicht die kleine Gruppe, die gezielt sucht, wen sie treffen kann.
Dazu haben Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus 2014 in Personality and Individual Differences etwas veröffentlicht.
Der Titel ist eine Anspielung auf einen Popsong: Trolls just want to have fun.
Wie die Untersuchung aufgebaut war
In zwei Erhebungen mit insgesamt gut zwölfhundert Personen wurden Persönlichkeitsfragebögen ausgefüllt.
Zusätzlich gaben die Teilnehmenden an, wie sie sich in Kommentarspalten verhalten und was ihnen dabei Spaß macht.
Untersucht wurden vier Merkmale, die in der Forschung als dunkle Eigenschaften gelten: Narzissmus, Manipulationsneigung, Gefühlskälte und Sadismus.
Sadismus meint dabei schlicht die Neigung, Freude daran zu haben, wenn andere leiden.
Was dabei herauskam
Wer angab, gern zu trollen, wies deutlich höhere Werte bei diesen Merkmalen auf.
Am stärksten und am eindeutigsten hing das Trollen mit Sadismus zusammen.
Entscheidend ist der zweite Befund: Der Zusammenhang galt ausschließlich fürs Trollen.
Wer angab, gern zu diskutieren oder zu plaudern, zeigte diese Werte nicht.
Es liegt also nicht am Kommentieren an sich.
Was daraus für den Umgang mit Hate folgt
Zunächst der Grund, warum Antworten bei dieser Sorte schadet.
Denn wenn das Vergnügen in der Reaktion liegt, ist jede Antwort eine Belohnung.
Außerdem darfst du aufhören, nach dem Missverständnis zu suchen.
Es gibt keins.
Und schließlich nimmt es die Frage weg, ob du etwas hättest anders machen können.
Diese Gruppe hätte sich sonst jemand anderen gesucht.
| Verbreitete Annahme | Was die Untersuchung nahelegt | Was du machst |
|---|---|---|
| Er meint es nur gut. | Bei dieser Gruppe nicht. | Sortieren statt deuten. |
| Ein sachliches Wort hilft. | Reaktion ist der Zweck. | Nicht antworten. |
| Ich habe ihn provoziert. | Der Anlass ist austauschbar. | Nicht nach Schuld suchen. |
| Alle Kommentierenden sind so. | Nur eine kleine Gruppe. | Nicht alle über einen Kamm. |
| Man muss es aushalten. | Muss man nicht. | Sperren und weitermachen. |
Die vierte Zeile ist die wichtigste.
Denn wer nach ein paar bösen Wochen alle Kommentare abschaltet, verliert auch die Sorte, die etwas wert ist.
Und das ist am Ende der teuerste Preis.
Der ehrliche Haken, und er ist erheblich
Zunächst beruht alles auf Selbstauskunft in Fragebögen.
Die Teilnehmenden haben also selbst angegeben, gern zu trollen und Freude am Leid anderer zu haben.
Außerdem sind das Zusammenhänge und keine Ursachen.
Die Untersuchung zeigt nicht, dass Sadismus zum Trollen führt.
Und schließlich gibt es eine wichtige Gegenstimme.
Eine spätere Arbeit trägt den Titel Anyone can become a troll und zeigt, dass auch Stimmung und Vorbild in der Diskussion eine Rolle spielen.
Beides zusammen ergibt ein realistischeres Bild: eine kleine Gruppe, der es Spaß macht, und ein größerer Kreis, der bei schlechter Laune in einem rauen Umfeld mitmacht.
Deine Einlasspolitik auf einem Blatt
Damit du im Moment nicht überlegen musst, hier eine fertige Ordnung.
Warum ein getrenntes Postfach gegen Hate hilft
Anfragen und Beleidigungen kommen über denselben Kanal.
Also öffnest du deine Nachrichten und weißt nicht, was gleich kommt.
Genau das macht es so anstrengend, überhaupt hineinzusehen.
Eine eigene Mailadresse für Buchungen trennt beides und ist in zehn Minuten eingerichtet.
Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Wenn es dich doch erwischt
Es wird Tage geben, an denen die Regeln nicht reichen.
Das ist kein Rückfall und kein Zeichen von Schwäche.
Was gegen einen Hasskommentar sofort hilft
Zunächst das Telefon weglegen und den Raum wechseln.
Außerdem den Kommentar nicht noch einmal lesen, auch nicht, um zu prüfen, ob er wirklich so schlimm war.
Drittens jemandem davon erzählen, der dich kennt.
Und schließlich etwas tun, das mit Bildschirmen nichts zu tun hat.
Was bei Hasskommentaren nicht hilft
Antworten, auch nicht sachlich und auch nicht später.
Außerdem das Profil der Person ansehen, um zu verstehen, wer das war.
Drittens die Kommentarspalte weiterlesen, um zu prüfen, ob noch mehr kommt.
Und schließlich Alkohol, weil er die Sache nachts verlässlich vergrößert.
Wann du dir Unterstützung holst
Wenn es dich über Tage begleitet und nicht kleiner wird.
Wenn du anfängst, Texte nicht mehr zu veröffentlichen, weil du die Reaktionen fürchtest.
Oder wenn es dir insgesamt schlecht damit geht.
Dann ist ein Gespräch mit einer Ärztin, einer Beratungsstelle oder einer Therapeutin kein großer Schritt.
Sondern ein naheliegender.
Und für Betroffene digitaler Gewalt gibt es in Deutschland eigene Anlaufstellen, die genau dafür da sind.
Die Einstellungen, die dir Arbeit abnehmen
Vieles lässt sich technisch lösen, bevor es überhaupt bei dir ankommt.
Welche Einstellungen Kommentare abfangen
Zunächst eine Wortliste, die Kommentare mit bestimmten Begriffen automatisch zurückhält.
Außerdem die Möglichkeit, Kommentare erst nach Freigabe erscheinen zu lassen.
Drittens das Einschränken, wer dir überhaupt Nachrichten schicken darf.
Und schließlich das stille Ausblenden einzelner Konten, das die Person nicht bemerkt.
Was das bringt
Die Wortliste fängt einen erstaunlich großen Teil ab.
Denn Gemeinheiten sind sprachlich wenig originell und wiederholen sich.
Außerdem musst du nicht mehr entscheiden, ob du löschst.
Der Kommentar war nie sichtbar.
Und genau das ist der Unterschied: nicht löschen müssen.
Sondern gar nicht sehen.
Nach einem Auftritt, der viel Aufmerksamkeit bekommt, geht jemand anders durch die Kommentare und sagt dir nur, ob etwas Wichtiges dabei war.
Das klingt nach einem großen Gefallen und ist meistens eine Sache von zehn Minuten. Fragen kostet nichts, und die meisten Leute helfen gern.
Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung, Bedrohung und Volksverhetzung sind in Deutschland Straftatbestände, und sie gelten auch im Netz. Wer betroffen ist, sollte Beweise sichern, bevor er löscht: Bildschirmfoto mit Datum, Uhrzeit und Adresse der Seite.
Für das weitere Vorgehen sind Polizei, Fachanwaltschaften und Beratungsstellen für digitale Gewalt zuständig. Bitte hol dir dort Rat, statt dich auf einen Blogbeitrag zu verlassen.
Zehn Fehler im Umgang mit Kommentaren
Fünf beim Lesen, fünf beim Reagieren.
Fünf Fehler beim Lesen
Fehler 1: Direkt nach dem Hochladen nachsehen
Fehler 2: Abends lesen
Fehler 3: Alles lesen wollen
Fehler 4: Denselben Kommentar mehrfach lesen
Fehler 5: Nach dem Profil suchen
Denn ein vernünftiger Umgang mit Hate beginnt nicht beim Antworten.
Sondern beim Lesen.
Fünf Fehler beim Reagieren
Fehler 6: Sachlich antworten wollen
Fehler 7: Sich öffentlich rechtfertigen
Fehler 8: Nicht löschen, weil das Zensur wäre
Fehler 9: Kommentare komplett abschalten
Fehler 10: Alles allein aushalten
Sechs Schritte für diese Woche
Das ist in einer Stunde erledigt und wirkt danach dauerhaft.
Drei Schritte am Rechner
Schritt 1 – Wortliste anlegen
Schritt 2 – Nachrichten einschränken
Schritt 3 – Eigene Mailadresse für Anfragen
Drei Schritte im Kopf
Schritt 4 – Zeiten festlegen
Schritt 5 – Türblatt ausfüllen
Schritt 6 – Eine Person fragen
Denn Schritt sechs ist der einzige, der auch an schlechten Tagen trägt.
Die Abnahme
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Der Satz, den ich auswendig konnte
Vor ein paar Jahren stand unter einem Video ein einziger Satz.
Er war nicht besonders kreativ und nicht besonders originell.
Er war einfach nur gemein.
Und zwar auf eine Art, die genau die Stelle traf, an der ich sowieso unsicher war.
Was ich damals gemacht habe
Ich habe geantwortet.
Freundlich, sachlich und lang.
Danach kam eine Antwort auf meine Antwort.
Und die war schlimmer.
Also habe ich nochmal geantwortet, diesmal kürzer und kälter.
Der ganze Abend ging dafür drauf, und am Ende hatte ich das Gefühl, verloren zu haben.
Was deshalb stimmte, als ich überhaupt mitgespielt hatte.
Was mir jemand danach gesagt hat
Ein befreundeter Musiker, der schon länger dabei ist.
Er sagte, ich hätte gerade drei Stunden meines Lebens dafür ausgegeben, einen Fremden von etwas zu überzeugen, das ihn nicht interessiert.
Und dass ich in derselben Zeit einen Text hätte schreiben können.
Das klingt hart und war genau richtig.
„Ich hatte einen ganzen Abend damit verbracht, jemandem zu erklären, warum er sich irrt. Er hatte in derselben Zeit zwei Sätze getippt.“Meine Notiz danach — und der Grund für das Türblatt
Wie ich Kommentare heute lese
Ich lese morgens, zehn Minuten.
Und danach nicht mehr.
Außerdem gibt es eine Wortliste, die einiges gar nicht erst durchlässt.
Und es gibt eine Person, die mir sagt, wenn etwas Wichtiges dabei war.
Der Satz von damals fällt mir übrigens immer noch ein.
Nur nicht mehr abends.
Was eine gute Tür nicht ersetzt
Eine Einlasspolitik schützt dich vor dem, was dir nichts sagt.
Sie sagt dir nicht, ob dein Text besser werden muss.
Warum die Bühne bessere Kritik liefert
Im Saal reagieren Menschen unwillkürlich und sofort.
Niemand überlegt sich dort eine Formulierung.
Und niemand tippt aus Langeweile.
Deshalb verrät dir eine einzige Stelle im Publikum mehr als hundert Kommentare.
Kurz gesagt: Wer wissen will, ob ein Text trägt, spielt ihn.
Wer wissen will, ob jemand schlechte Laune hatte, liest Kommentare.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also das, was einen Text so weit trägt, dass die Meinung eines Fremden über dein Gesicht keine Rolle mehr spielt.
Die Tür baust du in einer Stunde. Was dahinter passiert, baust du dein Leben lang.
Vorher entscheiden, nicht im Moment. Sortieren statt deuten. Und nicht allein damit bleiben.
Übrigens hat mir vor Kurzem jemand geschrieben, ein Text von mir habe ihm an einem schlechten Tag geholfen.
Die Nachricht lag drei Wochen ungelesen im falschen Postfach.
Seitdem trenne ich die Kanäle.
Nicht wegen der Gemeinheiten, sondern wegen dieser einen Nachricht.
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Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
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