Untertitel für Slam-Videos: Weil die Hälfte ohne Ton schaut
Dein Text hat zwei Fassungen.
Die eine wird gehört. Die andere wird gelesen.
Und die meisten Leute, die dich im Netz finden, begegnen ausschließlich der zweiten. Im Bus, im Wartezimmer, neben jemandem auf dem Sofa.
Die stumme Fassung ist die, die zählt. Und die baust du meistens gar nicht.
Untertitel sind keine Zugabe für den Schluss. Sie sind die Fassung, in der dein Text tatsächlich ankommt.
Fangen wir mit der Zahl an, die alle unterschätzen.
Ein erheblicher Teil der Leute schaut Videos im Netz ohne Ton.
Und zwar nicht nur unterwegs, sondern außerdem abends auf dem Sofa.
Nicht aus Prinzip, sondern schlicht weil gerade jemand daneben sitzt.
Für diese Leute existiert dein Text nur, wenn er geschrieben dasteht.
Deshalb entscheidet die Schrift und nicht der Ton, ob dein Text ankommt.
Deshalb ist das hier kein Beitrag über Barrierefreiheit als Pflichtübung.
Es ist einer über die Frage, ob dein Text überhaupt ankommt.
Die Musikerin, die mit dem ganzen Körper hört
Evelyn Glennie ist Perkussionistin und seit ihrem zwölften Lebensjahr nahezu gehörlos.
Sie ist die erste Person, die eine volle Solokarriere an Schlaginstrumenten aufgebaut hat, mit über hundert Konzerten im Jahr.
Ihr Lehrer riet ihr damals, die Hörgeräte wegzulassen und stattdessen den ganzen Körper als Resonanzraum zu benutzen.
Deshalb spielt sie bis heute oft barfuß. So spürt sie die Schwingungen über den Boden.
Ihr Punkt ist nicht, dass sie trotz Gehörlosigkeit Musik macht.
Ihr Punkt ist, dass Hören mehr ist als Ohren, und dass fast alle das verlernt haben.
Untertitel sind genau dieser Gedanke in klein. Sie machen einen Text über einen zweiten Weg zugänglich.
Was in diesem Beitrag steht
Wie du Untertitel für Videos setzt, ohne dass die Pointen kaputtgehen.
Also wie viel in eine Zeile darf, wann sie umbricht und wo sie steht.
Dazu kommen zwei Untersuchungen: eine darüber, wem Untertitel nützen, und eine darüber, wie schnell Menschen tatsächlich mitlesen.
Außerdem ein Timingblatt mit dem kompletten Ablauf für einen Ausschnitt.
Zum Mitmachen gibt es fünf Zeilenregeln, sieben Spuren und vier deutsche Videos.
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Jetzt Kanal folgenWarum die stumme Fassung die wichtigere ist
Auf der Bühne gibt es nur eine Fassung.
Im Netz gibt es zwei.
Und sie verhalten sich völlig unterschiedlich.
Was der Ton kann
Zunächst trägt er Tempo, Lautstärke und Pausen.
Außerdem transportiert er alles, was zwischen den Wörtern passiert.
Und genau darauf ist ein Bühnentext gebaut.
Was die Schrift kann
Zunächst ist sie unabhängig von der Umgebung und von der Tonqualität.
Außerdem lässt sie sich in beliebigem Tempo lesen und notfalls zurückspulen.
Und sie funktioniert auch dann, wenn jemand gerade nicht hören kann oder will.
Die dritte Zeile ist die unangenehmste.
Denn deine wirksamste Waffe auf der Bühne ist im Untertitel schlicht nicht vorhanden.
Eine Pause siehst du nicht, du siehst nur einen Umbruch.
Genau deshalb entscheidet die Zeilenaufteilung so viel.
Auflösung
Der Griff: schreib nicht mit, sondern setz um
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt eine Haltung, die den Unterschied macht.
Und sie klingt zunächst falsch.
Nicht dort, wo die Zeile voll ist. Nicht dort, wo das Programm automatisch trennt. Und schon gar nicht mitten in einem Bild.
Denn der Umbruch ist das einzige Mittel, das dir für Timing bleibt. Er ist deine Pause in Schriftform.
Das war es.
Also umbrechen nach Sinn, nicht nach Platz.
Warum automatische Untertitel den Umbruch nicht können
Denn sie trennen nach Länge und nach Sprechpausen, nicht nach Sinn.
Deshalb landet regelmäßig ein Artikel am Zeilenende und sein Substantiv in der nächsten Zeile.
Außerdem zerlegen sie zusammengehörige Bilder mitten im Vergleich.
Und bei einer Pointe schneiden sie fast immer eine Silbe zu früh.
Woran du den richtigen Umbruch für die Zeile erkennst
Zunächst liest du die Zeile allein und fragst dich, ob sie ein Gedanke ist.
Wenn sie mitten im Bild endet, ist der Umbruch falsch gesetzt.
Und wenn das letzte Wort der Zeile die Pointe verrät, ebenfalls.
Denn eine Pointe gehört auf die nächste Einblendung, nicht ans Ende der aktuellen.
In dieser Lage merkt sich niemand eine Tabelle mit Zeichenzahlen. Man merkt sich ein Bild.
Und das Bild lautet: Der Zeilenumbruch ist dein Atemholen.
Fünf Regeln für die Zeile
Jetzt wird es konkret.
Fünf Regeln, sortiert nach Wirkung.
Bei jeder steht, was du machst und warum es zählt.
Die zwei Regeln zum Timing
Wem Untertitel eigentlich nützen
Untertitel gelten vielen als etwas, das man für andere Leute macht.
Die Forschungslage sagt etwas anderes.
Morton Ann Gernsbacher von der University of Wisconsin-Madison veröffentlichte 2015 in Policy Insights from the Behavioral and Brain Sciences einen Überblicksaufsatz mit dem programmatischen Titel Video Captions Benefit Everyone.
Auf Deutsch etwa: Untertitel nützen allen.
Was der Aufsatz zusammenträgt
Zunächst wertet Gernsbacher über einhundert empirische Studien aus.
Das ist deshalb bemerkenswert, weil einzelne Studien in diesem Feld oft klein sind.
Der Befund über diese Studien hinweg ist bemerkenswert einheitlich.
Untertitel verbessern das Verständnis des Videos, die Aufmerksamkeit dafür und die Erinnerung daran.
Und zwar bei Kindern, Jugendlichen, Studierenden und Erwachsenen gleichermaßen.
Wem Untertitel besonders helfen
Zunächst Menschen, die gehörlos oder schwerhörig sind.
Außerdem allen, die das Video in einer Sprache sehen, die nicht ihre erste ist.
Drittens Kindern und Erwachsenen, die gerade lesen lernen.
Und schließlich, das ist der überraschende Teil, auch allen anderen.
Was das für deinen Ausschnitt bedeutet
Untertitel sind keine Rücksichtnahme, die dich etwas kostet.
Vielmehr sind sie eine Verbesserung, von der dein Text sowieso profitiert.
Denn ein Slam-Text lebt von Wortspielen, und Wortspiele überleben schlechten Ton selten.
Wer den doppelten Boden eines Wortes hören soll, liest ihn oft leichter, als er ihn hört.
Der ehrliche Haken, und er ist aktuell
Zunächst handelt es sich um einen Überblicksaufsatz und nicht um ein Experiment.
Über hundert Studien zusammenzufassen heißt auch, Studien unterschiedlicher Güte zusammenzufassen.
Wichtiger noch: Der überwiegende Teil dieser Forschung stammt aus dem Unterrichtskontext, also aus Klassenzimmern und Hörsälen.
Kurze Hochformatvideos mit Wort-für-Wort aufleuchtenden Untertiteln gab es damals schlicht nicht.
Genau diese Form wird inzwischen kritisch diskutiert, weil das ständige Aufblitzen einzelner Wörter zusätzliche Verarbeitung kosten könnte.
Belegt ist das nicht.
Aber es ist ein guter Grund, ruhige Untertitel den zappelnden vorzuziehen.
Wie schnell Menschen wirklich mitlesen
Jetzt zur Frage, an der sich die Fachwelt seit Jahrzehnten reibt.
Nämlich: Wie lange muss eine Zeile eigentlich stehen bleiben?
Agnieszka Szarkowska und Olivia Gerber-Morón veröffentlichten 2018 in PLOS ONE eine Blickaufzeichnungsstudie mit dem entschiedenen Titel Viewers can keep up with fast subtitles.
Also: Zuschauer kommen mit schnellen Untertiteln zurecht.
Der Versuchsaufbau
Wie die Studie aufgebaut war
Vierundsiebzig Personen aus England, Polen und Spanien sahen Filmausschnitte.
Die Untertitel liefen dabei in drei Geschwindigkeiten: zwölf, sechzehn und zwanzig Zeichen pro Sekunde.
In einem Durchgang war der Film auf Ungarisch, eine Sprache, die niemand konnte.
Im zweiten Durchgang war er auf Englisch, also in einer Sprache, die alle verstanden.
Gemessen wurden Blickbewegungen, Verständnis, empfundene Anstrengung und schlicht auch, ob es Spaß gemacht hat.
Was die Untersuchung zum Tempo ergab
Zunächst kamen die meisten Personen auch mit schnellen Untertiteln gut zurecht.
Sie schafften es, mitzulesen und gleichzeitig dem Bild zu folgen.
Überraschender ist allerdings das Ergebnis in die andere Richtung.
Langsame Untertitel führten zu mehr Wiederholtem-Lesen, zu mehr Frust und zu weniger Vergnügen.
Der Unterschied, der dich direkt betrifft
Bei dem englischen Film, dessen Sprache alle verstanden, wurden schnellere und vollständige Untertitel bevorzugt.
Bei dem ungarischen Film dagegen langsamere und gekürzte.
Genau das ist deine Lage: Dein Publikum versteht die Sprache deines Textes.
Deshalb spricht die Studie dafür, den Wortlaut vollständig zu zeigen und ihn nicht zu kürzen.
| Verbreitete Regel | Was die Studie nahelegt | Was du machst |
|---|---|---|
| Text kürzen, damit es zu lesen ist | Bei bekannter Sprache unnötig. | Wortlaut vollständig zeigen. |
| Lieber langsam einblenden | Langsam erzeugt Wiederholtes-Lesen. | Am Sprechtempo bleiben. |
| Jedes Wort einzeln aufblitzen | Nicht untersucht, kostet Ruhe. | Ganze Sinnabschnitte zeigen. |
| Immer zwei volle Zeilen füllen | Zwei Zeilen sind ein Maximum. | So kurz wie der Gedanke. |
| Untertitel ganz unten | Auge muss weit wandern. | Näher an die Bildmitte. |
Die zweite Zeile widerspricht dem, was die meisten annehmen.
Denn intuitiv würde man einen Untertitel eher zu lange stehen lassen als zu kurz.
Nach dieser Studie ist das genau der falsche Instinkt.
Der ehrliche Haken, und er ist mehrteilig
Zunächst ging es um Filmausschnitte im Querformat und nicht um Hochformatvideos.
Außerdem waren es vierundsiebzig Personen, also eine überschaubare Zahl.
Drittens ging es um Untertitel im klassischen Sinn, ruhig gesetzt und am unteren Bildrand.
Nicht um die karaokeartigen Fassungen von heute.
Immerhin: Ein Teil des Teams hat die Sache 2024 mit einer weiteren Blickaufzeichnungsstudie nachgeprüft, was für die Belastbarkeit spricht.
Und die alte Faustregel, gegen die sich die Studie richtet, steht ihrerseits auf dünner Grundlage.
Man ersetzt hier also keine harte Regel durch eine weiche.
Sondern eine weiche durch eine bessere.
Der Ablauf für einen Ausschnitt
Damit du nicht suchst, hier die Reihenfolge von der Rohdatei bis fertig.
Wohin die Untertitel-Zeile im Bild gehört
Insgesamt sind das sechs Schritte in etwa zehn Minuten.
Und davon sind Schritt drei und vier die einzigen, die wirklich Aufmerksamkeit kosten.
Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Schrift, Farbe und die Frage der Ruhe
Jetzt zur Gestaltung, bei der die meisten zu viel wollen.
Die Schrift für deine Untertitel
Zunächst nimmst du eine, die auch klein lesbar ist, also eine ohne feine Striche.
Außerdem eine, die du nicht ständig wechselst, damit deine Ausschnitte zusammengehören.
Und setz sie groß genug, dass du sie auf dem eigenen Handy mühelos liest.
Denn was auf dem Rechner gut aussieht, ist auf dem Telefon oft zu klein.
Der Hintergrund hinter der Zeile
Weiße Schrift auf hellem Bühnenlicht verschwindet nämlich einfach.
Deshalb braucht der Text einen Kontrast, der unabhängig vom Bild funktioniert.
Das kann eine dünne Kontur sein, ein leichter Schatten oder ein halbtransparenter Balken.
Ein Balken ist am ruhigsten und wird zu Unrecht als altmodisch verschmäht.
Die Sache mit den animierten Untertiteln
Wort für Wort aufleuchtende Untertitel sind derzeit zwar der Standard.
Sie ziehen den Blick, das stimmt, und bei schnellen Formaten funktionieren sie.
Bei einem Slam-Text sprechen allerdings zwei Dinge dagegen.
Erstens verhindern sie das Vorauslesen nicht wirklich, sondern machen das Lesen nur unruhiger.
Und zweitens nimmt die Bewegung dem Text genau die Ruhe, die ein Gedicht braucht.
Also nicht Wort für Wort und auch nicht der komplette Satz auf einmal, sondern jeweils der Gedanke, an dem du gerade bist.
Das liest sich ruhig, hält den Blick oben beim Gesicht und verrät die Pointe trotzdem nicht vorher.
Untertitel als Zugang, nicht als Zugabe
Ein Abschnitt, der leicht ins Predigen kippt.
Ich versuche es trotzdem kurz.
Worum es geht
Für gehörlose und schwerhörige Menschen sind Untertitel nämlich kein Komfort.
Sie sind die Bedingung dafür, dass dein Text überhaupt existiert.
Und in Deutschland leben nach Angaben des Deutschen Gehörlosenbundes rund achtzigtausend gehörlose Menschen sowie eine deutlich größere Zahl schwerhöriger.
Diese Zahlen solltest du bei Bedarf selbst nachschlagen.
Denn ich bin dafür nicht die richtige Quelle.
Was Untertitel praktisch leisten müssen
Zunächst untertitelst du den ganzen Ausschnitt, nicht nur die Pointen.
Denn ein Text, von dem nur die Lacher übersetzt sind, ist kein Text mehr.
Außerdem lohnt es sich, wichtige Geräusche zu vermerken, also etwa Gelächter oder einen Zwischenruf aus dem Publikum.
Bei einem Slam-Mitschnitt ist die Reaktion des Saals oft die halbe Miete.
Die Begründung war, dass die langen Videos ohnehin kaum jemand ansieht. Das stimmte sogar. Nur war es die falsche Rechnung.
Denn wer auf einen vollständigen Mitschnitt klickt, will genau diesen Text. Und wenn er ihn nicht hören kann, ist er umsonst gekommen.
Zehn Fehler bei Untertiteln
Fünf beim Setzen, fünf beim Veröffentlichen.
Fünf Fehler beim Setzen
Fehler 1: Die automatische Fassung ungeprüft übernehmen
Fehler 2: Nach Platz umbrechen statt nach Atem
Fehler 3: Die Pointe zu früh zeigen
Fehler 4: Drei oder vier Zeilen gleichzeitig
Fehler 5: Zu lange stehen lassen
Denn Untertitel für Videos scheitern selten am Werkzeug und fast immer am Umbruch.
Fünf Fehler beim Veröffentlichen
Fehler 6: Nur die Pointen untertiteln
Fehler 7: Untertitel ganz an den unteren Rand setzen
Fehler 8: Rechtschreibfehler stehen lassen
Fehler 9: Die Untertiteldatei wegwerfen
Fehler 10: Bei langen Mitschnitten darauf verzichten
Sechs Schritte für einen Abend
Insgesamt ist das in zwei Stunden erledigt.
Danach kostet dich jeder weitere Ausschnitt etwa zehn Minuten.
Drei Schritte zum Einrichten
Schritt 1 – Ein Werkzeug festlegen
Schritt 2 – Eine Vorlage bauen
Schritt 3 – Auf dem Handy gegenprüfen
Drei Schritte pro Ausschnitt
Schritt 4 – Wortlaut korrigieren
Schritt 5 – Umbrüche nach Atem setzen
Schritt 6 – Stumm ansehen
Denn Schritt sechs prüft genau die Bedingung, unter der die meisten Leute schauen.
Die Abnahme
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Die Zeile, die alles verraten hat
Ich hatte einen Ausschnitt, der auf der Bühne zuverlässig funktioniert hat.
Der Text baut zwei Minuten lang eine harmlose Situation auf und dreht sie im letzten Satz um.
Im Saal kam an dieser Stelle jedes Mal dieses kurze Auflachen, das erst nach einer halben Sekunde einsetzt.
Woran es lag: eine einzige Zeile
Es lag weder am Schnitt noch am Ton.
Der automatische Untertitel hatte den letzten Satz in zwei Einblendungen geteilt.
Und das entscheidende Wort stand am Ende der ersten.
Wer mitliest, liest voraus.
Also stand die Pointe zwei Sekunden im Bild, bevor ich sie gesprochen hatte.
Die Umdrehung war damit vorbei, bevor sie stattfand.
Was ich geändert habe
Geändert habe ich daraufhin genau einen Umbruch.
Der letzte Satz bekam eine eigene Einblendung, die erst mit dem gesprochenen Wort erscheint.
Sonst nichts, kein neuer Schnitt und keine neue Aufnahme.
„Ein einziger Zeilenumbruch hat entschieden, ob die Pointe eine Pointe war. Das hätte ich vorher nicht geglaubt.“Meine Notiz danach — und der Grund für Zeile 09
Wie ich es heute mache
Inzwischen setze ich die Untertitel vor dem letzten Feinschnitt, nicht danach.
Denn dabei fällt auf, wo ein Gedanke zu lang ist, um in eine Zeile zu passen.
Und ein Gedanke, der nicht in zwei Zeilen passt, ist im Ausschnitt meistens sowieso zu kompliziert.
Was gute Untertitel nicht können
Untertitel machen deinen Text zugänglich.
Ob er trägt, entscheiden sie nicht.
Warum die Schrift so gnadenlos ist
Denn im Untertitel steht dein Text nackt da.
Ohne Stimme, ohne Tempo, ohne den Blick, mit dem du eine Zeile rettest.
Deshalb merkst du beim Untertiteln sofort, welche Zeile nur durch deine Betonung funktioniert hat.
Kurz gesagt: Untertitel sind die ehrlichste Textkritik, die du bekommen kannst.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also das, was dafür sorgt, dass eine Zeile auch dann steht, wenn niemand sie hört.
Die Untertitel setzt du in zehn Minuten. Die Zeilen darin baust du dein Leben lang.
Umbrechen, wo du Luft holst. Pointe auf eigene Zeile. Und einmal stumm gegenlesen.
Übrigens hat mir nach dem Umbau eine Zuschauerin geschrieben, sie sei schwerhörig und habe meine Texte jahrelang nur zur Hälfte mitbekommen.
Sie habe nicht nachgefragt, weil ihr das unangenehm gewesen sei.
Für diese eine Nachricht lohnen sich alle zehn Minuten pro Ausschnitt.
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Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
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Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
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Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
