Poetry Slam über Freundschaft: zwei Schienen, die alles tragen

Poetry Slam über Freundschaft: zwei Schienen, die alles tragen

Poetry Slam über Freundschaft: zwei Schienen laufen im Abendlicht parallel bis zum Horizont
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Über die Liebe schreiben alle.

Über die Freundschaft kaum jemand.

Dabei ist sie genauso groß.

Vielleicht sogar größer.

Denn Freundschaften halten oft länger als die Liebe.

Sie tragen uns ein Leben lang.

Trotzdem gibt es wenige Texte über sie.

Das ist deine Chance.

Ein Freundschaftstext ist etwas Besonderes.

Weil ihn so selten jemand schreibt.

In diesem Beitrag zeige ich dir, wie er gelingt.

Wie du die Floskeln vermeidest.

Wie du konkret und ehrlich wirst.

Und wie du deiner Freundschaft ein Denkmal setzt.

Eines aus Worten.

Fangen wir an.

Über Freundschaft schreiben: das übersehene Thema

Warum schreiben so wenige über Freundschaft?

Ich glaube, sie ist zu selbstverständlich.

Die Liebe ist ein Drama.

Sie hat Anfang, Höhepunkt und oft ein Ende.

Die Freundschaft ist leiser.

Sie ist einfach da.

Jahr für Jahr.

Ohne großes Aufheben.

Und was einfach da ist, übersieht man leicht.

Wie die Luft zum Atmen.

Genau das macht sie zu einem starken Thema.

Denn wenn du das Selbstverständliche zeigst, staunen die Leute.

Sie merken: Stimmt, das ist ja kostbar.

Ein Freundschaftstext holt das Übersehene ins Licht.

Er sagt: Schau, was du da hast.

Diese eine Person, die immer ans Telefon geht.

Diese eine Person, die deine Geschichten schon kennt.

Und sie trotzdem noch hört.

Das ist ein Schatz.

Und Schätze soll man zeigen.

Genau das tut ein guter Freundschaftstext.

Das Gleispaar: zwei Schienen tragen alles

Schau dir ein Gleis an.

Es besteht immer aus zwei Schienen.

Nie aus einer.

Warum?

Weil eine Schiene allein den Zug nicht tragen kann.

Sie würde umkippen.

Erst zwei Schienen zusammen tragen die ganze Last.

Sie laufen parallel.

Immer im gleichen Abstand.

Mal durch Tunnel, mal über Brücken.

Aber immer nebeneinander.

Genau das ist Freundschaft.

Zwei, die parallel laufen.

Nicht ineinander wie bei der Liebe.

Sondern nebeneinander.

Mit einem gesunden Abstand.

Jeder bleibt er selbst.

Und trotzdem tragen sie zusammen.

Die Last des Lebens.

Die schweren Züge, die manchmal über einen rollen.

Ein guter Freund ist deine zweite Schiene.

Er läuft neben dir.

Er hält seinen Abstand.

Und wenn es schwer wird, trägt er mit.

Dieses Bild ist stark für deinen Text.

Weil es die Freundschaft genau trifft.

Nähe und Freiheit zugleich.

Tolkien und Lewis: eine Freundschaft, die Welten schuf

Kehren wir nach Oxford zurück.

Zwei Männer, zwei Professoren.

J.R.R. Tolkien und C.S. Lewis.

Sie werden Freunde.

Und sie teilen eine Leidenschaft.

Das Erfinden von Geschichten.

Sie treffen sich regelmäßig.

In einer kleinen Runde.

Sie nennen sich die Inklings.

Dort lesen sie sich vor, woran sie gerade schreiben.

Ungeschliffen, unfertig.

Und sie sagen sich ehrlich die Meinung.

Das ist der Kern ihrer Freundschaft.

Ehrlichkeit ohne Verletzung.

Lewis glaubt an Tolkiens großes Werk.

Immer wieder ermutigt er ihn weiterzumachen.

Tolkien zweifelt oft.

Er will aufgeben.

Aber der Freund lässt ihn nicht.

Später sagt Tolkien sinngemäß:

Ohne Lewis hätte ich mein Buch nie beendet.

Stell dir das vor.

Eines der berühmtesten Bücher der Welt.

Es gibt es, weil ein Freund an einen anderen glaubte.

Das ist die Kraft der Freundschaft.

Sie trägt nicht nur dich.

Sie trägt manchmal ganze Welten.

Genau davon kann dein Text erzählen.

Warum Freundschaft schwerer zu fassen ist als Liebe

Freundschaft zu beschreiben, ist knifflig.

Schwerer als die Liebe.

Warum?

Die Liebe hat klare Bilder.

Den Kuss, die Umarmung, das Herzklopfen.

Die Freundschaft hat die nicht.

Sie zeigt sich viel unauffälliger.

In einer Geste.

In einem Blick.

In einem Anruf zur richtigen Zeit.

Diese Zeichen sind leiser.

Man muss sie erst suchen.

Aber genau darin liegt die Chance.

Denn wer die leisen Zeichen findet, hat etwas Besonderes.

Ein Bild, das noch niemand tausendmal benutzt hat.

Die Liebe hat ihre abgegriffenen Bilder.

Die Freundschaft ist noch frisches Land.

Hier kannst du Neues entdecken.

Frag dich: Woran merke ich, dass wir Freunde sind?

Nicht: Was ist Freundschaft?

Sondern: Woran zeigt sie sich, ganz konkret?

In welcher kleinen Handlung?

Diese Handlungen sind dein Gold.

Sammle sie.

Und dein Text wird echt.

„Freundschaft“ · Sandra Da Vina

Konkret werden: eure gemeinsame Geschichte

Der Weg zu einem guten Freundschaftstext ist das Konkrete.

Nicht die Freundschaft an sich.

Sondern eure Geschichte.

Wie habt ihr euch kennengelernt?

Was war euer erstes gemeinsames Abenteuer?

Welchen Blödsinn habt ihr zusammen gemacht?

Solche Szenen tragen einen Text.

Erzähl von der einen langen Nacht.

Von der Reise, die schiefging und trotzdem schön war.

Von dem Tag, an dem ihr euch fast zerstritten hättet.

Diese Momente sind einzigartig.

Sie gehören nur euch.

Und genau das macht sie stark.

Denn während du von eurem Blödsinn erzählst, denkt jeder an seinen eigenen.

An seinen eigenen besten Freund.

So wird aus eurer Geschichte die Geschichte aller.

Vermeide die allgemeinen Sätze.

Nicht: „Ein Freund ist immer für dich da.“

Sondern: „Du bist um zwei Uhr nachts im Schlafanzug losgefahren, als mein Auto liegenblieb.“

Spürst du den Unterschied?

Das erste ist eine Floskel.

Das zweite ist eine Freundschaft.

Sammle solche Szenen aus eurer gemeinsamen Zeit.

Sie sind der Stoff deines Textes.

Die kleinen Rituale der Freundschaft

Freundschaft lebt von Ritualen.

Von den kleinen Dingen, die ihr immer tut.

Der Kaffee jeden Donnerstag.

Die Sprachnachricht, die zehn Minuten lang ist.

Der Spitzname, den nur ihr versteht.

Der Witz, den ihr seit Jahren wiederholt.

Diese Rituale sind wunderbares Textmaterial.

Weil sie so konkret sind.

Und so warm.

Sie zeigen die Freundschaft, ohne sie zu benennen.

Erzähl von eurem Ritual.

Von der Bank, auf der ihr immer sitzt.

Von dem Lied, das ihr immer singt.

Von der einen Frage, mit der ihr jedes Telefonat beginnt.

Solche Details rühren an.

Denn jeder hat seine eigenen kleinen Rituale.

Und erkennt sie in deinen wieder.

Ein Ritual ist wie ein Fahrplan der Freundschaft.

Es gibt ihr einen Takt.

Und die Sicherheit, dass der andere kommt.

Pünktlich, wie der Zug am Donnerstag.

Zeig dieses Ritual in deinem Text.

Es ist ein Beweis der Freundschaft.

Leiser und stärker als jedes große Wort.

Poetry Slam über Freundschaft: zwei Freunde sitzen entspannt nebeneinander auf einer alten Bahnhofsbank
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Der Freund, der einfach da ist

Es gibt eine Art Freund, über die man selten schreibt.

Den, der einfach da ist.

Nicht der laute, lustige.

Sondern der stille, verlässliche.

Der nichts Großes sagt.

Aber immer kommt, wenn du ihn brauchst.

Der neben dir sitzt, wenn es dir schlecht geht.

Und einfach schweigt.

Diese stille Loyalität ist unbezahlbar.

Und sie ist ein wunderbares Thema.

Denn sie wird so oft übersehen.

Schreib über den Freund, der keine Worte macht.

Der einfach den Kaffee bringt.

Der einfach bleibt.

Zeig, wie viel in diesem Schweigen liegt.

Manchmal ist Dasein mehr als jedes Gespräch.

Ein guter Freund muss nicht immer helfen können.

Er muss nur da sein.

Das reicht oft schon.

Diese Art von Treue rührt das Publikum tief.

Weil jeder sich so einen Menschen wünscht.

Oder dankbar an einen denkt, den er hat.

Setz ihm ein Denkmal.

Dem stillen Freund.

Er hat es verdient.

Über einen bestimmten Freund, nicht über Freundschaft

Das ist die wichtigste Regel.

Schreib nicht über die Freundschaft.

Schreib über einen Freund.

Über einen ganz bestimmten Menschen.

Die Freundschaft im Allgemeinen ist ein Begriff.

Dein Freund ist ein Mensch.

Mit einer Stimme, einem Lachen, einer Macke.

Über den Menschen kannst du erzählen.

Über den Begriff nur reden.

Also nimm dir einen Freund vor.

Sieh ihn vor dir.

Wie sitzt er da?

Wie lacht er?

Was sagt er immer?

Welche Angewohnheit hat er, die dich nervt und die du liebst?

Diese Details machen deinen Text lebendig.

Sie zeigen einen echten Menschen.

Und im echten Menschen erkennt das Publikum das Allgemeine.

Es denkt an seinen eigenen Freund.

So funktioniert Erzählen.

Vom Einen zum Allen.

Nie umgekehrt.

Ein Gesicht trägt mehr als jede Definition.

Zeig also ein Gesicht.

Das deines Freundes.

Wenn Freundschaften zerbrechen

Nicht jede Freundschaft hält.

Manche zerbrechen.

Und das tut oft mehr weh als eine Trennung in der Liebe.

Weil man es nicht erwartet.

Weil es dafür keine Worte gibt.

Für die verlorene Liebe gibt es tausend Lieder.

Für den verlorenen Freund fast keine.

Genau deshalb ist es ein starkes Thema.

Der Freund, mit dem man sich zerstritt.

Der Freund, der einfach ging.

Der Freund, mit dem man sich auseinanderlebte.

Ganz langsam, ohne Streit.

Auch das ist Freundschaft.

Ihre traurige Seite.

Darüber zu schreiben, ist mutig.

Und es berührt viele.

Denn fast jeder hat einen Freund verloren.

Manchmal driften zwei Schienen eben doch auseinander.

Der Abstand wird größer.

Bis das Gleis endet.

Zeig diesen Schmerz ehrlich.

Aber bleib fair.

Auch ein verlorener Freund war einmal wichtig.

Und diese gemeinsame Zeit bleibt wertvoll.

Auch wenn die Wege sich trennten.

Die Freundschaft, die die Entfernung überlebt

Manche Freundschaften trennt das Leben räumlich.

Einer zieht weg.

In eine andere Stadt, ein anderes Land.

Und trotzdem hält die Freundschaft.

Das ist ein schönes Thema.

Denn es zeigt: Echte Freundschaft braucht keine Nähe.

Sie braucht nur Verlässlichkeit.

Zwei Schienen können sich auch über weite Strecken treu bleiben.

Ihr telefoniert seltener.

Ihr seht euch nur noch zweimal im Jahr.

Aber wenn ihr euch trefft, ist es wie immer.

Kein Anlauf nötig.

Ihr macht einfach weiter, wo ihr aufgehört habt.

Das ist ein Wunder.

Und ein starkes Bild für einen Text.

Die Freundschaft als Bahnhof, zu dem man immer zurückkommt.

Egal, wie weit man gefahren ist.

Erzähl davon.

Von dem Anruf nach Monaten, der sich anfühlt wie gestern.

Von der Umarmung am Bahnsteig nach langer Zeit.

Diese Momente rühren.

Weil sie von Treue erzählen.

Von einer Treue, die keine Entfernung kennt.

Es gibt viele Arten von Freundschaft

Freundschaft hat viele Gesichter.

Da ist der Freund aus Kindertagen.

Der dich kennt, seit ihr klein wart.

Der deine ganze Geschichte kennt.

Da ist der neue Freund.

Frisch, aufregend, voller Entdeckung.

Da ist der Freund aus der Arbeit.

Mit dem du den Alltag teilst.

Da ist der Freund für ein bestimmtes Thema.

Mit dem du über Dinge redest, die sonst keiner versteht.

Jede dieser Freundschaften ist anders.

Und jede ist einen eigenen Text wert.

Überleg dir vor dem Schreiben, welche du meinst.

Denn ein Text über den Kindheitsfreund klingt anders.

Als einer über den neuen Menschen in deinem Leben.

Beim Kindheitsfreund geht es um gemeinsame Geschichte.

Beim neuen Freund um das Staunen.

Such dir eine Art aus.

Und bleib bei ihr.

Ein klarer Fokus macht den Text stark.

Wer über alle Freundschaften auf einmal schreibt, schreibt über keine.

Wähle eine.

Und erzähl sie ganz.

„Ein wahrer Freund?“ · reimwärts

Humor gehört zur Freundschaft

Freundschaft ist oft laut vor Lachen.

Das gehört in den Text.

Denn mit kaum jemandem lacht man so wie mit Freunden.

Über die alten Insider.

Über den Blödsinn von früher.

Über die Peinlichkeiten, die nur ihr kennt.

Dieser Humor macht einen Freundschaftstext lebendig.

Er zeigt die Leichtigkeit.

Und die Vertrautheit.

Nur unter echten Freunden darf man so albern sein.

Erzähl von eurem dümmsten gemeinsamen Moment.

Von dem Spruch, der euch immer noch zum Weinen bringt.

Vor Lachen.

Solche Stellen lockern den Text.

Und machen die ernsten Momente danach stärker.

Denn ein Text, der erst lacht, darf danach auch berühren.

Der Wechsel ist die Kunst.

Erst das gemeinsame Lachen.

Dann der leise Satz über das, was euch verbindet.

Das trifft doppelt.

Also hab keine Angst vor dem Witz.

Freundschaft ohne Humor gibt es nicht.

Und ein Freundschaftstext ohne Humor wäre nur eine halbe Wahrheit.

Der Streit, der die Freundschaft stärkte

Echte Freundschaft hält auch Streit aus.

Sogar große.

Und manchmal macht ein überstandener Streit die Freundschaft stärker.

Das ist ein tiefes Thema.

Denn es zeigt: Freundschaft ist nicht nur schön.

Sie ist auch Arbeit.

Erzähl von einem Streit, den ihr überstanden habt.

Wie es fast zerbrach.

Und wie ihr wieder zueinander fandet.

Das ist spannender als jede reine Lobrede.

Denn es hat einen Konflikt.

Und eine Lösung.

Zwei Schienen können sich verziehen.

Aber man kann sie wieder richten.

Und danach tragen sie oft fester als zuvor.

Zeig diesen Weg in deinem Text.

Vom Bruch zur Versöhnung.

Das gibt dem Text einen Bogen.

Und eine wichtige Botschaft.

Dass echte Freundschaft nicht am ersten Streit zerbricht.

Sondern daran wächst.

Das ist eine Wahrheit, die tröstet.

Und die viele hören müssen.

Dankbarkeit ohne Kitsch

Ein Freundschaftstext ist oft ein Dankeschön.

Und Dankbarkeit ist schön.

Aber sie kann schnell kitschig werden.

„Danke, dass es dich gibt.“

Das steht auf jeder zweiten Karte.

Es ist wahr, aber es ist leer.

Wie zeigst du Dankbarkeit ohne Kitsch?

Wieder mit dem Konkreten.

Bedanke dich nicht für „alles“.

Bedanke dich für einen bestimmten Moment.

„Danke, dass du damals nicht aufgelegt hast.“

„Danke, dass du kamst, ohne zu fragen, warum.“

Solche konkreten Dankbarkeiten rühren.

Weil sie echt sind.

Weil sie eine Geschichte dahinter haben.

Das große „Danke für alles“ berührt niemanden.

Das kleine „Danke für diesen einen Abend“ trifft mitten ins Herz.

Also such die konkreten Momente, für die du dankbar bist.

Und benenne sie genau.

Das ist die ehrlichste Form von Dank.

Und die schönste.

Sie zeigt: Ich erinnere mich.

An genau das, was du getan hast.

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Übung: der Anruf um drei Uhr nachts

Jetzt eine Übung, die fast immer trifft.

Stell dir eine Frage.

Wen würdest du um drei Uhr nachts anrufen?

Wenn etwas Schlimmes passiert.

Wenn du nicht weiterweißt.

Die Person, die dir da einfällt, ist dein Thema.

Denn das ist wahre Freundschaft.

Der Mensch, der ans Telefon geht.

Auch mitten in der Nacht.

Auch ohne Vorwurf.

Schreib über diesen Menschen.

Stell dir den Anruf vor.

Was sagst du?

Was sagt er?

Wie klingt seine verschlafene Stimme?

Wie fühlt es sich an, dass er einfach da ist?

Diese eine Szene enthält die ganze Freundschaft.

Die Verlässlichkeit.

Die Nähe.

Das Vertrauen.

Aus dieser einen Szene kannst du einen ganzen Text bauen.

Fang beim Klingeln an.

Und hör beim Aufatmen auf.

Diese Übung funktioniert, weil sie konkret ist.

Und weil sie den Kern trifft.

Probier sie aus.

Wen rufst du an?

Schreib über ihn.

Häufige Fehler beim Freundschaftstext

Sammeln wir die Stolperfallen.

Fehler eins: die Floskel.

„Beste Freundin für immer.“

Ersetze sie durch eine konkrete Szene.

Fehler zwei: über die Freundschaft an sich reden.

Schreib über einen bestimmten Freund.

Fehler drei: nur loben.

Auch die Macken und der Streit gehören dazu.

Fehler vier: zu viele Insider.

Erklär genug, damit das Publikum mitkommt.

Fehler fünf: der Kitsch.

Danke lieber konkret als pauschal.

Fehler sechs: kein Bogen.

Auch ein Freundschaftstext braucht eine Bewegung.

Fehler sieben: die Person peinlich bloßstellen.

Ein echter Freund kommt in deinem Text gut weg.

Fehler acht: nur Nostalgie.

Verbinde das Früher mit dem Heute.

Wer diese Fehler umgeht, schreibt einen Text, der trägt.

Einen, der die Freundschaft ehrt.

Und der das Publikum an seine eigenen Freunde denken lässt.

Das ist das schönste Ziel.

Der Ton: warm, aber nicht süßlich

Der richtige Ton ist beim Freundschaftstext heikel.

Er soll warm sein.

Aber nicht süßlich.

Herzlich, aber nicht klebrig.

Wie findest du diesen Ton?

Sprich so, wie du mit deinem Freund sprichst.

Nicht feierlich.

Nicht wie in einer Rede.

Sondern echt, wie im Alltag.

Mit den Worten, die ihr wirklich benutzt.

Freunde reden oft rau miteinander.

Sie necken sich.

Sie sagen sich die Wahrheit.

Genau dieser raue, liebevolle Ton passt in den Text.

Er ist echter als jede feierliche Lobrede.

Ein guter Trick: Sag das Große im Kleinen.

Nicht: „Du bedeutest mir unendlich viel.“

Sondern: „Du bist der Einzige, der weiß, wie ich meinen Kaffee trinke.“

Das ist warm.

Und es ist nicht süßlich.

Es zeigt Nähe durch ein winziges Detail.

So bleibt dein Text herzlich und echt zugleich.

Genau so, wie eure Freundschaft ist.

Freundschaft als Wahlfamilie

Es gibt einen schönen Gedanken über Freundschaft.

Freunde sind die Familie, die man sich aussucht.

Die Familie bekommt man geschenkt.

Ob man will oder nicht.

Die Freunde wählt man selbst.

Das macht sie zu etwas Besonderem.

Denn sie sind bei dir, weil sie es wollen.

Nicht, weil sie müssen.

Für manche Menschen sind Freunde sogar die eigentliche Familie.

Wenn die echte fern ist oder schwierig.

Dann werden Freunde zu Geschwistern.

Zu Eltern.

Zu einem Zuhause.

Das ist ein tiefes Thema.

Und ein wichtiges.

Erzähl von deiner Wahlfamilie.

Von den Menschen, die für dich einspringen.

Von den Feiertagen, die ihr zusammen verbringt.

Von dem Gefühl, irgendwo dazuzugehören.

Solche Texte rühren viele.

Weil das Thema so ehrlich ist.

Und weil viele genau das erleben.

Eine Familie, die man sich selbst gebaut hat.

Aus Freunden.

Das ist ein Denkmal wert.

Freundschaft in Zeiten der Chats

Freundschaft heute läuft oft übers Handy.

Über Chats und Sprachnachrichten.

Das gibt neue Bilder.

Nutze sie.

Die Gruppe, in der seit Jahren geschrieben wird.

Die Sprachnachricht, die viel zu lang ist.

Das Meme, das nur ihr versteht.

Der Chat, der um vier Uhr morgens noch leuchtet.

Das sind moderne Zeichen der Freundschaft.

Und sie sind frisch.

Noch nicht totgeschrieben wie das alte Bild vom Lagerfeuer.

Aber auch hier gilt: bleib konkret.

Nicht „die sozialen Medien halten uns zusammen“.

Sondern die eine Sprachnachricht, die dich zum Weinen brachte.

Vor Lachen oder vor Rührung.

Verbinde auch hier das Alte mit dem Neuen.

Früher schrieb man Briefe.

Heute Sprachnachrichten.

Aber der Kern ist derselbe.

Jemand denkt an dich.

Und will es dir sagen.

Das ist Freundschaft, damals wie heute.

Nur der Bahnsteig hat sich geändert.

Was ein Freundschaftstext beim Publikum auslöst

Ein Freundschaftstext hat eine besondere Wirkung.

Er macht die Menschen im Saal weich.

Denn während du von deinem Freund erzählst, denken alle an ihre eigenen.

Der Text wird zum Spiegel.

Plötzlich sitzt da ein ganzer Saal.

Und jeder denkt an einen bestimmten Menschen.

An den, der ans Telefon geht.

An den, den er zu selten anruft.

Vielleicht nimmt sich mancher vor, es gleich zu tun.

Genau das ist die stille Kraft dieses Themas.

Ein Liebestext lässt uns an die Liebe denken.

Ein Freundschaftstext lässt uns handeln.

Er erinnert uns an die Menschen, die wir vernachlässigen.

Weil sie eben immer da sind.

Und selbstverständlich scheinen.

Wenn dein Text nur einen Menschen dazu bringt, einen alten Freund anzurufen, hat er alles erreicht.

Mehr kann ein Text kaum tun.

Er verändert etwas im echten Leben.

Das ist selten.

Und wunderbar.

Darum lohnt sich das übersehene Thema so sehr.

Alte Freunde: die kennen dich noch von früher

Es gibt eine besondere Sorte Freund.

Den, der dich schon ewig kennt.

Aus der Schule.

Aus der Kindheit.

Dieser Freund hat einen Schatz.

Er kennt deine ganze Geschichte.

Er weiß, wer du warst, bevor du wurdest, wer du bist.

Er hat deine peinlichste Phase gesehen.

Und ist geblieben.

Mit so einem Freund muss man nichts erklären.

Er kennt den Zusammenhang.

Er weiß, warum du bei diesem Lied weich wirst.

Und warum du diesen einen Ort meidest.

Das ist unbezahlbar.

Darüber lohnt sich ein Text.

Über den Menschen, der dein ganzes Leben kennt.

Erzähl, wie ihr euch verändert habt.

Und was gleich geblieben ist.

Zeig, wie es ist, wenn zwei zusammen älter werden.

Nebeneinander, wie zwei Schienen, die schon lange dasselbe Land durchqueren.

Solche Texte haben Tiefe.

Weil in ihnen viel Zeit steckt.

Und Zeit rührt an.

Neue Freunde als Erwachsener finden

Als Kind findet man Freunde leicht.

Man teilt einen Sandkasten, schon ist man verbunden.

Als Erwachsener ist das schwerer.

Viel schwerer.

Man ist vorsichtiger geworden.

Der Alltag ist voll.

Und trotzdem passiert es.

Manchmal findet man auch spät noch einen echten Freund.

Das ist ein schönes, seltenes Thema.

Denn es macht Mut.

Es sagt: Es ist nie zu spät für eine neue Schiene.

Erzähl, wie ihr euch kennengelernt habt.

Spät, unerwartet, mitten im Leben.

Und wie schnell aus Fremden Vertraute wurden.

Zeig das Staunen darüber.

Dass so etwas noch möglich ist.

Das berührt vor allem ältere Zuhörer.

Die vielleicht glauben, ihr Freundeskreis sei geschlossen.

Dein Text kann ihnen Hoffnung geben.

Dass sich noch eine Tür öffnen kann.

Auch spät.

Auch heute.

Ein Freund ist auch ein Spiegel

Freunde zeigen uns, wer wir sind.

Das ist ein tiefer Gedanke.

Ein guter Freund hält dir manchmal einen Spiegel vor.

Er sagt dir die Wahrheit.

Auch die, die du nicht hören willst.

Er sagt: Du bist gerade ungerecht.

Oder: Du machst dich zu klein.

Das kann nur ein echter Freund.

Ein falscher schmeichelt nur.

Ein echter riskiert den Streit, weil er dich mag.

Darüber zu schreiben, ist stark.

Über den Freund, der dir die Wahrheit sagt.

Und dich damit besser macht.

Zeig eine Szene, in der dein Freund ehrlich war.

Auch wenn es wehtat.

Und wie du ihm später dankbar warst.

Diese ehrliche Freundschaft ist die wertvollste.

Sie hält den Spiegel und die Hand zugleich.

Sie sagt die Wahrheit und bleibt trotzdem.

Das ist das Gegenteil von Schmeichelei.

Und es ist ein wunderbares Thema für einen ehrlichen Text.

Sag es, solange die Schiene neben dir läuft

Ein letzter Gedanke.

Wir schieben es oft auf.

Dem Freund zu sagen, was er uns bedeutet.

Es hat ja Zeit, denken wir.

Er ist ja da.

Er läuft ja neben uns.

Aber keine Fahrt dauert ewig.

Auch Gleise enden irgendwann.

Menschen ziehen weg.

Menschen zerstreiten sich.

Menschen gehen für immer.

Darum sag es jetzt.

Solange die zweite Schiene neben dir läuft.

Ein Text ist ein guter Anfang.

Er findet die Worte, die im Alltag fehlen.

Schreib deinen Freundschaftstext.

Und dann warte nicht zu lang.

Lies ihn vor.

Schick ihn ab.

Ruf einfach an.

Deine zweite Schiene wird es spüren.

Und die Fahrt wird leichter für euch beide.

Der erste und der letzte Satz

Wie bei jedem Text tragen zwei Sätze besonders viel.

Der erste und der letzte.

Beginn nicht mit einer Erklärung.

Nicht mit „Ich möchte über meinen Freund reden“.

Fang mitten in einer Szene an.

„Es ist drei Uhr nachts, und du gehst beim zweiten Klingeln ran.“

Schon ist das Publikum da.

Der letzte Satz soll bleiben.

Er ist dein Geschenk zum Schluss.

Spar dir dafür dein wärmstes, konkretes Bild auf.

Nicht die größte Behauptung.

Das genaueste Bild.

Vielleicht die zwei Kaffeetassen.

Vielleicht die Bank, auf der ihr immer sitzt.

Und dann sei still.

Lass den Satz wirken.

Zwischen diesen zwei Sätzen läuft dein Text.

Wie ein Zug zwischen zwei Bahnhöfen.

Wenn Anfang und Ende sitzen, hält die ganze Fahrt.

Ein Freundschaftstext ist ein Geschenk

Vergiss eines nicht.

Ein Freundschaftstext ist ein Geschenk.

Für das Publikum.

Und für deinen Freund.

Stell dir vor, du liest ihn deinem Freund vor.

Oder schickst ihn ihm.

Was für ein Geschenk.

Jemandem zu sagen, was er dir bedeutet.

Das tun wir viel zu selten.

Wir denken es.

Aber wir sagen es nicht.

Ein Text kann diese Worte finden.

Er sagt, was im Alltag untergeht.

Also schreib nicht nur für die Bühne.

Schreib auch für den Menschen selbst.

Vielleicht wird es das schönste Geschenk, das du je gemacht hast.

Kein Gegenstand.

Sondern Worte, die bleiben.

Denn die kann man nicht verlieren.

Man kann sie immer wieder lesen.

Und sich erinnern, was man aneinander hat.

Kassel, das Gleispaar und dein Text

Stell dir zum Schluss den Bahnhof von Kassel vor.

Ein Knotenpunkt mitten in Deutschland.

Von hier laufen die Gleise in alle Richtungen.

Und jedes Gleis besteht aus zwei Schienen.

Immer zwei.

Sie laufen nebeneinander.

Halten den Abstand.

Und tragen zusammen den Zug.

Über die weiteste Strecke.

Durch das schwerste Wetter.

Genau das ist ein Freund.

Deine zweite Schiene.

Er drängt sich nicht auf.

Er läuft einfach neben dir.

Und wenn es schwer wird, trägt er mit.

Denk an Tolkien und Lewis.

Ihre Freundschaft trug zwei ganze Welten.

Weil einer an den anderen glaubte.

Auch deine Freundschaft trägt etwas.

Dich, jeden Tag.

Also schreib darüber.

Nimm einen bestimmten Freund.

Nimm eine konkrete Szene, einen Anruf, ein Ritual.

Und mach einen Text daraus.

Ehrlich, warm, ohne Kitsch.

Setz deiner zweiten Schiene ein Denkmal.

Und ruf ihn danach vielleicht einfach mal an.

Gute Fahrt.

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Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch, das du lesen solltest
— Stephan Pinkwart —

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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