Mimik einsetzen: Dein Gesicht erzählt mit

Kinoprogramm · Mimik einsetzen

Mimik einsetzen: Dein Gesicht erzählt mit

Mimik einsetzen: Nahaufnahme eines Waschbärgesichts auf dem nächtlichen Bahnsteig
Nahaufnahme eines Waschbärgesichts auf dem nächtlichen Bahnsteig · bahn-slam.de

Sonntag, 11 Uhr, das kleine Kino im alten Bahnhofsgebäude.

Johanna, 34, will endlich verstehen, wie man auf der Bühne Mimik einsetzen soll.

Rudi, der hier seit Jahrzehnten die Filme vorführt, wirft das Handyvideo ihres letzten Auftritts auf die Leinwand.

Vier Minuten über ihren Großvater, der sie am Ende nicht mehr erkannt hat.

Kein einziger Witz.

Der Saal hat damals höflich genickt, so wie man auf einer Beerdigung nickt.

Rudi dreht den Ton ab.

Und da sieht Johanna es, drei Meter groß.

Sie lächelt.

Die ganzen vier Minuten.

Nicht breit, nur klein und entschuldigend, mit hochgezogenen Augenbrauen.

„Der Saal hat nicht deinen Text gehört“, sagt Rudi.

„Er hat dein Gesicht geglaubt.“

Johanna und Rudi gibt es so nicht. Aber das Lächeln, das man erst ohne Ton entdeckt, kennt fast jeder, der sich einmal selbst gefilmt hat.

Kennst du das?

Du hast einen guten Text und trägst ihn sauber vor.

Kein Verhaspler, keine Panne.

Und trotzdem passiert im Saal genau nichts.

Dann liegt es vermutlich nicht an deinem Text.

Sondern an deinem Gesicht.

Und das Fiese: Du merkst es nicht, denn unter Adrenalin ist dein Gesicht ein miserabler Berichterstatter.

Folge dem Bahn-Slam
auf WhatsApp

  • Neue Slam-Texte zuerst
  • Gedanken vom Gleis
  • Keine E-Mail, kein Spam

Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.

Jetzt Kanal folgen
QR-Code zum Bahn-Slam WhatsApp-Kanal 📷 Scannen & folgen
🦝 Komm mit meinem Waschbär an Bord – schon jetzt an Gleis 1 der Bahn-Slam-Community.
Kanal ansehen →

Warum das Gesicht immer gewinnt

BAHNHOFSKINO · SONDERVORSTELLUNG
Dein Gesicht
Hauptrolle: du. Drehbuch: dein Text. Kritik: der Saal.
Hinweis: Das Publikum glaubt, was es sieht.
REIHE
12
PLATZ
7

Wenn Text und Gesicht sich widersprechen, gewinnt das Gesicht.

Immer.

Dein Publikum entscheidet in Sekundenbruchteilen, ob es dir glaubt.

Und diese Entscheidung trifft es nicht mit den Ohren.

Also merke: Mimik einsetzen heißt nicht, Grimassen zu üben.

Es heißt zuerst, die Signale abzustellen, die deinen Text sabotieren.

Weglassen kommt vor Hinzufügen.

Was dann übrig bleibt, reicht fast immer.

Der Vorfilm: das Kuleschow-Experiment

DASSELBE GESICHT
+
ein Teller Suppe
PUBLIKUM SAH
Hunger
DASSELBE GESICHT
+
ein Sarg
PUBLIKUM SAH
Trauer
DASSELBE GESICHT
+
eine Frau auf dem Diwan
PUBLIKUM SAH
Begehren
Vorfilm · Moskau, um 1920 · Lew Kuleschow · Originalmaterial nicht erhalten, überliefert unter anderem durch Wsewolod Pudowkin; die Bilder variieren je nach Quelle.

Rudi zeigt vor jedem Hauptfilm gern einen Vorfilm.

Heute ist es eine der berühmtesten Anekdoten der Filmgeschichte.

Moskau, um 1920, eine Filmschule.

Der junge Filmemacher Lew Kuleschow nimmt eine einzige Nahaufnahme des Schauspielers Iwan Mosschuchin, ein völlig neutrales Gesicht.

Er schneidet sie mit drei verschiedenen Bildern zusammen.

So ist es überliefert: Das Publikum ist von der Schauspielkunst begeistert.

Es sieht Hunger, Trauer und Begehren.

Dabei war es jedes Mal exakt dieselbe Aufnahme.

Das Publikum hat die Gefühle nicht im Gesicht gefunden.

Es hat sie hineingelegt.

Eine ehrliche Einschränkung gehört dazu: Das Originalmaterial ist nicht erhalten, und die Beschreibungen unterscheiden sich im Detail.

Trotzdem gilt der Kuleschow-Effekt bis heute als Grundprinzip der Filmsprache.

Und er ist die beste Nachricht, die du für die Bühne bekommen kannst.

Dort bist du nämlich beides: das Gesicht und der Schnitt.

Dein Text ist der Kontext, dein Gesicht die Nahaufnahme.

Passen beide zusammen, brauchst du erstaunlich wenig Mimik.

Ein ruhiges Gesicht über einem traurigen Satz wirkt ganz von allein traurig.

Widersprechen sie sich, sucht der Saal nach einer Erklärung.

Und die einzige, die er findet, lautet: Die da oben meint es nicht ernst.

Mimik einsetzen: was die Forschung weiß und was sie streitet

Kritikerspiegel · zwei Lesarten des Gesichts

THESE
Paul Ekman
Eine Handvoll Grundgefühle, etwa Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel und Überraschung, sei weltweit an denselben Gesichtsbewegungen erkennbar. Sein Kodiersystem FACS katalogisiert jede Muskelbewegung.
GEGENTHESE
Lisa Feldman Barrett
Gefühle seien keine fest verdrahteten Programme, sondern Konstruktionen. In einer Studie ihres Umfelds bei den Himba in Namibia ergab freies Sortieren von Gesichtern keine sechs sauberen Stapel.
Zwischenstand: Es gibt eine weit verbreitete Grundlage, aber die Deutung hängt stark vom Kontext ab. Und den Kontext lieferst du.

Jetzt wird es kurz wissenschaftlich, und ehrlicher, als du es sonst zu diesem Thema liest.

Der Streit zwischen beiden Lagern läuft bis heute.

Für dich folgt daraus etwas sehr Nützliches.

Verlass dich nicht darauf, dass ein Gesichtsausdruck von selbst richtig ankommt.

Der Kontext, den du lieferst, ist dein stärkster Hebel.

Und weil dein Text diesen Kontext schon setzt, musst du mit dem Gesicht fast nichts mehr tun.

Du musst nur aufhören, ihm zu widersprechen.

Die neun Zonen in Großaufnahme

Großaufnahme-Reihe · neun Zonen

ZONE 1
Augenbrauen
Hoch: Frage, Bitte um Zustimmung. Zusammen: Ernst, Schmerz. Zweimal pro Text bewusst, sonst in Ruhe.
ZONE 2
Augen
Sie machen Richtung, nicht Ausdruck. Wohin du schaust, schaut der Saal mit. Nicht ins Licht starren.
ZONE 3
Lider
Einmal langsam schließen, einmal pro Text: Das fühle ich gerade wirklich.
ZONE 4
Mund
Die Mundwinkel in den Pausen verraten dich. Freu dich nach dem Text, nicht währenddessen.
ZONE 5
Kiefer
Zeigt deine Anspannung. Vorher lösen: Zähne auseinander, einmal gähnen.
ZONE 6
Nasenflügel
Weiten sich unter Anspannung. Die Ursache beheben: tiefer atmen.
ZONE 7
Kopfhaltung
Kinn leicht gesenkt: bestimmt. Gehoben: offen oder überheblich. Neutral: parallel zum Boden.
ZONE 8
Timing
Der Ausdruck kommt einen Wimpernschlag vor dem Wort, nicht gleichzeitig.
ZONE 9
Rückkehr zur Ruhe
Halt den Ausdruck so lang wie seinen Satz. Dann lass ihn fallen.

Dein Gesicht ist kein einzelner Regler.

Es sind neun.

Und viele bedienen genau einen davon, meistens den falschen.

Die Brauen sind der meistmissbrauchte.

Wer sie aus Nervosität den ganzen Text lang hochzieht, sieht aus, als würde er seinen Text zur Abstimmung stellen.

Die achte Zone ist keine Körperstelle und entscheidet trotzdem über alles.

Wer den Ausdruck gleichzeitig mit dem Wort bringt, liefert eine Untertitelspur zum eigenen Text.

Kommt er einen Wimpernschlag vorher, sieht der Saal, wie dir etwas einfällt.

Im echten Leben kommt das Gefühl ja auch vor der Sprache.

Mel. L · „Schauspielern lernen & Schauspieler werden – Emotion & Mimik im Gesichtsausdruck“ · YouTube

Achte beim Zuschauen darauf, welche der neun Zonen gerade die Arbeit macht.

Notier dir eine, die du selbst fast nie benutzt.

Das Nervositätslächeln: dein teuerster Ausdruck

Hinweis aus dem Vorführraum

Das Nervositätslächeln ist kein Freudenausdruck. Es ist ein Beschwichtigungssignal.

Botschaft an den Saal: „Bitte seid nicht böse, dass ich hier stehe.“

1 · Zwei Sekunden bewusst lächeln, als Begrüßung
2 · Ausatmen
3 · Gesicht fallen lassen, dann der erste Satz

Das ist der Fehler, der Johanna ihren Auftritt gekostet hat.

Das Nervositätslächeln hat mit Fröhlichkeit nichts zu tun.

Es ist ein alter sozialer Reflex, der Spannung entschärfen soll.

Wer entschuldigend lächelt, während er etwas Ernstes sagt, nimmt seinem Text die Erlaubnis, wichtig zu sein.

Woran du es bei dir erkennst?

Gar nicht.

Von innen fühlt es sich völlig neutral an.

Dagegen ankämpfen funktioniert auch nicht.

Was funktioniert: ihm einen Platz geben.

Das bewusste Fallenlassen dauert eine Sekunde und verändert deinen ganzen Auftritt.

Zehn Kurzfilme: dasselbe Wort, zwei Gesichter

Programm · zehn Kurzfilme, je zwei Fassungen

KURZFILM 01 · Der Trauersatz
„Er hat mich am Ende nicht mehr erkannt.“
FASSUNG A · VERRISSEN Entschuldigendes Lächeln, Brauen hoch. Wirkt: halb so schlimm.
FASSUNG B · KRITIKERLIEBLING Gesicht ruhig, Blick geradeaus. Wirkt: Das ist wahr.
KURZFILM 02 · Die Pointe
„Und dann hat er tatsächlich zurückgewinkt.“
FASSUNG A · VERRISSEN Grinsen schon zwei Sätze vorher. Pointe angekündigt, Pointe entwertet.
FASSUNG B · KRITIKERLIEBLING Ernst bis zum letzten Wort, danach ein winziges Zucken.
KURZFILM 03 · Der Wutausbruch
„Ihr habt es die ganze Zeit gewusst.“
FASSUNG A · VERRISSEN Aufgerissene Augen, verzerrter Mund, alles auf einmal.
FASSUNG B · KRITIKERLIEBLING Brauen zusammen, fester Kiefer, sonst nichts.
KURZFILM 04 · Die Erinnerung
„In der Küche roch es nach nassem Hund und Bohnerwachs.“
FASSUNG A · VERRISSEN Blick ins Publikum wie beim Nachrichtenlesen.
FASSUNG B · KRITIKERLIEBLING Blick kurz weg, als würdest du dich wirklich erinnern. Der Saal sieht die Küche mit.
KURZFILM 05 · Das Geheimnis
„Ich habe das nie jemandem erzählt.“
FASSUNG A · VERRISSEN Dasselbe Gesicht wie vorher.
FASSUNG B · KRITIKERLIEBLING Blick auf einen einzelnen Menschen, Kinn leicht runter.
KURZFILM 06 · Der letzte Satz
„Den Anruf habe ich nie zurückgemacht.“
FASSUNG A · VERRISSEN Sofort erwartungsvoll ins Publikum, ob Applaus kommt.
FASSUNG B · KRITIKERLIEBLING Gesicht zwei Sekunden stehen lassen, dann lösen.
KURZFILM 07 · Die Selbstironie
„Ich war damals, sagen wir, nicht besonders klug.“
FASSUNG A · VERRISSEN Zwinkern oder breit grinsen.
FASSUNG B · KRITIKERLIEBLING Sachlich wie ein Wetterbericht.
KURZFILM 08 · Die Frage an den Saal
„Kennt ihr das?“
FASSUNG A · VERRISSEN Brauen hoch, Dauerlächeln. Klingt nach Bitte um Zustimmung.
FASSUNG B · KRITIKERLIEBLING Ruhig, echter Blickkontakt, dann Stille.
KURZFILM 09 · Die Zäsur
„Drei Wochen später war er tot.“
FASSUNG A · VERRISSEN Durchsprechen, ohne dass sich etwas ändert.
FASSUNG B · KRITIKERLIEBLING Einmal langsam blinzeln, bevor der Satz kommt.
KURZFILM 10 · Der Einstieg
„Mein Vater ist sein Leben lang dasselbe Auto gefahren.“
FASSUNG A · VERRISSEN Freundliches Bühnenlächeln zum ersten Satz.
FASSUNG B · KRITIKERLIEBLING Lächeln vor dem Satz, dann neutral. Ab da glaubt man dir.

Siehst du, wie oft Fassung B einfach weniger macht?

Das ist kein Zufall.

Eine trockene Miene verdoppelt jeden Lacher.

Kontrollierte Wut ist bedrohlicher als explodierte.

Und ein Geheimnis erzählt man nicht dem Raum, sondern einem Menschen.

Kurze Filmkritik

Dein nächster Satz lautet: „Und dann war die Wohnung leer.“ Welches Gesicht trägt ihn?

Auflösung anzeigen

C. Eine einzige kleine Bewegung vor dem Satz markiert den Bruch. A widerspricht dem Text, B bittet um Zustimmung, D bebildert jedes Wort wie eine Untertitelspur.

Anschlussfehler: was dein Gesicht verrät

Anschlussfehler · fünf Signale, die du nicht planst

A1Der Kontrollblick zum Blatt. Nicht weil du musst, sondern zur Rückversicherung. Wirkt wie Unsicherheit.
A2Zusammengepresste Lippen in Pausen. Sieht aus wie Missbilligung, gemeint ist Anspannung.
A3Das Nicken zum eigenen Satz. Du bittest den Saal um Zustimmung und schwächst den Satz.
A4Das Schlucken vor der Pointe. Verrät die Anspannung. Vorher einmal ausatmen.
A5Das Aufatmen am Ende. Löscht dein eigenes Ende. Zwei Sekunden halten.

Im Film heißt es Anschlussfehler, wenn zwischen zwei Einstellungen plötzlich etwas nicht mehr stimmt.

Auf der Bühne passieren sie im Gesicht.

Du planst sie nicht, und trotzdem liest sie jeder.

Wer sie kennt, kann sie abstellen.

Verrisse · sechs weitere Fehler im Gesicht

V1Die Untertitel-Mimik. Zu jedem Wort das passende Gesicht. Wirkt wie eine Bebilderung für Erstklässler.
V2Der Bodenblick. In Pausen nach unten schauen wirkt unsicher. Lieber geradeaus ins Dunkle.
V3Die Zettelmauer. Das Blatt verdeckt das halbe Gesicht. Halt es auf Brusthöhe.
V4Die eingefrorene Maske. Vier Minuten starr ist nicht neutral.
V5Das Mitlesen. Lippen und Brauen arbeiten schon an der nächsten Zeile.
V6Die Entschuldigung im Gesicht. Nach einem Versprecher zusammenzucken macht aus dem Stolperer ein Ereignis.
Dauerlächeln, Vorauslachen, Reaktionsblick und Sofort-Abbruch stehen schon weiter oben.

Der gemeinste Verriss ist die eingefrorene Maske.

Wer sich vornimmt, neutral zu bleiben, und dann vier Minuten starr bleibt, ist nicht neutral.

Neutral heißt beweglich.

Mimik einsetzen: Ein Waschbär neben einem alten Filmprojektor im Vorführraum eines Bahnhofskinos
Ein Waschbär neben einem alten Filmprojektor im Vorführraum · bahn-slam.de

Vier Filmplakate, vier Genres

Vier Filmplakate im Foyer

1928 · Carl Theodor Dreyer
Renée Falconetti
In „Die Passion der Jungfrau von Orléans“ filmt Dreyer fast nur Gesichter in Großaufnahme, ohne Schminke. Sie macht fast nichts.
Je näher man dich sieht, desto weniger musst du tun.
Stummfilm-Ära
Charlie Chaplin
Lange ohne gesprochenen Dialog, alles über Körper und Gesicht. In den traurigsten Momenten bleibt das Gesicht des Tramps ruhig.
Zeig nicht, wie es sich anfühlt. Lass es sich anfühlen.
Komödie
Gene Wilder
Ein ruhiges, leicht abwesendes Gesicht, in dem plötzlich etwas kippt.
Die Wirkung entsteht im Wechsel.
Mr. Bean
Rowan Atkinson
Eine ganze Figur aus übertriebener Mimik, fast ohne Sprache, präzise und konsequent.
Überzeichnung nur ganz oder gar nicht.

Klauen ist erlaubt.

Bei diesen vier lohnt es sich.

Die unbequeme Lehre aus Dreyers Film: Je näher man dich sieht, desto weniger musst du tun.

Und im Slam sitzt das Publikum sehr nah.

Chaplins Tramp grinst nicht, wenn es ihm schlecht geht.

Er schaut.

Und weil er nicht vorspielt, wie traurig das ist, wird es traurig.

Atkinson ist das legitime Gegenbeispiel.

Übertriebene Mimik funktioniert, wenn sie die Form ist, von der ersten Sekunde an.

Was nicht funktioniert, ist ein normaler Text mit gelegentlich aufgesetzten Grimassen.

Für die allermeisten Slam-Texte heißt die Antwort deshalb: gar nicht.

Programmübersicht nach Genre

GENRE · KOMÖDIE
Der lustige Text
Je trockener, desto besser. Kein Grinsen vor der Pointe, nach dem Lacher nicht mitfeiern. Erlaubt: echte Verwunderung.
GENRE · DRAMA
Der traurige Text
Halt dagegen. Ein Gesicht, das sich zusammenreißt, erwischt den Saal, nicht die Träne.
GENRE · THRILLER
Der wütende Text
Zwei Zonen: Brauen zusammen, Kiefer fest. Die Augen bleiben offen.
GENRE · DOKU
Der politische Text
Sachlich sprechen, ruhig schauen. Die Fakten müssen empören, nicht dein Gesicht. Genau ein Moment darf raus.

Nicht jeder Text braucht dasselbe Gesicht.

Aber jeder braucht eines, das ihm nicht widerspricht.

Folge dem Bahn-Slam
auf WhatsApp

  • Neue Slam-Texte zuerst
  • Gedanken vom Gleis
  • Keine E-Mail, kein Spam

Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.

Jetzt Kanal folgen
QR-Code zum Bahn-Slam WhatsApp-Kanal 📷 Scannen & folgen
🦝 Komm mit meinem Waschbär an Bord – schon jetzt an Gleis 1 der Bahn-Slam-Community.
Kanal ansehen →

Die Sichtung ohne Ton

Sichtung ohne Ton · Vorführplan

1
Film dich. Handy auf Augenhöhe, zwei Meter Abstand, ganzer Text in einem Take. Kein Spiegel, denn im Spiegel spielst du für dich.
2
Schau ohne Ton. Frag dich: Welches Gefühl würde ich diesem Menschen zuschreiben, wenn ich ihn nicht kennen würde?
3
Zähl deine Signale. Ein Strich für jedes Lächeln, jedes Brauenheben, jeden Blick zum Boden.
4
Setz drei Marker. Genau drei Stellen, an denen dein Gesicht bewusst etwas tut. Alles andere bleibt neutral.
5
Wiederhol es nach vier Wochen. Einmal filmen bringt eine Erkenntnis, zweimal eine Veränderung.

Bonus-Übungen: Der Stummfilm (Text nur mit dem Gesicht vortragen, jemand rät das Thema). Das Pokerface (dein lustigster Text mit unbewegtem Gesicht). Der Vorlauf (der Ausdruck kommt eine halbe Sekunde vor dem Wort).

Es gibt genau eine Methode, die bei diesem Thema wirklich funktioniert.

Und niemand macht sie gern.

Ohne Ton ist der ganze Trick.

Mit Ton ergänzt dein Gehirn automatisch die Bedeutung, die du gemeint hast.

Ohne Ton siehst du, was der Saal sieht.

Und dein Ziel beim Zählen ist nicht null, sondern die Hälfte.

Drei Stellen, nicht mehr. Nichts wird gespeichert.

Vor dem Einlass · drei Minuten

Vier Wochen später, Slam im alten Güterschuppen.

Rudi sitzt in Reihe zwölf.

Johanna tritt ans Mikro und lächelt zwei Sekunden in den Saal, bewusst, als Begrüßung.

Dann atmet sie aus und lässt das Gesicht fallen.

Derselbe Text über ihren Großvater, kein Wort geändert.

Vier Minuten lang macht ihr Gesicht fast nichts.

Genau drei Marker: einmal die Brauen zusammen, einmal kurz die Augen zu, einmal der Blick weg und zurück.

Nach dem letzten Satz lässt sie das Gesicht stehen.

Zwei Sekunden, die sich anfühlen wie eine Woche.

Dann kommt etwas, das sie vorher nur von anderen kannte.

Nichts.

Zwei ganze Sekunden lang reagiert der Saal überhaupt nicht.

Hinterher drückt Rudi ihr eine alte Kinokarte in die Hand.

Reihe zwölf, Platz sieben.

Auf der Rückseite steht in Kugelschreiber: „Kein Widerspruch.“

Also merke: Dein Publikum glaubt nicht, was du sagst.

Es glaubt, was es sieht.

Bahn Slam · Edition

Werbung in eigener Sache

— aber mit Wucht.

Wenn du diese Techniken nicht nur lesen,
sondern anwenden willst — wie ein Sniper mit Reimwaffe:

✦
Was drinsteckt
  • ▸Über 200 kranke Slam-Hacks
  • ▸Storystrukturen wie ein Fitzek-Krimi
  • ▸Übungen für Albtraum-Einstiege, Trauma-Texte, Schweige-Pausen
  • ▸Provokations-Templates
  • ▸Authentizitäts-Trigger
✦ ✦ ✦ die zweiunddreißig bücher

Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch, das du lesen solltest
— Stephan Pinkwart —

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →