Also machte er sich zunächst ein kleines Buch.
Anschließend bekam jede Seite eine Überschrift und sieben Felder, für jeden Tag der Woche eines.
Die Felder zog er mit roter Tinte. Quer darüber legte er dreizehn weitere rote Linien.
An den Anfang jeder Linie schrieb er den Anfangsbuchstaben einer Eigenschaft, die er sich angewöhnen wollte.
Dreizehn Stück hatte er ausgewählt. Und für jede eine eigene Regel formuliert, damit sie überprüfbar wurde.
Abends ging er den Tag durch und setzte ein schwarzes Kreuzchen in jedes Feld, in dem er versagt hatte.
Eine Woche lang galt seine ganze Aufmerksamkeit einer einzigen Eigenschaft. Die übrigen überließ er, wie er selbst schrieb, ihrem gewöhnlichen Schicksal.
Dreizehn Eigenschaften mal eine Woche ergaben folglich dreizehn Wochen.
Und dreizehn Wochen ergaben einen vollständigen Durchgang, den er viermal im Jahr schaffte.
Anfangs standen viele Kreuzchen auf den Seiten. Mit den Jahren wurden es weniger.
Der junge Mann hieß Benjamin Franklin. Er führte diese Aufzeichnungen bis ans Ende seines Lebens.
Ziele setzen fürs Slam-Jahr
Die meisten Slammer haben zwar kein Ziel, immerhin aber eine Hoffnung.
Nämlich die, dass es schon irgendwie besser wird.
Franklins Buch zeigt, wie der Unterschied aussieht: eine Sache, überprüfbar, mit einem Zeitraum daran.
Nur solltest du dabei einen Fehler vermeiden, den die Forschung ziemlich gut kennt.
Warum Ziele setzen im Slam so selten vorkommt
Es liegt an einer verbreiteten Sorge.
Nämlich der, dass Planung die Sache kaputt macht.
Denn wer auf die Bühne geht, tut das aus einem Impuls heraus.
Und Impulse verträgt kein Kalender.
Diese Sorge ist durchaus berechtigt.
Sie führt nur zur falschen Konsequenz.
Was in diesem Beitrag steht
Wie du Ziele setzen im Slam kannst, ohne dir die Freude daran wegzuorganisieren.
Du bekommst vier Säulen, ein Jahresblatt, acht Kniffe und einen Quartalsrhythmus nach Franklins Vorbild.
Dazu die bekannteste Theorie zum Thema und den schärfsten Angriff darauf.
Beide gehören zusammen.
Zum Mitmachen gibt es zehn Übungen und zwei deutsche Videos.
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Jetzt Kanal folgenDer Unterschied zwischen Ziel und Hoffnung
Zunächst die Unterscheidung, auf der alles Weitere aufbaut.
Woran du eine Hoffnung statt eines Ziels erkennst
Denn sie enthält ein Adjektiv und keine Zahl.
Also zum Beispiel: Ich will besser werden.
Oder: Ich will endlich regelmäßiger auftreten.
Beides klingt zwar nach einem Ziel.
Trotzdem ist es keines.
Denn du kannst am 31.
Dezember nicht feststellen, ob es eingetreten ist.
Und was du nicht feststellen kannst, beeinflusst dein Verhalten nicht.
Woran du ein Ziel erkennst
Dagegen enthält es eine Handlung, eine Zahl und einen Zeitpunkt.
Sag also nicht: mehr auftreten.
Sondern: bis Ende Juni achtmal auf einer Bühne stehen.
Franklin hat übrigens für jede seiner Eigenschaften eine eigene Regel formuliert, gerade damit sie überprüfbar wurde.
Genau das ist der Schritt, den fast alle überspringen.
Die letzte Zeile ist der eigentliche Gewinn.
Denn eine Zahl am Jahresende kann enttäuschend ausfallen.
Andererseits kann sie zeigen, dass du mehr geschafft hast, als du im Gefühl hattest.
Und das ist der häufigere Fall, als die meisten denken.
Auflösung
Der Griff: eine Zeile pro Quartal
Jetzt der Handgriff, und er stammt direkt aus dem kleinen Buch.
Franklin hat sich nicht dreizehn Eigenschaften gleichzeitig vorgenommen. Er hat eine Woche lang auf eine geachtet und die übrigen laufen lassen.
Für dich heißt das: Januar bis März gehören der Bühnenpräsenz. April bis Juni den neuen Texten.
Vier Quartale, vier Themen. Und am Jahresende hast du an vier Dingen wirklich gearbeitet statt an zwölf ein bisschen.
Das klingt zwar nach wenig.
Trotzdem ist es mehr, als die meisten schaffen.
Warum die Beschränkung so gut funktioniert
Denn Aufmerksamkeit lässt sich nicht teilen.
Denn wer gleichzeitig an Texten, Vortrag, Auftritten und Reichweite arbeitet, arbeitet an nichts davon.
Und weil Rückschritte in einem Bereich sich erst zeigen, wenn man länger als ein paar Wochen hinschaut.
Ein Quartal ist der kürzeste Zeitraum, in dem eine Veränderung überhaupt sichtbar wird.
Der Zusatz, der noch mehr bringt
Schreib die anderen drei Themen außerdem trotzdem auf.
Denn andernfalls tauchen sie ständig als schlechtes Gewissen auf.
Auf einem Zettel mit der Überschrift Zweites Quartal sind sie dagegen versorgt und nicht vergessen.
Franklin hat das genauso gemacht.
Die übrigen zwölf Zeilen standen weiter im Buch.
Was die Forschung über Ziele weiß
Jetzt allerdings der Befund, auf dem die halbe Ratgeberliteratur steht.
Edwin Locke und Gary Latham haben seit den späten sechziger Jahren zur Zielsetzung geforscht.
Ihre Arbeit gehört inzwischen zu den am besten überprüften Theorien der Arbeitspsychologie überhaupt.
Der Kernbefund zur Zielsetzung
Spezifische und anspruchsvolle Ziele führen zu besseren Leistungen als die Aufforderung, sein Bestes zu geben.
Das klingt zwar banal.
Allerdings ist es das nicht.
Denn gib dein Bestes gilt gemeinhin als die wohlwollendere Ansage.
Sie liefert nur keinen Maßstab, an dem sich Anstrengung ausrichten könnte.
Warum konkrete Ziele wirken
Locke und Latham nennen dafür übrigens mehrere Wege.
Zunächst lenkt ein Ziel die Aufmerksamkeit auf zielbezogene Tätigkeiten und weg von den übrigen.
Außerdem erhöht es die Anstrengung, verlängert das Durchhalten und zwingt dazu, sich eine Vorgehensweise zu überlegen.
Der letzte Punkt ist für Slammer der wichtigste.
Wer sich acht Auftritte vornimmt, muss sich fragen, wo die stattfinden sollen.
Und der schärfste Angriff darauf
Jetzt allerdings die Gegenseite.
Denn 2009 wurde es unfreundlich.
Lisa Ordóñez, Maurice Schweitzer, Adam Galinsky und Max Bazerman veröffentlichten einen Aufsatz mit dem Titel Goals Gone Wild.
Erschienen ist er übrigens in den Academy of Management Perspectives.
Was die Kritiker den Zielen vorwerfen
Ihr Vorwurf lautet nämlich, dass Ziele wie ein Medikament verschrieben werden, und zwar ohne Beipackzettel.
Dafür zählen sie mehrere systematische Nebenwirkungen auf.
Dazu gehören ein zu enger Fokus, der alles Nichtgemessene vernachlässigt, verzerrte Risikobereitschaft und mehr unehrliches Verhalten.
Und zwei weitere, die für dich besonders wichtig sind: gehemmtes Lernen und eine sinkende Freude an der Sache selbst.
Wie Locke und Latham geantwortet haben
Sie antworteten daraufhin im selben Heft, und der Titel ihrer Erwiderung war ähnlich freundlich formuliert.
Sinngemäß fragten sie darin, ob die Zielsetzung wild geworden sei oder ob die Angreifer die gute wissenschaftliche Praxis verlassen hätten.
Inhaltlich räumten sie immerhin ein, dass es diese Fehlwirkungen gibt.
Sie bestritten aber, dass die Theorie daran schuld sei.
Es handle sich um schlecht gewählte Ziele und nicht um falsche Zielsetzung.
| Nebenwirkung | Wie sie im Slam aussieht | Gegenmittel |
|---|---|---|
| Enger Fokus | nur noch Auftritte zählen | ein Ziel ohne Zahl dazu |
| Gehemmtes Lernen | immer derselbe sichere Text | Lernziel statt Ergebnisziel |
| Weniger Freude | Bühne fühlt sich nach Arbeit an | Quartalspause einbauen |
| Unehrlichkeit | Zahlen schöngerechnet | ehrlich zählen oder gar nicht |
Die zweite Zeile ist die gefährlichste.
Denn wer sich zwölf Auftritte vornimmt, nimmt den Text mit, der zuverlässig funktioniert.
Das erhöht die Zahl und verhindert genau die Entwicklung, wegen der du dir das Ziel gesetzt hast.
Deshalb braucht ein Jahresplan mindestens ein Ziel, bei dem das Ergebnis egal ist.
Ein Ergebnisziel lautet: zwölf Auftritte bis Dezember. Es ist zählbar und erzeugt genau die Nebenwirkungen aus der Tabelle.
Ein Lernziel lautet: Ich probiere in jedem Quartal eine Textform aus, die ich noch nie gemacht habe.
Beim Lernziel ist ein Reinfall kein Scheitern, sondern das Ergebnis. Und damit fällt der Anreiz weg, auf Nummer sicher zu gehen.
Nimm dir pro Jahr zwei Ergebnisziele und zwei Lernziele vor. Nicht vier von einer Sorte.
Der ehrliche Haken bei beiden Seiten
Zunächst lief der Streit in der Betriebswirtschaft und nicht auf Bühnen.
Denn es ging um Verkaufsziele, Quartalszahlen und Unternehmenskultur.
Ob sich das auf einen Menschen übertragen lässt, der sich selbst etwas vornimmt, ist damit nicht geklärt.
Was du trotzdem mitnehmen kannst: Ein Ziel richtet Verhalten aus.
Und was es nicht misst, fällt hinten runter.
Vier Säulen für ein Slam-Jahr
Jetzt der Aufbau.
Denn nicht jedes Ziel gehört in dieselbe Kategorie.
Was du am Jahresanfang nicht wissen kannst
Ein Punkt, den kein Ratgeber erwähnt.
Die drei Dinge, die dein Jahr verändern werden
Zunächst ein Abend, der schiefgeht und dich drei Wochen beschäftigt.
Zweitens ein Mensch, den du kennenlernst und der dich auf eine Bühne mitnimmt, von der du nie gehört hattest.
Und drittens ein Text, der plötzlich funktioniert, obwohl du ihn eigentlich wegwerfen wolltest.
Keines dieser drei Dinge steht in deinem Januar-Plan.
Warum das kein Argument gegen Planung ist
Denn all das passiert nur denen, die unterwegs sind.
Der Mensch auf der unbekannten Bühne trifft dich nicht in deinem Wohnzimmer.
Ein Plan sorgt also nicht dafür, dass alles wie geplant läuft.
Er sorgt dafür, dass du dort bist, wo Zufälle stattfinden.
Das ist ein bescheidenerer Anspruch und ein zutreffenderer.
Wie du Platz dafür lässt
Lass deshalb ein Viertel deines Jahres unverplant.
Wenn du also glaubst, sechzehn Auftritte zu schaffen, plan zwölf.
Die übrigen vier sind für das, was im März passiert und im Januar niemand ahnen konnte.
Wer sein Jahr randvoll plant, muss jede Gelegenheit ablehnen.
Und Gelegenheiten kommen selten zweimal.
Sechs Fragen fürs Jahresblatt
Auszufüllen, und zwar bevor du den ersten Termin einträgst.
Warum Frage sechs dazugehört
Denn Jahrespläne scheitern nur selten an mangelnder Disziplin.
Sie scheitern daran, dass sich im Februar das Leben ändert und der Plan trotzdem stehen bleibt.
Dann wird aus einem Werkzeug ein Vorwurf, den man vier Monate mit sich herumträgt, bis man ihn wegwirft.
Wer vorher aufschreibt, wann ein Plan geändert werden darf, verhindert genau das.
Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Acht Kniffe für dein Slam-Jahr
Jetzt endlich das Praktische, sortiert nach Aufwand.
Kniff 1: Termine vor Zielen eintragen
Trag zuerst die Abende ein, dann die Ziele.
Denn die meisten machen es umgekehrt und stellen im März fest, dass an den fraglichen Terminen ohnehin nie ein Slam stattfindet.
Such dir also die Veranstaltungen, die es in deiner Gegend gibt, und schreib die Termine auf.
Erst danach weißt du, welche Zahl überhaupt möglich ist.
Kniff 2: Die Zahl halbieren
Nimm deine erste Schätzung und teile sie durch zwei.
Das ist übrigens keine Bescheidenheit, sondern Erfahrung.
Denn Januar-Ich rechnet mit einem Jahr ohne Erkältungen, Überstunden und Familienfeiern.
Ein knapp übertroffenes Ziel trägt dich durch den Herbst.
Ein knapp verfehltes beendet die Sache im Oktober.
Kniff 3: Die Strichliste an der Wand
Häng ein Blatt sichtbar auf und mach nach jedem Auftritt einen Strich.
Franklin hat sein Buch täglich geführt, und zwar mit Kreuzchen für die Fehltritte.
Du machst es umgekehrt und zählst, was stattgefunden hat.
Denn eine Zahl, die nur im Kopf existiert, wird im November systematisch zu niedrig geschätzt.
Kniff 4: Absurd, aber wirksam – das Ziel, das du verfehlen willst
Setz dir zudem ein Ziel, von dem du hoffst, es nicht zu erreichen.
Zum Beispiel: Ich falle dieses Jahr mindestens zweimal mit einem Text durch.
Das klingt nach Selbstsabotage und löst nach Punkt 19 genau das Problem mit dem gehemmten Lernen.
Denn wer zwei Reinfälle einplant, nimmt riskantere Texte mit.
Und riskante Texte sind die einzigen, aus denen man etwas lernt.
Kniff 5: Noch absurder – der Brief vom Januar
Schreib dir außerdem im Januar einen Brief und öffne ihn erst im Dezember.
Darin steht, was du dir vorgenommen hast und warum.
Das Warum ist der eigentliche Inhalt.
Denn die Zahlen kennst du im Dezember noch, die Begründung nicht mehr.
Und oft stellt sich heraus, dass der Grund im März weggefallen ist und du trotzdem weitergemacht hast.
Kniff 6: Der Quartalsabend
Setz vier Abende im Jahr fest, an denen du nachschaust.
Eine Stunde reicht dafür, immer am selben Tag im Quartal.
Franklin brauchte dreizehn Wochen für einen vollständigen Durchgang und schaffte vier davon im Jahr.
Das ist derselbe Rhythmus.
Wichtig ist nur, dass die Termine schon im Januar im Kalender stehen.
Sonst finden sie nie statt.
Kniff 7: Ein Ziel, das nicht von anderen abhängt
Außerdem muss mindestens ein Ziel allein in deiner Hand liegen.
Auftritte hängen von Anmeldelisten ab, Wertungen von Jurys und Buchungen von Veranstaltern.
Neue Texte hängen von niemandem ab außer dir.
Wer sich nur Dinge vornimmt, über die andere entscheiden, hat am Jahresende ein Ergebnis über andere Leute.
Kniff 8: Das Jahr mit dem Vorjahr vergleichen
Notier schließlich im Dezember drei Zahlen aus dem laufenden Jahr.
Auftritte, neue Texte und Bühnen, auf denen du zum ersten Mal warst.
Im nächsten Dezember hast du dann einen Vergleich statt eines Gefühls.
Das ist unspektakulär und die einzige verlässliche Antwort auf die Frage, ob es vorangeht.
Was du im Quartal tatsächlich prüfst
Ein eigener Punkt, weil die meisten hier nur auf die Zahl schauen.
Frage eins: Was ist passiert?
Nur Fakten.
Wie viele Auftritte, wie viele neue Texte.
Also ohne Bewertung und ohne Erklärung, warum es weniger waren.
Denn Erklärungen kommen von selbst und verfälschen die Zahl.
Schreib sie also erst auf, bevor du darüber nachdenkst.
Frage zwei: Was war der beste Abend?
Und zwar keineswegs der mit der höchsten Wertung.
Sondern der, nach dem du am zufriedensten nach Hause gefahren bist.
Diese beiden Abende sind erstaunlich selten derselbe.
Der Unterschied zwischen ihnen sagt dir mehr über deine Ziele als jede Punktzahl.
Frage drei: Was habe ich gelernt?
Nach Punkt 19 ist das die Frage zum Lernziel.
Also: Was kann ich jetzt, das ich vor drei Monaten nicht konnte?
Wenn die Antwort dreimal hintereinander leer bleibt, hast du dich verwaltet statt entwickelt.
Dann ist es Zeit, das Ergebnisziel zu senken und am Handwerk zu arbeiten.
Frage vier: Stimmt der Plan noch?
Die Frage aus dem Jahresblatt.
Und die einzige, die den Plan ändern darf.
Denn wer viermal im Jahr ausdrücklich nachfragt, ändert rechtzeitig.
Wer nie fragt, wirft im Oktober alles hin.
Wenn ein verfehltes Ziel dich über Wochen belastet, wenn du dich an Zahlen misst, um dich selbst zu bewerten, oder wenn das Nichterreichen sich wie persönliches Versagen anfühlt, dann ist der Plan nicht das Problem.
Dann lohnt ein Gespräch mit jemandem, der zuhört, mehr als ein besserer Kalender. Eine Hausärztin oder eine Beratungsstelle ist dafür ein guter erster Schritt.
Zehn Fehler bei der Jahresplanung
Fünf Fehler beim Planen
Fehler 1: Sich Adjektive vornehmen
Fehler 2: Alles gleichzeitig angehen
Fehler 3: Nur zählbare Ziele setzen
Fehler 4: Zu hoch ansetzen
Fehler 5: Ziele wählen, über die andere entscheiden
Denn Ziele setzen im Slam scheitert selten am Ehrgeiz.
Fünf Fehler im Laufe des Jahres
Fehler 6: Den sicheren Text mitnehmen
Fehler 7: Nie nachschauen
Fehler 8: Ständig nachschauen
Fehler 9: Den Plan nicht ändern dürfen
Fehler 10: Im Dezember nichts notieren
Sechs Schritte für die nächsten zwölf Monate
Drei Schritte zum Start
Schritt 1 – Termine sammeln
Schritt 2 – Das Jahresblatt ausfüllen
Schritt 3 – Vier Quartalsabende eintragen
Drei Schritte zum Durchhalten
Schritt 4 – Die Strichliste führen
Schritt 5 – Vier Fragen pro Quartal
Schritt 6 – Im Dezember drei Zahlen notieren
Die Abnahme
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Was aus dem kleinen Buch wurde
Zurück also zu dem Zwanzigjährigen mit der roten Tinte.
Franklin hat sein Vorhaben nie abgeschlossen.
Er wollte ein Buch darüber schreiben und kam nicht dazu.
Und er räumte selbst ein, dass er sein Ziel nicht erreicht hat.
Was er trotzdem davon hatte
Er schrieb, er sei durch den Versuch ein besserer und glücklicherer Mensch geworden, als er es sonst gewesen wäre.
Das ist die vielleicht ehrlichste Bilanz, die je jemand über einen Selbstoptimierungsplan gezogen hat.
Nicht das Ergebnis war der Ertrag, sondern die Aufmerksamkeit.
Wer täglich hinschaut, verändert sich, auch wenn die Kreuzchen bleiben.
Was du daraus mitnimmst
Ein Jahresplan, der zu achtzig Prozent erfüllt wird, ist folglich ein Erfolg.
Denn er hat dich zwölf Monate lang in eine Richtung gelenkt, in die du sonst nicht gegangen wärst.
Und die zwanzig Prozent sind kein Versagen, sondern der normale Abstand zwischen einem Plan und einem Leben.
Franklin hatte diesen Abstand auch.
Über sechzig Jahre hinweg.
„Er hat sein Ziel verfehlt und sein Leben lang weitergemacht. Genau das ist der Plan, nicht die Ausnahme davon.“Was von dreizehn roten Linien praktisch übrig bleibt
Und der praktische Rest
Das kleine Buch war kein Erfolgssystem, sondern ein Blick in den Spiegel.
Vielmehr hat es ihm gezeigt, wie oft er von seinem eigenen Anspruch abwich.
Das ist unangenehm und der ganze Nutzen der Sache.
Denn ohne Aufzeichnung hätte er sich für konsequenter gehalten, als er war.
Genau wie du im November.
Was ein Plan nicht ersetzt
Ein Jahresplan sorgt zwar dafür, dass du auf die Bühne gehst.
Was dort passiert, entscheidet er nicht.
Warum Handwerk den Plan erst einlöst
Nach Punkt 23 braucht ein gutes Jahr eine Säule fürs Handwerk.
Nur ist genau die am schwersten zu füllen.
Denn bei Auftritten weißt du, was zu tun ist.
Beim Besserwerden weiß es fast niemand.
Kurz gesagt: Der Plan liefert die Termine.
Das Handwerk liefert den Unterschied zwischen dem Januar und dem Dezember.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also das, was in Säule drei hineingehört, wenn dort nicht drei Quartale lang dasselbe Fragezeichen stehen soll.
Den Kalender füllst du an einem Abend. Zu wissen, woran du im ersten Quartal arbeitest, ist die eigentliche Arbeit.
Ein Thema pro Quartal. Ein Ziel ohne Zahl. Und zwei eingeplante Reinfälle.
Übrigens habe ich mir in meinem ersten Slam-Jahr vierundzwanzig Auftritte vorgenommen.
Es wurden neun.
Und ich habe im Oktober fast aufgehört, weil ich mich für gescheitert hielt.
Im Jahr darauf standen zwölf im Plan.
Es wurden vierzehn.
Dieselbe Person, dieselben Abende, nur eine ehrlichere Zahl im Januar.
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Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
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