Ein Komponist schreibt einem Freund einen Brief.
Er ist zu diesem Zeitpunkt sechsunddreißig Jahre alt und in ganz Europa bekannt.
Trotzdem steht in dem Brief ein Satz, der sich anhört wie von einem Anfänger.
Vergleich mit anderen Slammern
Brahms war nicht unbegabt. Er war verglichen.
Und zwar mit dem Größten seines Fachs.
Vierzehn Jahre lang lag seine erste Sinfonie in der Schublade.
Nicht mangels Können, sondern weil er hinhörte.
Die ersten Skizzen dazu stammten aus dem Jahr 1862.
Er hatte sie notiert und wieder in die Schublade gelegt.
Auf Nachfragen von Freunden antwortete er ausweichend oder sagte, wie schwer es sei, nach Beethoven noch Sinfonien zu schreiben.
Erst um 1874 holte er die Sache wieder hervor.
Am 4. November 1876 wurde die erste Sinfonie in Karlsruhe uraufgeführt.
Vierzehn Jahre zwischen Skizze und Uraufführung.
Der Kern beim Vergleich mit anderen
Das ist übrigens die kürzeste Zusammenfassung des Problems.
Denn der Mensch, mit dem du dich vergleichst, weiß übrigens nichts davon.
Er sitzt zwar nicht in deinem Kopf.
Trotzdem tut er dort ständig so.
Und wie jede Erzählung lässt sie sich glücklicherweise umbauen.
Was ein Vergleich mit anderen im Kopf anrichtet
Denn er ersetzt eine Beobachtung durch eine Rangfolge.
Und Rangfolgen haben die unangenehme Eigenschaft, dass es immer jemanden über dir gibt.
Selbst wer gewinnt, gewinnt schließlich nur diesen einen Abend.
Deshalb endet die Sache nie von selbst.
Sie endet nur, wenn du den Maßstab wechselst.
Was in diesem Beitrag steht
Warum der Vergleich mit anderen so zuverlässig lähmt und was stattdessen funktioniert.
Du bekommst die fünf Vergleichsfallen, einen eigenen Maßstab und mehrere Kniffe, von denen einer ziemlich unangenehm ist.
Dazu zwei Arbeiten.
Die zweite liefert einen Befund, der jedem Motivationsratgeber widerspricht.
Zum Mitmachen gibt es acht Übungen und zwei deutsche Videos.
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Jetzt Kanal folgenFünf Fallen beim Vergleichen
Zunächst also die Diagnose.
Denn ein Vergleich ist nicht gleich ein Vergleich.
Warum Falle zwei beim Vergleich mit anderen am häufigsten ist
Denn sie fühlt sich überhaupt nicht wie eine Falle an.
Wer jemanden auf einer Bühne sieht, sieht keinen Zeitstrahl.
Stattdessen sieht man ein Ergebnis und hält es für einen Zustand.
Dabei ist fast alles auf einer Slam-Bühne eine Frage der Wiederholung.
Und Wiederholungen kann man zählen.
Auflösung
Der Griff: vergleich dich mit deinem alten Text
Jetzt der Handgriff.
Er ist unspektakulär und ersetzt alles andere.
Nicht mit dir gestern, das ist zu kurz. Und nicht mit dir vor zehn Jahren, das ist Nostalgie.
Zwei Jahre sind lang genug für sichtbare Entwicklung und kurz genug, um sich zu erinnern.
Dazu brauchst du nur eins: einen alten Text, den du aufgehoben hast.
Deshalb ist ein Archiv übrigens kein Ordnungsfimmel, sondern ein Messgerät.
Warum ausgerechnet der eigene alte Text
Denn er hatte dieselbe Person, dieselben Umstände und dasselbe Talent.
Folglich ist alles, was sich verändert hat, auf dein Konto gegangen.
Bei einem fremden Text weißt du das nie.
Außerdem lügt der alte Text nicht.
Er ist nicht der beste von zwanzig, sondern einfach der, den du damals hattest.
Wie du den eigenen Maßstab praktisch anlegst
Nimm einen Text von vor zwei Jahren und lies ihn laut.
Markier danach drei Stellen, die du heute anders machen würdest.
Genau diese drei Stellen sind dein Fortschritt.
Und zwar messbar, nicht gefühlt.
Wer das zweimal im Jahr macht, braucht keine fremden Maßstäbe mehr.
Wann Vorbilder helfen und wann sie lähmen
Jetzt allerdings der Befund, der die ganze Sache sortiert.
Penelope Lockwood und Ziva Kunda veröffentlichten 1997 im Journal of Personality and Social Psychology eine Reihe von Versuchen dazu.
Der Titel lautet dabei sinngemäß: Superstars und ich.
Der Aufbau der Versuche
Was sie über den Vergleich mit anderen herausfanden
Ein herausragendes Vorbild wirkt nur, wenn es für dich überhaupt im richtigen Fach glänzt.
Ist das der Fall, entscheidet anschließend eine zweite Bedingung alles.
Wirkt der Erfolg nämlich erreichbar, hebt er dein Selbstbild.
Wirkt er unerreichbar, drückt er es.
Und zwar messbar.
Wann Erfolg unerreichbar wirkt
Erstens, wenn du glaubst, die Gelegenheit verpasst zu haben.
Also der Gedanke: In dem Alter hätte ich anfangen müssen.
Zweitens, wenn du glaubst, dass Fähigkeiten festliegen und sich nicht verbessern lassen.
Beides sind Überzeugungen und keine Tatsachen.
Und genau deshalb lässt sich hier ansetzen.
Was daraus praktisch folgt
Du musst dir allerdings keine Vorbilder abgewöhnen.
Das wäre auch schade.
Du musst allerdings den Abstand in Schritte umrechnen.
Also nicht: Sie ist viel besser als ich.
Sondern: Sie hat vierhundert Auftritte mehr, und der nächste davon ist meiner in zwei Wochen.
Der ehrliche Haken an dieser Untersuchung
Zunächst sind es Laborversuche mit Studierenden aus den Neunzigern.
Die Vorbilder waren teilweise erfundene Zeitungsartikel über erfolgreiche Kommilitonen.
Außerdem misst der Versuch das Selbstbild direkt danach und nicht ein halbes Jahr später.
Für den Blick aufs Handy um zwei Uhr nachts passt es trotzdem gut.
Der Befund, der jedem Ratgeber widerspricht
Zwei Jahre später legten dieselben Forscherinnen übrigens nach.
Und diesmal kam etwas heraus, das man nicht erwartet.
Was in der zweiten Untersuchung geprüft wurde
Die Arbeit erschien 1999 in derselben Zeitschrift.
Der Titel sagt es bereits: Wenn man die eigenen besten Seiten stärker ins Bewusstsein rückt, kann das die Inspiration durch herausragende Vorbilder untergraben.
Also genau das Gegenteil dessen, was jeder Ratgeber empfiehlt.
Warum Selbstlob den Vergleich verschärft
Wer sich zuerst an das eigene beste Selbst erinnert, hat sein Selbstbild schon abgesichert.
Und ein abgesichertes Selbstbild braucht das Vorbild nicht mehr.
Es vergleicht dann nur noch.
Statt zu fragen, was möglich ist, fragt es, wer weiter vorn liegt.
Dadurch wird aus einem Vorbild schließlich eine Konkurrenz.
| Was du vorher tust | Was das Vorbild dann ist | Was du danach tust |
|---|---|---|
| Dich an Erfolge erinnern | ein Konkurrent | vergleichen |
| Dich schlechtmachen | eine Drohung | vermeiden |
| Nach dem Weg fragen | eine Anleitung | nachbauen |
| Gar nichts | meistens Zufall | je nach Tagesform |
Die dritte Zeile ist die brauchbare.
Denn sie verlagert die Aufmerksamkeit vom Ergebnis auf das Verfahren.
Und ein Verfahren kann man kopieren, ohne sich dabei zu messen.
Nicht mit Lob, sondern mit einer einzigen konkreten Frage. Zum Beispiel: Wie oft überarbeitest du einen Text, bevor du ihn spielst?
Das kostet Überwindung und macht zwei Dinge auf einmal.
Erstens bekommst du ein Verfahren statt eines Ergebnisses. Zweitens wird aus einer Projektionsfläche ein Mensch, der auch überarbeitet, zweifelt und Texte wegwirft.
Bisher hat mir noch niemand nicht geantwortet.
Der ehrliche Haken bei dieser Arbeit
Zunächst sind auch das Laborversuche und keine Langzeitbeobachtung.
Und der Effekt ist eine Tendenz, kein Naturgesetz.
Außerdem heißt das nicht, dass Selbstwertgefühl schadet.
Es heißt nur, dass es in diesem einen Moment die Aufmerksamkeit vom Lernen wegzieht.
Trotzdem ist der Gedanke nützlich, weil er eine verbreitete Empfehlung auf den Kopf stellt.
Der Vergleich, den niemand bemerkt
Ein Punkt, den fast alle übersehen.
Meistens denkt man beim Vergleichen an die Großen der Szene.
Tatsächlich richtet jemand anders viel mehr Schaden an.
Warum der Kollege schlimmer ist als der Star
Denn ein bekannter Slammer mit fünfzehn Jahren Bühne ist weit weg.
Der Abstand ist so groß, dass er dich kaum trifft.
Gefährlich wird die Person, die im selben Jahr angefangen hat wie du und jetzt öfter gebucht wird.
Denn dort fehlt die Erklärung.
Du kannst den Abstand nicht in Jahre umrechnen, weil es keine gibt.
Was du in diesem Fall machst
Such deshalb nach dem Unterschied, der nicht mit Können zu tun hat.
Meistens findest du einen.
Mehr Zeit, weniger Job, eine Stadt mit sechs Bühnen statt einer.
Und wenn du keinen findest, dann ist die Person tatsächlich weiter.
Das darf sein.
Denn ein Vergleich mit anderen hört nicht dadurch auf, dass du recht behältst.
Der Kniff für den Ernstfall
Wenn dich jemand aus deinem eigenen Jahrgang beschäftigt, geh mit ihm einen Kaffee trinken.
Das klingt nach dem Letzten, wozu du Lust hast.
Es ist trotzdem der schnellste Weg, denn nach zwanzig Minuten weißt du, wie viel diese Person absagt, verwirft und aushält.
Und danach ist sie kein Maßstab mehr, sondern jemand, der dasselbe Problem hat.
Sechs Fragen für deinen eigenen Maßstab
Für die Abende, an denen du um halb zwei durch fremde Auftritte scrollst.
Warum Frage zwei so gut wirkt
Denn sie verlangt eine Zahl.
Und Zahlen kühlen ab.
Wer schätzt, dass jemand seit sechs Jahren auftritt, hat den Abstand plötzlich in einer Einheit, die es auch bei ihm selbst gibt.
Und sechs Jahre sind kein Charakterunterschied.
Sie sind Zeit.
Genau das hat Brahms vierzehn Jahre lang nicht getan.
Er hat nicht gerechnet, sondern gehört.
Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
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Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Sieben Kniffe gegen den Vergleich mit anderen
Jetzt endlich der praktische Teil.
Kniff 1: Die Jahreszahl dazudenken
Wenn du jemanden auf einer Bühne siehst, denk außerdem eine Zahl dazu.
Nämlich das Jahr, in dem die Person angefangen hat.
Du kennst es meistens nicht.
Schätz es trotzdem, denn die Schätzung allein verändert den Blick.
Aus einem Talent wird dabei ein Zeitraum.
Kniff 2: Das Achtel-Prinzip beim Vergleich mit anderen
Nimm außerdem an, dass du von jeder fremden Laufbahn ein Achtel siehst.
Die sieben unsichtbaren Achtel enthalten abgesagte Auftritte, verworfene Texte und Abende mit vier Punkten.
Das ist keine Beschönigung, sondern schlicht die Verteilung.
Niemand postet den Dienstag, an dem es nicht lief.
Kniff 3: Die Kontoführung
Führ deshalb eine Liste mit allem, was du in einem Jahr gemacht hast.
Auftritte, Texte, Absagen, Zusagen.
Auch die kleinen Sachen.
Denn Vergleiche entstehen fast immer aus dem Gefühl heraus, gerade nichts zu tun.
Eine Liste widerlegt dieses Gefühl in vier Sekunden.
Kniff 4: Der Fachwechsel
Wenn dich jemand besonders beschäftigt, schau ihn dir genau an.
Und zwar mit der Frage, was er nicht macht.
Jeder gute Slammer hat eine Spezialität und damit eine Lücke daneben.
Wer laut ist, kann selten leise.
Wer komisch ist, hat es mit ernsten Texten schwer.
Und umgekehrt genauso.
Kniff 5: Die Vergleichsdiät
Nimm dir stattdessen vierzehn Tage lang keine fremden Auftritte an.
Kein Netz, keine Videos, keine Slam-Ergebnisse.
Das klingt nach Vermeidung und ist eine Messung.
Denn nach zwei Wochen weißt du, wie viel von deiner Unruhe tatsächlich aus dir kam.
Kniff 6: Der Zettel mit dem Datum
Schreib schließlich auf einen Zettel, was du heute kannst.
Mit Datum.
Leg ihn in die Schublade und vergiss ihn.
In zwei Jahren findest du ihn wieder, und dann ist er der einzige Beweis, den du je gebraucht hast.
Das ist der billigste Trick im ganzen Beitrag und der einzige, der mit der Zeit wertvoller wird.
Kniff 7: Die unangenehme Frage stellen
Aus Punkt 19.
Schreib der Person, mit der du dich vergleichst.
Eine Frage nach dem Verfahren, nicht nach dem Erfolg.
Das kostet Überwindung, und genau deshalb wirkt es.
Denn wer einmal eine Antwort bekommen hat, kann die Person danach schlecht weiter als Denkmal behandeln.
Der Vergleich in die andere Richtung
Bisher ging es nur um den Blick nach oben.
Es gibt ihn aber auch andersherum.
Warum der Blick nach unten so verlockend ist
Nach einem schlechten Abend sucht man automatisch jemanden, der schlechter war.
Das funktioniert sogar.
Denn kurzfristig fühlt man sich besser.
Der Preis zeigt sich erst später.
Denn wer sich an den Schwächeren misst, hat ein Ziel gewählt, das er schon erreicht hat.
Was das mit deiner Entwicklung macht
Sie hört schlicht auf.
Und zwar unbemerkt, weil es sich gut anfühlt.
Der Blick nach oben tut weh und zeigt eine Richtung.
Der Blick nach unten tröstet und zeigt keine.
Nach Punkt 15 ist der ideale Zustand deshalb ein Abstand, der überbrückbar aussieht.
Nicht null und nicht unendlich.
Der Kniff für beide Richtungen
Such dir deshalb bewusst eine Person, die etwa zwei Jahre weiter ist.
Also nicht fünfzehn, sondern zwei.
Dieser Abstand ist groß genug, um etwas zu lernen, und klein genug, um erreichbar zu wirken.
Und das ist genau die Bedingung, die Lockwood und Kunda als entscheidend beschrieben haben.
Wann Vergleichen sogar nützlich ist
Dieser Beitrag ist allerdings kein Plädoyer für Scheuklappen.
Fall eins: Der Vergleich als Handwerkslehre
Denn wer wissen will, wie ein Text aufgebaut ist, muss ihn sich ansehen.
Das ist kein Vergleich, sondern Handwerkslehre.
Der Unterschied liegt in der Frage.
Wie gut ist er ist ein Vergleich.
Wie ist er gemacht ist eine Analyse.
Fall zwei: Du brauchst eine Richtung
Am Anfang weiß niemand, was auf einer Bühne überhaupt möglich ist.
Dann sind andere Slammer eine Landkarte.
Nach Punkt 15 funktioniert das aber nur, solange der Abstand überbrückbar wirkt.
Fall drei: Du willst wissen, wo du stehst
Einmal im Jahr ist das legitim.
Etwa vor der Entscheidung, ob du dich für einen größeren Wettbewerb anmeldest.
Dann ist der Vergleich ein Werkzeug mit einem Zweck.
Und er hört auf, wenn die Entscheidung gefallen ist.
Wenn der Vergleich dagegen dauerhaft an deinem Selbstwert zieht, wenn du dich über Wochen wertlos fühlst oder dich zurückziehst, ist das kein Bühnenproblem mehr.
Dann hilft ein Gespräch mit jemandem, der zuhört, deutlich mehr als jeder Kniff aus Punkt 27. Eine Hausärztin oder eine Beratungsstelle ist dafür ein guter erster Schritt.
Zehn Fehler beim Vergleichen
Fünf Fehler im Kopf
Fehler 1: Ergebnisse mit Zuständen verwechseln
Fehler 2: Das beste Video für den Alltag halten
Fehler 3: Fähigkeiten für festgelegt halten
Fehler 4: Sich am falschen Fach messen
Fehler 5: Nachts vergleichen
Denn der Vergleich mit anderen ist selten ein Urteil über dein Können.
Fünf Fehler im Verhalten
Fehler 6: Den eigenen Text umbauen, weil ein anderer gewinnt
Fehler 7: Der Person aus dem Weg gehen
Fehler 8: Aufhören anzumelden
Fehler 9: Über andere reden statt mit ihnen
Fehler 10: Nichts aufheben
Sechs Schritte für ein Jahr ohne fremden Maßstab
Drei Schritte zum Aufsetzen
Schritt 1 – Das Archiv anlegen
Schritt 2 – Den Zettel schreiben
Schritt 3 – Eine Frage stellen
Drei Schritte zum Dranbleiben
Schritt 4 – Halbjährlich den alten Text lesen
Schritt 5 – Die Jahresliste führen
Schritt 6 – Nachts nichts entscheiden
Die Abnahme
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Wie es mit Brahms ausging
Zurück zu dem Mann mit dem Riesen im Rücken.
Am 4.
November 1876 wurde die erste Sinfonie in Karlsruhe uraufgeführt.
Vorher hatte Brahms sie Clara Schumann am Klavier vorgespielt.
Was Brahms Zahlen über den Vergleich zeigen
Also vierzehn Jahre für die erste und neun für die restlichen drei.
Der Unterschied lag allerdings nicht am Können.
Das war vorher schon da.
Der Unterschied lag daran, dass der Vergleich nach der ersten Sinfonie seine Macht verloren hatte.
Er hatte eine gemacht.
Damit war die Frage beantwortet, und zwar nicht durch Nachdenken, sondern durch Tun.
„Der Riese, den Brahms hinter sich marschieren hörte, war seit dreiundvierzig Jahren tot. Er marschierte trotzdem laut genug für vierzehn Jahre Stille.“Was ein Vergleich anrichten kann, wenn man ihn nicht rechnet
Was du daraus mitnimmst
Nicht, dass man Vergleiche abstellen kann.
Das kann niemand.
Sondern dass sie ihre Kraft verlieren, sobald du anfängst.
Denn ein einziger fertiger Text schlägt jede Überlegung darüber, ob er gut genug wäre.
Und der nächste Slam ist in zwei Wochen.
Der Riese kommt nicht mit.
Was ein eigener Maßstab nicht ersetzt
Alles hier sorgt dafür, dass du dich nicht mehr an anderen misst.
Besser wirst du dadurch nicht automatisch.
Warum Handwerk den Vergleich überflüssig macht
Der eigentliche Grund für das Vergleichen ist Unsicherheit über den eigenen Stand.
Wer nicht weiß, ob ein Text funktioniert, sucht die Antwort außen.
Wer dagegen weiß, warum eine Pointe sitzt und warum eine andere nicht sitzt, braucht dafür niemanden.
Kurz gesagt: Können ersetzt den fremden Maßstab durch einen inneren.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also die Mittel, mit denen du nach einem Auftritt selbst weißt, was funktioniert hat – und zwar bevor die Punkte kommen.
Den Zettel mit dem Datum schreibst du in zwei Minuten. Zu wissen, warum dein Text besser geworden ist, ist die eigentliche Arbeit.
Jahre statt Talent rechnen. Ein Achtel annehmen. Und dem Riesen eine Frage stellen.
Übrigens habe ich einmal jemanden gefragt, den ich für unerreichbar hielt, wie oft er einen Text überarbeitet.
Die Antwort lautete: bis mir schlecht wird, meistens elfmal.
Das war der Abend, an dem aus einem Denkmal ein Kollege wurde.
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Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
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