Vergleiche schärfen: Das kleine Wort „wie“ richtig einsetzen

Bildsprache

Vergleiche schärfen: Das kleine Wort „wie“ richtig einsetzen

Ein schlechter Vergleich macht deinen Text kleiner. Ein guter macht ihn riesig. Der Unterschied liegt in einer einzigen Richtung.
Dreimal dasselbe gemeint: eine sehr lange Wartezeit
Die Zeit zog sich wie Kaugummi.Verbraucht. Das Bild ist da und niemand sieht es mehr.
Es dauerte wie eine Ewigkeit.Rückwärts verglichen: Ewigkeit ist abstrakter als Wartezeit.
Es dauerte, wie das Ende einer Zahnarztspülung dauert.Konkreter als die Sache selbst. Jeder weiß sofort, wie lang das ist.
Griff 1Messbögen 6Maßproben 3Videos 2 deutsche

Der Vergleich ist das ehrlichste Stilmittel, das es gibt. Er sagt offen, dass er ein Bild benutzt.

Genau deshalb wird er unterschätzt.

Und genau deshalb ist er so schwer.

Denn eine Metapher darf ungenau sein.

Ein Vergleich nicht.

Deshalb ist Vergleiche schreiben handwerklich anspruchsvoller, als es aussieht.

Vergleiche schreiben heißt abwägen: der Waschbär hält am Mikrofon zwei unterschiedlich große Dinge gegeneinander
Zwei Dinge, ein Maßstab. Und einer von beiden muss der kleinere sein.

Wer „wie“ sagt, verspricht dem Publikum eine Erklärung.

Kommt danach nichts, das die Sache klarer macht, hast du das Versprechen gebrochen.

Dieser Beitrag zeigt dir, wie du Vergleiche schreiben kannst, die tatsächlich etwas leisten.

Und er zeigt dir, wann du das „wie“ besser streichst.

Zum Mitmachen gibt es sechs Messbögen, drei Maßproben und zwei deutsche Videos.

Denn Vergleiche schreiben scheitert fast nie am Bild.

Es scheitert an der Richtung.

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01

Vergleiche schreiben oder Metapher: der Unterschied

Der Unterschied ist winzig und entscheidet alles.

Die Metapher verschweigt, der Vergleich benennt

Er ist ein Fuchs.

Das ist eine Metapher.

Er ist so geschickt wie ein Fuchs.

Das ist ein Vergleich.

Zunächst klingt der Unterschied nach Haarspalterei.

Danach merkt man, dass alles daran hängt.

Beim Vergleich steht die gemeinsame Eigenschaft ausdrücklich da: geschickt.

Bei der Metapher fehlt sie, und das Publikum muss selbst darauf kommen.

Deshalb nennt man die Metapher auch einen verkürzten Vergleich.

Genau darin liegt beim Vergleiche Schreiben die Chance und die Gefahr zugleich.

Was daraus folgt

Ein Vergleich ist präziser.

Eine Metapher ist stärker.

Denn Genauigkeit und Wucht schließen sich hier gegenseitig aus.

Denn wer die Eigenschaft ausspricht, schließt alle anderen aus.

Das ist ein Gewinn, wenn du genau sein willst.

Und ein Verlust, wenn du willst, dass jeder etwas Eigenes einsetzt.

Die Faustregel in einem Satz
Nimm den Vergleich, wenn du erklären willst.

Nimm die Metapher, wenn du wirken willst.

Und nimm nie beides für dieselbe Sache im selben Text. Dann hebt sich die Wirkung auf.

Die Signalwörter

Ein Vergleich erkennt sich an „wie“ oder „als“.

Außerdem gibt es die längere Form mit „so wie“ und die vergleichende Steigerung mit „als ob“.

Alle drei versprechen dasselbe: Gleich kommt etwas, das die Sache klarer macht.

Deshalb wiegt ein missglückter Vergleich schwerer als eine missglückte Metapher.

Maßprobe
Welcher dieser vier Sätze ist ein Vergleich und keine Metapher?
Auflösung anzeigen
Der dritte. Nur dort steht ein Signalwort und damit ein ausgesprochener Vergleich. Die anderen drei übertragen direkt, ohne „wie“ oder „als“, und sind damit Metaphern. Übrigens ist der dritte auch der einzige, den man noch nie gehört hat.
Nach unten
Wer „wie“ sagt, verspricht eine Erklärung. Und ein gebrochenes Versprechen merkt sich ein Publikum länger als ein schiefes Bild.
02

Der Griff beim Vergleiche Schreiben: immer nach unten

Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.

Es gibt genau eine Regel, und sie ist eine Richtungsangabe.

Der Griff
Die zweite Seite muss konkreter sein als die erste. Immer.

Von groß nach klein. Von abstrakt nach greifbar. Von unbekannt nach vertraut.

Sobald du etwas Konkretes mit etwas Abstraktem vergleichst, hast du die Richtung umgedreht. Und dann erklärt der Vergleich nichts, sondern verdunkelt.

Das war es.

Ein Gefälle, mehr nicht.

Damit wird Vergleiche schreiben von einer Geschmacksfrage zu einer Prüfung.

Vergleiche schreiben heißt Gefälle bauen: eine steil abfallende Straße hinunter zu einem kleinen Ort
Immer bergab. Von der großen Sache zum kleinen Bild, nie umgekehrt.

Warum die Richtung so oft falsch ist

Weil abstrakte Wörter beim Schreiben edler klingen.

Ewigkeit, Abgrund, Ozean, Unendlichkeit.

Das fühlt sich groß an.

Nur weiß niemand, wie lang eine Ewigkeit ist.

Eine Zahnarztspülung dagegen kennt jeder.

Trotzdem greifen fast alle zuerst zur Ewigkeit.

Kurz gesagt: Das Bild muss vertrauter sein als die Sache.

Sonst arbeitet es nicht.

Der Test dafür

Frag dich, welche der beiden Seiten du jemandem leichter erklären könntest.

Wenn die zweite Seite die schwierigere ist, dreh den Vergleich um oder wirf ihn weg.

Außerdem hilft eine zweite Frage: Könnte man die zweite Seite fotografieren?

Damit hast du zwei Prüfungen, die zusammen keine zehn Sekunden dauern.

Bei Ewigkeit geht das nicht.

Bei einem Schrank, den niemand abholt, schon.

Kurz gesagt: Vergleiche schreiben heißt, immer die vertrautere Seite zuletzt zu nennen.

Messbogen 01
Deine Richtungsprüfung
Nimm einen eigenen Vergleich. Schreib beide Seiten getrennt auf und entscheide, welche konkreter ist.
Warum nur ein Griff und nicht zwölf
Weil fast jeder schlechte Vergleich an der Richtung scheitert.

Er ist entweder verbraucht oder er zeigt nach oben. Das Erste merkst du beim Lesen, das Zweite fällt dir ohne diese Regel nie auf.
03

Vier Sachen, dreimal verglichen

So sieht der Griff angewendet aus.

Jedes Mal dieselbe Sache, dreimal verglichen.

Erst verbraucht, dann rückwärts, dann richtig.

Denn beim Vergleiche Schreiben lernt man am Nebeneinander mehr als an jeder Regel.

Zwei Sachen aus dem Alltag

Gemeint ist 01
jemand redet sehr viel
Er redete wie ein Wasserfall.
Verbraucht. Steht seit hundert Jahren in jedem Aufsatz.
Er redete wie ein Strom von Bewusstsein.
Rückwärts. Das Bild ist abstrakter als die Sache.
Er redete, wie ein Drucker druckt, dem niemand den Auftrag abbricht.
Konkret, überprüfbar, und man hört es sogar.
Gemeint ist 02
eine Wohnung ist sehr leer
Die Wohnung war leer wie ein Grab.
Verbraucht, und außerdem zu groß für die Sache.
Die Wohnung war leer wie die Stille selbst.
Rückwärts. Stille kann man nicht besichtigen.
In der Wohnung stand nur noch der Zettel für den Zählerstand.
Kein „wie“ nötig. Manchmal ist das die bessere Lösung.

Zwei Sachen aus dem Körper

Gemeint ist 03
jemand ist sehr erschöpft
Sie war müde wie ein Hund.
Verbraucht, und niemand denkt dabei an einen Hund.
Sie war müde wie nach einem langen Leben.
Rückwärts und zusätzlich pathetisch.
Sie war so müde, wie man nach dem dritten Umzug an einem Tag ist.
Vertraut, überprüfbar, und der dritte Umzug macht es genau.
Gemeint ist 04
eine Begegnung war unangenehm
Es war unangenehm wie ein Zahnarztbesuch.
Verbraucht und außerdem ungenau. Welcher Teil davon?
Es fühlte sich an wie das Scheitern an sich.
Rückwärts, und zwar maximal.
Es war, wie wenn beim Aufzugfahren jemand zusteigt, den man kennt und nicht grüßen will.
Sehr konkret, sehr klein, und deshalb sofort da.
Was die vier unteren Zeilen gemeinsam haben
Keine davon ist poetisch.

Drucker, Zählerstand, dritter Umzug, Aufzug. Das sind alles Dinge, die man anfassen oder erledigen kann.

Und genau deshalb funktionieren sie: Wer vergleicht, schuldet dem Publikum etwas, das es besser kennt als die Sache selbst.
Messbogen 02
Deine drei Stufen
Nimm eine eigene Sache und bau sie dreimal: einmal mit dem verbrauchten Bild, einmal absichtlich rückwärts und einmal richtig. Der Vergleich der drei bringt dir mehr als jede Regel.
04

Homer: Vergleiche schreiben in epischer Breite

Die älteste Form des Vergleichs ist zugleich die ausführlichste.

In der Ilias unterbricht Homer regelmäßig die Schlacht, um ein Bild auszubauen.

Krieger fallen über den Feind her wie Löwen, die vor Hunger über frisches Fleisch geraten.

Und dann geht es nicht sofort weiter.

Das Bild bekommt eigenen Raum.

Denn ein Gleichnis war bei Homer keine Verzierung, sondern ein eigener Abschnitt.

Was diese Gleichnisse tun

Sie schmücken nicht.

Sie kalibrieren die Wahrnehmung neu.

Erstens halten sie den Kampf an und machen aus Handlung einen Vorgang, den man in Ruhe ansehen kann.

Zweitens verankern sie das Heldenhafte im gewöhnlichen Leben: in Arbeit, Wetter, Feld und Ernte.

Und drittens legen sie Bedeutungsebenen übereinander.

Wut wie ein Feuer, das verwüstet und dabei den Boden düngt.

Vergleiche schreiben braucht Größenunterschied: ein großer Findling neben einem winzigen Kiesel
Groß und klein. Der Vergleich läuft immer in eine Richtung.

Der Punkt, der für uns zählt

Homer vergleicht das Außergewöhnliche mit dem Alltäglichen.

Die Schlacht ist das Fremde.

Der Löwe, das Feuer, die Ernte sind das Vertraute.

Damit steht der Griff aus Kapitel zwei bereits in der ältesten Dichtung Europas.

Vergleiche schreiben funktioniert also seit dreitausend Jahren nach derselben Regel.

Außerdem war die Ilias mündlich.

Die Gleichnisse dienten den Rhapsoden als Rhythmusregler beim Vortrag.

Der Fachbegriff, der hilft

Lessing hat für diese Struktur zwei Wörter geprägt: Sachteil und Bildteil.

Der Sachteil ist der Gedanke oder die Abstraktion.

Der Bildteil ist das konkrete Bild, in das man ihn überträgt.

Und der Zweck ist ausdrücklich die Enthüllung, also das Fördern von Verständnis.

Damit ist auch nach zweihundertfünfzig Jahren nichts hinzuzufügen.

Der ehrliche Haken

Homerische Gleichnisse sind lang.

Manche laufen über zehn Verse.

Auf einer Slam-Bühne hast du dafür keine Zeit, und ein ausgebautes Gleichnis kostet dich den Faden.

Trotzdem lohnt sich die Technik in kleiner Dosis: ein Vergleich, der einen Satz länger bleibt als nötig, wirkt oft stärker als drei kurze.

05

Chandler machte den Vergleich zur Visitenkarte

Der Gegenpol ist knapp dreitausend Jahre jünger und wesentlich kürzer.

Raymond Chandler schrieb zwischen 1939 und 1958 sieben Romane um den Detektiv Philip Marlowe.

Auf der ersten Seite von Farewell, My Lovely begegnet Marlowe einem Ex-Häftling namens Moose Malloy.

Und Chandler beschreibt ihn mit einem Vergleich, der bis heute zitiert wird.

Denn Vergleiche schreiben kann auch heißen, eine ganze Figur in einem Satz zu zeigen.

as inconspicuous as a tarantula on a slice of angel food
Raymond Chandler · Farewell, My Lovely, 1940

Auf Deutsch etwa: so unauffällig wie eine Vogelspinne auf einem Stück Biskuittorte.

Warum das so gut ist

Erstens läuft es nach unten.

Unauffälligkeit ist abstrakt, eine Spinne auf Kuchen ist ein Bild.

Zweitens ist es überprüfbar.

Man sieht es sofort und man sieht auch die Farben.

Drittens arbeitet es mit einem Widerspruch.

Etwas Dunkles auf etwas sehr Hellem.

Und viertens sagt es nebenbei etwas über Marlowe.

Nur jemand mit diesem Blick denkt in solchen Bildern.

Außerdem ist es kurz.

Ein Satz, kein Absatz.

Wie Chandler gearbeitet hat

Seine Kollegen bei den Pulp-Magazinen schrieben im Akkord.

Chandler dagegen arbeitete langsam und feilte an der Mechanik jeder einzelnen Zeile.

Damit ist er der beste Beleg dafür, dass gute Vergleiche nicht einfallen, sondern gebaut werden.

Vergleiche schreiben ist Handarbeit: der Waschbär hält zwei Gegenstände nebeneinander und prüft sie
Nebeneinanderhalten und prüfen. Anders entsteht kein guter Vergleich.

Der ehrliche Haken, und er ist wichtig

Chandlers Stil ist so oft kopiert worden, dass die Parodien einem beim Lesen der Originale dazwischenkommen.

Außerdem gilt eine Warnung, die in fast jeder Anleitung zu ihm steht: Zu viele Vergleiche oder zu viel sprachliche Verspieltheit verwandeln einen ernsten Text sofort in Satire.

Das ist die eigentliche Lehre aus Chandler.

Nicht: Bau viele Vergleiche.

Sondern: Bau einen, und der muss sitzen.

Damit ist beim Vergleiche Schreiben die Menge wichtiger als die Qualität des einzelnen Bildes.

05b

Vier Vorräte für die rechte Seite

Die zweite Seite eines Vergleichs kommt nicht aus der Fantasie.

Denn sie muss vertraut sein, und Vertrautes findet man nur da, wo man sich auskennt.

VorratWarum er trägtBeispiel für ein Bild
Handgriffe aus dem BerufÜberprüfbar und selten benutzt.Wie ein Drucker, dem niemand den Auftrag abbricht.
Haushalt und WohnungKennt jeder, benennt kaum jemand.Wie ein Zettel für den Zählerstand in einer leeren Wohnung.
WartesituationenAlle haben dieselben Erfahrungen.Wie das Ende einer Zahnarztspülung.
Geräte und TechnikSehr konkret, aber schnell veraltet.Wie ein Handy, das man lädt, statt es zu halten.

Die erste Zeile ist die ergiebigste und die am wenigsten genutzte.

Denn dein Beruf liefert Vorgänge, die außer dir kaum jemand als Bild benutzt.

Die vierte hat einen eingebauten Nachteil.

Technikbilder altern schneller als alles andere.

Der Vorrat, den ich am meisten empfehle

Wartesituationen.

Denn dort ist die Erfahrung fast identisch, egal wer zuhört.

Außerdem geht es beim Vergleiche Schreiben oft um Dauer, und Dauer lässt sich nur mit Dauer vergleichen.

Kurz gesagt: Für Zeit brauchst du Zeit, für Enge brauchst du Enge, für Leere brauchst du Leere.

Maßprobe
Aus welchem Vorrat stammt der beste Vergleich für ein abstraktes Gefühl?
Auflösung anzeigen
Aus dem eigenen Alltag. Natur und Wetter sind das größte Klischeelager überhaupt. Literarische Bilder setzen Lesekenntnis voraus, und Film-Anspielungen erreichen immer nur einen Teil des Saals. Der eigene Alltag ist konkret, überprüfbar und wird trotzdem von fast niemandem geplündert.
Messbogen 02b
Dein Vorrat
Geh die vier Vorräte durch und such zu mindestens zweien ein konkretes Bild. Danach prüfst du bei jedem die Richtung.
06

Wann du beim Vergleiche Schreiben aufs Signalwort verzichtest

Nicht jede Stelle verträgt einen ausgesprochenen Vergleich.

Denn das Signalwort kündigt an, dass jetzt ein Bild kommt.

Und Ankündigungen kosten Wirkung.

SituationVergleich oder nichtWarum
Du erklärst etwas KompliziertesVergleichDie Eigenschaft muss ausgesprochen werden, sonst rät man.
Du willst, dass es wehtutMetapherOhne „wie“ ist der Leser mitten drin statt daneben.
Du beschreibst eine PersonVergleichEr sagt nebenbei etwas über den Erzähler, siehe Chandler.
Du bist mitten in einer SzeneWeder nochBeschreib einfach genau, was passiert.
Du willst komisch seinVergleichDie Distanz des „wie“ ist die Grundlage jeder Pointe.

Die vierte Zeile ist die unterschätzteste.

Sehr oft ist die beste Lösung gar kein Bild, sondern eine genaue Beobachtung.

In der Wohnung stand nur noch der Zettel für den Zählerstand.

Da braucht es kein „wie“.

Die Regel dahinter

Ein Vergleich lohnt sich, wenn die Sache selbst nicht sichtbar ist.

Gefühle, Zustände, Dauer, Mengen.

Dafür brauchst du ein Bild.

Alles, was man ohnehin sehen kann, beschreibst du besser direkt.

Außerdem gilt: Vergleiche schreiben lohnt sich nur bei Dingen ohne Bild.

Maßprobe
Wann solltest du auf einen Vergleich verzichten?
Auflösung anzeigen
Wenn die Sache selbst schon konkret ist. Ein Bild neben einem sichtbaren Vorgang verdoppelt nur und schwächt beide Hälften. Länge und Publikum ändern daran nichts. Und ein langer Vergleich ist nicht automatisch schlecht — Homer hat davon gelebt.
07

Ansehen: Vergleich und Metapher auseinanderhalten

Zwei deutsche Videos, beide zur Abgrenzung.

Denn wer die beiden verwechselt, wählt auch das falsche Werkzeug.

Zunächst also die Systematik, anschließend zurück an den eigenen Text.

Metapher, Vergleich, Allegorie, Symbol
Vier verwandte Stilmittel in einem Video, sauber gegeneinander abgegrenzt. Gut geeignet, wenn dir die Systematik fehlt.
Was ist eine Metapher? Personifikation? Vergleich?
Dieselbe Abgrenzung an anderen Beispielen. Achte darauf, wie oft die Beispielvergleiche das Signalwort tatsächlich brauchen.
Was in beiden Videos fehlt
In beiden geht es ums Erkennen und Benennen.

Ob ein Vergleich gut ist, kommt in keinem vor. Das ist typisch: Im Deutschunterricht wird das Stilmittel bestimmt, nicht bewertet.

Die Richtungsregel aus Kapitel zwei findest du deshalb nirgends. Sie ist aber der einzige Unterschied, der auf einer Bühne zählt.
Dein Link-Kompass

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Schreiben & Textaufbau
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Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.

Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.

08

Wie viele Vergleiche ein Bühnentext verträgt

Ein Vergleich hält den Text kurz an.

Denn das Publikum verlässt für einen Moment die Szene und schaut sich das Bild an.

Deshalb ist beim Vergleiche Schreiben die Dosierung genauso wichtig wie das Bild selbst.

MengeWas passiertWofür es taugt
Einer im ganzen TextEr wird zum Merkposten und bleibt hängen.Der Normalfall für vier Minuten.
Zwei bis dreiSie stützen sich, wenn sie aus derselben Welt kommen.Längere Texte, wenn die Bilder verwandt sind.
Vier und mehrDer Text wird zur Bildersammlung.Chandler-Parodie, nicht Chandler.
Einer, dafür ausgebautEr wird zur eigenen kleinen Szene.Homers Verfahren. Braucht Mut und Tempo.

Die letzte Zeile ist die interessanteste und die seltenste.

Ein einziger Vergleich, der zwei Sätze lang bleibt, wirkt oft stärker als vier kurze.

Außerdem merkt sich das Publikum ihn, weil er Zeit bekommen hat.

Wo der eine Vergleich stehen sollte

Nicht im ersten Satz.

Da wirkt er wie eine Kostprobe.

Am besten dort, wo der Text etwas erklären muss, das man nicht sehen kann.

Und wenn du nur einen hast, dann bau ihn aus.

Ein halber Satz mehr kostet nichts.

Denn ein ausgebauter Vergleich bekommt Zeit und wird dadurch erinnert.

Messbogen 03
Deine Dosierung
Zähl in einem eigenen Text alle „wie“ und „als“, die ein Bild einleiten. Danach entscheidest du, welcher bleibt.
09

Zehn Fehler beim Vergleiche Schreiben

Fünf Fehler bei der Richtung

Fehler 1: Nach oben vergleichen
Der Grundfehler. Sobald das Bild abstrakter ist als die Sache, erklärt es nichts. Ewigkeit, Abgrund, Unendlichkeit sind die häufigsten Täter.
Fehler 2: Zwei Unbekannte verbinden
Wenn das Publikum weder die Sache noch das Bild kennt, entsteht gar nichts.
Fehler 3: Zu groß wählen
Ein Grab für eine leere Wohnung ist mehrere Nummern zu groß. Der Vergleich soll klären, nicht dramatisieren.
Fehler 4: Das verbrauchte Bild nehmen
Wie ein Wasserfall, wie ein Hund, wie Kaugummi. Diese Bilder werden überhört.
Fehler 5: Die Eigenschaft weglassen
Er war wie ein Fuchs. Wie denn? Schlau, rot, scheu? Ohne benannte Eigenschaft ist es eine schlechte Metapher, kein Vergleich.

Fünf Fehler beim Einbau

Fehler 6: Zwei Vergleiche im selben Satz
Das Publikum muss zweimal umschalten und verliert beide Bilder.
Fehler 7: Den Vergleich erklären
Wenn du nach dem Bild noch sagst, was du meinst, war das Bild überflüssig.
Fehler 8: Vergleich und Metapher mischen
Für dieselbe Sache erst „wie“ sagen und später direkt übertragen wirkt unentschlossen.
Fehler 9: Den Vergleich betonen
Sprich ihn normal. Wer ihn hervorhebt, kündigt an, dass jetzt etwas Schönes kommt.
Fehler 10: Ihn wegen des Klangs behalten
Manche Vergleiche klingen gut und erklären nichts. Die sind am schwersten zu streichen.
Maßprobe
Was ist der häufigste Fehler beim Vergleiche Schreiben?
Auflösung anzeigen
Ein Bild, das abstrakter ist als die Sache. Zu viele Vergleiche merkt man beim Überarbeiten sofort, zu lange auch, und ausgefallen ist meistens ein Vorteil. Die falsche Richtung dagegen fällt niemandem auf, weil das Ergebnis edel klingt. Genau deshalb ist sie so verbreitet.
10

Sechs Übungen für schärfere Vergleiche

Diese sechs kosten dich zusammen kaum eine Stunde.

Denn Vergleiche schreiben lernt man an eigenen Texten, nicht an fremden Beispielen.

Außerdem brauchst du für alle nur Papier und deine eigenen Texte.

Drei Übungen zum Finden

Übung 1 – Die Vorratsliste
Notier zwanzig sehr konkrete Vorgänge aus deinem Alltag. Nicht als Vergleich, nur als Vorgang. Das ist dein Materiallager für die rechte Seite jedes „wie“.
Übung 2 – Fünf Bilder für eine Sache
Nimm ein abstraktes Wort und such fünf konkrete Vorgänge dafür. Prüf bei jedem, ob er wirklich konkreter ist.
Übung 3 – Die Fotoprobe
Geh durch alte Texte und prüf bei jedem Vergleich, ob man die zweite Seite fotografieren könnte. Was nicht geht, fliegt raus.

Drei Übungen zum Bauen

Übung 4 – Die drei Stufen
Bau zu einer Sache das verbrauchte Bild, das rückwärtige und das richtige. Diese Übung schärft den Blick schneller als jede Regel.
Übung 5 – Der Ausbau
Nimm einen kurzen Vergleich und mach ihn einen Satz länger. Homers Verfahren im Kleinen. Meistens gewinnt er dadurch.
Übung 6 – Die Streichprobe
Streich in einem Text alle Vergleiche bis auf einen. Der, den du behalten willst, ist der einzige, der wirklich gebraucht wurde.
Messbogen 04
Deine Vorratsliste
Übung 1 direkt hier. Zwanzig konkrete Vorgänge, keine Bilder. Je alltäglicher, desto brauchbarer.
Abnahme

Deine Maßprüfung

Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.

Damit hast du das Vergleiche Schreiben einmal komplett durchlaufen.

Erledigt
Nachtrag

Der Vergleich, den ich acht Mal umgebaut habe

Ich hatte einen Text über das Warten auf eine Diagnose.

Und ich wollte unbedingt erklären, wie sich diese Wochen anfühlen.

Vergleiche schreiben zahlt sich aus: das Publikum zeigt den Moment des plötzlichen Verstehens
Der Moment, in dem es klickt. Dafür macht man das.

Die ersten sieben Versuche

Wie ein Abgrund.

Wie ein Schwebezustand.

Wie eine Ewigkeit im Wartezimmer.

Alle sieben zeigten nach oben.

Ich habe die Wochen mit etwas verglichen, das noch schwerer zu fassen war.

Und alle sieben klangen dabei ziemlich gut.

Genau das ist die Falle.

Deshalb ist der eigene Geschmack beim Vergleiche Schreiben unzuverlässig.

Der achte

Es war, wie wenn man einen Anruf erwartet und das Handy trotzdem lädt, weil man es nicht in der Hand halten will.

Das ist kein poetisches Bild.

Es ist ein Vorgang, den viele kennen.

Bei der Sache mit dem Handy musste ich schlucken. Vorher habe ich nur zugehört.
Nach dem Auftritt · und das ist der ganze Unterschied

Der Teil, den ich lieber weggelassen hätte

Die sieben schlechten Versuche waren sprachlich sauberer.

Der achte hat einen Nebensatz zu viel und stolpert beim Sprechen leicht.

Trotzdem ist er der einzige, der etwas erklärt.

Und das schlägt jede Eleganz.

Genau darum geht es beim Vergleiche Schreiben: erklären schlägt schmücken.

Weitergehen

Was ein Vergleich nicht kann

Ein guter Vergleich ist das zuverlässigste Erklärwerkzeug, das die Sprache hergibt.

Er ist trotzdem nur eine Stelle im Text.

Denn Vergleiche schreiben ersetzt weder Aufbau noch Timing.

Vergleiche schreiben im Zusammenspiel: der Waschbär steht ruhig auf der Bühne, der Saal hört zu
Ein Vergleich, der sitzt. Der Rest ist Aufbau.

Warum jetzt erst das Handwerk anfängt

Du brauchst eine Sache, die überhaupt erklärt werden muss.

Du brauchst einen Vorrat an konkreten Vorgängen, aus dem du schöpfen kannst.

Und du brauchst die Disziplin, sieben gute Versuche wegzuwerfen.

Außerdem braucht der Text einen Grund, warum an dieser Stelle überhaupt erklärt wird.

Kurz gesagt: Der Vergleich liefert die Klarheit.

Den Grund dafür lieferst du.

Poetry Master
Genau dafür habe ich Poetry Master gebaut.

Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also alles, was um den einen Vergleich herum stehen muss, damit er überhaupt gebraucht wird.

Den Vorrat sammelst du selbst. Den Rahmen liefert das Handwerk.

Vergleich immer nach unten. Und wirf die sieben schönen weg.
Nach unten
Ein Vergleich, der nach oben zeigt, klingt großartig und erklärt nichts. Einer, der nach unten zeigt, klingt banal und trifft.

Übrigens benutze ich den Handy-Vergleich bis heute.

Und jedes Mal denke ich kurz, dass ich ihn eleganter machen sollte.

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sondern anwenden willst — wie ein Sniper mit Reimwaffe:

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✦ ✦ ✦ die zweiunddreißig bücher

Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch
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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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