Du schreibst zwanzig Mails und bekommst zwei Antworten. Beide sind Absagen.
Danach denkst du, dein Text sei das Problem.
Meistens ist er es nicht.
Denn eine Anfrage wird nicht nach Qualität beantwortet.
Sondern nach Aufwand.
Dieser Beitrag zeigt dir, wie du Veranstalter anschreiben kannst, sodass eine Antwort schneller geht als keine.
Denn zwei Untersuchungen erklären ziemlich genau, woran es liegt.
Und eine davon handelt ausgerechnet davon, warum E-Mail der schwächste Kanal ist.
Zum Mitmachen gibt es sechs Bausteine, sechs Mailbögen und vier deutsche Videos.
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Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
Jetzt Kanal folgenWarum die meisten Anfragen an Veranstalter untergehen
Es gibt drei Gründe, und keiner davon ist mangelndes Interesse.
Die Sängerin, die ein Konzerthaus rettete
Um 1960 stand das Pariser Olympia vor dem Aus. Der Leiter Bruno Coquatrix hatte Schulden und mehrere Absagen hintereinander.
Er bat eine befreundete Sängerin um eine Konzertreihe.
Édith Piaf sagte zu, obwohl sie damals schwer krank war und kaum noch auftreten wollte.
Die Auftritte ab Ende 1960 wurden ein großer Erfolg und sollen das Haus vor dem Ruin bewahrt haben.
Interessant ist der Anlass. Es war keine Anfrage an eine Unbekannte, sondern eine Bitte unter Leuten, die sich kannten.
So funktionieren Auftritte bis heute am zuverlässigsten.
Deine Mail ist der Anfang einer Bekanntschaft. Der zweite Auftritt kommt dann meistens ohne Mail zustande.
Erstens: Antworten kostet mehr als Ignorieren
Auf eine offene Anfrage kann man nicht in zehn Sekunden antworten.
Man müsste den Kalender aufmachen, einen Termin suchen, das Video ansehen und dann eine Entscheidung formulieren.
Das dauert zehn Minuten.
Und die hat niemand für dreißig Mails.
Deshalb bleibt die Mail liegen, und liegengebliebene Mails werden nie beantwortet.
Zweitens: Es fehlt ein Aufhänger
Eine Mail ohne Datum, ohne Anlass und ohne Bezug ist ein Vorgang ohne Ablage.
Sie passt in keine Liste und in keinen Kalender.
Kapitel vier zeigt, wie stark schon ein banaler Grund die Zustimmung verändert.
Und banal heißt hier wirklich banal.
Drittens: E-Mail ist der schwächste Kanal
Das ist der Punkt, den fast niemand kennt.
Menschen unterschätzen normalerweise deutlich, wie oft andere zusagen.
Bei E-Mails dreht sich das jedoch um, wie Kapitel fünf zeigt.
Kurz gesagt: Ausgerechnet in dem Kanal, den alle benutzen, wirkt eine Bitte am schwächsten.
Deshalb muss man Veranstalter anschreiben anders, als man ein Gespräch führen würde.
Auflösung anzeigen
Der Griff: mach die Zusage billiger als das Ignorieren
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt genau eine Regel.
Und sie verschiebt die Arbeit von ihm zu dir.
Also: ein konkretes Datum, eine konkrete Länge, ein konkreter Anlass. Und eine Frage, auf die man mit Ja oder Nein antworten kann.
Denn du bittest nicht um Aufmerksamkeit, sondern um eine Entscheidung. Und Entscheidungen trifft man in dem Moment, in dem sie billiger sind als das Verschieben.
Das war es.
Eine Frage, ein Wort Antwort.
Was das konkret bedeutet
Statt hättet ihr mal was frei schreibst du: Habt ihr am zweiten Freitag im März noch fünf Minuten?
Denn auf die erste Frage kann man nur mit Arbeit antworten, auf die zweite mit Ja oder Nein.
Außerdem hast du damit die Terminsuche übernommen, die sonst der Empfänger machen müsste.
Das ist der ganze Unterschied zwischen einer Anfrage und einem Angebot.
Der Zusatz, der noch mehr bringt
Nimm dem Empfänger auch das Absagen ab.
Ein Satz wie: Wenn es nicht passt, musst du nicht antworten, senkt die Kosten einer Absage auf null.
Das klingt paradox, erhöht aber die Zahl der Antworten, weil niemand mehr ein schlechtes Gewissen umgehen muss.
Kurz gesagt: Wer nicht antworten muss, antwortet öfter.
Damit wird aus einer Anfrage ein Angebot, und Angebote werden beantwortet.
Was du dabei durchhältst, ist eine einzige Prüffrage. Und die lautet: Kann er mit einem Wort antworten?
Alles andere in diesem Beitrag ist Ausgestaltung. Diese Frage ist der Kern.
Sechs Bausteine der Mail, mit der du Veranstalter anschreibst
Jetzt wird es konkret.
Denn eine gute Anfrage hat immer dieselben sechs Teile.
Und keiner davon ist ein Werbetext.
Drei Bausteine, die über das Öffnen entscheiden
Drei Bausteine, die über die Antwort entscheiden
Das klingt nach wenig und ist Absicht. Alles, was darüber hinausgeht, senkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie zu Ende gelesen wird.
Und eine Mail, die nicht zu Ende gelesen wird, kann auch nicht beantwortet werden.
Warum schon ein banaler Grund die Zusage verdoppelt
Es gibt ein Experiment am Kopierer, das genau diesen Punkt zeigt.
Und sein Ergebnis ist so absurd, dass man es zweimal lesen muss.
Ellen Langer, Arthur Blank und Benzion Chanowitz veröffentlichten 1978 im Journal of Personality and Social Psychology die Arbeit The Mindlessness of Ostensibly Thoughtful Action.
Bekannt ist sie heute als Kopierer-Studie.
Der Aufbau
Eine eingeweihte Person stellte sich an eine Warteschlange am Kopierer und bat darum, vorgelassen zu werden.
Dabei gab es drei Varianten der Bitte.
Ohne Grund, mit echtem Grund und mit einem Grund, der gar keiner war.
Die dritte Variante lautete sinngemäß: Darf ich das Kopiergerät benutzen, weil ich Kopien machen muss?
Das Ergebnis
Ohne Grund stimmten sechzig Prozent zu.
Mit echtem Grund waren es vierundneunzig Prozent.
Und mit dem inhaltsleeren Grund immer noch dreiundneunzig Prozent.
Der Unterschied zwischen echtem und leerem Grund war also kaum messbar.
„Das Wort weil erledigt einen großen Teil der Arbeit. Der Inhalt des Grundes tat bei einer kleinen Bitte fast nichts dazu.Kern der Kopierer-Studie 1978 · sinngemäß zusammengefasst
Der Zusatz, den man mitzitieren muss
Bei einer kleinen Bitte reichte der Scheingrund vollkommen aus.
Bei einer größeren Bitte tat er das nicht mehr, dort wirkte nur noch der echte Grund.
Und ein Auftritt ist eine größere Bitte als fünf Kopien.
Deshalb lautet die Übersetzung nicht: Erfinde irgendeinen Grund.
Sondern: Nenn deinen echten Grund, auch wenn er banal klingt.
Was das für deine Mail heißt
Der Satz weil ich an dem Wochenende sowieso in Kassel bin wirkt stärker als gar kein Grund.
Und er wirkt stärker als ein pathetischer Grund über deine künstlerische Entwicklung.
Denn er ist überprüfbar, praktisch und erklärt tatsächlich, warum diese Mail jetzt und an diese Bühne geht.
Kurz gesagt: Banale Gründe sind keine Schwäche.
Sie sind die glaubwürdigsten.
Deshalb gehört in jede Mail an einen Veranstalter ein Nebensatz mit weil.
Der ehrliche Haken, und er ist gemischt
Die Replikationslage ist uneinheitlich.
Valerie Folkes veröffentlichte 1985 vier Studien mit demselben Aufbau, von denen zwei die Ergebnisse ausdrücklich nicht bestätigten.
Andere Arbeiten fanden den Effekt dagegen wieder, etwa eine Untersuchung von 2008 in Personality and Individual Differences.
Für dich heißt das: Ein Grund schadet nie und hilft vermutlich.
Auf die genauen Prozentzahlen solltest du nicht wetten.
Warum Veranstalter anschreiben per Mail am schwächsten wirkt
Jetzt zu der Untersuchung, die dieses ganze Kapitel unbequem macht.
Denn sie erklärt, warum du dich beim Anschreiben systematisch verschätzt.
Francis Flynn und Vanessa Bohns veröffentlichten 2008 im Journal of Personality and Social Psychology die Arbeit If you need help, just ask.
Auf Deutsch etwa: Wenn du Hilfe brauchst, frag einfach.
Der Befund, der Mut macht
In sechs Studien unterschätzten Menschen deutlich, wie oft andere zusagen.
In den ersten drei Studien lag die Unterschätzung bei bis zu fünfzig Prozent.
Und zwar sowohl im Labor als auch im echten Leben.
Die Erklärung fanden sie in der letzten Studie.
Wer bittet, denkt an die Kosten einer Zusage.
Wer gefragt wird, denkt an die sozialen Kosten einer Absage.
„Wer um etwas bittet, unterschätzt regelmäßig, wie unangenehm es für den anderen wäre, nein zu sagen.Kern von Flynn und Bohns 2008 · sinngemäß zusammengefasst
Und jetzt die Wendung
Dieser Effekt hängt am Kanal.
Und zwar stark.
Bei einer Bitte von Angesicht zu Angesicht unterschätzen Menschen die Zusagen.
Bei Aushängen und bei Anfragen per E-Mail dagegen überschätzen sie die Zusagen, wie Untersuchungen aus derselben Arbeitsgruppe zeigen.
Also ausgerechnet dort, wo fast alle anfragen, wirkt eine Bitte am schwächsten.
Warum das so ist
Weil die sozialen Kosten einer Absage in einer Mail fast bei null liegen.
Niemand muss dir ins Gesicht schauen und niemand muss überhaupt reagieren.
Deshalb funktioniert das Nichtantworten als Absage.
Und zwar völlig folgenlos.
Kurz gesagt: Eine Mail nimmt der Bitte genau die Kraft, die sie im Gespräch hätte.
Was du praktisch daraus machst
Erstens: Erhöhe künstlich, was die Mail sonst nicht hat, nämlich Verbindlichkeit durch Datum, Anlass und Namen.
Zweitens: Nutze persönliche Wege, wo es geht.
Ein Gespräch nach einem Abend schlägt zehn Mails.
Drittens: Rechne fest damit, dass viele Mails unbeantwortet bleiben, und schreib entsprechend mehr davon.
Denn das ist kein Urteil über dich, sondern eine Eigenschaft des Kanals.
Der ehrliche Haken, und er betrifft die Zahlen
Die Studien wurden überwiegend mit Studierenden in Nordamerika durchgeführt.
Außerdem ging es um kleine Gefälligkeiten wie das Ausleihen eines Telefons und nicht um Auftrittsanfragen.
Und die Angabe mit den fünfzig Prozent bezieht sich auf bestimmte Studien und ist keine allgemeine Konstante.
Die Richtung ist aber gut abgesichert, und um die geht es hier.
Dieselbe Anfrage an denselben Veranstalter, zweimal geschrieben
Genug Theorie.
Hier ist eine echte Anfrage in zwei Fassungen.
Denn beim Veranstalter anschreiben sieht man den Unterschied sofort.
Zum Umschalten
Beide Mails wollen dasselbe.
Die zweite ist sogar kürzer, sie hat nur die Arbeit anders verteilt.
Außerdem enthält sie einen Satz, den man nicht erfinden kann: die Erinnerung an einen bestimmten Abend.
Kurz gesagt: Der Unterschied liegt nicht im Ton.
Sondern in der Rechnung.
Damit lässt sich jeder Veranstalter anschreiben, ohne aufdringlich zu wirken.
Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Sieben ungewöhnliche Wege, Veranstalter anzuschreiben
Jetzt kommt der Teil, den du woanders nicht findest.
Diese sieben Ideen klingen schräg und funktionieren trotzdem.
Sie sind Erfahrungswerte aus der Szene und keine Studienergebnisse.
Genau so solltest du sie behandeln.
Drei Vorschläge, die den Betreff betreffen
Erstens: Fang den Betreff mit dem Datum an
Zweitens: Schreib die Minutenzahl in den Betreff
Drittens: Frag nach der Warteliste statt nach einem Termin
Außerdem ist die dritte Idee die einzige, bei der ein Ja fast nichts kostet.
Vier Vorschläge, die den Inhalt betreffen
Viertens: Biete an, das Opferlamm zu machen
Fünftens: Melde dich als kurzfristiger Ersatz
Sechstens: Frag nach der Technik statt nach dem Slot
Siebtens: Schreib nach einem Abend, an dem du Gast warst
Alle sieben bieten stattdessen etwas an: eine Lösung, eine Reserve, eine leichte Frage oder eine echte Beobachtung.
Und genau das ist der Unterschied zwischen einer Bewerbung und einem Kontakt. Bewerbungen werden sortiert, Kontakte beantwortet.
Was in eine Anfrage nicht hineingehört
Fast alle Anfragen sind zu lang.
Und zwar an denselben Stellen.
Denn beim Veranstalter anschreiben schreibt man aus Unsicherheit mehr statt weniger.
| Das schreiben viele | Warum es schadet | Was stattdessen |
|---|---|---|
| Den kompletten Werdegang | Er entscheidet über einen Abend, nicht über eine Laufbahn. | Ein Halbsatz, wenn überhaupt. |
| Drei Videolinks | Drei Links heißen null angesehene Videos. | Ein Link, und zwar optional. |
| Alle Themen deiner Texte | Das liest niemand und beantwortet niemand. | Gar nichts. Er hört es dann selbst. |
| Eine lange Begründung | Lange Gründe wirken wie Rechtfertigung. | Ein Nebensatz mit weil. |
| Preisvorstellungen ungefragt | Das verschiebt das Gespräch, bevor es begonnen hat. | Nachfragen, wenn zugesagt wurde. |
Die zweite Zeile ist die wichtigste und die schwerste.
Denn drei Links wirken wie Auswahl und erzeugen tatsächlich Entscheidungsdruck.
Und Entscheidungsdruck ist genau das, was die Mail liegen lässt.
Deshalb gilt: ein Link, und lieber hinter einem Wenn-Satz versteckt.
Die Sache mit dem Anhang
Häng nichts an, auch kein PDF und kein Foto.
Denn Anhänge landen in Spamfiltern, blähen die Mail auf und werden selten geöffnet.
Ein Link ist harmloser, kürzer und lässt sich später ansehen.
Kurz gesagt: Deine Mail soll auf ein Handydisplay passen.
Denn Veranstalter anschreiben heißt kürzen und nicht ergänzen.
Zehn Fehler beim Veranstalter anschreiben
Zunächst fünf in der Mail, anschließend fünf drumherum.
Fünf Fehler in der Mail
Fehler 1: Keine konkrete Bitte
Fehler 2: Kein Datum
Fehler 3: Kein Grund
Fehler 4: Zu lang
Fehler 5: Auf Antwort drängen
Denn beim Veranstalter anschreiben verliert man fast immer durch zu viel.
Fünf Fehler drumherum
Fehler 6: Nur Mails schreiben
Fehler 7: Nach einer Absage nicht wiederkommen
Fehler 8: Nie nachfassen
Fehler 9: Zwanzig Bühnen gleichzeitig anschreiben
Fehler 10: Das Nichtantworten persönlich nehmen
Also nicht: Habt ihr meine Mail bekommen? Sondern: Ich frage nur kurz nach, weil ich sonst den Termin anderweitig vergebe.
Damit ist deine Nachfrage kein Vorwurf, sondern eine Information. Und sie hat einen Grund, was nach Kapitel vier den Unterschied macht.
Sechs Übungen, um Veranstalter besser anzuschreiben
Das lässt sich üben.
Und zwar bevor du die erste Mail abschickst.
Denn die meisten Fehler entstehen beim Schreiben und nicht bei der Auswahl.
Drei Übungen am Schreibtisch
Übung 1 – Die Zehn-Sekunden-Probe
Übung 2 – Die Achtzig-Wörter-Grenze
Übung 3 – Der Betreff zuletzt
Außerdem zeigt dir Übung eins fast immer, dass der Mittelteil zu lang ist.
Drei Übungen außerhalb der Mail
Übung 4 – Der Gastbesuch
Übung 5 – Die Liste
Übung 6 – Das Gespräch statt der Mail
Denn Übung sechs nutzt genau den Kanal, in dem eine Bitte am stärksten wirkt.
Deine Mailprobe
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Damit ist die nächste Anfrage vorbereitet statt geraten.
Vierzig Mails und eine Antwort
Ich habe in meinem ersten Jahr vierzig Bühnen angeschrieben.
Ich bekam vier Antworten, davon drei Absagen.
Und ich habe daraus den völlig falschen Schluss gezogen.
Was ich gedacht habe
Dass ich noch nicht gut genug bin.
Also habe ich ein halbes Jahr lang keine Mail mehr geschrieben und stattdessen geübt.
Das war nicht falsch.
Aber es war die Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hatte.
Denn niemand hatte meine Texte abgelehnt.
Niemand hatte sie überhaupt gesehen.
Was ich hinterher erfahren habe
Eine Veranstalterin hat mir Jahre später erzählt, wie ihr Posteingang aussieht.
Sie bekommt ungefähr fünfzehn Anfragen im Monat und beantwortet vielleicht drei.
Nicht die drei besten, sondern die drei, bei denen sie in zehn Sekunden wusste, was zu tun ist.
Die anderen zwölf schiebt sie auf und vergisst sie.
„Ich beantworte nicht die guten Mails. Ich beantworte die einfachen.Sinngemäß, eine Veranstalterin — und der Grund für diesen ganzen Beitrag
Was ich daraus gemacht habe
Ich habe meine Standardmail auf achtzig Wörter gekürzt.
Ich habe angefangen, das Datum in den Betreff zu schreiben.
Und ich habe den Satz ergänzt, dass niemand antworten muss.
Danach kamen aus zwanzig Mails elf Antworten, davon sechs Zusagen.
Wie ich es heute mache
Ich gehe erst als Gast hin und schreibe am Tag danach.
Ich frage nach einem konkreten Datum und biete die Warteliste an.
Und wenn nichts kommt, frage ich genau einmal nach.
Was eine gute Mail nicht kann
Eine gute Anfrage bringt dich auf die Bühne.
Wieder eingeladen wirst du deswegen nicht.
Denn Veranstalter anschreiben bringt dich hin und nicht zurück.
Warum jetzt erst das Handwerk anfängt
Veranstalter buchen selten wegen einer Mail zum zweiten Mal.
Sie buchen wieder, weil ein Abend gut lief und weil du unkompliziert warst.
Und der erste Teil davon entscheidet sich an deinem Text.
Kurz gesagt: Die Mail bringt dich einmal hin.
Bleiben darfst du wegen des Textes.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also alles, was nach dem Ja der Veranstalterin tatsächlich zählt.
Die Mail schreibst du in zehn Minuten. Den Abend baust du vorher.
Ein Datum, ein Grund, eine Frage mit Ja oder Nein.
Übrigens sind zwei meiner besten Bühnen aus dem Opferlamm-Angebot entstanden.
Es wollte einfach sonst niemand machen.
Und beide Male hat mich hinterher jemand gefragt, ob ich wiederkomme.
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Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
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