Der Text sitzt, die Stimme ist warm, das Outfit ist geprüft. Und dann steht der Zug.
Ich habe lange geglaubt, dass die Anreise vor dem Auftritt liegt.
Sie liegt aber nicht davor.
Sie ist der erste Teil davon.
Denn was du im Kopf mitbringst, wenn du den Saal betrittst, hat sich in den zwei Stunden davor gebildet.
Deshalb gehört die Anfahrt zum Auftritt in dieselbe Planung wie der Text.
Dieser Beitrag zeigt dir, wie du deine Anfahrt zum Auftritt so planst, dass sie dir nichts wegnimmt.
Und warum die üblichen Puffer systematisch zu klein sind.
Zum Mitmachen gibt es sechs Etappen, sechs Reisebögen und vier deutsche Videos.
Außerdem besteht der wichtigste Handgriff aus einem einzigen Klick.
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Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
Jetzt Kanal folgenWas eine hektische Anfahrt zum Auftritt anrichtet
Es gibt drei Wirkungen.
Und alle drei halten länger an, als man denkt.
Der Forscher, der Jahre lang nur packte
Alexander von Humboldt bereitete seine Südamerikareise über Jahre vor.
Als er am 5. Juni 1799 ablegte, hatte er rund fünfzig Messgeräte an Bord.
Sextanten, Teleskope, Barometer, Thermometer, dazu eine Längenuhr.
Alles musste später von Trägern und Maultieren durch den Urwald geschleppt werden.
Die Reiseroute selbst legte er dagegen nicht fest. Es wurde unterwegs entschieden, welcher Weg günstiger war.
Das ist eine brauchbare Aufteilung für jede Anfahrt.
Was du mitnimmst, klärst du vorher in Ruhe. Wie der Tag läuft, entscheidest du unterwegs.
Erstens: Der Puls bleibt oben
Wer rennt, hat einen erhöhten Puls.
Und der sinkt nicht in drei Minuten.
Du kommst also mit einem Körper an, der bereits im Alarmzustand ist.
Und auf diesen Zustand legt sich dann die normale Aufregung noch obendrauf.
Aus einem gut handhabbaren Lampenfieber wird so ein deutlich unangenehmeres.
Zweitens: Der Kopf ist noch in der Reise
Wer bis zur letzten Minute Anschlüsse gerechnet hat, denkt weiter in Anschlüssen.
Das Arbeitsgedächtnis ist dann mit Fahrplänen belegt statt mit deinem ersten Satz.
Genau deshalb passiert das Steckenbleiben überdurchschnittlich oft bei Leuten, die knapp angekommen sind.
Drittens: Du kennst den Raum nicht
Wer fünf Minuten vor der Anmeldung ankommt, sieht die Bühne zum ersten Mal, wenn er darauf steht.
Dabei ist genau das eine der wenigen Informationen, die dir wirklich helfen: Wie groß ist der Raum, wie weit sitzt die erste Reihe, wo steht das Mikrofon.
Diese drei Antworten kosten dich zwei Minuten und beruhigen erstaunlich stark.
Genau dafür braucht die Anfahrt zum Auftritt einen Puffer und keinen Fahrplan.
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Der Griff für die Anfahrt zum Auftritt: eine Verbindung früher
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt genau eine Regel.
Und sie kostet dich eine Stunde Lebenszeit.
Nicht die mit zehn Minuten mehr Puffer, sondern die eine Stunde früher.
Denn ein kleiner Puffer schützt gegen kleine Verspätungen, und die sind selten das Problem. Was dich erwischt, ist der verpasste Anschluss — und der kostet fast immer eine ganze Taktlücke.
Das war es.
Eine Verbindung, mehr nicht.
Damit wird die Anfahrt zum Auftritt von einer Hoffnung zu einer Planung.
Warum kleine Puffer wenig bringen
Weil Verspätungen nicht gleichmäßig verteilt sind.
Die meisten Züge sind pünktlich oder wenige Minuten zu spät, und dagegen hilft schon der Fahrplan selbst.
Der Schaden entsteht in den seltenen Fällen: Anschluss weg, Zug fällt aus, Strecke gesperrt.
Und in diesen Fällen sind zehn Minuten Puffer genauso nutzlos wie gar keiner.
Was die Stunde tatsächlich abdeckt
Im Fernverkehr meistens den nächsten Zug derselben Linie.
Im Regionalverkehr je nach Takt eine oder zwei Verbindungen.
Und wenn nichts passiert, hast du eine Stunde vor Ort, die du sowieso gut gebrauchen kannst.
Kurz gesagt: Die Stunde ist entweder Versicherung oder Vorbereitung.
Verloren ist sie nie.
Sitzplatzreservierung, Wagenreihung, richtiger Bahnsteigabschnitt: alles nützlich, alles wirkungslos, wenn der Anschluss weg ist.
Eine ganze Verbindung Vorlauf schlägt jede Feinplanung.
Sechs Etappen der Anfahrt und was sie wirklich dauern
Jetzt wird es konkret.
Denn bei der Anfahrt zum Auftritt unterschätzt man nicht die Fahrzeit.
Sondern alles davor und danach.
Die Fahrzeit steht im Fahrplan.
Der Rest steht nirgends.
Zunächst also die drei Etappen, die vor der eigentlichen Fahrt liegen.
Drei Etappen vor der Fahrt
Drei Etappen nach der Ankunft
In der linken Spalte kommen etwa vierzig Minuten heraus. In der rechten deutlich über neunzig.
Der Unterschied ist genau die Stunde, um die es in Kapitel zwei geht. Sie ist also kein Luxus, sondern die Differenz zwischen Wunsch und Erfahrung.
Warum du die Anfahrt zum Auftritt immer unterschätzt
Dass du dich bei der Anreise verschätzt, ist keine persönliche Schwäche.
Es ist einer der am besten belegten Denkfehler überhaupt.
Daniel Kahneman und Amos Tversky beschrieben ihn 1979 und nannten ihn planning fallacy, auf Deutsch Planungsfehlschluss.
Kahneman erhielt 2002 den Wirtschaftsnobelpreis für seine Arbeiten zu Entscheidungen unter Unsicherheit.
Worin der Fehlschluss besteht
Menschen und Organisationen unterschätzen systematisch, wie lange sie für etwas brauchen werden.
Gleichzeitig überschätzen sie den Nutzen und unterschätzen die Risiken.
Und das Bemerkenswerte daran: Der Fehler bleibt bestehen, auch wenn man ihn kennt.
Selbst wer weiß, dass er sich immer verschätzt, verschätzt sich beim nächsten Mal wieder.
Die Erklärung, die weiterhilft
Kahneman und Tversky unterscheiden zwei Blickwinkel.
Die Innensicht schaut auf den konkreten Fall: diese Fahrt, dieser Zug, dieser Umstieg.
Die Außensicht schaut auf die Verteilung: Wie sind vergleichbare Fahrten in der Vergangenheit tatsächlich gelaufen?
Ihre Diagnose ist eindeutig: Das Ignorieren dieser Verteilungsinformation sei vielleicht die wichtigste Fehlerquelle beim Vorhersagen überhaupt.
Die vorherrschende Neigung, Verteilungsinformationen zu unterschätzen oder zu ignorieren, ist vielleicht die Hauptfehlerquelle beim Prognostizieren.Kahneman und Tversky 1979 · sinngemäß übersetzt
Was das für dich heißt
Deine Innensicht sagt: Der Umstieg hat acht Minuten, das reicht.
Deine Außensicht sagt: Von den letzten zehn Auftrittsfahrten sind zwei nicht wie geplant gelaufen.
Die zweite Zahl ist die brauchbare.
Und niemand führt sie.
Genau deshalb steht in diesem Beitrag zweimal, dass du mitschreiben sollst.
Denn eine ehrliche Anfahrt zum Auftritt planst du mit Zahlen und nicht mit Gefühl.
Flyvbjerg baute daraus ein brauchbares Werkzeug
Eine Diagnose allein hilft wenig.
Deshalb entwickelten Kahneman, Tversky und der dänische Planungsforscher Bent Flyvbjerg daraus ein Verfahren.
Es heißt reference class forecasting, auf Deutsch etwa Prognose über eine Vergleichsklasse.
Wie es funktioniert
Nicht den Einzelfall schätzen, sondern eine Klasse ähnlicher Fälle heranziehen.
Also nicht fragen: Wie lange dauert diese Fahrt?
Sondern: Wie lange haben vergleichbare Fahrten in der Vergangenheit gedauert?
Der entscheidende Schritt ist, den Blick vom eigenen Plan wegzunehmen und auf die Daten zu richten.
Wo das Verfahren herkommt
Aus der Großprojektforschung.
Flyvbjerg und Kollegen zeigten in mehreren Arbeiten, dass Kosten- und Nutzenprognosen bei Großprojekten regelmäßig stark daneben liegen.
2005 empfahl die American Planning Association das Verfahren offiziell als Ergänzung zu den herkömmlichen Methoden.
Es ist also kein Ratgebertrick, sondern ein Planungswerkzeug mit Praxis.
Wie du es auf deine Anfahrt zum Auftritt anwendest
Führ eine Liste deiner letzten zehn Auftrittsfahrten.
Notier zu jeder nur zwei Dinge: geplante Ankunft und tatsächliche Ankunft.
Nach zehn Einträgen hast du deine eigene Vergleichsklasse.
Und die sagt dir mehr als jede Einschätzung am Abend vorher.
Der ehrliche Haken, und er ist neuer als das Verfahren
Die Sache ist in der Fachdiskussion nicht unumstritten.
Eine Übersichtsarbeit von 2025 in Production Planning & Control kommt zu einem gemischten Befund.
Für den Optimismus-Bias als Ursache von Kostenunterschätzungen sei die Beleglage uneinheitlich: Manche Untersuchungen fanden ihn plausibel, andere fanden keinen Beleg, und einzelne fanden sogar das Gegenteil, also eine pessimistische Verzerrung.
Für Großprojekte ist die Frage also offen.
Warum es für dich trotzdem funktioniert
Weil du deine eigenen Daten benutzt und keine fremden.
Der Streit dreht sich um die Frage, ob eine bestimmte Verzerrung Großprojekte erklärt, nicht darum, ob es hilft, in die Vergangenheit zu schauen.
Und zehn eigene Fahrten sind eine kleine.
Aber vollkommen ehrliche Datenbasis.
Kurz gesagt: Nimm das Verfahren und lass die Debatte den Fachleuten.
Damit wird die Anfahrt zum Auftritt planbar, ohne dass du Statistik können musst.
Auto, Fahrrad, Mitfahrt: dieselbe Rechnung
Der Griff aus Kapitel zwei ist kein Bahnthema.
Denn die Anfahrt zum Auftritt unterschätzt man mit jedem Verkehrsmittel.
Die Verspätungen sehen nur anders aus.
| Verkehrsmittel | Was schiefgeht | Was du einplanst |
|---|---|---|
| Bahn | Anschluss weg, Zug fällt aus, Gleiswechsel. | Eine ganze Verbindung Vorlauf. |
| Auto | Stau, Baustelle, Parkplatzsuche in der fremden Stadt. | Dreißig Minuten für den Parkplatz allein. |
| Fahrrad | Regen, Panne, Steigung, unterschätzte Entfernung. | Ein Drittel mehr Fahrzeit und trockene Wechselkleidung. |
| Mitfahrt | Die andere Person plant nach ihrem Maßstab. | Vorher absprechen, wann ihr losfahrt, nicht wann ihr ankommt. |
| Zu Fuß | Wird fast nie unterschätzt. | Nichts. Die einzige zuverlässige Variante. |
Die vierte Zeile ist die heikelste.
Bei einer Mitfahrt gibst du deinen Puffer aus der Hand, ohne es zu merken.
Denn dein Gegenüber plant nach seinem Auftritt, nicht nach deinem.
Deshalb geht es bei einer Absprache nicht um die Ankunftszeit.
Sondern um die Abfahrtszeit.
Warum das Auto seltener hilft als gedacht
Viele weichen nach schlechten Bahnerfahrungen aufs Auto aus.
Das verlagert die Unsicherheit aber nur, statt sie zu beseitigen.
Ein Stau kostet dich genauso eine Stunde, und einen Ersatzzug gibt es nicht.
Dazu kommt, dass du nach dem Auftritt fahren musst.
Und zwar müde.
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Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Anfahrt zum Auftritt: was die Pünktlichkeitszahlen sagen
Für die Außensicht aus Kapitel vier gibt es öffentliche Daten.
Denn bei der Anfahrt zum Auftritt musst du die Vergleichsklasse nicht raten.
Die Deutsche Bahn veröffentlicht ihre Pünktlichkeitswerte jedes Jahr.
Die Werte für 2025
Im Fernverkehr waren 60,1 Prozent der Züge pünktlich, nach 62,5 Prozent im Vorjahr.
Im Regionalverkehr waren es 88,7 Prozent, nach 90,3 Prozent.
Über alle Zuggattungen des Personenverkehrs hinweg lag der Wert bei 88,0 Prozent.
Als Hauptursachen nennt das Unternehmen den Zustand der Schieneninfrastruktur und das steigende Verkehrsaufkommen.
Die Zahl, auf die es für dich ankommt
Nicht die Zugpünktlichkeit, sondern die Reisendenpünktlichkeit.
Sie berücksichtigt, ob Reisende tatsächlich rechtzeitig ankommen, inklusive verpasster Anschlüsse.
Sie lag 2025 im Fernverkehr bei 65,5 Prozent, nach 67,4 Prozent im Vorjahr.
Anders gesagt: Etwa jede dritte Fernverkehrsreise endet nicht wie geplant.
Was man dabei wissen sollte
Pünktlich heißt in dieser Statistik: weniger als sechs Minuten Verspätung.
Bei der Reisendenpünktlichkeit liegt die Schwelle bei knapp fünfzehn Minuten, wie auch bei Fernbus und Flugzeug.
Und die Werte schwanken stark: Im Oktober 2025 lag die Fernverkehrspünktlichkeit bei 51,5 Prozent.
Eine Jahreszahl ist also ein Mittelwert und keine Zusage für deinen Freitagabend.
Was daraus folgt und was nicht
Es folgt daraus nicht, dass Bahnfahren zum Auftritt eine schlechte Idee wäre.
Im Regionalverkehr, auf dem die meisten Slam-Anreisen stattfinden, liegen die Werte deutlich höher.
Es folgt nur eines: Plane mit der Verteilung, nicht mit dem Fahrplan.
Kurz gesagt: Der Fahrplan ist ein Angebot und keine Garantie.
Und das gilt für jedes Verkehrsmittel, auch für die Autobahn am Freitagnachmittag.
Denn die Anfahrt zum Auftritt scheitert selten am Zug und meistens an der Planung.
Wenn die Anfahrt zum Auftritt doch schiefgeht
Irgendwann erwischt es dich.
Und dann zählt, was du vorher festgelegt hast.
Denn bei einer gestörten Anfahrt zum Auftritt triffst du unterwegs zuverlässig schlechte Entscheidungen.
| Situation | Was du machst | Warum |
|---|---|---|
| Zug verspätet, Anschluss wackelt | Sofort Alternativen suchen, nicht abwarten. | Der beste Ersatzzug ist meistens der, den du jetzt noch erreichst. |
| Anschluss weg | Beim Veranstalter Bescheid geben, mit Ankunftszeit. | Zwei Sätze reichen. Veranstalter können umstellen, wenn sie es wissen. |
| Deutlich zu spät | Fragen, ob du später auftreten kannst. | Bei offenen Bühnen geht das fast immer und niemand ist verärgert. |
| Zug fällt aus | Fahrgastrechte prüfen, aber erst später. | Unterwegs kostet das Konzentration. Der Anspruch verfällt nicht in zwei Stunden. |
| Gar keine Chance | Früh absagen statt spät verspätet ankommen. | Eine Absage um 17 Uhr ist harmlos. Eine um 20:45 Uhr ist ein Problem. |
Die zweite Zeile ist die wichtigste und wird am seltensten gemacht.
Viele melden sich erst, wenn sie schon zu spät sind, aus einer Art Scham.
Dabei ist eine frühe Nachricht das Einzige, womit der Veranstalter noch etwas anfangen kann.
Und sie kostet dich zwei Sätze, die du im Zug sowieso tippen könntest.
Die praktische Einstellung, die kaum jemand kennt
In der Reiseauskunft und im DB Navigator lässt sich die Mindestumstiegszeit einstellen.
Damit werden dir nur noch Verbindungen mit dem gewünschten Puffer angezeigt.
In der App findest du das unter Optionen und dann Umstiegszeit, wählbar sind bis zu fünfundvierzig Minuten.
Das ist die eine Einstellung, die diesen ganzen Beitrag automatisiert.
Was du zu Fahrgastrechten wissen solltest
Ab sechzig Minuten Verspätung am Zielbahnhof gibt es fünfundzwanzig Prozent des Fahrpreises für die einfache Fahrt zurück.
Ab hundertzwanzig Minuten sind es fünfzig Prozent.
Beträge unter vier Euro werden wegen einer gesetzlichen Bagatellgrenze nicht ausgezahlt, mehrere Fälle lassen sich aber sammeln.
Das ersetzt keinen Auftritt, ist aber besser als nichts.
Damit ist eine gescheiterte Anfahrt zum Auftritt wenigstens nicht auch noch teuer.
Zehn Fehler bei der Anfahrt zum Auftritt
Zunächst fünf bei der Planung, anschließend fünf unterwegs.
Fünf Fehler bei der Planung
Fehler 1: Nach dem Fahrplan planen statt nach Erfahrung
Fehler 2: Nur die Fahrzeit einrechnen
Fehler 3: Knappe Umstiege akzeptieren
Fehler 4: Am Auftrittstag packen
Fehler 5: Keine Rückfahrt planen
Denn bei der Anfahrt zum Auftritt entscheidet die Planung mehr als das Glück.
Fünf Fehler unterwegs
Fehler 6: Abwarten statt umplanen
Fehler 7: Sich zu spät melden
Fehler 8: Im Zug den Text durchgehen
Fehler 9: Unterwegs nichts trinken
Fehler 10: Direkt vom Bahnsteig auf die Bühne
Was du auf der Fahrt sinnvoll machst
Eine geplante Anfahrt zum Auftritt schenkt dir Zeit, die vorher niemand hatte.
Denn zwei Stunden Zug sind zwei Stunden, in denen niemand etwas von dir will.
Drei Dinge, die sich lohnen
Erstens: Den ersten Satz festigen
Zweitens: Schreiben
Drittens: Nichts tun
Denn eine ruhige Anfahrt zum Auftritt ist der einzige Teil des Abends, den du vollständig kontrollierst.
Drei Dinge, die schaden
Erstens: Den Text zehnmal durchgehen
Zweitens: Ankunftszeiten nachrechnen
Drittens: Arbeiten
Der Rückweg gehört zur Planung dazu
Über die Hinfahrt denken alle nach, über die Rückfahrt fast niemand.
Dabei entscheidet sie darüber, wie der Abend endet.
Warum das mehr ausmacht, als es klingt
Wer den letzten Zug nicht kennt, schaut ab einem bestimmten Zeitpunkt alle zehn Minuten auf die Uhr.
Und zwar genau in der Zeit nach dem Auftritt, in der die guten Gespräche stattfinden.
Aus dem entspanntesten Teil des Abends wird so eine zweite Hetzerei.
Dabei kostet das Nachschauen zu Hause zwei Minuten.
Die drei Fragen vor der Abfahrt
Wann fährt der letzte Zug, mit dem ich nach Hause komme?
Und wann der vorletzte, falls es länger dauert?
Und was mache ich, wenn ich beide verpasse?
Die dritte Frage klingt übervorsichtig und ist die, die dich am meisten entspannt.
Was oft die bessere Lösung ist
Bei weiten Strecken lieber übernachten als den letzten Zug nehmen.
Denn eine Nacht auf einem fremden Sofa ist angenehmer als eine Rückfahrt, bei der du um halb eins am Bahnsteig stehst.
Und in der Slam-Szene ist die Frage nach einem Schlafplatz völlig normal.
Kurz gesagt: Frag früh, nicht am Abend selbst.
Deine Fahrprüfung
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Damit hast du die Anfahrt zum Auftritt einmal komplett durchgeplant.
Acht Minuten Umstieg
Ich hatte eine Verbindung mit acht Minuten Umstieg.
Und ich kannte den Bahnhof.
Genau das war das Problem: Weil ich ihn kannte, habe ich nicht nachgedacht.
Was passiert ist
Der erste Zug hatte zwölf Minuten Verspätung.
Der Anschluss fuhr planmäßig ab, weil er selbst schon knapp dran war.
Und der nächste ging eine Stunde später, weil Freitagabend.
Ich bin um zehn nach neun angekommen, angemeldet war ich für halb neun.
Was ich dann gemacht habe
Ich bin durch den Saal nach vorn gegangen, während jemand auf der Bühne stand.
Ich habe mich beim Moderator entschuldigt, mit Jacke und Rucksack noch an.
Er hat mich als Letzten eingeschoben, was sehr freundlich war.
Und ich habe vier Minuten lang gesprochen, ohne einmal richtig da zu sein.
Ich habe mich hinterher nicht an den Saal erinnert, sondern an den Bahnsteig. Das war der Abend, an dem ich verstanden habe, dass die Fahrt dazugehört.Meine Notiz danach — und der Grund für diesen ganzen Beitrag
Der Teil, den ich lieber weggelassen hätte
Ich habe dem Moderator nicht Bescheid gesagt, obwohl ich es seit anderthalb Stunden wusste.
Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil ich gehofft habe, es doch noch zu schaffen.
Diese Hoffnung hat niemandem geholfen und ihm die Möglichkeit genommen, die Reihenfolge zu ändern.
Zwei Sätze aus dem Zug hätten gereicht.
Wie ich es heute mache
Eine Verbindung früher, immer.
Umstiegszeit in der App auf mindestens zwanzig Minuten gestellt.
Und eine Nachricht an den Veranstalter, sobald etwas wackelt, nicht erst, wenn es feststeht.
Was eine ruhige Anreise nicht kann
Eine Stunde Puffer ist die unspektakulärste Verbesserung dieser ganzen Reihe.
Sie ist trotzdem nur eine Voraussetzung.
Denn eine gute Anfahrt zum Auftritt verbessert keine einzige Zeile.
Warum jetzt erst das Handwerk anfängt
Pünktlich da zu sein macht keinen schwachen Text stark.
Es sorgt nur dafür, dass du mit dem ganzen Kopf auf der Bühne stehst statt mit dem halben.
Und dass die zwanzig Minuten vorher dir gehören und nicht der Deutschen Bahn.
Kurz gesagt: Der Puffer schafft dir Zeit.
Was du darin machst, ist Handwerk.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also alles, was du mit der Stunde anfangen kannst, die du dir gerade freigeschaufelt hast.
Den Fahrplan machst du selbst. Den Auftritt liefert das Handwerk.
Eine Verbindung früher. Und pack am Vorabend.
Übrigens sitze ich inzwischen oft eine Stunde vor dem Auftritt irgendwo herum.
Das kam mir anfangs wie Zeitverschwendung vor.
Inzwischen ist es der Teil des Abends, auf den ich mich am meisten freue.
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Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
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Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
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