Ein Jahr zuvor war in Indonesien ein Vulkan ausgebrochen.
Der Tambora schleuderte so viel Asche in die Luft, dass sich das Klima weltweit veränderte. 1816 ging als das Jahr ohne Sommer in die Geschichte ein.
Am Genfer See hatte ein achtundzwanzigjähriger Bestsellerautor ein Haus gemietet.
Lord Byron war der berühmteste Dichter Europas. Bei ihm wohnte sein Arzt John Polidori.
In der Nähe hatten Percy Shelley, seine spätere Frau Mary und deren Halbschwester Claire Clairmont ein Haus.
Der Dauerregen zwang die Runde tagelang ins Haus.
Man las sich deutsche Gespenstergeschichten vor, die ins Französische übersetzt worden waren.
In Polidoris Tagebuch steht unter dem 17. Juni 1816 der Satz, dass alle außer ihm mit ihren Geschichten begonnen hätten.
Drei Tage saßen sie im Haus und erzählten sich, was sie sich ausgedacht hatten.
Aus Mary Shelleys Einfall wurde Frankenstein. Also der erste Science-Fiction-Roman der Literaturgeschichte.
Aus Polidoris Beitrag wurde Der Vampyr, die Vorlage für das gesamte spätere Vampirgenre bis hin zu Dracula.
Beide Autoren waren zu diesem Zeitpunkt unbekannt. Mary Shelley war achtzehn.
Schreibretreat
Die Runde am Genfer See hatte weder Programm noch Methode.
Sie hatte lediglich einen Ort, eine Aufgabe und keine Möglichkeit wegzugehen.
Und genau das sind bis heute die drei Zutaten.
Alles andere, was man dir über Retreats erzählt, ist dagegen Ausstattung.
Warum ein Schreibretreat mehr bringt als Wochen nebenbei
Es liegt nicht an der Menge der Stunden.
Denn zwei Tage sind ungefähr zwölf Arbeitsstunden.
Das schaffst du auch in sechs Wochen nebenbei.
Der Unterschied liegt vielmehr woanders.
Nämlich darin, dass du folglich nicht jedes Mal von vorn anfangen musst.
Was in diesem Beitrag steht
Wie du ein Schreibretreat planst, das am Ende tatsächlich Text hervorbringt.
Du bekommst einen Stundenplan, fünf Blöcke, ein Retreatblatt und acht Kniffe.
Dazu ein Befund über Handys, der berühmt geworden ist und sich später nicht bestätigen ließ.
Beides gehört dazu.
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Jetzt Kanal folgenDie drei Zutaten aus Diodati
Zunächst das Grundgerüst, und es ist erstaunlich schlicht.
Zutat eins fürs Retreat: ein Ort, an dem du nicht wohnst
Denn das eigene Wohnzimmer funktioniert nicht.
Denn dort steht schließlich die Waschmaschine, dort liegt die Post, und dort weiß jeder, wo du bist.
Es muss allerdings kein Haus am Genfer See sein.
Eine Ferienwohnung im Nachbarort reicht völlig.
Entscheidend ist vielmehr, dass dich dort keine Aufgabe erwartet, die schon vorher da war.
Zutat zwei: Eine Aufgabe, die vorher feststeht
Byron hat nämlich nicht gesagt, dass alle mal etwas schreiben sollen.
Vielmehr hat er eine Gattung vorgegeben.
Jeder eine Geistergeschichte.
Genau das ist der Unterschied zwischen einem Wochenende mit Absicht und einem Wochenende mit Ergebnis.
Also sag nicht: Ich schreibe mal was.
Sondern: Ich schreibe drei Bühnentexte über meine Arbeit.
Zutat drei: Keine Möglichkeit wegzugehen
Bei Byron war es zwar das Wetter.
Bei dir dagegen muss es eine Entscheidung sein.
Denn die einzige echte Bedrohung fürs Retreat ist schließlich die Rückkehr in den Alltag.
Und die passiert heute nicht durch die Tür, sondern durch das Telefon.
Wie stark dieser Effekt tatsächlich ist, dazu kommt in Punkt 15 ein interessanter Streit.
Die letzte Zeile ist die wichtigste.
Denn ein Wochenende, an dessen Ende gute Ideen stehen, war ein schönes Wochenende.
Ein Retreat erkennst du dagegen daran, dass am Sonntagabend etwas auf Papier steht, das vorher nicht existiert hat.
Auflösung
Der Griff: der Zettel vom Vorabend
Jetzt der Handgriff, der über den Samstagmorgen entscheidet.
Nicht das Thema. Den ersten Satz oder die erste Aufgabe.
Zum Beispiel: Morgen früh schreibe ich die Strophe über den Bahnhof zu Ende, sie hört auf mit dem Wort Ansage.
Damit fällt die schlimmste Stunde des ganzen Wochenendes weg. Nämlich die erste.
Denn ohne diesen Zettel verbringst du den Samstagmorgen mit Kaffee und dem Gefühl, gleich anzufangen.
Warum der Anfang im Retreat so viel kostet
Denn beim Anfangen machst du zwei Dinge gleichzeitig.
Erstens musst du nämlich entscheiden, was du tust.
Und zweitens musst du es dann auch tun.
Der Zettel nimmt dir folglich die erste Aufgabe ab, und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem sie leichter fällt.
Abends weißt du außerdem noch genau, wo du stehen geblieben bist.
Der Zusatz, der noch mehr bringt
Hör außerdem am Freitagabend mitten in einem Satz auf.
Das klingt zwar nach einer Marotte.
Trotzdem ist es eine Mechanik.
Denn ein angefangener Satz zieht dich am nächsten Morgen zurück an den Tisch.
Ein abgeschlossenes Kapitel nicht.
Zusammen mit dem Zettel ergibt sich folglich ein Start ohne Anlauf.
Der berühmte Befund über das Telefon
Jetzt allerdings der Befund, den du vermutlich schon verkürzt gehört hast.
Adrian Ward, Kristen Duke, Ayelet Gneezy und Maarten Bos veröffentlichten 2017 eine Untersuchung mit dem Titel Brain Drain.
Erschienen ist sie übrigens im Journal of the Association for Consumer Research.
Was die Forscher geprüft haben
Die Frage lautete dabei, ob schon die bloße Anwesenheit des eigenen Handys Denkleistung kostet.
Also weder die Benachrichtigungen noch das Nachschauen.
Sondern das reine Danebenliegen.
Dafür legten die Teilnehmenden ihr Telefon entweder auf den Tisch, in die Tasche oder in einen anderen Raum.
Anschließend lösten sie Aufgaben, die Konzentration verlangen.
Was beim Handy-Versuch herauskam
Wer das Handy in einem anderen Raum hatte, schnitt tatsächlich besser ab.
Und zwar selbst dann, wenn niemand aufs Telefon geschaut hatte.
Wards Erklärung: Sich vorzunehmen, an etwas nicht zu denken, verbraucht selbst schon Aufmerksamkeit.
Am stärksten war der Effekt bei Menschen, die nach eigener Aussage besonders abhängig von ihrem Gerät sind.
Und warum du ihn trotzdem nicht überschätzen solltest
Jetzt allerdings der Teil, den fast niemand mitliefert.
Der Befund wurde 2022 in einer Wiederholungsuntersuchung überprüft.
Was die Wiederholung des Versuchs ergab
Es waren dieselben Aufgaben und dieselben Bedingungen wie im zweiten Versuch von Ward und Kollegen.
Diesmal zeigte sich allerdings kein Unterschied zwischen den Bedingungen.
Der Effekt ließ sich demnach nicht bestätigen.
Die Verfasser folgern, dass die bloße Anwesenheit des Telefons möglicherweise nicht ausreicht, um die Denkleistung zu beeinflussen.
| Untersuchung | Ergebnis | Was du daraus mitnimmst |
|---|---|---|
| Ward u. a. 2017 | Handy im Nebenraum hilft | berühmt geworden |
| Wiederholung 2022 | kein Unterschied messbar | kaum bekannt |
| Was unstrittig ist | Benachrichtigungen unterbrechen | die reichen als Grund |
| Was du tust | Gerät in den Flur | kostet dich nichts |
Die dritte Zeile ist dabei der eigentliche Punkt.
Über die Wirkung des reinen Danebenliegens lässt sich also streiten.
Dass eine Nachricht dich aus einem Text reißt, bestreitet dagegen niemand.
Und für ein Wochenende, an dem Text entstehen soll, reicht das als Begründung vollkommen aus.
Er ist eine gute Geschichte, und gute Geschichten setzen sich gegen Wiederholungsuntersuchungen fast immer durch.
Für dein Retreat ändert das nichts. Leg das Gerät in einen anderen Raum, weil es billig ist und nicht schadet.
Aber erzähl niemandem, dass die Wissenschaft das eindeutig belegt hat. Sie hat es nicht.
Was daraus für dein Schreibretreat folgt
Bau die Ablenkung deshalb baulich weg statt willentlich.
Also nicht: Ich nehme mir vor, nicht draufzuschauen.
Sondern: Das Gerät liegt zwei Räume weiter in einer Schublade, und ich schaue dreimal am Tag zu festen Zeiten nach.
Der Unterschied ist derselbe wie zwischen einem Vorsatz und einer verschlossenen Tür.
Fünf Blöcke für zwei Tage
Jetzt der Ablauf.
Denn zwölf Stunden Schreiben am Stück funktionieren bei niemandem.
Was ein Schreibretreat kosten darf
Eine Frage, die viele vom Losfahren abhält.
Die drei Preisstufen
Zunächst die teure Variante.
Ein organisiertes Retreat mit Begleitung, Verpflegung und Kursprogramm.
Das kostet je nach Anbieter mehrere hundert Euro.
Immerhin lohnt es sich, wenn du Anleitung brauchst.
Zweitens folgt die mittlere.
Eine Ferienwohnung außerhalb der Saison, zwei Nächte, selbst versorgt.
Und schließlich die billigste, an die kaum jemand denkt.
Der Tausch, der nichts kostet
Tausch stattdessen deine Wohnung mit jemandem, der dasselbe vorhat.
Du fährst also zu ihm, er fährt zu dir.
Beide sind an einem fremden Ort, an dem keine Wäsche wartet.
Das klingt umständlich und erfüllt alle drei Zutaten aus Punkt 07 zum Preis der Anfahrt.
Wer dagegen niemanden zum Tauschen hat, fragt nach einem leerstehenden Gästezimmer.
Fast jeder kennt eines.
Was du dir sparen kannst
Also alles, was nach Ausstattung aussieht.
Der besondere Stuhl, die richtige Musik, die neue Kerze.
Das ist Vorbereitung, die sich wie Arbeit anfühlt.
Byron hatte ein gemietetes Haus, schlechtes Wetter und Papier.
Und drei Tage später existierte Frankenstein als Einfall.
Sechs Fragen fürs Retreatblatt
Auszufüllen, und zwar bevor du irgendetwas buchst.
Warum Frage sechs dazugehört
Denn Retreats können kippen.
Denn wenn du zwei Blöcke lang an einem Text sitzt und nichts entsteht, liegt es fast nie an dir.
Meistens war nämlich das Thema noch nicht so weit oder es interessiert dich weniger, als du dachtest.
Dann ist Wechseln folglich richtig.
Und zwar sofort und ohne schlechtes Gewissen.
Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Acht Kniffe fürs Schreibretreat
Jetzt endlich das Praktische, sortiert nach Aufwand.
Kniff 1: Die Anreise am Vorabend
Fahr also am Freitagabend an und nicht am Samstagmorgen.
Denn eine Anreise frisst zuverlässig den halben ersten Block.
Denn wer freitags ankommt, hat am Samstag um neun Uhr bereits einen Ort, an dem er sich auskennt.
Das klingt zwar nach einer Kleinigkeit.
Tatsächlich ist es ein ganzer Vormittag.
Kniff 2: Essen vorher einkaufen
Kauf außerdem alles für zwei Tage am Anreisetag.
Sonst wird der Einkauf am Samstag nämlich zu einer überzeugenden Pause.
Und aus einer Pause wird ein Spaziergang, aus dem Spaziergang ein Café und aus dem Café ein verlorener Nachmittag.
Ablenkung braucht immer einen legitimen Anlass.
Nimm ihr den Anlass.
Kniff 3: Die Papierregel
Schreib zudem den Rohblock mit der Hand.
Nicht aus Romantik, sondern weil auf Papier keine Fassung gelöscht werden kann.
Wer am Rechner schreibt, überarbeitet dauernd nebenbei und kommt nie in die Menge.
Getippt wird dagegen nachmittags im Feilblock.
Das ist dann ohnehin der erste Überarbeitungsdurchgang.
Kniff 4: Absurd, aber wirksam – der laute Wecker
Stell dir überdies für jeden Block einen Wecker, auch für das Ende.
Vor allem allerdings für das Ende.
Denn der häufigste Fehler ist nicht zu wenig Arbeit, sondern ein Rohblock, der bis nachmittags läuft.
Danach ist der Kopf leer, und der Feilblock fällt aus.
Ein Wecker verhindert das zuverlässiger als jeder Vorsatz.
Kniff 5: Noch absurder – die Postkarte an dich selbst
Schreib am Sonntagabend eine Postkarte an dich und wirf sie ein.
Drauf steht, was du an diesem Wochenende geschafft hast und was du beim nächsten Mal anders machst.
Sie kommt nämlich drei Tage später an, wenn der Alltag dich schon wieder hat.
Das klingt albern und ist der einzige Weg, wie ein Retreat in den Alltag hineinwirkt statt dort zu verpuffen.
Kniff 6: Zwei Themen mitbringen
Nimm zudem nicht ein Projekt mit, sondern zwei.
Nach Punkt 27 brauchst du ein Abbruchkriterium.
Und ein Abbruch ist nur dann brauchbar, wenn du etwas anderes hast.
Zwei Themen sind Versicherung, drei sind Beliebigkeit.
Das zweite darf übrigens ruhig kleiner sein.
Es muss nur existieren.
Kniff 7: Der Ausdruck statt des Bildschirms
Druck außerdem am Samstagabend alles aus, was du hast.
Anschließend arbeitest du am Sonntag auf Papier weiter, mit Stift.
Auf einem Ausdruck siehst du die Struktur eines Textes sofort.
Auf einem Bildschirm siehst du immer nur einen Ausschnitt.
Wenn es keinen Drucker gibt, schreib die Struktur wenigstens als Liste auf ein Blatt.
Kniff 8: Der Sonntagabend gehört der Ordnung
Reserviere schließlich die letzte Stunde fürs Sortieren.
Also alles abtippen, benennen und an einem Ort ablegen.
Denn das größte Risiko nach einem Retreat ist nicht, dass nichts entstanden wäre.
Sondern dass drei Wochen später niemand mehr weiß, wo die Blätter geblieben sind.
Zweiundvierzig Teilnehmende zwischen zwanzig und vierunddreißig machten Konzentrationstests mit und ohne Handy im Raum.
Die Gruppe ohne Gerät schnitt deutlich besser ab. Und laut den Forschenden reicht es nicht, den Bildschirm abzudecken oder das Telefon auszuschalten.
Interessant ist ein Nebenbefund: Wie stark jemand am Handy hängt, spielte diesmal keine Rolle. Das widerspricht genau dem Punkt, den Ward und Kollegen betont hatten.
Die Lage ist also uneindeutig. Der praktische Rat bleibt trotzdem derselbe: anderer Raum, nicht nur ausgeschaltet.
Allein oder zu mehreren?
Eine Frage, die den ganzen Charakter des Wochenendes verändert.
Was für das Alleinsein spricht
Zunächst bestimmst du den Ablauf vollständig.
Es gibt also kein Abstimmen über Essenszeiten und keine Rücksicht auf fremde Blöcke.
Außerdem gibt es niemanden, mit dem sich das Reden lohnt.
Und Reden ist die angenehmste Form der Ablenkung.
Wer folglich zum ersten Mal ein Retreat macht, sollte allein fahren.
Was für die Gruppe spricht
In Diodati waren sie immerhin zu fünft.
Ohne die Runde hätte es die Aufgabe nicht gegeben.
Eine Gruppe liefert dir Verbindlichkeit.
Wer weiß, dass drei andere um neun am Tisch sitzen, steht auf.
Außerdem kannst du abends vorlesen und bekommst am Sonntag eine Rückmeldung, für die du sonst Wochen wartest.
Der Preis dafür ist allerdings, dass du nicht mehr allein über deine Zeit bestimmst.
Die Regeln für ein Gruppenretreat
Erstens wird schweigend und in getrennten Räumen geschrieben.
Zweitens: Es gibt feste gemeinsame Zeiten, nämlich Essen und den Abend.
Drittens: Vorgelesen wird nur einmal, am Ende.
Nicht zwischendurch.
Denn eine Gruppe, die dauernd redet, ist ein schönes Wochenende und kein Retreat.
Ein Retreat ist kein Ersatz für Erholung. Wer erschöpft ist, braucht zwei freie Tage und keine zwölf Stunden Arbeit in einer fremden Wohnung.
Und wenn du merkst, dass du vor allem wegwillst und nicht hinschreiben, ist das ein wichtiger Hinweis. Dann ist ein Gespräch mit jemandem, der zuhört, sinnvoller als ein Stundenplan.
Zehn Fehler beim Schreibretreat
Fünf Fehler bei der Planung
Fehler 1: Zu Hause bleiben
Fehler 2: Kein festes Ziel
Fehler 3: Am Samstagmorgen anreisen
Fehler 4: Nur ein Thema mitnehmen
Fehler 5: Zu lange planen
Denn ein Schreibretreat scheitert selten am Ehrgeiz.
Fünf Fehler vor Ort
Fehler 6: Vormittags überarbeiten
Fehler 7: Den Leerblock streichen
Fehler 8: Das Telefon lautlos daneben legen
Fehler 9: Nichts sortieren
Fehler 10: Am Ende bilanzieren, ob es schön war
Sechs Schritte zu deinem ersten Retreat
Drei Schritte vorher
Schritt 1 – Das Retreatblatt ausfüllen
Schritt 2 – Ort buchen und Essen planen
Schritt 3 – Den Zettel schreiben
Drei Schritte vor Ort
Schritt 4 – Blöcke mit Wecker
Schritt 5 – Abends laut lesen
Schritt 6 – Die letzte Stunde sortieren
Die Abnahme
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Was aus den drei Tagen wurde
Zurück also ans regnerische Ufer.
Denn von den fünf Anwesenden haben nur zwei ihre Geschichte tatsächlich zu Ende gebracht.
Byron selbst schrieb ein Fragment und ließ es liegen.
Percy Shelley kam über einen Anfang nicht hinaus.
Warum ausgerechnet die beiden
Das lässt sich allerdings nicht sicher beantworten.
Naheliegend ist, dass für Byron und Shelley nichts davon abhing.
Sie hatten bereits einen Namen und andere Projekte.
Mary Shelley und Polidori hatten das dagegen nicht.
Für sie war die Aufgabe keine Spielerei am Kamin, sondern eine Gelegenheit.
Was du daraus mitnimmst
Ein Retreat nützt nämlich am meisten dem, der es am nötigsten hat.
Denn wer ohnehin täglich schreibt, gewinnt lediglich zwei Tage.
Wer seit Monaten nicht dazu kommt, gewinnt einen Anfang.
Und Anfänge sind das Teuerste am ganzen Betrieb.
Deshalb ist das Wochenende nicht für die Fleißigen gemacht, sondern für die Steckengebliebenen.
„Zwei Weltklassiker, drei Tage Regen und eine Aufgabe, die jemand laut ausgesprochen hat. Mehr Methode war da nicht.“Was von Diodati praktisch übrig bleibt
Und der praktische Rest
Mary Shelley hat Frankenstein danach noch über ein Jahr überarbeitet.
Was in Diodati entstand, war lediglich der Einfall und die erste Fassung.
Genau das ist der Ertrag eines Wochenendes.
Nicht das fertige Werk, sondern der Stoff, an dem du danach monatelang arbeiten kannst.
Wer mit dieser Erwartung hinfährt, wird selten enttäuscht.
Was zwei Tage nicht ersetzen
Ein Retreat verschafft dir Zeit und Ruhe.
Was du in dieser Zeit tust, entscheidet es allerdings nicht.
Warum Handwerk im Retreat besonders zählt
Denn zu Hause kannst du eine hakende Stelle liegen lassen und in zwei Wochen weitermachen.
An einem Wochenende geht das nicht.
Wenn du am Samstagnachmittag feststeckst, kostet dich das ein Viertel des ganzen Retreats.
Wer dagegen weiß, warum eine Strophe kippt, repariert sie in zwanzig Minuten.
Kurz gesagt: Je knapper die Zeit, desto teurer wird fehlendes Handwerk.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also die Mittel, mit denen du am Samstagnachmittag weiterkommst, statt auf eine Eingebung zu warten.
Die Ferienwohnung buchst du in zehn Minuten. Zu wissen, was du dort tust, ist die eigentliche Arbeit.
Fremder Ort. Feste Aufgabe. Und das Telefon zwei Räume weiter.
Übrigens war mein erstes Retreat ein Reinfall.
Ich hatte kein Ziel, kein zweites Thema und das Handy auf dem Tisch.
Am Sonntag stand ein halber Text da, den ich später weggeworfen habe.
Beim zweiten Mal hatte ich einen Zettel vom Vorabend.
Seitdem funktioniert es jedes Mal.
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Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
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Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
