Er stand direkt neben dem Platz des Gastgebers.
Wer eingeladen war, setzte sich darauf, las seinen Text vor und stand danach nicht mehr auf.
Denn danach fing die Kritik an.
Sie kam sofort, spontan und oft scharf. Wenige Minuten nach einem Text, den niemand vorher gesehen hatte.
Und es gab eine Regel, die alles entschied.
Der Stuhl hatte einen Spitznamen. Die Leute nannten ihn den elektrischen Stuhl.
Eingeladen hatte ein Mann namens Hans Werner Richter. Zum ersten Mal 1947, danach zwanzig Jahre lang.
Es gab dort keine Mitgliederliste, keinen Kassenwart und kein Programm.
Es gab nur diesen Stuhl, diese Regel und den Grundsatz, dass über den konkreten Text geredet wurde und nicht über Weltanschauung.
Auf diesem Stuhl saßen im Lauf der Jahre Heinrich Böll, Günter Grass, Ingeborg Bachmann und Paul Celan.
Drei von ihnen bekamen später den Nobelpreis oder den Büchnerpreis.
Schreibgruppe gründen
Die meisten Schreibgruppen scheitern jedenfalls nicht am Talent.
Sie scheitern daran, dass niemand vorher die Regeln festgelegt hat.
Dann wird aus Kritik ein Streit oder aus Rücksicht ein Kaffeekränzchen.
Beides ist nett gemeint und bringt keinen einzigen Text weiter.
Warum eine Schreibgruppe gründen so oft schiefgeht
Es liegt fast nie an den Menschen.
Es liegt vielmehr daran, dass niemand ausspricht, wozu die Gruppe da ist.
Die einen wollen ehrliche Kritik.
Die anderen wollen Zuspruch.
Und die dritten wollen eigentlich nur Gesellschaft.
Alle drei Wünsche sind zwar legitim.
Zusammen ergeben sie eine Gruppe, in der sich niemand traut, etwas zu sagen.
Was in diesem Beitrag steht
Wie du eine Schreibgruppe gründen kannst, die nach einem Jahr noch existiert.
Du bekommst die drei Regeln der Gruppe 47, fünf Rollen, ein Gruppenblatt und acht Kniffe.
Dazu zwei Arbeiten, von denen eine mit einer sehr verbreiteten Regel aufräumt.
Zum Mitmachen gibt es zehn Übungen und zwei deutsche Videos.
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Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
Jetzt Kanal folgenDie drei Regeln, die alles tragen
Zunächst das Wichtigste, und es ist überraschend wenig.
Regel eins der Schreibgruppe: Der Vorlesende schweigt
Wer seinen Text vorgelesen hat, sagt danach also nichts mehr.
Keine Erklärung, warum die Stelle so gemeint war.
Keine Einordnung, dass es nur ein Entwurf ist.
Das ist zwar unangenehm.
Trotzdem ist es der Kern der ganzen Sache.
Denn ein Text, der Erklärung braucht, funktioniert auf einer Bühne ohnehin nicht.
Dort steht auch niemand daneben und hilft.
Regel zwei: Es geht um den Text, nicht um die Richtung
Richter unterband deshalb Grundsatzdiskussionen konsequent.
Also gab es keine Debatten darüber, wie Literatur zu sein hat oder welche Themen wichtig sind.
Denn solche Diskussionen spalten jede Gruppe innerhalb weniger Abende.
Es wird über diesen einen Text geredet.
Über die dritte Strophe, über den Schluss, über das Wort in Zeile zwei.
Regel drei: Die Gruppe braucht keine Organisation
Also keine Mitgliederliste, kein Vorstand und keine Satzung.
Die Gruppe 47 hatte zwanzig Jahre lang nichts davon.
Sie hatte lediglich jemanden, der einlädt.
Und das reicht auch bei dir.
Denn jede Struktur, die du aufbaust, musst du später verwalten.
Die zweite Zeile ist die schwerste.
Denn der Reflex, sich zu erklären, ist bekanntlich enorm.
Er hat aber einen unangenehmen Nebeneffekt: Wer sich erklärt, bekommt danach keine ehrliche Rückmeldung mehr.
Weil alle merken, dass Widerspruch anstrengend wird.
Auflösung
Der Griff: die Reihenfolge festlegen
Jetzt der Handgriff, mit dem eine Gruppe steht oder fällt.
Zum Beispiel: vier Leute, jeder zwölf Minuten. Fünf Minuten Text, sieben Minuten Rückmeldung.
Und zwar mit Uhr. Wirklich mit Uhr.
Was aussieht wie Bürokratie, ist in Wahrheit ein Schutz für die Leisen in der Runde.
Denn ohne Reihenfolge redet erfahrungsgemäß immer derselbe am längsten.
Warum die Uhr im Treffen so viel verändert
Denn sie nimmt die Entscheidung aus der Gruppe heraus.
Ohne Uhr muss jemand sagen, dass es jetzt reicht.
Und das macht niemand gern, also macht es niemand.
Mit Uhr sagt es das Gerät, und niemand ist der Unhöfliche.
Außerdem zwingt sie zur Auswahl.
Wer sieben Minuten hat, sagt das Wichtigste zuerst.
Der Zusatz, der noch mehr bringt
Lass die Reihenfolge außerdem auslosen statt absprechen.
Denn sonst gehen die Sicheren immer zuerst und die Unsicheren irgendwann gar nicht mehr.
Ein Zettelziehen zu Beginn dauert zwanzig Sekunden und löst dieses Problem vollständig.
Die Regel, die alle kennen und die falsch ist
Jetzt allerdings der Befund, der die verbreitetste Gruppenregel kippt.
Fast jede Schreibgruppe startet nämlich mit demselben Satz: Wir kritisieren erst mal nicht.
Das klingt zwar fürsorglich.
Allerdings stammt es aus dem Brainstorming.
Was Charlan Nemeth untersucht hat
Dafür teilte die Psychologin von der Universität Berkeley 2003 zweihundertfünfundsechzig Studentinnen in Fünfergruppen ein.
Dabei bekamen alle dieselbe Aufgabe: Wie lässt sich der Verkehr in der Bucht von San Francisco entlasten?
Eine Gruppe bekam die üblichen Brainstorming-Regeln, einschließlich des Verbots, zu kritisieren.
Eine andere bekam ausdrücklich die Aufforderung, zu debattieren und auch zu kritisieren.
Was bei der Untersuchung herauskam
Die Gruppe mit der Erlaubnis zur Kritik brachte mehr Ideen hervor.
Und zwar mehr als jede andere Bedingung.
Nemeth fasst es sinngemäß so zusammen: Debatte und Kritik hemmen Ideen nicht, sondern regen sie an.
Ihre Erklärung: Widerspruch zwingt dazu, sich mit der Arbeit der anderen wirklich zu beschäftigen.
Wer dagegen nur zustimmen darf, hört irgendwann gar nicht mehr richtig hin.
Was das für deine Schreibgruppe bedeutet
Denn Kritik ist nicht das Gegenteil von Wertschätzung.
Vielmehr ist sie der Beweis dafür, dass jemand zugehört hat.
Wer nach einem Text nur sagt, dass es schön war, hat entweder nicht aufgepasst oder traut sich nichts.
Und beides bringt dich keinen Satz weiter.
Der ehrliche Haken für Schreibgruppen
Zunächst ging es um Ideenfindung und nicht um Textkritik.
Ob sich das eins zu eins übertragen lässt, ist offen.
Außerdem waren die Teilnehmerinnen Studentinnen im Labor und keine Gruppe, die sich seit Jahren kennt.
In einer bestehenden Gruppe hängt an Kritik mehr als in einem Versuch.
Deshalb braucht sie eine Form, und dazu kommt gleich mehr.
Warum Regeln selbst zum Problem werden
Fünf Jahre später legten Matthew Feinberg und Charlan Nemeth nach.
Und der Befund ist noch unbequemer als der erste.
Warum Regeln in einer Gruppe hemmen
Denn nicht der Inhalt einer Regel ist das Problem, sondern ihre Form.
Sobald etwas als Regel formuliert wird, springt im Kopf eine Art Befolgungsmodus an.
Und dieser Modus ist das Gegenteil von schöpferischem Denken.
In der Untersuchung von 2004 waren die Anweisungen deshalb als Vorschläge formuliert und nicht als Vorschriften.
| Formulierung | Was im Kopf passiert | Für deine Gruppe |
|---|---|---|
| Regel: Nicht kritisieren | Befolgen | Höflichkeit ohne Nutzen |
| Regel: Immer kritisieren | Befolgen | Pflichtkritik ohne Substanz |
| Vorschlag: Wir debattieren gern | Mitdenken | das Beste von beidem |
| Gar keine Ansage | Zufall | es entscheidet der Lauteste |
Die letzte Zeile ist die häufigste Wirklichkeit.
Denn die meisten Gruppen sagen gar nichts über den Umgang miteinander.
Und dann setzt sich die Person durch, die am schnellsten spricht.
Das hat mit Können nichts zu tun und bestimmt trotzdem den Abend.
Also nicht: Der Autor darf nicht widersprechen.
Sondern: Wir haben gemerkt, dass es besser funktioniert, wenn der Autor erst mal nur zuhört.
Derselbe Inhalt, andere Form. Und nach Feinberg und Nemeth ist genau das der Unterschied zwischen Befolgen und Mitdenken.
Schreibt die Sätze einmal auf und lest sie beim ersten Treffen laut vor. Danach nie wieder.
Der ehrliche Haken bei dieser Arbeit
Zunächst ist es eine einzelne Untersuchung mit Studierenden.
Und der Unterschied zwischen Regel und Vorschlag ist fein genug, dass er sich in der Praxis leicht verwischt.
Trotzdem lohnt der Gedanke, weil er nichts kostet.
Du sagst dieselbe Sache anders.
Und bekommst dafür Leute, die mitdenken statt abzuhaken.
Fünf Rollen, die jede Gruppe braucht
Jetzt zur Zusammensetzung.
Denn längst nicht jede Runde funktioniert.
Wo du die Leute findest
Eine Frage, die in keinem Ratgeber steht und alle beschäftigt.
Die vier besten Quellen
Zunächst die offene Bühne.
Wer dort regelmäßig hingeht, kennt nach drei Monaten fünf Leute mit demselben Anliegen.
Zweitens Schreibwerkstätten und Volkshochschulkurse.
Dort sitzen Menschen, die bereits bewiesen haben, dass sie Termine einhalten.
Drittens Buchhandlungen mit Lesungen.
Frag die Leute hinter der Theke, sie kennen die Schreibenden ihrer Stadt.
Und viertens dein eigenes Umfeld.
Fast jeder kennt jemanden, der heimlich schreibt.
Woran du eine passende Person erkennst
Sicher nicht am Talent.
Das siehst du am Anfang ohnehin nicht.
Sondern daran, ob sie über eigene Texte reden kann, ohne sie sofort zu verteidigen.
Wer beim ersten Gespräch schon erklärt, warum eine Stelle so gemeint war, wird nach Punkt 07 Schwierigkeiten haben.
Das ist kein Ausschlusskriterium, aber ein Hinweis.
Der Kniff für den ersten Kontakt
Frag nicht, ob jemand eine Schreibgruppe gründen will.
Das klingt nach Verpflichtung und schreckt ab.
Frag stattdessen, ob die Person Lust hat, sich einmal zu zweit Texte vorzulesen.
Aus einem Zweiertreffen wird oft eine Gruppe.
Umgekehrt funktioniert es fast nie.
Sechs Fragen fürs erste Treffen
Einmal ausfüllen, und zwar gemeinsam beim allerersten Mal.
Warum Frage eins über alles entscheidet
Denn sie wird fast nie gestellt.
Außerdem liegen die Antworten weiter auseinander, als alle denken.
Denn wer bessere Texte will, erträgt harte Rückmeldungen.
Wer gute Abende will, empfindet dieselben Sätze als Angriff.
Beides ist in Ordnung.
Nur nicht in derselben Gruppe.
Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Acht Kniffe für die eigene Schreibgruppe
Jetzt endlich das Praktische, sortiert nach Aufwand.
Kniff 1: Im Treffen vorlesen statt herumschicken
Schickt eure Texte also nicht vorher per Mail.
Das klingt praktisch und zerstört den wichtigsten Effekt.
Denn ein Bühnentext wirkt beim Hören und nicht beim Lesen.
Wer ihn vorher gelesen hat, kann nicht mehr sagen, ob er beim Zuhören funktioniert.
Die Gruppe 47 hat genau deshalb nur vorgelesen.
Kniff 2: Die Ein-Satz-Runde
Bevor überhaupt diskutiert wird, sagt jeder genau einen Satz.
Reihum, ohne Zwischenrufe.
Erst danach wird geredet.
Damit sind die Leisen einmal drangewesen, bevor der Lauteste anfängt.
Und du bekommst vier ehrliche Ersteindrücke statt einer Meinung, der sich alle anschließen.
Kniff 3: Die Stelle statt das Urteil
Verlangt außerdem, dass jede Rückmeldung eine Stelle nennt.
Also sag nicht: Der Text ist zu lang.
Sondern: Ab der dritten Strophe bin ich rausgefallen.
Nach Punkt 07 hat schon Richter darauf bestanden, dass es um den konkreten Text geht.
Eine Stelle kann man bearbeiten.
Ein Urteil nicht.
Kniff 4: Absurd, aber wirksam – die Nacherzählung
Lasst zudem nach jedem Text eine Person den Inhalt nacherzählen.
In zwei Sätzen, ohne Bewertung, einfach nur, was passiert ist.
Das klingt nach Grundschule und ist die härteste Rückmeldung überhaupt.
Denn wenn die Nacherzählung nicht stimmt, ist der Text unklar.
Und zwar unabhängig davon, ob er schön war.
Kniff 5: Noch absurder – der Text ohne Autor
Einmal im Quartal lest ihr außerdem die Texte gegenseitig vor.
Also jemand anders liest deinen Text, und du sitzt im Publikum.
Das ist unangenehm und zeigt dir in vier Minuten, was an deinem Vortrag hängt und was am Text.
Sehr viele Texte, die beim eigenen Vortrag funktionieren, fallen in einem fremden Mund auseinander.
Das ist eine wichtige Information.
Kniff 6: Die Zweiergruppe zwischen den Treffen
Verabredet euch zudem zwischen den Treffen zu zweit.
Wechselnde Paare, zwanzig Minuten, ein Text.
Zu zweit sagt man Dinge, die man in der Runde nicht sagt.
Und man sagt sie schneller.
Außerdem hält es die Gruppe zusammen, ohne dass jemand einen Termin organisieren muss.
Kniff 7: Das Mitschreiben
Der Vorlesende schreibt schließlich mit, während er zuhört.
Nach Punkt 07 darf er ohnehin nichts sagen.
Also gibt man ihm etwas zu tun.
Das hat zwei Wirkungen.
Erstens verliert er nichts von der Rückmeldung.
Und zweitens ist Schreiben eine gute Beschäftigung für Hände, die sich sonst zu Fäusten ballen würden.
Kniff 8: Die Jahresrunde
Einmal im Jahr liest jeder einen Text vor, den er vor zwölf Monaten in der Gruppe hatte.
Ohne Änderung, in der alten Fassung.
Das ist der einzige verlässliche Beweis dafür, dass die Gruppe überhaupt etwas bringt.
Und es ist ein besserer Grund weiterzumachen als jedes Lob.
Wie Rückmeldung klingen sollte
Jetzt ein eigener Punkt, denn hier scheitern die meisten Gruppen.
Die drei Sätze, die immer funktionieren
Erstens: An der Stelle X ist mir Y passiert.
Zweitens: Ich hätte an dieser Stelle mehr Z erwartet.
Drittens: Was ich nicht verstanden habe, ist W.
Alle drei nennen eine Stelle und beschreiben eine Wirkung.
Keiner davon enthält ein Urteil über den Menschen.
Die drei Sätze, die nichts bringen
Erstens: Hat mir gut gefallen.
Das ist freundlich und leer.
Zweitens: Ich hätte das anders gemacht.
Das ist ein anderer Text und keine Rückmeldung.
Drittens: Du musst mal mehr an deinen Bildern arbeiten.
Das ist ein Urteil über die Person.
Der Unterschied ist übrigens immer derselbe: Wirkung beschreiben statt Anweisungen geben.
Was mit Lob passiert
Lob gehört zwar dazu.
Allerdings braucht es dieselbe Genauigkeit.
Also nicht: War stark.
Sondern: Der Übergang in Strophe zwei hat mich überrascht, weil du das Bild vorher nicht angekündigt hast.
Das ist brauchbar, weil man es wiederholen kann.
Allgemeines Lob dagegen ist so nutzlos wie allgemeine Kritik und fühlt sich nur besser an.
Wenn eine Gruppe kippt, wenn einzelne systematisch kleingemacht werden oder wenn du nach den Treffen regelmäßig schlecht nach Hause gehst, dann ist das kein Textproblem.
Dann ist Gehen die richtige Antwort, und zwar ohne lange Erklärung. Eine schlechte Schreibgruppe schadet mehr, als gar keine nützt.
Zehn Fehler beim Gründen
Fünf Fehler am Anfang
Fehler 1: Zu groß anfangen
Fehler 2: Den Zweck nicht klären
Fehler 3: Keine Reihenfolge festlegen
Fehler 4: Nur Leute mit derselben Textsorte einladen
Fehler 5: Kritik von vornherein verbieten
Denn eine Schreibgruppe gründen ist leicht.
Sie ein Jahr am Leben zu halten nicht.
Fünf Fehler im Betrieb
Fehler 6: Sich verteidigen
Fehler 7: Grundsatzdebatten führen
Fehler 8: Termine verschieben
Fehler 9: Nur loben
Fehler 10: Nie überprüfen, ob es etwas bringt
Sechs Schritte zur eigenen Gruppe
Drei Schritte zum Gründen
Schritt 1 – Drei Leute fragen
Schritt 2 – Das Gruppenblatt ausfüllen
Schritt 3 – Den Ablauf festlegen
Drei Schritte zum Halten
Schritt 4 – Feste Termine für ein halbes Jahr
Schritt 5 – Die Nacherzählung einführen
Schritt 6 – Die Jahresrunde ansetzen
Die Abnahme
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Was aus der Gruppe 47 wurde
Zurück zu dem Stuhl neben Hans Werner Richter.
Zwanzig Jahre lang saßen dort Menschen und hörten sich alles an.
1967 fand die letzte reguläre Tagung statt.
Woran die Gruppe zerbrochen ist
Jedenfalls nicht an der Kritik, sondern am Erfolg.
Denn aus dem Treffen unbekannter Autoren war eine Bühne geworden, auf der Verlage, Lektoren und Kritiker saßen.
Wer dort vorlas, las nicht mehr vor Kollegen, sondern vor dem gesamten Literaturbetrieb.
Und in diesem Moment war die Regel mit dem Schweigen keine Übung mehr, sondern ein Risiko.
Was du daraus mitnimmst
Halte deshalb deine Gruppe klein und unwichtig.
Das klingt nach mangelndem Ehrgeiz und ist die einzige Bedingung dafür, dass ehrlich geredet wird.
Sobald jemand dabei ist, der über dich entscheiden könnte, hört die Ehrlichkeit auf.
Also kein Veranstalter, kein Verleger, niemand mit einer Bühne zu vergeben.
Wenigstens nicht am Anfang.
„Zwanzig Jahre lang war der elektrische Stuhl eine Werkstatt. Dann wurde er ein Schaufenster. Danach hat sich die Sache erledigt.“Warum kleine Gruppen länger halten als berühmte
Und der praktische Rest
Richter hat übrigens nie ein Programm formuliert und nie eine Satzung geschrieben.
Er hat Einladungen verschickt.
Zwanzig Jahre lang.
Das ist übrigens die ganze Arbeit, die eine Schreibgruppe wirklich braucht.
Und es ist die einzige, die dir niemand abnimmt.
Was eine Gruppe nicht ersetzt
Eine gute Schreibgruppe zeigt dir zwar, wo dein Text nicht funktioniert.
Wie du ihn reparierst, sagt sie dir nicht.
Warum Handwerk die Gruppe erst nützlich macht
Nach Punkt 35 beschreiben gute Rückmeldungen eine Wirkung.
Also: Ich bin an der Stelle rausgefallen.
Was du damit anfängst, hängt davon ab, ob du die Mittel kennst.
Wer weiß, dass ein Bildwechsel an dieser Stelle den Faden reißt, kann es beheben.
Kurz gesagt: Die Gruppe liefert die Diagnose.
Das Handwerk liefert die Behandlung.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also die Mittel, mit denen aus vier Rückmeldungen eine überarbeitete Strophe wird.
Die Gruppe gründest du an einem Abend. Aus ihren Hinweisen etwas zu machen, ist die eigentliche Arbeit.
Nicht verteidigen. Stellen nennen. Und einmal im Jahr die alte Fassung vorlesen.
Übrigens habe ich in meiner ersten Schreibgruppe zwei Jahre lang jede Kritik sofort beantwortet.
Beim dritten Treffen sagte jemand, er habe das Gefühl, man dürfe eigentlich nichts sagen.
Das war der wichtigste Satz, den ich in dieser Gruppe gehört habe.
Und er kam nur, weil sich jemand traute, unhöflich zu sein.
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Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
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Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
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Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
