Ein YouTube-Kanal für Spoken Word: Lohnt sich das noch?
Ein Feed ist ein Fluss. Was hineinfällt, ist nach zwei Tagen unten durch.
Ein Kanal ist ein Regal. Was daraufsteht, bleibt stehen.
Deshalb ist die ehrliche Antwort auf die Titelfrage nicht ja oder nein, sondern eine Gegenfrage: Wofür willst du ihn?
Als Wachstumsmaschine lohnt er sich für die wenigsten. Als Archiv lohnt er sich für fast alle.
Die meisten Kanäle scheitern nicht an schlechten Videos. Sie scheitern an der falschen Erwartung.
Fangen wir mit der Erwartung an, die dir den Kanal verleidet.
Du denkst vermutlich zuerst an Wachstum, an Abozahlen und an Reichweite.
Und daran, dass sich das erst ab einer bestimmten Größe lohnt.
Allerdings geht diese Rechnung bei Spoken Word fast nie auf.
Denn der eigentliche Wert liegt woanders, und er zeigt sich erst nach Jahren.
Nämlich dann, wenn jemand deinen Namen eintippt, weil er dich auf einer Bühne gesehen hat.
Was in diesem Beitrag steht
Wann es sich lohnt, einen YouTube-Kanal zu starten, und wann du es besser lässt.
Also welche Formate tragen, wie oft du lädst und was neben den Videos steht.
Dazu kommen zwei Untersuchungen: eine über die Hoffnung auf den langen Schwanz und eine darüber, wie viel Zufall im Erfolg steckt.
Außerdem ein Kanalblatt für alles, was du einmal einrichtest und dann stehen lässt.
Zum Mitmachen gibt es fünf Formate, sieben Bände und zwei deutsche Videos.
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Jetzt Kanal folgenWann sich ein Kanal lohnt und wann nicht
Es gibt zwar eine klare Trennlinie, allerdings verläuft sie nicht bei der Abozahl.
Wann du keinen YouTube-Kanal starten musst
Zunächst, wenn du hoffst, damit bekannt zu werden.
Außerdem, wenn du kein Material hast, das länger als drei Minuten trägt.
Und schließlich, wenn du dich zum regelmäßigen Hochladen zwingen müsstest.
Denn ein Kanal, den du hasst, wird nach vier Videos still, und ein stiller Kanal ist schlechter als keiner.
Die drei Fälle, in denen sich ein Kanal lohnt
Erstens, wenn du willst, dass Leute deine Texte in voller Länge finden.
Zweitens, wenn du Mitschnitte hast, die sonst auf einer Festplatte liegen bleiben.
Drittens, wenn du irgendwo einen Ort brauchst, auf den du verlinken kannst.
Was ein YouTube-Kanal tatsächlich leistet
Zunächst beantwortet er dauerhaft die Frage, wie du klingst.
Außerdem ist er durchsuchbar, was ein Feed nicht ist.
Ferner altert er langsam.
Ein gutes Video von vor drei Jahren bekommt heute noch Aufrufe.
Und schließlich gehört dir dort mehr als anderswo, wenn auch nicht alles.
Die letzte Zeile ist die wichtigste und wird am seltensten gesagt.
Auf einem Kanal darfst du ein halbes Jahr nichts hochladen.
Die alten Videos laufen trotzdem weiter, weil sie über die Suche gefunden werden.
In einem Feed wärst du in derselben Zeit verschwunden.
Auflösung
Der Griff: bau ein Archiv, keine Sendung
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt eine Entscheidung ganz am Anfang, und sie bestimmt alles Weitere.
Also kein wöchentlicher Rhythmus, kein Redaktionsplan, keine Ankündigung, dass ab jetzt jeden Donnerstag etwas kommt.
Sondern: Wenn ein Mitschnitt gut ist, geht er hoch. Wenn ein halbes Jahr nichts Gutes dabei war, geht eben nichts hoch.
Das war es.
Sammeln statt senden.
Warum der Sendungsgedanke so zuverlässig scheitert
Weil du keine Redaktion hast und dein Material nicht planbar entsteht.
Ein guter Mitschnitt hängt davon ab, ob der Abend gut war und ob jemand vernünftig gefilmt hat.
Beides kannst du nicht auf einen Donnerstag legen.
Wer es trotzdem versucht, lädt irgendwann schwaches Material hoch, nur damit die Lücke gefüllt ist.
Was du für den Kanal stattdessen festlegst
Zunächst eine Untergrenze für die Qualität statt einer Obergrenze für den Abstand.
Außerdem eine Liste mit Material, das ohnehin schon existiert.
Ferner einen festen Ablauf beim Hochladen, damit es nicht jedes Mal eine Stunde kostet.
Und schließlich die Entscheidung, alte Videos stehen zu lassen, auch wenn sie dir heute nicht mehr gefallen.
In dieser Lage hält keine Strategie durch. Es hält nur eine Haltung durch.
Und die lautet: Ich lege etwas ins Regal, wenn ich etwas habe.
Fünf Formate, die auf einem Kanal tragen
Jetzt wird es konkret.
Fünf Formate, sortiert nach Aufwand.
Bei jedem steht, wie lang es ist, was hineingehört und wofür es gut ist.
Die zwei Formate für später
Die Hoffnung auf den langen Schwanz
Es gibt eine Idee, die seit zwanzig Jahren jedem Nischenkanal Mut macht.
Und es gibt eine Untersuchung, die ihr ziemlich gründlich widerspricht.
Was Anderson über Nischen behauptet hat
Chris Anderson, damals Chefredakteur von Wired, veröffentlichte im Oktober 2004 einen Artikel mit dem Titel The Long Tail.
Zwei Jahre später wurde ein Buch daraus.
Seine These: Weil Regalplatz im Netz unbegrenzt ist und das Vervielfältigen fast nichts kostet, verlieren die Verkaufsschlager an Bedeutung.
Der Schwanz der Verteilung, also die vielen kleinen Nischen, werde länger, dicker und einträglicher.
Was Elberse dagegen gemessen hat
Anita Elberse, Professorin an der Harvard Business School, prüfte diese These.
Wie die Gegenprobe aussah
Ihr Aufsatz Should You Invest in the Long Tail? erschien 2008 in der Harvard Business Review.
Sie untersuchte zwei Märkte, die Anderson selbst gern als Beispiel nennt, nämlich Musik und Heimvideo.
Grundlage waren Verkaufsdaten von Nielsen SoundScan und VideoScan sowie Zahlen des Musikdienstes Rhapsody und eines australischen DVD-Versands.
Das Ergebnis fiel deutlich aus: Die Verkaufsschlager erobern einen noch größeren Anteil des Marktes als früher.
Und die Leute im Schwanz mögen Nischenprodukte gar nicht besonders.
Was daraus für deinen Kanal folgt
Zunächst: Der Schwanz wird tatsächlich länger, das bestreitet niemand.
Nur wird er gleichzeitig flacher.
Es gibt also mehr Nischenangebote, von denen jedes einzelne noch weniger abbekommt.
Deshalb ist ein Kanal, der auf Nischenwachstum setzt, eine schlechte Wette.
Ein Kanal dagegen, der auf Auffindbarkeit setzt, ist eine gute.
Denn genau das leistet ein langer Schwanz zuverlässig: Er sorgt dafür, dass etwas überhaupt existiert und gefunden werden kann.
Der ehrliche Haken, und er geht in beide Richtungen
Zunächst ist Anderson Journalist und kein Forscher.
Sein Text ist deshalb eine These und kein Befund.
Elberse wiederum untersuchte Musik- und Videoverkäufe, also Märkte, in denen Geld fließt.
Ein Kanal ohne Verkaufsabsicht ist etwas anderes.
Außerdem hat Anderson öffentlich widersprochen, unter anderem mit dem Argument, sie definiere den Schwanz falsch.
Die Debatte wurde nie entschieden.
Und schließlich gab es sogar Streit darum, wer den Begriff überhaupt geprägt hat.
Der Blogger Clay Shirky hatte ihn bereits 2003 verwendet.
Wie viel Zufall im Erfolg steckt
Jetzt zu dem Experiment, das gegen Verbitterung hilft.
Nämlich gegen den Gedanken, das eigene Video sei nicht gelaufen, weil es schlecht war.
Matthew Salganik, Peter Dodds und Duncan Watts veröffentlichten 2006 in Science eine Untersuchung über künstliche Kulturmärkte.
Der Versuchsaufbau
Die Forschenden bauten einen Musikmarkt im Netz nach.
Vierzehntausenddreihunderteinundvierzig Personen konnten dort Lieder unbekannter Bands anhören und herunterladen.
Ein Teil sah dabei, wie oft ein Lied bereits heruntergeladen worden war.
Der andere Teil entschied ohne diese Information, also allein nach dem, was er hörte.
Was das Experiment ergab
Zunächst stieg die Ungleichheit, sobald die Teilnehmenden sahen, was andere taten.
Wenige Lieder bekamen sehr viel, viele bekamen fast nichts.
Gleichzeitig stieg die Unvorhersagbarkeit.
Dasselbe Lied konnte in einem Durchgang ganz oben und im nächsten weit unten landen.
Was das für deinen Kanal bedeutet
Zunächst der tröstliche Teil: Ein Video, das nicht läuft, ist kein Urteil über den Text.
Denn der Erfolg hängt stark davon ab, wer zufällig zuerst geklickt hat.
Außerdem der unbequeme Teil: Genau deshalb kannst du ihn auch nicht erzwingen.
Kein Titel, kein Vorschaubild und keine Veröffentlichungszeit ändern etwas an diesem Zufallsanteil.
| Verbreitete Annahme | Was der Versuch nahelegt | Was du daraus machst |
|---|---|---|
| Gute Videos setzen sich durch. | Nur teilweise. | Qualität sichert die Untergrenze, nicht den Erfolg. |
| Ein Flop heißt schlechter Text. | Meistens nicht. | Video stehen lassen, weitermachen. |
| Der richtige Titel entscheidet. | Weniger als gedacht. | Klarer Titel statt cleverem. |
| Erfolg lässt sich planen. | Kaum. | Menge und Zeit statt Optimierung. |
| Mehr Sichtbarkeit hilft allen. | Sie verschärft Ungleichheit. | Nicht auf Empfehlungen setzen. |
Die letzte Zeile ist die überraschendste.
Denn mehr soziale Sichtbarkeit macht die Verteilung nicht gerechter, sondern ungleicher.
Was oben ist, wird noch weiter nach oben gespült.
Und was unten liegt, bleibt liegen, unabhängig von der Qualität.
Der ehrliche Haken, und er ist wichtig
Zunächst ging es um unbekannte Lieder in einem künstlichen Markt und nicht um Videos auf einer echten Plattform.
Außerdem wird der Befund oft zu einem Satz verkürzt, der so nicht stimmt.
Erfolg ist nämlich nicht reiner Zufall.
Die Autoren betonen ausdrücklich, dass die besten Lieder selten schlecht liefen und die schlechtesten selten gut.
Qualität setzt also die Grenzen.
Innerhalb dieser Grenzen entscheidet sehr viel anderes mit.
Und schließlich haben spätere Auswertungen derselben Daten gezeigt, dass sich die späteren Gewinner oft schon sehr früh abzeichnen.
Die Unvorhersagbarkeit sitzt vor allem am Anfang.
Was du einmal einrichtest und dann stehen lässt
Der Teil, der eine Stunde kostet und danach jahrelang für dich arbeitet.
Warum die Titel deiner Videos so wichtig sind
Ein Kanal lebt von der Suche und nicht von Empfehlungen.
Deshalb entscheidet der Titel darüber, ob dich jemand findet, der deinen Namen und eine Zeile im Kopf hat.
Also lieber der Titel des Textes und der Ort als ein cleverer Aufhänger.
Und den Namen des Slams dazu, weil Leute genau danach suchen.
Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Rechte, Musik und ein paar unangenehme Fragen
Beim Hochladen eines Mitschnitts berührst du mehrere Themen: die Rechte der Veranstaltung, die Rechte anderer Auftretender, die Rechte erkennbarer Menschen im Publikum und, sobald Musik zu hören ist, auch Fragen zu Verwertungsgesellschaften.
Klär das vorher ab. Fachanwaltschaften für Urheber- und Medienrecht und die Veranstaltenden selbst geben dazu Auskunft. Was hier steht, ist eine grobe Orientierung.
Trotzdem lohnt es sich, die Fragen einmal gehört zu haben.
Musik im Hintergrund deiner Videos
Auf einem Slam läuft nämlich oft Musik, etwa beim Auftreten oder in der Pause.
Wenn sie im Mitschnitt zu hören ist, kann das zu einer Sperre oder zu Werbeeinblendungen führen, an denen du nichts verdienst.
Deshalb lohnt es sich, den Schnitt so zu legen, dass keine fremde Musik mitläuft.
Eigene Musik unter deinen Text zu legen, ist ohnehin selten eine gute Idee.
Andere Auftretende im Bild
Bei einem ganzen Abend sind fast immer andere Menschen zu sehen.
Frag sie vorher, ob sie im Video auftauchen wollen, und zwar einzeln.
Und wenn jemand später darum bittet, nimm den Abschnitt heraus oder das Video ganz vom Netz.
Ein Video ist keinen Konflikt wert.
Ein Kanal ist Arbeit, und zwar Arbeit ohne absehbaren Ertrag. Die ersten Jahre passiert wenig, und niemand dankt es dir.
Wer schon von der Bühne lebt und keine Lust darauf hat, muss das nicht machen. Es gibt genug Slammer mit vollen Terminkalendern und ohne einen einzigen Kanal.
Der Beitrag hier ist für die, die ein Archiv wollen. Nicht für die, die glauben, sie müssten.
Zahlen lesen, ohne verrückt zu werden
Ein Kanal liefert dir zwar mehr Zahlen als jede andere Plattform.
Und fast alle davon sind für dich nutzlos.
Welche Kanal-Zahlen du ignorieren kannst
Zunächst die Aufrufe einzelner Videos, weil sie nach Fach 19 stark vom Zufall abhängen.
Außerdem die Abozahl, weil sie bei Spoken Word ohnehin nie groß wird.
Ferner alles, was mit Monetarisierung zu tun hat, solange du weit von den Schwellen entfernt bist.
Und schließlich Vergleiche mit anderen Kanälen, weil du deren Ausgangslage nicht kennst.
Was tatsächlich etwas aussagt
Vor allem die durchschnittliche Wiedergabedauer bei langen Videos.
Denn wenn jemand von sieben Minuten fünf bleibt, hat dein Text getragen.
Außerdem die Frage, über welche Suchbegriffe Leute ankommen.
Das verrät dir, ob sie dich gesucht haben oder zufällig gelandet sind.
Ersteres ist der ganze Zweck des Kanals.
Wie oft du in den Kanal hineinschaust
Insgesamt reicht einmal im Quartal vollkommen.
Denn häufiger hinzusehen ändert nichts an den Zahlen, sondern nur an deiner Laune.
Und schlechte Laune ist der zuverlässigste Grund, einen Kanal einschlafen zu lassen.
Zehn Fehler bei einem Spoken-Word-Kanal
Fünf beim Aufsetzen, fünf auf Dauer.
Fünf Fehler beim Aufsetzen
Fehler 1: Einen Kunstnamen wählen, den niemand kennt
Fehler 2: Einen Rhythmus versprechen
Fehler 3: Rätselhafte Titel wählen
Fehler 4: Keine Wiedergabelisten anlegen
Fehler 5: Auf den perfekten Mitschnitt warten
Denn einen YouTube-Kanal zu starten scheitert selten an der Technik und fast immer an der Erwartung.
Fünf Fehler auf Dauer
Fehler 6: Alte Videos löschen, weil sie einem peinlich sind
Fehler 7: Zahlen täglich prüfen
Fehler 8: Kein Link auf die eigene Seite
Fehler 9: Aufgeben, weil nichts passiert
Fehler 10: Den Kanal als Ersatz für Auftritte verstehen
Sechs Schritte für ein Wochenende
Das reicht, um vom leeren Konto zu drei veröffentlichten Videos zu kommen.
Drei Schritte am Samstag
Schritt 1 – Material sichten
Schritt 2 – Kanal einrichten
Schritt 3 – Drei Videos auswählen
Drei Schritte am Sonntag
Schritt 4 – Hochladen und benennen
Schritt 5 – Wiedergabelisten anlegen
Schritt 6 – Den Link eintragen
Denn Schritt sechs ist der, den fast alle vergessen.
Die Abnahme
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Das Video mit vierzig Aufrufen
Auf meinem Kanal liegt ein Mitschnitt, der in vier Jahren etwa vierzig Aufrufe bekommen hat.
Der Ton hallt, das Bild ist zu dunkel, und der Text ist einer, den ich heute nicht mehr spiele.
Ich wollte ihn mehrmals löschen.
Was dann passiert ist
Eine Veranstalterin schrieb mir und bezog sich genau auf dieses Video.
Sie hatte nach dem Titel des Textes gesucht, weil ihn jemand erwähnt hatte.
Und sie schrieb dazu, sie habe nichts anderes gefunden, wo der Text vollständig zu hören sei.
Auf einer Plattform mit kurzen Videos hätte es diesen Ausschnitt nie gegeben.
Was ich daraus gelernt habe
Nicht, dass jedes Video irgendwann seinen Moment bekommt.
Das wäre gelogen.
Sondern dass die Aufrufzahl die falsche Größe ist, um über das Löschen zu entscheiden.
Denn ein Archiv misst sich nicht daran, wie oft etwas abgerufen wird.
Es misst sich daran, ob etwas da ist, wenn jemand danach sucht.
„Ich hatte vier Jahre lang gedacht, dieses Video sei ein Fehler. Es war das einzige, das genau in dem Moment gebraucht wurde, in dem es jemand brauchte.“Meine Notiz danach — und der Grund für Fach 09
Wie ich meinen Kanal heute halte
Inzwischen lösche ich nichts mehr, außer jemand bittet mich darum.
Außerdem lade ich hoch, wenn etwas gut ist, und sonst nicht.
Und ich sehe mir die Zahlen ungefähr viermal im Jahr an, meistens im Zug.
Das reicht vollkommen und kostet keine Laune.
Was ein volles Regal nicht ersetzt
Ein Archiv sorgt immerhin dafür, dass deine Texte auffindbar sind.
Ob sie jemanden halten, entscheidet es nicht.
Warum das Handwerk hier besonders sichtbar wird
Ein langes Video ist die härteste Prüfung, die deine Texte kriegen können.
Denn im Saal trägt dich die Stimmung, und im Feed trägt dich die Kürze.
Bei sieben Minuten allein vor einem Bildschirm trägt dich nur der Text.
Kurz gesagt: Wer die Wiedergabedauer verbessern will, muss schreiben lernen und nicht schneiden.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also das, was dafür sorgt, dass jemand bei Minute fünf noch da ist.
Das Regal baust du an einem Wochenende. Was hineinkommt, baust du dein Leben lang.
Archiv statt Sendung. Klare Titel statt cleverer. Und nichts löschen.
Übrigens ist der häufigste Satz, den ich wegen des Kanals höre, ein kleiner.
Er lautet: Ich habe den Text nochmal gesucht, weil er mir nicht aus dem Kopf ging.
Für diesen einen Satz lohnt sich jedes Regalbrett.
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Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
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