Deine erste Anthologie: Texte sammeln und veröffentlichen
Er hat das Buch signiert, ohne es aufzuschlagen. Das hätte mir auffallen müssen.
Leipzig, ein Hinterhof im Sommer, Slam unter freiem Himmel.
Hinten stand ein Klapptisch, darauf ein Stapel schmaler Bücher und eine Blechdose für das Geld.
Zwölf Euro. Ich habe eines gekauft.
Er hat den Stift genommen, die erste Seite aufgeschlagen, unterschrieben und das Buch sofort wieder zugeklappt.
Zu Hause habe ich verstanden, warum.
Dieser Beitrag zeigt dir, wie du deine Bühnentexte zu einem Buch machst.
Und wie du den Fehler vermeidest, den er gemacht hat.
Denn einen Gedichtband veröffentlichen ist heute technisch einfach. Genau deshalb passieren die Fehler an einer ganz anderen Stelle.
Am Ende bekommst du wieder genau einen Griff. Er kostet ungefähr fünf Euro.
Folge dem Bahn-Slam
auf WhatsApp
- Neue Slam-Texte zuerst
- Gedanken vom Gleis
- Keine E-Mail, kein Spam
Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
Jetzt Kanal folgenAnthologie oder Gedichtband veröffentlichen? Der Unterschied lohnt sich
Kurz zur Begriffsklärung, weil sie praktisch relevant ist.
Eine Anthologie ist streng genommen eine Sammlung von Texten mehrerer Autorinnen und Autoren.
Was du vorhast, ist meistens etwas anderes: eine Sammlung deiner eigenen Texte. Das heißt dann Gedichtband, Textsammlung oder schlicht Buch.
Der Unterschied ist keine Wortklauberei, sondern entscheidet über drei Dinge.
Warum das beim Gedichtband veröffentlichen zählt
Erstens die Rechte. Bei mehreren Beteiligten brauchst du von jeder Person eine schriftliche Erlaubnis.
Zweitens das Geld. Bei einer echten Anthologie musst du vorher klären, wer was bekommt.
Und drittens die Suche. Menschen suchen online nach Gedichtband und kaum jemand nach Anthologie.
Wer also einen Gedichtband veröffentlichen will, sollte ihn auch so nennen.
Fast alles davon gilt genauso, wenn ihr zu mehreren eine echte Anthologie macht. Die Unterschiede sage ich jeweils dazu.
Walt Whitman setzte seinen Gedichtband selbst
Am 4. Juli 1855 erschien in Brooklyn ein schmales Buch mit zwölf Gedichten.
Es hieß Leaves of Grass, und auf dem Titelblatt stand kein Autorenname.
Walt Whitman hatte es selbst verlegt. Er war gelernter Drucker und hat einen Teil des Satzes eigenhändig gesetzt.
Außerdem hat er Ausstattung, Papier und Erscheinungsbild selbst bestimmt.
Heute gilt das Buch als Wendepunkt der amerikanischen Literatur.
Damit ist Whitman der älteste bekannte Fall von jemandem, der einen Gedichtband veröffentlichen wollte und es einfach selbst gemacht hat.
Und jetzt der Teil, über den seltener geredet wird
Die ersten Besprechungen waren überwiegend vernichtend.
Deshalb schrieb Whitman selbst welche.
Mindestens drei anonyme Rezensionen seines eigenen Buchs stammen nachweislich von ihm. Eine vierte wurde erst 2024 entdeckt und wissenschaftlich beschrieben.
Eine dieser Selbstbesprechungen jubelte, endlich gebe es einen amerikanischen Dichter.
Für die zweite Auflage druckte er außerdem einen Satz aus einem privaten Lobesbrief von Ralph Waldo Emerson auf den Buchrücken. Gefragt hatte er nicht.
Nicht mitnehmen: die anonymen Eigenrezensionen. Das war schon 1855 grenzwertig und ist heute bei jedem Händler ein Verstoß gegen die Regeln.
Die Auswahl: welche Texte in deinen Gedichtband gehören
Der häufigste Anfängerfehler ist nicht ein schlechter Text.
Es sind zu viele Texte.
Fast jeder erste Band enthält alles, was jemals fertig geworden ist. Und genau das macht ihn beliebig.
Die Dreiteilung
Leg alle Texte aus, gern ausgedruckt, und sortiere sie in drei Stapel.
Stapel eins: Texte, die auf der Bühne zuverlässig funktioniert haben.
Stapel zwei: Texte, die dir wichtig sind, obwohl sie nie gut liefen.
Stapel drei: alles andere.
Stapel drei kommt weg. Vollständig, ohne Diskussion.
Außerdem gilt: Wer einen Gedichtband veröffentlichen will, entscheidet sich zuerst gegen Texte und erst danach für welche.
Die zwei Fragen für den Rest
Frage eins: Trägt der Text auch ohne deine Stimme?
Das ist die härteste Frage beim Übergang von der Bühne aufs Papier. Manche Texte leben ausschließlich von Tempo, Lautstärke und Timing.
Solche Texte funktionieren gedruckt oft nicht mehr. Du erkennst sie daran, dass sie beim stillen Lesen dünn wirken.
Frage zwei: Würde ich diesen Text jemandem zeigen, der mich nicht mag?
Wenn die Antwort nein lautet, gehört er nicht ins Buch.
Diese zweite Frage ist beim Gedichtband veröffentlichen wichtiger als jede stilistische Überlegung.
Rechne grob mit einer Seite pro Text, plus Titelei und Leerseiten. 25 bis 40 Texte ergeben ein Buch von 60 bis 96 Seiten. Das ist genau die richtige Größe für den ersten.
Die Reihenfolge: Dramaturgie statt Chronologie
Die Reihenfolge ist die eigentliche Arbeit an einem Gedichtband.
Und fast alle machen hier dasselbe falsch: Sie sortieren chronologisch.
Das ist bequem und für Leserinnen und Leser vollkommen bedeutungslos. Niemand außer dir weiß, welcher Text von wann ist.
Was stattdessen funktioniert
Denk in Abenden, nicht in Jahren. Ein Buch ist ein Auftritt, der zwei Stunden dauert.
Deshalb gelten dieselben Regeln wie auf der Bühne.
| Position | Aufgabe | Was dort hingehört |
|---|---|---|
| Text 1 | Tür aufmachen | Zugänglich, kurz, klar. Nicht dein bester Text. |
| Text 2 bis 4 | Vertrauen aufbauen | Deine Handschrift zeigen, noch ohne Extreme. |
| Erstes Drittel Ende | Erster Höhepunkt | Hier darf der starke Text stehen. |
| Mittelteil | Atmen | Kürzere und leisere Texte. Ohne Ruhe wirkt nichts. |
| Zweites Drittel | Zumutung | Der schwierigste Text. Jetzt sind sie bereit dafür. |
| Vorletzter Text | Höhepunkt | Der beste Text. Nicht der letzte. |
| Letzter Text | Tür zumachen | Kurz, ruhig, offen. Der Nachhall zählt. |
Der wichtigste Punkt steht in der vorletzten Zeile.
Der beste Text gehört nicht ans Ende. Er gehört an die vorletzte Stelle, damit danach noch etwas nachklingen kann.
Deshalb ist die Reihenfolge beim Gedichtband veröffentlichen die eigentliche künstlerische Arbeit.
Marcel Proust bezahlte seinen ersten Band selbst
1912 schickte Marcel Proust ein Manuskript an mehrere Verlage.
Bei der Nouvelle Revue Française, dem Vorläufer von Gallimard, warf ein Lektor einen flüchtigen Blick auf die siebenhundert Seiten und lehnte ab.
Der Verleger Paul Ollendorff lehnte Anfang 1913 ebenfalls ab, mit einer Begründung, die bis heute zitiert wird: Er verstehe nicht, wie jemand dreißig Seiten damit verbringen könne, sich im Bett hin und her zu wälzen, bevor er einschläft.
Im November 1913 erschien Du côté de chez Swann schließlich beim kleinen Verlag Bernard Grasset.
Bedingung: Proust zahlte die Kosten für Herstellung und Werbung selbst.
Die Ablehnung dieses Buches bleibt der schwerste Fehler der NRF.André Gide · sinngemäß übersetzt
Der Teil, der für dich praktisch ist
Grasset konnte aus technischen Gründen nur rund fünfhundert Seiten binden.
Das Manuskript hätte achthundert ergeben.
Also musste Proust seinen eigenen Text zerschneiden und ein Ende improvisieren.
Das ist keine Anekdote, sondern genau die Situation, in die du kommst, sobald du einen Gedichtband veröffentlichen willst: Der Umfang bestimmt am Ende mit, was hineinpasst.
Der ehrliche Haken
Proust konnte sich das leisten.
Er hatte geerbt und finanzierte die Ausgabe aus seinem Privatvermögen.
Das ist die unangenehme Seite jeder Selbstveröffentlichungsgeschichte aus dieser Zeit, und ich will sie nicht wegkürzen.
Der große Unterschied zu heute ist genau dieser Punkt. Print-on-Demand kostet dich keine Auflage im Voraus, sondern ein einziges Probeexemplar.
Insofern ist Gedichtband veröffentlichen heute kein Vermögensproblem mehr, sondern ein Sorgfaltsproblem.
Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Der eine Griff: das eine Probeexemplar
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt genau eine Sache, die zuverlässig funktioniert. Und sie ist wieder enttäuschend simpel.
Mit einem Bleistift in der Hand. Von der ersten bis zur letzten Seite.
Das war es. Ein Exemplar, ein paar Euro Druckkosten plus Versand.
Damit ist der riskanteste Teil beim Gedichtband veröffentlichen abgesichert.
Warum Papier und nicht der Bildschirm
Auf dem Bildschirm siehst du Seiten einzeln und in falscher Größe.
Auf Papier siehst du Doppelseiten, und erst dort fallen die eigentlichen Fehler auf.
Also Texte, die auf der falschen Seite anfangen. Umbrüche, die eine einzelne Zeile auf die nächste Seite schieben. Kapitel, die auf einer linken Seite beginnen.
Außerdem liest dein Auge auf Papier langsamer und findet dadurch mehr Tippfehler.
Deshalb gehört dieser Schritt beim Gedichtband veröffentlichen an die vorletzte Stelle und niemals ans Ende.
Die sieben Dinge, die du im Probeexemplar prüfst
Ist die Reihenfolge wirklich die geplante?
Steht jeder Text nur einmal drin?
Ist der letzte Text vollständig?
Stimmen die Seitenzahlen und ihre Position?
Sind die Ränder groß genug?
Ist das Impressum korrekt und vollständig?
Fühlt sich das Buch in der Hand richtig an?
Alles Weitere in diesem Beitrag ist Zubehör. Das hier ist das Werkzeug.
Gedichtband veröffentlichen: die sechs Arbeitsschritte
So sieht der ganze Weg aus, wenn man ihn auseinandernimmt.
Die Angaben sind Erfahrungswerte für einen ersten Band von 60 bis 96 Seiten.
Wer einen Gedichtband veröffentlichen will, durchläuft im Prinzip immer dieselben sechs Schritte.
Schritt 1 bis 3: aus Texten wird ein Manuskript
Schritt 4 bis 6: aus der Datei wird ein Buch
Wer nebenbei einen Beruf hat und die Reihenfolge ernst nimmt, sollte drei bis vier Monate einplanen. Das ist keine Trödelei, sondern die Zeit, die eine gute Reihenfolge tatsächlich braucht.
Der Satzspiegel: wie eine Buchseite funktioniert
Ein Buch sieht nicht deshalb wie ein Buch aus, weil Text darauf steht.
Es sieht so aus, weil der Text an der richtigen Stelle steht.
Die vier Entscheidungen, die wirklich zählen
Format. Für Gedichte funktionieren schmale Formate besser als breite, weil Verse kurz sind. Klassisch sind etwa 12,7 mal 20,3 Zentimeter.
Schriftgröße. Zehn bis zwölf Punkt bei einem Zeilenabstand von etwa 1,4. Alles darunter wirkt gedrängt, alles darüber wie ein Kinderbuch.
Ein Text pro Seite. Bei Gedichten fast immer die richtige Entscheidung, auch wenn dadurch viel Weißraum entsteht.
Und Weißraum ist bei Lyrik kein verschwendeter Platz, sondern Teil der Form.
Genau daran erkennt man übrigens jemanden, der schon einmal einen Gedichtband veröffentlichen musste.
Rupi Kaur veröffentlichte 2014 im Selbstverlag
Der aktuellste Beleg dafür, dass es funktioniert, ist keine hundert Jahre alt, sondern zehn.
Rupi Kaur schrieb ihre Texte zunächst auf Tumblr und Instagram.
Als sie über eine Veröffentlichung nachdachte, sagte ihr ein Dozent, Lyrik werde ohnehin nicht verlegt. Auf ihre Nachfrage zum Selbstverlag antwortete er, in der Branche respektiere das niemand.
Im November 2014 veröffentlichte sie milk and honey trotzdem selbst, über die Plattform CreateSpace. Sie war dreiundzwanzig.
Ihre Familie und sie verkauften die Bücher zunächst von Hand bei lokalen Veranstaltungen.
Was daraus wurde
Nach gut zehntausend verkauften Exemplaren wurde ein Verlag aufmerksam und brachte das Buch 2015 neu heraus.
Bis heute hat milk and honey etwa sechs Millionen Exemplare verkauft und gilt als meistverkaufter Gedichtband des einundzwanzigsten Jahrhunderts.
Für dich ist an dieser Geschichte vor allem eines interessant: CreateSpace ist inzwischen in Amazon KDP aufgegangen.
Der Weg, den sie 2014 genommen hat, ist also exakt derselbe, der dir heute offensteht.
Einen Gedichtband veröffentlichen kostet dich heute also weniger als ein Abendessen.
Der ehrliche Haken
Kaurs Texte sind literarisch umstritten. Kritikerinnen und Kritiker werfen ihnen regelmäßig Schlichtheit vor.
Außerdem hatte sie vor der Veröffentlichung bereits eine große Reichweite in sozialen Netzwerken, und genau die hat den Verkauf getragen.
Wer ohne Publikum startet, sollte diese Geschichte deshalb nicht als Bauplan lesen, sondern als Beweis, dass der Weg offen ist.
Was es wirklich kostet
Hier die Zahlen, um die im Netz meistens herumgeredet wird.
Die wichtigste Zeile ist die erste.
Fünf bis fünfzehn Euro für ein Probeexemplar sind der einzige Posten, bei dem Sparen garantiert teurer wird.
Alles andere beim Gedichtband veröffentlichen lässt sich später korrigieren. Ein gedruckter Fehler nicht.
Rechtliches in Deutschland: das musst du erledigen
Hier wird es trocken, dafür aber wichtig.
Diese vier Punkte betreffen dich, sobald du in Deutschland wohnst und ein Buch öffentlich zugänglich machst.
Denn wer in Deutschland einen Gedichtband veröffentlichen will, hat ein paar Pflichten, die im Netz gern unterschlagen werden.
Zwei Pflichten rund um die Bibliotheken
Pflichtexemplare an die Deutsche Nationalbibliothek
Pflichtexemplare an die Landesbibliothek
Zwei Pflichten im Buch selbst
Impressum im Buch
Buchpreisbindung
Und eine Wahlmöglichkeit
ISBN – die Wahlmöglichkeit
Prüf die Angaben vor deiner Veröffentlichung einmal auf den Seiten der Deutschen Nationalbibliothek und deiner Landesbibliothek nach. Das dauert zwanzig Minuten und erspart dir Post, die niemand mag.
Und noch etwas, das oft vergessen wird
Wenn in deinen Texten reale Personen erkennbar vorkommen, gelten deren Persönlichkeitsrechte.
Auf der Bühne ist das flüchtig, im Buch steht es dauerhaft und nachlesbar.
Deshalb lohnt sich vor dem Druck ein zweiter Blick auf jeden Text, in dem jemand identifizierbar ist. Mehr dazu steht in Grenzen setzen.
Zwölf Fragen, bevor du auf Veröffentlichen klickst
Klapp auf und beantworte ehrlich. Jedes Nein kostet dich später mehr Zeit als jetzt.
Diese zwölf Fragen sind die letzte Station, bevor du deinen Gedichtband veröffentlichen kannst.
Sechs Fragen zum Inhalt
Habe ich Stapel drei wirklich weggelassen?
Steht mein bester Text an vorletzter Stelle?
Trägt jeder Text ohne meine Stimme?
Hat jemand alles gelesen, der mich nicht mag?
Kommt jemand darin vor, der davon nichts weiß?
Ist der Titel ohne Erklärung verständlich?
Sechs Fragen zur Technik
Habe ich das Probeexemplar wirklich gelesen?
Stimmt die Rückenstärke zum Umfang?
Ist die Auflösung der Coverdatei hoch genug?
Habe ich Innen- und Außenrand unterschiedlich gesetzt?
Steht das Impressum vollständig drin?
Weiß ich, wohin die Pflichtexemplare gehen?
Drei Videos zum Gedichtband veröffentlichen
Alle drei sind auf Englisch und alle drei habe ich vorher angesehen.
Wichtig dabei: Sie beschreiben durchgehend den Weg über Amazon KDP aus nordamerikanischer Sicht.
Die deutschen Pflichten aus Kapitel elf kommen darin nicht vor. Genau deshalb steht dieses Kapitel hier und nicht am Anfang.
Trotzdem lohnen sie sich, weil sie den technischen Ablauf zeigen.
Wenn das Buch etwas beweisen soll
Dieses Kapitel gehört hierher, auch wenn es den Ton bricht.
Ein eigenes Buch ist ein schöner Grund, stolz zu sein. Es ist allerdings ein schlechter Beleg.
Wenn du dir vom Erscheinen erhoffst, dass eine bestimmte Unsicherheit endlich aufhört, wird das Buch diese Erwartung nicht erfüllen.
Was nach der Veröffentlichung tatsächlich passiert
Meistens sehr wenig, und das ist völlig normal.
Ein erster Gedichtband verkauft sich im ersten Jahr oft im zweistelligen Bereich. Die Käufer sind zu großen Teilen Menschen, die dich auf einer Bühne gesehen haben.
Das ist kein Misserfolg, sondern die Ausgangslage bei fast allen.
Deshalb solltest du einen Gedichtband veröffentlichen, weil du das Buch willst. Und nicht, weil du die Zahlen willst.
Wer damit rechnet, freut sich über jedes verkaufte Exemplar. Wer mit mehr rechnet, erlebt drei Wochen später ein ziemlich tiefes Loch.
Und wenn es doch mehr ist
Falls sich dein Wert als Mensch für dich an diesem Buch entscheidet, falls du nach dem Erscheinen über Wochen nicht herunterkommst oder falls die Vorbereitung dich in eine anhaltende Erschöpfung getrieben hat, dann ist das kein Buchthema mehr.
Die Hausarztpraxis ist ein völlig normaler erster Schritt.
Außerdem gibt es die psychotherapeutische Sprechstunde. Termine vermittelt in Deutschland die Terminservicestelle unter der 116117.
Und wenn es dir gerade richtig schlecht geht, ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar, kostenfrei und anonym: 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.
Selbstcheck: Bist du wirklich so weit?
Sechs Fragen. Hak ehrlich ab, es sieht ja niemand.
Auswertung in einem Satz: Wenn du bei Punkt fünf nicht zustimmen konntest, ist alles andere gerade zweitrangig.
Denn dieser eine Punkt entscheidet darüber, ob dein Buch später peinlich wird oder nicht.
Übrigens scheitert Gedichtband veröffentlichen fast nie am Text. Es scheitert an dieser einen ausgelassenen Bestellung.
Zehn Fehler beim Gedichtband veröffentlichen
Fünf Fehler im Inhalt
Fehler 1: Alles hineinnehmen
Fehler 2: Chronologisch sortieren
Fehler 3: Bühnentexte unverändert übernehmen
Fehler 4: Den besten Text ans Ende setzen
Fehler 5: Niemanden lesen lassen
Fünf Fehler in der Technik
Fehler 6: Kein Probeexemplar bestellen
Fehler 7: Am Cover sparen
Fehler 8: Innenrand zu knapp setzen
Fehler 9: Impressum vergessen oder unvollständig lassen
Fehler 10: Pflichtexemplare ignorieren
Die Werkstatt: dein Plan für sieben Tage
Kein Programm, sondern eine Woche. Danach hast du keinen fertigen Band, aber eine Grundlage.
| Tag | Was du machst | Dauer |
|---|---|---|
| Montag | Alle fertigen Texte ausdrucken und auslegen. | 60 Minuten |
| Dienstag | In drei Stapel sortieren. Stapel drei kommt weg. | 45 Minuten |
| Mittwoch | Alles aus Stapel eins und zwei einmal stumm lesen. | 60 Minuten |
| Donnerstag | Erste Reihenfolge legen, nach der Tabelle aus Kapitel vier. | 60 Minuten |
| Freitag | Liegen lassen. Nicht anfassen. | — |
| Samstag | Reihenfolge noch einmal ansehen und drei Texte tauschen. | 30 Minuten |
| Sonntag | Seitenzahl schätzen und Format festlegen. | 20 Minuten |
Der Freitag ist der wichtigste Tag in dieser Tabelle.
Denn eine Reihenfolge, die man am selben Tag noch einmal prüft, prüft man gar nicht.
Damit hast du die Grundlage, um in den Wochen danach deinen Gedichtband veröffentlichen zu können.
Häufige Fragen zum Gedichtband veröffentlichen
Fragen zum Vorgehen
Wie viele Texte braucht ein erster Band?
Brauche ich einen Verlag?
Kann ich Texte veröffentlichen, die ich schon auf YouTube habe?
Was ist mit einer echten Anthologie zu mehreren?
Fragen zu Verkauf und Zahlen
Wie viel verdiene ich pro Buch?
Wie viele Exemplare verkauft ein erster Band?
Lohnt sich eine eigene ISBN?
Soll ich E-Book, Taschenbuch oder Hardcover machen?
Leipzig – der Rest der Geschichte
Zurück nach Leipzig.
Zu Hause habe ich das Buch aufgeschlagen und drei Dinge gefunden.
Die Seiten 34 und 35 waren vertauscht, sodass ein Text mitten im Satz in einen anderen überging.
Ein Gedicht stand zweimal drin, einmal auf Seite 12 und einmal auf Seite 51.
Und der letzte Text brach auf der letzten Seite mitten in einer Zeile ab.
Ich habe ihm geschrieben
Nicht um mich zu beschweren, sondern weil ich wissen wollte, wie das passiert.
Er hat am nächsten Tag geantwortet, und die Antwort war kurz.
Er hatte zweihundert Exemplare drucken lassen.
Und er hatte vorher kein einziges davon in der Hand gehalten.
Ich habe alles am Bildschirm geprüft. Dreimal sogar.Der Mann mit dem Klapptisch · Leipzig
Deshalb hat er das Buch beim Signieren nicht aufgeschlagen.
Er wusste es längst. Er konnte es nur nicht mehr ändern, weil zweihundert Stück im Flur standen.
Und genau davor bewahrt dich der Griff aus Kapitel sechs, wenn du einen Gedichtband veröffentlichen willst.
Der Teil, den ich lieber weggelassen hätte
In meinem ersten eigenen Band steht im Impressum das falsche Jahr.
Ich habe es bei Exemplar sechzig bemerkt, als jemand freundlich darauf hinwies.
Und ich hatte damals genau denselben Satz gesagt wie er. Alles am Bildschirm geprüft, mehrfach.
Ich lese es an einem Stück mit einem Bleistift, und ich fange auf Seite eins an. Das dauert zwei Stunden und kostet ungefähr acht Euro.
Es ist die beste Investition in diesem ganzen Beitrag.
Und was am Ende im Buch stehen muss
Ein Buch verzeiht weniger als eine Bühne.
Auf der Bühne trägt dich deine Stimme über eine schwache Zeile hinweg. Im Buch steht sie da und wartet, dass jemand sie zweimal liest.
Deshalb ist der erste Gedichtband ein ziemlich ehrlicher Test für dein Handwerk.
Und genau deshalb lohnt es sich, dieses Handwerk vorher zu haben.
Kurz gesagt: Gedichtband veröffentlichen prüft nicht deinen Mut, sondern deine Zeilen.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also die Werkzeuge, mit denen ein Text auch dann noch trägt, wenn deine Stimme nicht dabei ist.
Denn genau das ist der Unterschied zwischen einem Bühnentext und einem, der gedruckt funktioniert. Bilder, die ohne Betonung halten. Aufbauten, die man auch still lesen kann. Und Schlüsse, die im Kopf weiterlaufen.
Das Probeexemplar findet die Tippfehler. Das Handwerk findet die dünnen Zeilen.
Übrigens habe ich den Band aus Leipzig behalten.
Er steht bei mir im Regal, mit den vertauschten Seiten und dem doppelten Gedicht.
Und jedes Mal, wenn ich kurz davor bin, auf Veröffentlichen zu klicken, sehe ich ihn an.
Folge dem Bahn-Slam
auf WhatsApp
- Neue Slam-Texte zuerst
- Gedanken vom Gleis
- Keine E-Mail, kein Spam
Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
Jetzt Kanal folgenDu willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
