Deine erste Anthologie: Texte sammeln und veröffentlichen

Leipzig · zwölf Euro

Deine erste Anthologie: Texte sammeln und veröffentlichen

Er hat das Buch signiert, ohne es aufzuschlagen. Das hätte mir auffallen müssen.

Leipzig, ein Hinterhof im Sommer, Slam unter freiem Himmel.

Hinten stand ein Klapptisch, darauf ein Stapel schmaler Bücher und eine Blechdose für das Geld.

Zwölf Euro. Ich habe eines gekauft.

Er hat den Stift genommen, die erste Seite aufgeschlagen, unterschrieben und das Buch sofort wieder zugeklappt.

Zu Hause habe ich verstanden, warum.

Gedichtband veröffentlichen und verkaufen: der Waschbär sitzt hinter einem Klapptisch mit einem Stapel eigener Bücher
Zwölf Euro und ein Klapptisch. So fängt es fast immer an.

Dieser Beitrag zeigt dir, wie du deine Bühnentexte zu einem Buch machst.

Und wie du den Fehler vermeidest, den er gemacht hat.

Denn einen Gedichtband veröffentlichen ist heute technisch einfach. Genau deshalb passieren die Fehler an einer ganz anderen Stelle.

Am Ende bekommst du wieder genau einen Griff. Er kostet ungefähr fünf Euro.

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Anthologie oder Gedichtband veröffentlichen? Der Unterschied lohnt sich

Kurz zur Begriffsklärung, weil sie praktisch relevant ist.

Eine Anthologie ist streng genommen eine Sammlung von Texten mehrerer Autorinnen und Autoren.

Was du vorhast, ist meistens etwas anderes: eine Sammlung deiner eigenen Texte. Das heißt dann Gedichtband, Textsammlung oder schlicht Buch.

Der Unterschied ist keine Wortklauberei, sondern entscheidet über drei Dinge.

Warum das beim Gedichtband veröffentlichen zählt

Erstens die Rechte. Bei mehreren Beteiligten brauchst du von jeder Person eine schriftliche Erlaubnis.

Zweitens das Geld. Bei einer echten Anthologie musst du vorher klären, wer was bekommt.

Und drittens die Suche. Menschen suchen online nach Gedichtband und kaum jemand nach Anthologie.

Wer also einen Gedichtband veröffentlichen will, sollte ihn auch so nennen.

Für diesen Beitrag gilt
Ich beschreibe hier den häufigsten Fall: Du willst deinen eigenen Gedichtband veröffentlichen, also deine Texte, dein Buch, deine Entscheidungen.

Fast alles davon gilt genauso, wenn ihr zu mehreren eine echte Anthologie macht. Die Unterschiede sage ich jeweils dazu.
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Walt Whitman setzte seinen Gedichtband selbst

Am 4. Juli 1855 erschien in Brooklyn ein schmales Buch mit zwölf Gedichten.

Es hieß Leaves of Grass, und auf dem Titelblatt stand kein Autorenname.

Walt Whitman hatte es selbst verlegt. Er war gelernter Drucker und hat einen Teil des Satzes eigenhändig gesetzt.

Außerdem hat er Ausstattung, Papier und Erscheinungsbild selbst bestimmt.

Heute gilt das Buch als Wendepunkt der amerikanischen Literatur.

Damit ist Whitman der älteste bekannte Fall von jemandem, der einen Gedichtband veröffentlichen wollte und es einfach selbst gemacht hat.

Und jetzt der Teil, über den seltener geredet wird

Die ersten Besprechungen waren überwiegend vernichtend.

Deshalb schrieb Whitman selbst welche.

Mindestens drei anonyme Rezensionen seines eigenen Buchs stammen nachweislich von ihm. Eine vierte wurde erst 2024 entdeckt und wissenschaftlich beschrieben.

Eine dieser Selbstbesprechungen jubelte, endlich gebe es einen amerikanischen Dichter.

Für die zweite Auflage druckte er außerdem einen Satz aus einem privaten Lobesbrief von Ralph Waldo Emerson auf den Buchrücken. Gefragt hatte er nicht.

Was du daraus mitnimmst – und was nicht
Mitnehmen: Ein Gedichtband veröffentlichen heißt seit hundertsiebzig Jahren, dass du Gestaltung, Papier und Auftritt des Buches selbst verantwortest. Das ist kein Notbehelf, sondern eine Möglichkeit.

Nicht mitnehmen: die anonymen Eigenrezensionen. Das war schon 1855 grenzwertig und ist heute bei jedem Händler ein Verstoß gegen die Regeln.
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Die Auswahl: welche Texte in deinen Gedichtband gehören

Der häufigste Anfängerfehler ist nicht ein schlechter Text.

Es sind zu viele Texte.

Fast jeder erste Band enthält alles, was jemals fertig geworden ist. Und genau das macht ihn beliebig.

Die Dreiteilung

Leg alle Texte aus, gern ausgedruckt, und sortiere sie in drei Stapel.

Stapel eins: Texte, die auf der Bühne zuverlässig funktioniert haben.

Stapel zwei: Texte, die dir wichtig sind, obwohl sie nie gut liefen.

Stapel drei: alles andere.

Stapel drei kommt weg. Vollständig, ohne Diskussion.

Außerdem gilt: Wer einen Gedichtband veröffentlichen will, entscheidet sich zuerst gegen Texte und erst danach für welche.

Texte auswählen, bevor wir den Gedichtband veröffentlichen: der Waschbär ordnet dutzende Zettel an einer Pinnwand
Auslegen, sortieren, wegwerfen. In dieser Reihenfolge.

Die zwei Fragen für den Rest

Frage eins: Trägt der Text auch ohne deine Stimme?

Das ist die härteste Frage beim Übergang von der Bühne aufs Papier. Manche Texte leben ausschließlich von Tempo, Lautstärke und Timing.

Solche Texte funktionieren gedruckt oft nicht mehr. Du erkennst sie daran, dass sie beim stillen Lesen dünn wirken.

Frage zwei: Würde ich diesen Text jemandem zeigen, der mich nicht mag?

Wenn die Antwort nein lautet, gehört er nicht ins Buch.

Diese zweite Frage ist beim Gedichtband veröffentlichen wichtiger als jede stilistische Überlegung.

Die praktische Faustregel
Ein erster Band mit 25 wirklich guten Texten schlägt jeden mit 60 gemischten.

Rechne grob mit einer Seite pro Text, plus Titelei und Leerseiten. 25 bis 40 Texte ergeben ein Buch von 60 bis 96 Seiten. Das ist genau die richtige Größe für den ersten.
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Die Reihenfolge: Dramaturgie statt Chronologie

Die Reihenfolge ist die eigentliche Arbeit an einem Gedichtband.

Und fast alle machen hier dasselbe falsch: Sie sortieren chronologisch.

Das ist bequem und für Leserinnen und Leser vollkommen bedeutungslos. Niemand außer dir weiß, welcher Text von wann ist.

Was stattdessen funktioniert

Denk in Abenden, nicht in Jahren. Ein Buch ist ein Auftritt, der zwei Stunden dauert.

Deshalb gelten dieselben Regeln wie auf der Bühne.

PositionAufgabeWas dort hingehört
Text 1Tür aufmachenZugänglich, kurz, klar. Nicht dein bester Text.
Text 2 bis 4Vertrauen aufbauenDeine Handschrift zeigen, noch ohne Extreme.
Erstes Drittel EndeErster HöhepunktHier darf der starke Text stehen.
MittelteilAtmenKürzere und leisere Texte. Ohne Ruhe wirkt nichts.
Zweites DrittelZumutungDer schwierigste Text. Jetzt sind sie bereit dafür.
Vorletzter TextHöhepunktDer beste Text. Nicht der letzte.
Letzter TextTür zumachenKurz, ruhig, offen. Der Nachhall zählt.

Der wichtigste Punkt steht in der vorletzten Zeile.

Der beste Text gehört nicht ans Ende. Er gehört an die vorletzte Stelle, damit danach noch etwas nachklingen kann.

Deshalb ist die Reihenfolge beim Gedichtband veröffentlichen die eigentliche künstlerische Arbeit.

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Marcel Proust bezahlte seinen ersten Band selbst

1912 schickte Marcel Proust ein Manuskript an mehrere Verlage.

Bei der Nouvelle Revue Française, dem Vorläufer von Gallimard, warf ein Lektor einen flüchtigen Blick auf die siebenhundert Seiten und lehnte ab.

Der Verleger Paul Ollendorff lehnte Anfang 1913 ebenfalls ab, mit einer Begründung, die bis heute zitiert wird: Er verstehe nicht, wie jemand dreißig Seiten damit verbringen könne, sich im Bett hin und her zu wälzen, bevor er einschläft.

Im November 1913 erschien Du côté de chez Swann schließlich beim kleinen Verlag Bernard Grasset.

Bedingung: Proust zahlte die Kosten für Herstellung und Werbung selbst.

Die Ablehnung dieses Buches bleibt der schwerste Fehler der NRF.
André Gide · sinngemäß übersetzt

Der Teil, der für dich praktisch ist

Grasset konnte aus technischen Gründen nur rund fünfhundert Seiten binden.

Das Manuskript hätte achthundert ergeben.

Also musste Proust seinen eigenen Text zerschneiden und ein Ende improvisieren.

Das ist keine Anekdote, sondern genau die Situation, in die du kommst, sobald du einen Gedichtband veröffentlichen willst: Der Umfang bestimmt am Ende mit, was hineinpasst.

Der ehrliche Haken

Proust konnte sich das leisten.

Er hatte geerbt und finanzierte die Ausgabe aus seinem Privatvermögen.

Das ist die unangenehme Seite jeder Selbstveröffentlichungsgeschichte aus dieser Zeit, und ich will sie nicht wegkürzen.

Der große Unterschied zu heute ist genau dieser Punkt. Print-on-Demand kostet dich keine Auflage im Voraus, sondern ein einziges Probeexemplar.

Insofern ist Gedichtband veröffentlichen heute kein Vermögensproblem mehr, sondern ein Sorgfaltsproblem.

Dein Link-Kompass

Du willst mehr von diesen Ideen?

Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.

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Schreiben & Textaufbau
31 Beiträge

Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.

Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.

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Der eine Griff: das eine Probeexemplar

Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.

Es gibt genau eine Sache, die zuverlässig funktioniert. Und sie ist wieder enttäuschend simpel.

Der Griff
Bestell genau ein gedrucktes Probeexemplar und lies es auf Papier, bevor du auf Veröffentlichen klickst.

Mit einem Bleistift in der Hand. Von der ersten bis zur letzten Seite.

Das war es. Ein Exemplar, ein paar Euro Druckkosten plus Versand.

Damit ist der riskanteste Teil beim Gedichtband veröffentlichen abgesichert.

Vor dem Gedichtband veröffentlichen: der Waschbär liest ein einzelnes Probeexemplar mit Bleistift Seite für Seite durch
Ein Exemplar, ein Bleistift, zwei Stunden. Der billigste Schritt im ganzen Projekt.

Warum Papier und nicht der Bildschirm

Auf dem Bildschirm siehst du Seiten einzeln und in falscher Größe.

Auf Papier siehst du Doppelseiten, und erst dort fallen die eigentlichen Fehler auf.

Also Texte, die auf der falschen Seite anfangen. Umbrüche, die eine einzelne Zeile auf die nächste Seite schieben. Kapitel, die auf einer linken Seite beginnen.

Außerdem liest dein Auge auf Papier langsamer und findet dadurch mehr Tippfehler.

Deshalb gehört dieser Schritt beim Gedichtband veröffentlichen an die vorletzte Stelle und niemals ans Ende.

Die sieben Dinge, die du im Probeexemplar prüfst

Ist die Reihenfolge wirklich die geplante?
Klingt banal und ist der häufigste schwere Fehler. Vergleiche das Inhaltsverzeichnis Zeile für Zeile mit den tatsächlichen Seiten. Genau hier ist die Geschichte aus Leipzig passiert.
Steht jeder Text nur einmal drin?
Beim Zusammenkopieren aus verschiedenen Dateien rutscht regelmäßig ein Text doppelt hinein. Auf dem Bildschirm merkt man das fast nie.
Ist der letzte Text vollständig?
Prüfe ausdrücklich die letzte Seite. Wenn beim Export etwas abgeschnitten wird, dann dort.
Stimmen die Seitenzahlen und ihre Position?
Seitenzahlen gehören außen oder in die Mitte, aber auf jeder Seite an dieselbe Stelle. Auf Leerseiten und Titelseiten stehen üblicherweise keine.
Sind die Ränder groß genug?
Vor allem innen. Bei Klebebindung verschwindet Text im Bund, wenn du den Innenrand zu knapp wählst.
Ist das Impressum korrekt und vollständig?
Name, ladungsfähige Anschrift, Jahr. Details dazu stehen in Kapitel elf. Ein falsches Jahr im Impressum ist mir persönlich passiert.
Fühlt sich das Buch in der Hand richtig an?
Papierstärke, Format, Cover-Oberfläche. Das kannst du nur am gedruckten Exemplar entscheiden und niemals am Bildschirm.
Warum nur ein Griff und nicht zwölf
Weil dieser eine Schritt die meisten anderen Fehler mitfängt. Wer das Probeexemplar liest, findet fast alles, was sonst erst der erste Käufer findet.

Alles Weitere in diesem Beitrag ist Zubehör. Das hier ist das Werkzeug.
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Gedichtband veröffentlichen: die sechs Arbeitsschritte

So sieht der ganze Weg aus, wenn man ihn auseinandernimmt.

Die Angaben sind Erfahrungswerte für einen ersten Band von 60 bis 96 Seiten.

Wer einen Gedichtband veröffentlichen will, durchläuft im Prinzip immer dieselben sechs Schritte.

Schritt 1 bis 3: aus Texten wird ein Manuskript

1Auswahl und Reihenfolge festlegen
Dauer: 2 bis 4 WochenKosten: 0 Euro
Der inhaltlich schwerste Schritt und der einzige, den dir niemand abnehmen kann. Kapitel drei und vier beschreiben ihn im Detail. Plane hier bewusst Zeit ein, denn eine gute Reihenfolge braucht Abstand zwischen den Durchgängen.
2Korrektur durch andere Augen
Dauer: 1 bis 2 WochenKosten: 0 bis 400 Euro
Mindestens zwei Menschen lesen alles. Wenn du Geld ausgibst, dann hier und nicht für Werbung. Ein professionelles Korrektorat kostet je nach Umfang deutlich weniger als ein Lektorat und fängt genau die Fehler, die peinlich sind.
3Satz und Layout
Dauer: 1 WocheKosten: 0 bis 300 Euro
Format wählen, Satzspiegel festlegen, Schriften setzen, Seitenzahlen einrichten. Mit einer Vorlage und etwas Geduld geht das selbst. Kapitel acht erklärt, worauf es dabei ankommt.

Schritt 4 bis 6: aus der Datei wird ein Buch

4Cover gestalten
Dauer: 3 Tage bis 2 WochenKosten: 0 bis 500 Euro
Der einzige Teil, bei dem sich Geld fast immer lohnt. Ein Cover entscheidet online in einer Bildgröße von wenigen Zentimetern, ob jemand überhaupt klickt. Wichtig ist außerdem der Rücken: Er braucht die richtige Stärke für deine Seitenzahl.
5Hochladen und Probeexemplar
Dauer: 3 Tage bis 2 WochenKosten: 5 bis 15 Euro
Datei hochladen, Vorschau prüfen, genau ein gedrucktes Exemplar bestellen. Dann korrigieren und gegebenenfalls ein zweites bestellen. Dieser Schritt ist der Griff aus Kapitel sechs, und er ist der Grund, warum die anderen Schritte sich lohnen.
6Veröffentlichen und Pflichten erledigen
Dauer: 1 TagKosten: 0 bis 90 Euro
Freigeben, Preis festlegen, Pflichtexemplare abliefern, Impressum prüfen. Die 90 Euro betreffen nur den Fall, dass du eine eigene ISBN kaufst. Details stehen in Kapitel elf.
Realistischer Zeitrahmen
Wer zügig arbeitet, ist in sechs bis zehn Wochen fertig.

Wer nebenbei einen Beruf hat und die Reihenfolge ernst nimmt, sollte drei bis vier Monate einplanen. Das ist keine Trödelei, sondern die Zeit, die eine gute Reihenfolge tatsächlich braucht.
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Der Satzspiegel: wie eine Buchseite funktioniert

Ein Buch sieht nicht deshalb wie ein Buch aus, weil Text darauf steht.

Es sieht so aus, weil der Text an der richtigen Stelle steht.

Grafik 1 · Die Doppelseite
Innenrand größer als Außenrand, unten mehr Luft als oben. So macht man das seit Jahrhunderten.
Innenrand
Der größte Rand. Sonst verschwindet Text im Bund.
Außenrand
Platz für den Daumen. Etwa zwei Drittel des Innenrands.
Fußsteg
Unten mehr Luft als oben. Sonst kippt die Seite optisch.
Seitenzahl
Immer an derselben Stelle. Auf Leerseiten keine.

Die vier Entscheidungen, die wirklich zählen

Format. Für Gedichte funktionieren schmale Formate besser als breite, weil Verse kurz sind. Klassisch sind etwa 12,7 mal 20,3 Zentimeter.

Schriftgröße. Zehn bis zwölf Punkt bei einem Zeilenabstand von etwa 1,4. Alles darunter wirkt gedrängt, alles darüber wie ein Kinderbuch.

Ein Text pro Seite. Bei Gedichten fast immer die richtige Entscheidung, auch wenn dadurch viel Weißraum entsteht.

Und Weißraum ist bei Lyrik kein verschwendeter Platz, sondern Teil der Form.

Genau daran erkennt man übrigens jemanden, der schon einmal einen Gedichtband veröffentlichen musste.

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Rupi Kaur veröffentlichte 2014 im Selbstverlag

Der aktuellste Beleg dafür, dass es funktioniert, ist keine hundert Jahre alt, sondern zehn.

Rupi Kaur schrieb ihre Texte zunächst auf Tumblr und Instagram.

Als sie über eine Veröffentlichung nachdachte, sagte ihr ein Dozent, Lyrik werde ohnehin nicht verlegt. Auf ihre Nachfrage zum Selbstverlag antwortete er, in der Branche respektiere das niemand.

Im November 2014 veröffentlichte sie milk and honey trotzdem selbst, über die Plattform CreateSpace. Sie war dreiundzwanzig.

Ihre Familie und sie verkauften die Bücher zunächst von Hand bei lokalen Veranstaltungen.

Was daraus wurde

Nach gut zehntausend verkauften Exemplaren wurde ein Verlag aufmerksam und brachte das Buch 2015 neu heraus.

Bis heute hat milk and honey etwa sechs Millionen Exemplare verkauft und gilt als meistverkaufter Gedichtband des einundzwanzigsten Jahrhunderts.

Für dich ist an dieser Geschichte vor allem eines interessant: CreateSpace ist inzwischen in Amazon KDP aufgegangen.

Der Weg, den sie 2014 genommen hat, ist also exakt derselbe, der dir heute offensteht.

Einen Gedichtband veröffentlichen kostet dich heute also weniger als ein Abendessen.

Der ehrliche Haken

Kaurs Texte sind literarisch umstritten. Kritikerinnen und Kritiker werfen ihnen regelmäßig Schlichtheit vor.

Außerdem hatte sie vor der Veröffentlichung bereits eine große Reichweite in sozialen Netzwerken, und genau die hat den Verkauf getragen.

Wer ohne Publikum startet, sollte diese Geschichte deshalb nicht als Bauplan lesen, sondern als Beweis, dass der Weg offen ist.

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Was es wirklich kostet

Hier die Zahlen, um die im Netz meistens herumgeredet wird.

Grafik 2 · Die Spannen
Größenordnungen für einen ersten Band, Stand dieser Recherche. Preise ändern sich.
Probeexemplar5–15 €
Der Griff aus Kapitel sechs. Unverzichtbar.
Eigene ISBN0–90 €
Nur nötig, wenn du nicht die kostenlose Plattform-ISBN willst.
Korrektorat0–400 €
Der sinnvollste Posten, wenn du überhaupt Geld ausgibst.
Cover von außen0–500 €
Lohnt sich fast immer. Auch günstiger möglich.
Satz und Layout0–300 €
Mit Vorlage und Geduld gut selbst machbar.
Pflichtexemplare5–20 €
Zwei gedruckte Exemplare plus Porto.
Minimalvariante mit eigener Arbeit und Plattform-ISBN: rund 10 bis 35 Euro. Komfortvariante mit Korrektorat und Cover: schnell 700 bis 1.000 Euro.

Die wichtigste Zeile ist die erste.

Fünf bis fünfzehn Euro für ein Probeexemplar sind der einzige Posten, bei dem Sparen garantiert teurer wird.

Alles andere beim Gedichtband veröffentlichen lässt sich später korrigieren. Ein gedruckter Fehler nicht.

Nach dem Gedichtband veröffentlichen: der Waschbär öffnet den Karton mit den ersten gedruckten Exemplaren
Der Karton. Dieser Moment ist jeden einzelnen Arbeitsschritt wert.
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Rechtliches in Deutschland: das musst du erledigen

Hier wird es trocken, dafür aber wichtig.

Diese vier Punkte betreffen dich, sobald du in Deutschland wohnst und ein Buch öffentlich zugänglich machst.

Denn wer in Deutschland einen Gedichtband veröffentlichen will, hat ein paar Pflichten, die im Netz gern unterschlagen werden.

Zwei Pflichten rund um die Bibliotheken

Pflichtexemplare an die Deutsche Nationalbibliothek
Wer in Deutschland ein Medienwerk verbreiten darf, muss abliefern. Bei gedruckten Büchern sind es zwei Exemplare, je nach Wohnsitz nach Leipzig oder Frankfurt am Main. E-Books werden digital als Netzpublikation abgeliefert. Das gilt unabhängig davon, ob dein Buch eine ISBN hat oder in einem Verlag erscheint. Die Abgabe ist kostenlos, aber verpflichtend. Nebeneffekt: Dein Buch steht danach im Katalog der Nationalbibliothek.
Pflichtexemplare an die Landesbibliothek
In den meisten Bundesländern kommt zusätzlich ein Exemplar für die jeweilige Landesbibliothek dazu. Die Regelungen stehen in den Landesgesetzen und unterscheiden sich, also schau kurz auf der Seite der Bibliothek deines Bundeslandes nach.

Zwei Pflichten im Buch selbst

Impressum im Buch
Jedes Buch braucht ein Impressum. Die Pflichtangaben stehen nicht im Bundesrecht, sondern in den Landespressegesetzen und unterscheiden sich deshalb leicht. Immer dabei sind dein Name und eine ladungsfähige Anschrift. Wenn du unter Künstlernamen veröffentlichst, ändert das daran nichts.
Buchpreisbindung
Das Buchpreisbindungsgesetz gilt auch für Selbstverlegerinnen und Selbstverleger, und zwar für gedruckte Bücher ebenso wie für E-Books. Du legst den Preis fest, und alle Händler müssen ihn einhalten. Ändern darfst du ihn, solange die Änderung für alle gilt. Taschenbuch, Hardcover und E-Book dürfen unterschiedliche Preise haben.

Und eine Wahlmöglichkeit

ISBN – die Wahlmöglichkeit
Eine eigene ISBN bekommst du bei der zuständigen Agentur. Zum Zeitpunkt dieser Recherche kostet eine Einzel-ISBN rund 90 Euro, eine Verlagsnummer mit Zehnerpaket liegt zusammen bei ungefähr 170 Euro. Alternativ vergeben Plattformen wie KDP kostenlos eine ISBN, dann steht allerdings nicht dein eigener Verlagsname im Eintrag. Für den stationären Buchhandel brauchst du zusätzlich einen kostenpflichtigen Eintrag im Verzeichnis lieferbarer Bücher. Wer nur online verkauft, braucht den nicht.
Wichtiger Hinweis
Das ist eine Übersicht und keine Rechtsberatung. Beträge und Regelungen ändern sich, und die Landesgesetze unterscheiden sich.

Prüf die Angaben vor deiner Veröffentlichung einmal auf den Seiten der Deutschen Nationalbibliothek und deiner Landesbibliothek nach. Das dauert zwanzig Minuten und erspart dir Post, die niemand mag.

Und noch etwas, das oft vergessen wird

Wenn in deinen Texten reale Personen erkennbar vorkommen, gelten deren Persönlichkeitsrechte.

Auf der Bühne ist das flüchtig, im Buch steht es dauerhaft und nachlesbar.

Deshalb lohnt sich vor dem Druck ein zweiter Blick auf jeden Text, in dem jemand identifizierbar ist. Mehr dazu steht in Grenzen setzen.

Bahn Slam · Edition

Werbung in eigener Sache

— aber mit Wucht.

Wenn du diese Techniken nicht nur lesen,
sondern anwenden willst — wie ein Sniper mit Reimwaffe:

Was drinsteckt
  • Über 200 kranke Slam-Hacks
  • Storystrukturen wie ein Fitzek-Krimi
  • Übungen für Albtraum-Einstiege, Trauma-Texte, Schweige-Pausen
  • Provokations-Templates
  • Authentizitäts-Trigger
✦ ✦ ✦ die zweiunddreißig bücher

Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch
— Stephan Pinkwart —
Kapitel 12 Seite 81 von 96

Zwölf Fragen, bevor du auf Veröffentlichen klickst

Klapp auf und beantworte ehrlich. Jedes Nein kostet dich später mehr Zeit als jetzt.

Diese zwölf Fragen sind die letzte Station, bevor du deinen Gedichtband veröffentlichen kannst.

Sechs Fragen zum Inhalt

Habe ich Stapel drei wirklich weggelassen?
Fast alle schmuggeln am Ende noch zwei Texte zurück, an denen sie hängen. Genau diese zwei sind es dann, die Rezensionen erwähnen.
Steht mein bester Text an vorletzter Stelle?
Wenn er am Ende steht, verschenkst du den Nachhall. Wenn er ganz vorn steht, wirkt der Rest wie Abstieg.
Trägt jeder Text ohne meine Stimme?
Lies alles einmal stumm. Texte, die nur durch Tempo funktionieren, fallen dabei sofort durch. Das ist der wichtigste Unterschied zwischen Bühne und Buch.
Hat jemand alles gelesen, der mich nicht mag?
Wohlwollende Menschen überlesen Fehler. Such dir eine Person, die gern widerspricht.
Kommt jemand darin vor, der davon nichts weiß?
Auf der Bühne verfliegt es, im Buch bleibt es. Frag lieber einmal zu viel.
Ist der Titel ohne Erklärung verständlich?
Er muss auf einem Bildschirm in Daumengröße funktionieren. Kluge Titel, die man erklären muss, sind für ein erstes Buch die falsche Entscheidung.

Sechs Fragen zur Technik

Habe ich das Probeexemplar wirklich gelesen?
Nicht durchgeblättert. Gelesen, mit Bleistift, von vorn bis hinten.
Stimmt die Rückenstärke zum Umfang?
Die Rückenbreite hängt an Seitenzahl und Papier. Wenn sie nicht stimmt, sitzt die Rückenschrift schief. Die Plattformen bieten dafür Rechner an.
Ist die Auflösung der Coverdatei hoch genug?
300 dpi im Druckformat. Ein Bild, das am Bildschirm scharf aussieht, ist im Druck oft matschig.
Habe ich Innen- und Außenrand unterschiedlich gesetzt?
Innen größer als außen. Sonst verschwindet bei dickeren Büchern Text im Bund.
Steht das Impressum vollständig drin?
Name, ladungsfähige Anschrift, Jahr. Ein falsches Jahr merkt man erst, wenn der Karton da ist.
Weiß ich, wohin die Pflichtexemplare gehen?
Zwei an die Deutsche Nationalbibliothek, je nach Wohnsitz nach Leipzig oder Frankfurt. Plus meistens eines an die Landesbibliothek. Kläre das vor der Veröffentlichung, nicht danach.
Kapitel 13 Seite 85 von 96

Drei Videos zum Gedichtband veröffentlichen

Alle drei sind auf Englisch und alle drei habe ich vorher angesehen.

Wichtig dabei: Sie beschreiben durchgehend den Weg über Amazon KDP aus nordamerikanischer Sicht.

Die deutschen Pflichten aus Kapitel elf kommen darin nicht vor. Genau deshalb steht dieses Kapitel hier und nicht am Anfang.

Trotzdem lohnen sie sich, weil sie den technischen Ablauf zeigen.

Everything you need to know to SELF PUBLISH a POETRY book: ISBNs, KDP, formatting and more
Der vollständigste Überblick der drei. Führt von der Textauswahl über Formatierung bis zum Hochladen und geht dabei ausführlich auf die ISBN-Frage ein.
Everything You Need To Know to SELF PUBLISH a POETRY Book
Kürzer und stärker auf die konkreten Schritte bei KDP zugeschnitten. Gut geeignet, wenn du den Ablauf einmal sehen willst, bevor du selbst klickst.
How to Self-Publish a Poetry Book: An Ultimate Guide
Der stärkste Teil ist hier die Frage nach Auswahl und Aufbau einer Sammlung. Deckt sich weitgehend mit den Kapiteln drei und vier.
Wenn du nur eines schaust
Nimm das erste. Danach kennst du den technischen Ablauf und kannst dich in diesem Beitrag auf Auswahl, Reihenfolge und die deutschen Pflichten konzentrieren.
Kapitel 14 Seite 87 von 96

Wenn das Buch etwas beweisen soll

Dieses Kapitel gehört hierher, auch wenn es den Ton bricht.

Ein eigenes Buch ist ein schöner Grund, stolz zu sein. Es ist allerdings ein schlechter Beleg.

Der Unterschied in einem Satz
Ein Buch zeigt, dass du etwas fertiggemacht hast. Es zeigt nicht, dass du gut genug bist, und es beantwortet keine Frage, die vorher offen war.

Wenn du dir vom Erscheinen erhoffst, dass eine bestimmte Unsicherheit endlich aufhört, wird das Buch diese Erwartung nicht erfüllen.

Was nach der Veröffentlichung tatsächlich passiert

Meistens sehr wenig, und das ist völlig normal.

Ein erster Gedichtband verkauft sich im ersten Jahr oft im zweistelligen Bereich. Die Käufer sind zu großen Teilen Menschen, die dich auf einer Bühne gesehen haben.

Das ist kein Misserfolg, sondern die Ausgangslage bei fast allen.

Deshalb solltest du einen Gedichtband veröffentlichen, weil du das Buch willst. Und nicht, weil du die Zahlen willst.

Wer damit rechnet, freut sich über jedes verkaufte Exemplar. Wer mit mehr rechnet, erlebt drei Wochen später ein ziemlich tiefes Loch.

Und wenn es doch mehr ist

Falls sich dein Wert als Mensch für dich an diesem Buch entscheidet, falls du nach dem Erscheinen über Wochen nicht herunterkommst oder falls die Vorbereitung dich in eine anhaltende Erschöpfung getrieben hat, dann ist das kein Buchthema mehr.

Die Hausarztpraxis ist ein völlig normaler erster Schritt.

Außerdem gibt es die psychotherapeutische Sprechstunde. Termine vermittelt in Deutschland die Terminservicestelle unter der 116117.

Und wenn es dir gerade richtig schlecht geht, ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar, kostenfrei und anonym: 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.

Kapitel 15 Seite 89 von 96

Selbstcheck: Bist du wirklich so weit?

Sechs Fragen. Hak ehrlich ab, es sieht ja niemand.

Auswertung in einem Satz: Wenn du bei Punkt fünf nicht zustimmen konntest, ist alles andere gerade zweitrangig.

Denn dieser eine Punkt entscheidet darüber, ob dein Buch später peinlich wird oder nicht.

Übrigens scheitert Gedichtband veröffentlichen fast nie am Text. Es scheitert an dieser einen ausgelassenen Bestellung.

Kapitel 16 Seite 91 von 96

Zehn Fehler beim Gedichtband veröffentlichen

Fünf Fehler im Inhalt

Fehler 1: Alles hineinnehmen
Der häufigste und teuerste Fehler. Sechzig gemischte Texte machen ein beliebiges Buch, fünfundzwanzig gute machen ein Buch mit Haltung.
Fehler 2: Chronologisch sortieren
Interessiert außer dir niemanden. Die Reihenfolge ist Dramaturgie und kein Archiv.
Fehler 3: Bühnentexte unverändert übernehmen
Manche Texte leben von Tempo und Lautstärke. Gedruckt fallen sie in sich zusammen. Lies alles einmal stumm, bevor du entscheidest.
Fehler 4: Den besten Text ans Ende setzen
Er gehört an die vorletzte Stelle. Danach braucht es noch etwas Ruhiges zum Nachklingen.
Fehler 5: Niemanden lesen lassen
Du kennst deine Texte auswendig und liest deshalb, was da stehen sollte, und nicht, was da steht.

Fünf Fehler in der Technik

Fehler 6: Kein Probeexemplar bestellen
Der Fehler aus Leipzig, und der Grund für diesen ganzen Beitrag.
Fehler 7: Am Cover sparen
Der einzige Posten, bei dem sich Geld fast immer rechnet. Online entscheidet das Cover in Daumengröße darüber, ob überhaupt jemand klickt.
Fehler 8: Innenrand zu knapp setzen
Bei Klebebindung verschwindet Text im Bund. Innen immer großzügiger als außen.
Fehler 9: Impressum vergessen oder unvollständig lassen
Es ist Pflicht und muss deinen Namen und eine ladungsfähige Anschrift enthalten. Details regeln die Landespressegesetze.
Fehler 10: Pflichtexemplare ignorieren
Die Abgabe an die Deutsche Nationalbibliothek ist keine Empfehlung, sondern eine gesetzliche Pflicht. Sie kostet nichts außer Porto.
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Die Werkstatt: dein Plan für sieben Tage

Kein Programm, sondern eine Woche. Danach hast du keinen fertigen Band, aber eine Grundlage.

TagWas du machstDauer
MontagAlle fertigen Texte ausdrucken und auslegen.60 Minuten
DienstagIn drei Stapel sortieren. Stapel drei kommt weg.45 Minuten
MittwochAlles aus Stapel eins und zwei einmal stumm lesen.60 Minuten
DonnerstagErste Reihenfolge legen, nach der Tabelle aus Kapitel vier.60 Minuten
FreitagLiegen lassen. Nicht anfassen.
SamstagReihenfolge noch einmal ansehen und drei Texte tauschen.30 Minuten
SonntagSeitenzahl schätzen und Format festlegen.20 Minuten

Der Freitag ist der wichtigste Tag in dieser Tabelle.

Denn eine Reihenfolge, die man am selben Tag noch einmal prüft, prüft man gar nicht.

Damit hast du die Grundlage, um in den Wochen danach deinen Gedichtband veröffentlichen zu können.

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Häufige Fragen zum Gedichtband veröffentlichen

Fragen zum Vorgehen

Wie viele Texte braucht ein erster Band?
Fünfundzwanzig bis vierzig sind eine gute Größe. Das ergibt bei einem Text pro Seite und Titelei ungefähr 60 bis 96 Seiten. Dünner wirkt wie eine Broschüre, dicker überfordert beim ersten Mal dich und die Leser.
Brauche ich einen Verlag?
Für Lyrik ist der Weg über Verlage in Deutschland ausgesprochen schwierig, weil kaum ein Haus damit Geld verdient. Selbstverlag ist hier nicht die zweite Wahl, sondern der Normalfall. Whitman, Proust und Kaur haben es alle drei so gemacht.
Kann ich Texte veröffentlichen, die ich schon auf YouTube habe?
Ja, die Rechte liegen bei dir. Prüfe nur, ob du irgendwo exklusive Nutzungsrechte abgegeben hast, etwa bei einer Anthologie oder einem Wettbewerb.
Was ist mit einer echten Anthologie zu mehreren?
Dann brauchst du von jeder beteiligten Person eine schriftliche Erlaubnis und eine klare Absprache zum Geld. Regelt das vorher und schriftlich, auch unter Freunden. Besonders dann, um ehrlich zu sein.

Fragen zu Verkauf und Zahlen

Wie viel verdiene ich pro Buch?
Bei Print-on-Demand bleiben je nach Preis und Umfang grob zwei bis fünf Euro pro Taschenbuch übrig. Bei E-Books ist der Anteil höher. Rechne aber nicht mit dem Verdienst, sondern mit dem Buch.
Wie viele Exemplare verkauft ein erster Band?
Realistisch im ersten Jahr eine zweistellige Zahl, wenn du regelmäßig auftrittst. Der mit Abstand beste Verkaufsort ist der Klapptisch neben der Bühne.
Lohnt sich eine eigene ISBN?
Nur wenn du als eigener Verlag auftreten oder in den stationären Buchhandel willst. Für den Anfang reicht die kostenlose Plattform-ISBN meistens völlig.
Soll ich E-Book, Taschenbuch oder Hardcover machen?
Fang mit dem Taschenbuch an, weil du es mitnehmen und verkaufen kannst. E-Book kostet dich nichts extra und kann direkt mitlaufen. Hardcover lohnt sich, sobald du weißt, dass sich das Buch verkauft.
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Leipzig – der Rest der Geschichte

Zurück nach Leipzig.

Zu Hause habe ich das Buch aufgeschlagen und drei Dinge gefunden.

Die Seiten 34 und 35 waren vertauscht, sodass ein Text mitten im Satz in einen anderen überging.

Ein Gedicht stand zweimal drin, einmal auf Seite 12 und einmal auf Seite 51.

Und der letzte Text brach auf der letzten Seite mitten in einer Zeile ab.

Ohne Probeexemplar den Gedichtband veröffentlichen: der Waschbär blättert zu Hause im Buch und entdeckt die Fehler
Seite 34, Seite 35. Und danach war der Abend gelaufen.

Ich habe ihm geschrieben

Nicht um mich zu beschweren, sondern weil ich wissen wollte, wie das passiert.

Er hat am nächsten Tag geantwortet, und die Antwort war kurz.

Er hatte zweihundert Exemplare drucken lassen.

Und er hatte vorher kein einziges davon in der Hand gehalten.

Ich habe alles am Bildschirm geprüft. Dreimal sogar.
Der Mann mit dem Klapptisch · Leipzig

Deshalb hat er das Buch beim Signieren nicht aufgeschlagen.

Er wusste es längst. Er konnte es nur nicht mehr ändern, weil zweihundert Stück im Flur standen.

Und genau davor bewahrt dich der Griff aus Kapitel sechs, wenn du einen Gedichtband veröffentlichen willst.

Der Teil, den ich lieber weggelassen hätte

In meinem ersten eigenen Band steht im Impressum das falsche Jahr.

Ich habe es bei Exemplar sechzig bemerkt, als jemand freundlich darauf hinwies.

Und ich hatte damals genau denselben Satz gesagt wie er. Alles am Bildschirm geprüft, mehrfach.

Was ich seitdem mache
Ich bestelle immer genau ein Exemplar, bevor ich freigebe.

Ich lese es an einem Stück mit einem Bleistift, und ich fange auf Seite eins an. Das dauert zwei Stunden und kostet ungefähr acht Euro.

Es ist die beste Investition in diesem ganzen Beitrag.
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Und was am Ende im Buch stehen muss

Ein Buch verzeiht weniger als eine Bühne.

Auf der Bühne trägt dich deine Stimme über eine schwache Zeile hinweg. Im Buch steht sie da und wartet, dass jemand sie zweimal liest.

Deshalb ist der erste Gedichtband ein ziemlich ehrlicher Test für dein Handwerk.

Und genau deshalb lohnt es sich, dieses Handwerk vorher zu haben.

Kurz gesagt: Gedichtband veröffentlichen prüft nicht deinen Mut, sondern deine Zeilen.

Nach dem Gedichtband veröffentlichen: der Waschbär signiert entspannt ein Exemplar für einen Käufer
Und irgendwann schlägst du das Buch beim Signieren wieder auf.
Poetry Master
Genau dafür habe ich Poetry Master gebaut.

Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also die Werkzeuge, mit denen ein Text auch dann noch trägt, wenn deine Stimme nicht dabei ist.

Denn genau das ist der Unterschied zwischen einem Bühnentext und einem, der gedruckt funktioniert. Bilder, die ohne Betonung halten. Aufbauten, die man auch still lesen kann. Und Schlüsse, die im Kopf weiterlaufen.

Das Probeexemplar findet die Tippfehler. Das Handwerk findet die dünnen Zeilen.

Übrigens habe ich den Band aus Leipzig behalten.

Er steht bei mir im Regal, mit den vertauschten Seiten und dem doppelten Gedicht.

Und jedes Mal, wenn ich kurz davor bin, auf Veröffentlichen zu klicken, sehe ich ihn an.

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✍️
Schreiben & Textaufbau
31 Beiträge

Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.

Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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