Lampenfieber Poetry Slam: der Körper darf zittern

Lampenfieber Poetry Slam ist kein Charakterfehler.
Es ist ein Diebstahlversuch am nächsten Satz.
Der Körper will den Notausgang. Der Text will den Raum.
Deshalb gilt in diesem Beitrag genau ein universeller Tipp, und er gilt hart: Der Körper darf zittern. Der Text darf nicht.
Alles andere ist Folklore mit Chili.
Freiburg eignet sich als Übungsstadt, weil die Gassen eng sind und der Puls trotzdem Platz hat.
Münsterplatz. Schlossberg. Dreisam. Höllentalbahn, wenn du fliehen willst.
Du fliehst nicht. Du hältst den Satz.
Wenn du das Format erst grob brauchst, lies zuerst was Poetry Slam überhaupt ist und komm danach hierher zurück.
Lampenfieber Poetry Slam beginnt am Notausgang
Die Sängerin aus der Fieberkurve nahm in Amsterdam den Notausgang.
Das ist die ehrlichste Beschreibung von Lampenfieber, die ich kenne.
Nicht weil sie schwach war.
Sondern weil der Körper den Job kündigte, bevor der Mund anfing.
Du stehst in Freiburg nicht vor 1200 Tickets.
Du stehst vor vierzig Leuten und einem Bierglas, das klirrt.
Trotzdem ist die Kurve dieselbe.
Herz hoch. Speichel weg. Knie weich. Erster Satz auf der Flucht.
Die Schwestertexte hören genau hier auf, und das ist gut so.
Der eine sagt: du bist nicht nervös, du bist geladen. Lies das extra, dann komm zurück: ich bin nicht nervös.
Geladen hilft. Geladen rettet aber keinen vergessenen Absatz.
Der andere baut den Tag. Früh essen. Einmal laut. Früher Zug. Extra: Rituale vor dem Auftritt.
Rituale räumen den Nachmittag. Sie kleben den Satz nicht fest.
Die Phasen sagen dir, wo du in deiner Laufbahn stehst. Extra: Entwicklung als Slammer.
Phase eins zittert. Phase drei zittert leiser. Beide können den Text verlieren.
Die Stimme ist Lackierung. Extra: gute Stimme überbewertet.
Lackierung hält kein Dach, wenn der Balken fehlt.
Der Balken ist der Satz, der als Nächstes kommt.
Lampenfieber stiehlt genau den.
Deshalb ist dieser Beitrag kein Atmungskurs.
Deshalb ist er auch kein Mut-Seminar.
Er ist eine Diebstahlversicherung für den Text.
Barbra Streisand vergaß 1967 im Central Park den Text.
Vor rund 125.000 Menschen. 17. Juni. Sheep Meadow. Belegt.
Ihr eigener Satz Jahrzehnte danach: sie habe vor 125.000 Menschen die Worte vergessen und sei dabei nicht mal charmant gewesen. Nicht süß. Nicht witzig.
Danach hat sie 27 Jahre lang kaum noch gegen Geld gesungen.
Nicht weil die Stimme weg war.
Weil der Text weg war.
Das ist die eigentliche Akte.
Zittern ist peinlich für dich.
Textverlust ist peinlich für den Raum.
Der Raum verzeiht das Zittern.
Der Raum verzeiht das Loch im Satz nur, wenn du weitergehst.
Sie ging nicht weiter. Sie ging vom Beruf.
Sie ging später trotzdem auf die Bühne. Mit Witz. Mit Kotze in der Vita.
Zwei Lösungen. Eine teure. Eine billige.
Du nimmst die billige: Text halten, Körper zittern lassen.
Freiburg hilft, weil niemand hier eine Arena erwartet.
Jazzhaus. Keller. Unipub. Irgendein Hinterraum mit zu wenig Licht.
Genau dort siehst du, ob der Satz trägt.
Nicht auf Instagram.
Nicht in der Dusche.
Im Raum. Mit Puls. Mit Zettel, den du nicht anstarrst wie einen Rettungsring.
Der Rettungsring ist der erste Satz, den du wirklich kannst.
Kannst du ihn nicht, nimmst du den Notausgang im Kopf.
Der Kopf-Notausgang sieht von außen aus wie ein Auftritt.
Von innen ist er Amsterdam.
Du rennst, während der Mund noch Worte macht.
Das Publikum merkt das später als du denkst.
Es merkt es an Tempo.
Es merkt es an fehlenden Pausen.
Es merkt es an einem Blick, der den Ausgang sucht.
Deshalb trainierst du nicht das Lächeln.
Du trainierst den Halt.
Halt ist unsexy. Halt gewinnt Abende.
Mut ohne Halt ist Theater.
Theater ist erlaubt. Nur nicht, wenn du Slam willst.
Slam will den Satz, der bleibt, während du zitterst.
Dafür brauchst du keine Powersätze.
Powersätze sind Wellness mit Grammatik.
Wellness verliert gegen einen vergessenen Reim.
Also hörst du auf, dich zu beruhigen, bevor der Text sitzt.
Beruhigung ist Phase zwei. Sitz ist Phase eins.
Sitz heißt: der nächste Satz liegt bereit, auch wenn die Knie tanzen.
Tanzen darf. Stolpern im Text darf nicht zur Gewohnheit werden.
Ein Stolperer ist menschlich.
Drei Stolperer sind ein Muster.
Muster heißt: du hast den Text nicht als Körper gespeichert.
Du hast ihn als Hoffnung gespeichert.
Hoffnung ist kein Souffleur.
Blackout auf der Bühne: 3 Tipps gegen die Leere im Kopf · Doro Plutte
Folge dem Bahn-Slam
auf WhatsApp
- Neue Slam-Texte zuerst
- Gedanken vom Gleis
- Keine E-Mail, kein Spam
Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
Jetzt Kanal folgenRobbie Williams sagte 2026 bei Virgin Radio, seine Karriere könne in jedem Moment enden.
Drei Jahrzehnte Bühne. Immer noch Angst. Autocue als Sicherungsseil.
Er nannte das Seil. Du nennst es Zettel.
Beides ist erlaubt, wenn es den Text hält.
Verboten ist nur die Lüge, Profis hätten kein Fieber.
Profis haben Fieber und ein Seil.
Dein Seil ist nicht Mut.
Dein Seil ist der Satz, den du auch im Treppenhaus kannst.
Ohne Display. Ohne zweite Stimme im Ohr.
Laut. Hässlich. Wiederholbar.
Dann darfst du zittern, so viel du willst.
Lampenfieber Poetry Slam: nur der Körper darf zittern
Text: stehen, warten, kommen, enden, bleiben.
Der universelle Tipp klingt fies.
Er ist fies. Er ist trotzdem die einzige ehrliche Linie.
Du kannst den Puls nicht abstellen wie ein Licht.
Du kannst den Satz abstellen. Das tun die meisten.
Sie kürzen im Kopf, während der Mund noch den Anfang sagt.
Sie lassen Bilder weg, weil die Hände zittern.
Sie retten sich mit Tempo, als wäre Tempo ein Verband.
Tempo ist kein Verband. Tempo ist Blutverlust.
Der Text verblutet leise. Der Saal merkt nur: irgendwas fehlte.
Was fehlte, war nicht Mut.
Was fehlte, war der Satz, den du aus Angst übersprungen hast.
Deshalb unterscheidest du ab jetzt zwei Systeme.
System Körper: darf zittern.
System Text: darf nicht zittern.
Zwei Systeme. Ein Abend.
Wer beides in einen Topf wirft, kocht Wellness.
Wellness sagt: atme, bis du ruhig bist, dann sprich.
Slam sagt: sprich, während du unruhig bist.
Die Unruhe ist der Preis für den Raum.
Du zahlst ihn. Du kürzt nicht am Text, um den Preis zu senken.
Das ist der ganze Vertrag.
Wie ein Text entsteht, steht extra. Hier geht es um den Moment, in dem er kippen will: wie ein Text entsteht.
Ballast fliegt vorher. Nicht auf der Bühne. Extra: Ballast im Text.
Auf der Bühne fliegt nur Speichel. Der Satz bleibt.
Gefühle in Worte fassen ist Schreibarbeit. Extra: Gefühle in Worte fassen.
Lampenfieber ist keine Gefühlsschreiberei.
Lampenfieber ist eine Haltungsfrage zum nächsten Wort.
Hältst du es, oder opferst du es dem Puls?
Opferst du es, gewinnt der Notausgang.
Hältst du es, darf der Körper Theater spielen.
Theater im Knie ist gratis.
Theater im Satz ist teuer.
Deshalb markierst du im Text die Stellen, die bei Puls 140 sterben.
Das sind fast immer die leisen.
Die leisen sterben zuerst, weil du sie für optional hältst.
Sie sind nicht optional.
Sie sind oft der Grund, warum der laute Satz danach sitzt.
Streichst du sie unter Stress, bleibt nur Lautstärke.
Lautstärke ohne leise Stelle ist Ansage.
Ansage ist Radio. Slam ist Begegnung.
Also übst du die leisen Stellen extra.
Nicht fünfmal am Auftrittstag. Einmal richtig in der Woche davor.
Am Auftrittstag liest du einmal laut. Dann ist Schluss mit Reparatur.
Reparatur am Abend ist Schweißen am Gleis, über das der Zug schon rollt.
Das steht bei den Ritualen. Hier die Ergänzung: du schweißst nicht am Körper.
Du schweißst am Satz, und zwar vorher.
Der Körper bleibt unrund. Gut.
Rund wäre verdächtig.
Rund klingt nach Aufnahme.
Aufnahme braucht kein Lampenfieber.
Du brauchst es, weil du live bist.
Live heißt: Fehler möglich, Satz trotzdem da.
Das ist der Unterschied zu den 27 Jahren Pause.
Sie verknüpfte einen vergessenen Text mit dem Ende des Berufs.
Du verknüpfst einen vergessenen Text mit der nächsten Zeile.
Nächste Zeile. Immer.
Nicht Entschuldigung. Nicht Witz über dich. Nicht Blick zum Moderator.
Nächste Zeile.
Der Witz über dich ist ein zweiter Notausgang.
Manchmal rettet er. Meistens frisst er den Rest.
Du darfst ihn, wenn er im Text schon vorgesehen war.
Du darfst ihn nicht als Panikknopf.
Panikknöpfe gewöhnen sich an.
Dann wird jeder Abend ein Fluchtversuch mit Pointe.
Pointe als Flucht ist Satire ohne Ziel. Satire extra: Satire.
Hier gilt Ziel: Text durch. Körper durch. Beides unordentlich. Eines vollständig.
Vollständig ist der Text.
Unordentlich ist der Körper.

Genosse Waschbär sagt nichts Tröstendes.
Er klaut lieber. Er weiß, was Diebstahl ist.
Lampenfieber klaut Sätze. Er würde den Dieb beißen.
Du beißt, indem du den Satz zu Ende sprichst.
Mehr Moral braucht der Waschbär nicht. Extra, wenn du ihn näher willst: Genosse Waschbär.
Noch eine Klarstellung, weil die Szene das gern verdreht.
Lampenfieber ist kein Beweis, dass dir der Text wichtig ist.
Wichtigkeit zeigt sich am Satz, den du nicht opferst.
Leute zittern vor Texten, die sie selbst nicht glauben.
Leute stehen ruhig bei Texten, die sie nachts noch anfassen.
Glaube den Puls nicht als Qualitätsmesser.
Der Puls lügt in beide Richtungen.
Er ist hoch bei Liebe und hoch bei Flucht.
Unterscheiden kannst du das nur am Verhalten zum Satz.
Flucht kürzt. Liebe hält.
Halte.
Ein weiterer Schnitt, den die Schwestertexte nicht machen: der Satz hat eine Temperatur.
Manche Zeilen sind kalt. Sie tragen Fakten. Sie sterben selten.
Manche Zeilen sind heiß. Sie tragen dich. Sie sterben zuerst.
Lampenfieber frisst die heißen.
Du merkst es, wenn du hinterher denkst: die Stelle mit der Tante fehlte.
Die Tante fehlte, weil sie dich bloßgestellt hätte.
Bloßstellung ist der eigentliche Notausgang.
Amsterdam war Bloßstellung mit Tür.
Dein Keller in Freiburg ist Bloßstellung ohne Türschild.
Trotzdem dieselbe Bewegung: weg von der heißen Zeile.
Trainiere deshalb die heiße Zeile extra, nicht die kalte.
Die kalte kannst du im Schlaf.
Die heiße kannst du nur laut und ungeschützt.
Ungeschützt heißt: ohne Lachen danach, das sie wieder einsammelt.
Lachen als Radiergummi ist feige und wirksam.
Wirksam gegen dich.
Lass die heiße Zeile stehen. Auch wenn niemand lacht.
Besonders wenn niemand lacht.
Stille nach einer heißen Zeile ist kein Tod.
Stille ist der Raum, der nachdenkt.
Lampenfieber will die Stille füllen.
Du lässt sie leer.
Leerlassen ist ein Grip ohne Gadget.
Kein Eis. Kein Gummi. Nur Mut zur Pause.
Pause ist Text. Füllsel ist Flucht.
Unterscheide das in der Probe.
Wenn du in der Probe Füllsel baust, baust du den Notausgang ein.
Dann wunderst du dich abends, warum du ihn nimmst.
Du nimmst ihn, weil du ihn geübt hast.
Übe den Halt. Nicht die Flucht.
Handgriffe gegen Lampenfieber Poetry Slam
Keine Hackliste. Kein Chili.
Nur Handgriffe, die komisch aussehen und den Satz halten.
Der erste: Daumen.
Du legst den Daumen auf den nächsten Absatz, während du den jetzigen sprichst.
Nicht als Lesen. Als Anker.
Der Daumen weiß, wohin es geht, wenn der Kopf den Notausgang sucht.
Viele starren den ganzen Zettel an und sehen nichts.
Ein Daumen sieht eine Stelle.
Eine Stelle reicht.
Der zweite: letzte Zeile auf dem Handrücken.
Kugelschreiber. Klein. Kein Tattoo-Wettbewerb.
Die letzte Zeile ist deine Rückfahrkarte.
Wenn alles kippt, endest du trotzdem.
Enden ist höflicher als Abbremsen in der Gegend.
Der dritte: Eiswürfel in der Hosentasche.
Kalt. Dumm. Wirksam.
Der Körper braucht ein zweites Signal außer Alarm.
Kälte ist ein zweites Signal.
Sie holt dich in die Hose, nicht in die Existenzangst.
Existenzangst ist zu groß für fünf Minuten.
Hose ist genau die richtige Größe.
Der vierte: Gummiband am Handgelenk.
Kein Schmerzritual. Ein Klick.
Du ziehst einmal, wenn der Satz wegwill.
Danach sprichst du den Satz, nicht das Gefühl über den Satz.
Gefühlskommentar auf der Bühne ist Ballast mit Herz.
Ballast fliegt. Satz bleibt.
Der fünfte: erster Satz an der Jackeninnenseite.
Klebezettel. Nicht sichtbar für den Saal.
Du fasst die Naht, bevor du nach vorn gehst.
Die Naht sagt den Satz. Du sagst ihn nach.
Albern? Ja. Albern hält besser als Pathos.
Der sechste: Knie an die Bühnenkante.
Nicht knien. Anlegen.
Ein Kontaktpunkt, der nicht zittert, weil Holz nicht zittert.
Du leihst dir Stabilität vom Boden.
Der Boden ist der einzige Profi im Raum, der nie Lampenfieber hat.
Der siebte: Mikrofonständer als Geländer, nicht als Tanzpartner.
Du fasst ihn einmal. Dann lässt du ihn.
Wer ihn die ganze Zeit hält, hält Angst, nicht Metall.
Metall braucht dich nicht.
Der Satz braucht dich.
Der achte: Name des ersten Bildes im Text auf einem zweiten Zettel.
Nicht der ganze Text. Ein Bildwort.
Bahnhof. Tante. Schraube. Was auch immer dein Text zuerst zeigt.
Wenn der Faden reißt, sagst du das Bildwort und baust von dort.
Das ist Soufflieren ohne Souffleur.
Der neunte: Wasser in drei Schlucken, nicht in einem Sturz.
Ein Sturz bringt dir Luftnot plus Bühne.
Drei Schlucke bringen Speichel zurück.
Speichel ist undramatisch und unterschätzt.
Der zehnte: Handy tot. Nicht lautlos. Tot.
Eine Nachricht in Minute minus zwei kann den Satz klauen, bevor du da bist.
Die Bühnentasche extra, ohne dass ich sie hier noch einmal packe: Bühnentasche packen.
Hier nur der Grip: was den Satz hält, kommt mit. Was den Puls füttert, bleibt draußen.
Der elfte: ein Mensch, der nicht auftritt.
Zwei Sätze über Wetter. Nicht über deinen Text.
Wetter macht die Welt wieder größer als dein Puls.
Der zwölfte: Ausatmen länger als Einatmen, dreimal, direkt vor dem Schritt nach vorn.
Nicht als Yoga. Als Bremse.
Die Rituale erklären den Atem. Hier die Kante: Atem rettet den Körper. Der Daumen rettet den Satz.
Du brauchst beides. Du verwechselst sie nicht.
Zwölf Griffe. Keine Hackliste.
Nimm drei. Immer dieselben drei.
Wer zwölf neu erfindet, hat Aberglauben, kein Werkzeug.
Werkzeug ist langweilig und wiederholbar.
Aberglaube braucht die grünen Socken.
Freiburg hat genug Socken. Du brauchst den Daumen.

Text lernen als Schauspieler · Laila Maria Witt
Zwischenrufe sind ein extra Sport. Extra: Zwischenrufe kontern.
Lampenfieber macht aus einem Zwischenruf schnell einen Notausgang.
Du lässt den Zwischenruf stehen und nimmst den Satz wieder auf.
Wieder aufnehmen ist der Grip, den niemand fotografiert.
Fotografiert wird das Zittern. Gezählt wird der Satz.
Du arbeitest für das Gezählte.
Klischees über Angst gehören in den Müll. Extra: Poetry-Slam-Klischees.
Das Klischee heißt: wer zittert, ist nicht bereit.
Bereit ist, wer den Satz kann.
Zittern ist Wetter. Satz ist Gleis.
Wetter ändert sich. Gleis muss liegen.
Folge dem Bahn-Slam
auf WhatsApp
- Neue Slam-Texte zuerst
- Gedanken vom Gleis
- Keine E-Mail, kein Spam
Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
Jetzt Kanal folgenCheckliste vor dem Mikro bei Lampenfieber Poetry Slam
Die Checkliste ist kein Talisman.
Sie ist ein Filter gegen den Notausgang im Kopf.
Haken eins: erster Satz ohne Display.
Wenn der nicht sitzt, gehst du nicht nach vorn.
Du gehst aufs Klo und sagst ihn.
Klo ist keine Schande. Klo ist Werkstatt.
Haken zwei: letzte Zeile.
Ohne Ende bleibst du im Raum stehen wie ein Zug ohne Zielbahnhof.
Zielbahnhof extra, wenn du Bahnhof sowieso magst: ich verstehe nur Bahnhof.
Haken drei: Handy tot.
Der Chat klaut besser als jedes Publikum.
Haken vier: Daumen.
Haken fünf: Kontaktpunkt.
Fünf Haken. Mehr macht die Liste zum Aberglauben.
Danach kommt die Auswahlfrage. Eine richtige Tür.
Jetzt das Eingabefeld.
Schreib den Satz, den der Körper nicht fressen darf.
Einen. Den ersten oder den letzten. Nicht den ganzen Text.
Wenn das Feld leer bleibt, bleibt der Notausgang offen.
Wenn es voll ist, hast du einen Vertrag.
Verträge sind unromantisch. Bühnen brauchen Unromantik.
Romantik kommt, wenn der Satz durch ist.
Vorher ist Handwerk.
Handwerk für Anfänger extra, ohne Schimpf: Gebote für Anfänger.
Dieser Beitrag setzt voraus, dass du schon einen Text hast.
Ohne Text ist Lampenfieber nur Lampenfieber.
Mit Text ist es ein Kampf um Besitz.
Wem gehört der Satz in Minute drei?
Dir oder dem Puls?
Die Checkliste entscheidet das, bevor der Moderator deinen Namen sagt.
Name gesagt, ist es zu spät für neue Seile.
Dann gilt nur noch: nächste Zeile.
Fragen an den Veranstalter klärst du vorher. Extra: Fragen an Veranstalter.
Unklare Uhrzeit ist ein Extra-Fieber, das du nicht brauchst.
Unklare Mikrosituation auch.
Du darfst fragen, wo du stehst.
Du musst nicht fragen, ob du genug Talent hast.
Talent ist ein Gerücht. Sitz ist eine Probe.
Probe ohne Netz. Treppenhaus. Freiburg, Schlossbergweg, wenn du pathetisch wirst.
Pathos darfst du im Text. Nicht in der Vorbereitung.
Vorbereitung ist kalt. Eis in der Tasche. Daumen auf dem Absatz.

Lampenfieber loswerden: Technik gegen Redeangst · Moderatorenschule Baden-Württemberg
Repertoire ist ein anderes Seil. Extra: Repertoire aufbauen.
Heute Abend zählt nicht das Kartendeck.
Heute Abend zählt die eine Karte, die du spielst, während du zitterst.
Spiel sie vollständig.
Unvollständig gespielt ist die teuerste Art von Mut.
Mut ohne Vollständigkeit ist Amsterdam mit Applaus.
Applaus lügt kurz. Der Mitschnitt lügt nicht.
Hör den Mitschnitt später. Nicht wegen der Stimme.
Wegen der Löcher.
Löcher sind die Stellen, an denen der Puls gewonnen hat.
Beim nächsten Mal gewinnt der Satz.
Noch ein Punkt, den niemand auf die Checkliste schreibt: der Moderator.
Moderatoren wollen helfen. Helfen klingt nach Luft.
Luft vor deinem Namen macht den Puls größer.
Du hörst die Anmoderation nicht als Lob. Du hörst sie als Timer.
Timer ist gut. Lob ist Ballast.
Lächel kurz. Dann erster Satz. Kein Dankesessay.
Dankesessay ist ein vierter Notausgang mit Manieren.
Manieren gehören an die Bar. Nicht an Minute eins.
Minute eins gehört dem Satz, den du ins Feld geschrieben hast.
Hast du das Feld leer gelassen, nimmst du trotzdem den ersten Satz, den du kannst.
Kannst du keinen, gehst du nicht nach vorn.
Das klingt hart. Es ist höflicher als fünf Minuten Loch.
Loch im Raum ist Diebstahl an Leuten, die Zeit gebracht haben.
Die Leute haben kein Lampenfieber gekauft.
Sie haben einen Text gekauft, auch wenn der Eintritt frei war.
Frei heißt nicht wertlos.
Frei heißt: du zahlst mit Vollständigkeit.
Unvollständig und frei ist eine schlechte Rechnung.
Also vollständig. Auch ohne Gage.
Gage kommt später oder nie. Satz kommt jetzt.
Jetzt ist Freiburg. Jetzt ist der Name. Jetzt ist der Schritt.
Der Schritt ist kürzer als die Angst behauptet.
Angst misst in Kilometern. Die Bühne misst in Metern.
Meter kannst du gehen. Auch mit weichen Knien.
Weiche Knie sind legal. Weicher Text nicht.
Lampenfieber Poetry Slam in Freiburg: die Kurve zu
Die Fieberkurve beginnt in Amsterdam am Notausgang.
Danach ist sie trotzdem immer wieder aufgetreten.
Das ist der zweite Teil der Akte, den Motivationsposter weglassen.
Der Notausgang war echt. Die Rückkehr auch.
Im Central Park blieb der Beruf 27 Jahre weg, weil der Text sie verlassen hatte.
Der Mann mit dem Autocue geht 2026 immer noch mit der Angst, alles könne sofort enden.
Drei Kurven. Eine Lehre.
Das Fieber geht nicht zuverlässig weg.
Der Text kann trotzdem durch.
Freiburg ist klein genug, dich zu erkennen, wenn du den Notausgang nimmst.
Deshalb nimmst du ihn nicht.
Du nimmst den ersten Satz.
Du nimmst den Daumen.
Du nimmst das Eis, wenn du albern genug bist, um klug zu sein.
Du lässt die Hände tanzen.
Du lässt den Satz stehen.
Das ist Lampenfieber Poetry Slam ohne Chili und ohne Hackliste.
Die Wahrheit über das Format extra, wenn du den Sport noch einmal von außen sehen willst: Wahrheit über Poetry Slam.
Profi werden ist eine andere Kurve. Extra: Profi-Slammer.
Künstlersozialkasse ist Papier. Extra: Künstlersozialkasse.
Papier beruhigt keinen Puls. Papier hält später den Beruf.
Heute hält der Satz den Beruf am Leben.
Ohne Satz kein Beruf. Ohne Beruf immer noch ein Satz.
Also Satz zuerst.
Die Bahn als Schreibstudio extra, wenn du den Text noch bauen musst: die Bahn als Schreibstudio.
Notizen auswerten extra, wenn der Abend vorbei ist: Notizen auswerten.
Nach dem Abend schreibst du drei Zeilen.
Wo hat der Puls geklaut. Wo hat der Daumen gehalten. Was nimmst du mit.
Kein Tagebuch. Ein Messstreifen.
Messstreifen machen aus Fieber eine Kurve.
Kurven kann man fahren. Panik nicht.
Neun Bahnhöfe, neun Texte extra, wenn du Strecke willst statt einmal Mut: neun Bahnhöfe, neun Texte.
Spurweite extra, wenn der Satz zu breit ist für den Mund bei Puls 140: Spurweite für Texte.
Bei Fieber wird jeder Satz schmaler im Mund.
Schreib ihn vorher schon so schmal, dass er durchpasst.
Das ist keine Stilfrage. Das ist Physik.
Ein zu langer Satz stirbt zuerst.
Ein kurzer Satz überlebt den Tremor.
Deshalb kürzt du nicht aus Angst auf der Bühne.
Du kürzt aus Respekt am Schreibtisch.
Auf der Bühne lieferst du die schmale Fassung vollständig.
Vollständig. Auch wenn die Stimme kippt.
Kippende Stimme ist Lack. Satz ist Antrieb.
Alles über die Bahn extra, wenn du den Kompass willst: alles über die Bahn.
Alle Beiträge, wenn du weiterfahren willst: alle Beiträge.

Kniebeugen auf dem Klo gegen Lampenfieber · Bahn-Slam, eigener Podcast
Die Kurve ist jetzt zu.
Zu heißt nicht: du bist ruhig.
Zu heißt: der Notausgang ist nicht mehr die Geschichte.
Die Geschichte ist der Satz, der den Raum getroffen hat.
Sie hat den Raum getroffen, trotz Amsterdam.
Du triffst ihn in Freiburg, trotz Knie.
Das Knie wird niemand zitieren.
Den Satz vielleicht.
Vielleicht auch nicht. Trotzdem durch.
Durch ist die einzige Statistik, die zählt, solange du Anfänger bist.
Später zählt Qualität. Heute zählt Besitz.
Besitz am eigenen Satz. Auch wenn er zitternd rauskommt.
Zitternd rauskommen ist legal.
Verschluckt im Hals ist Diebstahl.
Du bist nicht der Dieb. Du bist die Sicherung.
Sicherung heißt: Körper darf. Text nicht.
Ein Stoff, drei Texte extra, wenn du aus einem Leben mehr als eine Flucht baust: ein Stoff, drei Texte.
Der Satz ist dein Seil. Wie Autocue. Wie Zettel. Wie Daumen.
Nimm das Seil, oder nimm den Daumen. Nimm irgendetwas, das den Satz hält.
Nimm nicht den Notausgang.
Freiburg hat genug Türen. Die richtige ist nach vorn.
Nach vorn. Erster Satz. Körper zittern. Text stehen.
Damit ist die Fieberkurve geschlossen.
Sie öffnet sich beim nächsten Abend wieder.
Gut so.
Dann gilt derselbe Tipp. Nicht fünfzehn. Einer.
Der Körper darf zittern. Der Text darf nicht.
Wenn du den Satz noch einmal brauchst, schreib ihn auf den Handrücken.
Wenn der Handrücken voll ist, war der Satz zu lang.
Dann kürzt du am Schreibtisch. Nicht im Mund.
Mund ist Auslieferung. Schreibtisch ist Werkstatt.
Werkstatt ist überall, wo du laut sein darfst. Treppenhaus. Küche. Bahnsteig um kurz nach sechs.
Zittern bleibt. Rollen heißt: du nimmst den Satz mit, wie Gepäck.
Gepäck darf schwer sein. Gepäck darf nicht verschwinden.
Verschwundenes Gepäck ist der Notausgang mit anderem Namen.
Nenn ihn nicht Mutprobe.
Nenn ihn Diebstahl.
Dann hörst du auf, stolz aufs Zittern zu sein.
Stolz gilt dem Satz, der durchkam.
Durchkommen in Freiburg. Durchkommen ohne Chili.
Durchkommen, während in der Vita gekotzt wurde und trotzdem gesungen.
Du musst nicht singen. Du musst den Satz abliefern.
Abladung. Unfein. Präzise.
Präzise ist die Freundlichkeit, die der Saal verdient.
Der Saal verdient keinen ruhigen Menschen.
Der Saal verdient einen vollständigen Text.
Liefer.
