🔥 99 Ideen, die dir das Herz aufreißen: Inspiration für deinen nächsten Poetry-Slam

Kapselautomat · Inspiration

🔥 99 Ideen, die dir das Herz aufreißen: Inspiration für deinen nächsten Poetry-Slam

Waschbär greift nach dem Drehknopf eines Kapselautomaten am Bahnsteig – 99 Ideen als Inspiration für Poetry Slam
Der Automat an Bahnsteig 2 · bahn-slam.de

Donnerstag, 21:06 Uhr, ein kleiner Bahnhof am Stadtrand.

Katja sitzt nach der Spätschicht auf der Bank an Bahnsteig 2 und wartet auf Inspiration.

Seit drei Wochen steht in ihrem Notizbuch nur ein einziger Satz: Mir fällt nichts ein.

Der Zug hat Verspätung.

Neben ihr schraubt ein Mann den alten Kapselautomaten auf, der seit Jahrzehnten an diesem Pfeiler hängt.

Er schüttet bunte Plastikkapseln in die Glaskugel, klopft zweimal dagegen und schließt ab.

„Haben Sie auch Ideen im Angebot?“, fragt Katja.

Erwin, so steht es auf seinem Schlüsselbund, sieht sie über die Brille an.

„Zwanzig Cent.“

„Aber Sie kriegen nie die, die Sie wollen.“

„Sie kriegen die, die rauskommt.“

„Und genau deshalb kommen die Leute wieder.“

Katja und Erwin sind erfunden. Aber den Abend, an dem einem angeblich nichts einfällt, kennt jeder, der schreibt.

Kennst du das?

Du willst schreiben.

Du hast sogar Zeit.

Und dann sitzt du vor dem leeren Blatt und denkst: Worüber denn?

Mein Leben ist doch nicht spannend genug.

Hier kommt die unbequeme Wahrheit.

Wer sagt, ihm falle nichts ein, meint meistens etwas anderes.

Nämlich: Mir fällt schon was ein, aber es ist zu klein, zu peinlich oder zu nah.

Das Problem ist nicht der Mangel an Ideen.

Das Problem ist der Zensor, der sie aussortiert, bevor sie auf dem Papier landen.

Heute überlisten wir ihn, mit einem Automaten und neunundneunzig Kapseln.

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Inspiration aus dem Automaten: warum der Zufall hilft

20 Cent

Ideen-Automat · Bahnsteig 2 · 99 Kapseln

1–9 Scham10–18 Liebe, die unbequeme Sorte19–27 Körper28–36 Abschied und Endlichkeit37–45 Erwartungen der anderen46–54 Kindheit55–63 Arbeit und Geld64–72 Freundschaft73–81 Gewohnheiten82–90 Glaube, Zweifel, Träume91–99 Wer bin ich

Erwins Satz lässt Katja nicht los.

Du kriegst die, die rauskommt.

Genau das ist der Trick.

Wenn du selbst wählst, wählst du immer das Bequeme.

Das Thema, das sich gut anfühlt, das nicht wehtut, das du schon kennst.

Der Zufall nimmt dir diese Wahl ab.

Und plötzlich schreibst du über etwas, das du von allein nie angefasst hättest.

Oft ist genau das der Text, der dich überrascht.

Deshalb findest du hier keine Liste von Themen.

Themen gibt es überall.

Du findest neunundneunzig Fragen, in elf Farben sortiert, jede Farbe ein Lebensbereich.

Eine Frage ist wie eine Kapsel: klein, rund, und erst wenn du sie öffnest, weißt du, was drin ist.

Die Regel ist einfach.

Zufallsregel · Anzeigetafel

21:14RB 31437Gleis 2

Die letzten zwei Ziffern der nächsten Zugnummer sind deine Kapsel. Hier also die 37. Bei 00 gilt die 99.

Nicht umtauschen. Die Kapsel, die kommt, ist die Kapsel, die du schreibst.

Keine Zugnummer zur Hand?

Dann nimm die Minute auf der Bahnhofsuhr plus die Zahl der Menschen auf dem Bahnsteig.

Hauptsache, du entscheidest nicht selbst.

Kapsel 1 bis 27: Scham, Liebe, Körper

Reihe 1 · SchamKapsel 1–9
1Wofür hast du dich als Kind geschämt, und tust du es heute noch?
2Was hast du zuletzt gesucht, als niemand zusah?
3Welche Lüge erzählst du so oft, dass sie fast stimmt?
4Wann hast du über einen Witz gelacht, den du eigentlich widerlich fandest?
5Welcher Satz aus deinem eigenen Mund hat dich erschreckt?
6Was räumst du weg, bevor Besuch kommt?
7Wann warst du froh, dass jemand anderes gescheitert ist?
8Welches Kompliment konntest du nicht annehmen, und warum?
9Was würdest du nie in eine Bewerbung schreiben, obwohl es dich am besten beschreibt?
Reihe 2 · Liebe, die unbequeme SorteKapsel 10–18
10Wen liebst du mehr, als dieser Mensch dich liebt?
11Ein Brief an eine frühere Liebe, den du nie abschickst: ein Vorwurf und ein Dank.
12Deine Eltern, aber nicht in der Muttertagsfassung.
13Was hast du aus Liebe getan, das dir heute peinlich ist?
14Welcher Streit wiederholt sich seit Jahren, nur mit anderen Worten?
15Wann wusstest du, dass es vorbei ist, lange bevor es jemand aussprach?
16Wem hast du nie gesagt, dass er dir fehlt?
17Was heißt Treue für dich, wenn es unbequem wird?
18Welche Nähe hast du dir gewünscht und nie bekommen?
Reihe 3 · KörperKapsel 19–27
19Wo sitzt dein Liebeskummer, auf den Zentimeter genau?
20Welche Narbe hat die beste Geschichte, welche die ehrlichste?
21Was macht dein Körper, wenn du lügst?
22Welchen Teil von dir hast du lange versteckt, und warum heute nicht mehr?
23Wann hat dich dein Körper im Stich gelassen, und wann gerettet?
24Was sagt dein Spiegelbild morgens um sieben?
25Eine Körperfunktion, über die am Esstisch niemand spricht.
26Was haben deine Hände getan, das du nicht vergessen kannst?
27Wie fühlt sich eine Müdigkeit an, die kein Schlaf repariert?

Die ersten drei Farben sind die heißesten.

Scham ist dabei der ergiebigste Rohstoff, den es gibt.

Wenn du über etwas schreibst, wofür du dich schämst, erkennen sich erstaunlich viele Menschen darin wieder.

Das Publikum lacht dann nicht über dich, sondern mit sich selbst.

Bei der Liebe gilt: Lass die schöne Sorte weg, über die ist alles gesagt.

Die unbequeme Sorte ist interessanter.

Die einseitige Liebe, die verbrauchte, die, über die man in der Familie nicht spricht.

Und der Körper ist das beste Archiv, das du hast.

Er erinnert sich an Dinge, die dein Kopf längst vergessen hat.

Also merke: Je genauer die Antwort, desto größer die Wirkung.

Nicht irgendeine Narbe.

Die Narbe am linken Knie und der Nachmittag, an dem sie entstand.

Kurze Frage am Automaten

Was meinen viele, wenn sie sagen: „Mir fällt nichts ein“?

Auflösung anzeigen

B. Meistens ist genug Material da. Es wird nur aussortiert, bevor es auf dem Papier landet. Der Zufall hilft, am inneren Zensor vorbeizukommen.

Kapsel 28 bis 54: Abschied, Erwartungen, Kindheit

Reihe 4 · Abschied und EndlichkeitKapsel 28–36
28Der erste Mensch in deinem Leben, der gestorben ist: Was hast du damals nicht verstanden?
29Welcher Abschied hat nie stattgefunden?
30Wer ist einfach aus deinem Leben verschwunden?
31Was willst du jemandem sagen, bevor es zu spät ist?
32Welche Dinge eines Menschen hast du behalten, und warum genau diese?
33Was würdest du bereuen, wenn heute dein letzter Auftritt wäre?
34Wann hast du zum ersten Mal gemerkt, dass du älter wirst?
35Welche Zeit willst du zurück, und welche auf keinen Fall?
36Ein Ort, den es nicht mehr gibt.
Reihe 5 · Erwartungen der anderenKapsel 37–45
37Welcher Satz aus deiner Familie hallt bis heute nach?
38Was solltest du werden, und was bist du geworden?
39Wann hast du Ja gesagt und Nein gemeint?
40Welche Rolle spielst du in jeder Gruppe, ob du willst oder nicht?
41Welche Regel hast du nie verstanden und trotzdem befolgt?
42Wofür wirst du gelobt, obwohl es dich nichts kostet?
43Wer hat dir zuletzt gesagt, du seist zu empfindlich?
44Was traust du dich nicht, weil man das angeblich nicht macht?
45Wie sähe dein Leben aus, wenn niemand zuschauen würde?
Reihe 6 · KindheitKapsel 46–54
46Das Geräusch, das für dich nach Kindheit klingt.
47Welches Versprechen eines Erwachsenen wurde nie gehalten?
48Wann hast du gemerkt, dass deine Eltern auch nur Menschen sind?
49Welches Spiel hast du allein gespielt, und warum allein?
50Was durfte bei euch zu Hause nicht ausgesprochen werden?
51Wer war dein erster Held, und was ist aus ihm geworden?
52Welche Strafe war ungerecht, und warum erinnerst du dich so genau?
53Was hast du als Kind geglaubt, das dir heute fehlt?
54Dein Kinderzimmer, aber nur das, was man nicht sehen konnte.

Diese drei Farben arbeiten mit der Zeit.

Abschiede sind in fast jedem starken Text versteckt, auch wenn er gar nicht davon handelt.

Die Erwartungen der anderen sind wie Wände, die man erst bemerkt, wenn man dagegenläuft.

Und die Kindheit ist die Zeit, in der du die Welt zum ersten Mal ohne Filter gesehen hast.

Aber hier kommt der Haken.

Gerade bei diesen Kapseln rutscht man schnell ins Allgemeine.

„Früher war alles einfacher“ ist kein Text.

Das Geräusch, das der Kühlschrank deiner Oma nachts gemacht hat, ist einer.

Bonus: Schreib bei Kindheitskapseln im Präsens.

Dann stehst du wieder mitten im Zimmer, statt aus der Ferne zu erzählen.

Annika Hofmann · „Ideen wie Konfetti“ · annikaspoesie

Achte beim Schauen darauf, welche Bilder im Text für Einfälle und Ideen auftauchen.

Welches davon würdest du auf deine eigene Schreibblockade übertragen?

Kapsel 55 bis 81: Arbeit und Geld, Freundschaft, Gewohnheiten

Reihe 7 · Arbeit und GeldKapsel 55–63
55Was machst du bei der Arbeit, das niemand bemerkt?
56Wann hast du dich für Geld verbogen?
57Welcher Satz aus einer Besprechung verfolgt dich?
58Was kaufst du, wenn es dir schlecht geht?
59Wie viel ist dir eine Stunde deines Lebens wirklich wert?
60Wer verdient mehr als du, und was macht das mit dir?
61Welcher Job hat dich etwas gelehrt, das in keinem Zeugnis steht?
62Was würdest du tun, wenn Geld keine Rolle spielte, und warum nicht wenigstens ein bisschen?
63Der Moment, in dem du dir etwas nicht leisten konntest.
Reihe 8 · FreundschaftKapsel 64–72
64Welche Freundschaft ist leise zu Ende gegangen?
65Wem schuldest du noch eine Antwort?
66Wer kennt eine Seite von dir, die sonst niemand kennt?
67Wann warst du neidisch auf jemanden, den du liebst?
68Wer hat dir die Wahrheit gesagt, als sich niemand sonst traute?
69Was hast du für einen Freund getan, wovon er nie erfahren hat?
70Welche Gruppe hat dich nicht aufgenommen?
71Wer ist dein Mensch für drei Uhr nachts, und wessen Mensch bist du?
72Ein Streit, den du heute anders führen würdest.
Reihe 9 · GewohnheitenKapsel 73–81
73Wonach suchst du, wenn du zum hundertsten Mal aufs Handy schaust?
74Welche Serie schaust du, um nicht nachdenken zu müssen?
75Welches kleine Ritual trägt dich durch schlechte Tage?
76Was isst du heimlich?
77Welche Gewohnheit hast du von deinen Eltern geerbt, ohne es zu wollen?
78Wovon kannst du nicht lassen, obwohl du es möchtest?
79Was machst du, statt zu schreiben?
80Welcher deiner Sätze beginnt mit „Nur noch schnell“?
81Der Moment, in dem eine Gewohnheit kippte, zum Guten oder zum Schlechten.

Diese Farben wirken auf den ersten Blick unscheinbar.

Arbeit, Geld, Freundschaft, Handy, Serien.

Genau das macht sie so stark.

Über Liebe und Tod schreiben viele.

Über die Besprechung, in der du genickt hast, obwohl du alles falsch fandest, schreibt kaum jemand.

Dabei sitzt die halbe Zuhörerschaft jeden Montag in genau so einer Besprechung.

Kein Bullshit: Die kleinen Dinge sind nicht klein.

Sie sind nur noch nicht beschrieben.

Die Gewohnheiten-Kapseln haben übrigens einen doppelten Boden.

Frage 79 fragt, was du machst, statt zu schreiben.

Wenn du ehrlich antwortest, hast du schon einen Text über Aufschieben, und den kennt jeder.

Waschbär hält auf einer Bahnsteigbank eine bunte Kapsel in den Pfoten – Inspiration für den nächsten Poetry Slam
Eine Kapsel, noch ungeöffnet · bahn-slam.de

Kapsel 82 bis 99: Glaube, Zweifel, Träume und die Frage nach dir

Reihe 10 · Glaube, Zweifel, TräumeKapsel 82–90
82Woran glaubst du, wenn niemand fragt?
83Wann hast du zuletzt gebetet, auch wenn du nicht betest?
84Welcher Traum kommt immer wieder?
85Welchen Lebenstraum hast du aufgegeben, ohne es zu merken?
86Was macht dir Hoffnung, obwohl alles dagegen spricht?
87Welche Frage würdest du einem Gott stellen, falls es ihn gibt?
88Was hast du für unmöglich gehalten und dann erlebt?
89Wovor fürchtest du dich im Dunkeln, heute noch?
90Ein Zufall, der sich nicht wie einer anfühlte.
Reihe 11 · Wer bin ichKapsel 91–99
91Welche drei Wörter würden andere über dich sagen, und welches fehlt?
92Wann warst du zuletzt ganz du selbst?
93Welche Version von dir zeigst du im Familienchat?
94Was an dir verstehen Fremde sofort falsch?
95Wie heißt das Gefühl, das keinen Namen hat, aber dich begleitet?
96Was würdest du deinem Ich von vor zehn Jahren sagen?
97Was würde dir dein Ich in zehn Jahren heute sagen?
98Wofür willst du erinnert werden, und wofür auf keinen Fall?
99Warum schreibst du eigentlich?

Die letzten zwei Farben gehen am tiefsten.

Glaube, Zweifel und Träume sind große Wörter.

Deshalb brauchen sie besonders kleine Antworten.

Nicht: Woran glaubst du?

Sondern: Woran glaubst du, wenn der Zug im Tunnel stehen bleibt und das Licht flackert?

Und dann kommt die goldene Reihe.

Wer bin ich, das klingt nach Selbsthilfebuch.

Aber jede dieser neun Fragen ist in Wahrheit eine Szene.

Der Familienchat, das Spiegelbild, der Satz an dein Ich von vor zehn Jahren.

Die letzte Kapsel ist die wichtigste.

Warum schreibst du eigentlich?

Wenn du darauf eine ehrliche Antwort findest, hast du keine Schreibblockade mehr.

Du hast einen Grund.

Dein Kapsel-Check

Vom Zettel zum Text: vier Werkzeuge

Vom Zettel zum Text · vier Werkzeuge

Werkzeug 1

Zehn Minuten Beichtstuhl

Den unangenehmsten Satz zur Kapsel aufschreiben und zehn Minuten nur darüber schreiben. Keine Reime, keine Bilder.

Erst roh, dann schön. Nie umgekehrt.

Werkzeug 2

Tausend Wörter ohne Rücktaste

Einmal durchschreiben, ohne zu löschen. Aussortiert wird morgen.

Der Zensor schläft, solange die Hand läuft.

Werkzeug 3

Die Hater-Probe

Drei fiese Kommentare unter den Entwurf schreiben und den Text so überarbeiten, dass keiner mehr passt.

Du findest die Floskeln, bevor es das Publikum tut.

Werkzeug 4

Der Schweigepflicht-Text

An einen Menschen schreiben, dem du etwas nie erzählt hast. Laut lesen, niemandem schicken.

Du hörst sofort, wo du ausweichst.

Eine Kapsel ist noch kein Text.

Sie ist ein Anfang.

Damit daraus mehr wird, helfen vier Werkzeuge.

Das erste ist der Beichtstuhl: zehn Minuten nur über den unangenehmsten Satz, der dir zur Frage einfällt.

Das zweite ist Tempo: tausend Wörter ohne Rücktaste, sortiert wird erst am nächsten Tag.

Das dritte ist die Hater-Probe.

Schreib drei fiese Kommentare unter deinen Entwurf, zum Beispiel: Klingt wie ein Kalenderspruch.

Dann überarbeite so lange, bis keiner der Kommentare mehr passt.

Das vierte ist der Schweigepflicht-Text.

Schreib an einen Menschen, dem du etwas nie erzählt hast, und lies es dir laut vor.

Du musst es nicht abschicken.

Du hörst aber sofort, an welcher Stelle du ausweichst.

Also merke: Die Kapsel liefert die Frage.

Die Werkzeuge liefern die Ehrlichkeit.

Und die Bühne liefert am Ende das Publikum, das sich darin wiedererkennt.

Denn viele gehen nicht zum Slam, um beeindruckt zu werden.

Sie gehen hin, um sich ein bisschen weniger allein zu fühlen.

Nichts wird gespeichert. Das hier ist nur für dich.

Wenn eine Kapsel zu schwer ist

Aufkleber am Automaten · Rückgaberecht

  • Eine Kapsel, die dich heute umwirft, darfst du zurücklegen.
  • Schmerz ist kein Qualitätsmerkmal. Genauigkeit schon.
  • Frische Wunden brauchen erst Zeit, dann Worte, dann vielleicht eine Bühne.
  • Wenn die Gedanken dunkel bleiben: Telefonseelsorge, 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, rund um die Uhr, kostenlos.

Manche Kapseln wiegen mehr als andere.

Abschied, Scham, der Körper, die Einsamkeit.

Und irgendwo liest man immer wieder, große Kunst brauche großen Schmerz.

Das stimmt so nicht.

Große Kunst braucht Genauigkeit.

Schmerz macht einen Text nicht automatisch wahr, und Verzweiflung ist kein Schreibwerkzeug.

Wenn eine Frage dich heute umwirft, leg die Kapsel zurück in den Automaten.

Sie läuft dir nicht weg.

Wenn du merkst, dass dich ein Thema über Wochen nicht loslässt und dunkel bleibt, dann gehört es nicht zuerst aufs Papier, sondern zu einem Menschen.

Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, kostenlos unter 0800 111 0 111.

Bahn-Slam · „Wahre Kunst braucht Schmerz – Deine Scham ist dein Goldschatz“ · Podcast #195

Hör kritisch zu.

Wo stimmst du zu, wo nicht, und was heißt Schmerz für deine eigenen Texte?

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Und Katja?

Nachfüllschein · Automat Bahnsteig 2

Datum: Donnerstag

Nachgefüllt: 1 Kapsel, gold

Inhalt: ein gefalteter Zettel, Nr. 99

Für den Nächsten. K. und E.

Der Zug an diesem Donnerstag trägt die Nummer RB 31465.

Katja schlägt nach.

Kapsel 65: Wem schuldest du noch eine Antwort?

Sie schreibt die ganze Fahrt über, ohne ein einziges Mal zu löschen.

Am Ende stehen drei Seiten über eine Freundin, der sie vor vier Jahren eine Nachricht nicht beantwortet hat.

Und über den Grund, den sie sich bis zu diesem Abend nicht eingestanden hatte.

Zwei Wochen später liest sie den Text beim Slam im Jugendzentrum.

Nach dem letzten Satz ist es still, dann klatschen die Leute, und eine Frau in der ersten Reihe greift nach ihrem Handy.

Katja hofft, dass sie jemandem antwortet.

Am Donnerstag darauf wartet sie am Bahnsteig 2, bis Erwin mit seinem Schlüsselbund kommt.

Sie gibt ihm eine leere goldene Kapsel mit einem gefalteten Zettel darin.

„Für den Nächsten“, sagt sie.

Erwin liest den Zettel nicht.

Er legt die Kapsel zu den anderen in die Glaskugel und schließt ab.

Auf dem Zettel steht Kapsel 99.

Warum schreibst du eigentlich?

Wirf deine zwanzig Cent ein.

Die Kapsel, die rauskommt, ist deine.

Bahn Slam · Edition

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Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch, das du lesen solltest
— Stephan Pinkwart —

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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