Podcast statt Bühne: Deine Stimme in Dauerschleife
Es gibt kein Format, das deiner Arbeit näher liegt.
Du sprichst Texte. Ein Podcast ist gesprochener Text. Dazwischen liegt technisch fast nichts.
Der Unterschied ist nicht das Handwerk, sondern die Lage. Auf der Bühne hast du fünf Minuten und einen Saal. Im Ohr hast du unbegrenzt Zeit und genau eine Person.
Und diese Person macht meistens nebenbei den Abwasch.
Kein Saal, kein Zeitlimit, nur Ohren. Das klingt nach weniger und ist mehr.
Fangen wir mit dem an, was dieses Format von allen anderen unterscheidet.
Ein Podcast läuft nämlich nebenher.
Und zwar während jemand kocht, pendelt, spült oder spazieren geht.
Das ist allerdings keine geringere Aufmerksamkeit, sondern eine andere.
Deshalb verzeiht das Format Dinge, die auf der Bühne tödlich wären.
Eine lange Pause etwa, oder ein Gedanke, der erst beim dritten Anlauf sitzt.
Was in diesem Beitrag steht
Wann es sich lohnt, einen Podcast zu starten, und wie du ihn baust, ohne dich an einen Trend anzuhängen.
Also welche Formate zu Texten passen, was die Technik wirklich kostet und wie oft du veröffentlichen solltest.
Dazu kommen zwei Untersuchungen: eine darüber, was die Stimme gegenüber der Schrift leistet, und eine über Gewohnheiten.
Außerdem ein Folgenblatt mit dem Aufbau einer kompletten Ausgabe.
Zum Mitmachen gibt es fünf Folgenformate, sieben Notizen und vier deutsche Videos.
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Jetzt Kanal folgenWarum Audio näher an deiner Arbeit liegt als alles andere
Von allen Netzformaten verlangt dieses am wenigsten Umstellung.
Was die anderen Formate von dir verlangen
Zunächst verlangt ein Reel, dass du dich auf dreißig Sekunden zusammenziehst.
Eine Kachel verlangt, dass eine Zeile allein steht.
Ein Video verlangt Licht, Bildausschnitt und ein Gesicht, das mitspielt.
Und alle drei verlangen, dass du schneller wirst, als du es auf einer Bühne bist.
Was ein Podcast tatsächlich von dir verlangt
Zunächst einmal, dass du sprichst.
Außerdem, dass du regelmäßig sprichst, was schwerer ist, als es klingt.
Sonst nichts.
Kein Bild, keine Kürzung, keine Beschleunigung.
Genau deshalb ist es das einzige Format, bei dem ein langer Text ein Vorteil ist.
Die letzte Zeile ist der eigentliche Unterschied.
Denn dein Bühnentext ist für einen Raum voller Menschen gebaut, die einander anstecken.
Im Ohr sitzt niemand daneben, der lacht.
Deshalb wirken Pointen leiser und ruhige Stellen deutlich stärker.
Auflösung
Der Griff: mach es zur Nebensache, nicht zum Projekt
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt eine Haltung, die entscheidet, ob es das Jahr überlebt.
Also kein Studio, keine Gäste, keine Musik, kein Intro mit gesprochenem Vorspann. Nichts, was Verabredungen erfordert.
Denn alles, wofür du dir Zeit nehmen musst, fällt irgendwann aus. Und ein Podcast, der zweimal ausfällt, ist beendet.
Das war es.
Also Nebensache statt Projekt.
Warum Gäste am Anfang eine schlechte Idee sind
Sie klingen zwar nach mehr Reichweite, kosten allerdings vor allem Zeit.
Denn du musst anfragen, Termine finden, Technik abstimmen und hinterher zwei Tonspuren angleichen.
Außerdem wird aus deinem Format ein Gespräch, und Gespräche gibt es bereits in großer Zahl.
Was es seltener gibt, ist jemand, der einen eigenen Text ruhig vorträgt.
Was du für den Podcast stattdessen festlegst
Zunächst einen Ort, an dem du immer aufnimmst.
Außerdem eine Länge, die sich aus dem Text ergibt und nicht aus einer Vorgabe.
Ferner einen Ablauf, der ohne Nachdenken funktioniert.
Und schließlich einen Rhythmus, den du auch in einer schlechten Woche schaffst.
Die erste macht jeder mit Begeisterung. Die zwölfte macht nur, wer sie nebenbei machen kann.
Deshalb ist die einzige Frage, die am Anfang zählt: Passt das in mein Leben, wenn die Begeisterung weg ist?
Fünf Formate, die zu Texten passen
Jetzt wird es konkret.
Nämlich fünf Formate, sortiert nach Aufwand.
Bei jedem steht, wie lang es ist, was hineingehört und wofür es taugt.
Die zwei Formate für ruhige Wochen
Was die Stimme leistet, was Schrift nicht kann
Es gibt dazu ein Experiment, das eine unbequeme Nachricht für alle enthält, die ihre Texte nur schreiben.
Juliana Schroeder und Nicholas Epley veröffentlichten es 2015 in Psychological Science.
Der Titel lautet The Sound of Intellect, also etwa: der Klang von Verstand.
Wie das Experiment aufgebaut war
Zunächst hielten Studierende eines Wirtschaftsstudiengangs kurze Bewerbungsreden vor der Kamera.
Danach bekamen Bewertende dieselbe Rede in drei Fassungen: als Video, als reine Tonaufnahme oder als abgetippten Text.
Sie sollten einschätzen, wie kompetent, wie durchdacht und wie klug die Person wirkt.
In einem vierten Durchgang machten das keine Studierenden, sondern Personalverantwortliche aus der Praxis.
Was das Experiment zur Stimme ergab
Zunächst wurden gehörte Worte besser bewertet als dieselben gelesenen.
Außerdem galt die Person als kompetenter, durchdachter und klüger.
Und die Bewertenden gaben an, sie eher einstellen zu wollen.
Bemerkenswert ist der Zusatzbefund: Ließ man Schauspieler oder ungeübte Erwachsene denselben geschriebenen Text vorlesen, trat derselbe Effekt ein.
Es lag also an der Stimme, nicht an der Person.
Was das für deinen Podcast bedeutet
Zunächst: Ein Text gewinnt dadurch, dass du ihn sprichst, und nicht erst dadurch, dass man dich sieht.
Deshalb ist Audio kein abgespecktes Video, sondern ein vollwertiges Format.
Außerdem lag die Wirkung nach dieser Untersuchung vor allem an der Schwankung in der Tonhöhe, also an der Betonung.
Und genau die hast du als Bühnenmensch ohnehin.
Sie ist dein Handwerk.
Der ehrliche Haken, und er ist deutlich
Zunächst ging es um Bewerbungsreden und um die Frage nach der Einstellung.
Das ist etwas anderes als die Frage, ob ein Gedicht berührt.
Außerdem waren es in drei von vier Durchgängen keine echten Personalleute, sondern Versuchspersonen in einer angenommenen Rolle.
Ferner wurde gemessen, wie klug jemand wirkt, und nicht, ob man ihm gern zuhört.
Und schließlich ist Vorlesen etwas anderes als frei sprechen.
Der Vergleich lief teilweise gegen vorgelesenen Text, was den Effekt vermutlich mitbestimmt.
Wie lange es dauert, bis es normal wird
Jetzt zu der Frage, an der Podcasts tatsächlich scheitern.
Nämlich nicht am Publikum, sondern an der Regelmäßigkeit.
Phillippa Lally und ihr Team am University College London veröffentlichten 2010 im European Journal of Social Psychology eine Untersuchung darüber, wie Gewohnheiten im Alltag entstehen.
Wie die Untersuchung aufgebaut war
Zunächst suchten sich sechsundneunzig Freiwillige eine neue Handlung aus.
Etwa ein Stück Obst zum Mittagessen, ein Glas Wasser nach dem Frühstück oder ein Spaziergang nach dem Abendessen.
Diese Handlung sollten sie zwölf Wochen lang täglich im selben Zusammenhang ausführen, also immer nach demselben Anlass.
Jeden Tag notierten sie, ob sie es getan hatten und wie automatisch es sich angefühlt hatte.
Was dabei herauskam
Bis eine Handlung sich weitgehend automatisch anfühlte, vergingen im Mittel sechsundsechzig Tage.
Die Spannweite war allerdings gewaltig: von achtzehn Tagen bis zu zweihundertvierundfünfzig.
Aufwendigere Handlungen brauchten länger als einfache.
Und ein entscheidender Nebenbefund: Eine einzelne ausgelassene Gelegenheit beeinträchtigte den Vorgang nicht erkennbar.
Was das für deinen Podcast-Rhythmus bedeutet
Zunächst: Rechne mit Monaten, bevor es sich normal anfühlt.
Denn eine Podcastfolge ist ungleich aufwendiger als ein Glas Wasser, und aufwendigere Handlungen brauchten in dieser Untersuchung länger.
Außerdem lohnt es sich, den Anlass festzulegen statt den Tag.
Also nicht Donnerstag, sondern etwa: immer wenn ich von einem Auftritt zurückkomme.
Ein Anlass trägt besser als ein Datum.
| Verbreitete Annahme | Was die Untersuchung nahelegt | Was du machst |
|---|---|---|
| Drei Wochen reichen. | Im Mittel eher zwei Monate. | Nicht nach vier Folgen urteilen. |
| Einmal aussetzen ruiniert alles. | Eine Gelegenheit macht nichts. | Weitermachen ohne Drama. |
| Je öfter, desto besser. | Aufwand verlängert die Dauer. | Selten und machbar statt oft. |
| Ein fester Tag hilft. | Der Anlass zählt. | An eine bestehende Gewohnheit hängen. |
| Danach läuft es von allein. | Bei der Hälfte nicht. | Damit rechnen und trotzdem bleiben. |
Die letzte Zeile ist die ehrlichste.
Denn selbst nach zwölf Wochen hatte etwa die Hälfte der Teilnehmenden keinen Wert erreicht, den man Gewohnheit nennen würde.
Das heißt nicht, dass es nicht funktioniert.
Es heißt, dass Durchhalten der eigentliche Teil der Arbeit ist.
Der ehrliche Haken, und er ist erheblich
Zunächst beruhte alles auf Selbsteinschätzung, was die Forschenden selbst als Schwäche benennen.
Außerdem ging es um sehr einfache Handlungen.
Eine Podcastfolge ist damit nicht vergleichbar.
Ferner ist die berühmte Zahl von sechsundsechzig Tagen ein Mittelwert unter denjenigen, bei denen das Modell überhaupt passte.
Das war weniger als die Hälfte der Teilnehmenden.
Und schließlich stammt der Wert von zweihundertvierundfünfzig Tagen aus einer Hochrechnung über das Ende der Untersuchung hinaus.
Gemessen wurde nur vierundachtzig Tage lang.
Der Aufbau einer Folge
Damit du nicht jedes Mal überlegst, hier der Ablauf einer ganzen Ausgabe.
Sechs Teile, und keiner davon ist aufwendig.
Warum eine Folge kein Intro braucht
Denn ein gesprochener Vorspann kostet bei jeder Folge zwanzig Sekunden.
Bei fünfzig Folgen sind das über fünfzehn Minuten reine Wartezeit.
Außerdem hören die meisten nicht bei Folge eins an, sondern irgendwo mittendrin.
Und wer mittendrin einsteigt, will keinen Vorspann, sondern den Text.
Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Technik, Raum und was es tatsächlich kostet
Nun der Teil, an dem die meisten zu viel Geld ausgeben und zu wenig nachdenken.
Was den Klang deines Podcasts bestimmt
Zunächst einmal nicht das Mikrofon, sondern der Raum.
Ein günstiges Mikrofon in einem gedämpften Zimmer klingt besser als ein teures in einem hallenden.
Deshalb ist die wirksamste Anschaffung keine Anschaffung, sondern eine Decke über der Stuhllehne.
Und ein Regal voller Bücher hinter dir, das den Hall schluckt.
Was du an Ausrüstung wirklich brauchst
Zunächst ein Mikrofon, das per Kabel an deinen Rechner geht.
Außerdem Kopfhörer, damit du beim Aufnehmen hörst, was ankommt.
Ferner ein kostenloses Schnittprogramm, denn mehr braucht eine Sprachaufnahme nicht.
Und schließlich einen Ort für die Dateien, der einen Verteilerkanal ausgibt.
Was du beim Sprechen beachtest
Sprich deshalb langsamer, als es sich richtig anfühlt.
Denn im Ohr wirkt Bühnentempo hektisch, weil kein Raum es trägt.
Außerdem halte den Abstand zum Mikrofon konstant, etwa eine Handbreit.
Und wenn du dich versprichst, sag den Satz einfach nochmal.
Das lässt sich in zehn Sekunden herausschneiden.
Ohne Kopfhörer merkst du nicht, dass der Kühlschrank brummt, dass du am Tisch anstößt oder dass das Mikrofon auf der falschen Seite steht.
Und du merkst es erst zu Hause beim Schneiden, wenn die Folge fertig eingesprochen ist. Genau dann wirft man sie weg und macht danach keine mehr.
Musik, Rechte und ein paar unangenehme Fragen
Sobald in deinem Podcast fremde Musik läuft, berührst du Fragen zu Verwertungsgesellschaften und Nutzungsrechten. Dasselbe gilt, wenn du fremde Texte liest oder Mitschnitte von Veranstaltungen verwendest, auf denen andere auftreten.
Klär das vorher bei einer Fachanwaltschaft für Urheber- und Medienrecht. Was hier steht, ist eine grobe Orientierung.
Trotzdem lohnen sich zwei praktische Gewohnheiten.
Musik im Podcast weglassen
Ein Podcast ohne Musik ist nämlich kein Mangel, sondern eine Entscheidung.
Denn Musik unter gesprochenem Text nimmt ihm die Pausen, und Pausen sind bei Spoken Word die halbe Arbeit.
Außerdem erspart es dir sämtliche Rechtsfragen auf einen Schlag.
Und ein Vorspann aus Stille wirkt inzwischen ungewöhnlicher als jede Musik.
Deine eigenen Texte
Ein gesprochener Text bleibt zwar deiner, auch wenn er überall abrufbar ist.
Trotzdem lohnt es sich, in der Folgenbeschreibung den vollständigen Text mit deinem Namen zu hinterlegen.
Das hilft beim Wiederfinden und macht die Urheberschaft sichtbar.
Wie weit das rechtlich trägt, klärst du besser fachlich als bei mir.
Zehn Fehler beim Podcast
Fünf beim Aufsetzen, fünf auf Dauer.
Fünf Fehler beim Aufsetzen
Fehler 1: Zu groß planen
Fehler 2: Mit Gästen anfangen
Fehler 3: Ins Mikrofon investieren statt in den Raum
Fehler 4: Ohne Kopfhörer aufnehmen
Fehler 5: Eine feste Länge festlegen
Denn einen Podcast zu starten scheitert selten an der Technik und fast immer am Umfang des Plans.
Fünf Fehler auf Dauer
Fehler 6: Bühnentempo sprechen
Fehler 7: Nach vier Folgen aufhören
Fehler 8: Bei einer ausgefallenen Folge alles hinwerfen
Fehler 9: Zahlen zum Maßstab machen
Fehler 10: Keinen Text in die Beschreibung setzen
Sechs Schritte für ein Wochenende
Das reicht für die erste Folge und einen Kanal, der sie ausspielt.
Drei Schritte am Samstag
Schritt 1 – Den Raum finden
Schritt 2 – Aufbauen und stehen lassen
Schritt 3 – Eine Probefolge sprechen
Drei Schritte am Sonntag
Schritt 4 – Die erste Folge aufnehmen
Schritt 5 – Grob schneiden
Schritt 6 – Hochladen und verlinken
Denn Schritt sechs ist der, an dem die meisten hängenbleiben.
Die Abnahme
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Die Folge, die ich beim Bügeln aufgenommen habe
Zunächst hatte ich einen Podcast angefangen, wie man das eben macht.
Also mit Intro, mit Musik und mit dem Vorsatz, jeden zweiten Donnerstag zu veröffentlichen.
Danach war nach fünf Folgen Schluss.
Was ein Jahr später passierte
Ich hatte an einem Dienstagabend einen Text fertig und niemanden, dem ich ihn vorlesen konnte.
Also habe ich das Mikrofon angeschlossen, den Text gesprochen und danach zwei Sätze dazu gesagt.
Ohne Intro, ohne Musik, ohne Plan für die nächste Folge.
Das Ganze hat zwanzig Minuten gedauert, Aufnahme und Schnitt zusammen.
Was ich daraus gelernt habe
Nicht, dass Sorgfalt schadet.
Das wäre eine bequeme Ausrede.
Sondern dass alles, was eine Folge zu einem Vorhaben macht, sie verhindert.
Das Intro war ein Vorhaben.
Der feste Donnerstag war ein Vorhaben.
Die Musik war ein Vorhaben.
Der Dienstagabend mit dem fertigen Text war einfach ein Dienstagabend.
„Die erste Fassung meines Podcasts hatte ein Intro, ein Konzept und einen Redaktionsplan. Die zweite hatte nur ein Mikrofon und läuft seit Jahren.“Meine Notiz danach — und der Grund für Kapitel 09
Wie ich meine Folgen heute mache
Inzwischen nehme ich auf, wenn ein Text fertig ist, und sonst nicht.
Manchmal sind das zwar drei Folgen im Monat, manchmal allerdings keine in zweien.
Und wenn zwei Monate nichts passiert, mache ich eine kurze Notiz von vier Minuten, damit der Faden nicht reißt.
Das ist Format fünf aus Kapitel 12, und es ist das nützlichste von allen.
Was ein Mikrofon nicht ersetzt
Ein Podcast bringt deine Stimme immerhin in Ohren, die dich nie gesucht haben.
Ob sie bleiben, entscheidet er nicht.
Warum das Format so ehrlich ist
Auf der Bühne trägt dich der Saal über schwache Stellen hinweg.
Im Feed trägt dich die Kürze.
Im Ohr trägt dich nichts, weil niemand mitlacht und niemand zuschaut.
Kurz gesagt: Ein Podcast zeigt dir gnadenlos, welche deiner Texte auch ohne Publikum stehen.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also das, was dafür sorgt, dass jemand bei Minute zwölf noch zuhört, obwohl er längst mit dem Abwasch fertig ist.
Das Mikrofon steht an einem Wochenende. Was hineingesprochen wird, baust du dein Leben lang.
Nebensache statt Projekt. Erst der Raum, dann das Mikrofon. Und langsamer sprechen, als sich richtig anfühlt.
Übrigens ist die schönste Rückmeldung, die ich je bekommen habe, wegen einer Folge gekommen.
Jemand schrieb, er höre mir beim Pendeln zu und habe an einer Stelle im Bus laut gelacht.
Auf einer Bühne wäre das ein Lacher unter vielen gewesen.
Im Bus war es einer allein.
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Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
