Podcast statt Bühne: Deine Stimme in Dauerschleife

Podcast statt Bühne: Deine Stimme in Dauerschleife
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Podcast statt Bühne: Deine Stimme in Dauerschleife

Es gibt kein Format, das deiner Arbeit näher liegt.

Du sprichst Texte. Ein Podcast ist gesprochener Text. Dazwischen liegt technisch fast nichts.

Der Unterschied ist nicht das Handwerk, sondern die Lage. Auf der Bühne hast du fünf Minuten und einen Saal. Im Ohr hast du unbegrenzt Zeit und genau eine Person.

Und diese Person macht meistens nebenbei den Abwasch.

Kein Saal, kein Zeitlimit, nur Ohren. Das klingt nach weniger und ist mehr.

KAPITEL 01Nötige Ausrüstungein Mikrofon
KAPITEL 02Realistische Hörerzahl am Anfangzweistellig
KAPITEL 03Sinnvolle Folgenlängewas der Text braucht
KAPITEL 04Häufigster Grund für das Endeder Rhythmus
KAPITEL 05Zeit bis es sich normal anfühltMonate

Fangen wir mit dem an, was dieses Format von allen anderen unterscheidet.

Ein Podcast läuft nämlich nebenher.

Und zwar während jemand kocht, pendelt, spült oder spazieren geht.

Das ist allerdings keine geringere Aufmerksamkeit, sondern eine andere.

Niemand hört einen Podcast, um ihn zu bewerten. Man hört ihn, um dabei nicht allein zu sein.

Deshalb verzeiht das Format Dinge, die auf der Bühne tödlich wären.

Eine lange Pause etwa, oder ein Gedanke, der erst beim dritten Anlauf sitzt.

Podcast starten heißt nebenher gehört werden: Kopfhörer auf einem Küchentisch
Der übliche Ort. Nicht der Konzertsaal, sondern die Küche am Morgen.

Was in diesem Beitrag steht

Wann es sich lohnt, einen Podcast zu starten, und wie du ihn baust, ohne dich an einen Trend anzuhängen.

Also welche Formate zu Texten passen, was die Technik wirklich kostet und wie oft du veröffentlichen solltest.

Dazu kommen zwei Untersuchungen: eine darüber, was die Stimme gegenüber der Schrift leistet, und eine über Gewohnheiten.

Außerdem ein Folgenblatt mit dem Aufbau einer kompletten Ausgabe.

Zum Mitmachen gibt es fünf Folgenformate, sieben Notizen und vier deutsche Videos.

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KAPITEL 06

Warum Audio näher an deiner Arbeit liegt als alles andere

Von allen Netzformaten verlangt dieses am wenigsten Umstellung.

Was die anderen Formate von dir verlangen

Zunächst verlangt ein Reel, dass du dich auf dreißig Sekunden zusammenziehst.

Eine Kachel verlangt, dass eine Zeile allein steht.

Ein Video verlangt Licht, Bildausschnitt und ein Gesicht, das mitspielt.

Und alle drei verlangen, dass du schneller wirst, als du es auf einer Bühne bist.

Was ein Podcast tatsächlich von dir verlangt

Zunächst einmal, dass du sprichst.

Außerdem, dass du regelmäßig sprichst, was schwerer ist, als es klingt.

Sonst nichts.

Kein Bild, keine Kürzung, keine Beschleunigung.

Genau deshalb ist es das einzige Format, bei dem ein langer Text ein Vorteil ist.

Die Bühne
Fünf Minuten, harte Grenze.
Ein Saal, ein Abend.
Reaktion ist sofort hörbar.
Einmal und vorbei.
Alle sind gleichzeitig da.
Das Ohr
So lang, wie der Text braucht.
Eine Person, irgendwann.
Reaktion kommt Wochen später.
Bleibt abrufbar.
Jeder hört allein.

Die letzte Zeile ist der eigentliche Unterschied.

Denn dein Bühnentext ist für einen Raum voller Menschen gebaut, die einander anstecken.

Im Ohr sitzt niemand daneben, der lacht.

Deshalb wirken Pointen leiser und ruhige Stellen deutlich stärker.

Warum passt ein Podcast so gut zu Spoken Word?
Auflösung
Weil nichts umgebaut werden muss. Ein Podcast ist gesprochener Text — genau das, was du ohnehin machst. Was die Stimme dabei leistet, steht in Kapitel 15.
Kein Saal, kein Zeitlimit, nur Ohren. Von allen Formaten fordert dieses am wenigsten Verstellung.
CLIP 1Fünf Schritte zum eigenen Podcast
Der komplette Ablauf von der Aufnahme bis zur Veröffentlichung. Der handwerkliche Unterbau zu diesem Beitrag.
KAPITEL 09

Der Griff: mach es zur Nebensache, nicht zum Projekt

Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.

Es gibt eine Haltung, die entscheidet, ob es das Jahr überlebt.

Der Griff
Bau den Podcast so, dass eine Folge in die Zeit passt, die du ohnehin am Schreibtisch verbringst — und nicht so, dass du dir einen Termin dafür freischaufeln musst.

Also kein Studio, keine Gäste, keine Musik, kein Intro mit gesprochenem Vorspann. Nichts, was Verabredungen erfordert.

Denn alles, wofür du dir Zeit nehmen musst, fällt irgendwann aus. Und ein Podcast, der zweimal ausfällt, ist beendet.

Das war es.

Also Nebensache statt Projekt.

Der häufigste Grund für einen toten Podcast ist nicht fehlendes Publikum. Es ist ein zu großer Plan.
Für einen Podcast starten reicht wenig: ein Mikrofon in einem ruhigen Zimmer
Ein Mikrofon, ein ruhiger Raum, eine Decke über dem Stuhl. Mehr braucht es nicht.

Warum Gäste am Anfang eine schlechte Idee sind

Sie klingen zwar nach mehr Reichweite, kosten allerdings vor allem Zeit.

Denn du musst anfragen, Termine finden, Technik abstimmen und hinterher zwei Tonspuren angleichen.

Außerdem wird aus deinem Format ein Gespräch, und Gespräche gibt es bereits in großer Zahl.

Was es seltener gibt, ist jemand, der einen eigenen Text ruhig vorträgt.

Was du für den Podcast stattdessen festlegst

Zunächst einen Ort, an dem du immer aufnimmst.

Außerdem eine Länge, die sich aus dem Text ergibt und nicht aus einer Vorgabe.

Ferner einen Ablauf, der ohne Nachdenken funktioniert.

Und schließlich einen Rhythmus, den du auch in einer schlechten Woche schaffst.

NOTIZ 01Deine Nebensache
Schreib auf, wie lange eine Folge realistisch dauert — von der Idee bis zum Hochladen.
Warum nur ein Griff und nicht zwölf
Weil ein Podcast nicht an einer einzelnen Folge scheitert, sondern an der zwölften.

Die erste macht jeder mit Begeisterung. Die zwölfte macht nur, wer sie nebenbei machen kann.

Deshalb ist die einzige Frage, die am Anfang zählt: Passt das in mein Leben, wenn die Begeisterung weg ist?
KAPITEL 12

Fünf Formate, die zu Texten passen

Jetzt wird es konkret.

Nämlich fünf Formate, sortiert nach Aufwand.

Bei jedem steht, wie lang es ist, was hineingehört und wofür es taugt.

F1Der vorgetragene Text
vier bis acht Minuten
Ein eigener Text, ruhig gesprochen, ohne Publikum. Davor zwei Sätze dazu, wann er entstanden ist. Danach nichts.
Das Kernformat. Es ist am schnellsten gemacht und am seltensten zu finden, weil die meisten Podcasts aus Gesprächen bestehen.
F2Der Text mit Hintergrund
zehn bis fünfzehn Minuten
Derselbe Text, aber davor die Geschichte seiner Entstehung. Was der Anlass war, was du verworfen hast, woran du hängst.
Für Leute, die ohnehin schreiben. Diese Folgen bringen weniger Hörer und deutlich mehr Zuschriften.
F3Der Abendbericht
fünfzehn bis dreißig Minuten
Was auf einem Auftritt passiert ist. Der Raum, das Publikum, die Panne, das Gespräch danach.
Das Format, das aus einem Podcast eine Begleitung macht. Menschen hören gern jemandem zu, der unterwegs war.
Podcast starten für Leute unterwegs: der Waschbär geht mit Kopfhörern durch die Stadt
Gehört wird unterwegs. Deshalb darf eine Folge auch dreißig Minuten dauern.

Die zwei Formate für ruhige Wochen

F4Die Lesung mit Anlass
zwanzig bis vierzig Minuten
Mehrere Texte zu einem Thema hintereinander, mit kurzen Übergängen. Etwa alle Texte über Bahnhöfe oder alle über Arbeit.
Braucht Vorlauf, hält aber am längsten. Und lässt sich später als eigenes Stück weiterverwenden.
F5Die kurze Notiz
unter fünf Minuten
Ein Gedanke, eine Beobachtung, eine halbe Zeile, an der du hängst. Ohne Anspruch, ohne fertigen Text.
Für Wochen, in denen nichts anderes geht. Genau dafür rettet dieses Format den Rhythmus, und der Rhythmus ist alles.
Format fünf ist der wichtigste Eintrag in dieser Liste. Es ist die Folge, die du machst, wenn du eigentlich keine machst.
NOTIZ 02Deine Formate
Streich die weg, für die du gerade keine Kraft hast. Zwei reichen völlig.
KAPITEL 15

Was die Stimme leistet, was Schrift nicht kann

Es gibt dazu ein Experiment, das eine unbequeme Nachricht für alle enthält, die ihre Texte nur schreiben.

Juliana Schroeder und Nicholas Epley veröffentlichten es 2015 in Psychological Science.

Der Titel lautet The Sound of Intellect, also etwa: der Klang von Verstand.

Wie das Experiment aufgebaut war

Zunächst hielten Studierende eines Wirtschaftsstudiengangs kurze Bewerbungsreden vor der Kamera.

Danach bekamen Bewertende dieselbe Rede in drei Fassungen: als Video, als reine Tonaufnahme oder als abgetippten Text.

Sie sollten einschätzen, wie kompetent, wie durchdacht und wie klug die Person wirkt.

In einem vierten Durchgang machten das keine Studierenden, sondern Personalverantwortliche aus der Praxis.

Was das Experiment zur Stimme ergab

Zunächst wurden gehörte Worte besser bewertet als dieselben gelesenen.

Außerdem galt die Person als kompetenter, durchdachter und klüger.

Und die Bewertenden gaben an, sie eher einstellen zu wollen.

Bemerkenswert ist der Zusatzbefund: Ließ man Schauspieler oder ungeübte Erwachsene denselben geschriebenen Text vorlesen, trat derselbe Effekt ein.

Es lag also an der Stimme, nicht an der Person.

Ein zweiter Befund ist für dich wichtiger als der erste: Bild zusätzlich zum Ton änderte an der Bewertung nichts.
Podcast starten heißt sprechen statt zeigen: der Waschbär am Mikrofon
Nur die Stimme. Das Bild hätte nach dieser Untersuchung nichts hinzugefügt.

Was das für deinen Podcast bedeutet

Zunächst: Ein Text gewinnt dadurch, dass du ihn sprichst, und nicht erst dadurch, dass man dich sieht.

Deshalb ist Audio kein abgespecktes Video, sondern ein vollwertiges Format.

Außerdem lag die Wirkung nach dieser Untersuchung vor allem an der Schwankung in der Tonhöhe, also an der Betonung.

Und genau die hast du als Bühnenmensch ohnehin.

Sie ist dein Handwerk.

Der ehrliche Haken, und er ist deutlich

Zunächst ging es um Bewerbungsreden und um die Frage nach der Einstellung.

Das ist etwas anderes als die Frage, ob ein Gedicht berührt.

Außerdem waren es in drei von vier Durchgängen keine echten Personalleute, sondern Versuchspersonen in einer angenommenen Rolle.

Ferner wurde gemessen, wie klug jemand wirkt, und nicht, ob man ihm gern zuhört.

Und schließlich ist Vorlesen etwas anderes als frei sprechen.

Der Vergleich lief teilweise gegen vorgelesenen Text, was den Effekt vermutlich mitbestimmt.

CLIP 2Podcast aufnehmen und schneiden mit Audacity
Die kostenlose Fassung von allem, was du technisch brauchst. Passend zum Griff aus Kapitel 09.
KAPITEL 19

Wie lange es dauert, bis es normal wird

Jetzt zu der Frage, an der Podcasts tatsächlich scheitern.

Nämlich nicht am Publikum, sondern an der Regelmäßigkeit.

Phillippa Lally und ihr Team am University College London veröffentlichten 2010 im European Journal of Social Psychology eine Untersuchung darüber, wie Gewohnheiten im Alltag entstehen.

Wie die Untersuchung aufgebaut war

Zunächst suchten sich sechsundneunzig Freiwillige eine neue Handlung aus.

Etwa ein Stück Obst zum Mittagessen, ein Glas Wasser nach dem Frühstück oder ein Spaziergang nach dem Abendessen.

Diese Handlung sollten sie zwölf Wochen lang täglich im selben Zusammenhang ausführen, also immer nach demselben Anlass.

Jeden Tag notierten sie, ob sie es getan hatten und wie automatisch es sich angefühlt hatte.

Was dabei herauskam

Podcast starten für den Alltag: Kopfhörer auf einem Küchentisch
Gehört wird beim Abwasch. Deshalb zählt Verlässlichkeit mehr als Glanz.

Bis eine Handlung sich weitgehend automatisch anfühlte, vergingen im Mittel sechsundsechzig Tage.

Die Spannweite war allerdings gewaltig: von achtzehn Tagen bis zu zweihundertvierundfünfzig.

Aufwendigere Handlungen brauchten länger als einfache.

Und ein entscheidender Nebenbefund: Eine einzelne ausgelassene Gelegenheit beeinträchtigte den Vorgang nicht erkennbar.

Eine ausgefallene Folge bricht nichts. Zwei ausgefallene in Folge sind etwas anderes.
praktische Lesart von Lally und anderen 2010

Was das für deinen Podcast-Rhythmus bedeutet

Zunächst: Rechne mit Monaten, bevor es sich normal anfühlt.

Denn eine Podcastfolge ist ungleich aufwendiger als ein Glas Wasser, und aufwendigere Handlungen brauchten in dieser Untersuchung länger.

Außerdem lohnt es sich, den Anlass festzulegen statt den Tag.

Also nicht Donnerstag, sondern etwa: immer wenn ich von einem Auftritt zurückkomme.

Ein Anlass trägt besser als ein Datum.

Verbreitete AnnahmeWas die Untersuchung nahelegtWas du machst
Drei Wochen reichen.Im Mittel eher zwei Monate.Nicht nach vier Folgen urteilen.
Einmal aussetzen ruiniert alles.Eine Gelegenheit macht nichts.Weitermachen ohne Drama.
Je öfter, desto besser.Aufwand verlängert die Dauer.Selten und machbar statt oft.
Ein fester Tag hilft.Der Anlass zählt.An eine bestehende Gewohnheit hängen.
Danach läuft es von allein.Bei der Hälfte nicht.Damit rechnen und trotzdem bleiben.

Die letzte Zeile ist die ehrlichste.

Denn selbst nach zwölf Wochen hatte etwa die Hälfte der Teilnehmenden keinen Wert erreicht, den man Gewohnheit nennen würde.

Das heißt nicht, dass es nicht funktioniert.

Es heißt, dass Durchhalten der eigentliche Teil der Arbeit ist.

Der ehrliche Haken, und er ist erheblich

Zunächst beruhte alles auf Selbsteinschätzung, was die Forschenden selbst als Schwäche benennen.

Außerdem ging es um sehr einfache Handlungen.

Eine Podcastfolge ist damit nicht vergleichbar.

Ferner ist die berühmte Zahl von sechsundsechzig Tagen ein Mittelwert unter denjenigen, bei denen das Modell überhaupt passte.

Das war weniger als die Hälfte der Teilnehmenden.

Und schließlich stammt der Wert von zweihundertvierundfünfzig Tagen aus einer Hochrechnung über das Ende der Untersuchung hinaus.

Gemessen wurde nur vierundachtzig Tage lang.

KAPITEL 23

Der Aufbau einer Folge

Damit du nicht jedes Mal überlegst, hier der Ablauf einer ganzen Ausgabe.

Sechs Teile, und keiner davon ist aufwendig.

Folgenblatt · eine Ausgabe
Teil 1
Der erste Satz
Kein Intro, keine Musik, keine Begrüßung. Du fängst an wie mitten in einem Gespräch. Das spart zwanzig Sekunden und wirkt vertrauter.
Teil 2
Der Anlass
Zwei bis vier Sätze dazu, warum es diese Folge gibt. Ein Auftritt, ein Gespräch, eine Beobachtung.
Teil 3
Der Text
Ruhig vorgetragen, im Tempo eines Gesprächs und nicht im Tempo der Bühne. Deutlich langsamer, als sich richtig anfühlt.
Teil 4
Der Nachsatz
Ein bis zwei Sätze danach. Nicht erklären, was der Text bedeutet, sondern sagen, was er dir bedeutet hat.
Teil 5
Der Hinweis
Wo man dich live sehen kann und wo der Text steht. Kurz, einmal, ohne Werbestimme.
Teil 6
Das Ende
Ein Satz, dann Stille. Kein Abspann, kein Aufruf zum Abonnieren, keine Musik, die ausblendet.
Ergänzt wird das Ganze durch eine Regel, die nichts kostet: Die Beschreibung der Folge enthält den vollständigen Text, damit man mitlesen und ihn wiederfinden kann.

Warum eine Folge kein Intro braucht

Denn ein gesprochener Vorspann kostet bei jeder Folge zwanzig Sekunden.

Bei fünfzig Folgen sind das über fünfzehn Minuten reine Wartezeit.

Außerdem hören die meisten nicht bei Folge eins an, sondern irgendwo mittendrin.

Und wer mittendrin einsteigt, will keinen Vorspann, sondern den Text.

NOTIZ 03Dein Aufbau
Schreib die sechs Teile für deine erste Folge auf. Besonders den ersten Satz.
Dein Link-Kompass

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Schreiben & Textaufbau
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Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.

Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.

KAPITEL 27

Technik, Raum und was es tatsächlich kostet

Nun der Teil, an dem die meisten zu viel Geld ausgeben und zu wenig nachdenken.

Was den Klang deines Podcasts bestimmt

Zunächst einmal nicht das Mikrofon, sondern der Raum.

Ein günstiges Mikrofon in einem gedämpften Zimmer klingt besser als ein teures in einem hallenden.

Deshalb ist die wirksamste Anschaffung keine Anschaffung, sondern eine Decke über der Stuhllehne.

Und ein Regal voller Bücher hinter dir, das den Hall schluckt.

Was du an Ausrüstung wirklich brauchst

Zunächst ein Mikrofon, das per Kabel an deinen Rechner geht.

Außerdem Kopfhörer, damit du beim Aufnehmen hörst, was ankommt.

Ferner ein kostenloses Schnittprogramm, denn mehr braucht eine Sprachaufnahme nicht.

Und schließlich einen Ort für die Dateien, der einen Verteilerkanal ausgibt.

Die Reihenfolge lautet: erst der Raum, dann das Mikrofon, dann alles andere. Meistens wird sie umgedreht.
Für einen Podcast starten zählt der Raum: ein Mikrofon vor gedämpfter Wand
Die Decke über dem Stuhl bringt mehr als hundert Euro mehr Mikrofon.

Was du beim Sprechen beachtest

Sprich deshalb langsamer, als es sich richtig anfühlt.

Denn im Ohr wirkt Bühnentempo hektisch, weil kein Raum es trägt.

Außerdem halte den Abstand zum Mikrofon konstant, etwa eine Handbreit.

Und wenn du dich versprichst, sag den Satz einfach nochmal.

Das lässt sich in zehn Sekunden herausschneiden.

Der Fehler, der jede Aufnahme unbrauchbar macht
Nicht mitzuhören.

Ohne Kopfhörer merkst du nicht, dass der Kühlschrank brummt, dass du am Tisch anstößt oder dass das Mikrofon auf der falschen Seite steht.

Und du merkst es erst zu Hause beim Schneiden, wenn die Folge fertig eingesprochen ist. Genau dann wirft man sie weg und macht danach keine mehr.
NOTIZ 04Dein Raum
Nimm dreißig Sekunden in verschiedenen Zimmern auf und hör sie mit Kopfhörern an.
CLIP 3Sprachaufnahme mit Audacity verbessern
Rauschen entfernen und der Stimme Fülle geben. Genau die Nacharbeit, die eine Folge braucht.
KAPITEL 31

Musik, Rechte und ein paar unangenehme Fragen

Vorab und deutlich
Ich bin kein Anwalt, und das hier ist keine Rechtsberatung.

Sobald in deinem Podcast fremde Musik läuft, berührst du Fragen zu Verwertungsgesellschaften und Nutzungsrechten. Dasselbe gilt, wenn du fremde Texte liest oder Mitschnitte von Veranstaltungen verwendest, auf denen andere auftreten.

Klär das vorher bei einer Fachanwaltschaft für Urheber- und Medienrecht. Was hier steht, ist eine grobe Orientierung.

Trotzdem lohnen sich zwei praktische Gewohnheiten.

Podcast starten für Menschen unterwegs: der Waschbär hört beim Gehen zu
Unterwegs, allein, mit Kopfhörern. So kommt dein Text an.

Musik im Podcast weglassen

Ein Podcast ohne Musik ist nämlich kein Mangel, sondern eine Entscheidung.

Denn Musik unter gesprochenem Text nimmt ihm die Pausen, und Pausen sind bei Spoken Word die halbe Arbeit.

Außerdem erspart es dir sämtliche Rechtsfragen auf einen Schlag.

Und ein Vorspann aus Stille wirkt inzwischen ungewöhnlicher als jede Musik.

Deine eigenen Texte

Ein gesprochener Text bleibt zwar deiner, auch wenn er überall abrufbar ist.

Trotzdem lohnt es sich, in der Folgenbeschreibung den vollständigen Text mit deinem Namen zu hinterlegen.

Das hilft beim Wiederfinden und macht die Urheberschaft sichtbar.

Wie weit das rechtlich trägt, klärst du besser fachlich als bei mir.

KAPITEL 34

Zehn Fehler beim Podcast

Fünf beim Aufsetzen, fünf auf Dauer.

Fünf Fehler beim Aufsetzen

Fehler 1: Zu groß planen
Der Griff aus Kapitel 09. Studio, Gäste, Intro, Musik — jedes dieser Elemente ist eine Verabredung, und Verabredungen fallen aus.
Fehler 2: Mit Gästen anfangen
Das verdoppelt den Aufwand und macht aus deinem Format ein Gespräch. Gespräche gibt es reichlich, ruhig vorgetragene Texte nicht.
Fehler 3: Ins Mikrofon investieren statt in den Raum
Der Raum bestimmt den Klang. Eine Decke kostet nichts und bringt mehr als das nächstteurere Modell.
Fehler 4: Ohne Kopfhörer aufnehmen
Dann hörst du das Brummen erst beim Schneiden. Und dann ist die ganze Folge dahin.
Fehler 5: Eine feste Länge festlegen
Zwanzig Minuten pro Folge klingt nach Ordnung und führt dazu, dass du redest, um sie zu füllen.

Denn einen Podcast zu starten scheitert selten an der Technik und fast immer am Umfang des Plans.

Fünf Fehler auf Dauer

Fehler 6: Bühnentempo sprechen
Im Ohr klingt das gehetzt, weil kein Saal es trägt. Deutlich langsamer, als sich richtig anfühlt.
Fehler 7: Nach vier Folgen aufhören
Nach Kapitel 19 dauert es Monate, bis sich so etwas normal anfühlt. Vier Folgen sind noch keine Antwort auf irgendetwas.
Fehler 8: Bei einer ausgefallenen Folge alles hinwerfen
Eine ausgelassene Gelegenheit macht nach dieser Untersuchung nichts. Zwei hintereinander sind das eigentliche Risiko.
Fehler 9: Zahlen zum Maßstab machen
Bei Spoken Word sind die Hörerzahlen dauerhaft klein. Wer sie als Urteil liest, hört zwangsläufig auf.
Fehler 10: Keinen Text in die Beschreibung setzen
Dann ist die Folge nicht durchsuchbar und der Text nicht auffindbar. Das kostet nichts und wird trotzdem meistens vergessen.
KAPITEL 39

Sechs Schritte für ein Wochenende

Das reicht für die erste Folge und einen Kanal, der sie ausspielt.

Drei Schritte am Samstag

Schritt 1 – Den Raum finden
Dreißig Sekunden in drei Zimmern aufnehmen und mit Kopfhörern vergleichen. Der ruhigste gewinnt, nicht der schönste.
Schritt 2 – Aufbauen und stehen lassen
Mikrofon, Kopfhörer, Stuhl an einen festen Platz. Was jedes Mal aufgebaut werden muss, wird irgendwann nicht mehr aufgebaut.
Schritt 3 – Eine Probefolge sprechen
Nicht zum Veröffentlichen, nur zum Hören. Du willst wissen, wie du klingst, bevor es zählt.

Drei Schritte am Sonntag

Schritt 4 – Die erste Folge aufnehmen
Nach dem Folgenblatt aus Kapitel 23. Ein Text, zwei Sätze davor, ein Satz danach, fertig.
Schritt 5 – Grob schneiden
Nur Versprecher und lange Pausen weg, sonst nichts. Wer eine erste Folge poliert, veröffentlicht sie nie.
Schritt 6 – Hochladen und verlinken
Auf eine Plattform, die einen Verteilerkanal ausgibt. Dann den Link auf deine eigene Seite setzen.

Denn Schritt sechs ist der, an dem die meisten hängenbleiben.

Eine Folge auf der Festplatte ist genauso wirksam wie ein Text in der Schublade.
NOTIZ 05Dein Wochenende
Trag ein, wann du den Raum suchst und wann die erste Folge steht.
CLIP 4Audacity: Stimme und Tonaufnahme bearbeiten
Falls du tiefer einsteigen willst. Für die ersten Folgen reicht allerdings deutlich weniger.
NOTIZ 06Dein Rhythmus
Leg einen Anlass fest statt eines Wochentags. Nach Kapitel 19 trägt das besser.
NOTIZ 07Dein nächster Schritt
Zum Schluss die zwei Fragen, die den Unterschied machen.
KAPITEL 44

Die Abnahme

Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.

NACHTRAG

Die Folge, die ich beim Bügeln aufgenommen habe

Zunächst hatte ich einen Podcast angefangen, wie man das eben macht.

Also mit Intro, mit Musik und mit dem Vorsatz, jeden zweiten Donnerstag zu veröffentlichen.

Danach war nach fünf Folgen Schluss.

Nicht weil niemand zugehört hätte. Sondern weil ich das Ganze nur noch als Termin wahrgenommen habe.

Was ein Jahr später passierte

Ich hatte an einem Dienstagabend einen Text fertig und niemanden, dem ich ihn vorlesen konnte.

Also habe ich das Mikrofon angeschlossen, den Text gesprochen und danach zwei Sätze dazu gesagt.

Ohne Intro, ohne Musik, ohne Plan für die nächste Folge.

Das Ganze hat zwanzig Minuten gedauert, Aufnahme und Schnitt zusammen.

Vor dem Podcast starten kommt die Bühne: der Waschbär trägt einen Text vor
Derselbe Text, dasselbe Handwerk. Nur ohne Saal.

Was ich daraus gelernt habe

Nicht, dass Sorgfalt schadet.

Das wäre eine bequeme Ausrede.

Sondern dass alles, was eine Folge zu einem Vorhaben macht, sie verhindert.

Das Intro war ein Vorhaben.

Der feste Donnerstag war ein Vorhaben.

Die Musik war ein Vorhaben.

Der Dienstagabend mit dem fertigen Text war einfach ein Dienstagabend.

„Die erste Fassung meines Podcasts hatte ein Intro, ein Konzept und einen Redaktionsplan. Die zweite hatte nur ein Mikrofon und läuft seit Jahren.“
Meine Notiz danach — und der Grund für Kapitel 09

Wie ich meine Folgen heute mache

Inzwischen nehme ich auf, wenn ein Text fertig ist, und sonst nicht.

Manchmal sind das zwar drei Folgen im Monat, manchmal allerdings keine in zweien.

Und wenn zwei Monate nichts passiert, mache ich eine kurze Notiz von vier Minuten, damit der Faden nicht reißt.

Das ist Format fünf aus Kapitel 12, und es ist das nützlichste von allen.

WEITERGEHEN

Was ein Mikrofon nicht ersetzt

Ein Podcast bringt deine Stimme immerhin in Ohren, die dich nie gesucht haben.

Ob sie bleiben, entscheidet er nicht.

Zwanzig Minuten allein mit einer Stimme sind die längste Prüfung, die ein Text bestehen kann.

Warum das Format so ehrlich ist

Auf der Bühne trägt dich der Saal über schwache Stellen hinweg.

Im Feed trägt dich die Kürze.

Im Ohr trägt dich nichts, weil niemand mitlacht und niemand zuschaut.

Kurz gesagt: Ein Podcast zeigt dir gnadenlos, welche deiner Texte auch ohne Publikum stehen.

Poetry Master
Genau dafür habe ich Poetry Master gebaut.

Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also das, was dafür sorgt, dass jemand bei Minute zwölf noch zuhört, obwohl er längst mit dem Abwasch fertig ist.

Das Mikrofon steht an einem Wochenende. Was hineingesprochen wird, baust du dein Leben lang.

Nebensache statt Projekt. Erst der Raum, dann das Mikrofon. Und langsamer sprechen, als sich richtig anfühlt.
Kein Saal, kein Zeitlimit, nur Ohren. Von allen Formaten ist das dasjenige, das dich am wenigsten verändert.

Übrigens ist die schönste Rückmeldung, die ich je bekommen habe, wegen einer Folge gekommen.

Jemand schrieb, er höre mir beim Pendeln zu und habe an einer Stelle im Bus laut gelacht.

Auf einer Bühne wäre das ein Lacher unter vielen gewesen.

Im Bus war es einer allein.

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Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch
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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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