Workshops geben: Vom Slammer zum Kursleiter
Ein Gerüst steht nicht für sich selbst.
Es steht um ein Gebäude herum, das jemand anders baut, und es kommt weg, sobald das Gebäude trägt.
Genau das ist ein guter Workshop. Nicht deine Bühne mit Publikumsbeteiligung, sondern eine Konstruktion, die andere Leute stützt, während sie etwas hinstellen.
Und der schwerste Teil ist, sie rechtzeitig wieder abzubauen.
Der häufigste Fehler ist nicht schlechtes Material. Es ist, dass der Kursleiter im Weg steht.
Fangen wir mit dem Moment an, in dem die Frage zum ersten Mal kommt.
Meistens kommt sie nach einem Auftritt, von einer Lehrerin oder einer Bibliothek.
Ob du das nicht mal mit einer Gruppe machen könntest.
Und weil du auf einer Bühne stehen kannst, sagst du zunächst einmal ja.
Das ist der ganze Unterschied.
Und er ist größer, als er klingt.
Denn alles, was dich auf einer Bühne gut macht, ist hier erst mal im Weg.
Der Satz von Joseph Beuys und sein zweiter Teil
Jeder Mensch ist ein Künstler. Der Satz von Joseph Beuys steht auf Plakaten und in Werbebroschüren.
Meistens wird er dort abgeschnitten.
Beuys selbst hat weitergesprochen. Damit sage er nichts über die Qualität, sondern nur etwas über die Möglichkeit, die in jedem Menschen vorliegt.
Das ist ein Unterschied, der für deinen Workshop alles verändert.
Du versprichst niemandem, dass er nach vier Stunden gut schreibt.
Du zeigst, dass alle im Raum etwas zu erzählen haben und dass es Handwerkszeug dafür gibt.
Wer mehr verspricht, enttäuscht am Ende des Tages zwölf Leute auf einmal.
Was in diesem Beitrag steht
Wie du einen Poetry-Slam-Workshop geben kannst, der tatsächlich etwas auslöst.
Also welche Übungen tragen, wie du die Zeit einteilst und wann du besser den Mund hältst.
Dazu kommen zwei Untersuchungen: eine über das Stützen beim Lernen und eine darüber, warum die zufriedenste Gruppe nicht die ist, die am meisten gelernt hat.
Außerdem ein Stundenblatt für einen dreistündigen Workshop.
Zum Mitmachen gibt es fünf Übungen, sieben Bretter und vier deutsche Videos.
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Jetzt Kanal folgenWarum Bühnenkönnen hier zunächst im Weg steht
Das klingt nach falscher Bescheidenheit und ist eine praktische Beobachtung.
Was dich auf der Bühne gut macht, aber nicht im Kurs
Zunächst, dass du Aufmerksamkeit halten kannst, auch über längere Strecken.
Außerdem, dass du weißt, wie man eine Stille aushält und füllt.
Drittens, dass du fertige Formulierungen im Kopf hast.
Und schließlich, dass du gern vorn stehst.
Sonst würdest du es nicht tun.
Warum genau das im Workshop stört
Zunächst redet zu lang, wer Aufmerksamkeit halten kann.
Außerdem füllt Stille trotzdem, wer sie aushalten kann, weil er es gewohnt ist.
Wer fertige Formulierungen hat, gibt Antworten, bevor jemand die Frage stellt.
Und wer gern vorn steht, merkt zu spät, dass die Gruppe längst arbeiten könnte.
Die dritte Zeile ist die schwerste Umstellung überhaupt.
Denn eine schweigende Gruppe fühlt sich an wie ein Auftritt, der schiefgeht.
Tatsächlich ist sie meistens das genaue Gegenteil.
Wenn fünfzehn Leute still schreiben, funktioniert dein Workshop gerade.
Auflösung
Der Griff: bau ein Gerüst und nimm es wieder weg
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt eine Haltung, die alles andere ordnet.
Am Anfang braucht eine Gruppe enge Aufgaben: ein Wort, eine Form, eine Minute. Wer vor einem leeren Blatt sitzt und hört „schreib doch mal was", schreibt nichts.
Aber genau diese Vorgaben müssen später verschwinden. Sonst schreiben am Ende fünfzehn Leute deinen Text.
Das war es.
Also erst stützen, dann loslassen.
Woran du merkst, dass die Vorgabe zu eng ist
Zunächst daran, dass alle Texte ähnlich klingen.
Und zwar nach dir.
Außerdem fragen die Leute ständig nach, ob sie etwas dürfen.
Drittens entstehen brave Ergebnisse, die niemanden überraschen.
Und schließlich langweilt sich der Teil der Gruppe, der schon schreibt.
Woran du merkst, dass die Übung zu weit gefasst ist
Zunächst daran, dass mehrere vor leeren Blättern sitzen und sich nicht bewegen.
Außerdem beginnen Gespräche über etwas anderes.
Drittens fragt jemand, was du eigentlich hören willst.
Und schließlich schreiben am Ende nur die drei, die sowieso schreiben.
In dieser Lage denkt niemand an Methodik.
Man denkt an eine einzige Frage: Braucht diese Person gerade mehr Halt oder weniger?
Fünf Übungen, die zuverlässig tragen
Jetzt wird es konkret.
Nämlich fünf Übungen, sortiert nach dem Zeitpunkt im Ablauf.
Bei jeder steht das Ziel, der Ablauf und warum sie funktioniert.
Die zwei Übungen für die zweite Hälfte
Was Stützen eigentlich heißt
Für den Griff aus Ebene 09 gibt es einen Fachbegriff.
Und er stammt aus einer Arbeit von 1976.
David Wood, Jerome Bruner und Gail Ross veröffentlichten sie im Journal of Child Psychology and Psychiatry.
Sie heißt The Role of Tutoring in Problem Solving und hat den Begriff eingeführt, den man heute überall liest: Gerüstbau.
Wie die Untersuchung ablief
Zunächst sollten Kinder von drei bis fünf Jahren aus Holzklötzen eine Pyramide bauen.
Die war rund dreiundzwanzig Zentimeter hoch und hatte sechs Ebenen.
Allein schafften sie das nicht, mit einer helfenden Person schon.
Beobachtet wurde also nicht das Bauen, sondern das Helfen.
Die sechs Funktionen, die sie beschrieben haben
Zunächst das Anwerben, also überhaupt Interesse an der Aufgabe wecken.
Zweitens das Vereinfachen: die Aufgabe so weit einschränken, dass sie zur vorhandenen Fähigkeit passt.
Drittens das Am-Ball-Halten, wenn jemand abzudriften droht.
Viertens das Markieren des Wesentlichen, also den Hinweis darauf, worauf es an dieser Stelle ankommt.
Fünftens die Frustkontrolle.
Und zwar ausdrücklich so, dass keine Abhängigkeit von Zuspruch entsteht.
Und sechstens das Vormachen dessen, was der andere noch nicht kann.
Was Gerüstbau für deinen Workshop bedeutet
Zunächst ist die häufigste Aufgabe nicht das Erklären.
Sondern das Vereinfachen.
Denn wer nicht anfangen kann, braucht keine bessere Erklärung.
Sondern eine kleinere Aufgabe.
Außerdem lohnt sich der Blick auf die fünfte Funktion.
Frust wegnehmen, ohne dass jemand von deinem Lob abhängig wird, ist der schwierigste Teil des ganzen Jobs.
Und schließlich steht das Vormachen ganz hinten und nicht vorn.
Genau umgekehrt bauen die meisten ihren ersten Workshop.
Der ehrliche Haken, und er ist deutlich
Zunächst ging es um Kinder zwischen drei und fünf Jahren und um Holzklötze.
Das ist weit weg von Erwachsenen, die einen Text schreiben.
Außerdem war es eine Beobachtungsstudie und kein Vergleich von Methoden.
Es wurde beschrieben, was gute Helfende tun, nicht bewiesen, dass es besser wirkt.
Drittens geht der Aufsatz von einer helfenden Person und einem Kind aus.
Ein Workshop mit fünfzehn Leuten ist etwas anderes.
Und genau darüber gibt es inzwischen eigene Forschung.
Und schließlich wird der Begriff heute für so ziemlich alles verwendet, was mit Unterstützung zu tun hat.
Das macht ihn bequem und unscharf.
Warum die zufriedenste Gruppe nicht die beste ist
Jetzt zu dem Befund, der jedem Kursleiter unangenehm ist.
Louis Deslauriers und Kolleginnen und Kollegen von der Harvard University veröffentlichten ihn 2019 in den Proceedings of the National Academy of Sciences.
Er trägt den umständlichen Titel Measuring actual learning versus feeling of learning, also: gemessenes Lernen gegen gefühltes Lernen.
Wie die Untersuchung aufgebaut war
Zunächst wurde in großen Physikkursen derselbe Stoff auf zwei Arten unterrichtet.
Einmal aktiv, also mit Aufgaben, die die Studierenden selbst bearbeiteten.
Und einmal als Vorlesung, gehalten von erfahrenen und gut bewerteten Lehrenden.
Die Inhalte und die Unterlagen waren identisch, die Zuteilung erfolgte zufällig.
Und niemand versuchte, die Studierenden von einer Methode zu überzeugen.
Was der Vergleich der Gruppen ergab
Zunächst lernte die aktiv unterrichtete Gruppe messbar mehr.
Gleichzeitig schätzte sie ihren eigenen Lernerfolg niedriger ein als die Gruppe in der Vorlesung.
Beides hing sogar stark gegenläufig zusammen.
Die Autoren ziehen daraus einen unbequemen Schluss: Wer Lehre nach der gefühlten Zufriedenheit bewertet, fördert vielleicht die schlechtere Methode.
Was das für deine Workshops bedeutet
Zunächst ist ein unterhaltsamer Workshop nicht automatisch ein guter.
Denn wer drei Stunden lang zuhört und dabei lacht, geht zufrieden nach Hause und hat nichts geschrieben.
Außerdem erklärt es ein Gefühl, das viele Kursleiter kennen: Der Workshop, in dem sich alle abgemüht haben, fühlt sich hinterher schlechter an als der, in dem du gut unterhalten hast.
Und schließlich heißt es nicht, dass Rückmeldung wertlos ist.
Es heißt nur, dass Zufriedenheit und Wirkung zwei verschiedene Dinge sind.
| Verbreitete Annahme | Was die Untersuchung nahelegt | Was du machst |
|---|---|---|
| Gute Stimmung heißt guter Kurs. | Nicht zwingend. | Auch auf Ergebnisse schauen. |
| Wenn ich gut erkläre, lernen sie. | Selbermachen wirkt stärker. | Weniger reden, mehr Aufgaben. |
| Anstrengung ist ein schlechtes Zeichen. | Oft das Gegenteil. | Stille aushalten. |
| Der Feedbackbogen sagt es mir. | Nur teilweise. | Nach dem Text fragen, nicht nach dem Gefühl. |
| Zufriedenheit ist egal. | Sie ist es nicht. | Beides beachten, nicht verwechseln. |
Die vierte Zeile ist die praktischste Änderung, die du vornehmen kannst.
Denn statt zu fragen, wie es war, kannst du fragen, was jemand mitnimmt.
Und die Antwort auf diese Frage sagt dir deutlich mehr über deinen Workshop.
Der ehrliche Haken, und er ist wichtig
Zunächst ging es um Physikkurse an einer Universität und um zwei Themen.
Außerdem waren es kurze Einheiten und keine ganzen Semester.
Drittens wurde mit einem Wissenstest gemessen.
Bei einem Schreibworkshop gibt es so einen Test nicht.
Und das macht die Übertragung heikel.
Und schließlich betonen die Autoren selbst, dass ihr Befund nicht heißt, Lernende mögen aktives Arbeiten nicht.
Viele gewöhnen sich daran, sobald sie merken, dass es wirkt.
Drei Stunden, aufgeteilt
Damit du nicht mit einem leeren Ablaufplan dasitzt, hier ein vollständiger Vorschlag.
Drei Stunden mit einer Pause, für eine Gruppe von etwa zwölf Personen.
Warum du für einen Workshop weniger planen solltest
Jede Übung dauert nämlich länger als gedacht.
Und zwar zuverlässig.
Außerdem entstehen genau in den ungeplanten Minuten die Gespräche, wegen derer Leute wiederkommen.
Wer seinen Plan durchzieht, hetzt die Gruppe durch das, was gerade wichtig wäre.
Und ein Workshop, der eine Übung zu wenig hatte, ist immer besser als einer, der eine zu viel hatte.
Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Wer vor dir sitzt und was das ändert
Ein Workshop ist nämlich kein Format, sondern fünf verschiedene.
Workshops mit Schulklassen
Zunächst die häufigste Anfrage und gleichzeitig die schwierigste Gruppe.
Denn niemand ist freiwillig da.
Und das ändert alles.
Rechne mit einer Gruppe, in der drei Leute schreiben wollen, fünf mitmachen und der Rest abwartet.
Der Erfolg misst sich hier nicht an guten Texten.
Sondern daran, dass niemand den Nachmittag als verlorene Zeit erlebt.
Kurse mit Erwachsenen in der Volkshochschule
Zunächst sind alle freiwillig da und haben dafür bezahlt.
Das macht es leichter und bringt eine andere Schwierigkeit mit: Manche kommen mit einem fertigen Bild davon, was gute Texte sind.
Außerdem sitzen dort oft Leute, die seit Jahren schreiben und noch nie jemandem etwas gezeigt haben.
Für die ist das Vorlesen zu zweit der eigentliche Moment des Tages.
Die drei anderen Fälle
Zunächst Jugendgruppen außerhalb der Schule, die freiwillig kommen und deshalb deutlich leichter sind als Klassen.
Außerdem Firmen, bei denen du meistens nicht Schreiben unterrichtest, sondern Auftreten.
Drittens Bibliotheken und Kulturhäuser, wo die Gruppen gemischt sind und du das Niveau erst im Raum erfährst.
Und für alle gilt dasselbe: Frag vorher, wer kommt, wie viele und ob sie freiwillig da sind.
Das ist die einzige Angabe, die deinen Plan wirklich verändert. Alles andere kannst du im Raum anpassen.
Bei unfreiwilligen Gruppen brauchst du kürzere Übungen, mehr Bewegung und die Bereitschaft, den halben Plan wegzuwerfen. Wer das erst vor Ort merkt, hat einen langen Nachmittag.
Honorar, Absprachen und was schiefgeht
Sobald du Workshops gegen Honorar gibst, berührst du Fragen zur Selbstständigkeit, zur Rechnungsstellung, zur Umsatzsteuer und möglicherweise zur Künstlersozialkasse. Bei Arbeit mit Minderjährigen kommen je nach Träger weitere Anforderungen dazu, etwa ein erweitertes Führungszeugnis.
Klär das vorher mit einer Steuerberatung und mit dem Träger. Was hier steht, ist eine grobe Orientierung.
Trotzdem lohnen sich drei praktische Gewohnheiten.
Vorher schriftlich festhalten
Also wie lange, wie viele Personen, welcher Raum, welches Material.
Außerdem, ob eine Lehrkraft im Raum bleibt, was bei Schulklassen einen enormen Unterschied macht.
Drittens, wann und wie du bezahlt wirst.
Eine kurze Mail genügt.
Sie verhindert das meiste.
Den Kursraum vorher kennen
Frag außerdem nach, ob die Stühle beweglich sind.
Denn ein Raum mit festen Tischreihen macht die Hälfte der Übungen unmöglich.
Außerdem brauchst du eine Wand oder eine Tafel, an die du ein Wort schreiben kannst.
Und Papier und Stifte bringst du selbst mit, immer.
Zehn Fehler beim Workshopgeben
Fünf beim Planen, fünf im Raum.
Fünf Fehler beim Planen
Fehler 1: Zu viel vorbereiten
Fehler 2: Nicht fragen, ob die Teilnahme freiwillig ist
Fehler 3: Mit einem Vortrag über Poetry Slam anfangen
Fehler 4: Vorlesen zur Pflicht machen
Fehler 5: Den Raum nicht kennen
Denn einen guten Poetry-Slam-Workshop geben heißt vor allem, sich selbst zurückzunehmen.
Fünf Fehler im Raum
Fehler 6: Zu viel reden
Fehler 7: Stille füllen
Fehler 8: Eigene Texte vorlesen
Fehler 9: Ergebnisse bewerten
Fehler 10: Nach dem Gefühl fragen statt nach dem Ergebnis
Sechs Schritte bis zum ersten Termin
Das reicht von der Anfrage bis zu einem Plan, der trägt.
Drei Schritte vor der Zusage
Schritt 1 – Die vier Fragen stellen
Schritt 2 – Den Raum klären
Schritt 3 – Honorar und Ablauf schriftlich
Drei Schritte zum Plan
Schritt 4 – Drei Übungen auswählen
Schritt 5 – Eine davon streichen
Schritt 6 – Die Zusage aufschreiben
Denn Schritt sechs entscheidet über die Stimmung der nächsten drei Stunden.
Die Abnahme
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Der Workshop, in dem ich zu gut war
Mein erster Workshop lief hervorragend, allerdings vor allem für mich.
Es war eine neunte Klasse, ein Freitagnachmittag.
Und ich hatte Angst vor der Langeweile im Raum.
Also habe ich getan, was ich konnte: unterhalten.
Was am Ende dabei herauskam
Am Ende hatten zwei Schülerinnen etwas geschrieben.
Der Rest hatte drei Stunden lang zugesehen, wie ein Erwachsener seine Sache vorführt.
Die Lehrerin bedankte sich herzlich und sagte, die Klasse sei selten so aufmerksam gewesen.
Das habe ich damals als Lob verstanden.
Was ich beim zweiten Mal anders gemacht habe
Zunächst habe ich nach zehn Minuten die erste Übung gestartet.
Außerdem habe ich keinen einzigen eigenen Text vorgelesen.
Die Stimmung war deutlich zäher.
Und es gab Phasen, in denen niemand etwas sagte.
Am Ende hatten elf von neunzehn etwas auf dem Blatt, und vier haben freiwillig vorgelesen.
„Der erste Workshop hat sich besser angefühlt und der zweite hat mehr bewirkt. Ich habe zwei Jahre gebraucht, um diesem Satz zu glauben.“Meine Notiz danach — und der Grund für Ebene 19
Wie ich meine Workshops heute aufbaue
Inzwischen lese ich höchstens einen eigenen Text vor.
Und zwar am Anfang.
Außerdem plane ich ein Drittel weniger, als ich für machbar halte.
Und wenn es im Raum still wird, zähle ich innerlich bis zwanzig, bevor ich irgendetwas sage.
Meistens redet vorher jemand anders.
Das ist der ganze Trick.
Was Methodik nicht ersetzt
Ein gutes Gerüst hilft anderen immerhin beim Bauen.
Was sie bauen sollen, musst du selbst kennen.
Warum das Handwerk hier doppelt zählt
Auf der Bühne brauchst du dein Können nämlich für einen einzigen Text.
Im Workshop brauchst du es für fünfzehn fremde, die du nicht geschrieben hast.
Und du musst in Sekunden erkennen, woran es bei jedem einzelnen liegt.
Kurz gesagt: Unterrichten verlangt mehr Können als Auftreten, nicht weniger.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also das, was du brauchst, um bei einem fremden Text in dreißig Sekunden zu sehen, wo die Stelle ist.
Den Ablauf baust du an einem Abend. Das Urteil dahinter baust du dein Leben lang.
Erst stützen, dann loslassen. Weniger reden. Und Stille aushalten.
Übrigens hat mir zwei Jahre nach jenem zweiten Workshop jemand geschrieben.
Eine der elf, die damals etwas auf dem Blatt hatte, stand inzwischen selbst auf einer offenen Liste.
Von der Klasse aus dem ersten Workshop habe ich nie wieder gehört.
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Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
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