Pause vom Slam: Wenn du eine Weile nicht mehr willst

Pause vom Slam: Wenn du eine Weile nicht mehr willst
MAI 2005 · MITTEN IN DEN DREHARBEITEN
Der erfolgreichste Komiker seines Landes verließ das Studio und stieg in ein Flugzeug.

Seine Sketchshow war die meistverkaufte Fernsehserie auf DVD. Über eine Million Stück allein in der ersten Woche.

Der Sender hatte ihm für zwei weitere Staffeln fünfzig Millionen Dollar geboten.

Die dritte Staffel wurde gerade gedreht.

Dann flog er nach Südafrika, und die Produktion stand still.

Er sagte später, er habe bei der Arbeit kein gutes Gefühl mehr gehabt. Anders als früher.

Dann passierte, was fast immer passiert, wenn jemand ohne Erklärung verschwindet. Die anderen lieferten die Erklärung nach.

Es hieß, er sei drogenabhängig. Es hieß, er sei in einer psychiatrischen Einrichtung.

Beides stellte sich als falsch heraus.

Tatsächlich ging es um künstlerische Kontrolle, um enormen Druck und um eine Richtung, die ihm nicht mehr gefiel.

Jahre später erzählte er in einem Interview davon. Seine Freunde hätten ihn getröstet: Er habe wenigstens seine Integrität behalten. Davon, fügte er trocken hinzu, könne er den Kindern keine Brote schmieren.

Der Mann heißt Dave Chappelle. Bis auf einen einzelnen Auftritt 2007 kehrte er erst 2017 zur Stand-up-Comedy zurück.

Zwölf Jahre Pause. Danach vier neue Specials und mehr Geld, als der alte Vertrag jemals wert war.

Pause vom Slam

Niemand redet darüber, dass man manchmal einfach nicht mehr will.

Denn wer aufhört, gilt in der Szene schnell als gescheitert.

Deshalb hören die meisten nicht auf, sondern verschwinden langsam.

Und genau das ist der Weg, von dem man selten zurückkommt.

Aufhören ist kein Scheitern, sondern manchmal Selbstschutz. So legst du eine Pause ein, ohne dich für immer zu verabschieden.

Warum eine Pause vom Slam so schwerfällt

Es liegt nur selten an der Bühne.

Es liegt vielmehr daran, dass eine Pause nach einer Entscheidung aussieht.

Wer sagt, dass er ein halbes Jahr aussetzt, hat etwas erklärt.

Und muss es anschließend begründen.

Wer dagegen einfach seltener kommt, muss gar nichts sagen.

Deshalb wählen die meisten diesen Weg.

Eine angekündigte Pause hat ein Ende. Ein langsames Verschwinden hat keines.
Pause vom Slam: die leere Bühne nach dem Abend
Die Bühne bleibt stehen. Auch wenn du ein halbes Jahr nicht kommst.

Was in diesem Beitrag zur Pause steht

Wie du eine Pause vom Slam machst, aus der eine Rückkehr möglich bleibt.

Du bekommst vier Gründe, ein Pausenblatt, acht Kniffe und einen ehrlichen Umgang mit dem Gerede.

Dazu ein Befund darüber, was mit Menschen passiert, die tatsächlich etwas aufgeben.

Zum Mitmachen gibt es zehn Übungen und zwei deutsche Videos.

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PUNKT 07

Vier Gründe, aus denen Menschen aussteigen

Nicht jeder braucht dieselbe Pause

Zunächst die Unterscheidung, denn Pause ist nicht gleich Pause.

GRUND 1Die Erschöpfung
Es ist schlicht zu viel geworden
Zu viele Abende, zu viele Fahrten, zu wenig Schlaf. Der Auslöser liegt hier in der Menge und nicht im Inhalt.
Dagegen hilft eine kurze Pause. Sechs bis acht Wochen reichen oft.
GRUND 2Die Leere
Es kommt nichts Neues mehr
Du trittst mit denselben drei Texten auf und hast seit Monaten nichts geschrieben, das dich selbst interessiert.
Hier hilft allerdings keine Erholung, sondern neues Material.
GRUND 3Der Ärger
Die Szene stört dich mehr als die Bühne
Wertungen, Cliquen, Veranstalter, Tonfall. Bei Chappelle ging es genau darum: nicht um die Arbeit, sondern um die Umstände.
Dagegen hilft ein Formatwechsel meistens mehr als eine Pause.
GRUND 4Das Leben
Es ist gerade kein Platz dafür
Umzug, Kind, Krankheit in der Familie, neue Stelle. Der häufigste Grund überhaupt und zugleich der undramatischste.
Hier hilft nur eine ehrliche Ansage an dich selbst.

Warum der Grund über die Dauer der Pause entscheidet

Die Unterscheidung ist deshalb wichtig, weil sie über die Dauer entscheidet.

Denn wer erschöpft ist, braucht Wochen.

Wer leer ist, braucht dagegen Material.

Und wer sich über die Szene ärgert, kommt mit einer Pause meistens gar nicht weiter.

Der Unterschied zwischen Verschwinden und Pausieren

Das langsame Verschwinden
Nichts wird ausgesprochen.
Jede Absage einzeln begründet.
Kein Enddatum.
Schlechtes Gewissen bei jedem Slam.
Rückkehr fühlt sich peinlich an.
Die angekündigte Pause
Einmal gesagt, danach Ruhe.
Eine Ansage für alle.
Ein Datum im Kalender.
Kein Gewissen, es ist ja abgesprochen.
Rückkehr ist einfach ein Termin.

Die letzte Zeile ist übrigens der eigentliche Unterschied.

Denn eine Rückkehr aus einer angekündigten Pause ist unauffällig.

Eine Rückkehr nach zwei Jahren Verschwinden fühlt sich dagegen an, als müsste man sich rechtfertigen.

Und genau dieses Gefühl hält viele endgültig fern.

Was ist der wichtigste Vorteil einer angekündigten Pause?
Auflösung
Das Enddatum. Was mit Menschen passiert, die tatsächlich aufgeben, steht in Punkt 15.
Aufhören auf Zeit ist etwas völlig anderes als leise verschwinden.
CLIP 1Auszeit nehmen — aber richtig
Über Erschöpfung, Auszeiten und die Frage, wie man sie so anlegt, dass sie etwas bringt.
PUNKT 11

Der Griff: das Datum vor der Pause

Ein Tag im Kalender, sonst nichts

Jetzt der Handgriff, und er ist erstaunlich klein.

Der Griff
Leg das Rückkehrdatum fest, bevor die Pause anfängt.

Gemeint ist nicht der Tag, an dem du wieder auftrittst. Sondern der Tag, an dem du dich fragst, wie es weitergeht.

Zum Beispiel: Am ersten Sonntag im Oktober schaue ich, ob ich wieder Lust habe.

Das ist keine Verpflichtung zur Rückkehr. Es ist lediglich eine Verabredung mit dir selbst, dass die Frage überhaupt noch einmal gestellt wird.

Denn ohne dieses Datum stellt sie sich nie wieder.

Pause vom Slam: die Zeit ohne Auftritte
Eine Pause mit Datum ist ein Zeitraum. Ohne Datum ist sie ein Zustand.

Warum das Datum in der Pause so viel verändert

Denn es teilt die Entscheidung auf.

Ohne Datum entscheidest du jeden Tag neu, ob du wieder anfängst.

Und diese Entscheidung fällt an jedem einzelnen Tag negativ aus.

Mit Datum entscheidest du dagegen genau einmal, nämlich im Oktober.

Bis dahin darfst du guten Gewissens nichts tun.

Und genau dieses gute Gewissen ist der Unterschied zwischen Erholung und schlechtem Gefühl.

Der Zusatz, der noch mehr bringt

Schreib außerdem auf, warum du pausierst.

Und zwar in einem Satz, an dem Tag, an dem du es entscheidest.

Denn im Oktober erinnerst du dich zwar an das Gefühl, allerdings nicht mehr an den Grund.

Wer den Grund nachlesen kann, merkt oft, dass er längst weggefallen ist.

ÜBUNG 01Dein Datum
Leg den Tag fest, an dem du die Frage neu stellst.
PUNKT 15

Was mit Menschen passiert, die aufhören

Zwanzigtausend Münzwürfe

Jetzt allerdings ein Befund, der ziemlich unerwartet ausfällt.

Steven Levitt, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Chicago, stellte 2013 eine Website ins Netz.

Dort konnten Menschen, die sich bei einer Entscheidung nicht festlegen konnten, eine Münze werfen lassen.

Wie der Versuch zum Aufhören ablief

Kopf bedeutete Veränderung, Zahl bedeutete alles beim Alten lassen.

Die Fragen kamen von den Teilnehmenden selbst.

Soll ich kündigen?

Soll ich mich trennen?

Soll ich mir ein Tattoo stechen lassen?

Über zwanzigtausend Münzen wurden geworfen.

Danach fragte Levitt zweimal nach, nämlich nach zwei und nach sechs Monaten.

Zusätzlich befragte er jeweils eine nahestehende Person.

Pause vom Slam: die Zeit dazwischen
Wer unsicher ist, entscheidet sich zu selten für die Veränderung.

Was dabei herauskam

Wer Kopf bekam, veränderte tatsächlich häufiger etwas.

Und diese Menschen waren nach sechs Monaten deutlich glücklicher als die, denen die Münze zum Bleiben geraten hatte.

Levitts eigene Schlussfolgerung fällt deutlich aus.

Die Gesellschaft lehre, dass Aufgeber nie gewinnen.

Seine Daten legten dagegen nahe, dass allen mehr Aufgeben gutgetan hätte.

Bemerkenswert ist außerdem der Zeitverlauf.

Nach zwei Monaten überwog noch die Neigung, alles beim Alten zu lassen.

Erst nach sechs Monaten verschwand sie.

Wer unsicher ist, ob er aufhören soll, entscheidet sich systematisch zu selten dafür.
nach Levitt
Pause vom Slam: das Heft auf dem Regal
Weglegen ist keine Entsorgung. Es ist eine andere Ablage.
PUNKT 19

Warum du den Befund trotzdem nicht überdehnen darfst

Vier ehrliche Einschränkungen

Jetzt allerdings die Einschränkungen, und sie sind erheblich.

Wer bei dem Versuch überhaupt mitgemacht hat

Es waren Menschen, die freiwillig auf eine Website gingen, um eine Münze werfen zu lassen.

Das ist keine zufällige Auswahl der Bevölkerung.

Außerdem waren es ausdrücklich Unentschiedene.

Über Menschen mit einer klaren Neigung sagt die Untersuchung nichts.

Und das Glück wurde selbst berichtet, wenn auch von einer zweiten Person bestätigt.

Was der Befund zeigtWas er nicht zeigtFür dich heißt das
Unentschiedene sind zu vorsichtigdass Aufhören immer gut istnur bei echter Unsicherheit
Nach sechs Monaten glücklicherwie es nach drei Jahren aussiehtkurzfristig belegt
Veränderung schlägt Stillstandwelche Veränderung genauPause ist auch Veränderung
Große Stichprobeeine zufällige Stichprobevorsichtig übertragen

Die dritte Zeile ist für dich die entscheidende.

Denn Levitts Teilnehmende standen vor einem endgültigen Schritt.

Eine Pause ist dagegen die kleinere Version davon.

Sie hat denselben Effekt der Veränderung, aber ohne die Endgültigkeit.

Das ist die praktisch nützlichste Lesart des ganzen Befundes.

Der Kniff, der daraus folgt
Wenn du seit Wochen unschlüssig bist, ob du pausieren sollst, ist die Unschlüssigkeit selbst schon die Antwort.

Denn nach Levitt entscheiden sich Unentschiedene systematisch zu selten für die Veränderung.

Das heißt nicht, dass du aufhören musst. Es heißt, dass dein Zögern kein neutraler Zustand ist, sondern eine Schlagseite hat.

Mach die Pause kurz und angekündigt. Damit bekommst du die Veränderung, ohne die Entscheidung endgültig zu treffen.
PUNKT 23

Was die anderen erzählen werden

Und warum du das aushalten musst

Ein Punkt, den kein Ratgeber erwähnt und den jeder erlebt.

Die Lücke deiner Pause wird gefüllt

Bei Chappelle hieß es, er sei drogenabhängig und in einer Klinik.

Beides war falsch.

Bei dir wird es kleiner ausfallen und nach demselben Muster laufen.

Es wird heißen, du hättest keine Texte mehr.

Oder du seist beleidigt wegen einer Wertung.

Denn Menschen ertragen unerklärte Abwesenheit schlecht und liefern die Erklärung selbst nach.

Pause vom Slam: die Bühne ohne dich
Die Lücke füllt sich von selbst. Besser, du füllst sie zuerst.

Was dagegen hilft

Eine einzige Ansage, einmal ausgesprochen.

Also nicht fünfzehn Einzelabsagen mit fünfzehn Begründungen.

Sondern ein Satz an die zwei, drei Menschen, die es weitererzählen.

Etwa: Ich mache bis Oktober Pause, mir ist gerade zu viel.

Damit ist die Lücke gefüllt, und zwar von dir.

Was nicht hilft

Sich zu rechtfertigen.

Denn wer erklärt, warum die Pause berechtigt ist, behandelt sie als etwas, das der Rechtfertigung bedarf.

Und damit gibt er den anderen ein Stimmrecht in einer Sache, die niemanden etwas angeht.

Eine Pause ist eine Mitteilung.

Sie ist kein Antrag.

ÜBUNG 02Deine Ansage
Formulier den einen Satz, mit dem du es mitteilst.
PUNKT 30

Die Pause, die keine ist

Wenn du nur das Format wechselst

Ein Ausweg, den kaum jemand in Betracht zieht.

Warum ein Wechsel oft besser wirkt

Nach Punkt 07 liegt bei vielen der Grund im Betrieb und nicht im Auftreten selbst.

Wer sich über Wertungen ärgert, ärgert sich nicht über die Bühne.

Sondern über einen Wettbewerb.

Und Wettbewerb ist nur eine von mehreren Formen, vor Menschen zu sprechen.

Deshalb lohnt es sich, vor der Pause einmal zu prüfen, ob nicht ein Formatwechsel reicht.

Vier Alternativen zum Slam

Erstens die Lesebühne.

Dort gibt es keine Punkte, längere Texte und ein festes Ensemble.

Zweitens Lesungen in Buchhandlungen oder Bibliotheken.

Ruhiger, älteres Publikum, kein Zeitdruck.

Drittens kleine Bühnen ohne Wettbewerb, etwa Kleinkunstabende oder Vorprogramme.

Und viertens Auftritte ganz außerhalb der Szene.

Vereinsfeste, Schulen, Altenheime, Firmenabende.

Manchmal ist nicht das Sprechen zu viel geworden, sondern das Bewertetwerden.

Woran du merkst, welche Variante passt

Stell dir vor, du stündest morgen ohne Wertung auf einer Bühne.

Wenn sich das gut anfühlt, brauchst du keine Pause, sondern ein anderes Format.

Wenn sich auch das nach Anstrengung anfühlt, dann geht es tatsächlich um Erschöpfung.

Diese eine Vorstellung ersetzt monatelanges Grübeln.

ÜBUNG 11Dein Gedankenversuch
Stell dir den Auftritt ohne Wertung vor.
PUNKT 27

Sechs Fragen fürs Pausenblatt

Am Tag der Entscheidung

Auszufüllen an dem Tag, an dem du dich entscheidest.

Pausenblatt · sechs Fragen
Frage 1
Welcher der vier Gründe trifft zu?
Nach Punkt 07 entscheidet der Grund über die Dauer. Erschöpfung braucht Wochen, Leere braucht Material.
Frage 2
Wann stelle ich die Frage neu?
Der Griff aus Punkt 11. Ein Datum, kein Zeitraum und kein Gefühl.
Frage 3
Was genau pausiert eigentlich?
Nur die Auftritte? Oder auch das Schreiben? Die meisten pausieren mehr, als sie wollten.
Frage 4
Wem sage ich es?
Nach Punkt 23 zwei oder drei Menschen. Das reicht vollkommen.
Frage 5
Was mache ich mit der frei gewordenen Zeit?
Die unterschätzte Frage. Wer nichts an die Stelle setzt, vermisst die Bühne mehr, als ihm lieb ist.
Frage 6
Woran merke ich, dass es keine Pause mehr ist?
Der ehrlichste Punkt. Manchmal wird aus einer Pause ein Ende, und das ist völlig in Ordnung.
Eine Regel dazu: Füll das am Tag der Entscheidung aus und leg es weg. Wer es später schreibt, schreibt eine Rechtfertigung.

Warum Frage sechs dazugehört

Denn nicht jede Pause endet mit einer Rückkehr.

Manchmal stellt man im Oktober fest, dass einem nichts fehlt.

Das ist kein Scheitern, sondern eine Auskunft.

Und zwar eine, die man nur bekommt, wenn man tatsächlich pausiert hat.

Wer dagegen nie aufhört, erfährt nie, ob er noch will oder nur noch weitermacht.

ÜBUNG 03Deine Zeit
Leg fest, was an die Stelle der Auftritte tritt.
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31 Beiträge

Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.

Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.

PUNKT 31

Acht Kniffe für eine gute Pause

Zwei davon klingen widersinnig

Jetzt endlich das Praktische, sortiert nach Aufwand.

Kniff 1: Zuhörer bleiben

Geh weiter zu Slams, nur eben ohne dich anzumelden.

Das ist der wichtigste Kniff überhaupt und der am seltensten befolgte.

Denn wer ganz wegbleibt, verliert die Leute.

Und die Leute sind der Grund, aus dem man zurückkommt.

Außerdem merkst du im Publikum ziemlich schnell, ob dir die Bühne fehlt oder nicht.

Kniff 2: Die Texte nicht wegwerfen

Leg alles zusammen an einen Ort und rühr es nicht an.

Wer in einer Erschöpfungsphase aufräumt, wirft Dinge weg, die er später vermisst.

Ein Ordner, eine Kiste, ein Regalfach reicht.

Und zwar an einem Ort, an dem du nicht täglich vorbeigehst.

Sonst wird die Kiste zum Vorwurf.

Kniff 3: Eine Sache behalten

Such dir einen kleinen Teil aus, der weiterläuft.

Zum Beispiel zehn Minuten Schreiben am Sonntag.

Ohne Ziel, ohne Bühne, ohne Zweck.

Denn eine vollständige Pause von allem macht die Rückkehr enorm schwer.

Eine kleine offene Tür genügt, damit der Weg zurück nicht bei null anfängt.

Kniff 4: Widersinnig, aber wirksam – sag zu, was du nicht musst

Nimm während der Pause genau einen Auftritt an, der dir völlig egal ist.

Also eine Lesung im Altenheim, ein Geburtstag, ein Vereinsabend.

Das klingt wie das Gegenteil einer Pause und wirkt hervorragend.

Denn dort gibt es keine Wertung, keine Szene und keinen Vergleich.

Viele merken genau dort, dass ihnen nicht das Auftreten zu viel geworden ist, sondern der Betrieb drumherum.

Pause vom Slam: der Abend im Publikum
Im Publikum sitzen ist die halbe Antwort auf die Frage, ob es fehlt.

Kniff 5: Noch widersinniger – die Absage im Voraus

Schreib den Veranstaltern, bei denen du regelmäßig warst, einmal aktiv.

Nicht auf eine Anfrage hin, sondern vorher.

Ein Satz reicht: Ich mache bis Oktober Pause, danach melde ich mich.

Das fühlt sich unnötig an und hat einen großen Effekt.

Denn du bleibst auf der Liste, statt stillschweigend davon zu verschwinden.

Pause vom Slam: das Heft auf dem Regal
Weglegen statt wegwerfen. Das ist der ganze Unterschied.

Kniff 6: Kein Bilanzieren während der Pause

Rechne in dieser Zeit nichts aus.

Also keine Auftrittszahlen, keine Vergleiche mit dem Vorjahr und keine Überlegungen, was du versäumst.

Denn eine Bilanz mitten in einer Erholungsphase fällt immer schlecht aus.

Die Zahlen laufen dir nicht weg.

Im Oktober kannst du sie immer noch anschauen.

Kniff 7: Andere Bühnen anschauen

Geh in dieser Zeit zu Formaten, bei denen du sonst nie bist.

Lesebühne, Kabarett, Konzert, Improtheater.

Das ist keine Weiterbildung, sondern Auffüllen.

Denn nach Punkt 07 steckt hinter vielen Pausen schlicht Leere.

Und Leere füllt man nicht durch Ruhe, sondern durch Zusehen.

Kniff 8: Der Rückkehrtext steht vorher fest

Entscheide schon jetzt, mit welchem Text du zurückkommst.

Am besten ein alter, der zuverlässig funktioniert.

Denn die häufigste Ursache für eine gescheiterte Rückkehr ist, dass jemand mit einem neuen Text zurückwill und deshalb immer weiter wartet.

Der neue Text kommt beim zweiten Auftritt.

Nicht beim ersten.

Sechs Kniffe kosten Minuten. Kniff vier und fünf kosten Überwindung und entscheiden über die Rückkehr.
ÜBUNG 04Deine drei Kniffe
Such dir drei aus und setz sie in der ersten Woche um.
CLIP 2Durchhalten oder aufgeben?
Wie man die Entscheidung zwischen Weitermachen und Loslassen sortiert.
PUNKT 35

Die Rückkehr

Der erste Abend danach

Jetzt der Teil, um den es eigentlich geht.

Was du bei der Rückkehr erwartest

Dass es sich fremd anfühlt und alle Fragen stellen.

Beides trifft in aller Regel nicht ein.

Denn die Szene hat in deiner Abwesenheit nicht an dich gedacht.

Das klingt hart und ist die beste Nachricht des ganzen Beitrags.

Die meisten Leute registrieren gar nicht, wie lange jemand weg war.

Was nach der Pause tatsächlich passiert

Jemand sagt: Lange nicht gesehen.

Und danach geht der Abend weiter.

Auf der Bühne fehlt dir dann etwa dreißig Sekunden lang die Routine.

Anschließend ist sie wieder da, weil Bühnenroutine erstaunlich haltbar ist.

Was tatsächlich schwerer wird, ist nicht der Auftritt, sondern die Anmeldung davor.

Wie du dir den ersten Abend leicht machst

Erstens: der alte Text aus Punkt 31.

Zweitens eine Bühne, auf der du früher oft warst.

Also keine neue Stadt und kein Wettbewerb.

Drittens jemand aus deinem Umfeld im Publikum, der weiß, dass es der erste Abend nach der Pause ist.

Und viertens keine Erwartung an das Ergebnis.

Es geht darum, dagewesen zu sein.

Wo dieser Beitrag aufhört
Hier geht es um Erschöpfung von einem Hobby und um die Frage, wie man es eine Weile ruhen lässt.

Wenn dir dagegen alles schwerfällt, wenn du dich auch von anderen Dingen zurückziehst, die dir früher wichtig waren, oder wenn die Lustlosigkeit über Wochen bleibt und sich auf den Alltag legt, dann ist das kein Bühnenthema mehr.

Dann ist ein Gespräch mit jemandem, der zuhört, wichtiger als jeder Kniff aus diesem Beitrag. Eine Hausärztin oder eine Beratungsstelle ist dafür ein guter erster Schritt.
PUNKT 38

Zehn Fehler bei der Pause

Fünf am Anfang, fünf unterwegs

Fünf Fehler zu Beginn

Fehler 1: Nichts sagen
Nach Punkt 23 füllen andere die Lücke mit eigenen Erklärungen. Ein Satz verhindert das.
Fehler 2: Kein Datum setzen
Der Griff aus Punkt 11. Ohne Datum wird aus dem Zeitraum ein Zustand.
Fehler 3: Sich rechtfertigen
Eine Pause ist eine Mitteilung und kein Antrag, über den jemand entscheidet.
Fehler 4: Alles auf einmal pausieren
Nach Punkt 31 lohnt eine kleine offene Tür. Zehn Minuten Schreiben am Sonntag reichen.
Fehler 5: Aufräumen und wegwerfen
In einer Erschöpfungsphase wirft man weg, was man später vermisst.

Denn eine Pause vom Slam scheitert selten an der Pause selbst.

Pause vom Slam: der erste Auftritt nach der Rückkehr
Dreißig Sekunden fehlt die Routine. Danach ist sie wieder da.

Fünf Fehler unterwegs

Fehler 6: Ganz wegbleiben
Nach Punkt 31 ist Zuhörerbleiben der wichtigste Kniff. Wer die Leute verliert, kommt selten zurück.
Fehler 7: Während der Pause bilanzieren
Aus Punkt 31. Eine Zwischenbilanz in der Erholungsphase fällt immer schlecht aus.
Fehler 8: Auf den perfekten neuen Text warten
Aus Punkt 31. Der neue Text kommt beim zweiten Auftritt, nicht beim ersten.
Fehler 9: Das Datum verstreichen lassen
Wer im Oktober nicht hinschaut, verlängert die Pause ohne Entscheidung.
Fehler 10: Die Rückkehr groß ankündigen
Nach Punkt 35 hat kaum jemand gemerkt, wie lange du weg warst. Eine Ankündigung erzeugt erst die Aufmerksamkeit, die dich nervös macht.
PUNKT 42

Sechs Schritte für eine Pause mit Rückweg

Drei zu Beginn, drei am Ende

Drei Schritte am Anfang

Schritt 1 – Das Pausenblatt ausfüllen
Aus Punkt 27. Am Tag der Entscheidung, schriftlich.
Schritt 2 – Das Datum eintragen
Aus Punkt 11. In den Kalender, nicht in den Kopf.
Schritt 3 – Zwei Leuten Bescheid sagen
Aus Punkt 23. Ein Satz, keine Begründung, keine Rechtfertigung.

Drei Schritte zum Rückweg

Schritt 4 – Weiter zuschauen gehen
Aus Punkt 31. Ohne Anmeldung, aber mit Anwesenheit.
Schritt 5 – Den Rückkehrtext festlegen
Aus Punkt 31. Ein alter, der zuverlässig funktioniert.
Schritt 6 – Am Datum ehrlich nachschauen
Aus Punkt 27. Und ein Nein an diesem Tag ist auch eine Antwort.
Blatt ausfüllen, Datum eintragen, zwei Leuten Bescheid sagen. Zusammen zwanzig Minuten.
ÜBUNG 05Dein Grund
Ordne deine Lage einem der vier Gründe aus Punkt 07 zu.
ÜBUNG 06Deine offene Tür
Leg die eine kleine Sache fest, die weiterläuft.
ÜBUNG 07Dein Rückkehrtext
Entscheide jetzt, womit du zurückkommst.
ÜBUNG 08Deine Veranstalter
Schreib die Namen auf, denen du kurz Bescheid gibst.
ÜBUNG 09Dein Abend im Publikum
Such dir den nächsten Slam aus, zu dem du als Zuschauer gehst.
ÜBUNG 10Dein nächster Schritt
Zum Schluss die zwei Fragen, die den Unterschied machen.
PUNKT 46

Die Abnahme

Zehn Zeilen

Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.

SÜDAFRIKA

Was aus den zwölf Jahren wurde

Zurück zu dem Mann, der ins Flugzeug stieg.

Chappelle kam nach einigen Wochen aus Afrika zurück, allerdings nicht zur Show.

Er trat in den folgenden Jahren gelegentlich auf, blieb aber weitgehend still und erklärte lange nichts.

Er hat den Vertrag nicht zurückbekommen und die Einnahmen der Serie zunächst nicht gesehen. Die Pause hatte einen Preis.

Was seine Rückkehr nach der Pause zeigt

2017 kam er mit neuen Specials zurück und verdiente damit am Ende mehr als mit dem ursprünglichen Vertrag.

Das ist allerdings nicht die Lehre der Geschichte.

Denn dass eine Pause sich am Ende auszahlt, ist bei ihm ein Sonderfall und bei den meisten Menschen nicht der Normalfall.

Die eigentliche Lehre liegt woanders.

Was du daraus mitnimmst

Er ist gegangen, weil sich die Arbeit falsch anfühlte.

Nicht weil er zu schlecht war, nicht weil er gescheitert war und nicht weil ihn jemand weggeschickt hätte.

Und er hat das ausgehalten, obwohl die halbe Öffentlichkeit sich eine andere Erklärung zurechtlegte.

Genau das ist der schwierige Teil an jeder Pause, und zwar unabhängig von der Größe der Bühne.

„Er hat nicht aufgehört, weil er nicht mehr konnte. Er hat aufgehört, weil er nicht mehr wollte. Das ist ein Grund und keine Ausrede.“
Was von zwölf Jahren Abwesenheit praktisch übrig bleibt

Und der praktische Rest

Die meisten Pausen dauern keine zwölf Jahre, sondern vier Monate.

Und die meisten enden damit, dass jemand an einem Dienstag wieder auf einer Liste steht und niemandem etwas auffällt.

Das ist unspektakulär und genau der Weg, den du willst.

Denn eine gute Pause erkennt man daran, dass die Rückkehr keine Geschichte ist.

WEITERGEHEN

Was eine Pause nicht löst

Eine Pause hilft bei Erschöpfung und bei Ärger.

Bei Leere hilft sie allerdings nicht.

Wer nach vier Monaten Ruhe zurückkommt, hat vier Monate Ruhe gehabt. Nicht mehr und nicht weniger.

Warum Handwerk gegen die Leere hilft

Nach Punkt 07 ist der zweite Grund der schwierigste.

Denn wer immer dieselben drei Texte spielt, ist nicht müde, sondern festgefahren.

Und Festgefahrensein löst sich nicht durch Nichtstun, sondern durch ein neues Mittel.

Kurz gesagt: Erschöpfung braucht Ruhe.

Leere braucht Werkzeug.

Poetry Master
Genau dafür habe ich Poetry Master gebaut.

Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also die Mittel, mit denen aus dem vierten Text etwas anderes wird als aus den ersten drei.

Die Pause trägst du in zwei Minuten in den Kalender ein. Was du am Stichtag vorfindest, entscheidest du vorher.

Ein Datum setzen. Zuhörer bleiben. Und den Rückkehrtext jetzt schon festlegen.
Chappelle war zwölf Jahre weg. Deine vier Monate merkt fast niemand.

Übrigens habe ich selbst einmal fünf Monate pausiert.

Ich habe es niemandem gesagt, kein Datum gesetzt und alles in eine Kiste geräumt.

Danach hat es fast ein Jahr gedauert, bis ich wieder auf einer Liste stand.

Beim zweiten Mal waren es acht Wochen mit Datum.

Die Rückkehr war ein Dienstag, und niemand hat etwas gesagt.

Genau so soll es sein.

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Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch
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Lesebühne statt Wettbewerb
Ein Formatwechsel, der oft besser wirkt als eine Pause.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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