Fangen wir mit dem an, was dich gerade davon abhält.
Du denkst vermutlich, dass dafür Erfahrung nötig ist.
Außerdem Geld, ein Veranstaltungsort und irgendeine Art von Erlaubnis.
Tatsächlich brauchst du davon fast nichts.
Denn alles Weitere ist Ausschmückung, die du später ergänzen kannst.
Und der einzige Teil, den du nicht auslagern kannst, ist das Anfangen.
Dieser Beitrag zeigt dir, wie du einen Slam veranstalten kannst, ohne dich dabei finanziell oder nervlich zu ruinieren.
Also welchen Raum du suchst, wie du an Auftretende kommst und was am Abend selbst in welcher Reihenfolge passiert.
Dazu kommen zwei Untersuchungen: eine darüber, wie Menschenmengen andere anziehen, und eine darüber, warum Fristen wirken.
Außerdem ein Ablaufblatt mit dem kompletten Abend von der Ankunft bis zum Aufräumen.
Zum Mitmachen gibt es sechs Etappen, sieben Holzscheite und vier deutsche Videos.
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Jetzt Kanal folgenWas du wirklich brauchst und was nicht
Räumen wir zuerst die Ausreden weg.
Was Alfred Hitchcock vor Drehbeginn erledigt hatte
Alfred Hitchcock plante seine Filme mit Storyboards bis ins Detail durch.
Die Deutsche Kinemathek beschreibt es so: Die Planung war so minutiös, dass die Dreharbeiten fast zur Nebensache wurden.
Er selbst sagte, vor dem Dreh seien auch die kleinsten Einzelheiten in seinem Kopf bereits fertig.
Manchmal habe er dann das Gefühl, den Film schon gesehen zu haben. Und drehe ihn deshalb gar nicht mehr.
Für einen Abend, den du veranstaltest, gilt dasselbe Prinzip.
Was du vorher entschieden hast, musst du zwischen Türöffnung und erstem Text nicht mehr entscheiden.
Und genau dann fehlt dir die Ruhe dafür.
Die vier Dinge, ohne die es nicht geht
Erstens ein Raum, in dem Leute sitzen und zuhören können.
Zweitens genug Auftretende, also mindestens fünf, besser acht.
Drittens jemand, der moderiert.
Das darfst und solltest du selbst sein.
Und viertens ein Termin, der öffentlich feststeht.
Die sieben Dinge, die du nicht brauchst
Zunächst keine Technik, wenn der Raum klein genug ist.
Außerdem keinen Verein, keine Förderung und kein Startkapital.
Drittens keine Preise, keine Jury-Schulung und keine Website.
Und schließlich keine Erfahrung, weil die genau hier anfängt.
Was das rechtlich bedeutet
Für einen kleinen Abend im Hinterzimmer einer Gaststätte ist meistens der Wirt der Veranstalter.
Sobald du Eintritt nimmst, öffentlich bewirbst oder in einen eigenen Raum gehst, ändert sich das.
Dann können Anmeldepflichten, Versicherungsfragen und Abgaben an Verwertungsgesellschaften ins Spiel kommen.
Kapitel acht geht darauf ein, allerdings nur als Orientierung.
Ich bin dafür nicht die richtige Quelle.
Auflösung anzeigen
Der Griff: nimm den kleinsten Raum, der noch geht
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt genau eine Entscheidung, die über den Abend bestimmt.
Und sie fällt Wochen vorher.
Nicht den schönsten Raum, nicht den mit der besten Technik, nicht den, in dem später mal hundert Leute passen.
Denn ein voller Raum mit dreißig Leuten ist ein Erfolg. Derselbe Abend mit denselben dreißig Leuten in einem Saal für zweihundert ist eine Beerdigung.
Das war es.
Zu klein schlägt zu groß.
Und zwar deutlich.
Warum das mehr ausmacht als alles andere
Zunächst hört ein enger Raum besser, weil Lachen sich gegenseitig ansteckt.
Außerdem trauen sich Auftretende mehr, wenn niemand in leere Reihen spricht.
Drittens bleiben Leute länger, weil ein voller Raum nach Anlass aussieht.
Und schließlich kommen beim nächsten Mal mehr, weil alle erzählen, es sei voll gewesen.
Wie du die Zahl schätzt
Zähl die Leute, die dir fest zugesagt haben.
Dann rechne mit etwa der Hälfte davon plus ein paar Fremden.
Wer beim ersten Mal auf zwanzig Gäste kommt, hat es gut gemacht.
Such also einen Raum für fünfundzwanzig, nicht für achtzig.
Das ist auch völlig in Ordnung. Fast alle Fehler an einem Slam-Abend sind reparabel: Technik lässt sich ersetzen, eine Moderation lässt sich retten, ein schwacher Text ist nach vier Minuten vorbei.
Der Raum ist der einzige Fehler, den du am Abend selbst nicht mehr korrigieren kannst.
Sechs Etappen bis zum ersten Abend
Jetzt wird es konkret.
Sechs Etappen, verteilt auf etwa zwei Monate.
Bei jeder steht, wann sie dran ist, was du tust und wo die Falle liegt.
Die drei Etappen der Vorbereitung
Die drei Etappen kurz davor
Warum ein voller kleiner Raum so viel stärker wirkt
Der Satz aus Kapitel zwei klingt nach Bauchgefühl.
Es gibt dazu allerdings ein Feldexperiment.
Und es ist herrlich albern.
Stanley Milgram, Leonard Bickman und Lawrence Berkowitz veröffentlichten 1969 im Journal of Personality and Social Psychology eine kurze Arbeit über die Anziehungskraft von Menschenmengen.
Sie hat später einen Ig-Nobelpreis bekommen, was ihr sehr gut steht.
Der Versuchsaufbau
Auf einem belebten Gehweg in New York blieben Eingeweihte stehen und schauten sechzig Sekunden lang zu einem Fenster im sechsten Stock hinauf.
Dort war nichts zu sehen.
Die Gruppengröße wurde dabei verändert: eine Person, zwei, drei, fünf, zehn oder fünfzehn.
Danach wurde gefilmt und gezählt, wie viele Vorbeigehende stehen blieben oder ebenfalls hochsahen.
Was dabei herauskam
Insgesamt gingen über eintausendvierhundert Menschen vorbei, verteilt auf dreißig Durchgänge.
Bei einer einzelnen Person blieben vier Prozent der Vorbeigehenden stehen.
Bei fünfzehn Personen waren es vierzig Prozent.
Je größer die Gruppe, desto mehr Leute machten mit.
Was das für deinen Abend bedeutet
Zunächst ist ein voller Raum selbst ein Argument.
Denn wer hereinkommt und sieht, dass viele da sind, schließt daraus, dass hier etwas stattfindet, das sich lohnt.
Außerdem wirkt derselbe Effekt an der Tür, im Vorraum und beim Vorbeigehen.
Deshalb lohnt es sich, den Eingangsbereich nicht abzuschotten.
Sondern sichtbar zu lassen.
| Situation | Was Vorbeigehende sehen | Was sie daraus schließen |
|---|---|---|
| 30 Leute in einem Saal für 200 | Verstreute Grüppchen. | Da ist wohl nichts los. |
| 30 Leute in einem Raum für 35 | Ein voller Raum. | Da ist etwas los. |
| Stühle in Reihen mit Lücken | Leere Plätze. | Ich störe, wenn ich mich setze. |
| Enger Halbkreis ohne Reserve | Kein freier Platz mehr. | Hier will ich dazu. |
| Geschlossene Tür | Nichts. | Keine Information, kein Anlass. |
Die vierte Zeile ist der eigentliche Trick.
Denn wenn du zusätzliche Stühle brauchst und sie sichtbar holst, wird das zum Ereignis.
Also: eher zu wenig hinstellen und im Zweifel nachlegen.
Der ehrliche Haken, und er ist wichtig
Es handelt sich um eine einzelne Feldstudie aus dem Jahr 1969, auf einer Straße in New York.
Gemessen wurde außerdem Stehenbleiben und Hochsehen, nicht der Besuch einer Veranstaltung.
Die Übertragung auf deinen Abend ist eine Analogie und kein Befund.
Und ein Detail relativiert die Sache zusätzlich: Hochsehen kam durchgehend häufiger vor als Stehenbleiben.
Auf Deutsch: Eine Menge erzeugt Aufmerksamkeit sehr leicht und Verbindlichkeit deutlich schwerer.
Die meisten schauen nur kurz und gehen weiter.
Warum du den Termin ankündigst, bevor du fertig bist
Jetzt zur Etappe, an der die meisten Abende scheitern.
Nämlich am Aufschieben, und dagegen gibt es ein erstaunlich klares Ergebnis.
Dan Ariely und Klaus Wertenbroch veröffentlichten 2002 in Psychological Science eine Arbeit über Aufschieberitis und Fristen.
Sie stellten darin drei Fragen.
Die drei Fragen
Erstens: Setzen sich Menschen freiwillig Fristen, die etwas kosten?
Zweitens: Bringen selbst gesetzte Fristen tatsächlich bessere Ergebnisse?
Drittens: Setzen Menschen diese Fristen so, dass es optimal wäre?
Die Antworten lauteten ja, ja und nein.
Was sie gemacht haben
In einem Teil durften Studierende die Abgabetermine für drei Arbeiten selbst festlegen, mit Notenabzug bei Verspätung.
Die meisten legten sie nicht alle auf den letzten möglichen Tag.
Sondern verteilten sie freiwillig über das Semester.
In einem zweiten Teil ging es um Korrekturlesen gegen Bezahlung, mit drei verschiedenen Fristmodellen.
Am besten schnitt die Gruppe mit gleichmäßig verteilten, von außen gesetzten Fristen ab.
Dann kam die Gruppe mit selbst gesetzten.
Am schlechtesten war die Gruppe mit nur einer Frist ganz am Schluss.
Was du daraus für deinen Slam machst
Zunächst: Mach den Termin öffentlich, sobald der Raum steht.
Denn ein angekündigter Abend ist eine Frist, die etwas kostet, nämlich dein Gesicht vor Leuten, denen du es erzählt hast.
Außerdem.
Und das ist der eigentliche Befund: Setz dir Zwischentermine.
Nicht nur den Abend selbst, sondern feste Tage für Raum, Auftretende, Werbung und Ablauf.
Sieben Wochen vorher ist der Termin öffentlich.
Vier Wochen vorher haben fünf Leute zugesagt.
Zwei Wochen vorher ist die Liste voll.
Eine Woche vorher steht der Ablauf schriftlich.
Das ist genau die Struktur, die im Versuch am besten abgeschnitten hat: mehrere verteilte Fristen statt einer großen am Ende.
Der ehrliche Haken, und die Autoren nennen ihn selbst
Die Antwort auf die dritte Frage war nein.
Selbst gesetzte Fristen halfen zwar, waren aber schlechter als gleichmäßig verteilte Vorgaben von außen.
Wer sich also selbst Termine setzt, macht das erfahrungsgemäß zu spät und zu wenig gleichmäßig.
Außerdem ging es um Studierende, Hausarbeiten und Korrekturlesen und nicht um Veranstaltungen.
Der Mechanismus ist übertragbar, die Zahlen sind es nicht.
Der ganze Abend auf einem Blatt
Damit du am Abend nicht überlegen musst, hier der komplette Ablauf.
Von der Ankunft bis zum letzten Stuhl.
Der Ablauf
Etwa vier Stunden insgesamt.
Und davon sind zwei Stunden der eigentliche Abend.
Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Moderieren, ohne dass es peinlich wird
Das ist der Teil, vor dem die meisten am meisten Angst haben.
Und er ist deutlich leichter, als er aussieht.
Deine eigentliche Aufgabe
Du bist nicht der Star des Abends.
Du bist der Mensch, der dafür sorgt, dass alle wissen, was gerade passiert.
Deshalb besteht gute Moderation zu achtzig Prozent aus Ansagen und zu zwanzig Prozent aus allem anderen.
Die vier Sätze, mit denen du die Regeln erklärst
Erstens: Jede Person hat fünf Minuten und darf keine Requisiten benutzen.
Zweitens: Alle Texte sind selbst geschrieben.
Drittens: Fünf Leute aus dem Publikum bilden die Jury und geben Punkte.
Und viertens: Die Punkte sind nicht der Punkt.
Sondern nur der Vorwand, damit alle bis zum Schluss bleiben.
Was du zwischen den Texten sagst
So wenig wie möglich.
Also den Namen, eine Zeile Anmoderation und dann weg vom Mikrofon.
Denn nach einem starken Text ist alles, was du sagst, eine Störung.
Und nach einem schwachen Text hilft ein freundlicher Satz mehr als ein Witz.
Dann sagst du: Das passiert. Und machst weiter.
Zwei Wörter, freundlich gesagt, lösen fast jede Peinlichkeit auf. Was ein Publikum unangenehm findet, ist nicht der Fehler. Es ist die Person vorn, die den Fehler zum Drama macht.
Geld, Genehmigungen und der rechtliche Rahmen
Sobald du öffentlich einlädst, Eintritt nimmst oder Musik abspielst, können Anmeldepflichten, Versicherungsfragen, Abgaben an Verwertungsgesellschaften und steuerliche Fragen entstehen. Das hängt stark vom Ort, vom Raum und von der Größe ab.
Klär das vor der ersten Ausgabe mit einer fachlichen Stelle. Ordnungsämter, Industrie- und Handelskammern, Stadtverwaltungen und Fachanwaltschaften geben dazu Auskunft. Was hier steht, ist eine grobe Orientierung.
Trotzdem lohnt es sich, die Fragen einmal gehört zu haben.
Wer ist eigentlich Veranstalter
Wenn dein Abend im Hinterzimmer einer Gaststätte läuft und der Wirt einlädt, ist meistens er der Veranstalter.
Das ist für den Anfang die einfachste Lösung, weil dann seine Genehmigungen und Versicherungen greifen.
Sobald du selbst einen Raum mietest und Eintritt nimmst, wird die Sache anders.
Sprich das offen an, bevor ihr zusagt.
Wirtinnen und Wirte kennen diese Fragen und beantworten sie meistens in zwei Minuten.
Die Sache mit den Abgaben
Für öffentlich aufgeführte geschützte Werke fallen in Deutschland häufig Abgaben an eine Verwertungsgesellschaft an.
Bei selbst geschriebenen Texten ist die Lage anders als bei Musik aus der Konserve, die zwischendurch läuft.
Genau deshalb ist es ein Unterschied, ob du in der Pause eine Anlage laufen lässt oder nicht.
Frag das vorher ab, nicht hinterher.
Die zuständigen Stellen geben dazu Auskunft, und mein Beitrag ersetzt das nicht.
Was der Abend kostet
Beim ersten Mal im besten Fall gar nichts.
Denn Raum umsonst, keine Technik, keine Gage und keine Preise ergibt eine Summe von null.
Wenn du Eintritt nehmen willst, ist Hutgeld am Ausgang der einfachste Weg.
Und das Geld daraus geht zuerst an die Auftretenden, nicht an dich.
Zehn Fehler beim Slam veranstalten
Fünf in der Vorbereitung, fünf am Abend.
Fünf Fehler in der Vorbereitung
Fehler 1: Zu groß denken
Fehler 2: Den Termin geheim halten, bis alles steht
Fehler 3: Auf Anmeldungen warten statt zu fragen
Fehler 4: Alles allein machen wollen
Fehler 5: Technik einplanen, die du nicht kennst
Denn einen Slam veranstalten scheitert selten an der Technik und fast immer an der Raumgröße.
Fünf Fehler am Abend
Fehler 6: Alle Stühle aufstellen
Fehler 7: Pünktlich anfangen wollen
Fehler 8: Zu viel moderieren
Fehler 9: Die Pause streichen
Fehler 10: Den nächsten Termin nicht nennen
In diesem Moment ist jeder Mensch, der schon einmal etwas veranstaltet hat, felsenfest überzeugt, dass niemand kommt. Und dann kommen sie alle in den letzten zehn Minuten.
Deshalb such dir jemanden, der in diesen zwanzig Minuten neben dir steht. Nicht zum Helfen. Zum Aushalten.
Sechs Schritte für die nächsten zwei Wochen
Das reicht, um von der Idee zum festen Termin zu kommen.
Alles Weitere ergibt sich danach von selbst.
Drei Schritte in dieser Woche
Schritt 1 – Drei Räume aufschreiben
Schritt 2 – Einen davon persönlich fragen
Schritt 3 – Eine zweite Person suchen
Außerdem entscheidet Schritt zwei über alles Weitere.
Drei Schritte in der nächsten Woche
Schritt 4 – Den Termin festlegen
Schritt 5 – Fünf Leute persönlich fragen
Schritt 6 – Die Zwischentermine eintragen
Denn Schritt sechs ist genau das, was im Versuch am besten funktioniert hat.
Deine Feuerprobe
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Der Abend mit neunzehn Leuten
Meine erste eigene Ausgabe fand in einem Vereinsheim statt.
Der Raum fasste hundertzwanzig Personen.
Und ich hatte ihn genommen, weil er umsonst war und weil ich optimistisch bin.
Gekommen sind neunzehn.
Was in der ersten halben Stunde passierte
Alle setzten sich weit auseinander, weil überall Platz war.
Niemand lachte laut, weil man sich selbst dabei hörte.
Und die Auftretenden sprachen leiser, als sie es sonst tun.
Nach zwei Texten war die Stimmung so, wie der Raum aussah.
Was den Abend gerettet hat
In der Pause hat der Hausmeister vorgeschlagen, in den Nebenraum umzuziehen.
Dort standen dreißig Stühle und ein Klavier.
Und es war deutlich zu eng.
Wir haben zwanzig Minuten gebraucht, alles rüberzuräumen.
Und danach war es ein völlig anderer Abend.
„Dieselben Menschen, dieselben Texte, dieselbe Moderation. Der einzige Unterschied war die Zahl der freien Stühle.Meine Notiz danach — und der Grund für Kapitel zwei
Wie es heute läuft
Der Abend findet seit Jahren im Nebenraum statt, nicht im großen Saal.
Wir stellen zweiundzwanzig Stühle auf und legen zwölf an die Wand.
Und wenn wir nachlegen müssen, ist das der beste Moment des Abends.
Der große Saal steht übrigens immer noch leer.
Was ein guter Raum nicht ersetzt
Ein voller Raum sorgt dafür, dass ein Abend trägt.
Ob die Leute wiederkommen, entscheiden allerdings die Texte.
Warum jetzt erst das Handwerk anfängt
Beim ersten Mal stehst du fast sicher selbst mit auf der Bühne.
Denn du brauchst acht Auftretende und hast am Anfang sechs.
Deshalb entscheidet auch dein eigener Text mit darüber, wie der Abend in Erinnerung bleibt.
Kurz gesagt: Den Rahmen baust du in zwei Monaten.
Den Inhalt nicht.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also das, was in den fünf Minuten passieren muss, für die alle die Stühle zusammengerückt haben.
Das Feuer baust du an einem Abend. Was daran erzählt wird, baust du dein Leben lang.
Klein bauen, früh ankündigen, Zwischentermine setzen. Und den nächsten Termin nennen, bevor alle gehen.
Übrigens hat mir eine der neunzehn später erzählt, sie sei wegen des Umzugs in den Nebenraum wiedergekommen.
Nicht wegen der Texte, sondern weil es sich nach etwas angefühlt habe, das gerade entsteht.
Für diesen einen Satz lohnt sich das ganze Stühlerücken.
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Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
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Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
