Firmenevent: Slam zwischen Buffet und Betriebsleitung
Du bist nicht der Abend.
Du bist ein Programmpunkt.
Zwischen der Rede der Geschäftsführung und dem Nachtisch, in einem Saal mit rundem Bestuhlung, hellem Licht und einer Kaffeemaschine, die zischt.
Wer das als kleine Bühne behandelt, geht unter.
Wer es als eigene Disziplin behandelt, wird gebucht.
Und zwar zu Sätzen, für die du sonst zehn Slams spielen müsstest.
Gut bezahlt, schwer zu spielen.
Genau in dieser Reihenfolge.
Fangen wir mit der Zahl an, wegen der du überhaupt hier bist.
Ein Firmenevent zahlt nämlich ein Vielfaches dessen, was ein Slam zahlt.
Und zwar nicht, weil dein Text dort mehr wert ist.
Vielmehr bezahlt ein Firmenevent Planbarkeit, Anfahrt und Ausfallrisiko mit.
Sondern weil du dort eine Dienstleistung erbringst, die sonst eine Eventagentur einkauft.
Das klingt zwar ernüchternd und ist tatsächlich eine Entlastung.
Denn wer diesen Unterschied akzeptiert, spielt entspannter und besser.
Der Künstler, der das Geschäft zur Kunst erklärte
Andy Warhol schrieb 1975 einen Satz, der bis heute Streit auslöst.
Er habe als Werbegrafiker angefangen und wolle als Geschäftskünstler aufhören.
Geld verdienen sei Kunst, arbeiten sei Kunst, und ein gutes Geschäft sei die beste Kunst.
Gemeint war keine Verteidigung der Gier, sondern eine Absage an die Vorstellung, dass Kunst und Auftrag Gegensätze seien.
Für einen Firmenauftritt ist das die passende Haltung.
Du machst dort keine schlechtere Kunst als auf einem Slam. Du machst sie unter anderen Bedingungen und für ein anderes Honorar.
Wer sich dafür schämt, spielt schlechter, als er könnte.
Was in diesem Beitrag steht
Wie ein Firmenevent-Auftritt abläuft und was ihn von jedem Slam unterscheidet.
Also welche Texte tragen, wann im Ablauf du spielen solltest und was du vorher schriftlich brauchst.
Dazu kommen zwei Untersuchungen: eine darüber, was Menschen übersehen, wenn sie mit etwas anderem beschäftigt sind, und eine darüber, warum sich dein Auftritt schlimmer anfühlt, als er war.
Außerdem ein Programmzettel für den ganzen Abend.
Zum Mitmachen gibt es fünf Programmpunkte, sieben Slots und drei deutsche Videos.
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Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
Jetzt Kanal folgenWarum das eine eigene Disziplin ist
Es sieht aus wie ein Auftritt vor Laien.
Das ist es auch.
Aber nicht nur.
Was auf einem Slam für dich arbeitet
Zunächst sind alle wegen der Texte gekommen und wissen, was gleich kommt.
Außerdem trägt die Show dich mit, weil sie schon vor dir angefangen hat.
Außerdem ist der Raum dunkel, die Bühne hell und der Ton eingerichtet.
Drittens sitzen die Leute in Reihen und schauen alle in dieselbe Richtung.
Und schließlich stimmt jemand vorher das Publikum ein, meistens eine Moderation.
Was beim Firmenevent-Auftritt gegen dich arbeitet
Die meisten sind wegen der Kollegen da und nicht wegen dir.
Außerdem ist der Saal hell, weil man sonst das Essen nicht sieht.
Drittens sitzen die Leute an runden Tischen.
Und die Hälfte davon hat dir den Rücken zugedreht.
Und schließlich hat vorher jemand aus der Geschäftsführung geredet, was das Publikum entweder ermüdet oder aufgekratzt hat.
Die letzte Zeile unterschätzen fast alle.
Denn zwanzig Minuten allein sind etwas völlig anderes als fünf Minuten in einer Reihe von acht.
Auf einem Slam trägt dich die Show.
Hier bist du die Show.
Wer für ein Firmenevent nur ein Fünf-Minuten-Set hat, sollte ehrlich absagen.
Auflösung
Der Griff: verhandle den Zeitpunkt, nicht nur die Gage
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt eine Größe, die über den Abend entscheidet, und fast niemand fragt danach.
Vor dem Essen: hungriges, aber waches Publikum. Nach dem Hauptgang: die beste Stelle des Abends. Nach dem Nachtisch und der dritten Runde: verlorener Posten.
Und dann verhandle darüber. Die meisten Veranstalter haben keine feste Meinung dazu und sind froh, wenn jemand eine hat.
Das war es.
Der Zeitpunkt schlägt alles andere.
Die Zeitpunkte für deinen Auftritt im Einzelnen
Zunächst sind vor dem Essen alle wach.
Aber ungeduldig.
Direkt nach dem Hauptgang ist die beste Stelle: satt, sitzend, noch nüchtern genug.
Zwischen zwei Gängen funktioniert nur, wenn es wirklich kurz ist.
Und nach dem offiziellen Teil ist es Glückssache.
Da läuft die Bar.
Was du vor dem Firmenevent außerdem klärst
Zunächst, ob geredet wird, während du spielst, oder ob das Essen ruht.
Außerdem, ob es eine Bühne gibt oder du zwischen den Tischen stehst.
Drittens, wer dich ankündigt und mit welchen Worten.
Und schließlich, ob es Anlässe gibt, die man nicht ansprechen sollte, etwa einen Stellenabbau.
Frag das direkt, es ist keine unhöfliche Frage.
Das Licht bleibt hell, die Tische bleiben rund, die Geschäftsführung redet so lange, wie sie will, und das Buffet hat um acht auf.
Der Zeitpunkt ist die einzige Größe, an der du drehen kannst. Und sie ist zufällig die wichtigste.
Fünf Programmpunkte und was du mit ihnen machst
Jetzt wird es konkret.
Fünf Positionen im Ablauf, sortiert nach Uhrzeit.
Bei jeder steht die Lage, was du machst und warum.
Die zwei späten Slots
Was Menschen übersehen, wenn sie beschäftigt sind
Es gibt eine Untersuchung, die erklärt, warum die Hälfte des Saals deinen besten Moment verpasst.
Daniel Simons und Christopher Chabris veröffentlichten sie 1999 in der Zeitschrift Perception.
Der Titel lautet Gorillas in Our Midst, also: Gorillas mitten unter uns.
Wie der Versuch aufgebaut war
Zunächst sahen die Teilnehmenden ein kurzes Video zweier Basketballmannschaften.
Ihre Aufgabe war, die Pässe einer der beiden Mannschaften zu zählen.
Mitten im Video lief eine Person durchs Bild, in einem Fall im Gorillakostüm.
Danach wurden alle gefragt, ob ihnen etwas Ungewöhnliches aufgefallen sei.
Was der Gorilla-Versuch ergab
Über alle sechzehn Versuchsbedingungen hinweg bemerkten sechsundvierzig Prozent das unerwartete Ereignis nicht.
Das ist fast die Hälfte.
Und zwar bei einer einzigen simplen Zusatzaufgabe.
Bei der leichten Zählaufgabe sahen vierundsechzig Prozent den Eindringling.
Bei der schwierigen nur fünfundvierzig Prozent.
Und ein Detail ist besonders aufschlussreich: Die Frau mit dem Regenschirm wurde deutlich häufiger bemerkt als der Gorilla, weil sie den Spielerinnen ähnlicher sah.
Was das für deinen Auftritt im Saal bedeutet
Zunächst: Wer dich überhört, ist nicht unhöflich, sondern beschäftigt.
Denn Aufmerksamkeit ist keine Frage des guten Willens.
Sondern eine Frage der Kapazität.
Außerdem erklärt es den Wert des richtigen Zeitpunkts aus Punkt 09.
Ein Publikum ohne Teller vor sich hat schlicht mehr übrig.
Und schließlich spricht es dafür, deinen Anfang so zu bauen, dass er auffällt, ohne zu brüllen.
Der Regenschirm wurde bemerkt, weil er ins Bild passte, nicht weil er lauter war.
Der ehrliche Haken, und er ist deutlich
Es ging um Sehen und nicht um Hören.
Außerdem ging es um Menschen, die sich konzentrierten.
In einem Bankettsaal konzentriert sich niemand.
Und das ist streng genommen eine andere Lage.
Drittens hängt das Ergebnis stark von der Aufgabe ab.
Bei der leichten Bedingung sah die Mehrheit den Gorilla.
Und schließlich zeigt der Versuch, dass Leute etwas nicht bemerken.
Er sagt nichts darüber, ob es sie interessiert hätte.
Warum es sich schlimmer anfühlt, als es war
Nach dem ersten Firmenevent fahren die meisten mit einem üblen Gefühl nach Hause.
Man hat jede unaufmerksame Miene gesehen und jeden Teller klappern gehört.
Thomas Gilovich, Victoria Medvec und Kenneth Savitsky haben dazu 2000 im Journal of Personality and Social Psychology etwas veröffentlicht.
Sie nennen es den Rampenlichteffekt.
Wie sie das geprüft haben
In einer der Untersuchungen mussten Studierende ein T-Shirt anziehen, das sie peinlich fanden.
Dann gingen sie in einen Raum, in dem bereits andere saßen und Fragebögen ausfüllten.
Danach sollten sie schätzen, wie viele der Anwesenden sagen könnten, was auf dem Shirt zu sehen war.
In einer weiteren Untersuchung ging es um Gruppengespräche und darum, wie auffällig die eigenen Wortmeldungen den anderen erschienen.
Was dabei herauskam
Zunächst schätzten die Träger, ungefähr die Hälfte werde sich erinnern.
Tatsächlich war es etwa ein Viertel.
Auch bei den Gesprächen überschätzten die Beteiligten deutlich, wie sehr ihre eigenen Beiträge aufgefallen waren.
Die Erklärung der Autoren: Man geht vom eigenen, sehr intensiven Erleben aus und rechnet die fremde Sicht nicht ausreichend gegen.
Was das nach dem Firmenevent bedeutet
Zunächst der tröstliche Teil: Der Abend war fast sicher besser, als er sich angefühlt hat.
Denn du hast den ganzen Saal beobachtet und dabei jede Bewegung registriert.
Die Leute an Tisch neun haben dagegen einen Programmpunkt gesehen, der ganz nett war.
Und danach über etwas anderes geredet.
Und schließlich der unbequeme Teil: Es gilt in beide Richtungen.
Deine beste Zeile ist ebenfalls weniger aufgefallen, als du denkst.
| Was du wahrnimmst | Was wahrscheinlich stimmt | Was du daraus machst |
|---|---|---|
| Alle haben den Hänger bemerkt. | Etwa die Hälfte davon. | Nicht drüber reden, weiterspielen. |
| Der Saal war gegen mich. | Der Saal war beschäftigt. | Nicht persönlich nehmen. |
| Meine beste Zeile kam an. | Weniger als gedacht. | Die gute Zeile ruhig wiederholen. |
| Es lief katastrophal. | Es lief mittel. | Erst am nächsten Tag urteilen. |
| Die buchen mich nie wieder. | Sie fragen oft doch. | Rechnung schreiben, abwarten. |
Die vierte Zeile ist die praktischste Regel des ganzen Beitrags.
Denn direkt nach einem Firmenevent taugt dein Urteil nichts.
Am nächsten Vormittag sieht derselbe Abend erstaunlich anders aus.
Der ehrliche Haken, und er ist wichtig
Es ging um Studierende, T-Shirts und kurze Gespräche im Labor.
Ein zwanzigminütiger Auftritt vor zweihundert Leuten ist etwas anderes.
Außerdem stammen die Zahlen aus einzelnen Untersuchungen.
Das Verhältnis von der Hälfte zum Viertel ist ein Beispiel und keine allgemeine Quote.
Und schließlich geht es darum, ob etwas bemerkt wird, und nicht darum, wie es bewertet wurde.
Beides wird gern verwechselt.
Was schriftlich stehen muss
Für einen Slam reicht eine Zusage per Nachricht.
Bei einem Firmenevent geht es dagegen um Beträge, über die man streiten kann.
Hier nicht.
Und zwar in deinem eigenen Interesse.
Warum die Frage nach heiklen Themen so wichtig ist
Ein Betrieb ist kein neutraler Ort, sondern hat eine Vorgeschichte.
Wenn im Frühjahr dreißig Leute gehen mussten, ist ein Text über Kündigung keine gute Idee, egal wie gut er ist.
Das erfährst du nur, wenn du fragst.
Und niemand nimmt dir die Frage übel.
Im Gegenteil: Sie ist das deutlichste Zeichen dafür, dass du weißt, was du tust.
Du willst mehr von diesen Ideen?
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Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Welche Texte du mitnimmst
Das Wichtigste zuerst: Du musst für ein Firmenevent nichts entschärfen.
Welche Texte beim Firmenevent funktionieren
Zunächst funktioniert alles, was von einer gemeinsamen Erfahrung handelt.
Also Warteschlangen, Behörden, Technik, die nicht tut, Züge, die ausfallen.
Außerdem Texte mit einem klaren Bogen, den man auch nach zwei Minuten Unaufmerksamkeit wieder aufnehmen kann.
Und schließlich alles, was ohne Vorwissen funktioniert.
Welche Texte im Saal nicht funktionieren
Szenetexte über Poetry Slam, über Wertungen oder über andere Slammer.
Außerdem alles, was leise beginnt und drei Minuten Ruhe braucht.
Drittens sehr persönliche Texte, weil dir zweihundert Fremde beim Abendessen nicht den Raum dafür geben.
Und schließlich Texte, die politisch eindeutig Position beziehen.
Nicht weil du das nicht dürftest, sondern weil du damit die Firma in eine Lage bringst, die sie nicht bestellt hat.
Die Frage, die dabei wirklich zählt
Es geht nicht darum, harmloser zu werden.
Es geht darum, dass zweihundert Leute mit dreißig verschiedenen Positionen im Raum sitzen und danach gemeinsam weiterfeiern müssen.
Du gehst nach Hause.
Die bleiben zusammen.
Deshalb ist Zurückhaltung hier kein Mangel an Haltung, sondern Rücksicht.
Das ist der ganze Grund für die vierte Zeile oben.
Und er hat mit Mut nichts zu tun.
Er braucht kein Vorwissen, er beleidigt niemanden, er hat einen klaren Bogen, und jeder im Raum hat schon einmal auf einen verspäteten Zug gewartet.
Solche Texte sind auf einem Slam nicht deine stärksten. Hier sind sie es.
Honorar, Rechnung und was realistisch ist
Für Firmenaufträge gelten dieselben Fragen wie sonst auch: Rechnungsstellung, Umsatzsteuer, Selbstständigkeit. Hinzu kommt, dass Unternehmen häufig über Agenturen buchen, was eigene Vertragsbedingungen mit sich bringt.
Klär das mit einer Steuerberatung, bevor du den ersten größeren Auftrag annimmst.
Trotzdem lohnen sich drei nüchterne Feststellungen.
Zur Höhe des Honorars
Ein Firmenevent zahlt zwar deutlich mehr als ein Slam.
Und das ist angemessen.
Denn du lieferst nicht nur einen Text, sondern einen planbaren Programmpunkt mit Anfahrt, Absprache und Ausfallrisiko.
Wer hier zu Slam-Sätzen anbietet, wird nicht sympathischer.
Sondern unglaubwürdig.
Und wer einmal zu billig war, verhandelt beim zweiten Mal gegen sich selbst.
Zur Zahlung
Firmen zahlen nämlich zuverlässig und langsam.
Rechne mit dreißig Tagen, manchmal mehr, und plan das ein.
Denn ein Firmenevent im Dezember ist oft erst im Februar bezahlt.
Außerdem brauchst du meistens eine Bestellnummer oder einen internen Ansprechpartner auf der Rechnung, sonst versandet sie.
Frag danach beim Absprechen, nicht beim Mahnen.
Zehn Fehler beim Firmenevent
Fünf vorher, fünf im Saal.
Fünf Fehler vorher
Fehler 1: Nur nach Dauer und Gage fragen
Fehler 2: Einen Slot annehmen, der nicht funktioniert
Fehler 3: Nicht nach heiklen Themen fragen
Fehler 4: Fünf Minuten Material für zwanzig Minuten anbieten
Fehler 5: Zu Slam-Sätzen anbieten
Denn ein Firmenevent-Auftritt entscheidet sich am Telefon und nicht auf der Bühne.
Fünf Fehler im Saal
Fehler 6: Szenetexte spielen
Fehler 7: Gegen den Geräuschpegel ankämpfen
Fehler 8: Die Unaufmerksamkeit ansprechen
Fehler 9: Nach dem Auftritt sofort urteilen
Fehler 10: Sofort verschwinden
Sechs Schritte bis zum ersten Auftrag
Das reicht von der Anfrage bis zu einem Abend, der trägt.
Drei Schritte am Telefon
Schritt 1 – Nach dem Ablauf fragen
Schritt 2 – Die heikle Frage stellen
Schritt 3 – Sechs Zeilen schriftlich
Drei Schritte am Programm
Schritt 4 – Zwanzig Minuten zusammenstellen
Schritt 5 – Die Reihenfolge festlegen
Schritt 6 – Eine Kurzfassung vorbereiten
Denn Schritt sechs brauchst du häufiger, als dir lieb ist.
Die Abnahme
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Der Abend, an dem ich gegen einen Nachtisch verloren habe
Mein erster Firmenauftritt war ein Sommerfest eines mittelgroßen Betriebs.
Zugesagt hatte ich für zwanzig Minuten, irgendwann am Abend.
Nach dem genauen Zeitpunkt hatte ich nicht gefragt, weil mir die Frage kleinlich vorkam.
Was dann passiert ist
Ungefähr ein Drittel des Saals stand auf und ging zum Nachtisch.
Ein weiteres Drittel blieb sitzen und redete weiter.
Das letzte Drittel hörte tatsächlich zu.
Und zwar aufmerksam.
Ich habe die ganzen zwanzig Minuten durchgezogen und mich dabei gefühlt, als würde ich in einer Kantine Gedichte rufen.
Was ich hinterher erfahren habe
Die Rückmeldung kam zwei Tage später per Mail und war ausgesprochen freundlich.
Man habe sich gut unterhalten, und ob ich im nächsten Jahr wiederkäme.
Ich habe das zuerst für Höflichkeit gehalten.
Beim zweiten Mal habe ich nach dem Zeitpunkt gefragt, einundzwanzig Uhr bekommen und einen völlig anderen Abend erlebt.
„Ich hatte geglaubt, mein Auftritt sei schlecht gewesen. In Wahrheit war er um zwei Stunden zu spät.“Meine Notiz danach — und der Grund für Punkt 09
Wie ich Firmenevents heute annehme
Inzwischen ist die erste Frage am Telefon die nach dem Ablauf.
Außerdem sage ich Slots nach dem offiziellen Teil grundsätzlich ab und erkläre kurz, warum.
Bisher hat das noch keinen Auftrag gekostet.
Zweimal hat es dazu geführt, dass der ganze Ablauf umgestellt wurde.
Was der richtige Zeitpunkt nicht ersetzt
Ein guter Slot sorgt immerhin dafür, dass man dir zuhört.
Was du dann sagst, ist eine andere Frage.
Warum dieser Abend so viel über dich verrät
Auf einem Slam trägt dich nämlich die Show, die Moderation und das Format.
Hier gibt es nichts davon.
Es gibt nur dich, ein Mikrofon und zweihundert Leute, die auch etwas anderes tun könnten.
Kurz gesagt: Wer hier zwanzig Minuten hält, hat ein Programm und nicht nur ein paar gute Texte.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also das, was aus fünf Minuten Slam-Material zwanzig Minuten Programm macht.
Den Zeitpunkt verhandelst du in zehn Minuten. Das Programm dafür baust du dein Leben lang.
Zeitpunkt vor Gage. Kein Vorwissen, keine Szene. Und erst am nächsten Tag urteilen.
Übrigens ist die häufigste Rückmeldung nach einem Firmenevent kein Lob für einen Text.
Sie lautet: Das war mal etwas anderes.
Und genau dafür wirst du bezahlt.
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