Improvisieren, wenn’s schiefgeht: Souverän aus dem Chaos

Schienenersatzverkehr · Auf der Bühne improvisieren

Improvisieren, wenn’s schiefgeht: Souverän aus dem Chaos

Auf der Bühne improvisieren: Ein Waschbär an einer Ersatzhaltestelle neben einem Leitkegel
Ein Waschbär wartet an einer Ersatzhaltestelle neben einem Leitkegel · bahn-slam.de

Freitag, 19:20 Uhr, Schienenersatzverkehr, weil auf der Strecke gebaut wird.

Finn, 27, sitzt in der ersten Reihe hinter der Fahrerin und hat Angst, heute Abend auf der Bühne improvisieren zu müssen.

Er ist auf dem Weg zu einem Slam in der Nachbarstadt.

Vor drei Wochen hat mitten in seinem Text ein Handy geklingelt.

Sein eigenes, in der Jackentasche.

Seine Mutter, kurz nach neun.

Finn hat einfach weitergemacht, etwas lauter, mit steifem Gesicht.

Elf Sekunden lang.

Der Rest des Textes war verloren.

Nicht wegen des Handys.

Sondern weil er so getan hat, als gäbe es kein Handy.

Da bremst der Bus.

Die Straße vorne ist gesperrt.

Dagmar, die Fahrerin, greift zum Mikrofon.

„Kleine Umleitung, wir kommen trotzdem an.“

Dann fährt sie weiter.

Finn und Dagmar gibt es so nicht. Aber wer je im Ersatzverkehr saß, weiß: Improvisieren ist dort Alltag, und es klappt erstaunlich oft.

Kennst du das?

Irgendwann erwischt es dich.

Garantiert.

Das ist keine Frage des Talents, sondern der Anzahl deiner Auftritte.

Deinen Text kannst du auswendig lernen.

Den Abend nicht.

Die gute Nachricht: Dein Publikum verzeiht dir jede Panne.

Die schlechte: Es verzeiht dir nicht, dass du so tust, als wäre nichts.

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Auf der Bühne improvisieren: die Drei-Sekunden-Regel

SEVBetriebsregel für jede Störung
gilt auch auf der Bühne
SCHRITT 1
Störung ansagen
SCHRITT 2
Weiterfahren
Sekunde 1
Sekunde 2
Sekunde 3
zurück in den Text
Ein Satz, höchstens zwei. Dann die Rückkehr.
Falsch A · Ignorieren: Der Saal behält die Störung im Kopf und hört dir nur noch halb zu.
Falsch B · Ausschlachten: Die Panne wird zum Programmpunkt, und dein Text kommt nie wieder hoch.

Dagmars Umleitungsansage hatte genau sechs Wörter.

Mehr braucht es nicht.

Denn für alles, was schiefgehen kann, gilt eine einzige Regel.

Benenne die Störung.

Dann geh weiter.

Klingt banal?

Ist aber der Unterschied zwischen einem souveränen Abend und einer Erinnerung, bei der du dich Jahre später schüttelst.

Sobald etwas Unerwartetes passiert, wandert die Aufmerksamkeit dorthin.

Automatisch.

Dein Publikum hört etwas, das nicht zum Text gehört, und wartet darauf, dass jemand es einordnet.

Du bist der Einzige im Raum, der das kann.

Wer ignoriert, zwingt alle, die Störung weiter im Kopf zu behalten.

Wer sie benennt, nimmt sie ihnen ab.

Das Gegenteil ist fast genauso häufig.

Etwas geht schief, du machst einen Witz, er zündet, also machst du noch einen.

Zwei Minuten später ist die Panne der Höhepunkt deines Auftritts.

Deshalb die Dosierung: drei Sekunden, ein Satz, höchstens zwei.

Und dann die Rückkehr.

Sie ist wichtiger als der Kommentar.

Sag laut, wo du weitermachst: „Also, zurück zu meinem ersten Arbeitstag.“

Bahn-Slam-Podcast #228 · „Die Drei-Sekunden-Regel gegen den Bühnen-Albtraum – Souverän aus jeder Panne“ · Bahn-Slam

Hör dir die Folge an und schreib mit, welche Panne dir selbst am meisten Angst macht.

Genau für die baust du dir heute den ersten Notfallsatz.

Der Ersatzfahrplan: sechzehn Pannen, sechzehn Maßnahmen

SEVErsatzfahrplan
16 Störungen, 16 Maßnahmen
STÖRUNG 01
Ein Handy klingelt
ERSATZ: Kurz: abwarten. Länger: hinschauen, ein freundlicher Satz, zurück. Ist es dein eigenes: zugeben.
STÖRUNG 02
Du verhaspelst dich
ERSATZ: Satz neu sprechen, ohne Kommentar und ohne Entschuldigung. Die meisten merken es gar nicht.
STÖRUNG 03
Der Faden ist weg
ERSATZ: Ehrlich, ohne Drama: „Moment, ich bin raus.“ Aufs Blatt schauen oder zum Strophenanfang zurück.
STÖRUNG 04
Das Mikro fällt aus
ERSATZ: Nicht draufklopfen, nicht pusten. Einen Schritt nach vorn, lauter weitersprechen.
STÖRUNG 05
Das Licht fällt aus
ERSATZ: Stehen bleiben, weitersprechen. Im Dunkeln hat dein Text die volle Aufmerksamkeit.
STÖRUNG 06
Ein Zwischenruf
ERSATZ: Freundlich: nicken. Feindlich: nicht diskutieren. Ein ruhiger Satz, weiter im Text.
STÖRUNG 07
Der Zettel fällt
ERSATZ: Satz zu Ende sprechen, dann in Ruhe bücken. Und künftig die Seiten nummerieren.
STÖRUNG 08
Ein Witz zündet nicht
ERSATZ: Nicht nachlegen, nicht erklären. Im selben Tempo weiter.
STÖRUNG 09
Die Stimme bricht
ERSATZ: Anhalten, durch den Mund atmen, weiter. Meist erwischt dich gerade dein eigener Text.
STÖRUNG 10
Die Zeit läuft davon
ERSATZ: Nicht schneller werden. Zum markierten Ausstieg springen und in den Schluss gehen.
STÖRUNG 11
Der Vorredner überzieht
ERSATZ: Das ist Sache der Moderation. Trotzdem: freiwillig mit der kurzen Fassung rein.
STÖRUNG 12
Falsch angesagt
ERSATZ: In einem Halbsatz korrigieren: „Fast. Ich heiße Finn.“ Dann weiter.
STÖRUNG 13
Musik aus dem Nebenraum
ERSATZ: Näher ans Mikro, tiefer statt lauter, langsamer. Notfalls ein Blick zur Moderation.
STÖRUNG 14
Jemand filmt mit Licht
ERSATZ: Erst ignorieren. Hört es nicht auf: „Ich seh gerade gar nichts mehr.“ Information, keine Rüge.
STÖRUNG 15
Der Saal ist halb leer
ERSATZ: Spiel für die, die da sind. Näher ran, leiser, intimer.
STÖRUNG 16
Stolpern auf der Stufe
ERSATZ: Nicht kommentieren, wenn keiner gelacht hat. Und vorher schauen, wo die Kante ist.

Dagmar kennt die meisten dieser Störungen aus ihrem Bus.

Klingelnde Handys.

Leute, die dazwischenrufen.

Eine Stufe, die im Dunkeln liegt.

Fällt dir was auf?

Keine einzige Maßnahme verlangt, dass du witzig bist.

Die spektakulärste Panne ist übrigens ein Geschenk.

Fällt das Licht aus, gibt es nichts mehr zu sehen.

Dann hat dein Text plötzlich die volle Aufmerksamkeit.

Viele sehr intensive Slam-Momente entstehen genau so.

Kurze Prüfung für den Ersatzverkehr

Mitten im Text fällt das Mikro aus. Was machst du?

Auflösung anzeigen

C. Du benennst die Störung in einem Halbsatz und fährst weiter. Ein Mensch, der ohne Mikro weitermacht, wirkt sofort größer als vorher. A hilft nie, B ignoriert, D übergibt den Abend an die Technik.

Warum der Saal auf deiner Seite ist

FAHRGASTINFORMATION · WAS DER SAAL WIRKLICH DENKT

Nicht: „Ist der schlecht?“

Sondern: „Muss ich mir jetzt Sorgen machen?“

Die Antwort gibt nur einer: du. Mit Haltung, Tempo und Gesicht.

Einzige Ausnahme: Blamier niemanden im Saal. Dann kippt die Sympathie in Sekunden zum Schwächeren.

Du glaubst, der Saal wartet auf deinen Fehler.

Tut er nicht.

Und zwar aus einem ziemlich eigennützigen Grund.

Ein Publikum, das dir beim Scheitern zusieht, fühlt sich selbst unwohl.

Es hat seinen Abend investiert, also will es, dass du lieferst.

Bleibst du ruhig, entspannt es sich sofort.

Wirst du hektisch, bleibt es angespannt.

Jetzt kommt der Teil, den kaum jemand nutzt.

Eine benannte Panne macht aus Zuschauern Mitwisser.

Vorher saßen sie da und haben konsumiert.

Danach haben sie mit dir etwas erlebt, das nicht im Programm stand.

Das verbindet.

Hör also auf, die Panne als Bedrohung zu sehen.

Sie ist eine Abkürzung zur Nähe.

Freundlich schlägt übrigens schlagfertig.

Immer.

Zwei berühmte Störungen

Betriebsgeschichte · zwei berühmte Störungen

STÖRUNGSBERICHT · Los Angeles, 12. Februar 2017
Beteiligt: Adele, Grammy-Verleihung, live im Fernsehen
Störung: Ihre Hommage an den kurz zuvor gestorbenen George Michael gerät aus der Spur.
Maßnahme: Abbruch, Entschuldigung, Neuanfang.
Ergebnis: Stehender Applaus. Gesprochen wurde danach vor allem über ihre Entscheidung.
STÖRUNGSBERICHT · New York, 6. Januar 1953
Beteiligt: Dizzy Gillespie, Geburtstagsfeier seiner Frau Lorraine im Club Snookie’s
Störung: Zwei Tänzer fallen auf seine Trompete. Der Schallbecher knickt nach oben.
Maßnahme: Er spielt trotzdem darauf.
Ergebnis: Ihm gefällt der Klang. Er lässt sich Trompeten mit Knick bauen, sie werden sein Markenzeichen.
Fußnote: Sein Biograf Alyn Shipton hält es für möglich, dass Gillespie eine ähnlich gebaute Trompete schon Jahre früher in England gesehen hatte.

Im Februar 2017 singt Adele bei den Grammys eine Hommage an George Michael.

Nach kurzer Zeit gerät das Lied aus der Spur.

Sie hat zwei Möglichkeiten, beide unangenehm: durchziehen und hoffen oder im Livefernsehen abbrechen.

Sie bricht ab.

Sie flucht, entschuldigt sich und bittet darum, noch einmal anzufangen, weil sie es für ihn nicht vermasseln will.

Der zweite Anlauf gelingt, am Ende steht der Saal.

Kopier drei Dinge davon.

Sie hat die Störung benannt, statt sie zu überspielen.

Sie hat einen Grund genannt, der größer war als sie selbst.

Und sie hat sofort weitergemacht, statt sich in Erklärungen zu verlieren.

Also merke: Ein Neuanfang ist auch auf der Slam-Bühne völlig legitim.

Sind deine ersten zwei Sätze im Chaos untergegangen, sag „Ich fang noch mal an“ und beginn von vorn.

Die zweite Geschichte ist leiser.

Dizzy Gillespie spielt auf seiner verbogenen Trompete weiter und entdeckt dabei einen Klang, den er nie wieder hergeben will.

Nicht jede Panne ist ein Geschenk.

Aber es sind mehr, als du denkst.

Du verhaspelst dich und merkst, dass die Formulierung ohnehin schlecht war.

Ein Zwischenruf zwingt dich, den Saal direkt anzusprechen, und plötzlich ist der Kontakt da.

Auf der Bühne improvisieren: Ein Waschbär in einer Holzkiste auf dem dunklen Bahnsteig bei Stromausfall
Ein Waschbär in einer Holzkiste auf dem dunklen Bahnsteig bei Stromausfall · bahn-slam.de

Bordwerkzeug: zehn Griffe für den Ernstfall

SEVBordwerkzeug
liegt in jedem Ersatzbus griffbereit
W1Notfallsatz. Ein Satz für jede Störung, freundlich, auswendig gelernt.
W2Rückkehrformel. Sag laut, wo du wieder einsteigst: „Also, zurück zu dem Fahrrad.“
W3Zwei Ausstiegspunkte. Einer für „etwas Zeit fehlt“, einer für „viel Zeit fehlt“.
W4Ja, und. Die Störung ist jetzt Teil des Abends. Arbeite mit ihr, nicht gegen sie.
W5Langsamer werden. Langsamkeit liest der Saal als Kontrolle, Hektik als Panik.
W6Blick in den Saal. Zwei Sekunden, dann weiter. Das sammelt alle wieder ein.
W7Anfangsroutine. Immer dieselben drei Sekunden vor dem ersten Satz. Dein Anker nach jeder Störung.
W8Erste Zeilen im Schlaf. Der erste Satz jeder Strophe ist dein Rettungsring.
W9Panne und Person trennen. Nicht „Ich bin heute schlecht drauf“, sondern „Der Abend hat es in sich“.
W10Haltung am Ende. Nach dem letzten Wort zwei Sekunden stehen bleiben.

Wer improvisieren will, braucht paradoxerweise etwas Vorbereitetes.

Unter Adrenalin erfindest du nichts Neues.

Du greifst nur auf das zu, was schon sitzt.

Dagmar hat für jede Fahrt denselben Notfallsatz im Kopf.

Er passt auf gesperrte Straßen, auf verpasste Anschlüsse und auf den Hund, der plötzlich im Gang steht.

Ein Satz, freundlich, ohne Häme. Schreib ihn hier einmal hin und lern ihn auswendig. Nichts wird gespeichert.

Griff vier kommt aus dem Improvisationstheater.

Dort heißt die Grundregel „Ja, und“: Du nimmst an, was passiert, und baust darauf auf.

Die Komikerin Tina Fey hat sie in ihrem Buch „Bossypants“ für ein breites Publikum beschrieben.

HarlekinTheatersport · „Improtheater – oder die Lust am Scheitern“ · YouTube

Achte beim Zuschauen darauf, was die Spielenden mit einem Fehler machen, sobald er passiert ist.

Und frag dich, welcher dieser Handgriffe auch allein auf einer Slam-Bühne funktionieren würde.

Der Ansagezettel: Sätze, die du wirklich sagst

Ansagezettel · neben dem Tacho festgeklebt

Im Saal passiert was
„Geh ruhig ran, ich warte.“ · „Das war jetzt nicht abgesprochen.“ · „Das nehm ich jetzt einfach mit rein.“
Die Technik streikt
„Dann eben analog.“ · „Ich komm mal näher.“ · „Ab hier ohne Netz.“
Du selbst bist der Fehler
„Moment, ich bin raus.“ · „Ich fang die Strophe neu an.“ · „Gebt mir zwei Sekunden.“
Die Rückkehr
„Also, zurück zu …“ · „Weiter im Text.“ · „So. Der Rest ist wichtiger.“

Neben Dagmars Tacho klebt ein gelber Zettel.

Darauf stehen die Sätze, die sie am häufigsten braucht.

Finn schreibt ihn an einer roten Ampel ab.

Siehst du es?

Keiner dieser Sätze ist witzig.

Er muss nicht witzig sein.

Er muss nur zeigen, dass du die Lage im Griff hast.

Und das ist der ganze Trick.

Such dir drei aus und lern sie auswendig.

Improvisieren, bevor etwas kaputtgeht

Betriebslage · vor der Abfahrt einschätzen

DER RAUM
Kalt: langsamer anfangen, mehr Pausen.
Warm: sofort losfahren.
Müde: harte erste Zeile.
DER VORREDNER
Nach Traurigem vor Lustigem: eine Brücke bauen.
Nach Gelächter vor Ernstem: eine Sekunde Stille.
DU SELBST
Drei streichbare Sätze markieren.
Fest bleiben Bilder, Pointen und Schluss.
Der Rahmen steht. Alles darin darf atmen.

Bis hierhin ging es um Reparatur.

Jetzt geht es um Kür.

Die besten Slammerinnen und Slammer improvisieren nicht erst, wenn etwas schiefläuft.

Sie tun es die ganze Zeit.

Dagmar schaut beim Einsteigen jedem kurz ins Gesicht.

Müde Pendler bekommen eine andere Ansage als eine Gruppe Fußballfans.

Genau so liest du den Saal auf dem Weg zum Mikro.

Kam vorher etwas sehr Trauriges und du hast einen lustigen Text?

Dann brauchst du eine Brücke, ein einziger Satz reicht: „Das war schön, ich mach jetzt was Dummes.“

Ohne diese Erlaubnis lacht der Saal bei den ersten Pointen nicht.

Aber hier kommt der Haken:

Improvisieren heißt nicht, deinen Text jedes Mal neu zu erfinden.

Ein Text, der nie festliegt, wird nie besser.

Du variierst Tempo, Pausen, Betonung und ein paar streichbare Sätze.

Der Rest bleibt, wie er ist.

Übungsfahrten und Abfahrtkontrolle

SEVÜbungsfahrten
vor dem ersten Einsatz
Schritt 1 · Ausstiege markieren: Zwei Stellen im Text, an denen du direkt in den Schluss springen kannst. Sprich den Text einmal komplett und einmal über jeden Ausstieg.
Schritt 2 · Notfallsatz lernen: Einer für die Störung, einer für die Rückkehr. Laut üben, bis sie ohne Nachdenken kommen.
Schritt 3 · Störung simulieren: Lass dich beim Üben absichtlich stören: Handy, Licht aus, Husten, Dazwischenreden. Benennen, zurück, weiter.
Der Wecker: Stell beim Üben einen Wecker auf eine zufällige Zeit. Klingelt er, gilt die Drei-Sekunden-Regel.
Der Sprung: Lass dir mitten im Text „noch dreißig Sekunden!“ zurufen und lande über einen Ausstieg.
Der Neuanfang: Brich nach einer Minute bewusst ab, sag einen Satz dazu, fang von vorn an.

Der größte Irrtum bei diesem Thema: Improvisation sei Talent.

Quatsch!

Sie ist Vorbereitung, die man hinterher nicht mehr sieht.

Die dritte Übungsfahrt verändert am meisten.

Und sie macht sogar Spaß.

Nach ein paar Durchgängen ist die Reaktion ein Reflex, und genau darum geht es.

Auf der Bühne hast du keine Zeit zum Überlegen.

Die meisten Pannen sind außerdem vermeidbar.

Nicht alle, aber die meisten.

Abfahrtkontrolle vor dem Auftritt

Lautlos reicht übrigens nicht.

Auch ein Vibrationsalarm kann bis ins Mikro dringen.

Und viele stolpern nicht beim Auftritt, sondern beim Abgang.

Alles, was du nicht kontrollieren kannst, nimmst du an, wenn es kommt.

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Sieben Eigentore und der Weg zurück auf die Schiene

Selbst verursacht · sieben Störungen im Betriebsablauf

F1Ignorieren. Der ganze Saal muss sich weiter mit der Störung beschäftigen.
F2Ausschlachten. Die Panne wird interessanter als dein Text.
F3Sich entschuldigen. Benennen ist nicht um Verzeihung bitten. Dein Zettel hat eben Schwerkraft.
F4Diskutieren. Wer in den Schlagabtausch geht, lässt andere das Thema bestimmen.
F5Schneller werden. Der Saal hört deine Nervosität am Tempo.
F6Die Pointe erklären. Eine erklärte Pointe ist eine tote Pointe.
F7Vorzeitig aufgeben. Fast jede Panne ist kleiner, als sie sich anfühlt.

Der bitterste Fehler ist der letzte.

Zu Ende sprechen ist fast immer richtig, auch wenn es holprig wird.

Und danach?

Über diesen Teil redet fast niemand, dabei hören genau deshalb viele auf.

Eine Panne fühlt sich hinterher viel schlimmer an, als sie war.

Du liegst nachts wach und spielst die Szene in Endlosschleife.

SEVUmsteigeplan
zurück auf die Schiene
1 · Realitätscheck: Frag am nächsten Tag jemanden, der dabei war: Wie schlimm war das mit dem Mikro? Die Antwort lautet erstaunlich oft: „Welches Mikro?“
2 · Die Notiz danach: Zwei Zeilen nach jedem Auftritt. Was ist passiert, was hast du getan. Kein Urteil, nur Protokoll.
3 · Der eine Satz: „Ich habe zu Ende gesprochen.“ Das ist der Maßstab. Nicht, ob es perfekt war.

Dein Publikum hat sich nur kurz damit beschäftigt.

Du beschäftigst dich seit zwei Tagen damit.

Das ist kein Trost, sondern eine Tatsache.

Nutz sie.

Samstag, kurz nach zehn, der Slam in der Nachbarstadt.

Finn ist in der zweiten Minute seines Textes, als das Mikro ausgeht.

Er klopft nicht drauf.

Er macht einen Schritt nach vorn.

„Dann eben analog.“

Drei Sekunden Lachen, ein Blick in den Saal.

„Also, zurück zu meinem ersten Arbeitstag.“

Der Text läuft weiter, als wäre nichts gewesen.

Um 23:40 Uhr sitzt Finn wieder im Ersatzbus, erste Reihe.

„Und?“, fragt Dagmar.

„Störung im Betriebsablauf“, sagt Finn.

„Fahrt wurde fortgesetzt.“

Dagmar grinst und schließt die Tür.

Also merke: Der Unterschied liegt nie darin, was passiert.

Er liegt darin, dass du es zugibst.

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Wenn du diese Techniken nicht nur lesen,
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Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch, das du lesen solltest
— Stephan Pinkwart —

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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