Improvisieren, wenn’s schiefgeht: Souverän aus dem Chaos

Störung im Betriebsablauf

BÜHNE 1  ·  PLANMÄSSIG  ·  FÜNF MINUTEN  ·  HEUTE ABEND

Improvisieren, wenn's schiefgeht: Souverän aus dem Chaos

Handy klingelt, du verhaspelst dich, das Licht fällt aus – und jetzt? So kannst du auf der Bühne improvisieren, dass du souverän aus jeder Panne kommst und das Publikum sogar dazugewinnst.

GRUND DER VERZÖGERUNG  ·  UNVORHERGESEHENES EREIGNIS AUF DER STRECKE
Panne mitten im Auftritt: jetzt musst du auf der Bühne improvisieren
MELDUNG 01 · Die Sekunde, in der dein Text nicht mehr das Wichtigste ist.

Irgendwann erwischt es dich. Garantiert.

Das ist keine Frage von Talent. Sondern von der Anzahl deiner Auftritte.

Und dann entscheidet sich alles in fünf Sekunden.

Bei mir war es zunächst Kassel. Jugendzentrum, schlechte Akustik, Lichtanlage aus dem letzten Jahrhundert.

Mitten im Text über meinen ersten Job klingelt ein Handy.

Ich denke noch: Unfassbar, wer macht denn sowas.

Dann merke ich, dass es aus meiner eigenen Jackentasche kommt.

Meine Mutter. Um kurz nach neun. Auf einer Bühne in Kassel.

Und jetzt kommt der Teil, für den ich mich bis heute schäme.

Denn ich habe einfach weitergemacht. Steifes Gesicht, etwas lauter, das Klingeln übertönend.

Und zwar elf Sekunden lang.

Elf Sekunden, in denen zweihundert Leute nur eine Frage im Kopf hatten:

Merkt der das nicht?

Der Rest des Textes war verloren. Aber nicht wegen des Handys.

Sondern weil ich so getan habe, als gäbe es kein Handy.

Meldung 00

Warum jeder mal auf der Bühne improvisieren muss

Zwar kannst du deinen Text auswendig lernen. Den Abend jedoch nicht.

Denn zwischen deinem ersten und deinem letzten Wort passiert alles Mögliche. Und nichts davon steht auf deinem Blatt.

Die gute Nachricht: Dein Publikum verzeiht dir jede Panne.

Die schlechte: Es verzeiht dir nicht, dass du so tust, als wäre nichts.

Was du hier lernst

Auf der Bühne improvisieren heißt nicht, witzig sein zu müssen. Es heißt: Störung kurz benennen, dann weitergehen. Du bekommst gleich die Drei-Sekunden-Regel, zehn Pannen mit Sofortmaßnahme, sechs Werkzeuge, sieben Fehler – und zwei Geschichten, die zeigen, wie Profis das machen.

Meldung 01

Die Drei-Sekunden-Regel

Es gibt eine Regel für alles, was schiefgehen kann. Und sie passt in fünf Wörter.

Benenne die Störung. Dann geh weiter.

Klingt zwar banal. Ist aber der Unterschied zwischen einem souveränen Abend und einer Erinnerung, bei der du dich Jahre später schüttelst.

Fehler 1: Du ignorierst es

Sobald etwas Unerwartetes passiert, wandert die Aufmerksamkeit dorthin. Automatisch. Du kannst das nicht steuern.

Dein Publikum hat jetzt ein Problem. Es hört etwas, das nicht zum Text gehört. Und wartet darauf, dass jemand das einordnet.

Du bist der Einzige im Raum, der das kann.

Also: Wer ignoriert, zwingt zweihundert Leute, die Störung weiter im Kopf zu behalten. Wer sie benennt, nimmt sie ihnen ab.

Fehler 2: Du schlachtest es aus

Das Gegenteil. Und fast noch häufiger.

Etwas geht schief. Du machst einen Witz. Der zündet. Also machst du noch einen.

Zwei Minuten später ist die Panne der Höhepunkt deines Auftritts. Und dein Text kommt nie wieder hoch.

Du hast Lacher gesammelt. Aber gegen dich selbst gearbeitet.

Deshalb die Dosierung: drei Sekunden. Ein Satz, höchstens zwei. Zurück.

Mach das jetzt

Drei Sekunden benennen. Dann eine klare Rückkehr. Die Rückkehr ist wichtiger als der Kommentar. Sag laut, wo du weitermachst: „Also, zurück zu meinem ersten Arbeitstag." Ohne dieses Signal bleibt der Rest deines Textes im Chaos.

Einmal durchatmen statt hektisch auf der Bühne improvisieren
MELDUNG 02 · Ein Atemzug ist die kürzeste Reparatur der Welt.

Meldung 02

Sechzehn Pannen und wie du auf der Bühne improvisierst

Also sechzehn Störungen und sechzehn Sofortmaßnahmen. Druck dir das aus.

STÖRUNG 01

Ein Handy klingelt

Kurzes Klingeln? Warte ab. Länger als drei Sekunden? Schau hin und sag einen Satz. Etwas Freundliches, nichts Bissiges: „Geh ruhig ran, ich warte." Der Saal lacht, die Spannung ist weg, du gehst zurück. Und falls es dein eigenes ist: unbedingt dazu stehen. Das ist der beste Lacher des Abends – aber nur, wenn du ihn zugibst.

STÖRUNG 02

Du verhaspelst dich

Der häufigste Fall. Und der harmloseste. Sprich den Satz einfach neu. Ohne Kommentar. Ohne Entschuldigung. Neunzig Prozent des Saals haben nichts gemerkt. Gefährlich wird es erst, wenn du „Entschuldigung" sagst. Denn damit machst du aus einem Stolperer ein Ereignis.

STÖRUNG 03

Du verlierst komplett den Faden

Etwas ganz anderes als ein Verhaspler. Denn du weißt nicht, wie es weitergeht. Hier hilft nur Ehrlichkeit, ohne Drama: „Moment, ich bin raus." Dann schaust du aufs Blatt oder gehst zum Anfang der Strophe zurück. Der Saal wartet, solange du ruhig bleibst. Was ihn nervös macht, ist nicht deine Pause. Sondern deine Panik. Mehr dazu: Text vergessen auf der Bühne.

STÖRUNG 04

Das Mikrofon fällt aus

Nicht draufklopfen. Nicht pusten. Kein „hallo, hallo". Das machen alle und es hilft nie. Tritt stattdessen einen Schritt weg, geh näher an die vorderen Reihen und sprich lauter weiter. In den meisten Slam-Räumen trägt deine Stimme überraschend weit. Und ein Mensch, der ohne Mikro weitermacht, wirkt sofort größer als vorher.

STÖRUNG 05

Das Licht fällt aus

Die spektakulärste Panne. Und ein Geschenk. Bleib stehen, wo du stehst, und mach weiter. Denn wenn es dunkel ist, hat dein Text plötzlich die volle Aufmerksamkeit. Es gibt ja nichts mehr zu sehen. Viele der intensivsten Slam-Momente entstehen genau so. Einen Satz zur Einordnung darfst du dir gönnen. Dann sprich weiter, als wäre es geplant.

STÖRUNG 06

Jemand ruft etwas rein

Erste Frage: freundlich oder feindlich? Bei freundlich reicht ein Nicken. Bei feindlich gilt die härteste Regel des Abends: nicht diskutieren. Denn wer sich auf den Schlagabtausch einlässt, gibt die Bühne aus der Hand. Ein ruhiger Satz, dann konsequent weiter im Text. Dagegen kommt niemand an.

STÖRUNG 07

Dein Zettel fällt runter

Nicht hechten. Sprich den Satz zu Ende, dann bück dich in Ruhe. Diese zwei Sekunden Gelassenheit sind mehr wert als jede Rettungsaktion. Und für die Zukunft: nummerier deine Seiten. Ein Stapel loser Blätter auf dem Boden ist ein Albtraum. Ein nummerierter Stapel ist ein kurzer Moment.

STÖRUNG 08

Ein Witz zündet nicht

Die stillste Katastrophe. Wichtigster Rat: nicht nachlegen. Und die Pointe auf keinen Fall erklären. Denn nichts macht einen toten Witz toter als seine Obduktion. Sprich im selben Tempo weiter, als hättest du nie mit einem Lacher gerechnet. Wenn du reagieren willst: ein trockener Halbsatz, dann sofort weiter.

STÖRUNG 09

Deine Stimme versagt

Kratzen, Kloß im Hals, plötzliches Wegbrechen. Das passiert fast immer an emotionalen Stellen. Und genau das ist der Hinweis: kein technisches Problem, sondern ein körperliches Echo deines Textes. Halt an. Atme tief durch den Mund. Geh weiter. Ein Publikum, das merkt, dass dich dein eigener Text erwischt, ist näher bei dir als vorher.

STÖRUNG 10

Die Zeit läuft dir davon

Du merkst, du landest über dem Limit. Jetzt bloß nicht schneller sprechen. Denn das hört man sofort und es zerstört den Text. Spring stattdessen an eine markierte Stelle und geh direkt in den Schluss. Genau dafür brauchst du zwei Ausstiegspunkte. Ein sauberer kurzer Text schlägt einen vollständigen, der abgewürgt wird.

STÖRUNG 11

Der Vorredner überzieht maßlos

Du stehst hinten und dein Slot schrumpft. Erste Regel: Das ist nicht dein Problem, sondern das der Moderation. Zweite Regel: Nimm trotzdem an. Geh mit deinem kürzeren Ausstiegspunkt rein, bevor jemand dich bremsen muss. Denn ein Slammer, der freiwillig kürzt, ist am nächsten Abend wieder eingeladen.

STÖRUNG 12

Der Moderator sagt dich falsch an

Falscher Name, falscher Text, falsche Stadt. Korrigier es in genau einem Halbsatz und geh weiter: „Fast. Es ist Pinkwart.“ Nicht mehr. Denn wer die Moderation vor Publikum auseinandernimmt, wirkt kleinlich. Und die Moderation entscheidet, wer nächstes Mal eingeladen wird.

STÖRUNG 13

Aus dem Nebenraum dröhnt Musik

Typisch für Kneipenbühnen mit Durchgang zur Theke. Hier hilft kein Kommentar, sondern Technik: Geh näher ans Mikro, sprich tiefer statt lauter und verlangsame. Denn tiefe Frequenzen setzen sich gegen Hintergrundmusik besser durch als Schreien. Wird es unerträglich, ist ein Blick zur Moderation völlig legitim.

STÖRUNG 14

Jemand filmt mit Licht im Gesicht

Erst mal ignorieren, denn meistens hört es nach zwanzig Sekunden auf. Hört es nicht auf, sag freundlich: „Ich seh gerade gar nichts mehr.“ Das ist Information, keine Zurechtweisung. Fast jeder stellt das Licht sofort ab, weil ihm nicht klar war, was es anrichtet.

STÖRUNG 15

Der Saal ist halb leer

Zwölf Leute in einem Raum für achtzig. Das drückt, bevor du überhaupt anfängst. Der Trick: Spiel nicht gegen den leeren Raum, sondern für die zwölf. Geh näher ran, sprich leiser, mach es intimer. Denn ein kleiner Saal, den du zusammenholst, schlägt einen großen, in den du hineinbrüllst.

STÖRUNG 16

Du stolperst beim Auftritt oder Abgang

Passiert öfter, als du denkst, weil die Stufe im Dunkeln liegt. Regel: nicht kommentieren, wenn niemand gelacht hat. Wurde gelacht, nimm es mit einem Halbsatz an und geh weiter. Und für das nächste Mal: Schau dir vorher an, wo die Kante ist.

Das eigene Handy klingelt: der peinlichste Moment, um auf der Bühne zu improvisieren
MELDUNG 03 · Der Moment, in dem du merkst, dass es dein eigenes ist.
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Schreiben & Textaufbau
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Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.

Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.

Meldung 03

Warum dein Publikum auf deiner Seite ist

Du glaubst, der Saal wartet auf deinen Fehler.

Tut er nicht. Und zwar aus einem sehr eigennützigen Grund.

Denn ein Publikum, das dir beim Scheitern zusieht, fühlt sich selbst unwohl. Es hat Geld bezahlt oder zumindest seinen Abend investiert. Also will es, dass du lieferst.

Deshalb gilt: Der Saal sucht die ganze Zeit nach einem Grund, dir zu glauben.

Was der Saal wirklich denkt

Bei einer Panne läuft im Kopf deiner Zuhörer immer dieselbe Frage ab.

Nicht: „Ist der schlecht?“

Sondern: „Muss ich mir jetzt Sorgen machen?“

Und diese Frage beantwortest ausschließlich du. Mit deiner Haltung, deinem Tempo, deinem Gesicht.

Bleibst du ruhig, entspannt sich der Saal sofort. Wirst du hektisch, bleibt er angespannt und hört dir nicht mehr richtig zu.

Der Verbündeten-Effekt

Jetzt kommt der Teil, den kaum jemand nutzt.

Eine benannte Panne macht aus Zuschauern Mitwisser.

Vorher saßen sie da und konsumierten. Danach haben sie gemeinsam mit dir etwas erlebt, das nicht im Programm stand.

Das verbindet. Deshalb sind Abende mit kleinen Pannen oft die besseren.

Also hör auf, die Panne als Bedrohung zu sehen. Sie ist eine Abkürzung zur Nähe.

Die eine Ausnahme

Eine Sache verzeiht dir das Publikum tatsächlich nicht.

Nämlich wenn du jemanden im Saal blamierst.

Der Zwischenrufer mag nerven. Trotzdem darfst du ihn nicht fertigmachen. Denn der Saal solidarisiert sich in Sekunden mit dem Schwächeren. Und das bist ab diesem Moment nicht mehr du.

Freundlich schlägt schlagfertig. Immer.

Meldung 03

Der Abbruch, der den ganzen Abend gewann

12. Februar 2017. Staples Center, Los Angeles. Die Grammy Awards laufen live vor Millionen.

Adele singt eine Hommage an George Michael, der wenige Wochen vorher gestorben ist.

Nach einer Minute geht es schief. Sie liegt neben der Tonart. Sie hört sich selbst nicht.

Nun zwei Möglichkeiten. Beide unangenehm.

Erstens: durchziehen und hoffen.

Zweitens: im Livefernsehen abbrechen.

Doch sie hört auf zu singen. Sie flucht. Dann entschuldigt sie sich.

„Ich weiß, das ist Live-Fernsehen. Es tut mir leid. Aber ich kann das für ihn nicht vermasseln. Können wir noch mal von vorn anfangen?“

— Adele, sinngemäß, Grammy Awards 2017

Danach setzt das Orchester neu an. Der zweite Durchgang ist makellos.

Schließlich steht der halbe Saal. Und sie hat Tränen in den Augen.

Aber jetzt kommt der eigentliche Punkt.

Kolleginnen und Kollegen feierten sie öffentlich für den Abbruch. Bette Midler brachte es auf die Formel: Wenn es nicht stimmt, fängst du neu an und machst es richtig. Ellen DeGeneres schrieb, sie bekomme jeden Neuanfang, den sie jemals brauche.

Niemand sprach über den Fehler.

Alle sprachen über die Entscheidung.

Eine fehlerfreie Version hätte man vergessen. Über den Abbruch redet man bis heute.

Kopier diese drei Dinge

Erstens: Sie hat die Störung benannt, statt sie zu überspielen.

Zweitens: Sie hat einen Grund genannt, der größer war als sie selbst. Nämlich den Respekt vor dem Verstorbenen.

Drittens: Sie hat sofort weitergemacht, statt sich in Erklärungen zu verlieren.

Das ist die Drei-Sekunden-Regel im Ernstfall.

Und noch was: Ein Neuanfang ist auf einer Slam-Bühne völlig legitim. Sind deine ersten zwei Sätze im Chaos untergegangen? Dann sag „Ich fang noch mal an" und beginn von vorn.

Denn kein Publikum der Welt hat das jemals bestraft.

Gemeinsames Lachen im Saal: erfolgreich auf der Bühne improvisieren
MELDUNG 04 · Aus einer Panne wird ein gemeinsamer Moment. Aber nur, wenn du sie zugibst.

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Meldung 04

Die verbogene Trompete

6. Januar 1953. Ein Jazzclub namens Snookie's in der 45. Straße, Manhattan.

Dizzy Gillespie hat frei. Aber es ist der Geburtstag seiner Frau Lorraine, also feiern sie im Club.

Dabei steht seine Trompete auf einem Ständer auf der Bühne.

Nun treten die Tänzer Stump 'n Stumpy auf. Und bei ihrer Akrobatik fällt jemand auf das Instrument.

Danach: Schallbecher fünfundvierzig Grad nach oben verbogen.

Was passiert, wenn du mit dem Schaden weitermachst

Gillespie kommt zurück, sieht die Bescherung und spielt trotzdem darauf.

Und dann passiert das Unerwartete: Ihm gefällt der Klang.

Der nach oben gerichtete Becher wirft den Ton über die Köpfe des Publikums. Und der Klang erreicht ihn selbst schneller. Er beschrieb das später als Bruchteil einer Sekunde, der einen großen Unterschied macht.

Zwar lässt er die Trompete am nächsten Tag geradebiegen. Aber er bekommt den Klang nicht mehr aus dem Kopf.

Also zeichnet Lorraine eine Skizze. Die Instrumentenfirma baut ihm ein neues Horn mit genau diesem Winkel. Ab 1954 spielt er nichts anderes mehr.

In seiner Autobiografie hat er das klargestellt: Die Form seines Instruments war kein Geistesblitz. Sondern ein Unfall.

Eine ehrliche Fußnote gehört dazu. Sein Biograf Alyn Shipton hat diese Version bezweifelt und vermutet, Gillespie habe ein ähnliches Instrument schon Jahre früher in England gesehen. Klären lässt sich das nicht mehr.

Die Lehre daraus schon.

Die meisten Pannen sind nur deshalb Pannen, weil du sie so nennst.

Für deine Bühne heißt das: Manches, was schiefgeht, ist in Wahrheit ein Angebot.

Das Licht fällt aus – und dein Text bekommt eine Intimität, die du nie geplant hättest.

Du verhaspelst dich – und merkst, dass die Formulierung ohnehin schlecht war.

Ein Zwischenruf zwingt dich, den Saal direkt anzusprechen – und plötzlich ist der Kontakt da.

Nicht jede Panne ist ein Geschenk. Aber es sind mehr, als du denkst.

Meldung 05

Zehn Werkzeuge, um auf der Bühne zu improvisieren

Also keine Theorie. Zehn Griffe, die du heute Abend vorbereiten kannst.

W1 · Leg dir einen Notfallsatz zurecht

Genau einen Satz, der auf jede Störung passt. Freundlich, neutral, ohne Häme. Zum Beispiel: „Das war jetzt nicht abgesprochen." Lern ihn auswendig. Denn unter Adrenalin erfindest du nichts Neues. Wer improvisieren will, braucht paradoxerweise etwas Vorbereitetes.

W2 · Bau dir eine Rückkehrformel

Noch wichtiger als der Kommentar. Sag laut, wo du wieder einsteigst: „Also, zurück zu der Sache mit dem Fahrrad." Damit schließt du die Störung ab und öffnest den Text wieder. Ohne diese Formel bleibt der Saal in der Zwischenwelt hängen und hört den Rest nur halb.

W3 · Markier zwei Ausstiegspunkte

Zwei Stellen, an denen du direkt zum Schluss springen kannst. Eine für „etwas Zeit fehlt", eine für „viel Zeit fehlt". Kostet dich zehn Minuten Vorbereitung. Rettet dir irgendwann einen ganzen Auftritt. Und nimmt dir die Angst vor der Uhr.

W4 · Nimm an, statt abzulehnen

Das Ja-und-Prinzip aus dem Improvisationstheater. Viola Spolin, die Erfinderin der modernen Improvisationsübungen, hat es zum Kern ihrer Arbeit gemacht. Tina Fey hat es später für ein breites Publikum aufgeschrieben. Für dich heißt es: Die Störung ist jetzt Teil des Abends. Also arbeite mit ihr. Nicht gegen sie.

W5 · Werd langsamer

Der Reflex in jeder Panne heißt: schneller werden. Genau falsch. Werde langsamer. Eine Pause, ein Atemzug, ein Blick in den Saal. Denn Langsamkeit liest der Saal als Kontrolle. Hektik als Panik. Und weil er sich seine Bewertung bei dir abschaut, entscheidest du mit deinem Tempo, wie schlimm die Sache war.

W6 · Schau danach in den Saal

Nach jeder Störung einmal bewusst hinschauen, bevor du weitermachst. Zwei Sekunden reichen. Dieser Blick sagt ohne Worte: Wir haben das gemeinsam erlebt, und jetzt geht es weiter. Es ist die schnellste Methode, ein Publikum wieder einzusammeln.

W7 · Bau dir eine Anfangsroutine

Drei Sekunden, bevor du den ersten Satz sagst. Immer dieselben drei Sekunden: Blatt zurechtlegen, einmal ausatmen, in den Saal schauen. Denn eine feste Routine gibt dir einen Startpunkt, zu dem du nach jeder Störung zurückkehren kannst. Ohne Routine hast du nach der Panne keinen Anker.

W8 · Kenn deine erste Zeile im Schlaf

Nicht den ganzen Text. Nur den ersten Satz. Und den ersten Satz jeder Strophe. Denn wenn du irgendwo rausfliegst, brauchst du einen Einstiegspunkt, der ohne Nachdenken kommt. Diese vier oder fünf Sätze sind deine Rettungsringe.

W9 · Trenn Panne und Person

Sag nie „Sorry, ich bin heute schlecht drauf“. Denn damit erklärst du dich selbst zum Problem. Sag stattdessen etwas über die Situation: „Der Abend hat es heute in sich.“ Die Störung ist ein Ereignis, kein Charakterzeugnis. Und dein Publikum übernimmt genau die Deutung, die du anbietest.

W10 · Halt am Ende die Haltung

Nach einer Panne willst du am Schluss sofort weg. Tu es nicht. Steh nach dem letzten Wort noch zwei Sekunden ruhig da, bevor du dich bewegst. Denn diese zwei Sekunden löschen die Erinnerung an das Chaos und ersetzen sie durch das Bild von jemandem, der die Sache zu Ende gebracht hat.

Mikrofonausfall auf der Bühne improvisieren statt hektisch zu klopfen
MELDUNG 05 · Draufklopfen hat noch nie ein Mikrofon repariert.

Meldung 06

Die Sätze, die du wirklich sagst

Theorie ist schön. Aber auf der Bühne brauchst du Wörter.

Deshalb hier eine Sammlung zum Klauen. Such dir drei aus, lern sie auswendig, fertig.

Denn unter Adrenalin greifst du nur auf das zu, was schon sitzt.

Wenn etwas im Saal passiert

Handy, Zwischenruf, Lärm

→ „Geh ruhig ran, ich warte.“
→ „Das war jetzt nicht abgesprochen.“
→ „Kurze Werbeunterbrechung.“
→ „Ich mach das mal so, als wäre das geplant gewesen.“
→ „Das nehm ich jetzt einfach mit rein.“

Wenn die Technik streikt

Mikro, Licht, Ton

→ „Dann eben analog.“
→ „Ich seh gerade gar nichts mehr, aber hören könnt ihr mich ja.“
→ „Ich komm mal näher.“
→ „Ab hier ohne Netz.“

Wenn du selbst der Fehler bist

Faden weg, Versprecher, Abbruch

→ „Moment, ich bin raus.“
→ „Noch mal von vorn, das war nichts.“
→ „Ich fang die Strophe neu an.“
→ „Zweiter Versuch.“
→ „Gebt mir zwei Sekunden.“

Die Rückkehr

Das Signal, dass es weitergeht

→ „Also, zurück zu …“
→ „Wo war ich. Genau.“
→ „Weiter im Text.“
→ „So. Der Rest ist wichtiger.“

Fällt dir was auf?

Keiner dieser Sätze ist witzig. Denn er muss nicht witzig sein.

Er muss nur zeigen, dass du die Lage im Griff hast.

Und das ist der ganze Trick.

Meldung 07

Improvisieren, bevor etwas kaputtgeht

Bis hierhin ging es um Reparatur. Jetzt geht es um Kür.

Denn die besten Slammer improvisieren nicht erst, wenn etwas schiefläuft. Sie tun es die ganze Zeit.

Und zwar an drei Stellen.

Erstens: Du reagierst auf den Raum

Jeder Saal hat eine Temperatur. Kalt und höflich. Oder warm und laut. Oder müde, weil es der vierte Text nach der Pause ist.

Merk dir das in den ersten zehn Sekunden, während du zum Mikro gehst.

Bei einem kalten Saal fängst du langsamer an und lässt mehr Pausen. Bei einem warmen darfst du sofort losfahren. Bei einem müden Saal brauchst du eine harte erste Zeile.

Das ist keine Textänderung. Nur eine Tempoänderung. Und sie entscheidet über die ersten dreißig Sekunden.

Zweitens: Du reagierst auf den Vorredner

Der Text vor dir hat eine Stimmung hinterlassen. Die kannst du nicht ignorieren.

Kam vorher etwas sehr Trauriges und du hast einen lustigen Text? Dann brauchst du eine Brücke. Ein Satz reicht: „Das war schön. Ich mach jetzt was Dummes.“

Damit gibst du dem Saal die Erlaubnis, umzuschalten. Ohne diese Erlaubnis lacht er die ersten zwei Pointen nicht.

Umgekehrt genauso. Nach viel Gelächter braucht ein ernster Text eine Sekunde Stille, bevor du anfängst.

Drittens: Du reagierst auf dich selbst

Manchmal merkst du mitten im Text, dass eine Stelle heute nicht trägt.

Dann kürz sie. Sofort, im Sprechen.

Das geht nur, wenn du deinen Text so gut kennst, dass du weißt, welche Sätze tragende Wände sind und welche Deko. Und genau deshalb lohnt es sich, das vorher einmal durchzugehen.

Markier drei Sätze, die du notfalls streichen kannst, ohne dass es auffällt.

Diese drei Sätze sind dein Spielraum.

Der Unterschied zwischen Kür und Chaos

Achtung, hier lauert eine Falle.

Improvisieren heißt nicht, deinen Text jedes Mal neu zu erfinden. Denn ein Text, der nie festliegt, wird nie besser.

Was du variierst, sind Tempo, Pausen, Betonung und ein paar streichbare Sätze.

Was fest bleibt, sind die Bilder, die Pointen und der Schluss.

Also: Der Rahmen steht. Alles darin darf atmen.

Meldung 06

So übst du, auf der Bühne zu improvisieren

Der größte Irrtum bei diesem Thema: Improvisation sei Talent.

Ist sie aber nicht. Sondern Vorbereitung, die man hinterher nicht mehr sieht.

Wer souverän reagiert, hat die Reaktion vorher gebaut. Und zwar so.

Schritt 1 · Markier deine Ausstiege

Nimm deinen wichtigsten Text. Such zwei Stellen, an denen du direkt in den Schluss springen kannst, ohne dass es jemand merkt.

Also mal sie dick an den Rand. Dann sprich den Text einmal komplett und einmal über jeden Ausstieg.

Danach hast du drei Fassungen im Kopf statt einer.

Schritt 2 · Lern deinen Notfallsatz

Ein Satz für Störungen. Ein Satz für die Rückkehr. Beide auswendig. Beide laut geübt, bis sie ohne Nachdenken kommen.

Denn unter Adrenalin greifst du nur auf das zu, was schon sitzt.

Schritt 3 · Simulier die Störung

Das ist die Übung, die wirklich etwas verändert. Und sie macht sogar Spaß.

Dafür bittest du jemanden, dich beim Üben absichtlich zu stören. Handy klingeln lassen, Licht ausschalten, laut hüsteln, dazwischenreden.

Deine Aufgabe: benennen, zurückkehren, weitermachen. Jedes Mal.

Nach zehn Durchgängen ist das ein Reflex. Und genau darum geht es. Denn auf der Bühne hast du keine Zeit zum Überlegen.

Drei Übungen für heute Abend

Der Wecker: Stell dir beim Üben einen Wecker auf eine zufällige Zeit. Klingelt er, reagierst du nach der Drei-Sekunden-Regel und machst weiter.
Der Sprung: Lass dir mitten im Text „noch dreißig Sekunden" zurufen. Land sauber über einen Ausstiegspunkt.
Der Neuanfang: Brich deinen Text nach einer Minute bewusst ab, sag einen Satz dazu, fang von vorn an. Damit nimmst du dem Abbruch seinen Schrecken.
Ruhig im Dunkeln stehen bleiben und auf der Bühne improvisieren
MELDUNG 06 · Wenn nichts mehr zu sehen ist, hört man dir endlich richtig zu.
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Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.

Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.

Meldung 08

Die Checkliste vor dem Auftritt

Die meisten Pannen sind vermeidbar. Nicht alle. Aber die meisten.

Und zwar mit einer Routine, die zehn Minuten dauert.

Zwanzig Minuten vorher

Handy aus. Nicht lautlos, sondern aus. Und zwar in die Jacke im Backstage, nicht in deine Hosentasche.

Denn lautlos hilft nicht, wenn der Vibrationsalarm ans Mikro kommt. Frag mich, woher ich das weiß.

Dann: Blätter nummerieren. Selbst wenn du auswendig kannst.

Und ein Schluck Wasser, aber kein volles Glas. Denn ein volles Glas auf einem wackligen Hocker ist eine Panne, die auf ihren Auftritt wartet.

Zehn Minuten vorher

Geh einmal auf die Bühne, wenn es geht. Schau, wo das Mikro steht und wie hoch. Schau, wo das Licht dich blendet.

Such dir drei Punkte im Saal: links, mitte, rechts. Die brauchst du später für den Blick.

Und stell fest, wo die Stufe ist. Sehr viele Slammer stolpern beim Abgang, nicht beim Auftritt.

Zwei Minuten vorher

Notfallsatz einmal innerlich durchgehen. Rückkehrformel dazu.

Ausstiegspunkte im Kopf haben.

Und dann das Wichtigste: einmal richtig ausatmen. Nicht einatmen, ausatmen. Denn unter Anspannung atmen die meisten flach ein und vergessen das Ausatmen komplett.

Was du nicht kontrollieren kannst

Licht, Ton, andere Menschen, dein eigener Körper.

Also hör auf, es zu versuchen. Denn jede Minute, die du vor dem Auftritt in unkontrollierbare Dinge steckst, fehlt dir hinterher an Ruhe.

Bereite vor, was du beeinflussen kannst. Und nimm den Rest an, wenn er kommt.

Meldung 07

Sieben Fehler, die aus einer Panne ein Desaster machen

F1 · Ignorieren

Mein Fehler aus Kassel. Du tust so, als wäre nichts. Und zwingst damit den ganzen Saal, sich weiter damit zu beschäftigen. Zwei Sekunden Anerkennung hätten alles gerettet.

F2 · Ausschlachten

Das Gegenteil. Genauso teuer. Du reitest so lange auf der Panne herum, bis sie interessanter ist als dein Text. Am Ende erinnert sich der Saal an das kaputte Mikro. Nicht an deine Zeilen.

F3 · Sich entschuldigen

„Tut mir leid" macht aus einer Kleinigkeit ein Problem. Benennen ist nicht dasselbe wie sich entschuldigen. Du sagst, was passiert ist. Aber du bittest nicht um Verzeihung dafür, dass dein Zettel Schwerkraft hat.

F4 · Diskutieren

Bei Zwischenrufen der sicherste Weg in den Abgrund. Denn sobald du in den Schlagabtausch gehst, bestimmt jemand anderes das Thema. Ein Satz, dann weiter im Text. Und der Rufer steht allein da.

F5 · Schneller werden

Der Reflex, wenn etwas schiefgeht. Dabei hört der Saal deine Nervosität sofort am Tempo. Langsamer werden fühlt sich falsch an und wirkt souverän.

F6 · Die Pointe erklären

Zündet ein Witz nicht, willst du nachhelfen. Tu es nicht. Denn eine erklärte Pointe ist eine tote Pointe. Und der Saal merkt außerdem, dass dir der Lacher wichtiger war als der Text.

F7 · Vorzeitig aufgeben

Der bitterste Fehler. Du brichst ab, gehst runter, lässt den Text unvollendet. Dabei ist fast jede Panne kleiner, als sie sich anfühlt. Zu Ende sprechen ist fast immer richtig. Auch wenn es holprig wird.

Meldung 10

Was du danach mit der Scham machst

Über diesen Teil redet fast niemand.

Dabei ist er der Grund, warum Leute aufhören.

Denn eine Panne fühlt sich hinterher zehnmal schlimmer an, als sie war. Du liegst nachts wach und spielst die Szene in Endlosschleife.

Der Realitätscheck

Frag am nächsten Tag jemanden, der dabei war. Ganz konkret: Wie schlimm war das mit dem Mikro?

Die Antwort ist fast immer: Welches Mikro?

Denn dein Publikum hat sich ungefähr zwanzig Sekunden damit beschäftigt. Du beschäftigst dich seit zwei Tagen damit.

Das ist kein Trost, sondern eine Tatsache. Nutz sie.

Die Notiz danach

Schreib nach jedem Auftritt zwei Zeilen auf. Was ist passiert, und was hast du getan.

Nicht als Bewertung, sondern als Protokoll.

Nach zehn Auftritten hast du eine Liste, auf der du siehst: Es wiederholt sich. Und du wirst jedes Mal schneller.

Genau das nimmt der Sache ihre Macht.

Der eine Satz, der hilft

Wenn du merkst, dass du dich im Kreis drehst, sag dir Folgendes:

„Ich habe zu Ende gesprochen.“

Denn das ist der einzige Maßstab, der zählt. Nicht, ob es perfekt war. Sondern ob du drangeblieben bist.

Alles andere ist Übungssache.

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Für alles, was nicht im Text steht

Zwar kannst du deinen Text auswendig lernen. Den Abend nicht.

Denn zwischen dem ersten und dem letzten Wort passiert alles Mögliche. Und nichts davon steht auf deinem Blatt.

Genau dafür gibt es den Poetry Master: über 200 Storytricks, Bühnenpräsenz, Auftritts-Hacks, Bildsprache.

Also alles, was du brauchst, wenn der Plan nicht mehr funktioniert.

Hol dir den Poetry Master – oder warte darauf, dass ausgerechnet dein Handy klingelt.

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Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch
— Stephan Pinkwart —

Meldung 08

Häufige Fragen dazu, wie du auf der Bühne improvisierst

Muss ich witzig sein?

Nein. Und das ist der wichtigste Punkt überhaupt. Denn ein sachlicher Satz wirkt genauso gut wie ein Gag. Es geht nicht um Pointen, sondern darum, die Störung sichtbar einzuordnen und weiterzugehen.

Darf ich noch mal von vorn anfangen?

Ja. Ohne schlechtes Gewissen. Sag einen kurzen Satz dazu und beginn neu. Adele hat genau das im Livefernsehen getan und dafür Standing Ovations bekommen. Denn ein Neuanfang sieht nach Anspruch aus, nicht nach Schwäche.

Was tue ich bei aggressiven Zwischenrufen?

Auf keinen Fall diskutieren. Ein ruhiger Satz, dann konsequent zurück in den Text. Denn wer sich auf einen Schlagabtausch einlässt, überlässt jemand anderem die Bühne. Bei echten Übergriffen ist außerdem die Moderation zuständig, nicht du.

Wie lange darf ich auf eine Störung eingehen?

Etwa drei Sekunden. Also ein Satz, höchstens zwei. Danach brauchst du eine deutliche Rückkehr in den Text. Alles darüber macht die Panne zum eigentlichen Programmpunkt.

Kann man Improvisation trainieren?

Ja, denn sie besteht zum größten Teil aus Vorbereitung. Ein auswendig gelernter Notfallsatz, eine Rückkehrformel und zwei markierte Ausstiegspunkte decken fast jede Situation ab. Dazu simulierst du Störungen beim Üben, bis die Reaktion ein Reflex ist.

Was tue ich, wenn ich weinen muss?

Halt an und atme tief durch den Mund. Dein Publikum ist in diesem Moment näher bei dir als vorher, nicht peinlich berührt. Sprich weiter, sobald es geht. Und wenn es nicht geht, sag einen Satz dazu und nimm dir die Sekunden.

Soll ich die Panne hinterher noch mal ansprechen?

Nein. Denn wenn du beim Abgang oder in der Pause noch mal darauf zurückkommst, machst du sie größer, als sie war. Der Abend ist durch. Lass ihn durch sein.

Was, wenn ich mitten im Text merke, dass der Text nicht funktioniert?

Dann zieh ihn durch. Denn ein abgebrochener Text hinterlässt beim Publikum ein unangenehmes Gefühl, ein schwacher Text nur ein neutrales. Nutz stattdessen deinen vorderen Ausstiegspunkt und lande früher.

Wie gehe ich mit einem betrunkenen Zwischenrufer um?

Genau wie mit jedem anderen: ein Satz, dann weiter. Auf keinen Fall diskutieren, denn mit Alkohol im Spiel gewinnst du kein Wortgefecht. Wenn es eskaliert, ist die Moderation zuständig. Dafür ist sie da.

Darf ich mir Stichworte auf die Hand schreiben?

Ja. Denn niemand im Saal sieht das, und es kostet dich nichts. Ein Spickzettel oder ein Blatt sind ebenfalls völlig in Ordnung. Der Mythos vom auswendig gelernten Text kostet mehr Auftritte, als er rettet.

Letzte Meldung

Zurück nach Kassel

Übrigens stand ich zwei Jahre später wieder in demselben Jugendzentrum.

Dieselbe schlechte Akustik. Dieselbe Lichtanlage. Sogar derselbe Text über meinen ersten Job.

Und ungefähr in der Mitte klingelte wieder ein Handy.

Diesmal war es nicht meins. Denn seit Kassel liegt meine Jacke grundsätzlich im Backstage.

Doch diesmal habe ich aufgehört zu sprechen. Und hingeschaut.

Dann habe ich gesagt: „Geh ruhig ran. Aber sag ihr, dass es gerade schlecht passt."

Drei Sekunden Lachen. Ein Blick in den Saal. Dann: „Also, zurück zu meinem ersten Arbeitstag."

Danach lief der Text weiter, als wäre nichts gewesen.

Es war exakt dieselbe Panne wie beim ersten Mal. Elf Sekunden Klingeln in einem stillen Raum.

Der Unterschied lag nicht darin, was passiert ist.

Der Unterschied lag darin, dass ich es zugegeben habe.

Souverän weitermachen, nachdem du auf der Bühne improvisieren musstest
MELDUNG 07 · Störung behoben. Fahrt wird fortgesetzt.

Dein Publikum verzeiht dir jede Panne. Nur nicht, dass du so tust, als wäre nichts.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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