Handschrift oder Laptop: Womit du wirklich besser schreibst

Handschriftlich schreiben oder tippen: der Waschbär sitzt zwischen Notizbuch und Laptop
Die Spur

Handschrift oder Laptop: Womit du wirklich besser schreibst

Tastatur ist schneller, Stift ist ehrlicher. Und die eigentliche Frage lautet nicht, welches Werkzeug besser ist, sondern wann du welches nimmst.
Derselbe Text, drei Titel: derselbe Rohentwurf, drei Werkzeuge
Nur TastaturVier Seiten in zwanzig Minuten, sauber formatiert.Schnell und glatt. Und beim Lesen merkst du, dass wenig davon dir gehört.
Nur HandschriftEine Seite in zwanzig Minuten, kaum lesbar.Langsamer und dichter. Nur dauert das Abtippen dann noch einmal so lang.
Erst Hand, dann TastaturZwanzig Minuten Stift, danach direkt in die Datei.Das Beste von beidem. Darum geht es in diesem Beitrag.
Griff 1Werkzeugbögen 7Werkzeugproben 6Videos 4 deutsche

Die Frage ist so alt wie die Schreibmaschine. Und sie wird meistens falsch gestellt.

Denn es geht nicht darum, welches Werkzeug generell besser ist.

Es geht darum, in welcher Phase du welches brauchst.

Deshalb lautet die Frage nicht, ob handschriftlich schreiben besser ist, sondern wann.

Handschriftlich schreiben hinterlässt eine Spur: eine Federspitze mit frischem Tintenstrich
Ein Strich, der sich nicht rückgängig machen lässt. Genau das ist der Unterschied.

Dieser Beitrag zeigt dir, wann handschriftlich schreiben dir tatsächlich hilft.

Und wann der Stift nur Nostalgie ist und dich Zeit kostet.

Zum Mitmachen gibt es sieben Werkzeugbögen, sechs Werkzeugproben und vier deutsche Videos.

Außerdem lässt sich die Frage in zwanzig Minuten selbst beantworten.

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01

Was beim handschriftlich Schreiben tatsächlich anders ist

Es gibt drei belegbare Unterschiede, und alle drei haben mit Tempo zu tun.

Erstens: Du bist langsamer als dein Denken

Mit der Hand schaffst du vielleicht zwanzig Wörter pro Minute, auf der Tastatur leicht das Dreifache.

Beim Tippen kannst du also fast so schnell schreiben wie denken.

Beim Schreiben mit der Hand nicht.

Und dieser Rückstand zwingt dich, vorher auszuwählen, was überhaupt aufs Papier soll.

Zweitens: Jeder Buchstabe ist eine eigene Bewegung

Auf der Tastatur ist jeder Anschlag derselbe Vorgang, egal ob A, S oder B.

Beim Schreiben mit der Hand formst du jedes Zeichen einzeln.

Handschreiben gilt als komplexer Vorgang, an dem etwa zwölf Hirnareale beteiligt sind und über dreißig Muskeln zusammenwirken.

Drittens: Du kannst nichts löschen

Auf dem Bildschirm verschwindet ein schlechter Satz spurlos.

Auf Papier bleibt er stehen, durchgestrichen, aber lesbar.

Und weil er stehen bleibt, kannst du später sehen, wie du zu der besseren Fassung gekommen bist.

Genau deshalb hinterlässt handschriftlich schreiben eine Spur und Tippen nicht.

Werkzeugprobe
Was ist der wichtigste Unterschied beim handschriftlich Schreiben?
Auflösung anzeigen
Es ist langsamer als das Denken. Genau dieser Rückstand ist der Kern: Weil du nicht alles mitschreiben kannst, musst du beim Schreiben schon auswählen. Aussehen und Stromunabhängigkeit sind nette Nebeneffekte, und bei der Rechtschreibung ist die Forschungslage weniger eindeutig, als oft behauptet wird.
Von Hand
Die Tastatur ist schnell genug für dein Denken. Der Stift ist es nicht — und genau darin liegt sein Wert.
Video 1
Handschrift oder PC? Warum müssen Schüler immer von Hand schreiben?
Ein Lehrer geht die Frage von der praktischen Seite an, inklusive der unangenehmen Nebenwirkungen. Guter Einstieg, weil er nichts romantisiert.
02

Der Griff: handschriftlich schreiben nur in der richtigen Phase

Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.

Es gibt genau eine Regel, und sie beendet die ganze Grundsatzdebatte.

Der Griff
Nimm den Stift, solange du noch nicht weißt, was du sagen willst. Nimm die Tastatur, sobald du es weißt.

Beim Suchen hilft dir Langsamkeit, weil sie dich zwingt auszuwählen.

Beim Ausarbeiten schadet sie dir, weil du dann umstellen, kürzen und verschieben musst — und genau das kann Papier nicht.

Das war es.

Zwei Werkzeuge, zwei Phasen.

Damit wird handschriftlich schreiben von einer Glaubensfrage zu einer Zeitplanung.

Handschriftlich schreiben sieht anders aus: ein glattes und ein bearbeitetes Blatt nebeneinander
Links Maschine, rechts Hand. Man sieht der Seite die Arbeit an.

Warum die Trennung so gut funktioniert

Weil die beiden Phasen gegensätzliche Anforderungen haben.

Im Rohentwurf willst du dich nicht korrigieren, sondern etwas finden.

Beim Überarbeiten willst du Absätze tauschen, streichen und wieder einsetzen.

Ein Werkzeug, das beides gleich gut kann, gibt es nicht.

Der häufigste Einwand

Aber ich tippe doch viel schneller, sagen die meisten an dieser Stelle.

Das stimmt, und genau deshalb ist die Tastatur beim Ausarbeiten unschlagbar.

Beim Suchen dagegen ist Geschwindigkeit kein Vorteil, sondern ein Problem.

Denn ein Rohentwurf muss nicht schnell entstehen, sondern brauchbar.

Der praktische Ablauf

Zwanzig Minuten mit dem Stift, ohne einmal durchzustreichen.

Danach tippst du ab und lässt dabei weg, was du nicht mehr brauchst.

Das Abtippen ist dabei kein Zeitverlust, sondern deine erste Überarbeitung.

Denn beim Abtippen liest du jeden Satz noch einmal einzeln.

Deshalb ist handschriftlich schreiben mit anschließendem Abtippen kaum langsamer als Tippen allein.

Werkzeugbogen 01
Deine Phasenaufteilung
Nimm dein nächstes Textvorhaben und leg fest, welche Phase mit welchem Werkzeug läuft.
Warum nur ein Griff und nicht zwölf
Weil die ganze Debatte auf einer falschen Frage beruht.

Ob Handschrift oder Tastatur besser ist, lässt sich nicht beantworten, weil die beiden Werkzeuge verschiedene Aufgaben haben.

Die Frage nach der Phase dagegen kannst du in fünf Sekunden beantworten.
03

Sechs Phasen: wann handschriftlich schreiben gewinnt

So sieht der Griff angewendet aus.

Denn beim handschriftlich Schreiben gewinnt der Stift nicht überall, sondern nur in bestimmten Phasen.

Drei Phasen für den Stift

1Hand gewinntIdeen sammeln
Mit der Hand
Du notierst kurz und unvollständig. Weil du langsam bist, schreibst du nur auf, was dir wirklich wichtig erscheint.
Auf der Tastatur
Du schreibst zu viel auf und siehst hinterher den Wald vor Bäumen nicht.
Empfehlung
Immer Stift. Ein kleines Notizbuch reicht.
2Hand gewinntDer erste Rohentwurf
Mit der Hand
Du kannst nicht löschen und schreibst deshalb weiter, statt an Satz drei hängen zu bleiben.
Auf der Tastatur
Die Löschtaste verführt dazu, jeden Satz sofort zu polieren.
Empfehlung
Stift, mindestens für die ersten zwanzig Minuten.
3Hand gewinntFesthalten unterwegs
Mit der Hand
Ein Notizbuch ist sofort da, braucht keinen Strom und lenkt nicht ab.
Auf der Tastatur
Bis das Handy entsperrt und die App offen ist, ist der Gedanke weg.
Empfehlung
Stift, und zwar immer in der Jackentasche.

Drei Phasen für die Tastatur

4Tastatur gewinntUmstellen und Strukturieren
Mit der Hand
Auf Papier musst du alles neu abschreiben, sobald du zwei Absätze tauschst.
Auf der Tastatur
Absätze verschieben, ausschneiden, wieder einsetzen. Genau dafür gemacht.
Empfehlung
Tastatur, ohne Ausnahme.
5Tastatur gewinntKürzen und Überarbeiten
Mit der Hand
Streichungen bleiben sichtbar und machen die Seite schnell unlesbar.
Auf der Tastatur
Du siehst sofort, wie lang der Text nach der Kürzung ist.
Empfehlung
Tastatur. Und die alte Fassung als Kopie sichern.
6Tastatur gewinntSuchen und Archivieren
Mit der Hand
Ein Notizbuch ist nicht durchsuchbar. Was drinsteht, findest du nur durch Blättern.
Auf der Tastatur
Volltextsuche über hunderte Dateien in einer Sekunde.
Empfehlung
Tastatur. Deshalb wandern Notizbuchseiten früher oder später in Dateien.
Was daraus folgt
Der Stift gewinnt am Anfang, die Tastatur gewinnt danach.

Und die Grenze verläuft ziemlich genau dort, wo du zum ersten Mal weißt, worum es in deinem Text eigentlich geht.

Vorher hilft dir Langsamkeit. Danach kostet sie dich nur Zeit.
Werkzeugbogen 02
Dein Werkzeugwechsel
Bestimme bei deinem letzten Text, an welcher Stelle du hättest wechseln sollen. Meistens ist es früher oder später als gedacht.
04

Nietzsche tauschte handschriftlich Schreiben gegen eine Maschine

Der wichtigste Satz zu diesem Thema stammt aus dem Februar 1882.

Friedrich Nietzsche war damals stark sehbehindert und konnte kaum noch mit der Feder arbeiten.

Deshalb ließ er sich eine Schreibkugel nach Genua bringen, eine frühe Schreibmaschine des dänischen Pastors Rasmus Malling-Hansen.

Wie es dazu kam

Sein Freund und Sekretär Heinrich Köselitz hatte eine Schriftprobe bekommen.

In seiner Antwort schrieb Köselitz sinngemäß, er sei von der Kernigkeit der Sprüche überrascht — und vermute, Nietzsche gewöhne sich mit diesem Instrument womöglich eine neue Ausdrucksweise an.

Nietzsche antwortete darauf mit einem Satz, der seitdem in jeder Medientheorie steht.

Sie haben recht: Unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken.
Friedrich Nietzsche an Heinrich Köselitz · Februar 1882

Warum dieser Satz zählt

Er behauptet, dass das Werkzeug nicht neutral ist.

Ein Stift erzeugt andere Sätze als eine Tastatur, nicht weil du anders denkst, sondern weil du anders schreibst.

Nietzsche hat das nicht theoretisch erschlossen, sondern beim Wechsel gemerkt.

Und genau diesen Selbstversuch schlägt auch dieser Beitrag vor.

Denn ob handschriftlich schreiben dir nützt, merkst du nur im Wechsel.

Handschriftlich schreiben oder mechanisch: ein altes mechanisches Schreibgerät mit sichtbarer Reparatur
Die Maschine, die Nietzsches Gedanken verändert hat. Und fünfmal in Reparatur war.

Der ehrliche Haken, und er ist erheblich

Das Experiment ging schief.

Die Schreibkugel wurde beim Transport beschädigt, und die Reparaturversuche richteten neue Schäden an.

Insgesamt war das Gerät fünfmal in Reparatur.

Außerdem fiel es Nietzsche schwer, ohne hinzusehen die richtigen Tasten zu finden.

Fehler musste er immer wieder mit Bleistift oder Tinte korrigieren.

Wie lange es gedauert hat

Ungefähr sechs Wochen.

In dieser Zeit entstanden fünfzehn Briefe, eine Postkarte und rund dreißig Blätter mit Gedichten, Sprüchen und Schreibübungen.

Dann gab er auf und stieg wieder auf Feder und Tinte um.

Kurz gesagt: Der berühmteste Satz über Schreibwerkzeuge stammt von jemandem, dessen Werkzeugwechsel nach sechs Wochen scheiterte.

Trotzdem ist er zum handschriftlich Schreiben zurückgekehrt, und zwar freiwillig.

Video 2
Niklas Luhmann erklärt seinen Zettelkasten
Ein komplettes Denksystem auf handbeschriebenen Karten. Luhmann hat es nie digitalisiert — und beschreibt hier selbst, warum es funktioniert.
05

Was die Forschung zum handschriftlich Schreiben sagt

Es gibt eine berühmte Studie, und ihre Geschichte ist lehrreicher als ihr Ergebnis.

Pam Mueller und Daniel Oppenheimer veröffentlichten 2014 in Psychological Science einen Aufsatz mit dem Titel The Pen Is Mightier Than the Keyboard.

Auf Deutsch: Die Feder ist mächtiger als die Tastatur.

Was sie gefunden haben

In drei Versuchen schnitten Studierende, die mit der Hand mitschrieben, bei Verständnisfragen besser ab als jene mit Laptop.

Die Erklärung der Forscher: Wer tippt, neigt dazu, wörtlich mitzuschreiben, statt das Gehörte zu verarbeiten und in eigene Worte zu fassen.

Das nennen sie flachere Verarbeitung, im Original shallower processing.

Bemerkenswert ist dabei, dass die reinen Fakten wie Jahreszahlen bei beiden Gruppen gleich gut hängenblieben.

Erst bei komplexeren Zusammenhängen trennte es sich.

Was daraus wurde

Der Aufsatz wurde zu einer der meistzitierten Studien der Lernforschung.

Er hat weltweit dazu geführt, dass Laptops aus Hörsälen verbannt wurden.

Und er steht bis heute in fast jedem Artikel über Handschrift.

Damit ist sie der meistzitierte Beleg fürs handschriftlich Schreiben überhaupt.

Statt handschriftlich schreiben: der Waschbär tippt schnell und wirkt dabei abwesend
Schnell genug, um alles mitzuschreiben. Und genau das ist das Problem.

Der ehrliche Haken, und er ist der wichtigste Teil

Die Studie ließ sich nicht sauber wiederholen.

Kayla Morehead, John Dunlosky und Katherine Rawson führten 2019 eine direkte Replikation durch und veröffentlichten sie in der Educational Psychology Review.

Ihr Ergebnis: Einzelne Tendenzen sprachen für die Handschrift, aber die Leistung unterschied sich nicht durchgängig zwischen den Gruppen.

Und zwar auch nicht gegenüber einer Gruppe, die überhaupt keine Notizen machte.

Wie du damit umgehst

Eine zusammenfassende Auswertung ergab nur kleine und statistisch nicht belastbare Effekte zugunsten der Handschrift.

Das heißt nicht, dass handschriftlich schreiben nichts bringt.

Es heißt, dass der Effekt kleiner ist als die Schlagzeile und dass niemand ihn dir als Naturgesetz verkaufen sollte.

Kurz gesagt: Probier es an dir selbst aus.

Das ist ohnehin die einzige Studie, die dich betrifft.

Denn handschriftlich schreiben wirkt bei jedem anders, und Mittelwerte sagen darüber nichts.

05b

Was die Hirnforschung beim handschriftlich Schreiben misst

Neben der Lernforschung gibt es eine zweite Spur, und die ist deutlicher.

Denn beim handschriftlich Schreiben lässt sich messen, was im Gehirn passiert — unabhängig davon, ob man sich hinterher mehr merkt.

Der Versuchsaufbau in Trondheim

An der norwegischen Universität NTNU saßen sechsunddreißig Studierende in einem Labor.

Jede Person trug eine Art Netz über dem Kopf, besetzt mit zweihundertsechsundfünfzig Sensoren.

Per EEG wurde gemessen, was im Gehirn geschieht, während dieselben Wörter einmal geschrieben und einmal getippt wurden.

Das Ergebnis

Beim Schreiben mit der Hand bildeten sich mehr neuronale Verknüpfungen als beim Tippen.

Die Erklärung der Forschenden: Beim Tippen ist jeder Tastendruck derselbe Vorgang.

Beim Schreiben dagegen formt die Hand für jeden Buchstaben eine andere Bewegung, und diese Bewegungsinformation wird mitverarbeitet.

Audrey van der Meer, die den Versuch geleitet hat, illustriert das an Kindern: Wer nur auf dem Tablet schreiben lernt, tut sich schwerer damit, spiegelbildliche Buchstaben wie b und d zu unterscheiden.

Was das für dich bedeutet und was nicht

Mehr Hirnaktivität ist nicht automatisch ein besserer Text.

Die Studie sagt etwas über Lernen und Buchstabenerwerb, nicht über die Qualität eines Slam-Textes.

Trotzdem stützt sie die Beobachtung aus Kapitel eins: Handschreiben ist ein komplexerer Vorgang, und Komplexität kostet Tempo.

Kurz gesagt: Die Hirnforschung erklärt, warum es langsamer geht.

Ob dir das nützt, entscheidest immer noch du.

Werkzeugprobe
Was zeigt die EEG-Studie aus Trondheim?
Auflösung anzeigen
Dass mehr Verknüpfungen entstehen. Das ist eine Messung der Hirnaktivität, keine Aussage über Textqualität — und auch kein Beleg dafür, dass Tippen schadet. Bei der Rechtschreibung ist die Lage ausdrücklich nicht eindeutig.
Werkzeugbogen 02b
Deine eigene Beobachtung
Schreib eine Seite mit der Hand und dieselbe Seite getippt. Notier, woran du dich am nächsten Tag noch erinnerst.
Dein Link-Kompass

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Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.

Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.

06

Der Selbstversuch, der die Frage für dich entscheidet

Die Forschung streitet, du kannst messen.

Denn beim handschriftlich Schreiben zählt am Ende nur, was bei dir funktioniert.

Der Aufbau

Nimm dasselbe Thema und schreib dazu zweimal einen Rohentwurf.

Einmal zwanzig Minuten mit der Hand, einmal zwanzig Minuten auf der Tastatur.

Zwischen den beiden Durchgängen sollte mindestens ein Tag liegen.

Und dann liest du beide laut und vergleichst sie nicht nach Menge, sondern nach Substanz.

Was du misstHandschriftTastatur
Wörter in zwanzig MinutenMeistens 300 bis 500.Meistens 800 bis 1200.
Brauchbare ZeilenZähl sie. Oft ähnlich viele wie oben.Zähl sie. Oft deutlich weniger als oben.
Wie oft du stecken geblieben bistSelten. Man schreibt einfach weiter.Häufiger, weil man zurückgeht.
Wie es sich angefühlt hatNotier ein Wort dazu.Notier ein Wort dazu.

Die zweite Zeile ist die einzige, die wirklich zählt.

Denn tausend Wörter mit fünf brauchbaren Zeilen sind weniger wert als dreihundert mit fünf.

Außerdem merkst du beim Zählen zum ersten Mal, wie viel Fülltext du normalerweise produzierst.

Denn handschriftlich schreiben erzeugt weniger Material, aber nicht weniger Ertrag.

Handschriftlich schreiben unterwegs: der Waschbär notiert auf einer Parkbank in ein kleines Notizbuch
Ohne Strom, ohne Ablenkung, ohne Löschtaste. Drei Vorteile auf einmal.
Werkzeugprobe
Woran misst du im Selbstversuch, welches Werkzeug für dich besser ist?
Auflösung anzeigen
An den brauchbaren Zeilen. Wortzahl und Tempo messen nur die Geschwindigkeit des Werkzeugs, nicht die Qualität. Das Gefühl ist ein Hinweis, aber es täuscht häufig — die Tastatur fühlt sich fast immer produktiver an, weil man mehr sieht.
Werkzeugbogen 03
Dein Selbstversuch
Führ den Vergleich durch und trag beide Ergebnisse ein. Ehrlich zählen, nicht schätzen.
07

Was du zum handschriftlich Schreiben wirklich brauchst

Die Ausrüstungsfrage wird gnadenlos überschätzt.

Denn beim handschriftlich Schreiben entscheidet nicht der Füller, sondern ob das Ding immer dabei ist.

GegenstandWorauf es ankommtWas egal ist
Das NotizbuchEs muss in die Jackentasche passen.Marke, Papierqualität, Einband.
Der StiftEr muss ohne Anlaufen schreiben.Füller oder Kugelschreiber. Wirklich.
Die BindungSie muss flach aufliegen.Ob genäht oder geklebt.
Das FormatLieber zu klein als zu groß.Kariert, liniert oder blanko.
Der zweite StiftEiner geht immer verloren.Ob er zum ersten passt.

Die erste Zeile ist die einzige mit echter Wirkung.

Ein schönes großes Notizbuch, das zu Hause auf dem Schreibtisch liegt, nützt dir gar nichts.

Ein hässliches kleines in der Jacke rettet dir dagegen jede Woche zwei Einfälle.

Die Falle, vor der ich warne

Das zu schöne Notizbuch.

Wenn ein Buch zu wertvoll aussieht, traust du dich nicht, Unsinn hineinzuschreiben.

Und Unsinn ist genau das, was in einen Rohentwurf gehört.

Kurz gesagt: Kauf billig und schreib mutig.

Denn handschriftlich schreiben lebt davon, dass die Hemmschwelle niedrig bleibt.

Werkzeugbogen 04
Deine Ausrüstung
Prüf deine aktuelle Ausstattung ehrlich. Und schreib dazu, warum du sie tatsächlich mitnimmst oder eben nicht.
07b

Der dritte Weg: digital handschriftlich schreiben

Zwischen Papier und Tastatur liegt inzwischen eine dritte Möglichkeit.

Denn Tablets mit Stift versprechen beides: handschriftlich schreiben und trotzdem durchsuchbar bleiben.

Was dafür spricht

Die Bewegung ist dieselbe.

Du formst jeden Buchstaben einzeln.

In der Trondheimer Studie schrieben die Versuchspersonen übrigens mit digitalen Stiften, und die Forschenden gehen davon aus, dass die Ergebnisse mit Papier vergleichbar wären.

Außerdem lässt sich das Geschriebene meistens in Text umwandeln und durchsuchen.

Was dagegen spricht

Der Akku.

Ein Notizbuch geht nie aus.

Die Ablenkung.

Auf einem Tablet ist immer alles andere auch noch drauf.

Und die Rückgängig-Taste.

Genau der Vorteil aus Kapitel eins fällt damit weg, weil du wieder löschen kannst.

Meine Empfehlung dazu

Wenn du ohnehin ein Tablet hast, probier es aus.

Wenn du eines kaufen willst, um besser zu schreiben, kauf lieber ein Notizbuch für zwei Euro und probier das ein Vierteljahr.

Denn das teuerste Werkzeug ist selten das, mit dem man am meisten schreibt.

Kurz gesagt: Der dritte Weg funktioniert, löst aber nur das Suchproblem und nicht das Löschproblem.

Werkzeugbogen 04b
Deine Werkzeugwahl
Entscheide dich für genau eine Kombination und schreib dazu, was du damit ausprobieren willst.
Video 3
Die Kunst, ein Notizbuch zu führen — und wirklich dranzubleiben
Der praktische Teil: nicht welches Notizbuch, sondern wie man es über Monate tatsächlich benutzt.
08

Zehn Fehler beim handschriftlich Schreiben

Zunächst fünf beim Werkzeug, anschließend fünf beim Vorgehen.

Fünf Fehler beim Werkzeug

Fehler 1: Ein Werkzeug für alles benutzen
Der Grundfehler. Stift und Tastatur haben verschiedene Aufgaben, und keins kann beides.
Fehler 2: Zu spät auf die Tastatur wechseln
Wer die dritte Fassung noch handschriftlich macht, schreibt alles mehrfach ab.
Fehler 3: Das Notizbuch zu Hause lassen
Ein Werkzeug, das nicht dabei ist, existiert nicht.
Fehler 4: Ein zu schönes Notizbuch kaufen
Dann schreibst du nur noch Fertiges hinein, und das gehört nicht dorthin.
Fehler 5: Handschrift für nostalgisch halten
Sie ist ein Werkzeug mit bestimmten Eigenschaften. Kein Lebensgefühl.

Denn handschriftlich schreiben scheitert öfter am Vorgehen als am Werkzeug.

Fünf Fehler beim Vorgehen

Fehler 6: Beim Rohentwurf durchstreichen
Der Vorteil des Stifts ist, dass du nicht löschen kannst. Nutz ihn, statt dagegen zu arbeiten.
Fehler 7: Schön schreiben wollen
Ein Rohentwurf muss nur für dich lesbar sein, und auch das nur eine Woche lang.
Fehler 8: Nie abtippen
Was nur im Notizbuch steht, ist nicht durchsuchbar und geht früher oder später verloren.
Fehler 9: Beim Abtippen alles übernehmen
Das Abtippen ist deine erste Überarbeitung. Lass dabei weg, was du nicht brauchst.
Fehler 10: Aus der Studienlage ein Dogma machen
Die berühmteste Studie dazu ließ sich nicht sauber wiederholen. Probier es an dir selbst aus.
09

Sechs Übungen fürs handschriftlich Schreiben

Diese sechs kosten dich zusammen kaum zwei Stunden.

Denn handschriftlich schreiben lernt man nicht durch Lesen, sondern durch Ausprobieren.

Außerdem brauchst du für alle nur ein Notizbuch und dein übliches Gerät.

Zunächst drei für den Stift, anschließend drei für den Vergleich.

Drei Übungen für den Stift

Übung 1 – Zwanzig Minuten ohne Absetzen
Schreib zwanzig Minuten mit der Hand über ein Thema, ohne einmal durchzustreichen. Auch nicht bei Rechtschreibfehlern.
Übung 2 – Die Taschenwoche
Trag eine Woche lang ein Notizbuch bei dir und notier jeden Einfall sofort. Am Sonntag zählst du, wie viele es waren.
Übung 3 – Der Bankversuch
Setz dich mit dem Notizbuch zwanzig Minuten an einen öffentlichen Ort und schreib nur auf, was du siehst.

Drei Übungen für den Vergleich

Übung 4 – Der Doppelentwurf
Dasselbe Thema zweimal, einmal Hand, einmal Tastatur. Danach zählst du nur die brauchbaren Zeilen.
Übung 5 – Die Abtippprobe
Tipp einen handschriftlichen Entwurf ab und markier dabei jede Stelle, die du weglässt. Das ist deine natürliche Streichquote.
Übung 6 – Der Rückwechsel
Nimm einen fertigen Text vom Bildschirm und schreib eine Passage daraus noch einmal per Hand ab. Du wirst dabei drei Wörter ändern.
Werkzeugbogen 05
Die Abtippprobe
Übung 5 direkt hier. Was hast du beim Abtippen weggelassen und warum?
Video 4
Handschrift verbessern, ohne zu verkrampfen
Wenn dir beim längeren Schreiben die Hand wehtut, liegt es fast immer an der Haltung. Hier gibt es konkrete Übungen dagegen.
Abnahme

Deine Werkzeugprüfung

Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.

Damit hast du die Werkzeugfrage einmal komplett durchgeprüft.

Erledigt
Nachtrag

Zwölfhundert Wörter und keine einzige Zeile

Ich habe den Doppelentwurf zum ersten Mal vor drei Jahren gemacht.

Am Laptop kamen in zwanzig Minuten zwölfhundert Wörter zusammen.

Handschriftlich schreiben hinterlässt Spuren: eine Federspitze mit einem frischen Tintenstrich
Vierhundert Wörter mit der Hand. Und drei davon stehen bis heute im Text.

Was in den zwölfhundert Wörtern stand

Sehr viel Anlauf, drei Wiederholungen und zwei Absätze, die dasselbe sagten.

Beim Durchzählen fand ich vier Zeilen, die ich behalten wollte.

Das sind vier brauchbare Zeilen auf zwölfhundert Wörter.

Was in den vierhundert stand

Die handschriftliche Fassung hatte vierhundert Wörter.

Und ebenfalls vier brauchbare Zeilen.

Drei davon stehen bis heute unverändert in dem Text.

Gleich viel Ertrag. Nur ein Drittel des Materials, durch das ich mich danach wühlen musste.
Meine Notiz nach dem Versuch — und deshalb mache ich es seitdem so

Der Teil, den ich lieber weggelassen hätte

Die zwölfhundert Wörter fühlten sich beim Schreiben deutlich besser an.

Man sieht die Seite voll werden, und das wirkt wie Fortschritt.

Bei der handschriftlichen Fassung hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, nicht voranzukommen.

Das Gefühl ist beim Schreiben der schlechteste Ratgeber, den es gibt.

Weitergehen

Was das Werkzeug nicht kann

Das richtige Werkzeug in der richtigen Phase spart dir stundenlanges Aufräumen.

Es ist trotzdem nur ein Werkzeug.

Denn handschriftlich schreiben verbessert kein einziges Wort von allein.

Handschriftlich schreiben zahlt sich später aus: der Waschbär spricht frei vor vollem Saal
Auf der Bühne sieht niemand, womit du geschrieben hast.

Warum jetzt erst das Handwerk anfängt

Ein Stift macht keinen Satz besser.

Er sorgt nur dafür, dass du weniger schlechte Sätze produzierst, durch die du dich später wühlen musst.

Und die Tastatur macht keinen Text schlechter.

Sie macht ihn nur schneller lang.

Kurz gesagt: Das Werkzeug bestimmt dein Tempo.

Den Inhalt bestimmst du.

Poetry Master
Genau dafür habe ich Poetry Master gebaut.

Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also alles, was in den vierhundert Wörtern stehen muss, damit sie besser sind als zwölfhundert.

Das Werkzeug wählst du selbst. Den Inhalt liefert das Handwerk.

Stift zum Suchen, Tastatur zum Bauen. Und niemals durchstreichen.
Von Hand
Dein Schreibzeug arbeitet mit an deinen Gedanken. Also such dir aus, welches gerade mitarbeiten soll.

Übrigens liegt in meiner Jacke seit vier Jahren dasselbe Modell Notizbuch.

Es kostet zwei Euro und sieht nach spätestens einem Monat furchtbar aus.

Genau deshalb schreibe ich alles hinein.

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✦ ✦ ✦ die zweiunddreißig bücher

Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

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Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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