Die Frage ist so alt wie die Schreibmaschine. Und sie wird meistens falsch gestellt.
Denn es geht nicht darum, welches Werkzeug generell besser ist.
Es geht darum, in welcher Phase du welches brauchst.
Deshalb lautet die Frage nicht, ob handschriftlich schreiben besser ist, sondern wann.
Dieser Beitrag zeigt dir, wann handschriftlich schreiben dir tatsächlich hilft.
Und wann der Stift nur Nostalgie ist und dich Zeit kostet.
Zum Mitmachen gibt es sieben Werkzeugbögen, sechs Werkzeugproben und vier deutsche Videos.
Außerdem lässt sich die Frage in zwanzig Minuten selbst beantworten.
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Jetzt Kanal folgenWas beim handschriftlich Schreiben tatsächlich anders ist
Es gibt drei belegbare Unterschiede, und alle drei haben mit Tempo zu tun.
Erstens: Du bist langsamer als dein Denken
Mit der Hand schaffst du vielleicht zwanzig Wörter pro Minute, auf der Tastatur leicht das Dreifache.
Beim Tippen kannst du also fast so schnell schreiben wie denken.
Beim Schreiben mit der Hand nicht.
Und dieser Rückstand zwingt dich, vorher auszuwählen, was überhaupt aufs Papier soll.
Zweitens: Jeder Buchstabe ist eine eigene Bewegung
Auf der Tastatur ist jeder Anschlag derselbe Vorgang, egal ob A, S oder B.
Beim Schreiben mit der Hand formst du jedes Zeichen einzeln.
Handschreiben gilt als komplexer Vorgang, an dem etwa zwölf Hirnareale beteiligt sind und über dreißig Muskeln zusammenwirken.
Drittens: Du kannst nichts löschen
Auf dem Bildschirm verschwindet ein schlechter Satz spurlos.
Auf Papier bleibt er stehen, durchgestrichen, aber lesbar.
Und weil er stehen bleibt, kannst du später sehen, wie du zu der besseren Fassung gekommen bist.
Genau deshalb hinterlässt handschriftlich schreiben eine Spur und Tippen nicht.
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Der Griff: handschriftlich schreiben nur in der richtigen Phase
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt genau eine Regel, und sie beendet die ganze Grundsatzdebatte.
Beim Suchen hilft dir Langsamkeit, weil sie dich zwingt auszuwählen.
Beim Ausarbeiten schadet sie dir, weil du dann umstellen, kürzen und verschieben musst — und genau das kann Papier nicht.
Das war es.
Zwei Werkzeuge, zwei Phasen.
Damit wird handschriftlich schreiben von einer Glaubensfrage zu einer Zeitplanung.
Warum die Trennung so gut funktioniert
Weil die beiden Phasen gegensätzliche Anforderungen haben.
Im Rohentwurf willst du dich nicht korrigieren, sondern etwas finden.
Beim Überarbeiten willst du Absätze tauschen, streichen und wieder einsetzen.
Ein Werkzeug, das beides gleich gut kann, gibt es nicht.
Der häufigste Einwand
Aber ich tippe doch viel schneller, sagen die meisten an dieser Stelle.
Das stimmt, und genau deshalb ist die Tastatur beim Ausarbeiten unschlagbar.
Beim Suchen dagegen ist Geschwindigkeit kein Vorteil, sondern ein Problem.
Denn ein Rohentwurf muss nicht schnell entstehen, sondern brauchbar.
Der praktische Ablauf
Zwanzig Minuten mit dem Stift, ohne einmal durchzustreichen.
Danach tippst du ab und lässt dabei weg, was du nicht mehr brauchst.
Das Abtippen ist dabei kein Zeitverlust, sondern deine erste Überarbeitung.
Denn beim Abtippen liest du jeden Satz noch einmal einzeln.
Deshalb ist handschriftlich schreiben mit anschließendem Abtippen kaum langsamer als Tippen allein.
Ob Handschrift oder Tastatur besser ist, lässt sich nicht beantworten, weil die beiden Werkzeuge verschiedene Aufgaben haben.
Die Frage nach der Phase dagegen kannst du in fünf Sekunden beantworten.
Sechs Phasen: wann handschriftlich schreiben gewinnt
So sieht der Griff angewendet aus.
Denn beim handschriftlich Schreiben gewinnt der Stift nicht überall, sondern nur in bestimmten Phasen.
Drei Phasen für den Stift
Drei Phasen für die Tastatur
Und die Grenze verläuft ziemlich genau dort, wo du zum ersten Mal weißt, worum es in deinem Text eigentlich geht.
Vorher hilft dir Langsamkeit. Danach kostet sie dich nur Zeit.
Nietzsche tauschte handschriftlich Schreiben gegen eine Maschine
Der wichtigste Satz zu diesem Thema stammt aus dem Februar 1882.
Friedrich Nietzsche war damals stark sehbehindert und konnte kaum noch mit der Feder arbeiten.
Deshalb ließ er sich eine Schreibkugel nach Genua bringen, eine frühe Schreibmaschine des dänischen Pastors Rasmus Malling-Hansen.
Wie es dazu kam
Sein Freund und Sekretär Heinrich Köselitz hatte eine Schriftprobe bekommen.
In seiner Antwort schrieb Köselitz sinngemäß, er sei von der Kernigkeit der Sprüche überrascht — und vermute, Nietzsche gewöhne sich mit diesem Instrument womöglich eine neue Ausdrucksweise an.
Nietzsche antwortete darauf mit einem Satz, der seitdem in jeder Medientheorie steht.
Sie haben recht: Unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken.Friedrich Nietzsche an Heinrich Köselitz · Februar 1882
Warum dieser Satz zählt
Er behauptet, dass das Werkzeug nicht neutral ist.
Ein Stift erzeugt andere Sätze als eine Tastatur, nicht weil du anders denkst, sondern weil du anders schreibst.
Nietzsche hat das nicht theoretisch erschlossen, sondern beim Wechsel gemerkt.
Und genau diesen Selbstversuch schlägt auch dieser Beitrag vor.
Denn ob handschriftlich schreiben dir nützt, merkst du nur im Wechsel.
Der ehrliche Haken, und er ist erheblich
Das Experiment ging schief.
Die Schreibkugel wurde beim Transport beschädigt, und die Reparaturversuche richteten neue Schäden an.
Insgesamt war das Gerät fünfmal in Reparatur.
Außerdem fiel es Nietzsche schwer, ohne hinzusehen die richtigen Tasten zu finden.
Fehler musste er immer wieder mit Bleistift oder Tinte korrigieren.
Wie lange es gedauert hat
Ungefähr sechs Wochen.
In dieser Zeit entstanden fünfzehn Briefe, eine Postkarte und rund dreißig Blätter mit Gedichten, Sprüchen und Schreibübungen.
Dann gab er auf und stieg wieder auf Feder und Tinte um.
Kurz gesagt: Der berühmteste Satz über Schreibwerkzeuge stammt von jemandem, dessen Werkzeugwechsel nach sechs Wochen scheiterte.
Trotzdem ist er zum handschriftlich Schreiben zurückgekehrt, und zwar freiwillig.
Was die Forschung zum handschriftlich Schreiben sagt
Es gibt eine berühmte Studie, und ihre Geschichte ist lehrreicher als ihr Ergebnis.
Pam Mueller und Daniel Oppenheimer veröffentlichten 2014 in Psychological Science einen Aufsatz mit dem Titel The Pen Is Mightier Than the Keyboard.
Auf Deutsch: Die Feder ist mächtiger als die Tastatur.
Was sie gefunden haben
In drei Versuchen schnitten Studierende, die mit der Hand mitschrieben, bei Verständnisfragen besser ab als jene mit Laptop.
Die Erklärung der Forscher: Wer tippt, neigt dazu, wörtlich mitzuschreiben, statt das Gehörte zu verarbeiten und in eigene Worte zu fassen.
Das nennen sie flachere Verarbeitung, im Original shallower processing.
Bemerkenswert ist dabei, dass die reinen Fakten wie Jahreszahlen bei beiden Gruppen gleich gut hängenblieben.
Erst bei komplexeren Zusammenhängen trennte es sich.
Was daraus wurde
Der Aufsatz wurde zu einer der meistzitierten Studien der Lernforschung.
Er hat weltweit dazu geführt, dass Laptops aus Hörsälen verbannt wurden.
Und er steht bis heute in fast jedem Artikel über Handschrift.
Damit ist sie der meistzitierte Beleg fürs handschriftlich Schreiben überhaupt.
Der ehrliche Haken, und er ist der wichtigste Teil
Die Studie ließ sich nicht sauber wiederholen.
Kayla Morehead, John Dunlosky und Katherine Rawson führten 2019 eine direkte Replikation durch und veröffentlichten sie in der Educational Psychology Review.
Ihr Ergebnis: Einzelne Tendenzen sprachen für die Handschrift, aber die Leistung unterschied sich nicht durchgängig zwischen den Gruppen.
Und zwar auch nicht gegenüber einer Gruppe, die überhaupt keine Notizen machte.
Wie du damit umgehst
Eine zusammenfassende Auswertung ergab nur kleine und statistisch nicht belastbare Effekte zugunsten der Handschrift.
Das heißt nicht, dass handschriftlich schreiben nichts bringt.
Es heißt, dass der Effekt kleiner ist als die Schlagzeile und dass niemand ihn dir als Naturgesetz verkaufen sollte.
Kurz gesagt: Probier es an dir selbst aus.
Das ist ohnehin die einzige Studie, die dich betrifft.
Denn handschriftlich schreiben wirkt bei jedem anders, und Mittelwerte sagen darüber nichts.
Was die Hirnforschung beim handschriftlich Schreiben misst
Neben der Lernforschung gibt es eine zweite Spur, und die ist deutlicher.
Denn beim handschriftlich Schreiben lässt sich messen, was im Gehirn passiert — unabhängig davon, ob man sich hinterher mehr merkt.
Der Versuchsaufbau in Trondheim
An der norwegischen Universität NTNU saßen sechsunddreißig Studierende in einem Labor.
Jede Person trug eine Art Netz über dem Kopf, besetzt mit zweihundertsechsundfünfzig Sensoren.
Per EEG wurde gemessen, was im Gehirn geschieht, während dieselben Wörter einmal geschrieben und einmal getippt wurden.
Das Ergebnis
Beim Schreiben mit der Hand bildeten sich mehr neuronale Verknüpfungen als beim Tippen.
Die Erklärung der Forschenden: Beim Tippen ist jeder Tastendruck derselbe Vorgang.
Beim Schreiben dagegen formt die Hand für jeden Buchstaben eine andere Bewegung, und diese Bewegungsinformation wird mitverarbeitet.
Audrey van der Meer, die den Versuch geleitet hat, illustriert das an Kindern: Wer nur auf dem Tablet schreiben lernt, tut sich schwerer damit, spiegelbildliche Buchstaben wie b und d zu unterscheiden.
Was das für dich bedeutet und was nicht
Mehr Hirnaktivität ist nicht automatisch ein besserer Text.
Die Studie sagt etwas über Lernen und Buchstabenerwerb, nicht über die Qualität eines Slam-Textes.
Trotzdem stützt sie die Beobachtung aus Kapitel eins: Handschreiben ist ein komplexerer Vorgang, und Komplexität kostet Tempo.
Kurz gesagt: Die Hirnforschung erklärt, warum es langsamer geht.
Ob dir das nützt, entscheidest immer noch du.
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Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
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Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
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Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Der Selbstversuch, der die Frage für dich entscheidet
Die Forschung streitet, du kannst messen.
Denn beim handschriftlich Schreiben zählt am Ende nur, was bei dir funktioniert.
Der Aufbau
Nimm dasselbe Thema und schreib dazu zweimal einen Rohentwurf.
Einmal zwanzig Minuten mit der Hand, einmal zwanzig Minuten auf der Tastatur.
Zwischen den beiden Durchgängen sollte mindestens ein Tag liegen.
Und dann liest du beide laut und vergleichst sie nicht nach Menge, sondern nach Substanz.
| Was du misst | Handschrift | Tastatur |
|---|---|---|
| Wörter in zwanzig Minuten | Meistens 300 bis 500. | Meistens 800 bis 1200. |
| Brauchbare Zeilen | Zähl sie. Oft ähnlich viele wie oben. | Zähl sie. Oft deutlich weniger als oben. |
| Wie oft du stecken geblieben bist | Selten. Man schreibt einfach weiter. | Häufiger, weil man zurückgeht. |
| Wie es sich angefühlt hat | Notier ein Wort dazu. | Notier ein Wort dazu. |
Die zweite Zeile ist die einzige, die wirklich zählt.
Denn tausend Wörter mit fünf brauchbaren Zeilen sind weniger wert als dreihundert mit fünf.
Außerdem merkst du beim Zählen zum ersten Mal, wie viel Fülltext du normalerweise produzierst.
Denn handschriftlich schreiben erzeugt weniger Material, aber nicht weniger Ertrag.
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Was du zum handschriftlich Schreiben wirklich brauchst
Die Ausrüstungsfrage wird gnadenlos überschätzt.
Denn beim handschriftlich Schreiben entscheidet nicht der Füller, sondern ob das Ding immer dabei ist.
| Gegenstand | Worauf es ankommt | Was egal ist |
|---|---|---|
| Das Notizbuch | Es muss in die Jackentasche passen. | Marke, Papierqualität, Einband. |
| Der Stift | Er muss ohne Anlaufen schreiben. | Füller oder Kugelschreiber. Wirklich. |
| Die Bindung | Sie muss flach aufliegen. | Ob genäht oder geklebt. |
| Das Format | Lieber zu klein als zu groß. | Kariert, liniert oder blanko. |
| Der zweite Stift | Einer geht immer verloren. | Ob er zum ersten passt. |
Die erste Zeile ist die einzige mit echter Wirkung.
Ein schönes großes Notizbuch, das zu Hause auf dem Schreibtisch liegt, nützt dir gar nichts.
Ein hässliches kleines in der Jacke rettet dir dagegen jede Woche zwei Einfälle.
Die Falle, vor der ich warne
Das zu schöne Notizbuch.
Wenn ein Buch zu wertvoll aussieht, traust du dich nicht, Unsinn hineinzuschreiben.
Und Unsinn ist genau das, was in einen Rohentwurf gehört.
Kurz gesagt: Kauf billig und schreib mutig.
Denn handschriftlich schreiben lebt davon, dass die Hemmschwelle niedrig bleibt.
Der dritte Weg: digital handschriftlich schreiben
Zwischen Papier und Tastatur liegt inzwischen eine dritte Möglichkeit.
Denn Tablets mit Stift versprechen beides: handschriftlich schreiben und trotzdem durchsuchbar bleiben.
Was dafür spricht
Die Bewegung ist dieselbe.
Du formst jeden Buchstaben einzeln.
In der Trondheimer Studie schrieben die Versuchspersonen übrigens mit digitalen Stiften, und die Forschenden gehen davon aus, dass die Ergebnisse mit Papier vergleichbar wären.
Außerdem lässt sich das Geschriebene meistens in Text umwandeln und durchsuchen.
Was dagegen spricht
Der Akku.
Ein Notizbuch geht nie aus.
Die Ablenkung.
Auf einem Tablet ist immer alles andere auch noch drauf.
Und die Rückgängig-Taste.
Genau der Vorteil aus Kapitel eins fällt damit weg, weil du wieder löschen kannst.
Meine Empfehlung dazu
Wenn du ohnehin ein Tablet hast, probier es aus.
Wenn du eines kaufen willst, um besser zu schreiben, kauf lieber ein Notizbuch für zwei Euro und probier das ein Vierteljahr.
Denn das teuerste Werkzeug ist selten das, mit dem man am meisten schreibt.
Kurz gesagt: Der dritte Weg funktioniert, löst aber nur das Suchproblem und nicht das Löschproblem.
Zehn Fehler beim handschriftlich Schreiben
Zunächst fünf beim Werkzeug, anschließend fünf beim Vorgehen.
Fünf Fehler beim Werkzeug
Fehler 1: Ein Werkzeug für alles benutzen
Fehler 2: Zu spät auf die Tastatur wechseln
Fehler 3: Das Notizbuch zu Hause lassen
Fehler 4: Ein zu schönes Notizbuch kaufen
Fehler 5: Handschrift für nostalgisch halten
Denn handschriftlich schreiben scheitert öfter am Vorgehen als am Werkzeug.
Fünf Fehler beim Vorgehen
Fehler 6: Beim Rohentwurf durchstreichen
Fehler 7: Schön schreiben wollen
Fehler 8: Nie abtippen
Fehler 9: Beim Abtippen alles übernehmen
Fehler 10: Aus der Studienlage ein Dogma machen
Sechs Übungen fürs handschriftlich Schreiben
Diese sechs kosten dich zusammen kaum zwei Stunden.
Denn handschriftlich schreiben lernt man nicht durch Lesen, sondern durch Ausprobieren.
Außerdem brauchst du für alle nur ein Notizbuch und dein übliches Gerät.
Zunächst drei für den Stift, anschließend drei für den Vergleich.
Drei Übungen für den Stift
Übung 1 – Zwanzig Minuten ohne Absetzen
Übung 2 – Die Taschenwoche
Übung 3 – Der Bankversuch
Drei Übungen für den Vergleich
Übung 4 – Der Doppelentwurf
Übung 5 – Die Abtippprobe
Übung 6 – Der Rückwechsel
Deine Werkzeugprüfung
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Damit hast du die Werkzeugfrage einmal komplett durchgeprüft.
Zwölfhundert Wörter und keine einzige Zeile
Ich habe den Doppelentwurf zum ersten Mal vor drei Jahren gemacht.
Am Laptop kamen in zwanzig Minuten zwölfhundert Wörter zusammen.
Was in den zwölfhundert Wörtern stand
Sehr viel Anlauf, drei Wiederholungen und zwei Absätze, die dasselbe sagten.
Beim Durchzählen fand ich vier Zeilen, die ich behalten wollte.
Das sind vier brauchbare Zeilen auf zwölfhundert Wörter.
Was in den vierhundert stand
Die handschriftliche Fassung hatte vierhundert Wörter.
Und ebenfalls vier brauchbare Zeilen.
Drei davon stehen bis heute unverändert in dem Text.
Gleich viel Ertrag. Nur ein Drittel des Materials, durch das ich mich danach wühlen musste.Meine Notiz nach dem Versuch — und deshalb mache ich es seitdem so
Der Teil, den ich lieber weggelassen hätte
Die zwölfhundert Wörter fühlten sich beim Schreiben deutlich besser an.
Man sieht die Seite voll werden, und das wirkt wie Fortschritt.
Bei der handschriftlichen Fassung hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, nicht voranzukommen.
Das Gefühl ist beim Schreiben der schlechteste Ratgeber, den es gibt.
Was das Werkzeug nicht kann
Das richtige Werkzeug in der richtigen Phase spart dir stundenlanges Aufräumen.
Es ist trotzdem nur ein Werkzeug.
Denn handschriftlich schreiben verbessert kein einziges Wort von allein.
Warum jetzt erst das Handwerk anfängt
Ein Stift macht keinen Satz besser.
Er sorgt nur dafür, dass du weniger schlechte Sätze produzierst, durch die du dich später wühlen musst.
Und die Tastatur macht keinen Text schlechter.
Sie macht ihn nur schneller lang.
Kurz gesagt: Das Werkzeug bestimmt dein Tempo.
Den Inhalt bestimmst du.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also alles, was in den vierhundert Wörtern stehen muss, damit sie besser sind als zwölfhundert.
Das Werkzeug wählst du selbst. Den Inhalt liefert das Handwerk.
Stift zum Suchen, Tastatur zum Bauen. Und niemals durchstreichen.
Übrigens liegt in meiner Jacke seit vier Jahren dasselbe Modell Notizbuch.
Es kostet zwei Euro und sieht nach spätestens einem Monat furchtbar aus.
Genau deshalb schreibe ich alles hinein.
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Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
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Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
