25 Schreibübungen, die dich in 30 Tagen besser machen

Eine Gürtelprüfung · 25 Übungen

25 Schreibübungen, die dich in 30 Tagen besser machen

Waschbär balanciert auf einer Schiene im nebligen Wald – Schreibübungen für Slam
Balance üben, bevor es drauf ankommt · bahn-slam.de

Mittwoch, 21:10 Uhr, ein Dojo im alten Güterschuppen hinter dem Bahnhof.

Das Training ist vorbei, die Matten riechen nach Gummi und Staub.

Kalle, 38, sitzt am Mattenrand und sucht seit Wochen nach Schreibübungen für den Slam, die mehr taugen als gute Vorsätze.

Drei Texte hat er in diesem Jahr geschrieben.

Alle drei hat er nach dem ersten Auftritt in die Schublade gelegt.

„Ich kann das einfach nicht“, sagt er.

Ayşe, 56, schwarzer Gürtel, rückt die Matten gerade.

Sie trainiert Kalle seit acht Jahren.

„Wie lange hast du für den gelben Gürtel gebraucht?“, fragt sie.

„Ein halbes Jahr.“

„Und wie viele Wettkämpfe hast du in dem halben Jahr gemacht?“

„Keinen.“

„Und beim Schreiben?“

Kalle schweigt.

Er hat beim Schreiben nie geübt.

Er ist immer gleich in den Wettkampf gegangen.

Am nächsten Abend legt Ayşe ihm einen Zettel auf die Matte.

Eine Prüfungsordnung.

Fünf Gürtel, fünfundzwanzig Übungen, dreißig Tage.

Eine der Übungen wird Kalle bis zum vorletzten Tag vor sich herschieben.

Welche, erfährst du am Ende.

Kalle und Ayşe gibt es so nicht. Aber das Gefühl, beim Schreiben immer gleich liefern zu müssen, statt einfach zu üben, kennen sehr viele.

Kennst du das?

Du setzt dich hin und willst sofort einen Text.

Einen guten.

Einen fertigen.

Nicht üben, sondern liefern.

Und wenn es nicht klappt, glaubst du, du kannst es nicht.

Quatsch!

Du hast es nur nie trainiert.

Kein Lokführer lernt fahren, indem er gleich den Nachtzug übernimmt.

Heute bekommst du dein Übungsgleis.

Fünfundzwanzig Übungen, je zehn Minuten, in fünf Gürteln.

Und keine davon erzeugt einen Text für die Bühne.

Das ist kein Mangel.

Das ist der Zweck.

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Schreibübungen für den Slam: die Prüfungsordnung

Prüfungsplan · 30 Tage

1Ü 12Ü 23Ü 34Ü 45Ü 56Ruhe7Ü 68Ü 79Ü 810Ü 911Ü 1012Ruhe13Ü 1114Ü 1215Ü 1316Ü 1417Ü 1518Ruhe19Ü 1620Ü 1721Ü 1822Ü 1923Ü 2024Ruhe25Ü 2126Ü 2227Ü 2328Ü 2429Ü 2530Prüfung

Farbe = Gürtel · gestrichelt = Ruhetag · Gold = Tag 30, alles lesen, nichts ändern

Erst die Rechnung, damit du siehst, dass der Titel nicht übertreibt.

Fünfundzwanzig Übungen, vier Ruhetage, ein Prüfungstag.

Zehn Minuten pro Übung.

Das sind vier Stunden und zehn Minuten in einem Monat.

Weniger, als viele in einer Woche am Handy verbringen.

Und jetzt der wichtigste Unterschied dieses Beitrags.

Ein Text hat ein Ziel.

Er soll bei jemandem ankommen, deshalb wird er überarbeitet und irgendwann fertig.

Eine Übung hat kein Ziel außer sich selbst.

Sie wird nicht überarbeitet, nicht gezeigt und nie fertig.

Wer beides verwechselt, bewertet seine Übungen wie Texte.

Und findet sie schlecht.

Ein Musiker käme nie auf die Idee, seine Tonleitern schlecht zu finden.

Beim Schreiben passiert das ständig.

Dojo-Regeln · nur diese drei

1. Die Uhr entscheidet, nicht das Ergebnis. Zehn Minuten sind zehn Minuten, egal ob ein Satz entsteht oder drei Seiten.

2. Nicht anhalten. Solange die Zeit läuft, wird geschrieben, auch wenn dreimal derselbe Satz dasteht.

3. Alles aufheben. Nichts wegwerfen, nichts sofort korrigieren. Ein Schuhkarton reicht.

Warum ausgerechnet zehn Minuten?

Weil es die längste Zeitspanne ist, in der kaum jemand eine Ausrede findet.

Eine Stunde hat niemand.

Zehn Minuten hat jeder.

Und noch etwas unterscheidet diese Prüfungsordnung von anderen Übungssammlungen.

Alle fünfundzwanzig sind dafür gebaut, dass ein Text später gehört wird, nicht gelesen.

Für einen Roman wäre diese Liste falsch zusammengestellt.

Für fünf Minuten auf einer Bühne ist sie genau richtig.

Weißgurt: sehen lernen

Gürtel 1 von 5 · Tage 1 bis 5

Weißgurt · sehen lernen

1Der fremde Mensch
Setz dich an einen Ort mit Publikumsverkehr und schreib zehn Minuten lang auf, was du an einer Person sehen kannst. Keine Vermutungen, nur Sichtbares.
Trainiert: Beobachtung statt Behauptung.
2Ein Gegenstand, fünfzig Wörter
Beschreib einen Alltagsgegenstand in genau fünfzig Wörtern so, dass man ihn wiedererkennt. Zähl wirklich.
Trainiert: Genauigkeit unter Platzmangel, wie auf einer Bühne mit Zeitlimit.
3Das Geräuschprotokoll
Augen zu und zehn Minuten lang nur aufschreiben, was du hörst. Danach die drei markieren, die dir vorher nie aufgefallen sind.
Trainiert: Texte mit Geräuschen stehen sofort im Raum.
4Die zwölf Erinnerungen
Zwölf Erinnerungen, die älter als fünf Jahre sind, je ein Stichwort. Besonders die kleinen.
Trainiert: Dein Materiallager für Tage ohne Einfall.
5Der echte Satz
Notier drei Sätze, die echte Menschen in den letzten Tagen gesagt haben, wörtlich. Schreib zu einem zehn Minuten weiter.
Trainiert: Echte Sprache klingt anders als erfundene.

Der erste Gürtel sieht aus wie Nichtstun.

Und entscheidet über alles Weitere.

Denn die häufigste Ursache für leere Blätter ist nicht fehlendes Talent.

Es ist fehlendes Material.

Diese fünf Übungen füllen dein Lager.

Nach fünf Tagen liegen Zettel voller Beobachtungen vor dir.

Und es hat dich zusammen fünfzig Minuten gekostet.

Gelbgurt: Klang und Stimme

Gürtel 2 von 5 · Tage 7 bis 11

Gelbgurt · Klang und Stimme

6Nur kurze Sätze
Zehn Minuten schreiben, kein Satz länger als sieben Wörter.
Trainiert: Du hörst zum ersten Mal, wie lang deine Sätze sonst sind.
7Ein einziger Satz
Zehn Minuten an einem Satz, ohne Punkt. Kommas und Gedankenstriche sind erlaubt.
Trainiert: Atem und Sog: Lange Sätze tragen, wenn sie eine Richtung haben.
8Der fremde Text im eigenen Mund
Lies einen fremden Text laut, erst schnell, dann normal, dann so langsam, dass es sich falsch anfühlt.
Trainiert: Deine Stimme hören, ohne deinen eigenen Text zu bewerten.
9Aufnehmen und mitschreiben
Erzähl deinem Handy fünf Minuten lang eine Geschichte aus deinem Leben. Hör ab und schreib die drei besten Formulierungen auf.
Trainiert: Gesprochene Sprache liegt näher an Bühnensprache.
10Die Stolperjagd
Lies einen alten Text laut und markier jedes Stolpern. Schreib die drei schlimmsten Stellen um.
Trainiert: Stolpern ist eine Eigenschaft des Textes, nicht deiner Zunge.

Warum kommt der Klang so früh?

Weil ein Slam-Text erst auf der Bühne zu dem wird, was er ist.

Deshalb taucht das laute Lesen in dieser Prüfungsordnung immer wieder auf.

Und deshalb geht es in keiner einzigen Übung um Rechtschreibung.

Übung 10 ist die unangenehmste der Liste.

Und die einzige, nach der du im nächsten Text sofort etwas anders machst.

Die Idee, zehn Minuten ohne Anhalten zu schreiben, hat eine berühmte Vordenkerin.

Die amerikanische Autorin Natalie Goldberg veröffentlichte 1986 „Writing Down the Bones“, einen Klassiker unter den Schreibratgebern.

Ihr Kern ist eine Methode, die aus ihrer Zen-Praxis kommt.

Du stellst eine feste Zeit ein und schreibst, ohne die Hand anzuhalten.

Nichts durchstreichen, nichts korrigieren, Rechtschreibung egal.

Übung ist bei ihr Training, nicht Arbeit am fertigen Text.

Taos News · „Writing Down the Bones: 30 Years Later“

Achte darauf, wie oft von Übung die Rede ist.

Und wie selten von Talent.

Grüngurt: bauen

Gürtel 3 von 5 · Tage 13 bis 17

Grüngurt · bauen

11Drei Anfänge
Nimm eine Erinnerung aus Übung 4 und schreib drei erste Sätze: mit einem Geräusch, einer Handlung, einer Zahl.
Trainiert: Es gibt nie nur einen Anfang.
12Rückwärts bauen
Schreib zuerst die letzte Zeile eines Textes, den es noch nicht gibt. Dann arbeite dich zurück.
Trainiert: Ein Text mit bekanntem Ende hat eine Richtung.
13Das Formular
Schreib in einer fremden Form: Beschwerdebrief, Bedienungsanleitung, Wetterbericht, Verlustmeldung.
Trainiert: Eine geliehene Form bringt die Reihenfolge mit.
14Die Schere
Druck einen alten Text aus, schneid ihn in Absätze und leg sie neu. Lies das Ergebnis laut.
Trainiert: Die Reihenfolge des Einfalls ist selten die beste.
15Der Tonwechsel
Bau in einen ernsten Text eine einzige komische Stelle ein, oder umgekehrt. Sie muss aus derselben Welt kommen.
Trainiert: Kontrast.

Jetzt wird aus Material zum ersten Mal ein Text.

Du baust mit dem, was der weiße Gürtel ins Lager gelegt hat.

Die Erinnerung aus Übung 4 wird in Übung 11 zu drei möglichen Anfängen.

Die meisten Leute nehmen den erstbesten Anfang und wissen gar nicht, dass sie eine Wahl hatten.

Und Übung 14 wirkt fast wie Zauberei.

Oft ist die neue Reihenfolge besser als die alte.

Die Reihenfolge, in der du geschrieben hast, ist nur die, in der es dir eingefallen ist.

Ein Zug wird nicht dadurch besser, dass man neue Wagen kauft.

Meistens reicht es, die vorhandenen anders zu reihen.

Waschbär klettert die Stufen einer Fußgängerbrücke über den Gleisen hinauf – Schreibübungen Slam
Stufe für Stufe über die Gleise · bahn-slam.de

Blaugurt: wegnehmen

Gürtel 4 von 5 · Tage 19 bis 23

Blaugurt · wegnehmen

16Die Hälfte
Kürz einen fertigen Absatz auf die Hälfte der Wörter. Nicht auf achtzig Prozent, auf fünfzig.
Trainiert: Du siehst, welche Sätze wirklich tragen.
17Ohne Adjektive
Zehn Minuten über einen Ort, ohne ein einziges Adjektiv.
Trainiert: Beschreiben durch Auswahl statt durch Bewertung.
18Die Suchfunktion
Such in einem alten Text nach „irgendwie“, „eigentlich“, „ein bisschen“ und „man“. Streich jeden Treffer.
Trainiert: Die schnellste Verbesserung, die es gibt.
19Der gestrichene Lieblingssatz
Streich deinen Lieblingssatz und schreib den Absatz ohne ihn neu. Zurückholen darfst du ihn erst danach.
Trainiert: Dient der Satz dem Text oder der Text dem Satz?
20Die letzte Zeile
Streich bei fünf alten Texten die letzte Zeile und lies das neue Ende laut.
Trainiert: Viele Texte hören eine Zeile zu spät auf.

Das ist der Gürtel, der am meisten bringt.

Und den niemand gern macht.

Übung 16 ist brutal.

Und geht trotzdem fast immer.

Übung 17 überrascht die meisten.

Ohne Adjektive wird ein Text nicht ärmer, sondern atmosphärischer.

Weil du durch Auswahl beschreibst statt durch Bewertung.

Und Übung 20?

Viele Texte hören eine Zeile zu spät auf.

Weil man am Schluss noch erklären will, was gemeint war.

Bahn-Slam Podcast #66 · „Warum du Russisch Roulette mit Sprache machen solltest“ · Bahn-Slam

Das ist die Podcastfolge zu diesem Beitrag.

Achte beim Hören darauf, welche Übung aus dieser Prüfungsordnung dir dabei einfällt.

Schwarzgurt: Mut

Gürtel 5 von 5 · Tage 25 bis 29

Schwarzgurt · Mut

21Das, was du niemandem zeigen würdest
Zehn Minuten über etwas, das du nie vorlesen würdest. Danach zerreißen.
Trainiert: Wie anders du schreibst, wenn niemand mitliest.
22Der Brief, der nie abgeschickt wird
Schreib an eine Person, mit der etwas unerledigt ist. Nicht abschicken.
Trainiert: Ein echter Adressat verändert den Ton.
23Die Gegenposition
Schreib zehn Minuten lang den besten Text gegen eine Überzeugung, die dir wichtig ist. Ernsthaft, nicht ironisch.
Trainiert: Texte, die einen Einwand kennen, sind erwachsener.
24Vorlesen ohne Ankündigung
Lies einem Menschen einen Text vor, ohne vorher etwas zu erklären. Danach nur eine Frage: Was hast du gesehen?
Trainiert: Ein Text funktioniert ohne Gebrauchsanweisung.
25Der schlechteste Text der Welt
Schreib absichtlich den kitschigsten Text, den du schaffst. Alle Klischees rein.
Trainiert: Danach erkennst du deine eigenen Klischees sofort.

Die letzten fünf haben nichts mit Technik zu tun.

Sie sind trotzdem der Grund, warum manche Leute nach einem Jahr anders schreiben und andere nicht.

Technik kann man von außen beurteilen.

Ob jemand etwas riskiert, hört ein Saal in der ersten Minute.

Und Übung 25 macht einfach Spaß.

Außerdem erkennst du danach deine eigenen Klischees sofort, weil du gerade zehn Minuten mit ihnen verbracht hast.

Ein Werkzeug, das gut zum schwarzen Gürtel passt, stammt von Julia Cameron.

In ihrem Buch „The Artist’s Way“ von 1992, einem zwölfwöchigen Programm gegen kreative Blockaden, sind es die Morgenseiten.

Drei handgeschriebene Seiten, jeden Morgen, ohne Thema und ohne Anspruch.

Gelesen werden sie erst einmal von niemandem, auch nicht von dir.

Das passt zu Übung 21: Wer weiß, dass niemand mitliest, schreibt anders.

Julia Cameron · „On the Value of Writing Morning Pages“ · Fearne Cotton’s Happy Place

Achte darauf, wie Cameron über Qualität spricht.

Und darüber, warum sie keine Rolle spielen soll.

Was in dreißig Tagen wirklich passiert

So fühlt sich der Monat oft an

Tage 1–3Begeisterung
Alles ist neu und leicht. Länger als zehn Minuten zu schreiben ist erlaubt, aber kein gutes Zeichen.
Tage 4–8Erste Schwelle
Zettel voll, kein Text. Der Gedanke: Das bringt nichts.
Tage 9–14Erste Überraschung
Eine Übung liefert einen Absatz, den du behalten willst.
Tage 15–22Arbeitsphase
Unspektakulär, und das ist gut. Die zehn Minuten werden Gewohnheit.
Tage 23–29Zweite Schwelle
Der schwarze Gürtel tut weh. Jetzt nicht aussteigen.
Tag 30Blick zurück
Alles in einem Rutsch lesen. Nur lesen, nichts ändern.

Es lohnt sich, den Verlauf vorher zu kennen.

Dann hältst du die schwierigen Stellen besser aus.

Die erste Schwelle kommt früh.

Du hast ein paar Zettel voll und keinen einzigen Text.

Und der Gedanke ist: Das bringt nichts.

Er stimmt sogar.

In dieser Phase entsteht nichts Sichtbares.

Es entsteht nur Material, und Material sieht nach nichts aus.

Genau an diesem Punkt steigen viele aus.

Die zweite Schwelle kommt beim schwarzen Gürtel.

Und sie trifft oft gerade die, denen die ersten vier Gürtel leichtgefallen sind.

Aber hier kommt der Haken: Der schwarze Gürtel ist der Teil, der einen Text von anderen unterscheidet.

Fünf Fehler, die den ganzen Monat kosten

  • Die Übung bewerten. Ein Übungszettel ist eine Tonleiter, kein Konzert. Weglegen, ohne ihn noch mal zu lesen.
  • Länger als zehn Minuten. Wer am Montag vierzig Minuten schreibt, hat am Mittwoch keine Lust mehr.
  • Auf den richtigen Moment warten. Alle Übungen funktionieren im Wartezimmer, in der Bahn, abends auf dem Sofa.
  • Die unangenehmen überspringen. Der schwarze Gürtel kostet Überwindung und bringt am meisten.
  • Alles wegwerfen. Ohne den Stapel fehlt dir am Tag dreißig der Beweis.

„Ich schreibe seit Jahren, brauche ich so was überhaupt?“

Erfahrene brauchen andere Übungen als Anfänger.

Aber sie brauchen sie dringender.

Wer lange schreibt, entwickelt Handgriffe, die zuverlässig funktionieren.

Und hört irgendwann auf, andere auszuprobieren.

Für dich sind der blaue und der schwarze Gürtel gemacht.

Vor allem Übung 17 und Übung 23 tun Erfahrenen weh.

Und ändern am meisten.

Und wenn du realistisch nur drei Übungen schaffst?

Dann nimm Übung 1, Übung 9 und Übung 16.

Sammeln, klingen, wegnehmen.

Bonus: Keine einzige der fünfundzwanzig Übungen verlangt eine Idee.

Das ist Absicht.

Ideen sind das, was am schwersten zu bestellen ist.

Alle Übungen funktionieren auch an Tagen, an denen dir nichts einfällt.

Manche sogar besser.

Denn wenn du nichts sagen willst, achtest du auf das Wie.

Und das Wie ist der Teil, den man üben kann.

Kurze Gürtelprobe

Du hast zwei Tage ausgelassen. Was jetzt?

Auflösung anzeigen

Einfach weitermachen. Zwei Übungen an einem Tag bringen weniger als eine, und nichts beendet so einen Monat zuverlässiger als der Versuch, einen Rückstand aufzuholen.

Dein Monats-Check

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Und Kalle?

Prüfungskarte · Kalle

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Übung 24 nachgeholt am Tag 29 · Zuhörerin: Ayşe · Frage danach: „Was hast du gesehen?“

Kalle hat die Prüfungsordnung durchgezogen.

Jeden Tag zehn Minuten, meistens in der S-Bahn zur Arbeit.

Den weißen Gürtel mochte er.

Beim gelben hat er sich über seine eigene Stimme erschrocken.

Und beim schwarzen hat er eine Übung immer wieder verschoben.

Nummer 24.

Einem Menschen einen Text vorlesen, ohne vorher zu erklären, worum es geht oder dass er noch nicht fertig ist.

Zehn Minuten.

Und das Einzige, was sie verlangt, ist, vorher den Mund zu halten.

Genau daran scheitert sie so oft.

Wer vorher erklärt, kann sich hinterher rausreden.

Wer nichts sagt, erfährt die Wahrheit.

Am Tag 29 sitzt Kalle nach dem Training wieder am Mattenrand.

Ayşe rückt die Matten gerade.

Kalle holt einen Zettel raus und liest.

Ohne Einleitung.

Ohne „Ist noch nicht fertig“.

Ohne „Ist nur so eine Idee“.

Als er fertig ist, fragt er nur eine Sache.

„Was hast du gesehen?“

Ayşe erzählt es ihm.

Ziemlich genau.

Es ist das, was er gemeint hat.

Am Tag 30 liest Kalle alles, was er in einem Monat geschrieben hat, in einem Rutsch durch.

Die Zettel aus der ersten Woche klingen, als hätte sie jemand anders geschrieben.

Das ist keine Einbildung.

Das ist der sichtbarste Beweis dafür, dass Üben funktioniert.

Also merke: Üben heißt, etwas zu machen, das du gerade nicht brauchst.

Damit du es kannst, wenn du es brauchst.

Dein Auftrag für diese Woche?

Nicht die ganze Liste.

Nicht der ganze Monat.

Nur Übung 1, morgen.

Setz dich irgendwo hin, wo Menschen vorbeikommen, und schreib zehn Minuten lang auf, was du an einer einzigen Person sehen kannst.

Das kostet dich zehn Minuten und einen Zettel.

Nichts wird gespeichert. Schreib es danach auf einen Zettel für den Schuhkarton.

Was man auf der Bühne sieht, sind nie die Übungen.

Man sieht nur einen Menschen, der weiß, was er tut.

Und genau dafür sind sie da.


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Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch, das du lesen solltest
— Stephan Pinkwart —

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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