Auftritt im Altenheim: Poesie ohne Punktetafel
Du trittst nicht in einem Saal auf. Du bist zu Besuch.
Der Raum, in dem du stehst, ist der Ort, an dem diese Menschen wohnen. Das Sofa gehört ihnen, der Fernseher gehört ihnen, und die Uhrzeit gehört dem Haus.
Das ist der ganze Unterschied, und er ändert alles: wie du hereinkommst, wie lang du bleibst und was du mitbringst.
Wer das als kleine Bühne behandelt, hat den Nachmittag schon verloren.
Kein Wettbewerb, keine Jury, kein Zeitlimit von der Bühnenuhr. Dafür Publikum, das mehr erlebt hat als du.
Fangen wir mit dem Fehler an, der fast allen unterläuft.
Zunächst nimmt man sich vor, besonders freundlich zu sein.
Und wird dabei automatisch langsamer, lauter und ein bisschen kindlicher.
Genau das merken die Leute sofort, und es ist beleidigend.
Deshalb geht es in diesem Beitrag nicht darum, was du weglässt.
Es geht darum, was du auswählst und wie du dich verhältst.
Was in diesem Beitrag steht
Wie ein Auftritt im Altenheim abläuft, wenn er gut läuft.
Also welche Texte tragen, wie lang du bleibst und was du vorher klären musst.
Dazu kommen zwei Untersuchungen: eine darüber, aus welcher Zeit Menschen die meisten Erinnerungen haben, und eine darüber, wie sich Prioritäten im Laufe des Lebens verschieben.
Außerdem ein Besuchsblatt mit allem, was vorher zu klären ist.
Zum Mitmachen gibt es fünf Textsorten, sieben Blätter und vier deutsche Videos.
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Jetzt Kanal folgenWarum das kein kleiner Auftritt ist
Es sieht aus wie eine einfachere Version dessen, was du kannst.
Tatsächlich ist es eine andere Aufgabe.
Was auf der Slam-Bühne gilt, aber nicht im Altenheim
Zunächst sind alle freiwillig da und haben dafür bezahlt.
Außerdem kennt das Publikum das Format und weiß, was gleich passiert.
Ferner ist der Raum abgedunkelt, ruhig und für Vorträge gebaut.
Und schließlich bist du an einem Abend einer von acht.
Was beim Auftritt im Altenheim gilt
Manche sitzen dort, weil sie ohnehin in diesem Raum sitzen.
Außerdem kennt kaum jemand das Format, und Poetry Slam sagt vielen nichts.
Ferner ist der Raum hell, hallig und voller Nebengeräusche.
Und schließlich bist du das Programm des Nachmittags, allein.
Die letzte Zeile bringt die meisten aus dem Takt.
Denn es wird deutlich weniger gelacht, und zwar auch bei Stellen, die im Saal sicher funktionieren.
Das heißt nicht, dass nichts ankommt.
Es heißt, dass die Rückmeldung nach dem Auftritt kommt, im Einzelgespräch, und dann oft sehr genau.
Auflösung
Der Griff: sprich zu Erwachsenen, nur langsamer
Jetzt der Teil, für den du hergekommen bist.
Es gibt eine Regel, und sie ist unbequem einfach.
Langsamer sprechen, deutlicher artikulieren, größere Pausen: ja. Einfachere Wörter, harmlosere Themen, freundlichere Stimme: nein.
Denn das Erste hilft beim Verstehen. Das Zweite signalisiert, dass du dein Gegenüber für weniger hältst, und genau das wird bemerkt.
Das war es.
Tempo runter, Haltung gleich.
Was du für den Auftritt tatsächlich änderst
Zunächst das Tempo, und zwar deutlicher, als sich richtig anfühlt.
Außerdem die Lautstärke, weil viele schlechter hören und es nicht sagen.
Ferner die Länge der einzelnen Texte, weil Konzentration Kraft kostet.
Und schließlich die Position.
Du stehst näher und tiefer, nicht erhöht am anderen Ende des Raums.
Was du im Altenheim auf keinen Fall änderst
Zunächst einmal den Ton, in dem du sprichst.
Außerdem die Wortwahl, sofern sie nicht ohnehin Fachjargon ist.
Ferner die Themen, denn Trauer, Tod und Verlust sind hier keine Tabus, sondern oft das Naheliegendste.
Und schließlich deinen Humor.
Wer glaubt, er müsse ihn abschwächen, unterschätzt seine Zuhörer.
Dann wird die Stimme weicher, die Sätze werden kürzer, und irgendwann sagt man Sachen wie „das ist jetzt ein schwieriges Wort".
Gegen diesen Rutsch hilft nur eine Entscheidung, die du vorher triffst: Tempo ja, Niveau nein.
Fünf Textsorten und was du mit ihnen machst
Jetzt wird es konkret.
Fünf Sorten aus deinem Bestand, sortiert danach, wie klar der Fall ist.
Bei jeder steht das Merkmal, die Entscheidung und die Begründung.
Die zwei Sorten, die zu Hause bleiben
Aus welcher Zeit die Bilder kommen
Wenn du in einem Text auf etwas verweist, landest du in einer bestimmten Zeit.
Und es lohnt sich zu wissen, welche Zeit bei deinem Publikum am dichtesten besetzt ist.
David Rubin, Scott Wetzler und Robert Nebes haben das 1986 in einem Kapitel des Sammelbands Autobiographical Memory zusammengetragen, erschienen bei Cambridge University Press.
Was Rubin und Kollegen zusammengetragen haben
Zunächst werteten die drei Untersuchungen mehrerer Arbeitsgruppen aus.
Dabei zeigte sich ein Muster, das seither immer wieder gefunden wurde.
Menschen ab etwa vierzig erinnern sich überdurchschnittlich häufig an Ereignisse aus dem Alter zwischen zehn und dreißig.
Besonders dicht liegt der Bereich zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig.
Man nennt das den Erinnerungsberg.
Was das für deine Texte im Altenheim bedeutet
Zunächst treffen Verweise auf die eigene Jugend hier ins Leere.
Denn was für dich der prägende Sommer war, war für dein Publikum ein beliebiges Jahr im mittleren Alter.
Außerdem lohnt es sich, Verweise so zu wählen, dass sie ohne Jahreszahl funktionieren.
Ein Bahnhof ist immer ein Bahnhof.
Und schließlich ist das kein Aufruf, historische Anspielungen einzubauen.
Nichts wirkt bemühter als ein Text, der plötzlich von Trümmerfrauen handelt, weil man das für passend hielt.
Der ehrliche Haken, und er ist mehrteilig
Es handelt sich um ein Kapitel in einem Sammelband, das Ergebnisse mehrerer Untersuchungen zusammenfasst, und nicht um ein einzelnes Experiment.
Außerdem verschiebt sich der Berg je nachdem, wie man fragt.
Bittet man um wichtige Erinnerungen, liegt er anders als bei Stichwörtern.
Ferner ist die Erklärung offen.
Eine Übersichtsarbeit von 2018 über achtundsechzig Untersuchungen zählt mehrere konkurrierende Deutungen auf.
Und schließlich gibt es einen Befund, der die meisten Erklärungen in Frage stellt.
Der Berg tauchte nämlich auch dann auf, als Leute sich die Erinnerungen einer erfundenen siebzigjährigen Person ausdenken sollten.
Ganz ohne eigenes Gedächtnis.
Warum die Reaktion anders ausfällt
Jetzt zu der Beobachtung, die viele nach dem ersten Mal verunsichert.
Es wird wenig gelacht, und trotzdem bleiben hinterher Leute sitzen und wollen reden.
Laura Carstensen, Derek Isaacowitz und Susan Charles haben dazu 1999 im American Psychologist eine Theorie vorgelegt.
Sie heißt sozioemotionale Selektivität, und der Grundgedanke ist schlicht.
Worum es bei dieser Theorie geht
Menschen richten ihre Ziele nämlich danach aus, wie viel Zeit sie vor sich sehen.
Wer einen langen offenen Zeitraum vor sich sieht, sammelt: Wissen, Kontakte, Möglichkeiten.
Wer den Zeitraum als begrenzt wahrnimmt, gewichtet anders und bevorzugt das, was gerade emotional bedeutsam ist.
Damit hängt der sogenannte Positivitätseffekt zusammen: Ältere Menschen wenden sich in Untersuchungen eher positiven Informationen zu und behalten sie besser.
Was das für deinen Nachmittag bedeutet
Zunächst ist Gelächter hier ein schlechteres Maß als sonst.
Denn wer nach emotionaler Bedeutung sucht, reagiert auf einen guten Text nicht unbedingt mit einem Lacher.
Außerdem erklärt es, warum die Gespräche danach so viel dichter sind als bei einem Slam.
Dort geht man nach Hause, hier bleibt man sitzen.
Und schließlich lohnt es sich, Zeit für genau diese Gespräche einzuplanen.
Sie sind nicht der Anhang des Auftritts, sondern oft der eigentliche Teil.
| Verbreitete Annahme | Was die Theorie nahelegt | Was du machst |
|---|---|---|
| Kein Lachen heißt kein Erfolg. | Andere Reaktionsform. | Nicht am Gelächter messen. |
| Sie wollen nur Heiteres. | Bedeutsames, nicht Harmloses. | Traurige Texte mitnehmen. |
| Nach dem Auftritt ist Schluss. | Danach fängt es an. | Eine halbe Stunde einplanen. |
| Das gilt für alle Alten. | Es geht um den Zeithorizont. | Nicht nach Alter sortieren. |
| Positiv heißt oberflächlich. | Bedeutsam heißt nicht seicht. | Anspruch beibehalten. |
Die letzte Zeile ist mir die wichtigste in diesem ganzen Beitrag.
Denn aus dem Positivitätseffekt wird gern abgeleitet, man solle schwierige Themen meiden.
Das steht dort nicht.
Es geht um emotionale Bedeutsamkeit, und die schließt Trauer ausdrücklich ein.
Der ehrliche Haken, und er ist deutlich
Es handelt sich um eine Theorie mit gesammelten Belegen und nicht um ein einzelnes Experiment.
Außerdem ist der Positivitätseffekt umstritten.
Es gibt Hinweise darauf, dass er sich in verschiedenen Kulturen unterschiedlich zeigt.
Ferner beschreibt die Theorie Aufmerksamkeit und Gedächtnis, nicht Geschmack.
Sie sagt nichts darüber, welche Gedichte jemand mag.
Und schließlich ist der Weg von dieser Theorie zu einer Textauswahl weit.
Als Denkanstoß taugt sie, als Anleitung nicht.
Was du vorher klärst
Der wichtigste Teil passiert am Telefon, und zwar Tage vorher.
Sechs Fragen, und sie dauern zusammen zehn Minuten.
Warum das Gespräch mit dem Personal so viel bringt
Es sitzen in manchen Häusern auch Menschen mit Demenz mit im Raum.
Was in so einer Runde gut funktioniert und was nicht, weiß nicht der Blogbeitrag, sondern die Pflegekraft, die dort jeden Tag arbeitet.
Frag sie also, und zwar konkret: Was läuft hier gut, was sollte ich lassen?
Die Antworten sind meistens praktisch und kurz, und sie ersparen dir die Erfahrung, es selbst herauszufinden.
Du willst mehr von diesen Ideen?
Hier liegen 280 Beiträge über Bühne, Stimme, Texte und den ganzen schönen Wahnsinn dazwischen. Such dir raus, was heute weh tut.
Präsenz, Körper, Ausstrahlung – alles, was passiert, sobald du oben stehst.
Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
Outfit, Schlaf, Technik, kaltes Publikum: der Abend selbst.
Anmeldung, Zeitlimit, Jury, Finalrunde – wie der Laden läuft.
Abkürzungen und Methoden, die dir sonst keiner verrät.
Aus Auftritten wird ein Name. Und irgendwann ein Einkommen.
Wie weit darfst du gehen – und wem gehört die Geschichte?
Bücher, Bühnenmenschen und Geschichten, die deinen Stoff aufladen.
Gleis, Wartesaal, Fundbüro – wo dieser Blog herkommt.
Die schrägen Texte. Genau die, die am längsten hängen bleiben.
Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
Wie der Nachmittag tatsächlich abläuft
Der Ablauf unterscheidet sich in fast jedem Punkt von einem Slam.
Der Anfang deines Besuchs
Zunächst kommst du zwanzig Minuten früher und gehst einmal durch den Raum.
Außerdem stellst du dich vor, bevor du anfängst, und zwar mit Namen und einem Satz dazu, was du machst.
Ferner sagst du, wie lange es dauert.
Das entspannt sofort.
Und dann fängst du an, ohne lange Erklärung des Formats.
Der Mittelteil im Aufenthaltsraum
Nun folgen drei bis fünf Texte, mit längeren Pausen dazwischen als gewohnt.
Denn zwischen zwei Texten passiert hier etwas: Leute sagen etwas, husten, kommen an oder gehen.
Wer diese Pausen als Störung behandelt, kämpft den ganzen Nachmittag.
Wer sie einplant, hat es leicht.
Der Schluss und die halbe Stunde danach
Hör früher auf, als du dürftest.
Denn vierzig Minuten sind viel.
Außerdem bleib danach sitzen, statt einzupacken.
Denn dann kommen die Gespräche, und die sind der Grund, warum sich das Ganze für dich lohnt.
Man erzählt dir Dinge, die man einem Fremden erzählt und sonst niemandem.
Wenn jemand nach dem Auftritt auf einen Text reagiert, ist die Versuchung groß, den Text zu erklären.
Frag stattdessen nach. Fast jeder in diesem Raum hat zu deinem Thema eine eigene Geschichte, und die ist meistens besser als das, was du gerade vorgetragen hast.
Geld, Absprachen und ehrliche Erwartungen
Für die Frage, ob und wie du ein Honorar in Rechnung stellst, gelten dieselben Regeln wie bei jedem anderen Auftritt. Und wenn Aufnahmen entstehen sollen, brauchst du das Einverständnis der Abgebildeten, was in diesem Umfeld besondere Sorgfalt verlangt.
Klär beides vorher mit dem Haus und im Zweifel mit einer Steuerberatung oder Fachanwaltschaft.
Trotzdem lohnen sich zwei ehrliche Feststellungen.
Zum Honorar für den Auftritt
Die meisten Häuser haben zwar kleine Budgets, und das ist keine Geringschätzung.
Trotzdem gilt: Frag nach einem Honorar, auch wenn es klein ausfällt.
Denn wer grundsätzlich umsonst auftritt, macht es allen schwerer, die davon leben wollen.
Und ein kleines Honorar ist ehrlicher als eine große Geste, auf die du dann jahrelang keine Anfrage mehr bekommst.
Zu den Aufnahmen
Frag nicht danach, ob du filmen darfst.
Denn selbst wenn das Haus zustimmt, sitzen dort Menschen, die in einem Video nicht auftauchen wollen.
Und manche von ihnen sagen es nicht.
Wenn du ein Bild brauchst, nimm eines vom leeren Raum vorher.
Das genügt für jeden Zweck, den du damit verfolgst.
Zehn Fehler beim Auftritt im Altenheim
Fünf bei der Vorbereitung, fünf im Raum.
Fünf Fehler bei der Vorbereitung
Fehler 1: Nicht mit dem Personal sprechen
Fehler 2: Traurige Texte aussortieren
Fehler 3: Schnelle Texte einpacken
Fehler 4: Zu viel Programm planen
Fehler 5: Umsonst zusagen, ohne zu fragen
Denn ein guter Auftritt im Altenheim steht und fällt mit der Vorbereitung, nicht mit den Texten.
Fünf Fehler im Raum
Fehler 6: Langsamer und kindlicher werden
Fehler 7: Zwischenrufe als Störung behandeln
Fehler 8: Das Format erklären wollen
Fehler 9: Am Gelächter messen
Fehler 10: Sofort einpacken
Sechs Schritte für den ersten Termin
Das reicht von der Anfrage bis zu einem Nachmittag, der trägt.
Drei Schritte vorher
Schritt 1 – Anrufen statt mailen
Schritt 2 – Fünf Texte auswählen und einen streichen
Schritt 3 – Einmal in halbem Tempo lesen
Drei Schritte am Tag selbst
Schritt 4 – Früher da sein
Schritt 5 – Kurz vorstellen, dann anfangen
Schritt 6 – Sitzen bleiben
Denn Schritt sechs ist der, wegen dem du wiederkommen wirst.
Die Abnahme
Alles aus diesem Beitrag auf einer Seite.
Der Text, den ich zu Hause gelassen hatte
Bei meinem ersten Termin hatte ich sechs Texte dabei und einen ausgelassen.
Es war der über meinen Großvater und die Wochen im Krankenhaus.
Ich hielt ihn für unpassend, aus lauter Rücksicht.
Was danach passiert ist
Eine Frau, vielleicht neunzig, blieb sitzen, als die anderen gingen.
Sie sagte, das sei alles sehr nett gewesen.
Und dann erzählte sie mir zwanzig Minuten lang von ihrem Mann, der vor sechs Jahren gestorben war, und von den Wochen davor.
Sie hatte offensichtlich damit gerechnet, dass jemand darüber spricht.
Und niemand hatte es getan, ich am allerwenigsten.
Was ich daraus gelernt habe
Nicht, dass man alles vorlesen sollte.
Es gibt Texte, die nirgends passen.
Sondern dass meine Rücksicht in Wahrheit meine eigene Unsicherheit war.
Ich wollte nichts falsch machen und habe deshalb gar nichts riskiert.
Für einen netten Nachmittag reicht das.
Für mehr nicht.
„Ich hatte den einen Text weggelassen, der zu diesem Raum gepasst hätte. Und zwar aus Höflichkeit gegenüber Leuten, die mich nicht darum gebeten hatten.“Meine Notiz danach — und der Grund für Textsorte drei
Wie ich solche Auftritte heute vorbereite
Inzwischen nehme ich immer mindestens einen traurigen Text mit.
Außerdem frage ich das Personal vorher, ob es etwas gibt, was ich lassen soll.
Und wenn ich unsicher bin, ob ein Text passt, lese ich ihn und schaue in den Raum, statt ihn vorher wegzulassen.
Bisher hat mir das niemand übelgenommen.
Andersherum schon.
Was Rücksicht nicht ersetzt
Eine gute Vorbereitung sorgt immerhin dafür, dass der Nachmittag funktioniert.
Ob deine Texte etwas taugen, ändert sie nicht.
Warum dieser Raum besonders ehrlich ist
Auf einer Slam-Bühne trägt dich das Format über schwache Stellen hinweg.
Hier gibt es kein Format, keine Wertung und keine aufgeheizte Stimmung.
Es gibt nur einen hellen Raum, zwölf Leute und deine Sätze.
Kurz gesagt: Wer hier besteht, hat einen Text, der ohne alles auskommt.
Über 200 Storytricks, Bildsprache, Bühnenpräsenz und Auftritts-Hacks. Also das, was einen Text so weit trägt, dass er auch im Aufenthaltsraum um halb vier funktioniert.
Den Besuch bereitest du in zehn Minuten vor. Die Texte dafür baust du dein Leben lang.
Tempo runter, Niveau gleich. Traurige Texte mitnehmen. Und danach sitzen bleiben.
Übrigens ist der Satz, den ich dort am häufigsten höre, kein Lob für einen Text.
Er lautet: Das hat mich an etwas erinnert.
Und danach kommt eine Geschichte, die besser ist als meine.
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Atem, Pause, Lautstärke, Mikro – dein wichtigstes Werkzeug feinjustiert.
Vom ersten Satz bis zur letzten Zeile: Handwerk, das trägt.
Metapher, Reim, Pointe, Rhythmus – die Werkzeuge im Detail.
Wenn das Blatt leer bleibt: Stoff, der wirklich zündet.
Wut, Kindheit, Verlust, Körper – die Texte, die etwas kosten.
Für die Tage, an denen nichts geht und alles zittert.
Der Kopf entscheidet, bevor das Mikro angeht.
Was die Bühne mit dir macht – im besten und im härtesten Sinn.
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Nichts dabei? Dann schreib den Text, der dir hier fehlt. Das ist der Punkt.
