Die Giftkarte · Auftritt
Achtung: Gift für deinen Auftritt!

Manche Dinge können deinen Auftritt ruinieren, lange bevor du das Mikro in der Hand hast.
Und du merkst nicht einmal, dass du sie zu dir genommen hast.
Freitag, zwanzig nach sieben, die kleine Bar im alten Bahnhofsgebäude.
In vierzig Minuten beginnt der Slam, Jonna hat Startnummer vier.
Sie bestellt ein Wasser.
Ruben, der hier seit Jahren hinter dem Tresen steht, stellt es ihr hin.
Daneben legt er eine Karte, die auf keinem Tisch liegt.
Schwarzes Papier, goldene Schrift.
„Die Giftkarte“, sagt er.
„Für Leute, die gleich auftreten.“
Jonna lacht.
„Ich trink doch nur Wasser.“
„Das sagen alle.“
„Die meisten haben trotzdem schon zwei, drei davon intus, wenn sie hier ankommen.“
Jonna liest die Karte.
Beim zweiten Drink hört sie auf zu lachen.
Einen davon hat sie vor zwanzig Minuten getrunken, ohne es zu merken.
Welchen, erfährst du am Ende.
Jonna und Ruben gibt es so nicht. Aber die sechs Drinks auf dieser Karte werden öfter bestellt, als man denkt.
Kennst du das?
Du hast alles richtig gemacht.
Ausgeschlafen, pünktlich da, der Text sitzt.
Und trotzdem stehst du oben wie hinter einer Glasscheibe.
Du hörst dich selbst reden und kommst nicht an die Leute heran.
Hinterher suchst du den Fehler im Text.
Du schreibst eine gute Stelle um, obwohl die Stelle nie das Problem war.
Das Problem war etwas, das du vorher zu dir genommen hast.
Folge dem Bahn-Slam
auf WhatsApp
- Neue Slam-Texte zuerst
- Gedanken vom Gleis
- Keine E-Mail, kein Spam
Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
Jetzt Kanal folgenDie Giftkarte: sechs Drinks, die deinen Auftritt ruinieren
Bahnhofsbar · Karte für Auftretende
Die Giftkarte
Sechs Drinks, die niemand bestellt und trotzdem fast jeder trinkt. Auf der Rückseite: die Gegengifte.
Diese sechs Gifte stehen in keiner Checkliste.
Sie kosten nichts und wiegen nichts.
Man kann sie weder vergessen noch verpassen.
Man nimmt sie einfach zu sich, meistens aus Gewohnheit.
Und alle sechs haben dieselbe unangenehme Eigenschaft.
Man merkt sie nicht beim Schlucken, sondern erst beim Wirken.
Achte beim Lesen auf eine Gemeinsamkeit.
Sie wird am Ende wichtig.
Zu jedem Drink gibt es auf der Rückseite der Karte ein Gegengift.
Kein Ratschlag zum Nachdenken, sondern ein Handgriff, den du noch heute Abend anwenden kannst.
In dieser Folge des Bahn-Slam-Podcasts geht es um ein Bühnen-Desaster.
Achte beim Hören auf eine Frage.
Wann hat das Desaster eigentlich angefangen: auf der Bühne oder schon davor?
Drink 1 und 2: der Handy-Spritz und der Streit auf Eis
Der Handy-Spritz
4 cl fremder Bestauftritt, 2 cl Scrollen in der Garderobe, aufgefüllt mit einer Mail von 19:40 Uhr.
Wirkung: sofort. Du misst dich an einer Bestenauswahl und übernimmst nebenbei den Rhythmus eines anderen.
Es ist die harmloseste Bewegung der Welt.
Du wartest, du bist nervös, du holst das Handy raus.
Und da ist ein Video von jemandem, der genau das macht, was du gleich machst.
Nur besser.
Das Problem ist nicht der Neid.
Das Problem ist der Maßstab, den du dir gerade eingebaut hast.
Was du da siehst, ist vielleicht der beste Abend eines Menschen aus sehr vielen.
Ausgewählt, geschnitten, mit dem lautesten Publikum.
Zehn Minuten später stehst du in einer Kneipe mit vierzig Leuten und misst dich an einer Bestenauswahl.
Dazu kommt: Wer kurz vorher jemanden mit hohem Tempo gehört hat, spricht oft selbst schneller.
Dein Kopf übernimmt gern, was er zuletzt gehört hat.
Und eine unangenehme Mail um 19:40 Uhr sitzt um 20:10 Uhr noch im Kiefer.
Rückseite · Gegengift
Flugmodus, sobald du das Gebäude betrittst. Nicht wegstecken, ausschalten. Und wenn du in der Garderobe etwas zu tun brauchst: Lies deinen eigenen ersten Satz, zehnmal, leise.
Streit auf Eis
Ein Telefonat, das ohne Ende aufgelegt wurde, auf Eis serviert, mit einem Schuss „Ich schreib schnell noch was“.
Wirkung: schleichend. Du sprichst schneller und verlierst genau die Pausen, an denen gute Abende hängen.
Dieses Gift kommt aus einem ganz anderen Leben.
Ein Telefonat, das ohne Ende aufgelegt wurde.
Eine Nachricht, die offen im Raum steht.
Du steigst in den Zug und denkst, das legt sich unterwegs.
Es legt sich aber nicht.
Es setzt sich nur.
Auf der Bühne merkst du es an einer bestimmten Stelle: Du sprichst schneller als sonst.
Ein Körper in Alarmbereitschaft hält keine Pausen aus.
Und die Pausen sind das Wertvollste, was du auf der Bühne hast.
Besonders tückisch ist der Gedanke, schnell noch eine Nachricht zu schreiben, damit es geregelt ist.
Meistens ist es danach nicht geregelt.
Meistens wartest du ab jetzt auf eine Antwort.
Du musst nicht vor jedem Auftritt alle Konflikte lösen.
Das schafft niemand.
Es reicht, den Streit zu vertagen, aber richtig.
Rückseite · Gegengift
Den Streit vertagen, aber mit Termin: „Ich will das klären, aber nicht jetzt. Morgen um zehn, ja?“ Sobald der Konflikt einen Platz im Kalender hat, hört dein Kopf auf, ihn im Hintergrund weiterzurechnen. Geht keine Nachricht mehr, schreib den Satz auf einen Zettel und steck ihn ein.
Drink 3: der Nachgeschmack vom letzten Mal
Der Nachgeschmack
Ein misslungener Abend von vor vier Wochen, zehnmal aufgewärmt und eingekocht auf seine schlimmsten Sekunden.
Wirkung: lähmend. Wer sich zehnmal vorstellt, wie er den Faden verliert, hat es zehnmal geübt.
Vor vier Wochen ist ein Abend danebengegangen.
Heute stehst du wieder auf einer Bühne.
Nur bist du nicht wirklich hier.
Ein Teil von dir sitzt noch in diesem anderen Saal und schaut sich beim Scheitern zu.
Das Perfide: Du glaubst, du bereitest dich vor.
In Wahrheit übst du das Scheitern.
Dazu kommt, dass wir uns selten an einen ganzen Abend erinnern.
Hängen bleiben eher die schlimmsten Sekunden und das Ende.
Was du mit dir herumträgst, ist also ein Zusammenschnitt der schlechtesten Stelle.
Es gibt einen sauberen Unterschied zwischen Auswerten und Grübeln.
Auswerten hat ein Ergebnis und ein Ende.
Grübeln hat weder das eine noch das andere.
Kannst du nach zehn Minuten einen Satz aufschreiben, war es Auswertung.
Fühlst du nach zehn Minuten dasselbe wie am Anfang, war es Gift.
Rückseite · Gegengift
Den alten Abend einmal auswerten, schriftlich, in drei Zeilen, und nicht am Auftrittstag. Danach gilt er als erledigt. Kommt er trotzdem hoch, sagst du innerlich „ausgewertet“ und kehrst zu deinem ersten Satz zurück.
Drink 4: der Heute-muss-es-klappen-Shot
Der Heute-muss-es-klappen-Shot
Doppelter Druck, ein wichtiger Gast in Reihe eins, ohne Eis und ohne Pause getrunken.
Wirkung: verkrampfend. Was du tausendmal automatisch konntest, machst du plötzlich bewusst, und bewusst geht es schlechter.
Diesen Drink mixt du dir selbst.
Er entsteht immer dann, wenn ein Abend etwas beweisen soll.
Eine wichtige Jury, ein größerer Saal, jemand im Publikum, dem du gefallen willst.
Und plötzlich hängt an drei Minuten eine ganze Bedeutung.
Was dann passiert, hat nichts mit Willenskraft zu tun.
Du kennst das vom Treppensteigen.
Solange du nicht hinschaust, geht es wie von selbst.
Sobald du über jeden Schritt nachdenkst, wird der Gang seltsam.
Genau das passiert mit deinem Text, wenn du dich beim Sprechen selbst überwachst.
Wie brutal das werden kann, hat 2021 die ganze Welt gesehen.
Zeugin · Tokio, Sommer 2021
Simone Biles gilt vor den Spielen als beste Turnerin der Welt. Im Mannschaftsfinale plant sie am Sprung zweieinhalb Schrauben und schafft nur anderthalb.
Turnerinnen nennen das die „Twisties“: Man verliert mitten in der Luft die Orientierung. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern gefährlich.
Biles zieht sich aus mehreren Finals zurück. Am 3. August tritt sie am Schwebebalken an, mit einem Abgang ohne Schraube. 14,000 Punkte, Bronze, ihre siebte olympische Medaille.
Achte beim Zuschauen auf das, was Biles an diesem Tag nicht gemacht hat.
Sie hat nicht die Zähne zusammengebissen und den schwierigsten Abgang trotzdem versucht.
Sie hat die Aufgabe verkleinert, bis sie wieder zu ihr passte.
Und ist damit angetreten, statt gar nicht.
Wir neigen zum Gegenteil.
Ist ein Abend wichtig, nehmen wir den anspruchsvollsten Text.
Genau an dem Abend, an dem der Kopf am wenigsten mitspielt.
Aber hier kommt der Haken: Ein bisschen Anspannung gehört dazu.
Ohne sie bist du auf der Bühne eine Schlaftablette.
Der Unterschied liegt in der Richtung.
Anspannung zieht nach vorn: Ich will da raus, ich freue mich.
Druck zieht nach hinten: Es darf nichts schiefgehen, sonst bedeutet es etwas über mich.
Frag dich eine Sekunde lang, ob du dich auf die nächsten drei Minuten freust oder sie hinter dich bringen willst.
Beim Freuen darfst du bleiben.
Beim Hinter-dich-Bringen greifst du zum Gegengift.
Rückseite · Gegengift
Die Aufgabe verkleinern, statt dich zu vergrößern: sicherster Text, einfachste Fassung, keine Experimente. Und ein Ziel, das nur von dir abhängt, zum Beispiel: „Ich halte meine drei Pausen.“

Drink 5 und 6: die Vorhersage und der stille Groll
Die Vorhersage
Ein Blick in den Saal, gemixt mit „Die verstehen mich hier eh nicht“, garniert mit zu viel Bier auf den Tischen.
Wirkung: selbsterfüllend. Du spielst vorsichtiger, der Saal bleibt auf Abstand, und du fühlst dich bestätigt.
Diesen Drink bestellst du meistens beim ersten Blick in den Saal.
Zu viel Bier auf den Tischen, zu wenig Aufmerksamkeit, ein Publikum, das dir zu jung, zu alt oder zu laut vorkommt.
Und der Gedanke kommt von allein.
Das Fatale: Du behältst recht.
Aber nicht, weil du das Publikum richtig eingeschätzt hast.
Sondern weil du ab diesem Moment anders spielst.
Vorsichtiger, schneller, mit weniger Blick nach vorn.
Das Publikum spürt die Haltung dahinter und bleibt auf Abstand.
Hinterher fühlst du dich bestätigt.
Dabei hast du eine Vorhersage getroffen und sie anschließend selbst eingelöst.
Der Placebo-Effekt ist bekannt: Wer Hilfe erwartet, dem geht es oft besser.
Der Nocebo-Effekt ist sein unbeliebter Bruder.
Wer Schaden erwartet, spürt ihn oft stärker.
Achte im Video darauf, welche Rolle Worte und Erwartungen dabei spielen.
Deshalb hilft Positivdenken hier auch nicht.
Du kannst dir nicht einreden, dass alle dich lieben werden.
Was funktioniert: Du ersetzt die Vorhersage durch eine Beobachtung.
„Die verstehen mich hier nicht“ ist eine Vorhersage.
„An Tisch drei wird gerade bestellt“ ist eine Beobachtung.
Rückseite · Gegengift
Ersetz die Vorhersage durch eine Beobachtung. Such dir drei einzelne Menschen im Saal: die Frau mit der roten Jacke, den Mann am Tresen, das Paar an Tisch vier. Über drei Menschen kann man keine Vorhersage treffen, man kann sie nur anschauen.
Der stille Groll
Monatelang gereift im Fass „Immer dieselben werden gebucht“, mit einer feinen Note Trotz.
Wirkung: langsam und kaum zu schmecken. Man hört ihn als winzige Spur Trotz in der Stimme.
Das letzte Gift ist das leiseste.
Es entsteht nicht an einem Abend, sondern über Monate.
Immer dieselben werden gebucht, immer dieselben Namen auf den Plakaten.
Daraus wird eine Haltung, die man nicht ausspricht, aber mitnimmt.
Man hört sie.
Sie klingt nach einer winzigen Spur Trotz in der Stimme.
Und Trotz ist das Gegenteil von Einladung.
Das Gemeine ist die Halbwahrheit darin.
Bekanntheit hilft beim Buchen, das stimmt ja.
Aber bekannt wird man vor allem so: Man tritt auf, und die Leute erinnern sich gern daran.
Ein verbitterter Auftritt bringt dich also um genau das, was den Groll auflösen würde.
Rückseite · Gegengift
Trenn die beiden Baustellen. Wie du an mehr Auftritte kommst, ist eine echte Frage, aber sie gehört an den Schreibtisch, mit Mails und Plan. Auf der Bühne sitzen Leute, die dir nichts schulden und trotzdem gekommen sind.
Die Wendung: Keiner dieser Drinks steht im Raum
Hausgetränk · geht aufs Haus
Ein Glas Gegenwart
Alles, was heute Abend zählt, befindet sich in diesem Raum. Alles andere kann warten.
Zubereitung: Raum anschauen · drei Gesichter suchen · ersten Satz leise sagen
Leg die sechs Drinks nebeneinander.
Das Video zeigt einen anderen Menschen an einem anderen Abend.
Der Streit hat woanders stattgefunden.
Der letzte Auftritt ist Wochen alt.
„Heute muss es klappen“ handelt von einer Zukunft, die noch nicht passiert ist.
Die Vorhersage betrifft Menschen, die du noch gar nicht kennst.
Und der Groll gilt einer Szene, nicht diesem Saal.
Sechs Gifte, eine Formel: Keines davon ist im Raum.
Und jetzt die gute Nachricht.
Gefahrgut wird bei der Bahn nicht verboten.
Es wird gekennzeichnet, richtig verpackt und an die passende Stelle im Zug gestellt.
Genau so ist es mit deinen sechs Stoffen.
Du musst den Ehrgeiz nicht abschaffen, den Ärger nicht wegatmen und den Vergleich nicht verlernen.
Du musst sie nur richtig verladen.
Der Ehrgeiz gehört an den Schreibtisch, der Ärger in ein Gespräch, der Vergleich in die Woche nach dem Auftritt.
Diese Stoffe entstehen übrigens nicht aus Schwäche.
Sie entstehen daraus, dass dir die Sache wichtig ist.
Und eins noch: Auch ohne alle sechs kann ein Abend danebengehen.
Der Text ist noch nicht fertig, der Saal ist wirklich kalt, die Technik streikt.
Die Giftkarte ist kein Moralprogramm, sondern eine Liste vermeidbarer Handicaps.
Wer sie weglässt, hat keinen garantiert guten Abend, aber einen fairen.
Wenn Druck oder Grübeln dich über Wochen nicht loslassen, ist das mehr als Lampenfieber.
Sprich dann mit deiner Hausarztpraxis oder mit Menschen, denen du vertraust.
Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, kostenlos unter 0800 111 0 111.
Dein Verladeritual
Mehr ist es nicht.
Kein Atemtraining, keine Aufwärmroutine, keine Motivationsformel.
Mach es beim nächsten Auftritt genauso wie beim übernächsten.
Rituale wirken erst, wenn sie langweilig geworden sind.
Ihr Sinn ist nicht, dich zu beruhigen.
Ihr Sinn ist, die Minute zu belegen, in der sonst das Gift einzieht.
Denn diese Minute ist nie leer.
Entweder du füllst sie, oder sie füllt sich selbst.
Fragen am Tresen · zum Aufklappen
Ich schaue mir vor Auftritten gern andere an. Das motiviert mich. Ist das falsch?
Wenn es dich wärmt, statt dich zu messen, behalte es. Der Test: Fühlst du dich nach dem Video größer oder kleiner? Bei größer ist es Brennstoff, bei kleiner ist es Gift.
Und was ist mit Aufregung? Die ist doch auch im Körper.
Aufregung ist kein Gift, sondern Energie mit schlechtem Ruf. Sie zieht nach vorn, zur Bühne hin. Die sechs Drinks ziehen dich weg aus dem Raum.
Woran merke ich während des Auftritts, dass ein Gift wirkt?
An drei Zeichen: Du wirst schneller, du schaust weniger in den Saal, und du hörst dir selbst beim Sprechen zu. Dann hilft eine bewusste Pause und ein Blick zu einem deiner drei Gesichter.
Folge dem Bahn-Slam
auf WhatsApp
- Neue Slam-Texte zuerst
- Gedanken vom Gleis
- Keine E-Mail, kein Spam
Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
Jetzt Kanal folgenUnd Jonna?
Beim zweiten Drink hat Jonna aufgehört zu lachen.
Streit auf Eis.
Zwanzig Minuten vor dem Slam hat sie mit ihrem Bruder telefoniert.
Es ging um den Geburtstag ihrer Mutter, um alte Sachen, um den falschen Ton.
Sie haben aufgelegt, ohne fertig zu sein.
Seitdem liegt das Handy mit dem Bildschirm nach unten auf dem Tresen.
Und in ihrem Kopf läuft das Gespräch weiter.
Jonna dreht das Handy um und schreibt eine einzige Nachricht.
Heute, 19:52
Zugestellt · danach Flugmodus
Dann schaltet sie in den Flugmodus.
Ruben nickt, als hätte er es nicht anders erwartet.
Um acht geht Jonna nach oben.
Sie schaut sich den Raum an: das Licht, die Bar, die Stühle.
Sie findet drei Gesichter: eine Frau mit roter Mütze, einen Mann am Tresen, ein Paar an Tisch vier.
Sie sagt ihren ersten Satz leise vor sich hin.
Dann laut.
Und diesmal steht keine Glasscheibe zwischen ihr und den Leuten.
Sie hält jede Pause.
Nach dem Auftritt sagt eine Freundin, sie habe geklungen wie jemand, der wirklich da ist.
Genau darum geht es.
Die Gifte nehmen dir nicht den Text.
Sie nehmen dir die Anwesenheit.
Und Anwesenheit ist das, was ein Saal am deutlichsten merkt.
Am nächsten Morgen um zehn klingelt Jonnas Handy.
Sie geht ran.
