9 Dinge, die immer in deine Bühnentasche gehören

Packliste · Bühnentasche packen

9 Dinge, die immer in deine Bühnentasche gehören

Bühnentasche packen: ein Waschbär schnuppert auf einer Bahnsteigbank an einer offenen Umhängetasche mit Gaffer-Tape und Taschenlampe
Gaffer-Tape und Taschenlampe, gründlich geprüft · bahn-slam.de

Freitag, 20:10 Uhr, ein Club mit zwei Räumen.

Merle, 23, hält Bühnentasche packen für etwas, das nur Profis machen.

Sie hat ihr Handy dabei, ihr Ticket und ihren Text.

Mehr braucht man doch nicht.

Vorne macht eine Band Soundcheck.

Hinten soll in fünfzig Minuten der Slam beginnen.

Dazwischen: eine Tür aus Sperrholz.

Merle sitzt auf einer Getränkekiste im Flur und will ihren Text ein letztes Mal durchgehen.

Es geht nicht.

Der Bass kommt durch die Wand, durch die Kiste, durch ihren Brustkorb.

Sie hört ihre eigenen Zeilen nicht mehr.

Ihr Text liegt auf dem Handy, und das Handy steht bei neun Prozent.

Auf ihrem Shirt trocknet ein Kaffeefleck aus dem Regionalexpress.

Da kommt Gunda vorbei, 58, Technikerin des Hauses, seit dreißig Jahren mit Bands unterwegs.

Sie greift in ihre Hosentasche und drückt Merle etwas in die Hand, das 1,29 Euro gekostet hat.

Was es war, erfährst du weiter unten.

Es ist nicht das, was du gerade denkst.

Merle und Gunda gibt es so nicht. Aber den Abend, an dem genau das fehlt, was zu Hause im Flur liegt, kennt fast jeder, der auftritt.

Kennst du das?

Du hast wochenlang an deinem Text gefeilt.

Und dann scheitert der Abend an etwas, das mit deinem Text gar nichts zu tun hat.

An einem Kabel.

An einem Akku.

An einem Fleck.

Genau dafür ist dieser Beitrag da.

Du packst deine Bühnentasche einmal, in Ruhe, für alle Abende, die noch kommen.

Neun Dinge, drei Fächer.

Die meisten davon liegen schon irgendwo bei dir herum.

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Bühnentasche packen: einmal richtig, dann nie wieder

Packliste · BühnentascheBlatt 1 von 1
Fürdich, vor dem nächsten Auftritt
Fächer3 · Technik · Körper · Kopf
Inhalt9 Dinge, die meisten hast du schon
Gewichtweniger als ein Laptop
Regeleinmal packen, dann bleibt sie im Flur stehen

Das hier ist keine Ausrüstungsliste für Profis.

Es ist eine Liste gegen Panik.

Und das Beste daran?

Du packst die Tasche ein einziges Mal.

Danach steht sie fertig im Flur, und du nimmst sie einfach mit.

Ein Werkzeugkasten wird nämlich nicht für den Normalfall gepackt.

Er wird für den einen Abend gepackt.

Für den Abend, an dem das Mikrokabel wackelt.

An dem der Wind deine Blätter vom Ständer weht.

An allen anderen Abenden merkst du nichts von der Tasche.

Also merke: Eine gute Bühnentasche fällt nur auf, wenn sie fehlt.

Die neun Dinge verteilen sich auf drei Fächer.

Jedes schützt dich vor etwas anderem: vor der Technik, vor deinem Körper und vor deinem eigenen Kopf.

Fach 1: Wenn der Laden dich im Stich lässt

Fach 1 · Außentasche
Gegen die Technik
Inhalt: Gaffer-Tape · Powerbank · Taschenlampe

Ding 1 von 9 · Fach 1
Gaffer-Tape
Zwei Meter um einen Stift gewickelt. Keine ganze Rolle.

Nicht Paketband.

Nicht Kreppband.

Gaffer.

Es hält sofort und geht rückstandslos wieder ab.

Du brauchst es für Kabel, über die jemand stolpern könnte.

Für ein Blatt, das nicht auf dem Ständer bleiben will.

Für einen Mikrofonständer, der fünf Minuten vor Beginn abknickt.

Und für drei Fälle, an die kaum jemand denkt.

Ein kleines Kreuz auf dem Boden zeigt dir, wo du stehen willst.

Zwei Streifen retten ein gerissenes Blatt.

Und ein paar Runden halten eine Schuhsohle, die sich auf dem Weg zum Bahnhof löst.

Bonus: Du musst keine ganze Rolle mitschleppen.

Wickel dir zwei Meter um einen Stift.

Hintergrund · Wer hat’s erfunden?

Ende der 1950er-Jahre suchte der US-Kameramann und Beleuchter Ross Lowell nach einem Klebeband, das am Set hält und trotzdem keine Spuren hinterlässt.

Er kombinierte den Kleber eines vorhandenen Bandes mit einem Gewebeträger.

Heraus kam ein Band, das Hitze aushält und sich sauber wieder ablösen lässt: das Gaffer-Tape.

Einen Oscar bekam Lowell 1980 übrigens auch, einen Technik-Oscar – allerdings für sein kompaktes Lichtsystem, nicht für das Band.

Merk dir diesen Gedanken.

Das wichtigste Werkzeug ist selten das teuerste.

Ding 2 von 9 · Fach 1
Powerbank und Kabel
Für den Text auf dem Handy und für die Fahrkarte nach Hause.

Dein Handy ist für viele das Textbuch und die Fahrkarte zugleich.

Und es geht genau dann aus, wenn du beides brauchst.

Merle weiß das seit heute.

Der Abend kann grandios werden.

Die Heimfahrt wird es dann nicht.

Ding 3 von 9 · Fach 1
Kleine Taschenlampe
Am Schlüsselbund. Sieht aus wie Absicht.

Klingt nach Übertreibung?

Ist es nicht.

Auf vielen kleinen Bühnen ist es dunkler, als du denkst.

Der Scheinwerfer zeigt auf dein Gesicht, nicht auf deine Hände.

Die Handylampe geht zur Not auch.

Sie sieht nur aus, als hättest du nicht damit gerechnet.

Fach 2: Wenn dein Körper dich im Stich lässt

Fach 2 · Innenfach
Gegen deinen Körper
Inhalt: Wasser · Halsbonbons · zweites Oberteil

Ding 4 von 9 · Fach 2
Wasser mit Schraubverschluss
Zimmertemperatur. Ein paar Schlucke, nicht die ganze Flasche.

Es gibt fast immer Getränke im Laden.

Genau das ist das Problem.

Denn die Schlange an der Bar ist immer dann lang, wenn du gleich dran bist.

Eine halbe Stunde vorher reichen ein paar Schlucke.

Zu viel Wasser landet nämlich direkt in der Blase.

Viele Stimmtrainer raten eher zu Zimmertemperatur als zu eiskalt.

Und der Schraubverschluss?

Eine offene Flasche in einer vollen Tasche verwandelt deinen Ausdruck in Pappe.

Ding 5 von 9 · Fach 2
Halsbonbons
Salbei, Isländisch Moos oder Emser. Ein paar Minuten vorher.

Salbei, Isländisch Moos, Emser.

Such dir eins aus.

Sie machen deinen Hals nicht gesund.

Sie halten ihn feucht.

Ein trockener Saal mit Heizung oder Nebelmaschine trocknet dich schneller aus, als du denkst.

Ein Bonbon ein paar Minuten vorher reicht.

Was du tun kannst, wenn es trotzdem kratzt, steht in Heiser vor dem Auftritt.

Ding 6 von 9 · Fach 2
Zweites Oberteil
Zusammengerollt, ganz unten. Gegen Kaffee, Regen und Schweiß.

Das ist das Ding, über das die meisten lachen.

Bis ihnen im Zug jemand Kaffee über die Brust kippt.

Es geht dabei nicht um Eitelkeit.

Es geht um deinen Kopf.

Wer mit einem Fleck auf die Bühne geht, denkt an den Fleck.

Und der Saal denkt mit.

„Das klingt alles nach Hypochonder mit Rucksack.“

Kann sein.

Aber hast du schon mal jemanden sagen hören, er hätte zu viel dabeigehabt?

Eben.

Hintergrund · Apollo 13, April 1970

Nach einer Explosion an Bord mussten sich drei Astronauten in die Mondfähre retten, die nur für zwei Personen gebaut war.

Das Kohlendioxid in der Kabine stieg, denn die Filter der Fähre reichten nicht für drei.

Filter gab es genug, aber nur die eckigen aus dem Kommandomodul, und die passten nicht an die runden Anschlüsse der Fähre.

Am Boden bauten Ingenieure einen Adapter aus dem, was auch oben an Bord lag: Plastikbeutel, Pappe vom Flugplan, Schläuche der Raumanzüge und jede Menge Klebeband.

Die Besatzung baute ihn nach Funkanweisung nach und nannte das Ding „Mailbox“.

Kein Bullshit: Selbst die klügsten Köpfe der Raumfahrt konnten nichts nachbestellen.

Sie konnten nur nehmen, was schon an Bord war.

Zwanzig Minuten vor deinem Auftritt ist es genauso.

Stephen Duneier · „How to Achieve Your Most Ambitious Goals“ · TEDx Talks

Achte beim Zuschauen darauf, wie groß die Ziele sind, von denen er erzählt.

Und wie klein die Schritte.

Deine Tasche ist genau so ein kleiner Schritt.

Fach 3: Drei Dinge ohne Strom

Fach 3 · Flachfach
Gegen deinen Kopf
Inhalt: Text auf Papier · Stift · Ohrstöpsel

Ding 7 von 9 · Fach 3
Dein Text auf Papier
Groß gedruckt, Seitenzahlen oben rechts, Pausen markiert.

Auch wenn du ihn auswendig kannst.

Gerade dann.

Papier geht nicht aus, klingelt nicht und dimmt sich nicht mitten in Strophe drei von selbst herunter.

Druck ihn so groß aus, dass du ihn auf Armlänge lesen kannst.

Mit Seitenzahlen sortierst du heruntergefallene Blätter in Sekunden.

Ohne Zahlen schaut dir der ganze Saal beim Suchen zu.

Und dann markier dir die Pausen.

Unter Anspannung werden fast alle schneller.

Die Striche sind dein Bremsplan.

Dein Bremsplan auf dem Blatt

/  einmal Luft holen
//  kurze Pause
///  Stille aushalten

Ding 8 von 9 · Fach 3
Ein Stift
Für die letzte Korrektur, eine Nummer und den Einfall des Abends.

Der Stift ist das unterschätzteste Ding in der ganzen Tasche.

Du brauchst ihn für die letzte Korrektur, für eine Telefonnummer und für einen Einfall.

Der Einfall ist der wichtigste Fall.

Du sitzt im Publikum, hörst jemandem zu, und plötzlich ist da das Bild, das dir seit Wochen gefehlt hat.

Wer jetzt zum Handy greift, landet in den Nachrichten.

Wer einen Stift hat, schreibt fünf Wörter auf einen Bierdeckel.

Ding 9 von 9 · Fach 3
Ohrstöpsel
Das Ding für 1,29 Euro. Zehn Minuten Ruhe im Kopf.

Und da sind wir wieder bei Merle.

Das Ding für 1,29 Euro, das Gunda ihr in die Hand gedrückt hat?

Zwei Ohrstöpsel aus der Drogerie.

Merle steckt sie rein und stellt sich in eine Ecke.

Der Bass ist noch da.

Aber leise.

Und zum ersten Mal an diesem Abend hört sie ihren eigenen Text.

Nur innen im Kopf, so wie es sein soll.

„Ich will doch die anderen hören.“

Sollst du auch.

Nimm sie für zehn Minuten, nicht für den ganzen Abend.

Es geht um ein Fenster Ruhe, nicht um eine Mauer.

Tim Urban · „Inside the mind of a master procrastinator“ · Wait But Why

Achte darauf, an welcher Stelle seiner Geschichte die Panik ins Spiel kommt.

Und dann frag dich ehrlich, wann du deine Tasche sonst packen würdest.

Genau.

Zehn Minuten vor der Abfahrt.

Ein Blick in Gundas Kiste

Gundas Kiste · drei Ebenen

Oben
Was in jeder Halle gebraucht wird
Mitte
Was manchmal fehlt
Ganz unten
Der Kram für den einen Tag im Jahr

Während Merle in ihrer Ecke steht, räumt Gunda ihre Kiste aus.

Merle fragt, was das wichtigste Stück darin ist.

Gunda lacht und zeigt auf das Klebeband.

Dann sagt sie einen Satz, den Merle nicht mehr vergisst.

„Alles hier drin habe ich irgendwann gebraucht, nichts davon habe ich vorsorglich gekauft.“

Das ist der ganze Unterschied zu einer Ausrüstungsliste aus dem Internet.

Eine gute Tasche wächst aus Erfahrungen.

Auch diese Liste hier ist nur ein Startpunkt.

Wirf raus, was du nach einem Jahr nie angefasst hast.

Drei Dinge aus der Profikiste brauchst du übrigens nicht.

Aus der Profikiste · brauchst du nicht

✕ Eigenes Mikrofon
Der Ton kommt ohnehin aus der Anlage des Hauses.
✕ Notenständer
Steht meistens schon da. Und sonst fragst du.
✕ Ersatzbatterien für alles
An dir hängt ein Gerät, nicht zehn. Die Powerbank reicht.

Und dann zieht Gunda etwas heraus, das in keiner Liste steht.

Ein kleines Handtuch.

Nicht für sich selbst, sondern für die Leute auf der Bühne.

Unter Scheinwerfern schwitzt man, und ein trockenes Gesicht sieht ruhiger aus.

Streng genommen sind es also zehn Dinge.

Aber neun klingt besser in einer Überschrift.

Und genau so soll deine Tasche wachsen.

Jedes Mal, wenn dir etwas fehlt, kommt es danach hinein.

Nach zwei Jahren erzählt sie deine Geschichte.

Ein Waschbär lugt in einer alten Gepäckaufbewahrung zwischen Lederkoffern und einer Umhängetasche hervor
Zwischen alten Koffern in der Gepäckaufbewahrung · bahn-slam.de

Ballast: Was nicht in die Tasche gehört

Gestrichen · bleibt draußen

Ein zweiter Text für alle Fälle
Sonst entscheidest du dich nie.
Der Laptop
Du passt den ganzen Abend auf ihn auf, statt zuzuhören.
Alkohol vorher
Trocknet die Schleimhäute aus, und das hört man.
Bücher ohne Verkaufstisch
Zwei Kilo Papier und eine Frage, die du nicht stellst.
Kopfhörer mit Musik
Fremder Takt statt eigener Rhythmus.

Ein Werkzeugkasten wird durch mehr Werkzeug nicht besser.

Nur schwerer.

Der zweite Text für alle Fälle klingt vernünftig.

Aber wer zwei Texte dabeihat, entscheidet sich bis zur letzten Sekunde nicht.

Die einzige Ausnahme: Niemand konnte dir sagen, wie lange du reden darfst.

Beim Alkohol geht es nicht um Moral.

Es geht um deine Stimme.

Mehr dazu steht in Alkohol vor der Bühne.

Und die Kopfhörer?

Viele erleben, dass fremde Musik kurz vor dem Auftritt den eigenen Rhythmus überschreibt.

Deshalb lieber Stille statt fremdem Beat.

Anhänger · die Tasche selbst

☐ im Stehen zu öffnen
☐ DIN A4 passt flach hinein
☐ sieht aus wie deine
☐ nur für Auftritte, nie für den Alltag

Bleibt die Frage nach der Tasche selbst.

Der wichtigste Punkt steht ganz unten auf dem Anhänger.

Diese Tasche ist nur für Auftritte da.

Denn eine Alltagstasche wird ausgeräumt.

Und dann fehlt genau an dem einen Abend das Klebeband.

„Eine eigene Tasche nur dafür, bei drei Auftritten im Jahr?“

Dann erst recht.

Bei drei Abenden im Jahr erinnerst du dich an nichts.

Die Tasche erinnert sich für dich.

„Ich trete doch nur bei offenen Bühnen auf.“

Gerade dort lohnt es sich, denn offene Bühnen haben oft die einfachste Technik und die längsten Wartezeiten.

Das Pannenbuch: sechs Abende, sechs Lehren

Gundas Pannenbuch · Auszug

1

Das Mikrokabel hat einen Wackler, bei jeder Bewegung setzt der Ton aus.
Gerettet durch: Gaffer-Tape am Ständer
2

Ein Keller mit einem einzigen Strahler, das Blatt ist nicht zu lesen.
Gefehlt hat: eine Taschenlampe
3

Kaffee auf dem Hemd, die Jacke bleibt an, im August.
Gefehlt hat: ein zweites Oberteil
4

Ein Hof, ein Windstoß, drei Seiten fliegen weg.
Gefehlt hat: Seitenzahlen und Wäscheklammern
5

Das Handy mit dem Text steht bei elf Prozent.
Gefehlt hat: eine Powerbank
6

Ein Saal im Januar, trockene Heizungsluft, als Letzte dran.
Gefehlt hat: Wasser und Bonbons

Gunda führt seit Jahren ein kleines Heft.

Darin steht jeder Abend, an dem etwas schiefging.

Merle blättert darin und merkt schnell, was alle Einträge gemeinsam haben.

Keine dieser Pannen hatte mit einem Text zu tun.

Niemand war schlecht, weil er schlecht geschrieben hatte.

Sondern weil der Kopf woanders war.

Bei einem Fleck.

Bei einem Akku.

Bei einem Blatt unter einem Tisch.

Deine Tasche schreibt keine besseren Texte.

Sie sorgt nur dafür, dass du an deinen denken kannst.

Und manche Abende brauchen ein Stück extra.

Zusatzfach · je nach Abend

Draußen
Zwei Wäscheklammern gegen den Wind
In der Schule
Ein paar Zettel mit Schreibimpulsen zum Verteilen
Wettbewerb mit Finale
Ein Riegel, denn das Finale kommt oft spät
Übernachtung
Zahnbürste und Ladegerät, der Rest ist Luxus
Angeschlagen
Thermoskanne mit Tee und ein Halstuch

Bist du angeschlagen und sagst trotzdem nicht ab, gib dem Veranstalter Bescheid.

Nicht als Ausrede, sondern damit du früher drankommst.

Der Zwölf-Sekunden-Test

12 s
Der Test · dauert zwei Minuten

1. Tasche umhängen, nicht abstellen.
2. Klebeband, Stift, Ohrstöpsel herausholen.
3. Zeit stoppen. Über zwölf Sekunden? Umräumen.

Bevor ein Zug losfährt, wird die Bremse geprüft.

Nicht die Idee der Bremse.

Die Bremse.

Mach dasselbe mit deiner Tasche.

Brauchst du länger als zwölf Sekunden, ist nicht die Menge das Problem.

Die Ordnung ist es.

Alles für den Notfall gehört in die Außentasche.

Handwerker nennen das griffbereit.

„Ich finde meine Sachen schon.“

Zu Hause bestimmt.

In einem dunklen Gang, drei Minuten vor deinem Auftritt, mit zitternden Händen?

Da findest du gar nichts.

Kurze Frage

Du darfst heute nur drei Dinge mitnehmen. Welche?

Auflösung anzeigen

B. Diese drei fangen die häufigsten Katastrophen ab: ein leerer Akku, zu viel Lärm im Kopf und Technik, die nachgibt. Zusammen wiegen sie fast nichts.

Aber hier kommt der Haken, über den kaum jemand spricht.

Der praktische Nutzen der Tasche ist der kleinere.

Das Klebeband brauchst du vielleicht bei jedem zehnten Auftritt.

Die Tasche selbst wirkt bei jedem einzelnen.

Denn in dem Moment, in dem du sie dir umhängst, beginnt der Abend.

Im Flur, zu Hause, mit dem Griff in der Hand.

Das ist kein Hokuspokus.

Das ist ein Schalter.

Und weil die Tasche schon gepackt ist, musst du dafür nichts entscheiden.

Die Kraft brauchst du an diesem Abend woanders.

Bonus: Eine gepackte Tasche macht dich für andere brauchbar.

Irgendwann fehlt neben dir jemandem ein Stift, ein Pflaster, ein Bonbon.

Wenn du es dabeihast, bist du nicht mehr neu.

Du bist jemand, bei dem man fragt.

Mehr darüber steht in Warum du ohne Netzwerk verlierst.

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Nach der Fahrt: Was Merle wieder einpackt

Noch am Abend

☐ Zettel in die Innentasche
☐ Namen und Themen notieren

Am nächsten Tag

☐ Benutztes nachfüllen
☐ nach der Aufnahme fragen
☐ einen Satz aufs Lernblatt

Ein Zug wird nach der Fahrt nicht einfach abgestellt.

Er wird durchgesehen.

Bei deiner Tasche dauert das drei Minuten.

Noch am Abend wandern alle Zettel in die Innentasche.

Bierdeckel verschwinden nämlich, und mit ihnen die beste Zeile des Monats.

Wenn dir jemand gefallen hat, schreib den Namen auf und das Thema dazu.

Am nächsten Tag füllst du nach, was du benutzt hast.

Sonst greifst du beim nächsten Mal in ein leeres Fach.

Und das ist schlimmer, als nie eins gehabt zu haben.

Denn du hast dich darauf verlassen.

Dein Packzettel zum Abhaken

Genau das kommt als Nächstes in deine Tasche. Nichts wird gespeichert, das hier ist nur für dich.

Und Merle?

Sie steht an diesem Freitag um 21:40 Uhr auf der Bühne.

Gunda hat ihr den Text im Büro ausgedruckt, zwei Blätter, mit Seitenzahlen.

Über dem Kaffeefleck trägt Merle ein Band-Shirt aus der Merch-Kiste, drei Nummern zu groß.

Und in ihrem Kopf ist es zum ersten Mal an diesem Abend still.

Wie es ausgeht?

Nicht mit einem Sieg.

Mit einem guten zweiten Platz und einem Gefühl, das sie behalten wird.

Nach dem Auftritt will sie Gunda die Ohrstöpsel zurückgeben.

Gunda schüttelt den Kopf.

„Behalt sie, die sind das Erste für deine Tasche.“

Drei Wochen später steht im Flur von Merles WG eine alte Umhängetasche.

Neun Dinge sind drin.

Ganz oben liegen zwei Ohrstöpsel für 1,29 Euro.

Und ganz unten ein Blatt, auf das sie nach jedem Abend einen einzigen Satz schreibt.

Der erste steht schon drauf.

„Pack die Ruhe ein, bevor du sie brauchst.“

Beim nächsten Slam leiht sie einem nervösen Neuling ihren Stift.

Er fragt, woher sie wusste, dass jemand einen braucht.

Sie wusste es nicht.

Genau das ist ja der Trick.

Also merke: Anfänger packen ihren Text ein.

Fortgeschrittene packen alles ein, was zwischen ihnen und ihrem Text stehen könnte.

Such dir diese Woche eine Tasche, pack die neun Dinge hinein und stell sie in den Flur.

Ab jetzt ist Packen keine Entscheidung mehr.

Und dein Kopf ist frei für das, weswegen du hingefahren bist.

Deinen Text.

Mehr Infos · für die nächsten Abende

16 Fragen, die du dem Veranstalter vorher stellst →

Aus den Antworten weißt du, was du wirklich einpacken musst.
8 Rituale vor dem Auftritt, die wirklich helfen →

Für die Stunde, bevor es losgeht.
Improvisieren, wenn’s schiefgeht →

Für alles, wogegen kein Gegenstand hilft.
Du und das Mikro →

Das einzige Werkzeug, das du nicht selbst mitbringst.


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Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch, das du lesen solltest
— Stephan Pinkwart —

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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