Poetry Slam über Träume: die offene Strecke

Jeder Mensch träumt.
Nicht nur nachts.
Auch am Tag.
Von dem, was sein könnte.
Von einem anderen Leben.
Von einem Ziel, das weit weg liegt.
Diese Träume sind ein wunderbares Slam-Thema.
Denn sie zeigen, was in einem Menschen steckt.
Seine Sehnsucht.
Seine Hoffnung.
Seinen Mut.
In diesem Beitrag geht es um die Träume vom Leben.
Nicht um die Träume im Schlaf.
Sondern um das, was du dir wünschst.
Wofür dein Herz schlägt.
Ich zeige dir, wie du darüber schreibst.
Ehrlich, konkret und ohne Kitsch.
Fangen wir an.
Über Träume schreiben: die Sehnsucht sichtbar machen
Ein Traum ist etwas Zartes.
Man trägt ihn oft heimlich mit sich.
Aus Angst, ausgelacht zu werden.
Denn Träume sind verletzlich.
Sie zu zeigen, macht angreifbar.
Genau darum ist ein Traum-Text so stark.
Er wagt es, die Sehnsucht zu zeigen.
Und das Publikum spürt: Da ist jemand ehrlich.
Da öffnet jemand sein Herz.
Denn jeder hat einen Traum.
Auch wenn er ihn versteckt.
Wenn du deinen zeigst, erlaubst du den anderen, an ihre zu denken.
An das, was sie sich einmal gewünscht haben.
An das Gleis, das sie nie befahren haben.
Ein Traum-Text weckt diese Sehnsucht.
Behutsam.
Er fragt: Was wolltest du eigentlich werden?
Wovon träumst du noch?
Und was ist aus dem Traum geworden?
Diese Fragen berühren jeden.
Denn jeder trägt eine offene Strecke in sich.
Die offene Strecke: das Gleis ins Unbekannte
Stell dir eine Bahnstrecke vor.
Sie führt aus dem Bahnhof hinaus.
Und verschwindet am Horizont.
Man sieht nicht, wohin sie führt.
Aber sie ist da.
Sie führt irgendwohin.
Das ist ein Traum.
Eine offene Strecke.
Man kennt das Ziel noch nicht genau.
Man sieht nur die Richtung.
Und spürt: Da will ich hin.
Ein Traum ist kein fertiger Fahrplan.
Er ist ein Gleis, das ins Offene führt.
Und genau das macht ihn spannend.
Und ein bisschen beängstigend.
Denn wer auf die offene Strecke fährt, weiß nicht, was kommt.
Er verlässt den sicheren Bahnhof.
Das braucht Mut.
Viele bleiben lieber im Bahnhof stehen.
Wo alles sicher ist.
Und schauen der offenen Strecke nur nach.
Ein Traum-Text handelt oft von diesem Moment.
Fahre ich los?
Oder bleibe ich stehen?
Walt Disney: der Träumer, den keiner ernst nahm
Denk an Walt Disney.
Heute steht sein Name für Fantasie.
Aber das war nicht immer so.
Als junger Mann arbeitete er bei einer Zeitung.
Und wurde entlassen.
Angeblich fehle ihm die Fantasie.
Stell dir das vor.
Der größte Träumer, weggeschickt wegen zu wenig Ideen.
Dann gründete er eine Firma.
Sie ging pleite.
Er stand vor dem Nichts.
Mehr als einmal.
Viele hätten aufgegeben.
Hätten sich einen sicheren Job gesucht.
Und den Traum begraben.
Aber Disney hielt an seiner offenen Strecke fest.
Er zeichnete weiter.
Er erfand eine kleine Maus.
Und aus dieser Maus wurde ein ganzes Reich.
Filme, Parks, Geschichten für die ganze Welt.
Was lernst du daraus?
Dass ein Traum Rückschläge aushält.
Dass Scheitern nicht das Ende ist.
Dass der, den keiner ernst nahm, am Ende recht behalten kann.
Wenn er nur weiterfährt.
Auf seiner offenen Strecke.
Kleine und große Träume
Nicht jeder Traum ist so groß wie ein Weltreich.
Die meisten Träume sind kleiner.
Und das ist gut so.
Der Traum von einem eigenen kleinen Garten.
Der Traum, einmal das Meer zu sehen.
Der Traum, ein Instrument zu lernen.
Der Traum von einem ruhigen Leben.
Diese kleinen Träume sind genauso wertvoll.
Vielleicht sogar wertvoller.
Denn sie sind erreichbar.
Für einen Text ist das wichtig.
Du musst nicht vom größten Traum schreiben.
Schreib vom echten.
Von dem, der wirklich in dir wohnt.
Auch wenn er klein und leise ist.
Gerade die kleinen, konkreten Träume berühren.
Weil sie so menschlich sind.
Der große Traum vom Ruhm klingt oft hohl.
Der kleine Traum vom eigenen Garten ist wahr.
Zeig deinen echten Traum.
In seiner ganzen Bescheidenheit.
Das ist stärker als jedes große Wort.
Das erste Video zeigt einen Traum vom Abenteuer Leben.
„Träume – Abenteuer Leben“ · Julia D.
Konkret werden: dein einer Traum
Träume im Allgemeinen sind zu vage.
Nimm einen bestimmten.
Deinen einen, konkreten Traum.
Und mach ihn greifbar.
Nicht: Ich träume von Freiheit.
Sondern: Ich träume von einem alten Haus am Meer, mit einer knarrenden Tür.
Spürst du den Unterschied?
Das erste ist ein Wort.
Das zweite ist ein Bild.
Man kann es sehen, riechen, hören.
Je konkreter dein Traum, desto stärker der Text.
Zeig die Details deines Traums.
Wie sieht das Leben aus, das du dir wünschst?
Was tust du an einem Morgen darin?
Wie riecht es, wie klingt es?
Diese Details machen den Traum lebendig.
Sie holen ihn aus dem Nebel.
Und stellen ihn vor die Augen des Publikums.
So wird dein Traum auch für andere sichtbar.
Sie sehen dein Haus am Meer.
Und denken an ihr eigenes.
An ihre eigene offene Strecke.
Der aufgegebene Traum
Es gibt ein Thema, das besonders berührt.
Der aufgegebene Traum.
Fast jeder hat einen.
Etwas, das man einmal werden wollte.
Und dann kam das Leben dazwischen.
Die Vernunft, die Pflicht, die Angst.
Und der Traum blieb im Bahnhof stehen.
Über einen aufgegebenen Traum zu schreiben, ist wehmütig und stark.
Denn es trifft eine leise Trauer, die viele kennen.
Zeig, was du einmal werden wolltest.
Tänzerin, Pilot, Musiker.
Und wie der Traum langsam verblasste.
Warum hast du ihn aufgegeben?
War es vernünftig?
War es feige?
War es einfach das Leben?
Solche ehrlichen Fragen machen einen tiefen Text.
Und vielleicht endet er nicht nur traurig.
Vielleicht ist der alte Traum ja nicht ganz tot.
Vielleicht steht das Gleis noch da.
Man könnte doch noch einsteigen.
Diese Wendung ist kraftvoll.
Vom aufgegebenen Traum zur Frage: Ist es zu spät?
Und oft lautet die Antwort: nein.

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Jetzt Kanal folgenTraum und Wirklichkeit
Zwischen Traum und Wirklichkeit liegt oft eine Kluft.
Der Traum ist schön und perfekt.
Die Wirklichkeit ist mühsam.
Das ist ein spannendes Thema für einen Text.
Denn viele erleben diese Kluft.
Sie träumen von einem Leben.
Und leben ein anderes.
Wie geht man damit um?
Der eine Weg ist die Bitterkeit.
Man hadert mit dem, was man nicht bekam.
Der andere Weg ist klüger.
Man bringt Traum und Wirklichkeit einander näher.
Man holt ein Stück des Traums ins echte Leben.
Du träumst vom Meer und wohnst in der Stadt?
Dann bring dir das Meer nach Hause.
Eine Muschel, ein Bild, ein Wochenende an der Küste.
Kein Traum muss ganz oder gar nicht sein.
Man kann Stücke davon leben.
Zeig in deinem Text diese Kluft.
Und vielleicht die kleine Brücke darüber.
Das ist ehrlicher als der Traum, der alles perfekt macht.
Und tröstlicher als die reine Enttäuschung.
Träume wandeln sich
Träume sind nicht in Stein gemeißelt.
Sie verändern sich mit uns.
Was man mit zwanzig träumt, ist mit vierzig oft ganz anders.
Und das ist kein Verrat am jungen Ich.
Es ist Wachstum.
Man lernt, was einen wirklich glücklich macht.
Und manchmal ist das etwas ganz anderes als gedacht.
Der Traum vom Ruhm wird zum Traum von Ruhe.
Der Traum vom großen Abenteuer wird zum Traum von einem Zuhause.
Darüber zu schreiben, ist interessant.
Denn es zeigt einen Menschen in Bewegung.
Zeig, wovon du früher geträumt hast.
Und wovon heute.
Und was der Unterschied über dich sagt.
Diese Wandlung ist ein starker roter Faden.
Sie führt durch die Zeit.
Die offene Strecke ändert ihre Richtung.
Und das ist in Ordnung.
Man darf umsteigen.
Man darf einen neuen Traum wählen.
Solange man überhaupt noch träumt.
Der Mut zum ersten Schritt
Ein Traum bleibt nur ein Traum, wenn man nicht losfährt.
Der erste Schritt ist der schwerste.
Er führt aus dem sicheren Bahnhof.
Auf die offene Strecke.
Und dieser Schritt macht Angst.
Was, wenn es schiefgeht?
Was, wenn ich scheitere?
Aber es gibt eine Wahrheit.
Der Traum, den man nie versucht, schmerzt am Ende am meisten.
Man bereut selten, es versucht zu haben.
Man bereut, es nicht versucht zu haben.
Darüber zu schreiben, macht Mut.
Zeig den ersten kleinen Schritt.
Nicht den ganzen Traum auf einmal.
Nur den ersten Schritt.
Die erste Bewerbung.
Die erste Stunde Üben.
Das erste Wort auf der Bühne.
Denn kein Traum wird auf einmal wahr.
Er wird wahr in kleinen Schritten.
Einer nach dem anderen.
Auf der offenen Strecke.
Man muss nur den ersten wagen.
Wenn andere deine Träume kleinreden
Träume haben Feinde.
Oft sind es andere Menschen.
Die es angeblich gut meinen.
Sei realistisch, sagen sie.
Davon kann man nicht leben.
Träum nicht so viel.
Solche Sätze sind wie rote Signale.
Sie halten den Zug im Bahnhof.
Über diese Traumkiller zu schreiben, ist stark.
Denn fast jeder hat sie erlebt.
Den Lehrer, der abwinkte.
Die Eltern, die einen sicheren Weg wollten.
Den Freund, der spottete.
Zeig so einen Moment.
In dem jemand deinen Traum kleinredete.
Und wie es sich anfühlte.
Denk an Walt Disney.
Man sagte ihm, er habe keine Fantasie.
Hätte er es geglaubt, gäbe es sein Reich nicht.
Die Lehre ist klar.
Nicht jeder, der deinen Traum kleinredet, hat recht.
Manchmal sagt es mehr über seine eigenen aufgegebenen Träume.
Als über deinen.
Halt an deiner offenen Strecke fest.
Auch gegen die roten Signale der anderen.
Träume brauchen auch Ermutiger
Zum Glück gibt es nicht nur Traumkiller.
Es gibt auch Ermutiger.
Menschen, die sagen: Trau dich.
Die an dich glauben, wenn du zweifelst.
Die dir das grüne Signal zeigen.
Solche Menschen sind Gold wert.
Ein Lehrer, der dein Talent sah.
Eine Freundin, die dich anschob.
Ein Fremder, der ein gutes Wort sagte.
Über diese Ermutiger zu schreiben, ist schön.
Denn es ist ein Dank.
Zeig den Menschen, der an deinen Traum glaubte.
Als du selbst nicht mehr daran glaubtest.
Vielleicht hat ein einziger Satz alles verändert.
Das kann sehr berührend sein.
Und vielleicht bist du selbst so ein Ermutiger.
Für den Traum eines anderen.
Das ist eine schöne Rolle.
Ein grünes Signal zu sein.
Für die offene Strecke eines anderen.
Das nächste Video handelt von dem, was in unseren Träumen lebt.
„In unseren Träumen“ · Hannes Maaß
Übung: der Traum mit zwölf
Hier eine Übung für deinen Traum-Text.
Denk zurück an dich als Kind.
Mit zehn, mit zwölf Jahren.
Was wolltest du damals werden?
Was war dein größter Traum?
Kinder träumen ohne Grenzen.
Sie fragen nicht, ob es vernünftig ist.
Sie träumen einfach.
Erinnere dich an diesen Kindertraum.
Ganz genau.
Und dann frag dich: Was ist daraus geworden?
Habe ich ihn gelebt?
Habe ich ihn vergessen?
Steckt noch etwas davon in mir?
Dieser Blick zurück ist ein starker Text.
Er zeigt das Kind, das grenzenlos träumte.
Und den Erwachsenen, der daraus wurde.
Manchmal berührt es zu sehen, wie weit man sich entfernt hat.
Manchmal ist es schön zu sehen, dass man treu geblieben ist.
Beides ist ein guter Text.
Frag dein zwölfjähriges Ich.
Es kennt deine ursprüngliche offene Strecke.
Häufige Fehler beim Traum-Text
Sammeln wir die Stolperfallen.
Fehler eins: der Kitsch.
Sternschnuppen und Regenbögen berühren nicht.
Fehler zwei: zu abstrakt.
Nimm einen konkreten Traum, kein großes Wort wie Freiheit.
Fehler drei: nur schwärmen.
Zeig auch die Angst, die Kluft, das Scheitern.
Fehler vier: der Motivationsspruch.
Folge deinen Träumen wirkt wie ein Poster, nicht wie ein Text.
Fehler fünf: das erzwungene Happy End.
Nicht jeder Traum wird wahr, bleib ehrlich.
Fehler sechs: den Nacht-Traum mit dem Lebens-Traum verwechseln.
Entscheide dich, worüber du schreibst.
Fehler sieben: kein roter Faden.
Nimm die offene Strecke und halt sie durch.
Wer diese Fehler kennt, schreibt einen Text, der trägt.
Einen, der die Sehnsucht zeigt.
Ohne ins Schwärmen zu kippen.
Der Ton: sehnsüchtig, nicht schwärmerisch
Der Ton entscheidet beim Traum-Text.
Die Gefahr ist das Schwärmen.
Das Übertreiben der schönen Zukunft.
Das wirkt schnell unecht.
Der bessere Ton ist sehnsüchtig.
Er zeigt die Sehnsucht.
Aber er kennt auch die Wirklichkeit.
Ein guter Traum-Text steht mit einem Fuß im Traum.
Und mit dem anderen im echten Leben.
Diese Spannung macht ihn glaubwürdig.
Denn ein Traum ohne Wirklichkeit ist Kitsch.
Und eine Wirklichkeit ohne Traum ist trostlos.
Zeig beides.
Die offene Strecke.
Und den Bahnhof, in dem du noch stehst.
Die Sehnsucht loszufahren.
Und die Angst, die dich hält.
Dieser ehrliche Zwiespalt trifft tiefer als jede reine Schwärmerei.
Denn jeder kennt ihn.
Das Ziehen der offenen Strecke.
Und die Schwere der eigenen Füße.
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Jetzt Kanal folgenDer erste und der letzte Satz
Anfang und Ende tragen viel.
Fang nicht mit einer Erklärung an.
Fang mit deinem Traum an.
„Mit zwölf wollte ich Leuchtturmwärter werden.“
Schon ist das Publikum neugierig.
Der letzte Satz bleibt.
Spar dir dafür dein stärkstes Bild auf.
Vielleicht die offene Strecke, auf die du endlich fährst.
Vielleicht der erste kleine Schritt.
Und dann sei still.
Lass das Bild wirken.
Zwischen Anfang und Ende läuft dein Text.
Vom Bahnhof auf die offene Strecke.
Vom Traum zur ersten Bewegung.
Wenn beide Sätze sitzen, hält die ganze Fahrt.
Übe sie besonders.
Träume und Ziele sind nicht dasselbe
Ein wichtiger Unterschied für den Text.
Ein Traum ist nicht dasselbe wie ein Ziel.
Ein Ziel ist konkret und planbar.
Bis Dezember will ich das schaffen.
Ein Traum ist größer und offener.
Er zeigt eine Richtung, kein genaues Datum.
Beide braucht man.
Der Traum gibt die Richtung.
Das Ziel macht den nächsten Schritt.
Ein Traum ohne Ziele bleibt ein Luftschloss.
Man träumt und träumt und tut nichts.
Ziele ohne Traum sind seelenlos.
Man hakt Aufgaben ab, ohne zu wissen, wohin.
Die Kunst ist die Verbindung.
Der Traum am Horizont.
Und die Ziele als Bahnhöfe auf dem Weg.
Zeig in deinem Text diese Verbindung.
Wie aus einem großen Traum ein erster kleiner Schritt wird.
Ein Ziel, das man heute schon angehen kann.
So wird die offene Strecke befahrbar.
Bahnhof für Bahnhof.
Der Traum als Kompass
Ein Traum muss nicht wahr werden, um wertvoll zu sein.
Das klingt seltsam.
Aber es stimmt.
Denn ein Traum ist auch ein Kompass.
Er zeigt, wohin du willst.
Und danach richtest du dein Leben aus.
Auch wenn du das genaue Ziel nie erreichst.
Der Traum vom Meer bringt dich vielleicht nicht ans Meer.
Aber er bringt dich in die richtige Richtung.
Näher ans Wasser, als du ohne ihn gekommen wärst.
Das ist ein tröstlicher Gedanke.
Denn er nimmt den Druck.
Ein Traum ist kein Vertrag, den man erfüllen muss.
Er ist eine Richtung, an der man sich orientiert.
Zeig in deinem Text, wie dein Traum dich lenkt.
Auch wenn er noch nicht erfüllt ist.
Wie er dir in Weggabelungen hilft.
Wie er sagt: Da lang, nicht dort lang.
So ist der Traum nie umsonst.
Auch wenn die offene Strecke lang ist.
Er hält dich auf Kurs.
Wenn ein Traum wahr wird
Es gibt einen Moment, über den man selten spricht.
Wenn ein Traum wahr wird.
Man denkt, dann sei alles perfekt.
Aber oft kommt eine seltsame Leere.
Man hat das Ziel erreicht.
Und fragt sich: Und jetzt?
Der Zug ist am Ziel angekommen.
Und die offene Strecke ist zu Ende.
Das ist ein überraschendes, ehrliches Thema.
Denn es zeigt: Der Weg war oft das Schöne.
Nicht nur das Ziel.
Die Vorfreude, das Streben, das Wachsen.
Zeig diesen Moment, wenn du ihn kennst.
Als ein Traum in Erfüllung ging.
Und du merktest: Jetzt brauche ich einen neuen.
Das ist kein Undank.
Es ist die Natur des Menschen.
Wir brauchen eine offene Strecke vor uns.
Ein Ziel, auf das wir zufahren.
Der erfüllte Traum ist schön.
Aber der nächste Traum wartet schon.
Und das ist gut so.
Es hält den Zug in Fahrt.
Man ist nie zu alt zum Träumen
Viele glauben, Träume seien nur für die Jungen.
Das ist falsch.
Man ist nie zu alt zum Träumen.
Auch mit siebzig kann man eine offene Strecke haben.
Einen Traum, den man endlich angeht.
Denk an all die Menschen, die spät begannen.
Die mit sechzig ein Instrument lernten.
Die im Ruhestand die Welt bereisten.
Die mit achtzig ein Buch schrieben.
Es ist nie zu spät für einen Traum.
Darüber zu schreiben, macht Mut.
Vor allem den Älteren.
Die glauben, ihr Zug sei abgefahren.
Aber am Bahnhof steht immer ein nächster.
Zeig einen späten Traum.
Deinen eigenen oder den eines anderen.
Vielleicht der deiner Großmutter.
Die noch etwas vorhat.
Das berührt.
Denn es sagt: Solange du lebst, gibt es eine offene Strecke.
Du musst nur einsteigen.
Träume kosten Mut und Arbeit
Ein ehrliches Wort zum Traum.
Er kommt nicht von allein.
Träume kosten Mut.
Und Arbeit.
Der schöne Spruch, man müsse nur fest genug träumen, ist gefährlich.
Denn er verschweigt die Mühe.
Walt Disney hat nicht nur geträumt.
Er hat geschuftet.
Jahrelang, gegen Rückschläge.
Ein Traum ist eine offene Strecke.
Aber man muss den Zug selbst fahren.
Kilometer für Kilometer.
Das ist wichtig für einen ehrlichen Text.
Zeig nicht nur die schöne Sehnsucht.
Zeig auch die Arbeit.
Das frühe Aufstehen, das Üben, das Dranbleiben.
Das macht den Traum echt.
Und den Text glaubwürdig.
Denn ein Traum ohne Arbeit ist nur ein Wunsch.
Ein Traum mit Arbeit wird eine Reise.
Und diese Reise lohnt sich.
Auch wenn sie mühsam ist.
Die Angst zu scheitern
Der größte Feind des Traums ist die Angst.
Die Angst zu scheitern.
Was, wenn ich es versuche und es klappt nicht?
Dann habe ich mich blamiert.
Dann war alles umsonst.
Diese Angst hält viele im Bahnhof.
Sie fahren lieber nie los.
Als das Risiko einzugehen.
Über diese Angst zu schreiben, ist ehrlich.
Denn sie ist bei jedem Traum dabei.
Aber es gibt einen Gedanken, der hilft.
Scheitern ist nicht das Gegenteil vom Traum.
Es ist ein Teil des Weges.
Fast jeder Mensch, der etwas erreichte, ist vorher gescheitert.
Oft mehrmals.
Disney ging pleite, bevor sein Reich entstand.
Das Scheitern war eine Station auf der Strecke.
Nicht das Ende.
Zeig in deinem Text diese Angst.
Und den Mut, trotzdem loszufahren.
Denn das Schlimmste ist nicht das Scheitern.
Das Schlimmste ist, es nie versucht zu haben.
Und am Ende der Fahrt zu wissen: Ich bin nie losgefahren.
Der Traum, den nur du hast
Jeder Mensch hat einen eigenen Traum.
Einen, den nur er so hat.
Geformt aus seiner Geschichte.
Aus seinen Wunden und seinen Gaben.
Das ist ein schöner Gedanke für den Text.
Dein Traum ist unverwechselbar.
Niemand sonst träumt genau ihn.
Und darum kann ihn auch niemand sonst leben.
Nur du.
Wenn du deinen Traum nicht lebst, fehlt er der Welt.
Für immer.
Das klingt groß.
Aber es stimmt.
Jeder Mensch bringt etwas Eigenes mit.
Eine eigene offene Strecke.
Zeig in deinem Text, was deinen Traum einzigartig macht.
Warum gerade du ihn träumst.
Woher er kommt.
Das macht den Text persönlich.
Und unverwechselbar.
Wie dein Traum selbst.
Und es erinnert das Publikum daran.
Auch sie tragen einen einzigen, eigenen Traum.
Was ein Traum-Text auslöst
Ein ehrlicher Traum-Text weckt etwas.
Die eigene Sehnsucht.
Während du von deinem Traum erzählst, denkt jeder an seinen.
An das, was er einmal wollte.
An die offene Strecke, die er nie befuhr.
Das kann wehtun.
Aber es kann auch aufwecken.
Vielleicht fasst jemand nach deinem Text neuen Mut.
Steigt in einen alten Traum wieder ein.
Wagt den ersten Schritt, den er lange scheute.
Das ist die schöne Kraft dieses Themas.
Ein Traum-Text kann nicht nur berühren.
Er kann bewegen.
Im wörtlichen Sinn.
Er kann einen Zug wieder in Fahrt bringen.
Der lange im Bahnhof stand.
Denk an Walt Disney.
Man sagte ihm, er habe keine Fantasie.
Vielleicht sitzt in deinem Publikum ein zukünftiger Träumer.
Der nur ein grünes Signal braucht.
Dein Text kann es sein.
Träume in schweren Zeiten
In schweren Zeiten scheinen Träume ein Luxus.
Wer ums Überleben kämpft, hat keine Zeit zu träumen.
Denkt man.
Aber das Gegenteil ist wahr.
Gerade in schweren Zeiten braucht man Träume.
Sie sind das Licht am Ende der Strecke.
Der Grund, weiterzumachen.
Menschen in großer Not haben oft die stärksten Träume.
Der Traum von Frieden.
Der Traum von einem besseren Leben für die Kinder.
Der Traum, dass es einmal leichter wird.
Diese Träume tragen durch die Not.
Über sie zu schreiben, ist bewegend.
Denn sie zeigen die Kraft des Träumens.
Nicht als Flucht.
Sondern als Halt.
Zeig einen Traum, der dich durch eine schwere Zeit trug.
Der dich morgens aufstehen ließ.
Als sonst nichts mehr ging.
Das ist ein starker Text.
Denn er zeigt: Der Traum ist keine Spielerei.
Er ist Überlebensmittel.
Die offene Strecke, die einen aus dem Dunkel führt.
Träume teilen
Träume werden stärker, wenn man sie teilt.
Solange ein Traum geheim bleibt, bleibt er zerbrechlich.
Spricht man ihn aus, wird er wirklicher.
Er bekommt Zeugen.
Menschen, die nachfragen.
Die einen erinnern.
Die mitfiebern.
Das ist der Grund, warum ein Slam-Text so mächtig ist.
Du sprichst deinen Traum vor vielen aus.
Und machst ihn damit ein Stück wahrer.
Denn was man laut sagt, kann man schwerer vergessen.
Zeig in deinem Text den Mut, den Traum auszusprechen.
Gerade weil es Überwindung kostet.
Manche Träume behält man ein Leben lang für sich.
Und sie verstauben im Bahnhof.
Ein ausgesprochener Traum aber fährt los.
Denn nun weiß die Welt davon.
Und die Welt fragt: Und, schon losgefahren?
Diese Frage ist ein sanfter Antrieb.
Sprich deinen Traum aus.
Und lass ihn dadurch wachsen.
Die offene Strecke bleibt
Ein tröstlicher Gedanke zum Schluss.
Die offene Strecke bleibt immer.
Solange du lebst, gibt es ein Gleis ins Offene.
Auch wenn du einen Traum verpasst hast.
Es gibt neue.
Auch wenn du einen Traum erfüllt hast.
Es wartet der nächste.
Das Leben ist nie ganz zu Ende geträumt.
Solange ein Atemzug bleibt, bleibt eine offene Strecke.
Das ist eine schöne, hoffnungsvolle Wahrheit.
Sie sagt: Es ist nie zu spät.
Und es ist nie vorbei.
Zeig in deinem Text diese Offenheit.
Dass immer ein neues Gleis vor dir liegt.
Egal, wie alt du bist.
Egal, was war.
Die Strecke ist offen.
Der Bahnhof steht.
Und der nächste Zug wartet.
Du musst nur einsteigen.
Und dich trauen loszufahren.
Jena, die offene Strecke und dein Text
Stell dir zum Schluss den Bahnhof von Jena vor.
Eine Stadt der Wissenschaft und der Ideen.
Ein Zug steht am Gleis.
Und vor ihm liegt die offene Strecke.
Sie führt hinaus, aus dem sicheren Bahnhof.
Man sieht das Ziel noch nicht.
Nur die Richtung.
Genau das ist ein Traum.
Eine offene Strecke ins Ungewisse.
Die einen ruft.
Und ein bisschen ängstigt.
Denk an Walt Disney.
Man sagte ihm, er habe keine Fantasie.
Er ging pleite, stand vor dem Nichts.
Und hielt an seiner offenen Strecke fest.
Bis aus einer kleinen Maus ein Reich wurde.
Genau darüber kannst du schreiben.
Über deinen einen, konkreten Traum.
Über den Kindertraum mit zwölf.
Über den aufgegebenen, der noch glimmt.
Bleib konkret, bleib ehrlich, ohne Kitsch.
Zeig die Sehnsucht und die Angst.
Die offene Strecke und deine schweren Füße.
Und dann wag den ersten Schritt.
Nicht den ganzen Traum auf einmal.
Nur den ersten Schritt.
Denn ein Traum, den man aufschreibt und ausspricht, fährt schon los.
Die Strecke ist offen.
Steig ein.
Nimm ein Blatt und schreib deinen Traum konkret auf.
Ein Haus, ein Ort, ein Beruf, ein Gefühl.
So genau, dass man es sehen kann.
Dann zeig, was dich noch im Bahnhof hält.
Und den einen kleinen Schritt, den du morgen gehen kannst.
Mehr braucht ein Traum-Text nicht.
Nur deine ehrliche offene Strecke.
Und den Mut, sie zu zeigen.
Vielleicht sitzt im Publikum jemand, der seinen Traum vergessen hat.
Und dein Text erinnert ihn.
An das Gleis, das noch immer offen vor ihm liegt.
Das ist das schönste Geschenk, das ein Text machen kann.
Er weckt einen schlafenden Traum wieder auf.
Denn jeder Traum beginnt mit einem ersten Wort.
Mit dem Mut, ihn überhaupt auszusprechen.
Also schreib deinen Traum auf, heute, ganz konkret.
Gute Fahrt.
